Abschied auf leisen Sohlen

Beziehungen und Freundschaften sterben leise – nämlich dann, wenn die Gespräche verstummen…

Wenn Menschen sich finden, zusammen kommen, etwas zwischen ihnen entsteht, denkt man, dass man etwas für die Ewigkeit gefunden hat. Man tauscht sich aus, spricht, kehrt das Innerste nach Aussen, es entsteht eine Vertrautheit, eine Nähe. Die Zeit vermag dieses Gefühl auszubauen, indem sie gemeinsame Erlebnisse einbaut, welche zu Erinnerungen werden und so das Wir-Gefühl stärken.

Wie kommt es, dass irgendwann eine Wende kommt? Nähe schwindet, Gespräche verstummen, Distanz Einzug hält? Wer beginnt das Schweigen und wieso? Könnte man nicht einfach weiter reden und alles wäre wieder gut?

Trotz der Nähe leben beide beteiligten Menschen in einem Beziehungsgefüge ihr eigenes Leben, erleben ihre eigenen Dinge und werden von denen geformt, geprägt und verändern sich so. Diese Veränderung kann man teilen, man kann sich aber auch dazu entschliessen, sie als seine eigene Sache anzusehen und sie für sich zu erleben. Der andere bleibt dabei aussen vor.

Je prägender nun der verändernde Faktor ist, je tiefer er in ein Leben eingreift, desto mehr von diesem Leben ist plötzlich versperrt für den anderen. Das schafft unweigerlich Distanz. Gespräche verstummen, weil das Lebensprägende nicht mehr einfliesst und so wird es still und stiller. Und mit der Stille nimmt langsam das Gefühl eines Abschieds Überhand. Klar kann man festhalten, klar kann man weiter sprechen, übers Wetter, die neusten Trends, was in der Welt passiert. Das alles sind aber bezogen auf zwei Menschen belanglose Dinge, sie schaffen keine Nähe, sie füllen bloss Leere. Leere, die trotz allem deutlich fühlbar bleibt. Und irgendwann erträgt man die Leere nicht mehr, will sich ihr nicht mehr aussetzen. Vor allem, weil man merkt, dass es keine Brücken gibt, so lange man aus dem Lebensinhalt verbannt ist.

Es gibt den Spruch, dass wenn einer geht, der andere schon längst gegangen ist. Dies ist bezogen auf einen Seitensprung in einer Beziehung so, aber auch in Freundschaften. Wenn einer die Beziehung verlässt, tut er das oft, weil der andere schon lange nicht mehr anwesend war. Das kann verschiedene Gründe haben, doch wenn dieser nicht frühzeitig selber merkt, dass er in die Beziehung zurück sollte, wird er den Weggang des anderen schwer aufhalten können. Die Chance besteht, aber nicht jeder Bruch ist zu kitten.

Im Nachhinein ist es schwer, zu sehen, wer wirklich den ersten Schritt tat. Vor allem ist das Leben nicht immer linear und vor allem nie kausal. Es führt nicht einfach eines zum anderen, sondern viele kleinen Dinge passieren, ausgelöst von etwas, das wiederum andere Ursachen hatte. Nicht alle Ursachen liegen in einem Leben, nicht alle sind klar nachzuvollziehen. Das Leben hat seine eigenen Gesetze und Mechanismen, uns bleibt nur, uns bewusst zu sein, was wir tun und denen Sorge zu tragen, die wir in unserer Nähe haben wollen. Und: die ziehen zu lassen, die sich Distanz verschaffen.

Wer weiss, was die Zukunft bringt. Vielleicht führen Wege, die sich mal trennten, wieder zusammen, auf die eine oder andere Weise. Sicher ist, dass alles seinen Sinn und seine Zeit hat.

Ich bin nett

Es war einmal ein kleines Mädchen, das war hübsch und lieb und nett und alle hatten es lieb. Wenn es auftauchte, war es der Mittelpunkt aller, wurde als Sonnenschein und Prinzessin bezeichnet, behandelt und gefeiert. Das kleine Mädchen lernte, dass es durch seinen Liebreiz der Liebling aller ist und es liebte in seiner unbedarften Art alle Menschen, weil die auch zu ihm so lieb waren.

Das kleine Mädchen hatte schnell gelernt, dass es, wenn es liebenswürdig und nett ist, alles kriegt, was es will. Wenn es geliebt werden will, wenn es etwas haben will: einfach lieb und nett sein – man kriegt es. Liebenswürdig zu sein erschien so der Preis für alles, das man haben will, man konnte damit erreichen, dass man geliebt wird. Und was anderes sollte man sich wünschen, als dass einen die anderen mögen?

