So muss es sein

Der Mensch neigt dazu, sein Weltbild als das richtige anzusehen. Wird Toleranz zwar gross geschrieben und jeder spricht sich diesen Wert zu, so zeigt sich doch in kleinen Dingen – die dann Auswirkungen bis in die grossen haben -, dass es damit nicht weit her ist.

Nun kann man sagen, dass es logisch ist, dass die eigene Meinung als richtig gesehen wird, da man sie ansonsten nicht vertreten würde oder könnte, also gute Gründe und Argumente dafür hat. Nur: wer sagt, dass diese wirklich stimmen? Kann ich davon ausgehen, die Wahrheit gefunden zu haben, wenn die andern meiner Wahrheit widersprechen? Wann ist Wahrheit als solche gesetzt und wann nur eine Meinung? Wann ist Meinung wahr oder richtig und nicht nur eine Momentaufnahme oder subjektive Betrachtungsweise?

Der Wandel der Zeit und damit der Wandel der Gesellschaft inklusive der sie ausmachenden Individuen zeigt, dass kaum etwas als gesetzt ansehen kann. Das Zusammenleben von Menschen hat sich in den letzten 100 bis 200 Jahren komplett verändert, was vor 200 Jahren noch gang und gäbe war, gilt heute als veraltet, nicht mehr zeitgemäss. Man nennt das Weiterentwicklung und Fortschritt. Ist der in technischer Hinsicht unbestritten, ist er ab und an in geistiger fragwürdig. Wieso gibt es heute keine Universalgenies wie Goethe oder Kant mehr? Sind die Menschen heute glücklicher mit ihrer gross geschriebenen Selbstverwirklichung und dem Hang zu „alles ist möglich“? Sind die Menschen heute ausgefüllter mit den freien Entscheidungen, die sie treffen dürfen oder sind die gar nicht so frei, wie man meinen darf? Sind wir heute durch das Möglichkeitsdenken nicht neuen und fast noch stärkeren Zwängen unterworfen, indem wir gezwungen werden, ein Modell zu wählen, einfach weil es möglich ist? Sind Beziehungen heute glücklicher, weil man sie aus Liebe (die noch dazu für jeden etwas anderes ist und sich selber auch wieder wandelt mit der Zeit) eingehen kann und bei mangelnder wieder auflösen darf?

Der Mensch wird zum autarken Wesen, jeder soll alles können und dürfen. Jeder ist gleich, jeder hat die gleichen Möglichkeiten. Das klingt gut, klingt gerecht, der Grundgedanke ist es sicherlich auch. Nur was der Mensch draus macht, ist eine andere Geschichte – wie wohl bei allen Grundgedanken. Der Mensch schafft es, die eigentlich guten Modelle durch seine Menschlichkeit ins Negative zu verkehren. So haben sich Kommunismus, Nationalismus und auch Kapitalismus zu Negativa verkehrt. Die Gerechtigkeit hinter der Gleichheit wird es ihnen gleich tun, denn man wird irgendwann merken müssen, dass der Mensch als einzelner gleicher unter anderen einzelnen gleichen, unter denen er frei nach Gefühl und momentaner Laune wählen und abwählen darf nicht auf Dauer glücklich wird, sondern seinen Momentanlaunen ausgeliefert von einem Unglück ins nächste rennt, dabei die Konstanz im Leben vermissen lässt und am Schluss haltlos herumirren wird, sich wünschend, es gäbe etwas, das ist, wie es ist, weil es ist, wie es ist, weswegen er es nicht einfach umstossen könnte.

Liebe kennt keine Bedingungen

Gefallen

Zu gefallen
streben wir,
zeigen uns
im besten Licht.

Akzeptiert zu werden
wünschen wir,
passen uns
dazu auch an

Geliebt zu werden
hoffen wir,
gehen dazu
Kompromisse ein.

Uns selbst zu lieben
vergessen wir
dabei oft
im Dienst am andern.

Wie oft stürzt man in die Falle, dem anderen gefallen zu wollen und sich dazu zu verbiegen, anzupassen, aufzugeben. Man sucht Liebe und merkt nicht, dass der Preis zu hoch und was man kriegt, keine Liebe ist. Denn: Liebe lässt einen leben, wie man ist. Liebe nimmt einen an, wie man ist und will einen nicht verändern.

Wenn jemand Bedingungen stellt, um uns lieben zu können, dann liebt er nicht, dann will er seine Ansprüche durchsetzen unter dem Deckmantel von Liebe und Gefühl. Liebe wird als Preis für die Veränderung angeboten, verschwiegen wird, dass es nie wahre Liebe ist, die nur unter Bedingungen zugeteilt wird.

Herzensbild

Liebe lebt
für sich allein,
ohne Grund
und ohne Ziel.

