Rezension: Guillaume Musso: Vierundzwanzig Stunden

Pendeln zwischen dem Leben und dem Nichts

Nach dem Hauch der 24 Winde bleibt nichts mehr übrig.

mussovierundzwanzigAls Arthur Castellos Vater plötzlich bei diesem auf der Matte steht, wundert sich Arthur erst. Frank will mit ihm Angeln gehen, etwas, das sie schon Jahre nicht mehr machten. Ziel ist ein alter Leuchtturm, der seit vielen Jahren im Besitz der Familie ist. Dort angekommen erklärt Frank seinem Sohn, was es mit dem Ausflug auf sich hat: Er will Arthur enterben, alles, was er kriegt, ist dieser Leuchtturm. Einzige Bedingung: Er darf die im Keller einbetonierte Falltür nicht öffnen, ansonsten sei er verloren.

Ich spürte, wie die Falle zuschnappte.

Natürlich hält sich Arthur nicht an die Bedinung, öffnet die Tür, steigt hinab. Die Tür schlägt zu und Arthur ist gefangen. Bis er sich plötzlich auflöst. Von da an kommt er nur noch jedes Jahr für einen Tag zurück in sein Leben. Er weiss nie, wo er genau auftaucht, wann er auftaucht und was an dem Tag passieren wird. Keine gute Voraussetzung dafür, sich zu verlieben. Und genau das tut er.

Guillaume Musso bleibt sich treu. Wieder reist er in den Zeiten, wieder vermischt er eine reale Geschichte und reale Figuren mit einem surrealen Element. Er schafft es, die Figuren und ihre Probleme so plastisch und authentisch zu gestalten, dass man als Leser unbedingt wissen will, wie das alles endet. Man möchte erfahren, ob und wie eine Liebe, die nur einen Tag im Jahr gelebt werden kann, bestehen kann. Und man möchte natürlich wissen, wie das alles ausgeht.

An dieser Stelle wird diese Rezension persönlich und enthält auch einen Blick aufs Ende. Wer das Buch nicht gelesen hat und es noch tun will, soll den Abschnitt überspringen und beim Fazit weiterlesen. Mich hat dieses Buch von Seite zu Seite mehr genervt. Die Geschichte wurde durch die unglaublich vielen Wiederholungen der ewig ähnlichen Situation, langatmig und langweilig. Dass ich weiter gelesen habe, war nur wegen der oben genannten Figuren, die mich durchaus gepackt hatten. Gegen das Ende erfährt man, dass nach 24 Jahren der Spuk vorbei ist – es wird aber geunkt, dann sei alles aus, quasi der Supergau wird prophezeit. Nach diesen 24 Jahren kommt also Arthur zurück und dann wurde die Geschichte absolut verschwurbelt. Zu dem Zeitpunkt war ich schon so genervt, dass ich nur noch überflogen habe und vermutlich darum nicht mehr verstanden, worum es nun wirklich ging, was nun wirklich passiert war, was erfunden, wer nun wer ist und überhaupt. Ich befürchte, dank diesem Buch wird das mein letzter Musso gewesen sein. Das Buch ist wohl – wie jedes – Geschmacksache. Meinen Geschmack traf es nicht.

Fazit:
Das Buch überzeugt durch eine spannende Idee und authentische Figuren und Schauplätze. Wieder mischt Musso Realistisches mit Surrealem.

Zum Autor
Guillaume Musso
Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren. Er arbeitete als Gymnasiallehrer und Universitätsdozent, bis er 2001 seinen von der Kritik hoch gelobten Debütroman veröffentlichte. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinem zweiten Roman Ein Engel im Winter, den er nach einem schweren Autounfall geschrieben hatte. Auch seine Roman Eine himmlische Begegnung und Vielleicht morgen stürmten auf Anhieb die französischen Bestsellerlisten. Auch von ihm erschienen ist Nacht im Central Park und Weil ich dich liebe.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Pendo Verlag (1. Juni 2016)
Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
ISBN-Nr.: 978-3866124011
Preis: EUR 16.99 / CHF 14.90

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Elke Pistor – Nachgefragt

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Foto: http://www.sarahkoska.com

Elke Pistor ist in Gemünd in der Eifel aufgewachsen, wurde von dieser geprägt und ist der Region bis heute eng verbunden. Nach dem Abitur in Schleiden folgten das Studium der Pädagogik und Psychologie in Köln. Nach kurzem Stopp am Niederrhein lebt sie heute in Köln, arbeitet als Autorin und Seminartrainerin und leitet Schreibworkshops.

