Patrick Schuchter: Sich einen Begriff vom Leiden Anderer machen

Eine Praktische Philosophie der Sorge

Philosophie als Lebenspraxis

Es gibt im Leben philosophische Momente, die uns über das Alltagsgeschäft und unsere eingespielten Wahrnehmungsroutinen erheben. Möglicherweise hängt manchmal im Leben alles davon ab, ob wir es verstehen, die in solchen Momenten aufleuchtende Weisheit ernst zu nehmen und sie für unser tägliches Leben und Arbeite zu nutzen.

Auf der Basis eigener Lebenserfahrung im Pflegebereich und Leseerfahrungen in der Philosophie will uns Patrick Schuchter eine Abhandlung über eine Ethik der Sorge, verstanden als lebenspraktische Anleitung und nicht als wissenschaftliche Abhandlung vorlegen. Nach einer Analyse des Begriffs „Sorge“ erzählt Schuchter die Geschichte der legendären Krankenschwester Florence Nightingale und arbeitet an ihrem Beispiel weitere Punkte der Sorge aus verschiedenen Blickwinkeln heraus, sei es die Religion, sei es auch das Frauenbild oder das Verhältnis zwischen praktischer Pflegearbeit und Theorie der Sorge.

Danach wendet er sich der Philosophie zu, bei welcher er sich hauptsächlich auf die hellenistische bezieht, diese kurz in der Zeit verortet als Ganzes, ihre einzelnen Richtungen und Philosophen vorstellt, um dann ihre Aussagen zum Bereich Sorge herauszuarbeiten. Auffallend ist, dass sich alle Philosophen grundsätzlich mit der Selbstsorge beschäftigen, nicht mit der Fürsorge. Es geht ihnen in erster Linie also darum, dass der Mensch sich selber erkennen und sich um sich kümmern soll. Allerdings kann Schuchter den Bogen von der Selbst- zur Fürsorge schlagen, indem er aufzeigt, dass diese Selbstsorge dem Gemeinwohl dient, also im Endeffekt die Basis für eine Fürsorge sein muss.

Der Apell an die Selbstsorge ist also als ein Weckruf zu sehen, sich nicht um äusserliche Güter wie Macht, Reichtum oder Ansehen zu kümmern, sondern um die Schönheit und Tugend der Seele, um die Pflege der moralischen Werte

Patrick Schuchter liefert in diesem Buch auf der Grundlage einer breiten und fundierten Begriffsanalyse der Sorge unter Zuhilfenahme hellenistischer Philosophie eine Ethik der Sorge, welche Impulse für eine philosophische Praxis und Lebenskunst bereitstellen kann.

Das Buch ist sehr komplex, sehr dicht, oft etwas überladen und ausschweifend, verschiedene Kapitel hätten ohne Verlust kürzer und stringenter geschrieben werden. Die Verwendung einer politisch korrekten feministischen Schreibweise kann den Sprachliebhaber etwas stören, die Ersetzung von „man“ durch „frau“ wirkt eher bemühend als frauenfreundlich. Zudem ist das Bemühen nicht konsequent verfolgt worden, heisst es doch im Buch dann „der Philosophierende“. Dies aber nur noch eine Sprach- keine Inhaltskritik. 

Fazit
Ein komplexes, analytisches, fundiertes Buch zur Praktischen Philosophie der Sorge. Empfehlenswert.

Zum Autor:
Patrick Schuchter
Patrick Schuchter (Dr. phil., MPH), Philosoph, Krankenpfleger, Gesundheitswissenschaftler, forscht und lehrt am Institut für Palliative Care und Organisationsethik an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) Wien der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt | Wien Graz. Er ist in unterschiedlichen Palliative-Care- und Ethik-Projekten tätig und beschäftigt sich mit der Frage, wie Reflexionsprozesse zu existenziellen, philosophischen und ethischen Grundfragen organisiert und gestaltet werden können.

Angaben zum Buch:
schuchterbegriffleidenTaschenbuch: 390 Seiten
Verlag: transcript Verlag (18. Juli 2016)
ISBN: 978-3837635492
Preis: EUR: 39.99 ; CHF 44.50
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Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

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Rezension: Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd

Das Leben, die Liebe und andere Banalitäten

Zu diesem Zeitpunkt bin ich zweiundzwanzig. Der Umstand, erwachsen zu sein, gefällt mir ausserordentlich. Aber ich weiss in Wahrheit überhaupt nicht, was ich will, einmal in diese Richtung, dann in die andere, einmal alles, einmal nichts. Und immer fühlt es sich absolut richtig an.

Julian ist 22, Tiermedizin-Student und frisch getrennt von seiner Liebe, von Judith. War die Trennung richtig? Wichtig? Auf alle Fälle bringt sie viele Umtriebe mit sich, unter anderem Geldsorgen, die er durch einen Ferienjob zu beheben sucht: Er übernimmt die Pflege eines Zwergflusspferdes.

Während Julian mit dem Leben hadert, ist das Flusspferd diesem gegenüber mehr als entspannt, es gähnt, frisst, furzt, suhlt sich im Dreck und schläft. Julian mag das Flusspferd. Er mag auch dessen Besitzer, Professor Beham und noch mehr mag er dessen Tochter, Aiko. Trotz dieser doch positiven Gefühle ist die ganze Geschichte alles andere als einfach.

Selbstporträt mit Flusspferd ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von der Liebe und vom Leben. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der sich und seinen Platz in der Welt sucht und sich dabei vor immer neuen Herausforderungen sieht.

Arno Geiger beschreibt auf einfühlsame Weise den Weg eines jungen Mannes auf dem Weg zu sich selber. Die Geschichte ist nicht mit-reissend oder emotional packend, aber immer menschlich, einfühlsam, tiefgründig und ab und an mit einer Prise Humor versehen. Man begleitet Julian gerne beim Erwachsenwerden und erkennt dann und wann auch Fragen, die sich wohl das ganze Leben über wieder stellen.

Gegen Ende nehmen (für den Geschichtshergang unnötige) politische Ereignisse aus den Nachrichten zu viel Platz ein. Blendet man diese aus, bleibt eine ruhig fliessende, stilistisch gelungene und schön lesbare Geschichte.

