Nur kein Neid

„Wir mögen’s keinem gerne gönnen, daß er was kann, was wir nicht können.“ (Wilhelm Busch)

Wohl jeder hat sich wohl schon mal dabei ertappt, dass er neidisch auf einen andern schaute und innerlich grummelte, weil dieser was hatte oder konnte, das auch er gerne gehabt oder gekonnt hätte. Neid ist so ziemlich der Vorreiter unter den negativen Gefühlen. Ebenso ist es einem wohl auch schon so ergangen, dass man förmlich spürte, wie bei anderen der Neid regiert, einfach aus ihren Reaktionen – oder auch Nichtreaktionen.

So menschlich Neid sein mag, so vergiftend wirkt er – und dies hauptsächlich für den, welcher ihn hegt. Wenn ich jemandem etwas neide, hat dieser es immer noch, merkt oft gar nichts von meinen negativen Gefühlen (oder sie können ihm auch egal sein), ich dagegen habe es immer noch nicht. Und: Ich habe zusätzlich noch all die negativen Gefühle, die mir alles andere als gut tun.

Wieso mich nicht einfach freuen, dass jemand etwas hat oder kann? Mich mit ihm freuen? Im Buddhismus heisst das Mudita: Mitfreude. Eine wunderbare Sache, da sie Menschen verbindet. Studien zufolge halten Beziehungen länger, wenn man die Fähigkeit zur Mitfreude hat und lebt. Das Gefühl, dass da jemand ist, der sich mit einem freut, vertieft die Beziehung und verstärkt die eigene Freude. Zudem: Geteilte Freude ist doppelte Freude, da sich nun zwei freuen. Und ist es nicht schöner, mit Freude im Herzen durchs Leben zu gehen als sich von Neid zerfressen lassen.

Viele Wege führen nach Rom

There are a myriad different ways to search, but the object of the search is always the same. Don’t you see that the roads to Mecca are all different? One comes from Byzantium, another from Syria, still others wind through land or across the sea. The roads are different; the goal is one.
– Jalal-ud-Din Rumi

Selbst wenn wir das gleiche Ziel haben, können unsere Wege dahin doch unterschiedlich aussehen. Einfach darum, weil wir unterschiedliche Menschen sind. Wenn wir also wieder einmal jemanden von unserem Weg überzeugen wollen, weil er als der einzig gangbare zum Ziel erscheint, sollten wir uns zuerst fragen, ob das wirklich wahr und nicht nur unsere beschränkte Sicht ist. Und wer weiss: Vielleicht entdecken wir so für uns selber auch neue Wege, die noch besser zu uns passen als der, den wir bislang vor Augen hatten.

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*Es gibt eine Myriade unterschiedlicher Wege, zu suchen, doch das Objekt der Suche ist immer das gleiche. Siehst du nicht, dass die Wege nach Mekka alle unterschiedlich sind? Einer kommt aus Byzanz, ein anderer aus Syrien, noch andere überwinden Landstriche oder kommen übers Meer. Die Wege sind verschieden; das Ziel ist dasselbe. [Übersetzung S. M.]

Tagesgedanken: 2. August

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„Der Mensch muss ein ungeheurer Ignorant sein, der auf jede Frage eine Antwort weiss.“ (Voltaire)

Was ist richtig, was falsch? Was ist schön, was hässlich? Wie soll ich sein? Wie darf ich sein? Was muss ich tun? Was sollte ich lassen?

Ich stosse immer wieder auf Fragen und selten liegt die Antwort gleich offen da. Es gibt immer viele Möglichkeiten und am Schluss bleibt oft die Erkenntnis, dass es keine allgemein gültige und für immer richtige Antwort gibt, sondern nur ein Finden einer aktuellen Möglichkeit, die jetzt stimmt für mich.

Es gibt Menschen, die scheinen auf alles eine Antwort zu wissen, sie sind stets da, Ratschläge zu erteilen und zu bestimmen, was richtig ist, wie die Welt zu sein hat, wie die Menschen in ihr zu leben haben. Woher nehmen sie dieses Wissen? Und das Recht? Ich las mal, dass auch Ratschläge Schläge seien. Und irgendwie sehe ich das auch so. Auch ich ertappe mich ab und an dabei, Ratschläge erteilen zu wollen. Weil ich denke, zu wissen, was richtig ist. Nur: Weil es für mich (im Moment) richtig ist (erscheint?), heisst das nicht, dass es für den anderen auch passen muss.