Liebe lebt
im Hier und Jetzt,
ohne zu suchen,
ohne zu wollen.

Liebe lebt
ohne zu fragen,
ohne Bedingung
oder Zwang.

Liebe lebt
fürs Herz nur fühlbar,
ohne Bild
und ohne Klang.

Was bleibt

Wenn die Träume verflogen
bleibt nur noch der Schatten dessen,
was hätte sein können.

Wenn Illusionen zerplatzen,
bleibt nur noch die Trauer,
die Realität verpasst zu haben.

Wenn Zukunft stirbt,
bleibt nur noch die Gegenwart,
die leer geworden.

Wenn die Seele weint,
bleibt nur noch die Hoffnung,
irgendwann wieder Trost zu finden.

Mama

Ich bau auf dich,
seit es mich gibt.
Ich kenne dich,
von Anfang an.
Kein ständig Sonnenschein,
nein, Wolken zogen
Blitze schlugen
ein mit Gewalt.
Gelacht, geweint,
gekämpft;
miteinander – gegeneinander.
Geflucht, geschimpft,
nicht verstanden –
wieder versöhnt.

Ich bau auf dich
seit ich denken kann.
Ich kenne dich
und du kennst mich.
Wenn Probleme drücken,
Einsamkeit erschlägt,
die Hoffnung fehlt:
du bist da.
Bei Ausweglosigkeit,
Verzweiflung gar,
gibst du mir Halt;
dafür dank ich dir
von Herzen.
Ich liebe dich!

Grenzen der Religionsfreiheit

Eine Institution, in deren Reihen seit Jahrzehnten Kinder missbraucht und ausgebeutet werden, die Völkermordleugner deckt, die Werte vertritt, welche fern jeglichen Zeitbewusstseins sind und Maximen propagiert, welche gesundheitsgefährdend sind (bspw. keine Kondome in einer Zeit von Aids) hat in einer westlich aufgeklärten Welt keine Daseinsberechtigung – es sei denn, diese Institution ist die katholische Kirche.

Die Unrechtmässigkeiten passieren mit schöner Regelmässigkeit, die Leidtragenden sind die Wehrlosen der Gesellschaft, allen voran Kinder, welche den durch das System unterdrückten Trieben der katholischen Gilde Spannungsabbau verschaffen sollen. Die Kirche schaut zu, die Oberen decken die Unteren. Kommt was ans Tageslicht, werden nichtssagende Reden gehalten, alles wird schön geredet, wenn es hart auf hart kommt Zerknirschung geheuchelt – und alles geht weiter wie zuvor.

Überall wird für Gerechtigkeit und Fairness gekämpft, Institutionen müssen ethischen Standards genügen, um überlebensfähig zu sein, gegen Menschenrechte verstossende Institutionen werden angeprangert – bis es sich dabei um eine religiöse Einrichtung in der Grössenordnung der katholischen Kirche handelt. Da wird die Handhabe den Institutionsinternen überlassen, die Welt schaut zu.

Das ist ein noch viel grösserer Skandal. Man schaut zu und schweigt. Wie oft hat die Geschichte gezeigt, dass das ein noch grösseres Verbechen darstellt als das ursprüngliche Verbrechen? Nur durch das schweigende Zuschauen wird die Fortführung von solchen Machenschaften überhaupt ermöglicht.

Darf die Kirche unter dem Deckmantel religöser Freiheit alles machen? Ist sie frei von irgendwelcher folgenreicher Kritik? Müsste man nicht mal dahin gehen, das System als nicht mehr zeitgemäss zu erachten und es zu reformieren? Und vor allem: Wäre es nicht schon lange angezeigt, Überwachung von aussen herbei zu ziehen, wenn man sieht, dass die interne versagt oder gar nicht reüssieren will?

Eine Welt, die die Machenschaften einer katholischen Kirche gutheisst, ist eine korrupte Welt. Sie sollte sich hüten, unter dem Deckmantel von Liberalismus Religionsfreiheit zu propagieren und Ethik scheint in dieser Welt zur leeren Floskel verkommen.

Lug und Betrug

Wo fängt Betrug an? Bei einem Kuss? Bei mehr? Oder schon bei der Absicht eines Kusses? Muss, um zu betrügen, etwas getan werden oder reicht der Gedanke, etwas tun zu wollen? Sind Gedanken frei oder hat auch die Freiheit Grenzen?

Betrug – in meinen Augen – findet da statt, wo ich etwas tue, von dem ich weiss, es verletzt meinen Partner und ich tue es deswegen heimlich. Sobald ich etwas tue, zu dem ich nicht offen stehen kann, weiss ich eigentlich selber, dass das, was ich tue, falsch ist. Denn würde ich es als richtig empfinden, könnte ich dazu stehen, es wären keine Heimlichkeiten nötig.

