Auch nur ein Mann

Jodel was, so meinte er,
und sie, sie wunderte sich sehr,
wie er drauf käme, das zu wollen,
solch’ Kamellen, solche ollen,
Stilblüten, die sie gestern waren –
gestern heisst: vor vielen Jahren.

Er schaut’ sie an und meinte schlicht:
Du bist doch Schweizer, oder nicht?
Drum wurd’ aus beiden nie ein Paar,
denn sie, sie fand ihn sonderbar.
Banal war er noch obendrein,
fiel er doch auf Klischees herein.

©Sandra Matteotti

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Für die abc.etüden, Woche 46.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für Textwoche 46.17 kommt von Petra Schuseil (ihren Blog findet ihr HIER), die Wörter lauten: Stilblüte, banal, jodeln.

Der Ursprungspost:
365tageasatzaday

Jens Hübner: Die Kunst des Weglassens im Urban Sketching

Motive erfassen – reduziert zeichnen

HübnerWeglassen2Urban Sketching ist ein Trend, der sich in den letzten Jahren etabliert hat und immer mehr anzieht. Oft steht man aber vor dem Problem, wie eine Situation erfassen, die einen mit vielen Details zu überfordern droht. Auch die Zeit ist ab und an knapp – kriegt man es trotzdem hin, eine Skizze ins Sketchbook zu machen?

Hier setzt Jens Hübner in seinem neusten Buch an. Er zeigt, wie man Situationen erfassen kann und durch das Weglassen „unnötiger“ Details eine Skizze in wenig Zeit aufs Papier bringt. Die vorgestellten Techniken sollen helfen, den Blick für das Wesentliche zu schärfen – etwas, das auch im Leben wichtig ist bei der zunehmenden Masse an Informationen, die auf uns einströmt.

Reduzieren kann man an verschiedenen Punkten:

  • beim verwendeten Material: Wenn man nicht erst eine Staffelei aufbauen, aus 20 Papiersorten auswählen und dann verschiedene Malutensilien auspacken muss, spart man schon viel Zeit. Anhand verschiedener Techniken erläutert Jens Hübner verschiedene Herangehensweisen an Skizzen und illustriert die immer auch mit eigenen Bild-Beispielen.
  • bei den eingesetzten Techniken: durch Reduktion auf Kontraste und den gezielten Einsatz von Farbe (einer vielleicht redzuierten Farbpalette) lassen sich Szenen schnell erfassen
  • bei den Motiven: Man muss von einer Szene nicht alles zeichnen, es reicht, sich auf wenige (zentrale) Motive zu beschränken, den Rest kann man weglassen oder gegebenenfalls auch andeuten.

Hübnerweglassen3Die Kunst des Weglassens ist eine sehr gelungene Anleitung, wie man auch bei knapper Zeit etwas Schönes aufs Papier bringen kann. Dabei ist immer auch wichtig, so der Autor, nicht das Meisterwerk anzustreben, sondern eine Skizze, die das Wichtige an einem Augenblick festhält und auch später beim erneuten Betrachten Erinnerungen zurückbringt.

Fazit:
Ein gut durchdachtes, informatives und anschaulich illustriertes Buch, für alle, die gerne zeichnen und sich inspirieren lassen wollen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Der in Berlin lebende Künstler und Diplom Designer Jens Hübner ist 1964 in Wittenburg/Mecklenburg geboren. Nach seinem Studium in Deutschland und Nordamerika war er 10 Jahre Mitinhaber einer Designagentur. Seit seiner Kindheit verarbeitet er seine Eindrücke in Form von spontanen Collagen, Reiseskizzen und Aquarellen in seinen visuellen Tagebüchern.
Während einer zweijährigen Weltumrundung per Fahrrad entwickelte er seine Methodik des Zeichnens und Aquarellierens auf Reisen. Diese vermittelt er als Dozent und Reiseleiter in verschiedenen Seminaren. In Deutschland, Indien, Ost Timor, Japan, Neuseeland, Brasilien, Südafrika und Äthiopien präsentierte er seine Arbeitsweise in Produktpräsentationen, Workshops, Ausstellungen oder Vorträgen. (zit. nach der Homepage des Autors: LINK)

Angaben zum Buch:
HübnerWeglassenGebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer; Auflage: 1 (17. August 2017)
ISBN-NR: 978-3863556877
Preis: EUR: 19.99 ; CHF 29.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Des Lebens Lauf

Gedankenvertieft starrte sie in die Luft, als sie plötzlich einen Knall hörte – wobei das kein Knall war, das war mehr, viel mehr, das war ein regelrechter Hyperknall. Sie fragte sich, ob es das Wort Hyperknall überhaupt gibt, denn gehört hatte sie es noch nie, irgendwie passte es auch nicht wirklich zusammen, denn da stiess ein griechischer Präfix – sie war sich nicht ganz sicher, ob es wirklich griechisch war, aber lateinisch war es eher nicht, und da sie grad am Zweifeln war, stellte sie auch den Präfix in Frage, den sie aber nach reiflichem Hin und Her der Gedanken (sie wogten hin und wogten her, fast wie Wellen im Meer oder Wanderdünen in der Wüste) als korrekt befand – auf ein deutsches Wort, was nicht ganz und gar unüblich war, solche Kombinationen gab es durchaus, auch wenn ihr gerade keine einfiel, nur blieben doch ein paar Zweifel.