Fazit:
Ein stilles und einfühlsames Buch. Ein Buch, das einen auf die Reise des Erwachsenwerdens mitnimmt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Arno Geiger
Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, wuchs in Wolfurt/Vorarlberg auf. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien. Seit 1993 ist Arno Geiger als freiberuflicher Schriftsteller tätig und nahm 1996 und 2004 am Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. 1997 debütierte er mit dem Roman Kleine Schule des Karussellfahrens. 1998 erhielt er den New Yorker Abraham-Woursell- Award, 2005 für Schöne Freunde den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis und den Deutschen Buchpreis für Es geht uns gut. 2008 wurde ihm der Johann Peter Hebel-Preis verliehen, 2011 der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Arno Geiger lebt in Wolfurt und Wien. Ebenfalls von ihm erschienen sind Alles über Sally und Der alte König in seinem Exil.

Angaben zum Buch:
geigerselbstportratTaschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (14. Oktober 2016)
ISBN: 978-3423145268
Preis: EUR: 10.90 ; CHF 14.90
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Sarah Bakewell: Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten

„Jedermann schaut vor sich, ich schaue in mich hinein“

Wer einen Lebensratgeber erwartet nach dem Titel, der kann das Buch getrost weglegen – aber: Ich würde es nicht raten, denn es enthält etwas viel besseres: Die Lebensgeschichte Montaignes – und das auf eine Weise, wie sie ihresgleichen sucht.

Sarah Bakewell gelingt in diesem Buch die Quadratur des Kreises: Sie entführt den Leser in die Zeit Montaignes, zeigt ihm die historischen Gegebenheiten, politischen Verhältnisse und gesellschaftlichen Vorstellungen dieser Zeit, stellt dann Montaigne als Mensch hinein in die Zeit und beschreibt, wie er sich darin bewegte. In der Folge spinnt sie ein Netz aus Zeit, Mensch und Werk, beleuchtet dabei Montaignes Gedankengänge und wie sie sich in seinem Werk niederschlugen.

Mein wesentlicher Charakterzug […] ist die Neigung, mich mitzuteilen und zu offenbaren: Zu Geselligkeit und Freundschaft geboren, bin ich vor aller Augen ganz nach aussen gewandt.

Montaigne beschloss eines Tages, seine politische Laufbahn zu beenden und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Dazu zog er sich in sein Turmzimmer zurück und schrieb. Er schrieb nicht, um zu belehren, vielmehr schrieb er, was er alles bei sich entdeckte, in der Welt wahrnahm, dachte.

Ich wende meinen Blick nach innen, und da halte ich ihn fest und lasse ihn verweilen. Jedermann schaut vor sich, ich schaue in mich hinein. Ich habe es nur mit mir selbst zu tun. Ich beobachte mich unablässig und prüfe mich, ich koste mich […]. Ich wälze mich in mir selbst.

Kein Thema war tabu, er schaute hin. Damit stiess er, als es ums verlegen ging, nicht nur auf offene Türen, auch später noch fanden sich seine Essais immer mal wieder auf den Listen der verbotenen Bücher.

Montaigne liess sich nicht beirren, er schrieb weiter neue Essais oder ergänzte die alten durch neue Gedanken oder Sichtweisen. Dies und der Umstand, dass die Essais in den Händen zweier Freunde waren, die unter Umständen auch Ergänzungen und Veränderungen vornahmen, ist die wirkliche Entstehungsgeschichte der Essais nicht ganz gesichert, was dem Lesegenuss aber keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Montaigne wurde über all die Jahre begeistert gelesen und hinterliess bleibende Eindrücke, allen voran den Eindruck: Da schrieb einer, der in mich hineinschauen konnte.

Auch der Rezeption von Montaignes Essais widmet sich Bakewell ausführlich und schliesst damit den Kreis. Montaigne wollte sich mitteilen, wollte etwas hinterlassen, das über ihn hinausweist. Das ist ihm gelungen, wie man aufgrund der vielfältigen Stimmen seiner (oft berühmten) Leser sieht.

Trotz einer Flut von Informationen ist das Buch nie langatmig oder gar staubtrocken. Sarah Bakewell ist es gelungen, eine flüssig lesbare, fundierte, durch breites Wissen und tiefe Kenntnis betechende Biographie zu schreiben, die einen grosse Lust auf die Lektüre Montaignes selber macht. Sie hat also einfach alles richtig gemacht!

Fazit
Ein wunderbares, fundiertes, gut lesbares und umfassendes Buch über das Leben Montaignes, das Lust auf mehr macht. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor:
Sarah Bakewell
Sarah Bakewell lebt als Schriftstellerin in London, wo sie außerdem Creative Writing an der City University lehrt und für den National Trust seltene Bücher katalogisiert.

Angaben zum Buch:
BakewellMontaigneGebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: C. H. Beck Verlag (21. Juli 2016)
Übersetzung: Rita Seuss
ISBN: 978-3406697807
Preis: EUR: 16.95 ; CHF 23.90
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Rezension: Petra Harms: Wohnideen aus dem wahren Leben

Inspiration fürs eigene Zuhause

„Wohnideen aus dem wahren Leben“ verspricht das Buch und liefert damit auch Wohnideen für das wahre Leben. Sind die meisten Bücher zu Interior Design immer schön anzuschauen, aber weit weg von der eigenen Wohnsituation und finanziellen Möglichkeit, stellt Petra Harms hier Ideen für die Umgestaltung des eigenen Zuhauses vor, die jeder leicht nachmachen kann.

Eine Jury aus den bekannten Bloggern Igor Josifovic von Happy Interior Blog, Gudy Herder von Eclectic Trends und Ricarda Nieswandt von 23qm Stil hat die besten Wohnblogger im Netz aufgestöbert und gleich noch prämiert. Im vorliegenden Buch finden sich nun wunderbare Ideen derselben, das eigene Zuhause zu gestalten, nach Themen gegliedert, so dass der Leser ganz einfach findet, was er sucht: Egal ob es Inspiration für Farbkonzepte, Wanddekoration oder verschiedene Stile ist, er wird fündig.

Wie beim Callwey-Verlag üblich präsentiert sich das Buch hochwertig mit wunderbaren Bildern, einem stilvollen Layout sowie ansprechender Typographie – so wird das Anschauen zur wahren Freude.

Wer noch weiter stöbern will, findet im Buch Links zu den einzelnen Blogger sowie zu deren Lieblingsshops im Netz.