Neuanfang

„Jeder Tag ist eine Gelegenheit, wieder neu zu beginnen. Jeder Tag ist unser Geburtstag.“
(Dalai Lama, Desmond Tutu)

Wer hat nicht schon einmal eine falsche Entscheidung getroffen? Wer sich nicht mal auf eine Weise verhalten, die einem am nächsten Tag leid tut? Wer ist nicht schon mal einen Weg gegangen, auf dem er plötzlich merkte, dass dies eigentlich kein passender Weg ist, man lieber einen anderen ginge? Und wer hat nicht schon mal von etwas geträumt, das er gerne verwirklichen würde, hat es aber nicht angepackt?

Und dann sitzt du da mit all diesen Gedanken von „Ach hätte ich doch…“ oder „wieso habe ich bloss…“. Die bringen aber nur etwas, wenn man genau hinschaut, was man besser getan hätte oder eben nicht, was man sich wünschen würde oder eben nicht. Und dann etwas daraus macht. Die Chance dazu bietet sich genau jetzt, denn:

Jeder Tag ist eine neue Chance.

Packen wir sie!

Wie frei sind wir?

„Wir suchen den Spielraum, der uns verbleibt
Zwischen Gesetzen, die durch uns handeln,
Und suchen das Mächtige, das uns treibt,
In Freiheiten umzuwandeln.

Es läuft auf Unterwerfung hinaus.
Quer dürfen wir uns nicht stellen.
Sonst zerreißt es uns, und die Wege sind kraus.
Es geht nicht zurück zu den Quellen“
(Eva Strittmatter, Auszug aus „Einklang“)

Wie frei bist du wirklich? Wenn du was tust, tust du es, weil du es willst oder weil du denkst, es zu müssen? Wer definiert dein Müssen? Die Forderungen des Alltags? Die Gesellschaft? eine innere Stimme, die eigentlich nicht dir gehört, sondern deinem Vater, deiner Mutter, einem Chef…?

Ab und an ist es sinnvoll, innezuhalten und das eigene Tun zu hinterfragen. Lebe ich wirklich noch mein Leben? Wer setzt die Grenzen? Stimmen sie für mich? Reissen andere meine Grenzen ein oder ignoriere ich sie selber? Lebe ich mein Leben oder erfülle ich nur Erwartungen? Was treibt mich an? Wo will ich hin? Solche Fragen können helfen, wieder zurück zu den Quellen zu kommen. Und dann bewusst er zu leben.

Wegrennen gilt nicht

„Like the time I ran away, turned around and you were standing close to me.“ (Yes)*

Wie oft ziehen wir es vor, wegzulaufen, statt uns unangenehmen Dingen zu stellen? Wie oft verdrängen wir, statt zu verarbeiten? Nur: Wir nehmen alles immer mit. So schnell wir auch gehen mögen, es ist immer direkt bei uns. Bis wir es anschauen, annehmen, loslassen. Und dann in Ruhe weitergehen. Im Wissen, dass es ein Teil von uns bleibt, aber uns nicht mehr verfolgt.

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*Ich rannte weg (so schnell) wie die Zeit, drehte mich um und du standest dicht bei mir.“

Tun statt reden

„Wanderer, es gibt keinen Weg, geh und mach dir deinen eigenen Weg.“ Antonio Machado
Und plötzlich steht das Ziel klar vor Augen und wir wissen, was wir wollen. Und wir brennen vor Leidenschaft und reden nur noch über unser neues Projekt. Wir erzählen voll Begeisterung davon, malen es in buntesten Farben aus. Und plötzlich… melden sich leise Zweifel. Ob wir das auch wirklich schaffen können? Ob wir auch wissen, wie es geht? Ob wir je ans Ziel kommen? Wir kennen nicht mal den richtigen Weg.
Fortan fragen wir nach dem Weg, erzählen von unserem Wunsch und unseren Zweifeln, hadern mit uns selber und bereiten uns langsam auf den Abschied vom Ziel vor.
Bis hier hin haben wir nur geredet. Und nichts getan. Ziele brauchen Wege, ja, aber die müssen nicht von vornherein stehen. Wenn wir das Ziel kennen, nicht mit brennender Leidenschaft, sondern wohl überlegt daran gegangen sind, zu analysieren, was wir brauchen, können wir loslaufen. Und beim Laufen wird sich der Weg zeigen. Bei jedem Schritt sehen wir einen nächsten. Und so setzen wir Fuss vor Fuss und nähern uns dem Ziel. Dann brauchen wir auch nicht mehr allen davon zu erzählen, denn sie werden es sehen. Das ständige Reden nimmt uns nur die Kraft zum Gehen.
Drum laufen wir los, mit klarem Schritt, Konzentration auf das Wesentliche, das Ziel im Blick aber den Weg unter den Füssen, bewusst.

