Die Frau – nur Objekt?

Du bist ein toller Mensch. Ich bin gern mit dir zusammen.

Wer hört es nicht gerne. Wer möchte nicht gemocht werden? Der Mensch ist ja grundsätzlich ein soziales Wesen (auch wenn ich bei mir ab und an daran zweifle, da ich sehr gerne allein bin, Zeit für mich brauche, Jubel und Trubel eher meide.

Und doch: Es ist schön, wenn man Menschen um sich hat, mit denen man gerne zusammen ist, gerne spricht, auf einer Welle schwingt. Umso trauriger ist es, wenn diese plötzlich auf Distanz gehen. Nicht, weil man etwas falsch gemacht hätte, nur, weil man eine Frau ist, die keine Beziehung will.

Das schmerzt. War man nicht mal ein toller Mensch? Gilt das nur so lange, wie man als „Objekt“ verfügbar ist? Ich weiss, das ist sehr plakativ und krass ausgedrückt, aber irgendwo stimmt die Reduktion doch. Klar, es kann keiner für seine Gefühle. Klar ist auch, dass es schmerzen kann, mit jemandem zu „verkehren“ (das ist nicht zweideutig gemeint), in den man unerwidert verliebt ist. Nur verliebt sich ja nicht gleich jeder aufs erste Wort. Und es ist mir nun doch schon einige Male passiert.

Sind Frauen per sei einfach mal Beziehungsobjekte? Oder gar doch nur Sexobjekte? Wo bleibt das „Mit dir kann ich gut reden“, „du bist intelligent“ und „ich fühle mich wohl in deiner Gesellschaft“, wenn die Option auf mehr stirbt? Stirbt mit? War nie da und nur Schleimerei?

So oder so: Es bleibt ein schaler Geschmack zurück und ab und an der Gedanke, mich generell zurückzuziehen, da ich darauf einfach keine Lust mehr habe.

Thementorten oder: Wie Knete die Küche eroberte

l11
http://home.arcor.de/top-torten/Bilder/Thementorten/l11.jpg

Ich seh in letzter Zeit immer wieder diese Thementorten. Dafür werden meist Tortenböden gebacken, diese mit Crememasse geschichtet, dann die Hälfte wieder abgesäbelt, um alles in Form zu bringen. Am Schluss wird in Feinstarbeit von Hand Deko gestaltet. Da wird geknetet, mit Zirkel, Massstab und Stift gemessen und dann zurechtgeschnitten. Am Schluss wird alles angedrückt, festgepresst und noch mit letzten Handgriffen in Form gebracht. Und: Es sieht wunderbar aus.

Damit könnte mein Bericht fertig sein und wäre eine Lobhudelei auf wunderprächtige Thementorten. Dem ist nicht so. Als ich heute bei einem Video zuschaute, stiess mir eines sauer auf: Die Hälfte des Bodens und der Crememasse macht man für die Tonne. Die wird weggesäbelt und weggeworfen. Klar ist es ein wenig pingelig, nun die armen verhungernden Kinder in Afrika ins Boot zu holen als Argument, aber irgendwie fand ich das doch Verschwendung. Wer mir nun sagt, der Bäcker isst das alles selber, dem glaub ich nicht, es sei denn, er zeigt mir all die kugelrunden Konditoren, welche diese Kunstwerke quasi wie vom Fliessband produzieren.

Aber noch viel mehr: Der Gedanke, dass da jemand an meiner Torte rumgedrückt, geknetet, mit was weiss ich gemessen, gezirkelt und geschnitten, dann nochmals gedrückt hat, verdirbt mir schlicht den Appetit. Essen würde ich das nie nie nie wollen. Ich weiss, ich bin sehr heikel, das ist sicher nicht die Norm. Und doch: Kunst schau ich gerne im Museum an, auf dem Teller mag ich Nahrung. Die darf schön angerichtet sein, muss aber dazu nicht betatscht, geklebt und hälftig für die Tonne produziert sein.