Nun denn, Wörter und Namen sind Schall und Rauch, sie fühlte sich pudelwohl und jede weitere Hinterfragerei von Wörtern war obsolet – wobei sie sich grad fragte, was da eigentlich geknallt hatte – also hypergeknallt. Man hörte ja immer wieder von Überschalljets (auch so eine Kombination von zwei Sprachen, Englisch und Deutsch, nur fragte sie sich grad, ob die wirklich so hiessen oder ob sie das Wort nicht auch erfunden hatte im Eifer des Worteerfindens und – hinterfragens), doch sie sah nirgends einen, auch sah sie keinen Unfall, nichts, was als Ursache für einen Knall – welcher Art auch immer – hätte hindeuten können.

Also fragte sie sich, was sie eigentlich getan hatte, als der Knall aus heiterem Himmel in ihr Leben trat.

Sie hatte es vergessen.

Schlicht.

Einfach.

So.

Nun denn.

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Für die abc.etüden, Woche 44.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 44.17 kommt von Rina.P und ihrem Geschichtszauberei-Blog (HIER). Sie lauten: Hyperknall, Wanderdüne, pudelwohl.

 

Der Ursprungspost: HIER

 

Drittes Drittel des Lebens

Erst wollte ich als Titel „Zweite Hälfte des Lebens“ nehmen. Aber das wäre zu wenig. Ich denke nicht, dass ich nochmals gleich viel vor mir habe. Das schreibe ich ohne Wehmut oder sonstiger negativer Gefühle. Drittes Drittel trifft es besser, auch viertes Viertel wäre durchaus ok. Darum geht es aber nicht. Es geht darum:

Was erwarte ich vom Rest meines Lebens? Was ist mir wichtig?

Über diese Fragen habe ich mir viele Gedanken gemacht in letzter Zeit. Aus diesen Gedanken resultierten wohl auch die Gedanken zum Thema Minimalismus. Es geht darum, aus dem Leben zu fegen, was schlicht keinen Platz hat, um mehr Platz für das zu haben, was wichtig ist.

Was ist mir wichtig im Leben? Die Frage ist nie absolut zu beantworten, sondern immer nur individuell. Für mich – das habe ich rausgefunden – gibt es einen zentralen Wert: Mein Zuhause. Ich brauche ein Zuhause, in dem ich mich wohl fühle, in dem ich mich sicher fühle, in dem ich mich so bewegen kann, wie es für mich stimmt. Ich bin meistens zu Hause. Man kann das auch Stubenhocker nennen. Es ist aber mehr: Ich bin Nesthocker. Ich bau mir mein Nest und setz mich rein. Und ich fühle mich nur wohl, wenn das Nest so ist, wie es mir gefällt, und wenn ich das Gefühl habe, keiner kann mich daraus vertreiben. (Rational kann man sagen, aus jedem Nest kann man vertrieben werden. Darum geht es nicht. Das Gefühl muss da sein, ich bin da ganz emotional…)

Und wenn ich in dem Nest sitze, muss genug zu essen und zu trinken da sein. Ich lebe (leider) nicht gerne von Brot und Wasser, (guter) Wein und Käse mit Brot (beide auch gut) müssten schon sein. Urlaub brauch ich keinen, ich meine, mein Nest ist ja schon wunderbar, wo sollte es schöner sein?

Das klingt nach relativ wenig. Wenn ich aber anschaue, was es alles braucht, um nur die beiden zu sichern, wird mir ab und an doch Angst und Bang. Krankenkassen, Versicherungen, Strom und Wasser, Verbindungen fürs Telefon, den Computer und den Fernseher. Steuern, weil wir überhaupt noch leben und Selbstbehalte, damit wir keinen ausnutzen. Wenn wir nicht nur daheim sitzen wollen, braucht es noch Mittel für eigene oder öffentliche Fortbewegungsmittel. Und die Zähne. Wenn wir was essen wollen, müssen die taugen.

Hab ich was vergessen? Ach ja, nackt können wir nicht gehen, die Haare… sollten nicht ganz an Vogelnester erinnern… Damit hätten wir es wohl. Und ich denke noch immer: Ich bin nicht wirklich anspruchsvoll. Aber ab und an macht mir die Rechnung Angst.