22. Juli

Baum

„Ausdauer ist edler als Stärke, und Geduld edler als Schönheit.“ (John Ruskin)

Da steht er. Jahraus, jahrein. Und wächst. In seinem Tempo. Er hat Zeit. Er muss nirgends hin, er strebt nach nichts. Er wächst aus sich heraus. In wachsenden Ringen erweitert er seinen Stamm, bildet ein stabiles Fundament, um in die Höhe zu wachsen. Breitet zugleich seine Wurzeln aus, um einen sicheren Stand zu haben.

Wie oft vergessen wir vor lauter Streben den sicheren Stand im Hier und Jetzt? Wie oft wollen wir zu schnell zu viel, schiessen übers Ziel hinaus? Wie oft wollen wir die Dinge beschleunigen, die schlicht ihre Zeit brauchen?

Wir könnten viel von diesem Baum lernen. Und es mit Rilke halten:

Ich lebe mein Leben in wachseneden Ringen,
die sich über die Dinge ziehen.

Jeder Ring braucht seine Zeit. Und erst, wenn ein Ring vollendet ist, kann ein neuer wachsen. Und wir damit.

Lass dich nicht vom Neid durchbohren

„Lasst alle nur missgönnen,
was sie nicht nehmen können,
und seid von Herzen froh:
Das ist das A und O.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Kürzlich habe ich mich gefragt, wieso auf dieser Welt so viel Neid herrscht. Wieso kann man sich nicht freuen, wenn es jemandem gut geht? Wieso kann man nicht Freude zeigen, wenn jemand etwas erreicht oder kann, das man selber nicht hat? Wieso sitzt man dann da und wird von diesem nagenden Gefühl des Neides durchbohrt, für das man dann einen Kanal sucht? Und wie oft ist dieser Kanal, dass man dem, den man beneidet, ans Bein pinkeln will – wie eine Rache, um ihn zu strafen dafür, dass er einem das antut.

Der einzige, der hier was antut, ist der Neider. Und: Er tut es vor allem einem an: Sich selber.
Neid ist ein Bruder des Zorns. Nur richtet sich der Stachel nach innen. Er bohrt sich tief in deine Eingeweide und schmerzt. Und wozu? Sicher kann man diesen Schmerz überdecken durch einen böswilligen Akt gegen den Beneideten. Nur: Weder hat oder kann man nachher, was dieser hat, noch hält die Deckkraft ewig an. Ganz schnell spürt man wieder den bohrenden Stich und oben drauf drückt wohl noch das Gewissen…

Wenn du dich also wieder einmal dabei ertappst, dass sich ein leises Neidgefühl in dir regt (was ja durchaus menschlich ist), sei dir bewusst, was draus wird, wenn du es wachsen lässt. Und: Sollte dir jemand mal aus Neid Böses wollen, sei milde, denn er ist durch seinen Stachel gestraft genug.

Das eigene Leben ausdenken

„Wer sich alles vorstellen kann, kann das Unmögliche schaffen.“ (Alan Turig)

Wenn du an dich denkst, was denkst du dann? Dass du gut bist? Schön? Wundervoll? Dass du schaffen wirst, was du dir vornimmst? Dass du deines Glückes Schmied bist? Du dir – frei nach Pipi Langstrumpf – die Welt machst, wie sie dir gefällt? Oder bist du doch eher der Selbstkritische Typ, der hier ein Kilo zuviel und dort eine Hirnzelle zu wenig bemängelt, überall Gefahren sieht und lieber mal tief stapelt, da der Fall bekanntlich bei Hochmut tief ist?

Nur: Was soll werden, wenn nicht mal du an dich glaubst? Wer soll es dann tun? Und wie abhängig wärst du von all den Stimmen. Was, wenn sie ausblieben? Und mal ehrlich: Kannst du ihnen glauben? Denkst du nicht viel mehr, dass sie nicht wissen, wovon sie reden, dich nur nicht gut genug kennen, dir schlicht zu viel zutrauen?