Elke Pistor hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten:

Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Wer sind Sie und wenn ja, wie viele? Mensch, Frau, Tochter, Töchter-Mutter, überzeugte Europäerin, vollintegrierte Rheinland-Eiflerin, Katzenfrau (manchmal auch mit wirrem Haar), ehrenamtlich Engagierte, Teamplayerin, Sportmufflerin, Fahrradfahrerin, Vielleserin, mehr und mehr Hörbuch-Hörerin. Zum Tage gezwungener Nachtmensch.

Mein erlernter Beruf ist die Erwachsenenbildung, meine Berufung das Schreiben.

Meine Biografie würde ich gar nicht schreiben, weil ich auch eine Nabelschau-Ablehnerin bin.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Bis ich 40 wurde, habe ich außer einem Gedicht an einen Jugendschwarm (der mir letztens erklärte, er hätte es noch) und ein paar Beiträgen zur Schülerzeitung nichts Wirkliches geschrieben. Im Nachhinein hätte mir der Einser im Deutsch Leistungskurs und mein deutlicher Hang zur Buchbranche (Schüler- und Studentenjobs) zu denken geben können. Aber es war zu Zeiten meines Abiturs nicht üblich, dass die Lehrer sich mit den Schülern über ihre mögliche Berufsausrichtung unterhielten. Wer weiß, vielleicht wäre ich dann heute Journalistin oder Deutschlehrerin. Oder Polizistin – das stand nämlich auch auf der Auswahlliste.
Geworden ist es dann nach bestandener Aufnahmeprüfung erst eine Schauspielausbildung und im Anschluss ein Pädagogik und Betriebspsychologie Studium. Beides kommt mir heute als Autorin sehr zu Gute.
Beim Schreiben bin ich dann schließlich über die Schauspielausbildung (ich war nett, aber nicht gut), Gesang („Sie haben eine brecht’sche Stimme“) und Malunterricht (die Bilder sind sogar vorzeigbar, aber mir fehlt die Geduld) gelandet. Es hat einfach 40 Jahre gedauert, bis ich das gefunden habe, was ich wirklich gut kann. Und das Spannende daran ist, dass ich immer weiter lernen und mich verbessern kann.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt, zu schreiben?

So hat es bei mir mit dem Schreiben angefangen: Ein Kurs über kreatives Schreiben an der VHS Köln. Danach und weil ich auch von Haus aus ein Weiterbildungsjunkie bin, habe ich jede Menge Kurse, Seminare und Workshops bei verschiedenen Anbietern belegt, um das Handwerk zu lernen. Mittlerweile bin ich für mich zu der Erkenntnis gelangt, dass man das Handwerk unbedingt können muss, auch um Regeln brechen zu können. Talent ohne Handwerk bringt ebenso Mittelmaß hervor wie Handwerk ohne Talent.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich arbeite wie die Drehbuchautoren: Pitch, Exposé, Treatment, Storybord. Mittlerweile habe ich mir eine eigene Matrix zusammengestellt, die auf den Schreibprozessen von Snyder, Hamann und R.B. Tobias beruht. Dazu gehört natürlich auch Recherche, entweder virtuell oder auch im echten Leben. Ich versuche vor allem bei meiner Hauptfigur möglichst viel selbst auszuprobieren und zu erleben.

Wann und wo schreiben Sie?

Zu Bürozeiten an vier Tagen in der Woche. Mein Schreibtisch unterm Dach, im Sommer manchmal in der Weinlaube in meinem Garten.