Fazit:
Ein sehr inspirierendes Buch, das Ideen aus dem Leben fürs Leben und Wohnen gibt. Wunderschön aufgemacht, eine wahre Augenfreude. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor und den weiteren Mitwirkenden
Petra Harms ist freie Autorin und schreibt für diverse Frauenmagazine, u.a. die Zeitschriften „Myself“ und „InStyle“. „Wohnideen aus dem wahren Leben“ hat sie bereits redaktionell begleitet. Petra Harms lebt und arbeitet in München. Die Blogger-Jury: Igor Josifovic von Happy Interior Blog ist einer der bestvernetzten Designblogger in Europa. Er ist unter anderem Gründungsmitglied von „Urban Jungle Bloggers“, einer internationalen Blogger-Community. Sein Blog verzeichnet durchschnittlich 30.000 Besucher im Monat. Ricardas Blog „23qm Stil“ gehört zu den bekanntesten Wohnblogs in Deutschland. Ausserdem ist sie Gründerin von BLOGST, einem Netzwerk für deutsche Lifestyle Blogger, für das sie Events und Workshops organisiert. Gudy Herder von Eclectic Trends lebt seit vielen Jahren in der Szene-Stadt Barcelona. Sie ist in der europäischen Blogger-Community bekannt als Trend Expertin, gibt Konferenzen und berät Kunden zum Thema Interior&Lifestyle Trends. In ihren Workshops unterrichtet sie die Kreativtechnik Moodboarding und zeigt dabei Techniken, Tipps und Tricks wenn ein Konzept visuell und haptisch verständlich gemacht werden soll.

Angaben zum Buch:
Harms_Wohnideen_finalBroschiert:224 Seiten
Verlag: Verlag Georg D.W. Callwey (16. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3-7667-2176-1
Preis: EUR 29.95 / CHF 42.90

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Rezension: Alice Buckley: Entspannt wohnen mit den richtigen Farben

Heute bedeutet ein Zuhause weit mehr als Schutz und Unterkunft. Wir richten es zwar so ein, dass es diese Notwendigkeiten erfüllt, aber auch so, dass es unsere Persönlichkeit widerspiegelt, unsere Hoffnungen, unser Innerstes. Man kann das auf vielerlei Farben tun. Licht und Farbe, die beiden Faktoren, die uns auch in der Natur umgeben, können unseren Lebensraum grundlegend beeinflussen und verändern.

Die Autorin will dem Leser ihres Buches helfen, sein Zuhause nach den eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Geschmack zu gestalten. Dazu führt sie zuerst in die Farblehre Ewald Herings ein, liefert kurze Definitionen verschiedener Farbgruppen und konzentriert sich auf die Neutralfarben, welche eher gedeckt erscheinen.

Neutralfarben bestehen aus zwei bis vier Primärfarben, die unterschiedliche Grau- und Brauntöne bilden. Durch Hinzufügen von Schwarz oder Weiss erhält man aufgehellte oder abgedunkelte Töne. .

Diese eher gedeckten (oft als langweilig bezeichneten) Farben soll eine harmonische Stimmung erzielt werden. Wichtig ist dabei, auch die Funktion des Raumes einzubeziehen bei der Auswahl der Farbnuance, da verschiedene Farbkonzepte verschiedene Stimmungen erzeugen.

Alice Buckley betont, dass Inspiration überall geholt werden kann: In Filmen, Alben, in der Natur. Man soll mit offenen Augen durchs Leben gehen und aufnehmen, wie die Dinge auf einen wirken. Daraus kann man dann auch Ideen schöpfen für das passende Zuhause.

Bei der Auswahl des passenden Farbkonzeptes darf auch das Licht und dessen Fluss nicht ausser Acht gelassen werden. Nach einem kleinen Abschnitt über Textur als weiteres Gestaltungsmittel präsentiert das Gestaltungsbuch 200 Farbpaletten, bestehend aus einer Hauptfarbe und passenden Akzentfarben. Ein kurzer Text leitet die Palette ein, zeigt, woher die Inspiration stammt, die zu diesem Konzept führte und zeigt die Gefühle auf, die daraus wachsen können.

Die Gestaltung als Ringbuch macht dieses Buch zu einem guten Begleiter bei der Arbeit des Einrichtens. Es bleibt offen liegen, lässt sich so gut als Arbeitswerkzeug einsetzen. Das Layout ist generell ansprechend, der Text kurz und prägnant. Zu bemängeln ist die Konzentration auf Neutralfarben, welche aus dem Titel nicht ersichtlich ist sowie die kaum vorhandenen Beispielbilder zu jeder Palette. Ein Bild ist etwas knapp, um wirklich einen Eindruck der Wirkung zu erhalten. Da wären weniger Paletten mehr gewesen.

Fazit:

Ein schön gestaltetes Buch, welches einen guten Einblick in die Welt der Neutralfarben gibt. Man kann sicher nichts falsch machen, wenn man sich an die vorgeschlagenen Konzepte hält. Es fehlt die Anschaulichkeit des möglichen Ergebnisses.

Bild Angaben zum Buch:

Ringbuch: 256 Seiten

Verlag: Bassermann Inspiration

Übersetzung: Ulrich Magin

Preis: EUR: 9.95 ; CHF 16.90

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Rezension: Andreas Urs Sommer: Werte

Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt

Was sind Werte und wie viele gibt es?

Als ob nicht alle Worte Taschen wären, in welche bald Diess, bald Jenes, bald Mehreres auf einmal gesteckt worden ist! (Nietzsche)

Werte scheinen in aller Munde. Hört man heutigen Politikern zu, nehmen Werte einen wichtigen Platz in ihren Reden ein. Egal, ob es um die Flüchtlingsproblematik, das Bildungswesen oder Gesundheitssysteme geht – mit Werten wird die eigene Haltung gerechtfertigt und dem Volk schmackhaft gemacht, da es schliesslich die Werte des Volkes seien und man diesen verpflichtet wäre. Während wir im Alltag also ständig mit Werten konfrontiert sind und auch selber drauf bauen, erfahren sie in der Wissenschaft eine eher stiefmütterliche Behandlung.

Andreas Urs Sommer stellt im vorliegenden Buch die Frage, wovon wir eigentlich sprechen, wenn wir von Werten reden. Wer bestimmt sie, was beinhalten sie, was bedeuten sie für eine Gesellschaft und für das Individuum? Er geht dabei strukturiert vor, hält sich an Aristoteles’ Kategorienlehre und stellt entsprechend Fragen:

  • Was ist ein Wert?
  • Wie ist ein Wert?
  • Worauf bezieht sich ein Wert?
  • Wo braucht man ihn?
  • Was haben und tun Werte?
  • etc.

Das Buch handelt nicht davon, welche konkreten Werte wir haben oder haben sollen, sondern versucht sich in einer systematischen Begriffsanalyse dahingehend, herauszufinden, wozu Werte gut und wichtig sind, wie sie beschaffen sind und sein müssen, um in der heutigen Gesellschaft von Nutzen zu sein.