Eigentlich schade, denn damit stehst du dir selber im Weg. Statt Sklave deiner eigenen Abwertungen und der Bestätigung anderer zu sein, mal dir aus, was du haben willst. In allen Farben. Und fühle dich, als ob es so wäre. Wie fühlt es sich an? Wie sieht es aus? Wie riecht es? Hörst du was? Aktiviere in deiner Vorstellung alle Sinne. Und freue dich an dem, was du siehst. Wer weiss schon, was alles möglich ist, so lange er es nicht probiert?

Spuren in der Welt

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen. (Albert Schweitzer)

Was ist dir wichtig im Leben? Was sind deine Werte? Worauf möchtest du dein Leben aufbauen, wie dein Leben leben? Und: Wenn du mal nicht mehr bist, was soll von dir bleiben?

Wir leben in einer Welt, in der wir oft nach Dingen wie Erfolg, Geld, Ehre, Ruhm und Macht streben. Und oft denken wir, dass wir glücklich wären, wenn wir nur erst etwas erreicht haben. Sind wir es wirklich? Vielleicht kurz, doch das Gefühl geht schnell wieder. Und irgendwie geht es immer noch schneller wieder, zurück bleibt der Drang, noch mehr erreichen zu wollen. Wem wollen wir eigentlich etwas beweisen? Denken wir wirklich, dass Leistung uns erst liebenswert macht?

Wieso lieben wir andere Menschen? Weil sie all das haben, wonach wir täglich streben? Oder nicht doch eher durch ihr Sein, ihr Wesen? Liebenswert ist ein Mensch doch dann, wenn er in seinem Tun und Sein Liebe sprechen lässt. Ein Leben, das auf Liebe baut, ist eines, das Spuren hinterlässt in den Herzen derer, die das Glück hatten, um so einen Menschen herum zu sein. Was könnte schöner sein, als Spuren in den Herzen anderer Menschen zu hinterlassen? Was erstrebenswerter als der Mensch zu sein, der das Leben anderer durch sein Sein bereichert hat?

Verzeihen

„Wir sollten immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem Reulosen um unseretwillen.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

Jeder Mensch ist wohl schon einmal verletzt worden. Manche Verletzungen gehen weit zurück und noch immer wirken sie in uns. Wir denken zurück an das, was war, spüren, wie Gedanken zu drehen beginnen, Gefühle ausgelöst werden, wir sogar körperlich fühlen, wie schon der blosse Gedanke an die vergangene Verletzung nachwirkt.

Die Nachwirkungen sind aber nicht nur gefühlt und gedacht, sie zeigen sich auch in unserem Verhalten. Aus der gemachten Erfahrung heraus agieren wir in Zukunft anders, möglichst so, dass uns das nie mehr passieren kann, was uns so zusetzte. Auf die Weise lassen wir Menschen, die neu in unser Leben treten, ausbaden, was uns Menschen früher angetan haben – und wir verunmöglichen damit eine wirkliche Beziehung mit dem aktuellen Menschen.

Wir können das vergangene Unrecht nicht ungeschehen machen. Wir haben nur die Wahl, wie wir heute damit umgehen. Wir können das Ganze immer weiter mit uns herumtragen und damit unser heutiges Leben vergiften. Oder aber wir lassen es los und schauen nach vorne. Um das zu können, ist es wichtig verzeihen zu lernen. Wenn wir dem anderen Menschen verzeihen, was er uns antat, befreit uns das auch selber.

Verziehen heisst nicht vergessen. Es heisst auch nicht, dass wir den anderen Menschen wieder in unser Leben lassen. Vielleicht ist es für uns besser, den Abstand zu wahren, aber nun mit einem befreiten Gefühl im Herzen. .

Du bestimmst, was du siehst

I am what I am
And what I am needs no excuses
I deal my own deck
Sometimes the aces sometimes the deuces
It’s one life and there’s no return and no deposit
One life so it’s time to open up your closet
Life’s not worth a damn till you can shout out
I am what I am*

Wir alle wollen geliebt werden. Und oft wurde uns vermittelt, dass wir etwas zu leisten hätten, auf eine gewisse Art zu sein hätten, damit man uns liebt. Und so versuchen wir dann, so zu sein, wie wir sein sollen. Manchmal sind wir dann ziemlich weit von dem entfernt, wer wir selber sind oder wären, wir hoffen aber, dadurch liebenswerter zu werden – weil wir ja die Vorgaben erfüllen. Nur: Sehr oft gelingt das nicht, denn solche Scheinidentitäten wirken so, wie sie sind: Aufgesetzt, nicht authentisch.