Apfelringe – oder: Meine Zähne – oder: Gesund essen

Ich komme ja langsam in ein Alter (hüstel), in dem man schauen muss, was man tut, um gesund zu bleiben. Das war in ganz jungen Jahren (hüstel) noch nicht so wichtig (ok, wäre es auch gewesen, wurde aber erfolgreich ignoriert und dies hatte keine offensichtlichen Auswirkungen), sollte nun aber in Angriff genommen werden. Frau will ja noch ein Weilchen leben und dabei nicht aussehen, als ob sie schon eine ganze Weile gelebt hätte.

Ich kaufte mir also Apfelringe. Die sind quasi wie Pommes Chips (steckt ja sogar Apfel im Nahmen drin), nur in gesund. Dachte ich. So als Knabberspass für zwischendurch also die perfekte Lösung. Davon ging ich aus. Wer hier nun mutwillig ein Aber hineinlesen will, dem sei gesagt, dass er den guten Ringen zu wenig Vertrauen schenkt und vorschnell urteilt, aber: Er hätte recht. Ein bisschen.

Ich steckte einen solchen Ring in den Mund. Es gab sie ja in verschiedenen Geschmacksvarianten, von neutral über Vanille bis hin zu Zimt. Ich wählte alle, probierte zuerst die Zimtvariation. Ich hatte ihn also im Mund, den gesunden Knabberspass mit Zimtgeschmack. Er war wirklich lecker zimtig. Ich wollte zubeissen, doch das ging nicht. Das Teil war irgendwie hartgummig von der Konsistenz. Aber lecker im Geschmack. Ich versuchte es mit lutschen, wäre doch gelacht, wenn ich den Ring nicht weich kriegte. Ich lutschte lange, der Geschmack war mittlerweile weg, wirklich beissbar war das gute Teil noch immer nicht.

Ich gab mir Mühe, mahlte, malmte, biss. Langsam spürte ich eine marginale Verkleinerung. Es waren nun zwei Teile. Mehr Geduld hatte ich nicht mehr. Ich versuchte, diese runter zu würgen. Es kratzte im Hals (also immer noch nicht weich genug), blieb mal kurz stecken, rutschte dann mit einem Schmerz runter.

Ich habe die Natur- und die Vanille-Version gleich mit dem angebrochenen Pack der Zimtäpfel entsorgt und mir das Original von Zweifel geholt. Knack, knack, knack – weg. Und lecker sind sie allemal. Gesund? So gesund kann etwas auch nicht sein, das man a) nicht beissen, b) nicht lutschen und c) nicht ohne Aufreissen der gesamten Speiseröhre schlucken kann.

Autos und die moderne Technik

Heute fuhr ich ins schöne Uster. Ich wohnte mal nahe dran, es war also quasi ein Heimkommen (ok, das ist es nach meiner Umzugfrequenz an eher vielen Orten). Ich parkte auf einem grossen Parkplatz vor dem orangen Riesen, ging einkaufen, kam raus.

Ich wollte die Einkäufe im Kofferraum verstauen. Ging zielstrebig auf mein Auto los. Ich langte in meine Manteltasche und drückte auf den Knopf zum Öffnen der Türen. Nix ging. Ich drückte nochmals. Immer noch nichts.

Mist. Das Teil geht nicht durch den Mantel durch. Ich fummle in der Tasche rum, um den Schlüssel raus zu kriegen, leider sind da zwei Schlüsselbunde drin mit jeweils gleichem Anhänger, so dass die Herausnahme schwierig wird. Aber: Ich schaffe es. Ich drücke nochmals.

Nichts. Ich fluche innerlich. Die Batterie (oder was auch immer in dem Teil drin ist) geht nicht mehr. Eine andere Lösung gibt es nicht, moderne Autos öffnen nur so. Ich hasse Technik. Früher war es einfacher. Das Fenster ging auf, wenn man kurbelte, die Tür, wenn man den Schlüssel ins Schloss steckte und drehte. Und nun? Nix mehr.