Allerdings geht von dieser Zeit mehr und mehr Zeit ab, da man sich als Autor heute um sehr vieles rund um die Promotion des Buches selbst kümmern muss. Lesungsakquise zu machen und Vermarktungskonzepte zu erstellen und umzusetzen, frisst viel Zeit.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Den Feierabend im Schreiben „zwingt“ mir meine Arbeit als Dozentin einer Medienschule und meine Familie auf. Diese vielfältigen Anforderungen lassen keinen Platz für das Denken über das Schreiben außerhalb der Schreibzeit. Wobei das nicht nur Nachteile hat, sondern auch den Vorteil, dass ich wirklich Abstand vom Text bekomme und am nächsten Tag bei der Bearbeitung deutlich mehr sehe.
In den Schulferien ist für mich Schreiben unmöglich, da bei uns das Haus dann immer voll ist. Aber es macht mir Spaß, abends sechs oder acht junge Leute um den Tisch sitzen zu haben.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Das Leseverhalten der Menschen wandelt sich und damit auch die Buchszene. Der Umgang mit Medien ist ein ganz anderer als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Dem muss die Buchbranche Rechnung tragen, wenn sie auf Dauer überleben will. Und das versucht sie auch. Pauschale Lösungsansätze gibt es dazu aber leider nicht. Eine Folge ist bereits heute die Konzentration auf die Bestseller und wie man als Verlag am ehesten einen Bestseller lanciert. Vor allem neue Autoren werden von den Verlagen mehr und mehr als Gesamtpaket gesehen, bei dem alles stimmen muss: Auftreten, Optik, Alter, Publikumsaffinität, gerne auch Exzentrik oder Exotik. Dort wird dann der Werbe-Etat kumuliert eingesetzt, alle anderen gehen leer aus. Bei gestandenen AutorInnen kann man das Phänomen beobachten, dass erst, wenn sie es durch viel Eigeninitiative zu nennenswerten Buchumsätzen geschafft haben, auch Geld für Marketing in sie investiert wird. Was umso unverständlicher ist, wenn vorher fünfstellige Beträge aufgewandt wurden, um sich die Rechte an den Manuskripten zu sichern.

All das macht es AutorInnen bereits heute sehr schwer, vom Schreiben zu leben, ohne noch auf die Problematik der Buchpiraterie einzugehen.

Ich lasse mir trotz allem aber nicht die Freude am Schreiben verderben. Es ist mein Beruf und ich liebe es. Auch wenn ich vieles heute realistischer sehe als vor zehn Jahren, als ich anfing.

 Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben und wie entsteht aus einer Idee eine Geschichte?

Unterschiedlich. Mal kommt eine Anfrage des Verlages für ein bestimmtes Thema oder eine Kurzgeschichte. Mal ist es ein Thema, das mich selbst interessiert. Zur Geschichte wird es dann, indem ich mit einer ganz bestimmten Fragestellung daran gehe – und mit dem oben beschriebenen Handwerk.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel von Ihnen steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Als Autorin kann ich nur das schreiben, was ich auch denken kann. Insofern stimmt es natürlich. Allerdings würde ich eher von einer Prägung sprechen. Denn auch wenn der erste Schritt, die erste Idee, der erste Umgang mit einem Thema von meinem Selbst geprägt ist, so mache ich doch den zweiten Schritt über den Tellerrand hinaus. Ich habe es mir sogar zur Recherchepflicht gemacht, möglichst viel von anderen zu dem Thema direkt zu erfahren. Wobei man natürlich dann wieder argumentieren könnte, dass meine Wahrnehmung des Anderen ja auch subjektiv und damit wieder von meiner Biografie geprägt ist.

Dass ich eine Figur sehr nach meinem Vorbild aufbaue, geschieht eher selten. Ich finde es spannender, mich für eine Figur in deren Denkweisen hinein zu versetzen.

Einzige Ausnahme: In fast allen meinen Büchern hat irgendwer eine Katze …

 Oft wird unterschieden zwischen grosser Literatur und Unterhaltungsliteratur. Gerade Krimis/Thriller hängt oft der Ruf nach, sie seien trivial. Was halten Sie von solchen Kategorien und wieso haben Sie sich für dieses Genre entschieden?

Mittlerweile schreibe ich auch in anderen Genres und ich muss sagen, es gefällt mir gut. Krimi schreibe ich, weil ich ihn gerne lese und weil ich Spaß am Rätseln habe. Der logische Aufbau eines Kriminalromans muss stimmen. Das ist jedes Mal wieder eine Herausforderung und ich mag Herausforderungen.

