That’s life

Das Leben ist schwer. Teilweise sehr. Ab und an denkt man, man hätte ein Abo für negative Dinge, da sich eines ans andere reiht. Als ob sie sich verabredet hätten und nun alle auftauchen wie unliebsamer Besuch. Und oft bleiben sie. Wie der Besuch mit Sitzfleisch, der nicht reagiert, wenn man sich räuspert, gähnt, den Tisch abräumt, von frühen Terminen am nächsten Morgen spricht. Und irgendwann taucht die Frage auf: Wieso eigentlich? Geht das allen so? Nur mir? Was habe ich getan, dass es mich trifft? Was in meinem Verhalten, meinem Sein, meinem Tun löst das aus? Kann es nur Zufall sein?

Zufall oder Schicksal? Am ehesten glaube ich an Ursache und Wirkung. Und genau dieser Glaube versetzt in die Frage nach dem Warum, die oft einfach nicht zu finden ist. Wieso wird jemand krank? Wieso kommt jemand in einem armen Land zur Welt, der andere als Sohn reicher Eltern? Wieso geschehen Umweltkatastrophen (die ganze Klimadiskussion ist hier nicht als Antwort gesucht) und Menschen wohnen genau da, wo sie passieren? Wieso stürzt das eine Flugzeug ab, Menschen sterben, das nächste fliegt durch? Doch Zufall? Wohl schon… irgendwie.

Klar kann man dahin gehen und sagen, wenn man nicht hätte, wäre auch nichts passiert. Aber das bringt schlussendlich wenig. Gewisse Dinge tut man 100 Mal und es geht gut, einmal geht es daneben und man sitzt da. Schlussendlich bleibt wohl die Erkenntnis, dass das Leben eine einzige grosse Herausforderung ist – auf vielen verschiedenen Ebenen. Und wenn man die eine im Fokus hat und dran arbeitet, vernachlässigt man eine andere. Gesund wäre eine Balance in allen Bereichen. Das machen sich einige findige Geschäftsleute zu nutzen und bieten Programme an. Meist bleiben das Ferieninseln, der Alltag holt einen schnell ein.

Also aussichtslos? Das Leben ein einziges Leiden, man selber der Spielball der irdischen Kräfte, die einen hin und her werfen? Ab und an wohl schon. Und doch ist wohl nicht alles verloren. Dass man nicht alles haben kann, ist meine feste Meinung, man kann sich aber überlegen, was man wirklich will. Und da den Fokus auf ein paar wenige Dinge legen, die verfolgen. Weil man weiss, sie sind gut, sie sind richtig. Für einen. Das Problem, das sofort auftaucht: Was finden die anderen dazu? Und schon sitzt man wohl im nächsten Konflikt. Und so reiht sich einer an den anderen und man sitzt so drin und schaut sich um, sieht sich umrandet von den diversen Konflikten, die sich paaren mit Mustern, die man nicht haben will, trotzdem hat, verliert mal die Nerven, schilt sich, findet sie wieder, läuft weiter, um wieder da zu landen.

Und doch. Ab und an gibt es diese Highlights. Die sind toll. Sie machen Freude. Man fühlt sich sogar glücklich. Und denkt, die Welt ist wunderbar. Das Leben wundervoll. Und man möchte die Welt umarmen und alle Menschen, die man sieht und ihnen sagen, wie toll das Leben ist. Allerdings lauert wohl schon da hinter der nächsten Ecke das nächste Unheil. Und es reisst einen rein. Es fühlt sich an, wie wenn jemand den Stecker zieht beim Staubsauger und plötzlich alles still ist. Und man sieht den Staub schon förmlich wachsen.

Tja, wie sang Frank Sinatra so schön:

You’re riding high in April, shot down in May
But I know I’m gonna change that tune
When I’m back on top, back on top in June