Diese Haltung dringt tief und wird zum Muster. Man liebt die Welt und wird geliebt. Doch irgendwann funktioniert das nicht mehr. So sehr man liebt, man kriegt nicht mehr alles, man stösst an, man wird zurück gewiesen, man wird verletzt. Man merkt, dass das, was als kleines Mädchen so gut funktioniert hat, plötzlich nicht mehr geht und man immer mehr Wunden davon trägt durch die eigene liebenswürdige Art. Man lernt, dass die eigene Liebe zu den Menschen oft blind ist und ausblendet, dass nicht alle andern Menschen auch lieb sind, sie einem nicht nur Gutes wollen.

Vor allem aber hat man nie gelernt, das zu kriegen, was man will, indem man drum bittet. Man musste nie um etwas bitten, man kriegte einfach, weil man liebeswürdig war. Und je länger je mehr bleibt man mit seinen Wünschen und Träumen und Bedürfnissen auf der Strecke. Weil man nie gelernt hat, darum zu bitten, für sie einzustehen, sie einzufordern. Und diese mangelnde Übung macht es fortan nicht einfach. Es müssen nicht mal die bösen anderen sein, die einem die Bedürfnisse nicht zugestehen, diese werden von uns einfach nicht dringlich genug formuliert, weil wir es nicht gewohnt sind, es nicht geübt haben, es uns nicht zugestehen.

Das ist der Zeitpunkt, an dem man merkt, dass man was ändern muss. Die Liebenswürdigkeit, die zur Liebessucht verkam, kann man nicht einfach ausschalten, denn sie ist eine wahre Sucht mit all ihren Mechanismen und Funktionen. Man hat in der Forschung herausgefunden, dass Liebe und Sucht viele ähnliche Rezeptoren bedienen, insofern ist die Liebessucht eine doppelte Sucht, eine, welcher kaum beizukommen ist. Nur will man nicht ständig wieder auf die Nase fallen und fängt an, sich schützen zu wollen. Man sucht nach Auswegen, welche man in der Flucht oder in Stacheln erkennt. Die Stacheln kann man wahlweise nach aussen oder nach innen richten. So oder so wird jemand verletzt. Oder aber man verliebt sich in ein Biest, so dass man wieder verletzt wird.

Es ist ein Muster, das erkannt und durchbrochen werden will.

Was ist die Lösung? Die Lösung steckt in der Therapie durch Gleiches. Gleich und gleich gesellt sich gerne und so wie man in der Homöopathie Krankheiten mit Erregern therapiert, so kann man diese Liebessucht mit gleichem therapieren: mit Liebe. Nämlich mit der Liebe zu sich selber. Man selber kann sich die Grenzen aufzeigen, welche man sonst vergebens sucht oder erst erfährt, wenn man schon verletzt ist.

Liebe dich selbst! Einmal mehr das Heilmittel. Und sicherlich kein schlechtes. Aber nicht immer einfach zu erreichen, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, an uns rumzumäkeln, mit uns selber ins Gericht zu gehen und uns zu verurteilen. Und trotzdem: Liebe dich selber.

Wenn man sich erst mal selber liebt, erkennt man, was man sich wünscht und setzt sich dafür ein, wie man es auch tun würde für jemanden anders, den man liebt. Man möchte, dass es dem, den man liebt, gut geht und tut das, was es dazu braucht. Im eigenen Fall heisst das, dass man dahin gehen muss, seine Wünsche anzubringen, für seine Bedürfnisse einzustehen und sie andern gegenüber zu formulieren. Man gesteht sich das Recht zu, diese Wünsche zu haben und erachtet sich als wertvoll genug, sie erfüllt zu kriegen. Man ist liebenswürdig zu sich selber, indem man sich selber gefällt und dafür sorgt, dass man eben erhält, was man sich wünscht.

Das heisst nicht, dass man nun zum egoistischen Narzissen werden muss, der seine Wünsche auf Gedeih und Verderben durchsetzen will, der andern gegenüber nicht mehr liebenswürdig und nett ist, sondern es geht darum, für sich selber einzustehen und nicht darauf zu hoffen, dass die anderen einen durchs Leben tragen.

Wie viel ist genug?

Man hört immer wieder, dass das richtige Mass wichtig ist. Doch wie lässt sich dieses bestimmen? Was ist richtig, was ist falsch? Was zu viel, was zu wenig?