Aber ich lese auch anders, je nach Stimmung. Ich mag gute Historienromane, auch wenn ich sie nicht selbst schreiben wollte. Ich kann mich an Gesellschaftsromanen wunderbar abarbeiten und in Liebesromanen schwelgen. Es interessiert mich ehrlich gesagt dann auch nicht, ob dieses Buch als große Literatur, ein anderes hingegen als „Schund“ abgetan wird. Wichtig ist für mich als Leserin in dem Augenblick, dass das Buch mir das gibt, was ich gerade brauche. Wenn es politischer Input ist – fein: Sprachschönheit – wunderbar. Ablenkung nach einer anstrengenden Zeit – warum nicht? Auf hohem oder niedrigem intellektuellen Niveau? – Jeder das, was er schafft. Bücher sind auch Mittel zum Zweck. Welcher, das muss jeder für sich entscheiden und die Freiheit, das zu können, ist sehr wertvoll.

 Ich las kürzlich, Liebesromane müsste es auf Rezept geben, denn sie seien Heilung für die Herzen der Leser. Was sind so gesehen Kriminalromane und Thriller?

Die Frage müsste doch eher lauten: Wovon muss man geheilt werden? Eigene schlechte Erfahrungen? Dem Alltagsgrau der Wirklichkeit? Dann ging es doch schon sehr in Richtung Eskapismus und das finde ich auch für viele gute Liebesromane nicht gerechtfertigt. Vielleicht ist es eher wie mit einer kurzen Pause in einem Cafe zu vergleichen. Der eine nimmt sich ein Stück süße Torte, der andere eher das belegte Salamibrot.

 Sie schreiben (unter anderem) Eifel Krimis. Wieso die Eifel? Wäre FBI in USA nicht knackiger? Oder wenigstens Berlin oder Frankfurt?

Die Eifel IST knackig … mehr muss ich doch wohl nicht dazu sagen.

 111-katzen-lesezeichen-4Mit „111 Katzen, die man kennen muss“ haben Sie neue Wege beschritten. Was hat Sie dazu bewogen? Oder war das gar nicht Ihre Idee, sondern die Ihres Katers Kai-Günther?

Kai-Günther gab es noch nicht, als die Idee entstand. Er kam erst später dazu. Aber die Frage, warum ich die 111 Katzen gemacht habe, ist einfach zu beantworten: Ich LIEBE Katzen und es gab noch keinen Band in der 111 Reihe dazu. In der Tat hat mir die Arbeit an dem Buch unglaublich viel Spaß gemacht.

 Selfpublishing und E-Books haben den Buchmarkt in Aufregung versetzt. Man hört kritische Stimmen gegen Verlage wie auch abschätzige gegen Selfpublisher. Wie ist deine Meinung dazu?

Wie ich eingangs schon erwähnte – der Markt wandelt sich. Immer mehr Aufgaben werden von den Verlagen auf die Autoren übertragen. Da kann auch der Schritt vom Verlags- zum Selfpublisherautor nur noch ein sehr kleiner sein. Aber egal ob mit oder ohne Verlag: Auf Dauer wird sich nur Professionalität durchsetzen können. Zur Professionalität gehört für mich neben einer guten Schreibe vor allem ein gutes Lektorat und Korrektorat, ein gutes Cover, eine gute Vermarktung und Marktkenntnis. Im Selfpublisherbereich ist heute vieles noch Wildwest, aber ich bin davon überzeugt, dass Qualität sich auch hier durchsetzen wird.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Eine ansprechende Sprache, die mich entweder fasziniert oder die sich der sehr guten Geschichte unaufdringlich unterordnet. Das Thema muss mich interessieren.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

Schreiben, schreiben, schreiben, durchhalten, diszipliniert sein.

Herzlichen Dank für diese tollen Antworten. Ich weiss nun, wo ich unbedingt mal hin muss.