5 Comments

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  1. Woher kommen die Ungleichheiten in der Welt? Die Frage, warum jemand so und nicht anders geboren ist, ist wohl die schwierigste überhaupt. Alles im Leben danach kann man erklären – Kindheit, Biographie, Schicksal, Karma, Ursache und Wirkung – man kann aus einer Reihe von „Erklärungen“ wählen. Das Problem ist nur: Erklärungen lösen kein Problem, zumindest nicht das fundamentale. Und die gewohnt simple amerikanische Antwort des positive thinking ist nichts anderes als Verdrängen des Negativen und löst auch kein Problem. Die Frage nicht zu stellen schafft sie nicht aus der Welt.
    Antwort dürfen wir nicht erwarten. Pragmatische Einstellung: beides sehen. Die Medien mit ihren ständigen bad news, die angeblich good news fürs Geschäft sind, machen es nicht einfacher. Es gibt aber z.B. auch eine japanische Stewardess, wenn wir bei dem Beispiel bleiben, die schon drei Flugzeugabstürze überlebt hat.
    „Quantenlogisch“ hieße das, es ist alles (im Potenziellen) da, es kommt darauf an, welchen Erzählstrang ich aus den Wahrscheinlichkeitswellen heraussehe – auch nur eine physikalische Beschreibung von Psychotherapie – und damit kann ich sogar die Vergangenheit „ändern“. Das Problem bleibt, dass der Urknall meines Lebens nicht bei Null beginnt, sondern bei einer ganz bestimmten Geburt, und die kann ich nicht ändern. Dass es immer wieder Biographien gibt, die weit weg von diesem Urknall führen, ist tröstlich, hilft aber auch nicht viel in der Situation, die du beschreibst.
    Die Herausforderung – und mit diesem Wort triffst du wahrscheinlich genau den Punkt – kann nur sein, möglichst viele Hindernisse, Einstellungen, Vorurteile, Gewohnheiten usw. abzubauen, also genau das, was Meditation bedeutet. Um dann aus der Potenzialität, in der alles da ist, das mir Gemäße herauszusehen. Heraus aus dem Verstrickt-Sein in die Freiheit. Das ist natürlich so schwierig wie meditieren. Einfach ist es erst, wenn man es geschafft hat… Aber ist das überhaupt möglich?
    Zu schauen, was will ich wirklich? Den Fokus auf wenige, aber wesentliche Dinge zu legen, ist sicher ein sehr gutes Rezept. Überhaupt bist du ein sehr schönes Beispiel eines Menschen, der voll in der Scheiße noch sagen kann, es geht mir gut. (Ich meine das nicht so zynisch, wie es vielleicht klingt, eher bewundernd). Aber das ist es, es gibt immer auch das andere, es ist nur manchmal so verdammt schwer zu sehen. (Und manchmal verbaut man sich nur durch irgendeine Mauer die Aussicht). Und das fundamentale Warum bleibt bestehen.
    Ein wirklich schöner und tiefsinniger Artikel, wie wir das von dir gewohnt sind 🙂 – nur ein Satz, mit Verlaub, verstört mich total: „Was finden die anderen dazu?“
    Verdammt nochmal, wen interessiert das? Das ist deren Problem und nicht meines.

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    • In der Theorie würde ich auch sagen: „Vergiss die anderen, sie zählen nicht!“ Allerdings sind wir soziale Wesen und als solche immer darauf aus, in diesem sozialen Gefüge bestehen zu können, überleben zu können. Das können wir nicht alleine, dazu brauchen wir die anderen. Und damit sehen wir uns auch ein (kleines oder grösseres) Stück weit von deren Meinung abhängig. Natürlich kann man dahin gehen und sagen, die, die dich lieben, werden dich lieben, egal was du tust – und doch ist die Welt nicht ganz so einfach. Ganz prägend ist da auch die eigene Kindheit. Wie lernte man, dass man geliebt ist? Durch Leistung? Durch Anpassung? Wirklich immer bedingungslos? Und noch viele weitere Faktoren spielen mit rein, die eben ausschlaggebend dafür sind, wie wir heute durchs Leben gehen.

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  2. „Was finden die andern dazu?“, ja, was interessiert mich das? Je nach Erziehung, familiärem Umfeld (in der Kindheid), Verantwortungsgefühl? und weiteren Lebenseinstellungen, Charaktereigenschaften und mehr ist es ein schwieriger Prozess, dies zumindest zum grösseren Teil ausser Acht zu lassen.

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  3. Das Leben ist nicht per se schwer. Wir machen es zu einem solchen!
    Man kann aber nicht sagen: Sei nicht mehr ehrgeizig. Verteidige Dich nicht mehr.Lasse andere reden ect. Durch den Kopf lässt sich eine Neuausrichtung definitiv nicht schaffen. Der Kopf hilft hier nicht weiter.
    Was helfen könnte auf langer Sicht wäre Meditation und spirituelle Arbeit.
    Macht man aber nicht, weil man
    a) noch nicht genügend leidet
    b) dem Leiden auch unbewusst etwas abgewinnt. Zumindest dem „Schmerzkörper“ hilft es, wenn er ständig genährt wird!