Ich schaute verzweifelt auf das Auto und fragte mich, wie ich je nach Hause käme. Da fiel mir auf: Wo ist mein Aufkleber? Keiner da. Das kann nicht mein Auto sein. Ich blicke zu Boden. Das war auch nicht meine Parkplatznummer. Ich blicke nach links. Da steht er. Mein Wagen.

Was ess‘ ich bloss?

Da sitzt man, stellt ganz unbedarft – es ist grad Trend, man macht mal mit – sein Essen online. Nie hätte man gedacht, was ein einfaches Essensfoto auslösen könnte.

Du isst Leichenteile….DU bist Schuld am Leid aller Tiere auf dieser Welt.

Man ist nicht ganz abgebrüht, nimmt sich Kritik zu Herzen. Man schaut all die grausamen (!!!) Videos an, die einem präsentiert werden. Man sieht kleine Küken, die lebendig in Abfallsäcke entsorgt, Schweine, die lebendigen Leibs ins kochende Wasser geworfen werden, Rinder, die kaum Platz zum Stehen haben und Ferkelchen, welche auf Gitterrosten zusammengepfercht dahin vegetieren. Und man denkt sich:

Was bin ich für ein Unmensch!!!

Man entschliesst sich aus vollem Herzen: Ich esse kein Fleisch mehr. Man stellt das nächste Bild online. Denkt: Nun ist alles gut. Weit gefehlt:

Die armen Milchkühe, die armen Kälbchen, die armen Bienen – du bist an ihrer Ausbeutung schuld.

Man merkt: Vegetarier zu sein war kein guter Anfang, das war schlicht nichts, noch immer verantwortet man das Leid weltweit. Man versucht sich noch mit Rechtfertigungen wie:

Das ist Biokäse –  von Biokühen auf Biohöfen -, die fröhlich durchs Gras hüpften…

Hilft nichts. Nur vegan geht. Nicht für mich. Zumindest nicht generell. Aber man stellt mal ein veganes Rezept ein und denkt: Nun ist alles gut. Weit gefehlt. Denn die Antwort ist:

Warte doch mit dem Rezept, bis die Tomaten von selber reif vom Strauch fallen

Ich bin nahe dran, mir ein dickes, fettes Steak in die Pfanne zu hauen und allen eine lange Nase zu zeigen – würde ich mich nicht ganz wohl fühlen mit meiner Ernährung. Was mir aber immer wieder auffällt:

Ernährung ist schlimmer als jede Religion. Nirgends predigen und missionieren so viele Menschen, welche die Wahrheit zu kennen glauben.

Wann?

Wir haben getanzt
Wann ist die Musik verstummt?
Oder hören wir sie nicht mehr?

Wir haben gesungen.
Wann sind die Melodien verklungen?
Oder haben wir keine Stimme mehr?

Wir haben gelacht.
Wann ist der Humor verschwunden?
Oder verstehen wir ihn nicht mehr?

Wir haben geträumt.
Wann sind die Träume geplatzt?
Oder haben wir sie zerstört?

Wir haben geliebt.
Wann sind die Gefühle erkaltet?
Oder trauen wir uns nicht mehr?

 

 

Parteiverbot in einer Demokratie?

In Deutschland entscheidet heute ein Gericht, ob die NPD weiterhin als Partei zugelassen ist oder ob man sie verbieten soll. Grundsätzlich ist die Parteifreiheit ein wesentliches Element einer freien demokratischen Grundordnung. Bedingung ist, dass sie in sich demokratisch organisiert ist. Der Staat darf – ebenso grundsätzlich – keine inhaltlichen Vorgaben oder Einschränkungen machen.

Die NPD positioniert sich sehr weit rechts aussen, ihr Gedankengut erinnert in vielen Punkten an düstere Zeiten der Geschichte. Reicht das, um einen Grundpfeiler einer liberalen Demokratie zu ignorieren?