James Patterson: Die 5. Plage

Vier Frauen und noch mehr Todesfälle

Plötzlich verengte sich ihr Gesichtsfeld zu einem Tunnel aus weissem Licht.
„Bitte, helfen Sie mir. Ich glaube, ich…“
„Ja“, sagte die Gestalt in der dunklen Ecke, „du stirbst, Jessie. Es ist eine Wonne, dir zuzusehen, wie du hinübergehst.“

patterson5In einem Krankenhaus sterben immer wieder Menschen, die zwar über die Notaufnahme reinkamen, sich dann aber eigentlich erholt hatten. Die Staranwältin Maureen O’Mara nimmt sich dem Fall an und verklagt das Krankenhaus für die Hinterbliebenen der Opfer in Millionenhöhe. Ausgerechnet in dieses Krankenhaus wird Yuki Castellanos Mutter nach einem Schwächeanfall eingeliefert. Als auch sie eines Morgens plötzlich tot ist, nimmt sich Lindsay Boxer dem Fall an – anfänglich noch auf eigene Faust, da sie offiziell an einem Fall ermittelt, bei dem junge Frauen ermordet, vergewaltigt und puppenhaft drapiert werden. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt: Wann schlägt der Frauenmörder wieder zu und wann der Todesengel im Krankenhaus?

Patterson ist im fünften Fall seiner Reihe um den Women’s Murder Club wieder voll auf seiner Höhe, nachdem er im vierten Fall etwas schwächelte. Gleich zwei Fälle müssen gelöst werden, in beiden eilt die Zeit, weil neue Tote zu befürchten sind – und in beiden findet sich kein Anhaltspunkt, der weiterhelfen könnte. Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis Lindsay Boxer die Täter findet?

Ein Pageturner von der ersten bis zur letzten Seite, einmal angefangen, will man ihn nicht mehr aus der Hand legen. Es empfiehlt sich – wie immer bei Patterson – den nächsten Band schon zur Hand zu haben, um gleich neu eintauchen zu können. Dies umso mehr, als auch zwischen Lindsay Boxer und Joe Molinari offene Fragen sind, auf die man gerne eine Antwort hätte.

Fazit:
Der fünfte Fall des Women’s Murder Club ist ein Pageturner auf höchstem Niveau. Zwei spannende Fälle, in beiden ein Wettlauf mit der Zeit, eine noch nebenherlaufende Liebesgeschichte – absolute Leseempfehlung.

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch, Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (9, Juni 2008)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442370375
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Trump – oder: Die Welt demaskiert sich

Trump ist im Amt. So ganz offiziell. Und wer auf Facebook oder Twitter ist, kann das nicht mehr ignorieren, denn kaum ein Beitrag dreht sich nicht um ihn. Man könnte nun jubeln und denken, dass die Welt politisch engagiert ist, nur: Das ist sie nicht. Man ergiesst sich in Spott und Häme, ach so witzige Bilder verstopfen den Nachrichtenfluss. Man übt sich als Psychologe und analysiert Bilder des gähnenden oder desinteressierten Sohnes. Man motzt über den Tanz der beiden Trumps und findet ihn hölzern – ich frage mich innerlich, wer der ach so überheblichen Journalisten ein Tanz-As ist?!?

Trump ist für ganz viele nicht die erste Wahl. Verständlich. Aber es ist nun auch mal wieder gut. Es wäre schön, die Welt würde aus ihrer Toddler-Trotz-Phase erwachen und sich mal wieder erwachsen benehmen. Das hiesse, fundiert zu diskutieren, was passiert, statt blonde Strubbelbüschel auf Dinge zu photoshoppen und Trump drunter zu schreiben. Das hiesse, den armen Jungen mal Pubertierenden sein zu lassen und zu sehen, was der Papa in dem Augenblick tut. Das hiesse, vom hohen Ross runterzusteigen, selber in den Spiegel zu schauen, eventuell zum Coiffeur zu gehen und dann nochmal hinzuschauen. Was ist. Und darauf zu reagieren. Sachlich. Nicht persönlich.

Was ist an Herrn Trump so wichtig? Seine Frisur, das Verhalten des Sohnes, die Kleidung oder Ehe-Motivation der Frau? Wichtig ist doch, was er wirklich macht. Das wäre Munition genug. Wieso können wir uns nicht endlich darauf konzentrieren? Und alle, die das nicht verstehen, sich gar nicht wirklich dafür interessieren oder Politik zu kompliziert finden, könnten einfach wieder Katzen-Videos posten. Die Social-Media-Welt wäre eine unglaublich schönere.

Und die, welche wirklich politisch interessiert sind, sollen sich doch bitte auf die Politik beschränken. Wen beruft er in die entsprechenden Ämter? Was sind seine Amtshandlungen und wo führen sie hin? Woran erinnert uns, was er tut? Was kann man tun?