Wenn ich Aufmerksamkeit brauche, wie viel ist zu viel Wunsch nach Aufmerksamkeit? Was ist zu wenig Aufmerksamkeit, so dass der gefühlte Mangel rechtens ist und nicht aus einem übersteigerten Bedürfnis kommt? Kann man überhaupt von zu wenig oder zu viel sprechen oder impliziert das schon eine unangebrachte Wertung?

Wer setzt das Mass? Und wie geht man mit Ungleichgewichten um? Wenn weniger kommt, als man braucht? Mehr gegeben wird, als man erträgt? Mehr gefordert wird, als man geben kann?

Ist Aufmerksamkeit, die auf Wunsch gegeben wird, gleich viel wert wie die, welche von Herzen kommt? Kann solche, die auf Wunsch kommt, nicht auch von Herzen kommen, da man sie ja dem anderen zu liebe gibt?

Was passiert, wenn immer weniger kommt, als man braucht? Verkümmert man dann? Stirbt man innerlich leise ab? Wie eine Blume ohne Wasser? Müsste man lernen, genügsamer zu werden? Oder um die Aufmerksamkeit kämpfen? Bedeutet der Kampf nicht, dass man dem andern nachrennt? Verliert man nicht ein Stück Gesicht dabei? Müsste Aufmerksamkeit nicht kommen, wenn man jemandem wichtig ist? Ist Aufmerksamkeit nicht ein Barometer der Wichtigkeit, des Stellenwertes, den man bei einem anderen Menschen hat?

Fragen über Fragen, einfach so dahingeworfen…

Veränderungen

Wenn das Leben Neues bringt, stehen Veränderungen an, welche oft auch mit Abschied verbunden sind. Man muss von Altem Abschied nehmen, das Neue hat seinen Preis.

Meistens hat man sich aktiv für etwas Neues entschieden, sah darin positive Aspekte, die zu diesem Entscheid führten. Und doch merkt man oft, dass das Loslassen des Alten nicht immer leicht fällt. Man sieht, was daran schön war, man erinnert sich an schöne Momente, an Situationen, die einen mit dem Alten verbanden. Und je mehr man sich auf diese Gedanken einlässt, desto mehr nimmt die Trauer über das nahende Ende überhand. Die Sicht auf das Positive schwindet, weil man sich des Preises, den man dafür zahlt, immer bewusster wird.

Und doch: Manche Entscheide müssen wohl gefällt werden, das Verhaftetsein muss irgendwann ein Ende nehmen, weil das, was lockt, eben doch das ist, wofür man sich entschied – aus guten Gründen, wie man hofft. Und oft wünscht man sich, man könnte sich zweiteilen, um nicht diese Zerrissenheit spüren zu müssen. Oder man wünscht sich zumindest einen Blick in die Zukunft, um zu sehen, ob das Neue den Preis wert ist, den man zahlen muss.

Alles im Fluss

Wenn man sich zu sehr auf gewisse Dinge versteift, sein Denken nur noch darum kreisen lässt, schafft man sich sein eigenes Gefängnis. Man ist gefangen in Gedanken, die sich immer mehr verselbständigen, die nur noch um eines drehen und einen nicht mehr loslassen. Den Gang der Dinge wird man dadurch nicht positiv beeinflussen, im Gegenteil, die Gefahr ist gross, dass man immer mehr zum Schluss kommt, dass alles steht, nichts mehr geht. Diese negative Sichtweise entspricht aber nicht der Realität, sondern spiegelt unser Empfinden wieder, welches gelenkt wird durch unsere Versteifung auf den einen Gegenstand.

Lässt man die Dinge los, schafft es, ihnen gegenüber gelassen zu bleiben und das Leben seinen Lauf nehmen, wird man feststellen, dass alles im Fluss ist. Und irgendwie erscheint es, dass diese Gelassenheit oft von Erfolg gekrönt ist, indem sich alles zum Guten wendet, wenn man nur daran glaubt und in positiver Ruhe abwartet. Innere Ruhe ist das Zauberwort, welches unser Leben in einen wohlgesinnten Fluss verwandelt. Gelassenheit bringt uns dazu, in Vertrauen auf einen guten Gang des Lebens zu vertrauen.

Das sind die zwei Spiralen des Lebens: die negative, sich selber in ihrer Negativität erfüllende und die positive, welche durch Gelassenheit ins Licht führt.

Halt

Halt ist wichtig, Halt gibt (innere Stärke). Ab und an denkt man, man hätte jeglichen Halt im Leben verloren, man fühlt sich aufgeschmissen, haltlos, ziellos, allein. Dann wünscht man sich etwas, woran man sich halten, wonach man sich richten könnte. Man wünscht sich, nicht alleine zu sein im Leben, auf seinem Weg durch selbiges. Und man wünscht sich eine Stimme, die einem sagt, was richtig und was falsch ist.

