Nackte Zahlen und Statistiken – ein Fluch

100 Flüchtlinge haben bei Zalando gewildert. Sie haben auf Rechnung bestellt und nie bezahlt. Gross prangt die Schlagzeile in der ach so gerne plakativ schreibenden Zeitung der Nation. Über ein Jahr lang habe Zalando Waren für über 100’000 Euro geliefert, ohne dass je eine Rechnung beglichen wurde.

Das ist natürlich Öl ins Feuer aller Flüchtlingsgegner. Da haben sie den Beweis: Flüchtlinge sind Schmarotzer, sind kriminell, sind einfach nur schlimm. Super. Beweis erbracht. Schauen wir alles mal genauer an. 100 Flüchtlinge sind es, die so handelten. Wären 100 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, wäre wohl kaum die Rede von einer Flüchtlingskrise. Die Rede war von 6-stelligen Zahlen an Flüchtlingen, die teilweise nur mal übers Wochenende nach München kamen. In welcher Relation als stehen da 100 Flüchtlinge?

Ich will nicht in Abrede stellen, dass nicht nur die ehrlichen, lieben, tollen, wunderbaren Menschen hierher fliehen. Alle, die irgendwie können (und wollen), werden versuchen, dem Schrecken zu entkommen, den sie in ihrem Heimatland aktuell erdulden müssen. Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass solche mit mehr Ellenbogen etwas eher fliehen, weil sie mehr Mittel und Wege finden (das nur eine Annahme, mit keiner Statistik belegt) etwas grösser, im Grundsatz wird aber die Verteilung von gut und böse etwa gleich sein wie in unserer Gesellschaft hier vor Ort auch. Ich hätte gerne die Zahl derer, die hier leben und ihre Rechnung bei Zalando auch nicht zahlen. Und dann wüsste ich gerne, wieso Zalando an eine Adresse liefert – ein Jahr lang – , von der noch nie eine Rechnung bezahlt wurde.

Zalando ist mir relativ egal, was mich immer wieder nervt, sind nackte Zahlen und es sind auch Statistiken. Ich mag sie nicht. Statistiken gaukeln Objektivität vor, sind aber nur ein Resultat einer (oft) willkürlich gewählten Selektion. Klar, es gibt Parameter, die eine Statistik als aussagekräftig qualifizieren. Nur: Was hilft es mir, wenn ich an Krebs sterbe, obwohl die Statistik sagt, 75% überleben meine Art von Krebs? Ich hatte vielleicht vorher ein bisschen mehr Hoffnung, als wenn die Aussicht auf Überleben bei 25% gewesen wäre. Nur… dann hätte ich ja nun doppelt verloren.

Ich gehe noch viel weiter: Statistiken helfen, Menschen zu manipulieren. Egal, was man sagen will: Man kann es mit einer Statistik belegen. Wenn man diese auch noch geschickt auswertet, hat man quasi gewonnen. Das Rezept? Man stelle die Frage auf eine Weise, dass das Ergebnis so rauskommt, das es den eigenen Zwecken dient. Dann packe man das Resultat so in Sprache, dass es bei den Lesern die Punkte trifft, die man treffen will, um die Reaktion auszulösen, die einem dient.

Nackte Zahlen sind etwa gleich. Man wirft sie in den Raum und sie sind relativ (!!) hoch. Man rechnet damit, dass Leser direkt auf die Grösse der Zahl anspringen und gar nicht die Relation dahinter prüfen. Und oft klappt das ganz gut.

Drum: 100 Flüchtlinge betrogen Zalando… das klingt nach viel, das lässt Blut kochen, das lässt Wut aufkommen und Widerstand gross werden. Würde man sich schnell besinnen, sich dann an Onkel Einstein erinnern, dann wüsste man: Alles ist relativ. Das gilt auch für statistische Daten und nackte Zahlen.

Nachgefragt – bei mir

Kürzlich kam es zu einem Rollentausch – ich war die Befragte. Sabine Ibing (sie war unlängst meine Interviewpartnerin und hat Einblicke in ihren Autorenalltag gewährt) stellte mir Fragen und ich stand Red und Antwort – ab und an ein wenig sehr ausschweifend.

Interview mit Sandra Matteotti (von Sabine Ibing)

Sandra, ich würde dich der Einfachheit halber als Allrounder und Lebenskünstlerin vorstellen. Du bist Dr. der Philosophie, hast einen Master in Germanistik, arbeitest als freie Journalistin und Lektorin, führst einen Blog namens Denkzeiten: Philosophie, Literatur und das ganz normale Leben. Dort berichtest du über Bücher, Schriftsteller und gibst uns mit deinen täglichen philosophischen Gedanken manch Nachdenkliches auf. Du hast zu zeichnen begonnen und neu häkelst du auch noch. War das dein Ziel, als du damals dein Studium begonnen hast?

Ein konkretes Ziel hatte ich sicher nicht, zumindest dachte ich nicht, dass ich dann irgendwann mal gerne häkeln werde, als ich mich für ein Studium an der philosophischen Fakultät entschied (nachdem ich mich zuerst für Medizin eingeschrieben hatte, dann aber wegen der vielen Chemie mit Juristerei begann und nach der absolvierten Zwischenprüfung beschloss, dass ich lieber etwas Schöngeistiges hätte statt trockener Paragraphen). Die Juristerei streifte ich dann im Rahmen meiner Dissertation nochmals und befand sie dann als gar nicht mehr so trocken, im Gegenteil. Ich habe mir das Studium mit Deutsch- und EDV-Unterricht verdient, war als freischaffende Journalistin auf der Piste, arbeitete als Datenbankentwicklerin in einer Privatbank und als Paralegal Tax in einer Wirtschaftskanzlei. Ich bin wohl vom Naturell her einfach sehr neugierig und interessiert. Den Rest erspar ich hier mal, da ich wohl eh schon weit abgeschweift bin (eine Schwäche…).

Kurze Antwort: Ja und nein… irgendwie 😉

Sag ich doch, Allrounder, Lebenskünstler …

Du rezensierst Bücher. Bei dir finde ich glücklicherweise gute Literatur, solche Bücher sind in der Bloggerwelt heute nicht so einfach aufzuspüren. Vor Kurzem hast du mit dem Malen begonnen und sehr viel Häme erhalten, als du die Erstlingswerke präsentiert hast. Ich fand es sehr mutig, die Gehversuche ins Netz zu stellen. Selfpublisher stellen oft ihre unlektorierten, fehlerhaften Bücher ins Netz. Kann man das vergleichen?