Es braucht ab und an Mut, sich selber zu sein. Man kennt sich zu gut, kennt so viele Schwächen, nennt die gar Fehler, fürchtet, damit an- und abzustossen. Vielleicht hilft es, wenn wir mal genauer hinschauen: Sind es bei anderen Menschen nicht oft auch die Eigenheiten, die Schrulligkeiten, die sie liebenswert machen? Lieben wir wirklich perfekte Menschen oder aber Menschen, die authentisch sind, die auch mal Schwächen zeigen, die einfach in der ganzen Bedeutung des Wortes Mensch sind?

Wenn uns also wieder mal jemand nur liebenswert findet, wenn wir tun was er will und sind, wie er will, sollten wir uns selber genug wert sein, auf den Menschen zu verzichten. Wirkliche Liebe wird da nie zu erwarten sein.

Wie schön ist doch das Gefühl, zu wissen: Ich werde geliebt. Weil ich bin. Und weil ich bin, wie ich bin. Als ich. Und wie schön ist das Gefühl, genau so lieben zu dürfen. Einen Menschen. Weil er ist. Und ist, wie er ist. Als du.

___________

*Ich bin was ich bin
und was ich bin, braucht keine Entschuldigung.
Ich spiele mein eigenes Spiel,
ab und an sind es Assen, ab und an Würfel.
Es gibt dieses eine Leben und keine Umkehr kein Lager,
ein Leben, also öffne dein Kämmerchen,
denn das Leben ist nichts wert, bis du nicht rausschreien kannst:
Ich bin, was ich bin!
(Lied von Gloria Gaynor)

Ich bin, was ich bin

I am what I am
And what I am needs no excuses
I deal my own deck
Sometimes the aces sometimes the deuces
It’s one life and there’s no return and no deposit
One life so it’s time to open up your closet
Life’s not worth a damn till you can shout out
I am what I am*

Wir alle wollen geliebt werden. Und oft wurde uns vermittelt, dass wir etwas zu leisten hätten, auf eine gewisse Art zu sein hätten, damit man uns liebt. Und so versuchen wir dann, so zu sein, wie wir sein sollen. Manchmal sind wir dann ziemlich weit von dem entfernt, wer wir selber sind oder wären, wir hoffen aber, dadurch liebenswerter zu werden – weil wir ja die Vorgaben erfüllen. Nur: Sehr oft gelingt das nicht, denn solche Scheinidentitäten wirken so, wie sie sind: Aufgesetzt, nicht authentisch.

Es braucht ab und an Mut, sich selber zu sein. Man kennt sich zu gut, kennt so viele Schwächen, nennt die gar Fehler, fürchtet, damit an- und abzustossen. Vielleicht hilft es, wenn wir mal genauer hinschauen: Sind es bei anderen Menschen nicht oft auch die Eigenheiten, die Schrulligkeiten, die sie liebenswert machen? Lieben wir wirklich perfekte Menschen oder aber Menschen, die authentisch sind, die auch mal Schwächen zeigen, die einfach in der ganzen Bedeutung des Wortes Mensch sind?

Wenn uns also wieder mal jemand nur liebenswert findet, wenn wir tun was er will und sind, wie er will, sollten wir uns selber genug wert sein, auf den Menschen zu verzichten. Wirkliche Liebe wird da nie zu erwarten sein.

Wie schön ist doch das Gefühl, zu wissen: Ich werde geliebt. Weil ich bin. Und weil ich bin, wie ich bin. Als ich. Und wie schön ist das Gefühl, genau so lieben zu dürfen. Einen Menschen. Weil er ist. Und ist, wie er ist. Als du.

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*Ich bin was ich bin
und was ich bin, braucht keine Entschuldigung.
Ich spiele mein eigenes Spiel,
ab und an sind es Assen, ab und an Würfel.
Es gibt dieses eine Leben und keine Umkehr kein Lager,
ein Leben, also öffne dein Kämmerchen,
denn das Leben ist nichts wert, bis du nicht rausschreien kannst:
Ich bin, was ich bin!
(Lied von Gloria Gaynor)

30. Juni

„Glück ist Selbstgenügsamkeit.“ Aristoteles

Erich Fromm sagte mal, dass nur der eine Beziehung führen kann, der allein sein kann. Nur wer sich selber eine gute Gesellschaft ist, kann eine Beziehung auf Augenhöhe führen. Wenn ich mir selber nicht genug bin, brauche ich den anderen, um die Lücken zu stopfen. Ich trete mit Erwartungen an ihn auf und degradiere ihn zum Erfüller.

Es kann nur einen geben, der mich ganz macht: Mich selber.