Martin Suter: Elefant

Gut und Böse klar verteilt

Eine Entzugserscheinung konnte es nicht sein, er hatte genug getrunken. Schoch versuchte, das Ding zu fokussieren, das tief in der Unterspülung des Uferwegs stand, dort, wo die Höhlendecke auf den sandigen Boden traf. Ein Kinderspielzeug. Ein Elefäntchen, rosarot, wie ein Marzipanschweinchen, aber intensiver. Und es leuchtete wie ein rosarotes Glühwürmchen.

suterelefantSchoch, ein obdachloser Alkoholiker, der in einer Höhle über der Limmat wohnt, sieht eines Tages ein rosa Elefäntchen in seiner Höhle. Er ist sich erst nicht sicher, ob es sich dabei um eine Halluzination oder ein verirrtes Kinderspielzeug handelt, dies umso mehr, als sich das leuchtende Wesen auch noch bewegt.

Der Genforscher Roux hätte Schoch sofort sagen können, worum es sich dabei handelt. Der rosa Elefant soll eine weltweite Sensation werden, nur ist er ihm abhanden gekommen und er sucht ihn händeringend.

Martin Suters neustes Buch vereint die moderne Gentechnik und das Machbarkeitsstreben der Forschung und der Wirtschaftswelt mit Phantasie und Mystik, packt gesellschaftspolitische Probleme wie Randständigkeit und Alkoholismus hinein und garniert mit einer Liebesgeschichte. Die Figuren sind (gewollt?) klischeehaft: Wir haben einen durch das Leben ernüchterten – dafür sonst kaum je nüchternen – Ex-Banker als Obdachlosen, eine idealistische Tierärztin mit ererbtem Millionenvermögen und praktischerweise einer grossen leeren Villa, die sich als Versteck für den frischgebackenen Elfenatenpapa Schoch eignet, einen skrupellosen Forscher, machtgierige Chinesen, die vor nichts zurückschrecken, etc.

Die Welt ist klar in schwarz und weiss aufgeteilt und bietet sich dem Leser in Form von sich abwechselnden Erzählsträngen aus den zwei Welten dar. Martin Suter selber beschreibt sich als Schriftsteller, welcher sich an klare Strukturen hält, die er vorgängig aufzeichnet und dann als Geschichte umsetzt. Das merkt man den Geschichten an. Das ist nicht nur Kritikpunkt, das hat durchaus seine Berechtigung und dadurch nimmt die Geschichte auch sicher einen Lauf, welcher stimmig ist. Auch das Erzähltempo ist durchaus positiv, die kurzen Kapitel ziehen den Leser rasant durch die Geschichte, verleihen dieser eine packende Dynamik.

Mit dem Erzählstrang um Schoch und de kleinen Elefanten ist Martin Suter eine herzige, mitreissende Geschichte gelungen, die beiden wachsen einem ans Herz, man schmunzelt mit, verliebt sich ein wenig und leidet auch mit. Die Tierärztin bleibt eher blass und wenig plastisch.

Der zweite Erzählstrang um die Forscher und die Jagd nach dem verloren gegangenen Elefanten liess mich mehrheitlich kalt. Die Figuren waren weder sympathisch, um sich damit zu identifizieren, noch waren sie schlimm genug, um sie als wirkliche starke Gegner wahrnehmen zu können. Ich ertappte mich beim Lesen dabei, die Stellen eher zu überfliegen, um wieder zur Geschichte mit dem Elefanten zurückzukommen.

Fazit:
Eine schöne, packende, wenn auch etwas einfach gestrickte Geschichte mit stereotypen Figuren und einigen Klischees. Empfehlenswert.