Ein Exkurs des Buches setzt sich mit der Beziehung von Werten und Menschenrechten auseinander, ein weiterer nimmt die Tagespolitik rund um das aktuelle Flüchtlingsthema unter die Lupe. So schlägt Urs Andreas Sommer den Bogen von der theoretischen Analyse hin zur aktuellen Weltlage, wobei er das auch innerhalb der einzelnen Kapitel immer wieder anschaulich und fundiert tut.

Der Titel des Buches mag etwas sperrig klingen und Widerspruch herausfordern, beruft sich aber einfach auf die zugrundeliegende These. Die Wendung, dass es Werte nicht gäbe, besagt schlussendlich nur, dass sie nicht aus sich heraus existieren, sondern vom Menschen gemacht sind.

Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt ist ein fundiertes, analytisch tiefgehendes Buch, das den Begriff des Wertes von allen Seiten betrachtet und versucht, den Sinn und den Nutzen von Werten für den modernen Menschen in seiner Welt herauszuarbeiten. Müsste man etwas negativ anmerken, so wäre dies der oft sehr metaphorische, blumige, in Bilder abdriftende Schreibstil des Autors, der teilweise den Inhalt zu sehr überlagert und in dem Umfang den eher sachlich veranlagten Leser etwas irritieren kann.

Fazit
Ein sehr tiefgehendes, breit abgestütztes und scharfsichtiges Buch über ein Thema, das in aller Munde und trotzdem (oder deswegen?) oft vernachlässigt wird. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor:
Andreas Urs Sommer (*1972) lehrt Philosophie an der Universität Freiburg i.B. und leitet die Forschungsstelle Nietzsche-Kommentar der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Einem breiteren Publikum ist er mit Zeitungs­ und Zeitschriftenartikeln sowie insbesondere mit seinen Büchern Die Kunst, selber zu denken und Lohnt es sich, ein guter Mensch zu sein? sowie Die Kunst des Zweifelns bekannt geworden.

 

Angaben zum Buch:
SommerWerteTaschenbuch: 152 Seiten
Verlag: J. B. Metzler Verlag (10. Juni 2016)
ISBN: 978-3476026491
Preis: EUR: 19.95 ; CHF 25.90

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Rezension: Ulrich Woelk: Was Liebe ist

Liebe mit Hindernissen

Die Frau ist Ende zwanzig und hat dunkle, kurz geschnittene Haare. Hier und das schiessen ein paar eigenmächtige Strähnchen hervor. Ihr Gesicht ist schmal, hell. Sie betrachtet ihn irritiert, wie er da im Anzug und mit Aktentasche vor ihr sitzt. Vermutlich ist er nicht der Typ Mann, mit dem sie üblicherweise zu tun hat.

Auf dem Weg zu einer Konferenz in Berlin, welche um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs betrifft, lernt Roland Ziegler, Vorstand eines Familienunternehmens, Zoe kennen. Zwar scheint sie in einer komplizierten Beziehung zu einem älteren Mann verstrickt zu sein, trotzdem lässt sie ihn nicht los und er will sie wiedersehen. Zoe begleitet Roland schliesslich nach Amsterdam, wo die beiden eine wunderbare Zeit erleben, frei von irgendwelchen Zwängen und voller Nähe.

Roland wird indes immer mehr von der Vergangenheit seiner Familie und seiner Firma eingeholt. Und dann verschwindet auch Zoe plötzlich und es bleibt die Frage zurück: Wer ist sie eigentlich? Ist diese Liebe möglich? Hat Liebe in den heutigen Zeiten überhaupt noch eine Chance? Und aber: Können wir lieben, wenn wir nicht wissen, wer wir sind?

Ulrich Woelks Buch handelt von der Liebe. Es handelt aber auch von der Vergangenheit, vom Erinnern, von Familie. Wie prägt uns unsere Herkunft und welche Verantwortung tragen wir heute für diese und die Taten unserer Vorfahren? Was ist eigentlich Liebe und kann sie bestehen – auch zwischen Gegensätzen?

Was Liebe ist beginnt sehr leise und langsam. Der Erzählfluss plätschert dahin und wird oft unterbrochen von Roland Zieglers Epilepsieerkrankung, welche gerade am Anfang im Roman zu dominant wird, weil sie immer wieder den Fluss stoppt, Informationen bringt, die nicht relevant erscheinen. Den Impuls, deswegen das Buch wegzulegen, sollte man unterdrücken, denn die Geschichte gewinnt mehr und mehr an Fahrt.

Ulrich Woelk hat auf sprachlich hohem Niveau einen tiefgründigen Roman mit stimmigem Plot entwickelt, welcher einerseits ein schwieriges, gesellschaftspolitisches Thema berührt, andererseits den menschlich immer präsenten Fragen der Liebe nachforscht. Entstanden ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt.

Fazit
Ein sprachlich und erzähltechnisch hochstehendes Buch, welches zum Nachdenken anregt durch die Mischung aus Liebe und Gesellschaftspolitik. Empfehlenswert!

Zum Autor:
Ulrich Woelk, 1960 geboren, in Köln aufgewachsen, studierte in Tübingen Physik und promovierte 1991 an der TU Berlin, wo er bis 1994 als Astrophysiker tätig war. Literarische Arbeiten seit den 1980er Jahren; „Aspekte“-Literaturpreis für das Debüt ›Freigang‹ (1990). Seither erschienen Romane, Erzählungen, Theaterstücke. Der Roman ›Die letzte Vorstellung‹ wurde mit Heino Ferch und Nadja Uhl für das ZDF verfilmt (›Mord am Meer‹). Ulrich Woelk lebt in Berlin.

Angaben zum Buch:
woelkliebeTaschenbuch: 304 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (23. September 2016)
ISBN: 978-3423145206
Preis: EUR: 10.90 ; CHF 14.90
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Rezension: Alex Capus: Das Leben ist gut

Geschichten, die das Leben schreibt

Ich kann sie verstehen. Sie muss wieder mal weg aus diesem Kaff. Bei mir ist das anders. Ich könnte von hier weg, wenn ich wollte, aber ich muss nicht. Vielleicht werde ich eines Tages wollen, dann werde ich es tun. Aber bis auf weiteres muss ich nicht.