Die Parteifreiheit wurde ursprünglich eingerichtet, um Vorkommnisse wie im Dritten Reich zu vermeiden. Nie mehr sollte vom Staat vorgegeben werden können, was Menschen zu denken haben. Nie mehr sollte der Staat das Monopol auf eine Meinung haben. Diese Freiheit soll nun beschnitten werden, um genau diese Vorkommnisse nicht nochmals zu ermöglichen.

Was im Zweiten Weltkrieg passiert ist, darf nie mehr passieren. Es ist richtig und wichtig, dass Staaten Verantwortung übernehmen, dass sie Stellung beziehen und klar zeigen: So nicht, nicht nochmals! Es ist Wichtig, Gesetze zu errichten, die Vorstösse, welche Leib und Leben von Menschen aufgrund einiger ihrer Eigenschaften bedrohen, sanktionieren. Rassismus, Diskriminierung, Volksverhetzung und Aufruf zu diesen Handlungen sollten streng geahndet werden.

Die Frage, die sich – philosophisch – trotzdem stellt: Darf man grundlegende Rechte einer Demokratie negieren? Heiligt der Zweck die Mittel? Schwächt man damit nicht die Demokratie und gibt den Entrechteten neue Argumente in die Hand? Sind die Aussagen und Parolen in einer regulären Partei gesammelt und ausgesprochen nicht besser fass- und behandelbar als nachher in geheimen Verbünden und unter Verschwörer-Deckmantel? Denn: Man wird doch nicht glauben, dass nach Auflösung der Partei die Gesinnung gestorben ist? Sie wird weiterleben und das mit noch mehr Wut im Bauch. Und: Wut ist immer gefährlich.

Hilfeschrei

Heute mache ich etwas, das ich sonst selten tue: Ich reblogge einen Beitrag eines Bloggerkollegen. Der Grund für diese Ausnahme ist, dass er alles gesagt hat, was ich dazu auch würde sagen wollen, die von ihm zusammengestellten Belege für sein Hilfs-Anliegen gut sind und ich dieses Anliegen von Herzen unterstützen möchte.

Ich habe mir das Video angeschaut und fühlte mich in die Hundeschule zurückversetzt. Genau so mussten wir unsere Hunde erziehen. Auch die Aussage, man müsse autistischen Kindern ihr quasi falsch gelerntes Verhalten aberziehen, lässt mir die Nackenhaare auftsellen.

Diese ganze „Therapie“ missachtet autistische Menschen in ihrem Sein, in ihrer Würde und in ihrem Recht auf ihre Persönlichkeit.

Rückenschmerzen – Physiotherapie, die Erste

Claudia war brav. Sie glaubte zwar nicht wirklich an die Wirksamkeit verordneter Übungen, trotzdem machte sie einen Termin bei der Physiotherapie aus. Die vom Herrn Doktor empfohlene Physiotherapeutin war zeitnah nicht frei, ihr Mitarbeiter, Herr Bäcker aber schon. Er sei gut, wurde Claudia am Telefon versichert, er könne ihr sicher helfen. Sie hoffte es.

Der Termin kam und Claudia fuhr zum Ort des Geschehens. Kein Parkplatz weit und breit. Der einzige, den sie fand, lag so, dass sie quasi von zu Hause hätte laufen können. Nun denn. Diese Hürde nahm sie und sass alsbald wartend im entsprechenden Zimmer. Dann kam er. Er war hübsch. Wenigstens etwas. Sie folgte ihm in den Behandlungsraum, entledigte sich – der Aufforderung folgend – ihrer Kleidung und fand sich alsbald in diversen Vor- und Rückbeugen wieder. Der adrette Herr Bäcker klopfte auf Knie und Füsse, tastete Wirbel für Wirbel ab und drückte auch sonst ein wenig rum. Dann schaute er Claudia an und sagte es. Das Unwort.

„Ich zeige Ihnen eine Übung.“

Claudia sah ihn an. „Ich hatte eigentlich auf eine Massage gehofft“, sagte sie.