Der Autor
Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane – zuletzt erschien ›Montecristo‹ – und ›Business Class‹-Geschichten sowie seine ›Allmen‹- Krimiserie sind auch international große Erfolge. Martin Suter lebt mit seiner Familie in Zürich.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (18. Januar 2017)
ISBN-Nr: 978-3257069709
Preis: EUR 24 / CHF 26.90
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James Patterson: Die 4. Frau

Lindsay Boxer und die Fälle von Schuld und Sühne

Jacobi rief gerade einen Krankenwagen, als das junge Mädchen in die Innentasche ihrer Jacke griff und einen Gegenstand hervorzog, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Bei dem Anblick gefror mir das Blut in den Adern. „WAFFE!“, schrie ich einen Sekundenbruchteil, bevor sie auf mich schoss.

patterson4Lindsay Boxer kämpft an allen Fronten. Weil sie im Zuge einer Ermittlung zwei Kinder angeschossen hat, eines starb, das andere ist sein Leben lang an den Rollstuhl gebunden. muss sie sich nun vor Gericht verantworten. Lindsay bangt um ihre Stelle und flieht für die Zeit der Verhandlungen ins Haus ihrer Schwester, wo sie schon bald mit ungeklärten Mordfällen konfrontiert ist, welche sie an ihren eigenen ersten Mordfall erinnern, welcher bis heute ungeklärt ist. Auf eigene Faust nimmt sie die Ermittlungen auf und sieht sich bald selber im Visier des Mörders.

James Patterson verknüpft verschiedene Handlungsstränge und Spannungsbogen und lässt seine Protagonistin an allen Fronten kämpfen. Auch wenn es ein Fall für den Women’s Murder Club ist, sind die beiden anderen Mitglieder desselben kaum vorhanden in diesem Buch, welches fast ausschliesslich auf Lindsay ausgerichtet ist. Überhaupt lässt der vierte Fall der Reihe viel vermissen von dem, was Pattersons Bücher ausmachen. Hätte nicht Patterson draufgestanden, hätte ich das Buch wohl weggelegt und vor allem geschworen, dass es nicht von ihm geschrieben wurde. Die Sprache ist anders als sonst, ebenso der Spannungsaufbau und die Handlungsführung.

Das Buch ist nicht schlecht, es kommt durchaus Spannung auf und man will wissen, wie der Gerichtsfall ausgeht, ob die Mordfälle gelöst werden können und vor allem, wer der Täter ist. Die Auflösung der letzten Frage ist schlussendlich etwas sehr gesucht. Alles in allem sicher nicht Patterson in seiner Höchstform, trotzdem freue ich mich nun auf den 5. Fall und hoffe, er findet da wieder zu seiner alten Form zurück.

Fazit:
Der vierte Fall des Women’s Murder Club ist zwar durchaus spannend, kann aber nicht mit dem mithalten, was man von Patterson gewohnt ist und erwartet.

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch, Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (Oktober 2007)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442367566
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Rezension: Elisabeth Hermann – Der Schneegänger

Tanz mit Wölfen und im Kreis herum

Ich finde dich. Verlass dich drauf, ich finde dich.

hermannder_schneegaengerEin Jäger findet im kalten Winter das Skelett eines vergrabenen Jungen. Bald ist klar, dass es sich dabei um den vor vier Jahren verschwundenen Darijo handelt, ein Fall, der niemals geklärt werden konnte und bei dem sich Lutz Gehring nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Da Darios Eltern Kroaten sind, in den Ermittlungen damals keiner vor Ort war, der diese Sprache beherrschte, soll dieses Mal Sanela Beara mithelfen, Licht ins Dunkel zu bringen. Ihres Zeichens ehemalige Streifenpolizistin, aktuell Studentin für den Kriminaldienst und schon mal in einem Fall mit Lutz Gehring verwickelt, welche die beiden nicht zu besten Freunden hatte werden lassen, ist sie schon bald tiefer in der Geschichte drin, als allen lieb ist.

Sanela ermittelt mit Mitteln, die sich immer am Rande des gesetzlich machbaren bewegen – meist auf eigene Faust. Aber schliesslich und endlich ist es kompliziert und es geht darum, den Tod des kleinen Jungen zu klären. Verdächtige gibt es genug: Den eigenbrötlerischen, aufbrausenden und doch charmanten Vater, die zu höherem berufene Mutter, die schon während der Ehe eine Verhältnis mit ihrem Arbeitgeber hatte, diesen später geheiratet hat. Derselbe Arbeitgeber wäre auch noch auf der Liste der Verdächtigen, genauso wie seine Söhne und diese verehrende modelhafte Nachbarstöchter.