Ich denke nicht, aus verschiedenen Gründen. Beim Malen gibt es nicht grundsätzlich richtig oder falsch (klar gibt es Techniken, die man lernen kann und bei denen man Dinge dann richtig oder falsch machen kann). Es gibt ganz viele verschiedene Stile, es kommt immer drauf an, was man will. Ich will kein realistischer Maler sein, dazu fotografiere ich zu gut und zu gerne. Ich mag Illustrationen, mag es, Dinge zu vereinfachen. Vor allem mag ich es, Dinge schnell zu Papier zu bringen. Wer dann meint, er müsse irgendwelche Perspektiven beanstanden, die in seinen Augen nicht da sind, dann zeigt der eher seine Natur als dass er meine Zeichnung disqualifiziert. Ich kann alle Perspektivenarten zeichnen – einwandfrei, habe das lange genug geübt. Das ist aber schlicht nicht mein Anspruch in einem „quick sketch“. Und nein, ich bin nicht perfekt, es ist ein weiter Weg dahin, wo ICH hinwill. Wer mich wo anders haben will, soll am besten ganz weit weg von mir. 😉

Nun aber zu den Büchern: Grammatik ist leider nicht so frei wie die Malerei, hier gibt es richtig oder falsch. Beim Aufbau einer Geschichte gibt es zwar grundsätzlich viel mehr Offenheit, aber auch da gibt es etwas, das eine Geschichte haben muss: Sie muss packen – und zwar den Leser. Ich habe mal ein Buch fürs Lektorat erhalten, das strotzte vor Fehlern. Ich schrieb dem Autoren, dass er doch wenigstens einmal drüber lesen solle, denn da seien plötzlich Figuren im Zimmer, die nie reingekommen sind, Menschen wechseln ihre Namen, etc. Der gute Mann meinte, das sei sein Stil, der müsse UNBEDINGT so bleiben. Ich habe das Lektorat abgelehnt. Denn: Das ist vielleicht Stil, aber ganz schlechter.

Heute wird wenig Wert auf Lektorat und Korrektorat gelegt. Jeder denkt, er könne ja schreiben (und ja, grundsätzlich klappt das gut, einfach Buchstaben aneinanderreihen), das reiche schon. Wer einen möge, der lese sicher gütig über die Fehler hinweg. Das mag bei Orthographie stimmen, da viele Leser die auch nicht beherrschen, bei grammatischen Fehler wird es schwieriger und beim Aufbau der Geschichte, der Wahl der Konflikte, deren Auflösung, etc…. da wird es ganz eng. Und da trotz allem immer Herzblut in einem Buch steckt, finde ich es halt sehr schade, wenn Bücher durch die Maschen fallen, weil sie grundlegende (und korrigierbare) Dinge vernachlässigen.

Schwierig ist halt auch, einen Lektoren zu finden, der wirklich weiß, was er tut. Irgendwie scheint es heute so zu sein, dass jeder, der gerne liest, denkt, er wäre deswegen auch ein guter Lektor. Das führt oft zu Frustrationen bei den Autoren und sie denken sich (verständlicherweise), dass sie so das Geld auch sparen könnten.

Auch wichtig zu wissen: Ein Lektorat ist noch kein Korrektorat. Auch da gibt es gerne Vermischungen. Ich korrigiere zwar Fehler auch während des Lektorats, wenn sie mir auffallen, allerdings fallen sie mir beim Lektorat viel weniger auf, als wenn ich einfach normal ein Buch lese – da sticht mir jeder Fehler ins Auge. Wieso? Weil ich mich beim Lektorat auf ganz andere Dinge konzentriere. Dabei werde ich ein wenig betriebsblind (wie man es auch bei eigenen Texten oft wird).

Nach welchen Kriterien suchst du Bücher aus? Welche Romane interessieren dich? Du bekommst auch Verlagsbücher zugesandt, liest du sie alle?

Ich suche Bücher nach ihren Themen aus. Wenn mich ein Thema, das behandelt wird, anspricht, kommt das Buch in meine Auswahl. Ganz selten reicht schon ein Autor, der mich in der Vergangenheit überzeugte. Die Bücher, die ich von Verlagen kriege, lese ich alle an. Wenn sie mich nicht packen, leg ich sie weg.

Wie viel Seiten gibst du einem Buch? Brichst du Bücher ab? Wenn ja, warum? Und bewertest du auch angelesene Bücher?

Mir die Zeit erstens zu schade, sie mit nicht lesbaren Büchern zu verschwenden, zweitens würde daraus sowieso keine positive Rezension, insofern ist der Verlag wohl fast besser dran, wenn ich es weglege. Ich habe mal begonnen, Rezensionen von nicht fertig gelesenen Büchern zu schreiben. Ich denke ja nicht grundsätzlich, dass diese Bücher keinem gefallen, oft ist es auch Geschmacksache, aber ich habe es dann doch gelassen. Zu schreiben, aus welchen Gründen mir ein Buch nicht gefällt, hilft einem Leser wohl auch nicht wirklich weiter, da soll er besser ganz frei an das Buch herangehen.

Es hat noch nie so viele Bücher wie heute gegeben. Der Massendruck hat zur Verflachung des Buchmarkts geführt, meine Meinung. Und deine? Wie findet man gute Bücher?

Sehe ich genauso. Ich frage mich bei vielen Büchern, was ein Lektor darin gesehen hat, als er sie durchwinkte und damit in den Verlag aufnahm. Schreiben ist ein bisschen zu einem Jekami geworden. Das macht die Büchersuche um einiges schwieriger als sie früher war. Online Romane zu kaufen finde ich grundsätzlich immer schwieriger, es sei denn, man hat eine Rezension gesehen, die einen wirklich überzeugte. In der Buchhandlung kann man wenigstens in Bücher reinlesen – das hilft ab und an doch, da ich einige Bücher schon nach den ersten Seiten weglege… Es gibt Romane, da weiß ich schon beim ersten Satz, dass das mit uns nichts wird. Ein wenig mehr Zeit gebe ich dem Buch. Aber meistens bestätigt sich der Eindruck.

Leider sprechen mich immer weniger Bücher an. Ob das an mir liegt oder daran, dass es immer mehr nichtssagende und verwirrende Bücher gibt, weiß ich nicht. Oft habe ich das Gefühl, Autoren bemühen sich heute, so zu schreiben, dass man gar nicht mehr weiß, was einem da überhaupt erzählt werden soll. Ich frage mich dann immer, wieso man nicht einfach erzählt, was man erzählen will, sondern es in unglaublich bemühende Strukturen packt. Das ist vielleicht so ein neumodischer Trend, weil man immer wieder denkt, das Rad neu erfinden zu müssen. Ich persönlich mag runde Räder.