Nach 25 gemeinsamen Jahren verändert sich was im Leben von Max: Tine ist fortan von Montag bis Donnerstag in Paris und er schläft allein im Bett, ist allein für die drei fast erwachsenen Kinder zuständig und ist allein im leeren Haus, wenn die Kinder zur Schule gefahren sind. Dann hat er Zeit, sich zu überlegen, was Tina wohl macht in Paris, ob sie mit anderen Männern essen geht, sich bei denen gar einhängt auf dem Heimweg, wie sie das bei ihm jeweils tut. Er fragt sich, ob die Männer noch mit ihr in die Wohnung gehen, was da passiert, passieren könnte und was das mit ihm machen würde.

Max ist Schriftsteller, eigentlich, aber statt zu schreiben führt er nun eine Bar. Jeden Morgen öffnet er sie, schlisst sie abends wieder, bewirtschaftet zwischendurch die verschiedenen Gäste. Zu jedem Gast gibt es eine Geschichte, die Max erzählt. Und so plätschert das Buch und das Leben dahin.

Das Leben ist gut ist wohl eines der persönlichsten Bücher von Alex Capus – und eines der schwächsten bislang. Es mutet an wie ein einziges, langes Selbstgespräch, welches von kurzen Erzählungen unterbrochen wird. Das Buch vermischt Banales mit Schönem, immer wieder stösst man auf eine kleine Trouvaille, die einen anspricht, die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Man findet Passagen, die zum Nachdenken anregen und solche, welche den Gedanken von „das kenne ich auch“ auslösen. Trotzdem bleibt irgendwo das Gefühl, dass das ganz normale Leben eben doch nicht das ist, was einen Roman ausmacht, dass da etwas fehlt.

Fazit:
Ein sehr persönliches, leise dahinplätscherndes Buch, mitten aus dem Leben erzählt. Dank einiger schöner, zum Lächeln oder auch Nachdenken anregenden Passagen durchaus empfehlenswert.

Zum Autor
Alex Capus
Alex Capus wird am 23. Juli 1961 in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geboren. Die ersten fünf Lebensjahre lebt er mit seiner Familie in der Wohnung des Grossvaters in Paris, zieht nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Olten in die Schweiz. Neben seinem Studium der Geschichte, Philosophie und Ethnologie an der Universität Basel arbeitet er bei diversen Tageszeitungen als Journalist und ist während vier Jahren als Inlandredaktor einer bei einer Schweizerischen Depeschenagentur in Bern beschäftigt. Zwischen 2009 und 2012 fungiert er als Präsident der Sozialdemokratischen Partei Oltens. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten. Von ihm erschienen sind unter anderem Munzinger Pascha (1997), Der König von Olten (2009), Léon und Louise (2011), Skidoo (2012), Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (2013), Mein Nachbar Urs (2015).

Hier gibt es ein Interview mit dem Autoren.

Angaben zum Buch:
capuslebenGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Hanser Verlag (22. August 2016)
ISBN-Nr.: 978-3446252677
Preis: EUR 20 / CHF 22.90

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Literatur heute – ich hadere

Bei mir stapeln sich die Bücher. Ich wollte sie lesen, wollte sie rezensieren. Neuerscheinungen, die gut klangen, vielversprechend. Der Klappentext machte an, das Thema auch. Ich lese an – und stecke fest. Schon nach wenigen Sätzen meldet sich ein ungutes Gefühl. Ich versuche, es zu ignorieren, lese weiter, es geht nicht weg, im Gegenteil. Ich kämpfe. Hoffe, möchte hoffen können. Beim ersten Buch war es nicht so schlimm, beim zweiten, ging es noch, ab dem dritten fing ich an zu hinterfragen: Liegt es an mir? Liegt es an den Büchern?

Ich habe mich gefragt, was es ist, das mich so ermüdet beim Lesen. Eindeutig ist es nicht, es unterscheidet sich sicher auch von Buch zu Buch. Einige Dinge, die mir auffielen (die Liste ist nicht vollständig, ich habe einiges sicher schnell vergessen/verdrängt):

  • Der rote Faden fehlt. Damit meine ich nicht, dass eine Spannung erzeugt wird, die sich irgendwann am Schluss auflöst und man bis dahin nicht weiss, wie alles zusammen hängt. Es ist mehr so ein Hin und Her zwischen Zeiten, Figuren, Perspektiven, bei welchem man ständig hin und her blättert, um zu sehen, wo man eigentlich genau ist und wer genau was wann wie gesagt, getan, gefühlt hat. Das mag ach so kreativ wirken beim Schreiben, beim Lesen finde ich es absolut ermüdend.
  • Der Anspruch, einen realistischen Roman zu schreiben, wurde zu ernst genommen. In der Folge findet man minutiöse Beschreibungen von Toilettengängen, Frühstückskaffees und endlosen Diskussionen, wie man sie selber schon nicht am Tisch führen möchte, geschweige denn lesen. Doch man entkommt ihnen nicht, will man das Buch fertig lesen. Der Protagonist spricht über sein gestriges Nachtessen, die Schlafprobleme, die verflossenen Beziehungen, die Probleme, mit dem Rauchen aufzuhören. Das mag alles prima und wunderbar sein, aber doch nicht, wenn gerade ein Mord aufgeklärt werden soll?
  • Es findet keine Handlung statt. Das ist oben sicher auch drin, aber es geht noch weiter. Ein Mensch macht mal dies, mal das, denkt mal nach, erlebt dann was. Und so geht es weiter und man sitzt so da und denkt sich: Und nun? So what? Und wenn wir schon beim Denken sind, dann gehen wir gleich weiter zum nächsten Punkt:
  • Die Gedanken sind pseudophilosophisch. Sie haben was von Küchenphilosophie (Küchenpsychologie war gestern). Kalendersprüche reloaded quasi. Damit sollte wohl eine literarische Tiefe, eine intellektuelle Note in das Buch gebracht werden – allein: Es ging ziemlich in die Hose.

Es gäbe sicher noch viel mehr. Schlussendlich bleibt bei allem das Gefühl: Es ist schlicht vertane Zeit. Es bleibt nichts zurück. Ich lese, dann ist es gelesen, Ende. Kein Nachdenken, kein wirkliches Eintauchen. Die einzige Auseinandersetzung war der Kampf, durchzuhalten. Ich habe einmal beschlossen, keine Verrisse zu schreiben. Ich möchte kein Buch negativ rezensieren (ich habe das einmal gebrochen und sogar das tut mir leid). Ein Buch zu schreiben bedeutet meist viel Herzblut, Zeit und Energie. Das achte ich. Und ja, was mir nicht gefällt, kann anderen gefallen. Ich bin wohl verwöhnt durch meine Lieblinge Thomas Mann, Theodor Fontane, Goethe, Stefan Zweig… (ich muss hier aufhören, die Liste wäre unendlich länger), es gab aber durchaus wunderbare Neuerscheinungen, meine Liste der Rezensionen spricht dafür.

