Rezension: Frank Berzbach: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen. Anregung zu Achtsamkeit.

Kreativität als ein Leben in Freiheit

Kreativität wird erst zur Lebensform, wenn wir nicht aufhören, darüber nachzudenken, welchen Sinn unsere Arbeit hat, welche Richtung wir einschlagen wollen und wie wir die Welt besser hinterlassen. Die gute Botschaft … besteht darin, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben, die Richtung zu ändern.

Frank Berzbach richtet sich mit diesem Buch an Menschen, für die „Kreativität eine grundsätzliche Lebensform ist“. Im Zentrum steht dabei die Frage „Wie wollen wir leben?“. Der Autor hat mit diesem Buch nicht nur einen Ratgeber unter vielen geschrieben, der zeigen soll, wie das Leben besser wäre. Er hat basierend auf Philosophie, Psychologie und Zen Buddhismus Werte und Wege zusammengetragen, wie das Leben so lebbar wird, wie man sich das selber wünscht.

Sie sind zwar nicht immer ihres Glückes Schmied, aber noch weniger sind sie NUR Opfer der Umstände.

Berzbach geht der Frage nach, was Kreativität ausmacht, wo wir uns beim Leben derselben im Weg stehen und wie wir sie in unseren Alltag integrieren. Er zeigt auf, wie wir diesen Alltag kreativ leben können. Wir alle sind immer äusseren Umständen unterworfen, können selten einfach von jetzt auf gleich alles umkrempeln und nur noch das leben, was wir gerade als für unsere eigene Entwicklung nötig und wichtig erachten. Wichtig ist aber, das Leben mit Achtsamkeit zu beschreiten, die Dinge nicht nur zu tun, weil sie grad gefordert sind. Indem wir uns bewusst werden, was wir selber vom Leben erwarten, können wir dem Leben auch die Richtung geben, die wir uns wünschen, die uns entspricht – und müssen uns nicht nur treiben lassen und Zwängen ausgeliefert sehen.

Bei all dem steht eine Balance zwischen Verstand und Gefühl im Zentrum. Gerade ein kreatives Leben ist auf Gefühle angewiesen, nur die rationale Herangehensweise an die Welt führt zu wenig weit. Trotzdem ist es wichtig, den Verstand zu gebrauchen, denn alles andere wäre dumm:

Dummheit ist entweder fremdgesteuert und hält sich an alle Befehle oder sie ist permanent egoistisch und feiert die prinzipielle Verweigerung.

Wenn zum eigenen Denken dann noch die leidenschaftliche Hingabe an eine Tätigkeit kommt, gepaart mit Achtsamkeit für die eigenen Gefühle und Befindlichkeiten sowie die unserer Umwelt, kommen wir einem kreativen Leben schon viel näher.

Die Formel für Kreativität ist einfach. Finde heraus, was dich belastet, und lese es ab, so, wie man einen übervoll bepackten Koffer abstellt, den man viel zu lange getragen hat. Wenn wir frei sind und uns nichts beunruhigen kann (…), dann wird die in uns befindliche Schöpfung, egal was sie im Einzelnen sein mag, herausfliessen, völlig natürlich und einfach.

Fazit:
Ein inspirierendes und motivierendes Buch, das tief abgestützt ein kreatives Leben und Wege, es zu leben, aufzeigt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Frank Berzbach
Frank Berzbach, geboren 1971, hat in Köln und Bonn Pädagogik, Psychologie und Literaturwissenschaft studiert und an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main promoviert. Nach einigen jahren in der Bildungsforschung war er Fahrradkurier für einen schönen Buchladen. Er unterrichtet Psychologie und Kulturpädagogik an der ecosign/Akademie für Gestaltung und an der Fachhochschule Köln.

Angaben zum Buch:
BerzbachBroschiert:192 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (10. April 2013)
ISBN-Nr.: 978-3874398299
Preis: EUR 29.80 / CHF 45.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

10 Gedanken zu “Rezension: Frank Berzbach: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen. Anregung zu Achtsamkeit.