Was würdest du einem Selfpublisher empfehlen, zu tun, bevor er dir sein Buch zur Kritik freigibt?

Er soll mich erst mal fragen, ob ich es überhaupt haben will. Und er muss mir auch nicht erzählen, dass ich sein Buch sicher lieben werde und überhaupt etwas verpassen würde, wenn ich es nicht lesen würde. Und er soll mir das Buch nicht in einem Massenmail anbieten, ich werde – wenn schon – gerne selber angeschrieben. Sonst klingt es etwas unglaubwürdig, dass das Buch exakt meinen Geschmack trifft…E-Books muss man mir gar nicht anbieten, die lese ich schlicht nicht. Das hat nichts mit Nostalgie zu tun, ich lese einfach sehr ungern am Bildschirm.

Du bist Lektorin, eine ziemlich gute, wie ich finde. Das ist ein Job und der Autor ist dein Kunde. Man muss nicht mögen, was man liest. Ist es schwer etwas zu lektorieren, zu dem man keinen Bezug findet? Erzähl mir ein wenig über kauzige und uneinsichtige Autoren, du musst keine Namen nennen.

Danke für die Blumen! Ein Beispiel brachte ich oben. Ich habe einmal eine Kindergeschichte lektoriert, mit deren Inhalt ich wenig anfangen konnte. Trotzdem fand ich den Aufbau grundsätzlich gut, es war alles drin, was eine Geschichte braucht, es war kindgerecht. Ergo: Der Autor hat alles richtig gemacht. Wir haben das Buch durch das Lektorat noch klarer gemacht, die Geschichte hat dadurch gewonnen. Das ist ein schönes Erlebnis, wenn der Autor nachher sagt: Jetzt gefällt es mir wirklich, so ist es super, genau das wollte ich. Deswegen liebe ich diese Arbeit.

Es gibt in der Tat Genres, die ich nicht lese. Ob ich sie lektorieren würde? Ich tendiere zu nein, denn ich bin mit den Strukturen da nicht so vertraut, wie ich es für meine Arbeit und meine Ansprüche erwarte. Klar kenne ich die theoretischen Aufbaumaximen, aber ich sehe Lektorat nicht als mechanisches Abarbeiten von Theorien. Bücher müssen leben, sie verdienen ein Lektorat, das alles aus ihnen herausholt, was in ihnen steckt. Ich bleibe da lieber in meinen vertrauten und geliebten Gewässern und überlasse andere anderen. Ich denke aber, man merkt es einem Buch an, ob ein Lektor hinter dem Text und dem Genre steht oder nicht.

Hast du es schon einmal abgelehnt, ein Buch zu lektorieren und warum?

Ja, schon mehrfach. Ich lehne dann ab, wenn ich meinen Namen nicht unter ein Buch setzen möchte, weil es mir vom Inhalt her nicht passt (Gründe dafür können vielfältig sein). Unterbezahlt arbeite ich auch nicht, ich überlasse Lektoren mit Hungerlohnpreisen gerne dieses Feld, um das sie mit immer noch tieferen Preisen buhlen, und nutze die Zeit selber für etwas anderes. Das Argument, das Autoren gerne ins Feld führen, dass sie leben müssen und drum nicht mehr zahlen können, gebe ich gerne so zurück: Ich habe auch meine Rechnungen zu zahlen.

Nun hätte ich es fast vergessen! Herzlichen Glückwunsch! Die Schweizer Wirtschaftszeitung hat dich auf Platz 13 bewertet, von den Menschen, die am präsentesten, bzw. bekanntesten in der Social Media in der Schweiz agieren. Du bist eine Berühmtheit! Ist es dir wichtig, dich mitzuteilen, in der Öffentlichkeit zu stehen?

Mich mitzuteilen ist mir ein Bedürfnis, ja. Ich habe viele Ideen, ich interagiere gerne, ich diskutiere gerne. In der Öffentlichkeit will und muss ich nicht stehen, das liegt mir nicht wirklich und war auch nie ein Anliegen von mir. Meine Internetpräsenz wuchs eigentlich aus der Lage heraus, dass ich als alleinerziehende Mutter mit einem SNF-Projekt für meine Dissertation mehrheitlich allein zu Hause saß und das Internet die einzige Möglichkeit für einen Austausch war. Am Anfang tobte ich mich in Elternforen aus, dann kam Facebook irgendwann – und meine Blogs natürlich. Ich muss schreiben, ich kann nicht ohne. Und mittlerweile gilt das auch fürs Zeichnen und Häkeln. Das Leben ist bunt, das Leben ist schön. Eine Statistik macht das nicht aus, es sind mehr die Inhalte, die man dem Leben selber gibt.

Welche drei Bücher haben dich in den letzten drei Jahren so richtig begeistert? Welchen druckfrischen Roman würdest mir raten zu lesen und von welchem soll ich lieber die Finger lassen?

Huff – ich habe ein Spatzenhirn – oder ein Nudelsieb anstelle des Gehirns. Ich kann dir wohl kaum Titel nennen…. da mich immer wieder neue Bücher begeistern oder eben auch frustrieren. Aber ich geh mal in meinen Blog und suche 😉

Bin mal schnell weg – Wieder da:

Die Liste ist sehr willkürlich und absolut nicht die Realität wiederspiegelnd, da selektiv und aus dem Bauch heraus hier und heute entschieden 😉

Finger weg? Die habe ich sowieso vergessen, da gleich weggelegt. Nur einer ist mir noch im Kopf: Ein neues Buch über die Familie von Thomas Mann. Ich habe mich freudig draufgestürzt, da ich alles über Thomas Mann lese (und alles von ihm gelesen habe), nur: Es war eine herbe Enttäuschung. Plätscherte so dahin, streifte kleine, nichtssagende Geschichtchen und hatte gar nichts vom Charakter, vom Flair Thomas Manns und dessen Familie.

Ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten.

Sehr gerne!

Bär Bruno rettet den Honig

BrunoBärBär Bruno war traurig. Nicht genug, dass er lila war, er hatte auch noch lange Ohren. Alle Bärenfreunde lachten ihn aus, äfften Rotkäppchen nach und fragten:

„Bruno, wieso hast du so grosse Ohren?“

Eines Nachts, das ganze Dorf schlief, griff eine wütende Horde Bienen das Dorf an, um den gelagerten Honig zu stehlen. Das wäre auch geglückt, wäre da nicht Bruno gewesen. Dank seiner grossen Ohren hörte er die Bienen schon von weitem.

Schnell weckte er seine Eltern und die alarmierten das ganze Dorf. Gemeinsam konnten sie den Angriff abwenden und den Honig sichern.