Ich lese gerne, ich lese viel. Bücher zu lesen, die nicht packen, dazu ist die Zeit zu knapp. Es tut mir wirklich immer wieder leid, Bücher wegzulegen (und meist auch wegzuwerfen, meine Wände sind voll mit Bücherregalen). Und ich komme zurück: Liegt es an mir? Kommt wirklich nur noch wenig Gutes, das in der Flut der Neuerscheinungen fast untergeht?

Rezension: Frank Berzbach – Formbewusstsein

Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge

Erst [die] Beschränkung ermöglicht Freiheit. […] Zerstreuung hingegen ist eine Urfom der Formlosigkeit: sie lässt uns den Halt verlieren, macht Menschen zu ferngesteuert agierenden Wesen, die ihren Rhythmus verlieren, nur noch um sich selbst kreisen und schliesslich verrohen und erkranken. Alles, was stirb, verliert seine Form. Formlosigkeit erzeugt Leid.

Frank Berzbach richtet im vorliegenden Buch seinen Blick auf die alltäglichen Dinge, die uns umgeben. Obwohl wir täglich mit ihnen zu tun haben, nehmen wir sie selten bewusst wahr, sondern erledigen sie nebenbei, quasi formlos. Egal, ob es sich um Ernährung, Liebe oder Kleidung handelt, ob es den Umgang mit den Medien oder dem eigenen Besitz betrifft, wir haben die bewusste Steuerung unseres Verhaltens im Umgang damit oft verloren und agieren quasi fremdgesteuert (zwar selber agierend, aber nicht wahrnehmend, worauf gründend). Erst, wenn wir Achtsamkeit den Dingen und unserem Verhalten zu ihnen entwickeln, werden wir wieder Herr unseres Verhaltens, dann geben wir unserem Leben eine Form – und zwar die von uns gewünschte Form.

Wir sind dem Alltag nicht passiv ausgesetzt, sondern können aktiv formend in ihn eingreifen.

Wir lernen durch das bewusste Tun, im Hier und Jetzt zu sein, in der Gegenwart zu leben und uns nicht in Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren. Ein solches aktives Tun führt wiederum zu mehr Wohlgefühl und Gesundheit, es lässt uns wachsen, weckt unsere Kreativität.

Formbewusstsein kann als Anknüpfung an Frank Berzbachs Buch Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen gesehen werden. Wieder geht es Berzbach darum, den Blick auf die Haltung im und zum Leben zu richten und eine Achtsamkeit zu entwickeln. Durch diese Achtsamkeit dem eigenen Tun gegenüber gewinnen die Dinge ihren Wert und ihre Form und prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Das bewusste Hinsehen und die Formgebung lassen uns zu agierenden Menschen werden im Gegensatz zu bloss ausführenden Marionetten, die von Gewohnheitsmustern gesteuert werden.

Das Buch wirkt ab und an unstrukturiert und lose zusammengewürfelt, es reiht Geschichten, Einsichten und Anleitungen quasi formlos aneinander, die einzig durch das Thema des Kapitels, in welchem sie stehen, verbunden sind. Dem Anspruch einer durchdachten Philosophie wird das Buch so nicht gerecht, wobei es diesen Anspruch wohl auch nicht erfüllen sollte. Ab und an klingt ein moralisierender und leicht tadelnder Unterton an, der wenngleich sicher nicht ganz unberechtigt, so doch etwas bemühend ist. Diese Kritikpunkte – wenn sie denn solche sind – nur am Rande, der guten Ordnung halber.

Das Buch ist inspirierend, weckt den Blick auf das eigene Verhalten, lässt einen dieses hinterfragen und dem eigenen Tun auf die Schliche kommen. Frank Berzbach gelingt es, in einer leicht lesbaren Sprache aufzuzeigen, wie man mit kleinen Veränderungen im eigenen Leben wieder Steuermann werden kann und grosse Wirkung erzielen. Die weiterführenden Literaturtipps im Hintergrund können zudem dazu dienen, den ersten Kritikpunkt auszumerzen, so dass jeder, der tiefer tauchen will in bestimmten Bereichen, weiss, wo er das tun kann.

Fazit:
Ein inspirierendes und motivierendes Buch, das den Leser mitnimmt auf eine Reise zu sich selber und ihm Wege aufzeigt, das Leben lebendiger zu gestalten. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Frank Berzbach
Frank Berzbach, geboren 1971, hat in Köln und Bonn Pädagogik, Psychologie und Literaturwissenschaft studiert und an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main promoviert. Nach einigen jahren in der Bildungsforschung war er Fahrradkurier für einen schönen Buchladen. Er unterrichtet Psychologie und Kulturpädagogik an der ecosign/Akademie für Gestaltung und an der Fachhochschule Köln. Auch von ihm erschienen: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen.

Angaben zum Buch:
BerzbachFormbewusstseinBroschiert:192 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (29. Juni 2016)
ISBN-Nr.: 978-3874398725
Preis: EUR 29.80 / CHF 41.90

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Rezension: Susan Sontag – Tagebücher 1964 – 1980

Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke

Gefühl mangelnder Einheit der Persönlichkeit. Meine verschiedenen Ichs – Frau, Mutter, Lehrerin, Geliebte, etc. – wie fügen sie sich zusammen?

David Rieff , der Sohn von Susan Sontag, leitet die Tagebücher mit persönlichen Worten über seine sensible, oft melancholische, nachdenkliche Mutter ein. Er verweist auf die Widersprüche in ihrem Denken, ihre Natur als lebenslang Lernende. Liest man die Tagebücher, zeigt sich eine Frau, die kein Glück in der Liebe hat, die über die gescheiterten Beziehungen nachdenkt, sich hinterfragt, die anderen hinterfragt. Die Erfüllung ihres Lebens ist ihr das Schreiben. In ihm findet sie sich, erkennt sie sich, kann sie ihr Denken strukturieren.

[…]die Tatsache, dass sie kein Glück in der Liebe erlebte, [ist] meines Erachtens genauso sehr Teil ihrer Persönlichkeit wie die tiefe Erfüllung, die sie im Schreiben fand, un die Leidenschaft, mit der sie, wenn sie gerade nicht schrieb, ihr Leben als ewig Lernende anging, als eine Art ideale Leserin bedeutender Literatur, ideale Liebhaberin bedeutender Kunst, ideale Betrachterin beziehungsweise Hörerin bedeutender Theaterstücke, Filme, Musik.