„Nein, es gibt keine Massage, wir machen Übungen“, sagte Herr Bäcker ernst.

Claudia versuchte ihr Glück nochmals, indem sie meinte, die kenne sie, die hülfen nix und sie hätte eigentlich auf ein wenig Spa, ein bisschen Wellness gehofft.

Der nette Bäcker lächelte breit – und er hatte ein umwerfendes Lächeln. Das half aber nicht über seine Sturheit hinweg, er wollte diese verdammte Übung und Claudia sollte sie machen.

IMG_8103Claudia gab nach, liess sich die Übung zeigen und machte sie pflichtschuldig nach. Sie solle eine ganz leichte Rückbeuge machen, da ihr 5. Lendenwirbel in der Beweglichkeit eingeschränkt sei, wie der gute Mann meinte. Claudia dachte an ihre täglichen Yogastellungen, die mehrfach eine um Stufen grössere Rückbeuge beinhalteten, sagte aber nichts mehr und beugte sich wie vorgezeigt leicht zurück und wieder vor, zurück und wieder vor. Das solle sie nun täglich machen. Mit der Verordnung ein breites und umwerfendes Lächeln. Claudia beschloss, zu gehorchen – zwar wenig überzeugt von der Übung, aber aus grosser Sympathie zu Herrn Bäcker heraus.

Ob es geholfen hat, so ganz wider Erwarten? Die Auflösung folgt nächstes Mal.

Rückenschmerzen, die Zweite: Dr. Frank

Wie Claudia schon erwartet hatte, waren die Rückenschmerzen auch nach zwei Wochen mit regelmässiger Medikamenteneinnahme nicht verschwunden. Im Gegenteil. Wenn sie sich bückte, ächzte sie, beim Hochkommen stöhnte sie. Das war nicht nur nicht sexy, das war vor allem kein Qualitätsmerkmal für eine Yogalehrerin. Der nächste Arztbesuch musste her. Und: Doktor Frank hatte Zeit.

Wieder machte sich Claudia auf den Weg zur Praxis, setzte sich geduldig ins Wartezimmer und sass alsbald im Stuhl vor dem Ärztepult. Doktor Frank schaute sie an, er kannte sie. Wie es ihr ginge, fragte er. Claudia fühlte sich wahrgenommen, ganz anders als beim Kollegen, dessen Namen sie bereits verdrängte, weswegen er ihr partout nicht mehr in den Sinn kam. Egal, das war hier nicht Thema, wobei sich Claudia fragte, ob sie mal einen Neurologen beiziehen sollte wegen ihrer Vergesslichkeit – aber zuerst war nun mal der Rücken dran.

Claudia erzählte also erneut von ihren Wehwehchen und Zipperlein, erörterte ihre Schlüsse aufgrund ihrer Selbststudien und deutete vage Vermutungen in Richtung Diagnose an. Doktor Frank schaute wenig beeindruckt, wies sie dann an, nochmals alle Stellungen einzunehmen, die schon der Doktor mit dem vergessenen Namen sehen wollte, klopfte hier, drückte da… und war alsbald so klug wie sein Kollege. Da die Wunderwaffe Tabletten schon ausgeschöpft war, zückte er die nächste aus dem Ärztekittel (den er übrigens nicht trägt – Klischees sind auch nicht mehr, was sie mal waren): Physiotherapie.

Claudia schaute ihn erwartungsvoll an und fragte: Massagen? Doktor Frank schaute kurz auf, denn er suchte bereits nach dem Formular für die Verordnung, und sagte (schon wieder über die Schublade gebeugt): „Nein, Übungen.“ Mittlerweile schien er das Formular gefunden zu haben, denn er tauchte wieder aus der tiefen Verbeugung auf und sass aufrecht vor ihr. Claudia meinte schüchtern (Widerstand erschien ihr mittlerweile sinnlos): „Die kenne ich doch selber, das hilft nichts.“ Doktor Frank liess sich nicht beirren: „Die kennen andere Übungen.“ Claudia schwieg. „Für den Notfall gebe ich Ihnen nochmals die Tabletten mit, damit sie Schmerzen überbrücken können.“ Claudia nickte und versuchte, nicht zu resigniert auszusehen. „Wenn nach drei Sitzungen mit der Physio nichts besser ist, brechen wir ab und röntgen mal. Rufen Sie dann einfach an“, sagt er ihr noch.