Nie wieder lachte jemand über Brunos Ohren. Es gab sogar viele, die sich das Fell auch lila färbten, weil sie sein wollten wie Bruno.

Dieser oder jener?

Ich sitze hier und lese Zeitung. Lese von Putin und Obama und deren Treffen. Ab und an höre ich auch im Radio davon oder sehe es im TV. Es ist überall präsent und als Zuschauer weiss ich nach jedem Sehen noch weniger als zuvor. Vor allem die Hauptfrage bleibt: Wer ist denn nun der Böse? Ist Putin der böse Krim-Annektierer, der es auf die Weltherrschaft abgesehen hat und dafür all die Diktatoren dieser Welt auf seine Seiten bringen will? Oder ist vielleicht Obama gar nicht so nett lächelnd, sondern Kopf einer durchdachten Weltherrschafts- und Intrigen-Organisation? Oder sind beide irgendwo dazwischen?

Was ich denke (und ich denke, ich denke es nicht nur, ich bin mir da ziemlich sicher): In eine solche Position (Putins wie auch Obamas) kommt man nicht ohne Machtstreben und das Ergreifen jeglicher Mittel, die zur Macht führen. Nett und brav auf eine sich eventuell auftuende Chance hoffen reicht da kaum. Machtstreben basiert auf Machthunger und dieser ist selten wählerisch bei der Wahl seiner Mittel. Es gibt vielleicht beim einen oder andere grössere Skrupel und höhere Latten, aber: Wenn die Aussicht auf Erfolg gross genug ist, knicken sie wohl alle ein (das ist übrigens nicht nur in der Politik so, das lässt sich auch auf aufstrebende Wirtschaftsmenschen anwenden).

Wer also ist der bessere Mensch? Und: Wären andere Menschen (gar man selber) in diesen Positionen besser? Ich denke: Keiner und nein. Das ist nicht schön, das ist auch nicht erfreulich. Aber: Wir müssen damit leben, denn es ist im Hier und Heute die Realität. Kann man was ändern? Im Grossen und Ganzen wohl nicht auf die Schnelle, im eigenen Umfeld sicher schon. Und wer weiss. Vielleicht stimmt es ja, dass im Kleinen beginnt, was irgendwann im Grossen Früchte trägt.

Und nun? Russland oder Amerika? Ich habe meine Präferenzen, klar. Die sind aber wohl wenig sachlich begründet (wenn ich es auch dann und wann versuche) und mehr gefühlsmässig. Wieso ich es überhaupt versuche? Ich denke, der Mensch neigt dazu, in gut und böse unterteilen zu wollen. Er positioniert sich irgendwie in dieser grossen weiten Welt, indem er sich entscheidet, was er lieber hat und wovon er sich fernhält. Denn: Der Mensch braucht SEINEN Platz in dieser Welt.

Rezension: Felix Scheinberger – Mut zum Skizzenbuch. Zeichnen und Skizzieren unterwegs

Ich mal mir meine Welt, wie sie mir gefällt

ScheinbergerSkizz2Jeder kennt es: Man wartet auf den Bus und langweilt sich. Oder das Essen kommt nicht und die Zeit will nicht vergehen. Oder aber die Zeit im Wartezimmer beim Zahnarzt. Auch auf Reisen gibt es immer wieder Zeiten zu überbrücken. Hier kann Abhilfe geschaffen werden: mit einem Skizzenbuch. Das gute Teil hat noch einen weiteren Vorteil: Man kann darin die wunderbaren Momente im Urlaub festhalten, kann die Bushaltestelle mitsamt der wartenden Menschen zeichnen, kann das Wartezimmer skizzieren und auch das Essen, das bald mal hoffentlich vor einem steht. Eigentlich perfekt, oder? Wenn nur das Wörtchen „aber“ nicht wäre: „Aber ich kann doch gar nicht zeichnen!“

Egal! Es gibt Hilfe in Form von Felix Scheinbergers Buch Mut zum Skizzenbuch. Der Autor beschreibt es folgendermassen:

Das Buch, das Sie in Händen halten […] ist zunächst einmal eine Zeichen- und Skizzierschule. Es geht um Basics und Tipps und vor allem um den Spass beim Skizzieren.

Im ersten Teil werden denn auch die verschiedenen Medien beschrieben, die man bei einem Skizzenbuch verwenden kann: Welches Skizzenbuch soll man nehmen und mit welchen Stiften zeichnet man rein? Scheinberger behandelt Marker, Füller, Kugelschreiber, Bleistifte, Aquarell, Collage und vieles mehr. Er zeigt, wie man Ideen finden, ihnen einen Ausdruck gibt und dann ein Bild daraus macht. Er gibt Anfängern und auch Geübten Übungen mit auf den Weg wie das Blindzeichnen, nimmt sogenannten Fehlern (die eigentlich keine sind, nur Möglichkeiten, weiter zu experimentieren) ihren Schrecken und räumt mit dem Irrglauben auf, dass Zeichnungen so wirklichkeitsgetreu wie Fotografien sein müssen. Mit dem Hintergrund lassen sich auch Menschen zeichnen, ohne gleich zu denken „die sah aber nicht so aus….“.

Zeichnen besitzt etwas Authentisches und Individuelles. […] Indem Sie Dinge zeichnen, reflektieren Sie die Wirklichkeit neu. […] Das Skizzenbuch ermöglicht somit eine Blickerweiterung, die zur Erweiterung der eigenen Welt führt.

Auf unterhaltsame, leicht lesbare und doch fundierte Weise behandelt Felix Scheinberger Fragen nach der richtigen Ausbildung, dem richtigen Material, dem geeigneten Arbeitsplatz und der Lebensnotwendigkeit des Geldverdienens.

ScheinbergerSkizz1Das mit vielen Kritzelein und Skizzen bebilderte Buch macht richtig Lust, gleich Stift und Skizzenbuch zur Hand zu nehmen und loszulegen. Theoretische Kapitel über Bildeinstellung, Perspektive, Licht und Schatten sowie vieles mehr helfen dabei, eigene kleine Kunstwerke zu schaffen und sich damit die Welt ein Stück weit selbst zu malen. Frei nach Pippi Langstrumpf: Ich mal mir meine Welt, wie sie mir gefällt.

Dass das Buch in seiner Aufmachung sowie dem Layout wunderschön daher kommt – wie die Bücher vom Verlag Hermann Schmidt eigentlich immer – ist natürlich ein Sahnehäubchen obendrauf. Ein Highlight für Bücherfreunde und eine grosse Inspiration für Kreativköpfe, die gerne mal wieder den Stift übers Papier gleiten lassen wollen.