Oft braucht es auch Durchhaltewillen im Leben. Muss an etwas dran bleiben , auch wenn alles grad steil und unwegsam erscheint. Dann heisst es, nicht die Haftung verlieren. Sei es Bodenhaftung, welche einem hilft, nicht einfach ziel- und haltlos umherzuschwirren, sei es die Haftung in sich selber, um sich nicht zu verlieren.

Und irgendwann merkt man, dass das Leben immer weiter geht und man gut dran tut, mit ihm zu gehen. Langsam, stetig. voran preschen bringt nichts, die nächste Bremse kommt bestimmt. Stehen bleiben bringt auch nichts, irgendwann findet man sonst den Anschluss nicht mehr. Einfach Schritt für Schritt, Zug um Zug, beständig. Das ist wohl der sicherste und einzige Weg, Ziele zu erreichen. Indem man im Vertrauen auf sich und auf das Leben seinen Weg geht.

Weg der Mitte

Oft streben wir nach Extremen. Die heutige Zeit ist geprägt vom Wettkampf, alles muss besser, höher, schneller werden, weniger als das Maximum erscheint als Versagen schon, als nicht mehr erstrebenswert. Diese Haltung durchdringt sämtliche Bereiche unseres Lebens. Beruflich werden Höchstleistungen erwartet, im Privatleben greift es auch schon um sich.

Aristoteles plädierte für das Mittelmass. Wahre Glückseligkeit sah er im Mittelweg zwischen zwei Extremen. Ich denke, er hat das gut erkannt, denn Extreme bringen immer einen hohen Preis mit sich, sie blenden ganz viel links und rechts aus, um eben als Extrem stehen zu bleiben. Grautöne werden eliminiert, Farben gibt es nicht mehr, schwarz oder weiss, gut oder schlecht.

Doch das ist nicht das Leben und im ständigen Streben nach den Extremen werden wir das Leben verpassen. Wir werden gefangen sein in der Suche nach den Extremen, die wir aber doch nie erreichen – zumindest nie dauerhaft und vor allem nicht in allen Bereichen. Dieses Nichterreichen wird uns als Versagen gewertet und wir streben noch mehr, dieses Versagen zu überwinden. Eine Spirale von Unzufriedenheit, die immer grösser wird, immer tiefer geht, wird die Folge sein.

Das Streben nach Perfektion ist eigentlich ein Ausdruck der Verweigerung. Indem ich Perfektion anstrebe, verweigere ich mich dem Leben, verweigere ich mich dem, was das Leben ausmacht. Suche ich nach der perfekten Beziehung, werde ich sie nie finden, denn immer wird sich ein Mangel zeigen, immer wird etwas fehlen. Wenn nur das gut genug ist, was perfekt ist, wird nie etwas genug sein, denn niemand ist perfekt, nicht ich, nicht die anderen. Was wäre zudem perfekt? Ja auch nur ein von Menschen individuell zugeschnittener Massstab, der oft sogar noch momentanen Befindlichkeiten unterliegt.

Vielleicht sollten wir es mit Aristoteles halten und das Mittelmass suchen? Uns zufrieden geben mit dem, was erreichbar ist, uns zufrieden geben mit dem, was uns gut tut, ohne in allen Belangen Höchstleistungen suchen zu müssen, an denen wir nur scheitern werden?

Scherben kitten

Wenn etwas zerbricht, denkt man oft, man müsste es wieder flicken. Man möchte nicht zur Wegwerfgesellschaft gehören, sondern eben kitten, was zu kitten ist. Vor allem, wenn das, was bricht, einem lieb ist, einem teuer ist, versucht man es mit allen Mitteln, zu bewahren. Ist das immer sinnvoll? Ist es vor allem immer möglich? Wohl kaum. Vor allem dann, wenn das zu Kittende menschliche Beziehungen sind.

Wenn eine Scherbe aus etwas rausbricht, kann man sie wieder befestigen mit Leim. Von aussen sieht das Ganze wieder intakt aus, doch diese Stelle wird immer schwächer sein als andere. Brechen aber ganz viele Scherben ab, entsteht ein wahrer Scherbenhaufen, wird das wieder zusammen geklebte Stück nie mehr wirklich stabil sein, zu viele Schwachstellen existieren. Vor allem gehen bei solchen Bruchwerken oft kleine Partikelchen verloren, die für den wirklichen Halt wichtig wären, nun aber für immer fehlen. Die Gefahr eines erneuten Scherbenhaufens ist mehr als nur präsent.