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  4. Ich denke, es geht nicht darum, die anderen zu vergessen, sondern ihnen ihren Stellenwert zuzuweisen und keine Übergriffe zuzulassen. Die anderen brauchen und von ihnen abhängig zu sein, ist nicht ganz dasselbe.
    Dann geht’s darum, wie nahe – und damit wie wichtig – sie mir sind. Die mir wirklich wichtig sind, da ist mir auch wichtig, was sie denken. Klar. Aber auch das nicht unbegrenzt. Aber das sind momentan nicht mehr als drei. Und da zählen die Eltern schon nicht dazu. (Sie leben auch nicht mehr, aber das ist in dem Fall nicht entscheidend). Alles andere, Sozialkontakte, da ist Übereinstimmung in allen Belangen nicht notwendig.
    Am meisten hat es mit den Eltern zu tun, da hast du natürlich Recht. Wenn man so sein musste, wie gefordert, um Zuwendung zu bekommen, dann ist es wahrscheinlich eine Lebensaufgabe, sich davon zu lösen. Das war bei mir irgendwie nicht der Fall. Bedingungslos? Auch nicht das Thema. Aber ich bin schon als Kind stur meinen eigenen Weg gegangen, da gab‘s immer ein Seite, zu er meine Eltern einfach keinen Zugang hatten. Aber das war notwendig, weil mich meine Mutter sonst total vereinnahmt hätte. Gebiert natürlich auch Probleme, andere Probleme. Mit meinem Studium konnten sie gar nichts anfangen. Aber sie haben zumindest nie versucht, mich in eine Richtung, ihre Richtung zu lenken. Hätte auch nichts geholfen. (Bei meiner Schwester war das schon ein bisschen anders).
    Die einzige mir bewusste Verhaltensregel: Ihr müsst eh wissen, was ihr zu tun habt! Das war auch ein Imperativ, legte aber alles in unsere Entscheidung. Und vor allem nicht das Gefühl, sich nach jemand richten zu müssen, auch nicht nach den Eltern. Natürlich kannte man deren Welt und wusste, was nicht hineinpasst. Sich nicht zu weit davon zu entfernen, war selbstverständlich. Aber vielleicht ist es was anderes, es zu tun oder nicht zu tun, weil die Eltern es so wollen, oder weil ich das gar nicht anders will, weil ich auch aus dieser Welt komme und es irgendwie auch meine Welt ist – auch wenn diese ganz andere Horizonte hat, mit denen die Eltern so gar nichts anfangen können. Aber diesem „Es recht machen wollen“ entkommt man auch auf diesen Umwegen nicht wirklich. Ist wirklich eine äusserst komplexe Geschichte.

    Aber wenn ich so theoretisch weiterdenke: Ein zu enges Korsett der Eltern würde einen in Träume treiben. Was Realität sein darf, ist zu wenig, also bleibt alles andere Traum. Die wollen geträumt werden, und was nicht sein sollte, bekommt immer größere Macht. So geht das mit den Träumen alles viel zu schnell, und sehr schnell klopft auch die Realität wieder an die Tür. Wäre mehr „erlaubt“, hätte man sich vielleicht mehr Zeit gelassen, mehr überlegt, mehr sich entwickeln lassen. So aber versucht man es recht zu machen, auch da noch, wo es gar nicht verlangt wird. Natürlich gelingt das nie. Und weil es ohnehin nicht geht, fällt man leicht auf das andere herein, das man eigentlich nicht sollte und manchmal auch gar nicht wollte, aber irgendwas muss es ja sein. Recht machen geht ja ohnehin nicht. Die Partner passen nicht, der Wunsch nach dem ganz anderen (Menschen, Wohnort, was auch immer) bleibt der Traum und wird immer mächtiger.
    Wenn Eltern irgendwo extrem sind, dann gehen die Kinder genau in dieses Extrem, oder ins Gegenteil, oder in beides. Letzteres zerreisst einen: Es recht machen und gleichzeitig ganz anders sein ist stressig. Endloses Thema … an dem wir alle mehr oder weniger leiden. Es schaut bei jedem ein bisschen anders aus, und das eigene Thema ist immer das schwierigste. Tröstlich, dass es den anderen auch nicht so viel anders geht!?

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