Fazit:
Ein inspirierendes, motivierendes und lehrreiches Buch. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Felix Scheinberger
Felix Scheinberger wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren. Schlagzeug war ihm wichtiger als Schule, statt Abi zu machen spielte er bis zum 22. Lebensjahr in Punkbands. Die Begabtenprüfung wurde seine Eintrittskarte an die FH für Gestaltung in Hamburg, wo er Illustration studierte und anschließend nahtlos in die Selbstständigkeit startete.
In den letzten zehn Jahren hat er über 50 Bücher illustriert, regelmäßig für angesehene Zeitungen gearbeitet, Preise gesammelt, in Mainz, Hamburg und Jerusalem gelehrt und durch seine Lehrbüchern reihenweise Kreative den Zeichenstift und den Wasserfarbkasten wieder entdecken lassen. Felix Scheinberger war von 2010 -12 Stellvertretender Vorsitzender der IO – Illustratoren Organisation, des Berufsverbandes deutschsprachiger Illustratoren. Seit 2012 ist er Professor für Illustration an der Fachhochschule Münster.

Angaben zum Buch:
ScheinbergerSkizzGebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (30. Oktober 2009)
ISBN-Nr.: 978-3874397827
Preis: EUR 29.80 / CHF 45.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. AMAZON.DE und BOOKS.CH

Ungehorsam beim Salatessen

Wenn man sich gesund ernähren will, sieht man sich immer wieder Entscheidungen und auch Gewissenskonflikten ausgesetzt. Fragen wie „Wie viel ist genug und was ist zuviel?“, „Ist Fleisch für eine gesunde Ernährung nötig oder einfach nur barbarisch?“, „Ist Salat mit Biolabel gesünder als anderer?“ und viele mehr sind an der Tagesordnung.

Heute hatte ich wieder mit einem solchen Gewissenskonflikt zu kämpfen. Ich kaufte – zugegebenermassen etwas bequem – bereits geschnittenen und gewaschenen Salat. Auf der Packung stand explizit, dass der Salat gewaschen und verzehrfertig sei, man ihn unter keinen HaltUmständen waschen solle, um einen Vitaminverlust zu vermeiden. Ich packte die losen Blätter also gewissenhaft aus und sah schon bald auf einem Blatt eine kleine Schnecke (oder war es ein Wurm? Egal, klein, eklig und tot). Nun stand ich da und überlegte: Was, wenn der noch Freunde mit im Sack hatte? Augen zu und durch der guten Vitamine wegen? Oder gleich wegwerfen, weil mir irgendwie die Lust auf Salat gründlich vergangen ist?

Ich beschloss, auf Vitamine zu pfeifen und den Salat – ungezogen und ungehorsam, wie ich bin – gründlich zu waschen. Vitamine hatte er nun wohl keine mehr, aber mit einer leckeren Sauce würden die mir sicher nicht fehlen – und als Proteinbeilage (da man mich schon auf die Idee einer solchen gebracht hatte) schnetzelte ich gleich Wurst und Käse für einen zünftigen Wurstsalat hinein.

Der Salat mit all den Ingredienzen taugte nicht mehr als gesundes Grünzeug? Egal! Da die Vitamine eh draussen waren, kam es auf den Rest auch nicht mehr an. Wenn schon Rebellion, dann richtig.

Illustratoren vorgestellt: Tina Good

Tina Good

Porträ tHomepage: http://gogood.ch/
Tina Good (Jahrgang 1976) besuchte nach dem neusprachlichen Gymnasium den gestalterischen Vorkurs und absolvierte nach einem Praktikum in einer Kommunikationsfirma ein Studium an der Kunsthochschule in Luzern. Nach dem erfolgreichen Abschluss ist sie seit 2003 selbständig als Illustratorin und Malerin tätig. Zudem leitet sie Illustrations-Workshops. Tina Good wohnt in Zürich.

Waren Sie das Kind, dass immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Ja, es war immer ein besonderes Interesse.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Mich faszinierte schon immer das figürliche, erzählerische Zeichnen und ich habe gerne illustrierte Bücher gelesen. Ich wollte wissen, wie das geht, deswegen wollte ich Illustratorin werden.

Was macht einen guten Illustratoren aus?

Das weiss ich nicht. Ich bin fasziniert, wenn ich in Illustrationen die Freude und Leidenschaft am Zeichnen und die Beschäftigung mit dem Thema nachempfinden kann und wenn ich sehe, dass sich daraus eine individuelle Bilderwelt ergibt, die ich so noch nicht kenne.

TinaGood-qualle
Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Je nachdem. Ist beides möglich.

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Weder noch.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Merkmale meiner Bildsprache sind das Interesse an Atmosphären, daran, dass sich ein Ausdruck und eine Intensität manifestieren, die mehrere Deutungsmöglichkeiten erlauben. Diese Rätselhaftigkeit, dass das Bild nicht alles preis gibt, soll den Betrachter ruhig etwas beschäftigen.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Meine Medien und die Umsetzungsart, wähle ich jeweils dem Inhalt und Auftrag entsprechend.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Von aussen betrachtet, nicht so interessant, wie man sich vielleicht denkt. Ich sitze im Grossen und Ganzen täglich am Tisch und zeichne. Übrigens auch wenn ich keine Aufträge habe. Langweilig wird es jedenfalls nie.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Die Vorgehensweise variert. Es geht jeweils um Themenfindung, Skizzieren und die Ausführung. Manchmal ergibt sich aber eine Idee auch erst aus der Beschäftigung mit einem Material.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Ich sehe das in den meisten Fällen so, dass wir für dieselbe Sache unterwegs sind.

Was raten Sie jemanden, der Illustrator werden will?

Er oder sie soll sich mit Bildern beschäftigen und sich das nötige technisch-handwerkliche Wissen aneignen um solche selber herzustellen. Im Berufsalltag finde ich Offenheit, Freiheitsliebe und Ausdauer wichtig, sich selber treu bleiben. Und lesen, lesen, lesen.

Du gibst auch Illustrations-Workshops. Wer kann da mitmachen?