Susan Sontag ist sehr ambivalent in ihrem Denken. Einerseits sieht sie sich anderen an Intelligenz überlegen, andererseits genügt sie oft ihren eigenen Ansprüchen nicht. In ihrem Tagebuch betreibt sie nicht nur Selbstanalyse und analysiert ihre Lieben, sie schreibt über Bücher, die sie las, Filme, die sie sah, Theater, die sie besuchte. Sie macht Listen von Wörtern, um ihren Wortschatz zu erweitern, hält Ideen für neue Texte fest, lässt Gespräche, die sie geführt hat, nochmals Revue passieren.

David Rieff nennt das vorliegende Buch einen

 Roman der tatkräftigen, erfolgreichen Erwachsenen.

Er folgt chronologisch auf den Band Wiedergeboren, in welchem sich die junge Susan Sontag

ganz bewusst damit beschäftigt, sich selbst als die Person, die sie sein wollte, zu erschaffen oder vielmehr neu zu erschaffen, eine Person fernab der Welt, in der sie geboren und aufgewachsen war.

Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke ist das Zeugnis einer intelligenten, nachdenklichen, oft von sich und dem Leben enttäuschten, es aber immer wieder hinterfragenden und anpackenden Frau. Stets erfindet sie sich neu in der Überzeugung, dass man das, was man sein will, sein kann, weil man selber das Produkt der eigenen Vorstellung ist. Eine Frau, die Kunst und Kultur liebt, die Grossen verehrt, selber bedeutend sein und neben ihren Idolen stehen will, sich aber doch oft nur als ihre Schülerin glauben kann, ihnen untergeordnet. Sie schwankt zwischen dem Gefühl eigener Grösse und der Frustration, nicht gross genug zu sein, meidet Gesellschaft und fürchtet doch die Einsamkeit. Eine Frau voller Widersprüche: spannend, einnehmend, inspirierend.

Fazit:
Ein inspirierendes, tiefes, persönliches, menschliches Buch von einer grossartigen Frau und klaren Denkerin. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Susan Sontag
Susan Sontag, 1933 in New York geboren, war Schriftstellerin, Kritikerin und Regisseurin. Sie erhielt u.a. den Jerusalem Book Prize 2001, den National Book Award und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bei Hanser erschienen zuletzt Das Leiden anderer betrachten (2003), Worauf es ankommt (2005), Zur gleichen Zeit (Aufsätze und Reden, 2008), Wiedergeboren. Tagebücher 1947-1963 (2010) und Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke. Tagebücher 1964-1980 (2013). Susan Sontag starb 2004 in New York. Über ihr letztes Lebensjahr berichtet ihr Sohn David Rieff in Tod einer Untröstlichen (Hanser, 2009).

Angaben zum Buch:
SontagSchreibenTaschenbuch: 560 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (30. September 2013)
Übersetzung: Kathrin Razum
ISBN: 978-3446243408
Preis: EUR 27.90/ CHF 39.90
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Rezension: Harry Mulisch – Zwei Frauen

Wenn der Tod das Leben in Erinnerung bringt

Vor drei Monaten hatte ich sie zum letztenmal gesehen, ohne Abschied voneinander zu nehmen, waren wir auseinandergegangen. Was sich damals zugetragen hat, muss der Beginn ihres Todes gewesen sein, der nun gekommen war, als wollte er dies besiegeln.

Laura will nach einem langen Tag und einer Flasche Wein ins Bett, als ein Anruf ihr den Tod ihrer Mutter verkündet. Sofort setzt sie sich ins Auto und macht sich auf den Weg nach Nizza, wo ihre Mutter lebte – und nun gestorben war. Auf der langen Fahrt lässt sie ihr Leben Revue passieren, denkt an ihre Kindheit, an ihre Ehe, vor allem aber an ihre Beziehung zu Sylvia. Es ist eine Beziehung, die Emotionen auslöst, Laura in ein inneres Chaos von Schuldgefühlen, Sehnsüchten, innerer Freiheit und Leidenschaft stürzt.

Zwei Frauen ist ein Roman über Kunst, über das Leben und das Spiel. Wo hört das Leben auf, wo fängt das Spiel an? Spielen wir alle Rollen und wann sind wir echt?

[…] ich glaube, jeder Mensch hat eigentlich das Gefühl, dass er nicht dazugehört, zum Leben anderer Menschen. Dass er irgendwie etwas anders ist, ein Gast, und er gibt sich alle nur erdenkliche Mühe, um dafür zu sorgen, dass die anderen es nicht merken.

Es ist ein Roman über die Liebe, über Beziehungen und die Menschen, die sie eingehen. Über allem schwebt immer der Tod, der Abschied. Vielleicht steht eine Kindheitserinnerung Lauras genau dafür:

Weg wollte ich, weg. Aber wann kam ich endlich dort an? Ja, ich glaube, dass ich damals irgendwie dachte, in „Weg“ könnte man ankommen.

Harry Mulisch erzählt die Liebe zweier Frauen in der Ich-Perspektive aus der Sicht Lauras. Laura erlebt, analysiert, erzählt. Sylvia ist dabei immer in dritter Person vorhanden, sie ist das Objekt der Erzählung und der Analyse, vordergründig ohne eigene Initiative. Wenn immer sie in der Geschichte doch die Initiative übernimmt, bricht Chaos aus, zerbricht etwas – und Laura wird in das Ganze hineingeworfen. Sie wird quasi das Objekt ihrer eigenen Erzählung.

Zwei Frauen ist ein tiefgründiger Roman, der auf wenigen Seiten ganze Lebenswelten entwirft. Es ist ein philosophischer Roman, ein psychologischer Roman, der trotzdem nie psychologisierend wirkt, sondern lebensnah bleibt.

Fazit:
Ein tiefgründiger, lebensnaher, zum Denken anregender und einnehmender Roman, erzählt in einer lesbaren Sprache. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Harry Mulisch
Harry Mulisch wurde am 29. Juli 1927 in Haarlem (NL) als Sohn einer deutschen Jüdin und eines ehemaligen österreichischen Offiziers geboren. 1945 verliess er ohne Abschluss die Schule, 1947 wurde seine erste Kurzgeschichte veröffentlicht. Es folgten Romane, Erzählungen, Gedichte, Dramen, philosophische Bücher und Manifeste. 1961 war Mulisch Beobachter des Eichmann-Prozesses in Jerusalem (Strafsache 40/61). Der internationale Durchbruch gelang ihm mit dem Roman Das Attentat, welcher auch verfilmt wurde.