  1. Was sind die Grundbedingungen für Kreativität? Sicher Freiheit, meine ich! Zwar kann man auch in Unfreiheit Kunst produzieren, sehr wohl, aber ich stelle mir einfach „Freiheit“ gerne als Grundbedingung vor. Damit die Kreativität gut und ungehindert fliessen kann – auch so eine Prämisse.
    Kreativität sollte kein Muß sein (etwa: Ich war die Woche noch nicht kreativ, also schliesse ich mich jetzt ein und erschaffe etwas! Kann dann aber sein, daß dann plötzlich nichts kommt! Oje, jetzt wollte ich doch kreativ sein! )

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  2. Künstler wie Ai Weiwei zeigen, dass Künstler nicht frei sein müssen um kreativ zu sein. Ich gebe Gerhard recht, dass die Grundbedingung Freiheir eine gute Vorstellung ist. Die Freheit im Kopf kann man nicht einsperren. Die Thesen von Dummheit oder Kreativität von Berzbach halte ich weder für haltbar noch einleuchtend, aber Psychologie und Wissenschaft taugen wenig, um über den Ansporn von Krativität oder Kunst im Allgemeinen zu urteilen, denn schon seit den alten Griechen versuchen Gelehrte die Sinn und Inhalt von Kunst rational zu zerlegen, und das ohne nennenswerten Erfolg. Wissenschaft erklärt keine Kreativität, sie kann diese höchstens zum Selbstzweck nutzen. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich Wissenschaftler an der Umsetzung von kreativen Ideen versuchen, sonst würde es vielleicht heute noch nicht einmal Mobiltelefone geben, obwohl Gelehrte so etwas vor 40 Jahren noch für Humbug hielten 😉

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    • Ich denke, man sollte die Zitate nicht zu absolut setzen. Das mit den Errungenschaften sagt Berzenbach übrigens auch. Jemand, der nicht selber denken mag, ist aber bestimmt nicht kreativ und sehr intelligent wohl kaum. Die Frage wäre: Was genau ist Kreativität? Wie umfassend kann man sie oder muss man sie leben? Freiheit ist in meinen Augen zentral, nicht Freiheit von allem sondern auch in der Frage Freiheit wofür. Und da setzt auch die eigene Sinngebung an.

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      • Du siehst Krativität als Begleiterscheinung der Intelligenz. Ist sie aber nicht. Ich kenne einige sehr kluge Köpfe in denen keine Kretativität steckt. Das du Intelligent und Kreativ bist Sandra, ist ein Geschenk, und nur die Techniken der Kunst lassen sich erlernen, der Impuls dafür steckt in einem, oder auch nicht. Über die Auszüge von Berzenbach ist es schwer angemessen zu urteilen ohne das Buch gelesen haben. Ich hätte grundsätzlich solche Thesen vermieden, wenn ich sie anschließend im Text wieder aushebele, es sei denn ich möchte sowieso nur ein paar Gedanken in den Ring des Lesers werfen 🙂

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  3. „Finde heraus, was dich belastet, und lese es ab, so, wie man einen übervoll bepackten Koffer abstellt, den man viel zu lange getragen hat. Wenn wir frei sind und uns nichts beunruhigen kann (…), dann wird ….“
    Mit solchen Sätzen habe ich meine liebe Mühe. Ich verlasse, verletze, ……. wenn es nur meiner Selbstverwirklichung dient….

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    • Was belastet denn? An der Oberfläche mag es A) sein, aber tiefer ist es oft B) und vielleicht sogar noch tiefer ist es C)
      Manchmal oder sehr oft bedarf es Hilfe, zu B) vorzudringen. Auf der Ebene A) kann jeder handeln und sich freuen, aktiv geworden zu sein..

      Gefällt 2 Personen

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