Nun kann der gewiefte Mensch einwenden, das sei so nicht richtig, denn man könnte ja nur nichts sagen, weil man die Reaktion des andern fürchte oder aber den schützen wolle. Man sage nichts, weil eigentlich alles nichts bedeute, der andere das aber nicht glauben würde. Damit begeht man aber einen zweiten Übergriff. Nicht nur verwehrt man dem andern die Möglichkeit, sich zu allem zu stellen und damit umzugehen, man unterstellt ihm auch noch eine mangelnde Fähigkeit, das zu tun. Man stellt sich über den anderen, indem man für diesen entscheidet, was er erträgt, was nicht, womit er umgehen kann, womit nicht. Man entmündigt ihn und beraubt ihn damit seiner eigenen Urteilsfähigkeit.

Wo Heimlichkeiten Einzug halten, sind Lügen nah. Wo ist die Grenze? Ist etwas, das man nicht sagt, schon eine Lüge? Oder nur ein Verschweigen? Ist es erst dann eine Lüge, wenn man es nicht gesagt hat, weil man weiss, es käme schlecht an? Wird es erst zur Lüge, wenn man statt der ganzen Wahrheit nur die halbe erzählt hat, nur einen Teil vom Ganzen thematisiert hat, Teile ausliess. Oder erst dann, wenn man die Wahrheit abändert? Ist eine Lüge zum Selbstschutz vertretbar? Ist eine Lüge zum Schutz des andern nicht viel schlimmer als alles andere, weil der dabei doppelt herabgesetzt wird? Er wird einerseits der Wahrheit nicht würdig und zweitens als nicht fähig, damit umzugehen angesehen.

Thomas Mann sagte mal: Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als jede Lüge. Wie wahr…

Schuld

Wer ist schuld, wenn in meinem Leben etwas schief läuft? Bin ich es selber, weil ich es hätte besser wissen können? Habe ich es nicht besser gewusst, weil mir die Erfahrung fehlte? Habe ich es nicht besser wissen können, weil mir der Horizont fehlte? Habe ich es gewusst, aber nicht aus meiner Haut können, weil ich in meinen Mustern gefangen war? Schützt Nichtwissen vor Schuld? Muss, um schuldig zu werden, Wissen vorhanden da sein? Was ist es sonst?

Hilft der Schuldbegriff überhaupt? Wobei? Schubladen zu öffnen, Dinge reinzupacken und abzulegen? Und dann? Was ist gelöst?

Oft tragen wir Schuldgefühle in uns, weil wir im Nachhinein finden, wir hätten in der Vergangenheit anders handeln sollen, anders handeln müssen. Wir denken, wir hätten das, was uns unter Umständen widerfahren ist, verdient, weil wir handelten, wie wir es taten. Wir sprechen uns damit das Leid ab, das uns widerfuhr, indem wir uns selber dafür verantwortlich machen und das Leid somit als gerechte Strafe sehen.

Würden wir mit anderen auch so hart ins Gericht gehen? Und wenn ja: wäre das fair? Kann man einen Menschen bestrafen für etwas, das ihm widerfuhr, wenn auch vielleicht aus eigenem Fehlverhalten heraus, das aber niemals willentlich negativ gedacht war? Ist diese perfektionistische und harte Haltung nicht unmenschlich und entbehrt jeglichen Mitgefühls? Kämen wir uns nicht schäbig vor, andere Menschen in ihrem Leid noch einmal zu strafen, indem wir ihnen das Recht auf ihr Leiden absprächen, ihnen sagten, sie hätten das verdient, was ihnen widerfuhr und hätten es nun still zu dulden? Wohl schon. Ein solches Verhalten machte aus der Welt eine noch kältere Welt. Eine Welt geprägt von Verurteilungen, von Abwertungen, von Selbstherrlichkeit. Es wäre eine Welt ohne Empathie, ohne Mitgefühl, ohne Liebe schlussendlich.

Wieso aber sind wir mit uns selber so viel härter als wir das je mit einem anderen Menschen wären? Wieso gestehen wir uns keine Fehler zu, verurteilen uns für jede noch so kleine Fehlhandlung? Mitgefühl fängt bei sich selber an. Indem wir uns selber unsere Schwächen zugestehen, lernen wir, mit uns selber ins Reine zu kommen. Lernen wir, uns anzunehmen, wie wir sind und werden dadurch automatisch auch gegenüber unseren Mitmenschen nachgiebiger. Haben uns vorher noch die Konventionen und Regeln des Zusammenlebens angehalten, Solidarität zu leben, Mitgefühl zu zeigen, kommt es nun von innen heraus. Eine Wechselwirkung von aussen und innen hin zu einer besseren Welt.