Angaben zum Buch:
MulischZweiFrauenTaschenbuch: 192 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2000)
Übersetzung: Siegfried Mrotzek
ISBN: 978-3499226595
Preis: EUR 7.95/ CHF 11.90
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Rezension: Michel Bussi: Die Frau mit dem roten Schal

Trügerische Erinnerungen?

Wenn Sie am Rand einer Klippe einer schönen jungen Frau begegnen, reichen Sie ihr nicht die Hand. Man könnte glauben, Sie hätten sie hinabgestossen.

Jamal joggt den Klippen entlang, als er zuerst den roten Schal, dann die Frau sieht. Sie will sich von den Klippen stürzen. Jamal will ihr helfen, doch er kommt zu spät – sie springt. Jamal rennt nach unten, mit ihm sind zwei Zeugen da, die die junge Frau fallen sahen. Ein tragischer Selbstmord.

Die Polizei geht bald von Mord aus und sie hat den Mörder gefunden: Jamal. Alles spricht gegen ihn. Erschwerend kommt hinzu, dass auf dieselbe Weise schon andere junge Frauen zu Tode kamen. Und immer war Jamal in der Nähe. Die Schlinge um seinen Hals zieht sich enger und enger und er versucht verzweifelt, seine Unschuld zu beweisen. Er erhofft sich Unterstützung von den anderen beiden Zeugen – doch die sind plötzlich vom Erdboden verschwunden, als ob es sie gar nie gegeben hätte.

Eine spannende Geschichte, die durch Verknüpfungen mit der Vergangenheit immer mysteriöser wird. Bald sieht sich der Leser am gleichen Punkt wie der Protagonist steht: Er weiss nicht mehr, was richtig und was falsch ist.

Die Rückblenden in Form von Mails aus den vergangenen Fällen wirken ab und an ermüdend und langweilig, lassen sich aber gut etwas schneller überfliegen, um im Lesefluss zu bleiben.

Fazit:
Fängt etwas langsam an, wird dann aber immer spannender und zieht einen schliesslich gänzlich in den Bann. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Michel Bussi
Michel Bussi, geb. 1965, Politologe und Geograph, lehrt an der Universität in Rouen. Er ist einer der drei erfolgreichsten Autoren Frankreichs. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind internationale Bestseller. Bei Rütten und atb liegen seine Romane „Das Mädchen mit den blauen Augen“ und „Die Frau mit dem roten Schal“ vor. „Beim Leben meiner Tochter“ und „Das verlorene Kind“ erscheinen im Frühjahr 2016 Mehr zum Autor unter www.michel-bussi.fr

Angaben zum Buch:
BussiFrauRotTaschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Rütten & Loening Verlag (21. August 2015)
Übersetzung: Dr. Olaf Matthias Roth
ISBN-Nr.: 978-3352006760
Preis: EUR 14.99 / CHF 21.90

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Rezension: Guillaume Musso: Weil ich dich liebe

Vom Leben aus der Bahn geworfen

Nicole und Mark Hathaway waren glücklich, bis ihre kleine Tochter eines Tages spurlos verschwand. Drei Jahre nach dem Verschwinden teilte Mark Nicole mit, dass er nicht mehr weitermachen könne, und ging. Sie sah ihn nie mehr – bis zu diesem Tag. Ein Überfall auf offener Strasse, Nicole kommt gerade mit ihrem Freund Eriq von einem Konzert heim. Aus dem Nichts taucht ein Obdachloser auf und hilft ihr.

Sie erkannte ihn nicht gleich. Erst als sie seinem fiebrigen, ungläubigen Blick begegnete, fuhr sie erschrocken zusammen. […]
Eriq schüttelte den Kopf. „Würdest du mir bitte erklären, wer dieser Typ ist?“
Nicole richtete den Blick in die Ferne. Nach einer Weile sagte sie leise: „Es ist Mark, mein Mann.“

Das unverhoffte Auftauchen des Mannes ist nicht alles, kurz darauf wird auch die Tochter der beiden gefunden. Mark ist hoch erfreut, will sie gleich holen – doch Nicole verschwindet von einem Tag auf den anderen, hinterlässt nur einen schwer verständlichen Abschiedsbrief.

Wieder vereint mit seiner Tochter steigt Mark in ein Flugzeug, das die beiden heimbringen soll. Da trifft er auf Evie, die den Tod ihrer Mutter rächen will, und Alyson, eine exzentrische Milliardärstochter, die in der jüngsten Vergangenheit keinen Skandal ausgelassen hat und nun nicht mehr weiterleben will.

Die drei erzählen sich ihre Lebensgeschichten und langsam knüpft sich ein Band, das sie verbindet.

Der Roman beginnt packend, wie man es von Musso gewöhnt ist. Man ist gleich drin im Sog der Geschichte und kann das Buch kaum mehr weglegen. Dann wird es langsamer, seitenweise Rückblenden drosseln das Tempo und machen die Spannung zunichte. Sie wären auch nicht wirklich nötig für die Geschichte, wirken fast wie Füllmaterial, um Seiten zu gewinnen. Dass Musso dann auch noch auf einen Kniff zurückgreift, den er schon mal so ähnlich verwendet hat in einem anderen Roman, trübt den Lesespass noch ein bisschen.

Trotz alledem ist es ein gutes Buch, wenn man eniige Rückblenden überfliegt auch ein kurzweiliges Buch.

Fazit:
Sehr packend am Anfang, etwas langatmig in der Mitte, der Schluss bringt ein Deja-vu für Musso-Kenner. Trotzdem empfehlenswerte Unterhaltung.

Zum Autor
Guillaume Musso
Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren. Er arbeitete als Gymnasiallehrer und Universitätsdozent, bis er 2001 seinen von der Kritik hoch gelobten Debütroman veröffentlichte. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinem zweiten Roman Ein Engel im Winter, den er nach einem schweren Autounfall geschrieben hatte. Auch seine Roman Eine himmlische Begegnung und Vielleicht morgen stürmten auf Anhieb die französischen Bestsellerlisten. Ebenfalls von ihm erschienen ist Nacht im Central Park.

 

Angaben zum Buch:
MussoWeilIchTaschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. Juni 2016)
Übersetzung: Claudia Puls
ISBN-Nr.: 978-3492309264
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90

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