Antwort: Alle, die Freude am Zeichnen, Malen und Gestalten haben. Vorkenntnisse sind willkommen, aber nicht Voraussetzung.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Dirk Bonsma
http://dirk-bonsma.magnolia.ch/Log-Buch/

Mein Auto säuft zuviel…

mini-convertibleIch fahre einen Mini. Genauer: Ein Mini Cabrio. Wieso? Weil ich immer so eines wollte. Weil das mein absolutes Lieblingsauto war über Jahre und ich irgendwann fand: Ich will das nun haben. Die Wahl ist fragwürdig, weil dieses Auto nichts kann, was ich von einem Auto bräuchte: Wir haben kaum alle Platz drin, wenn doch, dann nur ohne Gepäck. Nur: Wohin sollten wir alle gehen wollen ohne Gepäck, wenn wir auch eine Fahrkarte für den öffentlichen Verkehr haben? Ich wollte DIESES Auto. So!

So weit, so gut. Worauf ich hinaus will?

Testergebnisse von Autos belegen immer unglaublich toll tiefe Verbrauchsstatistiken. Das war sicher auch immer ein Punkt bei der Auswahl. So ein SUV wäre auch toll, aber: Ich dachte immer, ein SUV säuft unendlich viel, und ich wollte ja nicht ständig die Tankstellen leerkaufen, nur: Die Statistik ist weit unter meinem Mini. Ok, die Ministatistik ist noch Welten tiefer…. Die Realität sah so oder so immer anders aus. Schon bei meinem Diesel (Lancia), meinem Peugeot, meinem Renault… beim Nissan schaute ich noch nicht drauf, man möge mir die jugendliche Leichtigkeit von vor 18 Jahren nachsehen.

Was ich sagen will? Hätte ich mich mal früher aufgeregt über die Differenz zwischen Testverbrauch und realem, wäre ich heute wohl berühmt. Nun regen sich Fachkräfte drüber auf, die auch schon dahinter kamen….

Neues aus der Politik: Rosa Wölkchen

Balthasar Glättli (Grüne) will Zweitwohnungen zu Flüchtlingsunterkünften machen… irgendwie mutet das ein wenig wie Zwangsenteignung an… die Bürgerlichen erfreuen dafür überraschend: Reiche sollen aus subventionierten Wohnungen ausziehen müssen. Besteht noch Hoffnung, dass die Mitte sich wieder findet und sich über kurz oder lang eine wählbare Politik herauskristallisiert? Eine, in der nicht nur polemisiert und mit heisser Luft gewedelt wird, in der nicht linksidealistische Kommunismusphantasien in rosa Wölkchen gepackt werden, sondern Menschen aufgrund ihrer Leistungskraft behandelt werden?

Vielleicht ist auch die Hoffnung ein rosa Wölkchen, aber ich glaub mal dran, denn: Zuletzt aber bleiben Glaube, Liebe Hoffnung. Zwar obsiegt im Spruch die Liebe, aber die Hoffnung folgt zugleich.

Sammeltage

Es gibt so Tage, da geht einfach nichts. Und du denkst, es müsste doch was gehen und gehst es an. Was? Egal, Hauptsache etwas. Doch schon kurz nach dem Angehen merkst du, dass du eigentlich gar keine Lust darauf hast. Und du denkst dir innerlich, du könntest auch wieder aufhören, denkst aber auch, dass das nicht geht, da du ja schliesslich was tun musst und nun schon mal damit begonnen hast. Und so machst du weiter und versucht, es möglichst schnell hinter dich zu bringen, was zur Folge hat, dass du unachtsam und unsorgfältig wirst und dir dann denkst, dass das eh nichts wird und du es besser gleich gelassen hättest.

Und dann bist du fertig und siehst das Ergebnis, das nicht überzeugt und bist zudem wieder gleich weit wie zuvor: Du musst ja was tun und hast keine Ahnung was, nur geht es gar nicht, dass du einfach nichts tust. Wobei: Natürlich ginge es, schliesslich scheint nichts so eilig, dass du es wirklich tun müsstest, sonst würdest du es ja tun und hättest keinen dieser Tage, an denen nichts geht und du auch nicht weißt, was gehen müsste, was du tun könntest und vor allem: tun wolltest.

Vielleicht wäre es klüger, einfach einzusehen, dass es so Tage gibt, an denen nichts geht. Und dann wäre es wohl besser, nicht weiter zu denken, denn das Denken führt an genau diesen Tagen auch zu nichts Gutem, sondern nur noch weiter in die Spirale des „Irgendwie-Müssens-aber-nicht-Wissens-was“. Vielleicht sind es auch genau die Tage, die wir brauchen, um danach wieder was tun zu können und auch zu wollen, weil wir Kraft getankt haben, Energie gesammelt haben und damit Boden gelegt für neue Ideen und neuen Antrieb.

Ich bin dann mal sammeln. Habt’s gut!

Das Leben wagen

Mein Leben als Rosamunde-Pilcher-Film

Ich oute mich: Ich liebe Rosamunde Pilcher. Nicht die Bücher, die würde ich kaum lesen, ich liebe die Filme. Ich liebe es, mich vor den Fernseher zu legen und in diese Welt einzutauchen, die von schönen Bildern, wundervollen Landschaften, altvertrauten Schauspielern und dem ewig gleichen Lebensmuster geprägt sind. Ich liebe es, schon am Anfang zu wissen, wie es enden wird, und nie enttäuscht zu werden. Das ist ein Stück heile Welt, die trotz Höhen und Tiefen immer sicher ist, weil sie absehbar ist. Diese Absehbarkeit allein ist schon irgendwie beruhigend, dass es dabei immer auf das Gute hinausläuft, macht es umso besser.

Und ja, ich gestehe es: Ich würde gerne in einem Rosamunde-Pilcher-Film leben. Langweilig? Das würde heissen, dass man den Kitzel braucht, dass etwas in die Hose gehen kann, um im Leben Salz in der Suppe zu haben. Es ist ja nicht mal so, dass alles reibungslos läuft in den Filmen, es gibt immer Intrigen, immer Krisen. Aber: Sie lösen sich auf und am Schluss strahlen alle, mit denen man gehofft hat, und all die, welche falsches Spiel spielen, sind entlarvt und schauen in die Röhre. Und ich sitze vor dem Fernseher und strahle glücklich vor mich hin. Frau fühlt ja mit.

Leider ist das Leben kein Pilcher-Film. Leider wissen wir nicht, wie es ausgeht und können nicht drauf bauen, dass etwas so kommt, wie wir uns das wünschen. Das bringt Unsicherheiten mit sich und diese schüren Ängste. Angst ist nie ein guter Ratgeber und sie bewirkt selten etwas Gutes. Meist ist sie unbegründet oder baut auf Ahnungen, Vorstellungen, selten auf wirkliche Fakten oder tatsächliche Gefahren. Wenn wir uns von unseren Ängsten leiten lassen, bleibt es über kurz oder lang nicht aus, dass wir anfangen, gegen alles und jedes zu kämpfen, weil überall Gefahren lauern. Menschen können einen verletzen, Projekte können scheitern, Ziele können unerreichbar sein. Und weil dem so ist, wagen wir es nicht mal. Und noch schlimmer: Wir sehen überall Gründe oder Feinde, die uns im Weg sind, die mithelfen, dass wir scheitern (wobei wir noch nicht mal gescheitert sind, wir sind nicht mal losgegangen aus der Angst heraus, der Weg könnte abrupt enden).