Beziehungen bestehen aus zwei Menschen und ganz vielen kleinen und grossen, verästelten und komplizierten Verbindungen zwischen ihnen. Diese zwei Menschen bringen alle ihre Eigenarten mit sich, kaum je passen zwei Menschen vollkommen, es ist immer Anpassung. Die Frage, die sich stellt ist: wie weit will und kann ich mich anpassen, wo fängt die Selbstaufgabe an? Was ist die Beziehung wert, aufzugeben, wo ist der Preis zu hoch? Und: wie viel kann ich vom anderen ertragen, was übersteigt mein Mass an Toleranz?

Beziehungen haben dann Bestand, wenn zwei Menschen sich entscheiden (können), diese Beziehung leben zu wollen und gemeinsam den Weg gehen zu wollen. Wenn das nur einer tut, der andere nicht will, hat die Beziehung keine Chance. Wenn nur einer will, der andere einfach mal mitmacht, hat sie genau so wenig Chancen. Selbst wenn beide wollen, ist der Weg mit Steinen und Schwierigkeiten gepflastert – doch dann kann man ihn gehen. Gemeinsam. Indem man sich gegenseitig stützt, einander hilft, sich miteinander freut. Kommt aber einer mal vom Weg ab, fehlt die Stütze, wo man sich darauf verlassen hat und deswegen fällt, geht Stück für Stück Vertrauen verloren in den Weg, in den Partner, in die Beziehung. Scherben springen von der Vase. Und irgendwann lassen die sich nicht mehr wieder ankleben. Dann kann man die Vase noch so gerne bewahren wollen, sie wird nicht mehr dicht sein, wenn man sie mit Wasser füllt.

The proof of the pudding

„The proof of the pudding is in the eating“

Ich liebe diesen Spruch. Dass er durchaus seine wahren Aspekte hat, ist dabei zweitrangig, er klingt einfach witzig.

Was er sagen will? Man sollte nicht über etwas urteilen,bevor man nicht seine Erfahrungen selber gemacht hat. Bevor ich in den Pudding reinbeisse, weiss ich nicht, ob es wirklich Pudding ist. Ich gehe davon aus, denke, wie er auf der Zunge zergeht, nicht gekaut werden muss, sämig, kühl, schleimig, was auch immer ist. Aber ob das stimmt, weiss ich erst, wenn ich ihn probiere. Erst dann erfahre ich wirklich, ob er weich und sämig oder aber klumpig, weil zu wenig gerührt, hart, weil zu stark gefroren oder gar aus Gips, ist.

Aber all das ist eigentlich irrelevant, der Grund für diesen Beitrag ist schlicht und einfach, dass ich über den Spruch – wieder einmal – lachen musste 🙂

Gefühle

Was sind Gefühle
in einer kalten Welt,
in der man bloss
den Schein noch sucht.
Sich zu offenbaren,
als Schwäche gilt,
sich zu öffnen,
zum Angriff ruft.

Was sind Gefühle
in einer harten Welt,
in der man stark sein
und bestehen muss,
um nicht unterzugehen.
Wo als Schwäche gilt,
wenn man offen
fühlt.

Was sind Gefühle
in einer schnellen Welt,
die antreibt nur
zu Höchstleistung.
Wo Romantik als Geplänkel scheint,
Geld nur herrscht
und Macht
gesucht.

Was sind Gefühle
in einer toten Welt,
wo jedes Fühlen
abgewürgt
und der der fühlt
in Ketten darbt,
als Idealist beschimpft
und ruhig gestellt,
auf dass er schweige.

Was sind Gefühle
in dieser heut’gen Welt
wenn Fühlen uns so schwer gemacht.
Traut man sich,
zu fühlen noch
oder gibt man auf und lässt sich treiben
im Strom der Ratio,
die das Herz lässt aussen vor.

Wenn Flügel brechen…

…und man trotzdem fliegen soll

Wie oft fällt man, wird enttäuscht und muss doch wieder aufstehen und weiter gehen. Man fühlt sich wie ein Vogel, dessen Flügel gebrochen ist, der flattert, um vom Boden wegzukommen. Und irgendwie muss es gelingen, denn am Boden sind die Gefahren gross, ebenso die Trauer. Der Flug ist erst hölzig, wackelig, der Vogel droht ab und an wieder abzustürzen, aber irgendwann gewinnt er Sicherheit, der Flügel heilt und der Vogel fliegt – hin zu neuen Zielen.