Nachdem alle Formalitäten geklärt, das Formular den Besitzer gewechselt und noch ein paar Worte gewechselt waren, verabschiedete Dr. Frank Claudia. Sie erinnerte ihn pflichtbewusst an die Medikamente, die er noch aushändigen wollte, was er pflichtschuldig tat. Dann zottelte Claudia von dannen, um einen Termin mit der Physiotherapie auszumachen. Zwar glaubte sie nicht an Übungen, wollte aber ja brav sein und musste den von der Krankenkasse vorgesehenen Weg gehen, denn: Das Hausarztmodell schreibt vor, dass erst der Hausarzt konsultiert werden muss, der dann weiterleitet. Zweifel an der Sparsamkeit dieses Modells stiegen langsam hoch, aber das wäre eine andere Geschichte. Diese hier geht nächstes Mal weiter mit dem Besuch beim Physiotherapeuten.

Von Rückenschmerzen und Ärzten

Claudia hatte Rücken. So richtig. Egal ob sie stand, ging oder sass: Es zwickte. Teilweise so stark, dass sie kaum mehr gehen, stehen oder sitzen konnte, nicht mal liegen ging. Sie cremte, salbte und badete, bis sowohl sie als auch die Wohnung den beissenden Geruch in allen Poren hatten. Aber es half nichts.

Claudia schimpfte und fluchte, jammerte und klagte. Nicht dass es geholfen hätte, aber es war die Vorstufe zum schlussendlichen Entschluss: Ein Arzt musste her. Oder sie zu ihm. Sie nahm den Hörer in die Hand… wobei, das ist so nicht ganz korrekt, da sie gar keinen Hörer hatte, sondern nur ihr iPhone. Dieses nahm sie also in die Hand und wählte die Nummer. Am anderen Ende meldete sich eine bislang noch unbekannte Stimme: „Praxis Doktor Frank und Doktor Kurzenegger.“

„Grüezi! Ich hätte gerne einen Termin bei Doktor Frank“, sagte Claudia.

Die Stimme fragte: „Waren Sie schon mal bei ihm?“ Claudia bejahte.

„Was haben Sie denn?“, erkundigte sich die Stimme. Claudia erzählte von ihrem Leiden.

„Doktor Frank hat leider keine Zeit, aber Herr Kurzenegger wäre frei“, antwortete die Stimme unverschämt wenig mitfühlend. Claudia meinte, sie hätte doch lieber Doktor Frank, wurde von der Stimme aber mit vielen Argumente davon überzeugt (oder eher dazu weichgekocht), dass Herr Kurzenegger ein wunderbarer Arzt und überaus kompetent sei. Claudia gab klein bei. Dafür konnte sie gleich in die Praxis.

Dort angekommen, sassen drei Praxisassistentinnen im Vorzimmer. Welche davon die Stimme gewesen war, liess sich nicht mehr eruieren – es gab sich auch keine zu erkennen. Egal. Nach einem kurzen Aufenthalt im Wartezimmer war es soweit: Der hochgelobte Arzt holte sie ab und fragte, im Sprechzimmer angekommen, nach ihren Beschwerden. Claudia erzählte genau, was wie und wann wo genau weh tat, äusserte ihren Verdacht, welcher Muskel betroffen sein könnte. Der Arzt schaute sie erstaunt an: „Sind sie im medizinischen Bereich tätig?“ Claudia antwortete: „Nein, ich bin Yogalehrerin, Anatomie war in dieser und anderen Ausbildungen Teilgebiet.“ Der Arzt war merklich weniger beeindruckt.