Heute las ich einen Spruch:

Die Zuversicht springt über den Schatten der Angst. (Ernst Ferstl)

Im wahren Leben ist es leider so, dass man nicht immer schon weiss, ob man den Mann schlussendlich kriegt, ob man die Prüfung besteht, die eigenen Ziele erreicht. Man kann es sich wünschen, aber ein Risiko bleibt. Beziehungen scheitern, Prüfungen sind immer auch ein bisschen Glück und Tagesverfassung, Wege hin zu Zielen bergen immer das Risiko von Hindernissen (von aussen wie aus einem selber). Aus diesem Grund den Weg gar nicht erst zu gehen, weil die Angst übermächtig wird, wäre schade, denn dann gibt es garantiert keinen Erfolg. Der Mann wird von einer andern weggeschnappt (und man sagt sich: „Das habe ich mir doch gleich gedacht!“), die Prüfung ist nicht bestanden („Gut habe ich es gar nicht erst versucht!“) und das Ziel bleibt in weiter Ferne („Das hätte ich eh nie erreicht!“). Nur innerlich brodeln auch die Zweifel, die an einem selber: „Wäre es nicht doch möglich gewesen?“ „Habe ich nicht vielleicht einen Fehler gemacht?“

Auf diese Zweifel gibt es keine positive Antwort, denn: Sie sind absolut richtig. Niemand anders ist schuld, dass es nicht geklappt hat, als man selber. Dabei ist nicht gesagt, dass es geklappt hätte, aber die Chance wäre ungleich höher gewesen. Und wer weiss: Vielleicht hätte man bei diesem Versuch auch gemerkt, dass der Mann gar nicht passt, die Prüfung nicht so wichtig und das Ziel nicht das richtige ist. Sogar das wäre ein Happy End, denn zu wissen, was nicht passt, weil man es selber herausfand, ist immer ein Schritt nach vorne.

Wenn es aber doch klappt, dann – ja dann – haben wir es, das:

HAPPY END

Und dann ist das Leben für einen Moment fast wie ein Pilcher-Film. Ich hol’ schon mal das Taschentuch für die Tränchen der Rührung.

Erweichen Schreckensbilder Herzen von Ignoranten?

Egal welche Onlinezeitung ich anklicke, mir springt das Bild eines kleinen toten Jungen ins Auge, der mit dem Gesicht voran im Wasser liegt. Mein erster Impuls ist: Mir wird schlecht. Mein zweiter: Ich will das nicht sehen. Der dritte: Das hat das Kind nicht verdient, für Klickraten und Sensationsgeilheit instrumentalisiert zu werden.

Ich höre Stimmen, diese Bilder seien wichtig, da sie wachrütteln sollen. Mit solchen Bildern sollen die Herzen derer erweicht werden, welche sich als besorgte Bürger gegen Flüchtlinge stellen, welche diese Flüchtlinge als Pack bezeichnen, ihre Unterkünfte anzünden. Glaubt wirklich jemand im Ernst, dass solche Menschen sich um ein solches Bild kümmern? Glaubt wirklich jemand allen Ernstes, dass die nun mit Tränen in den Augen vor dem Bildschirm oder der aufgeschlagenen Bildzeitung sitzen und Besserung geloben?

Die Flüchtlingsthematik ist seit Wochen Thema Nummer eins. Wir haben viele Bilder gesehen, wir haben von viel Schrecken gehört. Dass etwas getan werden muss, Hilfe nötig ist, sollte klar sein. Es bedarf sicher keines Bildes mehr, das zu belegen. Ich denke, solche Bilder bewirken eher das Gegenteil: Wir stumpfen ab.

Der Mensch erträgt nicht zu viel Leid, das kann er nicht verarbeiten. Wenn das Hirn überwältigt wird von Schmerz, setzt es seine Schwelle höher. Das sichert das Überleben. Das ist ein gut angelegter Mechanismus im Organismus – die Evolution lässt grüssen. Solche Bilder helfen also nicht, das Leid zu erkennen, sie helfen eher, sich davon nicht mehr so stark berühren zu lassen. Ob das hilft? Und: Was brauchen wir als nächstes?

Dieser kleine Junge hat in seinem Leben nichts anderes als Krieg erlebt. Nun ist er tot. Und selbst jetzt muss er noch herhalten für irgendwelche Interessen. Man benutzt sein Bild dazu, Klick- und Leseraten zu steigern. Man nutzt das Bild seiner Leiche dazu, die Sensationsgeilheit der Menschheit zu befriedigen. Mehr wird damit nicht passieren. Klar kann man nun sagen, dass das Bild zu Diskussionen führte. Ich habe sie geführt, ich schreibe hier darüber. Aber ich diskutierte schon vorher und schrieb auch schon vorher. Das taten auch all die, welche sich für das Thema interessieren und etwas bewirken wollen. Jeder auf seine Weise. Man hätte diesem kleinen Jungen seine Würde lassen können. Man hätte ihn nicht durch die Medien schleifen müssen. Das hat er nicht verdient, wie er sein ganzes Leben nicht verdient hat. Möge er nun an einem besseren Ort sein.

Ich aber bleibe dabei: Ich will diese Bilder nicht sehen. Weil ich sie nicht mehr loswerde. Und weil ich denke, dass sie nie als Zeichen der Menschlichkeit und Nächstenliebe verbreitet werden, sondern meist aus Eigennutz: Der eine hofft, das Bild des Jahres geschossen zu haben, der nächste, die meisten Klicks für seinen Artikel zu erhalten. Nur: Auch Tote haben eine Würde und die gilt es zu wahren. Das wurde bei dem kleinen Jungen sträflich vernachlässigt.

Rezension: Hans de Beer – Gustav ganz gross

Einmal gross sein

Der kleine Dackel Gustav hat genug davon, alles nur von unten zu sehen. Einmal möchte er auch gross sein und die Dinge von oben betrachten. Als alles nichts hilft, erhält er von einem Freund den Tipp, auf die Stadtbrücke zu gehen, da er von dort einen weiten Blick über die ganze Stadt hat. Gustav zieht los durch die Stadt. Was ihn wohl erwartet?