Das war das Wort zum Donnerstag – es kam so über mich; ich steh dazu und verurteile es überhaupt nicht 🙂

Keine Zeit

Du eilst durch dein Leben,
welches du verplanst,
anfüllst mit leeren Inhalten,
um nicht die Leere zu fühlen,
um nicht dich zu fühlen.
Du weist alles von dir,
das dich zu dir brächte,
sagst, dein Leben sei schon voll,
angefüllt mit gefühlloser Leere.
Die Angst scheint zu gross,
denn Gefühle könnten schmerzen,
sie zu fliehen erscheint als Lösung,
doch innerlich wächst das Nichts,
das dich immer mehr einnimmt,
doch auszubrechen traust du dich nicht.

Eifersucht

Eifersucht, die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Ab und an erübrigt sich das Suchen, man findet einfach so oder wird fast drauf gestossen. Es gibt viele Theorien, worauf Eifersucht basiert, genannt werden Liebe und Verlustangst, eigener Minderwertigkeitskomplex und Selbstunsicherheit und/oder das Verhalten des anderen; was bleibt ist immer das schlechte Gefühl bei dem, der darunter leidet. Er ist gefangen in seinen Gedanken, die nur um das eine drehen.

Denken

Gedanken fliessen
ständig
spiralförmig
ohne Unterhalt
von einem
zum andern
wie ein springender Brunnen
sprudelnd
schäumend
in sich versinkend.

Er fühlt sich verletzt, fühlt sich in Gefahr, ist unsicher. Er fragt sich, ob das Gefühl Fundament hat. Ob das Fundament tragend werden könnte und die Eifersucht insofern erledigen, als das eintrifft, was sie gesucht oder ungesucht eifrig gefunden.

Eifersucht nagt, plagt, geht tief. Sie wirft durcheinander, verstört. Sie lähmt, macht schwach, lässt hilflos fühlen. Sie ist Reaktion auf Verhalten und insofern provoziert. Vielleicht nicht bewusst, nicht gewollt provoziert, doch dadurch nicht minder schmerzhaft, da auch unbedachtes Handeln schmerzen, mangelndes Feingefühl verletzen kann.

Und irgendwann übermannt dich die Leidenschaft mit ganzem Eifer, und du packst den Eifer, um nach Auswegen zu suchen aus dem Leiden.

Anker setzen

Wie ein Schiff
auf hoher See –
ohne Ziel,
und Horizont.

Uferlos –
so fühl‘ ich mich.
Ohne Hafen,
ohne Anker.

Ein Pirat
auf hoher See –
ohne Zuflucht,
nie daheim.

Wellen schlagen
an den Bug,
bringen mich
ins Schwanken.

Winde rütteln
an den Masten,
lenken ab
und treiben weg.

Nebel schweben
auf dem Meer
verhüllen mir
den Blick.

Land in Sicht,
ersehn‘ ich mir –
Segel und dann
Anker setzen.

Grau

Der Himmel hängt
um Stufen tiefer,
bedrückt durch eisig’ Grau.
Die Bäume kahl
und schweigend,
leblos.
Alles steht
und liegt
brach.
Nirgends geht
oder weht
noch Leben.
Bin es ich,
die’s bewirkt
aus mir heraus.
Ist es dies,
was in mir wirkt,
mich drückt?
Wechselwirkung,
Wechselstrom
oder Zufall bloss?

Die Verfasserin sehnt sich nach Sonne…

Schweigen

Zu viele Worte
Sagt’ ich schon,
ohne gehört zu werden.
Zu viele Worte,
die im Sand verliefen,
mir eher Bumerang schienen.

Zu viele Worte,
die tief kamen,
aber Mauern trafen.
Zu viele Worte,
die auf Schweigen stiessen,
fast Abwehr riefen.

Schweigen ist es,
das klüger scheint,
so scheint es nun.
Schweigen ist es,
das angesagt,
ich tu es nun.

Schweigen ist es,
auch wenn so schwer,
zurückzuhalten.
Schweigen ist es,
was ich tu,
um keine Mauern anzutreffen.

Mauerfall

Ich sah hin
und sah deutlich,
dass geschehen,
was stets gehofft.

Ich löste mich,
blieb stehen
wagte es
mich hinzugeben.

Ich löste mich
von meinen Ängsten,
riss Mauern nieder,
liess Gefühle rein.

Ich sah hin,
erhörte uns,
wagte es,
ignorierte die Furcht.

Ich blieb stehen,
öffnete mich,
liess es zu,
verletzlich zu werden.

Ich öffnete mich,
für den Traum,
weil ich wusste:
er ist real.