In der Folge klopfte er hier, tastete da, liess Claudia hüpfen, sich beugen und – wurde von einem Telefonanruf abgelenkt. Er verschwand aus dem Zimmer, während Claudia sich die Beine in den schmerzenden Rücken stand, der Dinge, die da noch kommen werden, harrend. Fünf Minuten später war Doktor Kurzenegger zurück im Zimmer. Er fragte gleich nochmals nach, welche Seite es denn genau wäre, die schmerze. Das hatte Claudia zwar schon etwa dreimal gesagt, aber der gute Mann wollte wohl auf Nummer Sicher gehen.

Dann sass er da. Hinter seinem Tisch. Hämmerte in seinen Computer, ohne nochmals aufzuschauen. Hielt kurz inne, hämmerte weiter. Claudia war sich nicht ganz sicher, ob er wusste, dass sie noch da sass. Er schien es zu wissen, denn irgendwann schaute er auf. Und er schaute sie an. Und er äusserte Möglichkeiten, die sein könnten, die er zu dem Zeitpunkt aber noch nicht prüfen wollte. Nieren waren ein Thema, den Blutuntersuch schlug er aus, könne man notfalls ein anderes Mal nachholen. Wie vieles anderes auch. Er hatte offensichtlich keine Ahnung, was es war. Er schlug vor, Claudia könnte ein wenig dehnen. Als Anschauungsunterricht machte er eine Bewegung, die Claudias morgendlichem Aufwärmprogramm nicht im entferntesten nahe kam. Claudia sagte nochmals leise, dass sie Yogalehrerin sei, es kaum an mangelnder Dehnung läge. Ein grosser, irgendwie hilfloser Blick von Herrn Kurzenegger liess sie verstummen.

Doktor Kurzenegger sah die Lösung in der Verschreibung von Schmerzmitteln, die Claudia für 10 Tage einnehmen solle. Nütze es nichts, solle sie… ein neuer Anruf. Wieder verschwand Doktor Kurzenegger für fünf Minuten. Kam wieder zurück und fragte Claudia, wo er stehen geblieben sei. Sie sagte: „Bei den Tabletten.“ Die solle sie also nehmen, befand er. Dann verabschiedete er sie. Sie fragte, ob er ihr nun noch die Tabletten geben könnte. Das hätte er vergessen, mache er aber natürlich sofort.

Claudia ging 14 Tage später dann zu Doktor Frank. Der hatte endlich Zeit. Ob mehr Ahnung? Das ist Gegenstand der nächsten Geschichte.

Wie die Multis Kunden locken

Die Migros macht’s schon lange. Sie gibt Leckerli für brave Kunden, zieht diese mit Geschenkversprechen an. Mal sind es Einklebbücher, dann überdimensionale Tic Tacs, nun sind es Minieinkaufskörbchen. Wozu man sie braucht? Nach der ersten Freude für die nächste Müllabfuhr.

Aber: Es zieht. Die Menschen sehen

„Ich kann was kriegen, wenn ich kaufe, also kaufe ich, damit ich es kriege.“

Der wollende Mensch sieht ganz viele Gründe für das Haben-Wollen, nur: Es gibt eigentlich keinen sinnvollen. Man kann das Teil nicht brauchen. Damit nun all die Haben-Wollenden Minikörbchen kriegen können, zahlt jeder Verbraucher ein Plus an Einkaufspreis an jedes Produkt. Dieses Plus finanziert die Minikörbchen und die Werbeaktionen.

Würde sich jeder Kunde fragen, wozu er das Körbchen bräuchte, käme keiner mehr kaufen, um ein Körbchen zu kriegen. Es würden alle sparen: an Einkaufspreis, an Abfallsäcken, an Ressourcen, die für das Körbchen draufgehen.

Aber eben: So funktioniert der Mensch nicht. Das weiss die Migros.