Hans de Beer hat schon den kleinen Eisbären Lars erfunden und damit viele Kinderherzen erobert. Mit Gustav wird ihm das genauso gelingen. Der kleine Dackel mit dem roten Pullover ist süss gezeichnet und wer könnte sein Anliegen besser verstehen als ein kleiner Mensch?

Ein wunderbares Buch über das Kleinsein, über Freundschaft, Abenteuer und Geborgenheit. Untermalt wird die Geschichte mit grossformatigen Zeichnungen, die mit viel Liebe fürs Detail gezeichnet wurden. Die Figuren wirken alle freundlich und lieblich. Ein Buch, das schöne Momente und gute Gefühle mit sich bringt!

Fazit:
Ein schönes Buch mit einem liebenswerten Helden und wunderbaren Zeichnungen. Sehr empfehlenswert.

Der Autor und Illustrator
Hans de Beer
Hans de Beer, geboren 1957 in Muiden in der Nähe von Amsterdam. Nach einem kurzen Geschichtsstudium ließ sich Hans de Beer an der Kunstschule Rietveld Art Academy in Amsterdam ausbilden. Seine Examensarbeit über den kleinen Eisbären Lars bescherte de Beer 1987 weltweiten Erfolg. Seit seinem Abschluss 1984 arbeitet Hans de Beer als freier Illustrator. Er lebt mit seiner Lebenspartnerin, einer italienischen Illustratorin, in Amsterdam und in der Nähe von Florenz.

Angaben zum Buch:
DeBeerGustavGebundene Ausgabe: 32 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (20. August 2015)
Empfohlenes Alter: 4 – 6 Jahre
ISBN-Nr.: 978-3314103100
Preis: EUR 13.99 / CHF 19.90

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Das Leben ist eine Einbahnstrasse

Wir gehen durchs Leben und hören immer wieder: Alles ist möglich. Du musst es nur wollen. Wenn man mal zaudert und zögert, wird man mit der Frage konfrontiert: „Was willst du?“ Oft weiss man besser, was man nicht will, als was man will. Und wenn man weiss, was man will, ist das eher so eine Vorstellung, zu der ein Weg führt, der genauso schwammig ist, wie die Vorstellung selber, da es nur eine Vorstellung sein kann, sonst wäre es ja – und man wäre ziellos. Und: Wer kein Ziel hat, hat keinen Plan, der ist planlos. Und wer planlos ist, weiss nicht, was er will.

Ist alles möglich? Grundsätzlich wohl schon, ob individuell und aktuell und immer und überall? Das wage ich zu bezweifeln. In all den Fragen des Wollens und des Möglichen steckt immer auch die Frage des freien Willens drin. Ob es ihn gibt oder nicht, ist Streitfrage. Philosophen und Neurowissenschaftler schlagen sich Argumente dafür und dagegen um die Ohren. Ich denke, dass sie es grundlos tun, denn: Es kommt schlicht nicht drauf an.

Ich sehe die grossen Augen, die zu Berge stehenden Haare schon vor mir, drum erkläre ich mich:

Wer bestreitet, dass es einen eigenen Willen gibt, der steht dafür ein, dass wir als Wesen determiniert sind (A). Wir funktionieren nach unseren Anlagen, irgendwelche Synapsen bilden sich und lassen unser Hirn in einer Weise funktionieren, die dann unser Tun (und die dafür notwendigen Entscheidungen) steuert (man verzeihe mir die stark vereinfachte und abgekürzte Erklärung). Wer für den freien Willen eine Lanze bricht, der sagt, dass wir immer eine Wahl haben, egal, wie die Synapsen liegen. Wir können entscheiden, ob wir etwas wollen und tun oder nicht (B). Und schlussendlich gibt es noch die in der Mitte, die sagen, dass wir nicht entscheiden, was wir wollen, aber immerhin, was wir tun (C).

So weit, so gut. Wieso also kommt es nicht drauf an, in welchem Lager man steht? Ich mache ein (fiktives!!) Beispiel.

 Wir haben mich und eine Flasche Wein.

Nach (A) wären irgendwelche Synapsen dafür verantwortlich, ob ich die Flasche trinke oder stehen lasse. Diese Synapsen wären durch meine Erfahrungen, Kultur, Veranlagungen, genetischen Grundlagen, etc. zustande gekommen.

Nach (B) könnte ich mich entscheiden, ob ich trinken will und es auch tue, ob ich trinken will und es nicht tue oder ob ich nicht trinken will und es auch nicht tue (und der Vollständigkeit halber auch noch nicht trinken wollen – so wirklich – und es trotzdem tun).

Nach (C) könnte ich trinken wollen und es doch nicht tun, weil es ja ach so gesund ist, es nicht zu tun und ich schliesslich gesund leben und sterben – oder eben gerade nicht (also sterben) – will.

Nur: Schlussendlich kann ich so oder so nur das eine tun. Und werde nie wissen, was das andere gebracht hätte. Ist es wirklich so relevant, ob ich das nun ganz frei gewollt habe oder eine Einschränkung des Willens (bis hin zu seiner Negierung) bestand? Strafrechtlich ja, wenn man den Willen als strafnormbestimmend ansieht (wenn man das Recht mehr als Schutz der Gesellschaft ansähe und Strafen damit präventiven Charakter hätten, wäre es auch da nicht wichtig, aber das würde nun hier und jetzt zu weit gehen und darum sollen sich bitte die Juristen kümmern, ich bin nur für die philosophischen Gedanken zuständig). Ansonsten? Das Leben nimmt seinen Lauf. Und man hat seine Anlagen. Und Prägungen. Bewusst. Unbewusst. Sonst wie – die Psychologie bleibt ja auch nicht stehen mit ihren Begriffen und Diagnosen.

Schlussendlich haben wir dieses eine Leben und gehen hindurch. Jede Entscheidung ist eine für etwas und damit eine gegen etwas. Ob frei gefällt oder irgendwie „erzwungen“ – wir müssen sie leben. Und weiter gehen. Ein Zurück gibt es nie. Drum ist das Leben so oder so immer eine Einbahnstrasse. Es geht immer nur vorwärts, nie zurück. Selbst wenn wir voll determiniert wären, ohne jegliches eigenes Zutun, wäre ja jeder positive Gedanke ein Schritt in die richtige Richtung. Denn: Synapsen gehen den Weg des geringsten Widerstandes (sehr abgekürzt formuliert). Und wenn wir was mitbestimmen können: Umso mehr! Es gibt nur das eine Leben. Leben wir’s! Und ab und an weiss man nicht wie. Aber eines ist sicher: Es geht immer nur vorwärts.

Die Moral von der Geschicht?