Harry Mulisch – Das Attentat

 

Als kleiner Junge muss Anton miterleben, wie seine Eltern und sein Bruder umkommen, wie sein Zuhause in Flammen aufgeht. Er geht durch die Mühlen der Nazis und kommt schliesslich zu seinem Onkel, wo er aufwächst. Der Krieg ist bald in weiter Ferne, keine Erinnerung, keine rede mehr davon. Anton studiert Medizin, lebt sein Leben unpolitisch, ohne Zeitung, ohne Nachrichten, ohne Teilnahme am aktuellen Geschehen.

 

Schweigt die Vergangenheit auch vordergründig, so schwelt sie doch im Innern weiter, trägt ihre Früchte, prägt Antons Sein:

 

„Wenn er über die Zeit nachdachte, was er manchmal tat, sah er die Ereignisse nicht aus der Zukunft kommen und durch die Gegenwart in die Vergangenheit gleiten, sondern aus der Vergangenheit kommend sich in der Gegenwart entwickeln und auf eine ungewisse Zukunft zubewegen.“(169/170)

 

Über die Jahre hinweg wird Anton immer wieder mit der Vergangenheit konfrontiert und langsam vervollständigt sich das Puzzle der verhängnisvollen Nacht und Anton kriegt Einblicke in das, was wirklich vorgefallen ist.

 

Ein Buch über Schuld, Unschuld, Wahrheit, Täter und Opfer. Es zeigt auf, dass die Grenzen verschwimmen und klare Zuteilungen nicht möglich sind.

 

Alle taten, was sie taten – aus der Zukunft ein Urteil über die damals Handelnden zu fällen ist oft schwer wenn nicht unmöglich.

 

Fazit:

Ein lesenswertes Buch, das nachdenklich stimmt ohne schwer zu werden, das mitfühlen lässt, ohne auf die Tränendüse zu drücken.

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