Die Figurenaufstellung macht es schon offensichtlich: Es gibt Platz für viele Klischees und der Roman greift sie alle auf. Als Leser will man wissen, wer es nun war, keine Frage, allein der Weg dahin ist lang und steinig. Man weiss als geübter Krimileser schon von der ersten Seite an, wer es nicht gewesen ist, möchte aber wissen, wie sich seine Wege erklären lassen. Auch Ahnungen, wie alles zusammen hängen könnte, sind bald mal da, man möchte sie verifiziert haben. Und so liest man durch blumige Ausschweifungen, psychologische Charakterstudien, ausführliche Background Stories hindurch, die alle wunderbar sind, damit der Autor seine Figuren kennenlernt, die im Buch selber aber nicht mehr nötig oder sinnvoll sind. Positiv ausgedrückt steigern sie die Spannung durch das Herauszögern der Antworten, negativ ausgedrückt sind sie schlicht zu kürzender Ballast – gut geschrieben, bringen die Geschichte aber nicht weiter.

Und irgendwann kommt dann das Ende. Es passiert nochmals viel, alles löst sich auf. Es ist irgendwie das einzig mögliche Ende, und doch befriedigt es nicht. Nicht mich. Wer gerne ausführliche Charakterstudien, blumige Figurenbeschreibungen, endlose Flashbacks, klischeebehaftete Beziehungsmuster und Gesellschaftsstudien hat, der kommt in dem Buch auf seine Kosten. Wer es gern knackig spannend mag, wird sich wohl eher ärgern. Was Elisabeth Hermann gelungen ist: Weglegen konnte ich das Buch nicht, ich wollte das Ende wissen. Auch die Sprache, die Schreibweise waren durchaus passend, sie versteht das Handwerk. Es war für mich persönlich das falsche Tempo und zu viel Ballast.

Fazit:
Die klassische Frage „whodunit“, auf die man eine Antwort haben will – trotz (zu?) vielen Klischees und Verzögerungen.

Der Autor
Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman „Das Kindermädchen“ ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. November 2016)
ISBN-Nr: 978-3442485260
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Rezension: Raymond Chandler – Die simple Kunst des Mordes

„Ich gelte als ziemlich ausgekochter Schriftsteller, aber das besagt nichts“

chandlermordesIn Briefen, Essays und Notizen beschreibt sich Raymond Chandler selber, schreibt über den Kriminalroman und dessen Stellung in der Literaturwelt und referiert über das Handwerk des Schreibens allgemein und sein eigenes im Speziellen.

Ich arbeite ziemlich sprunghaft, ohne feste Zeiten, was heissen soll, dass ich überhaupt nur arbeite, wenn mir danach ist.

Er zeigt dem Leser auf, wie es in der Filmwelt und im Verlagswesen abläuft, äussert sich über Katzen und berühmte Verbrechen sowie über seine eigenen Romane und Kurzgeschichten. Er tut dies auf eine humorvolle Weise, so dass man immer denkt, ihn vor sich zu sehen, wie er sein Gesicht zu einem Lächeln verzieht beim Schreiben.

Abgerundet wird das Buch durch den Essay Die simple Kunst des Mordes sowie das Romanfragment Die Poodle Springs Story. Wer Raymond Chandlers Krimis liebt, der wird von diesem Buch begeistert sein: Chandler so privat und persönlich wie selten. In seinem unzähligen Briefen zeigt er sich von allen Seiten, beleuchtet dabei auch die eigenen Schwächen.

Wenn eine Sammlung von Briefen überhaupt einen Wert haben soll, dann muss sie alle Seiten im Charakter eines Menschen enthüllen, nicht nur die liebenswürdigen und hellen.

Seine Briefe sind durchdrungen von polemischen Äusserungen – Chandler bezeichnete sich selber als „streitlustigen Burschen“, legen Abneigungen wie zum Beispiel gegen Agenten, Berufskritiker und Plagiatoren offen, zeigen ihn aber auch als belesenen und gebildeten Menschen, der die Literatur, die Welt und sich selber messerscharf beobachtet und analysiert.

Fazit:
Ein sehr persönliches, humorvolles, mitreissendes Buch – Raymond Chandler, wie er denkt, schreibt und lebt. Sehr empfehlenswert.

Der Autor
Raymond Chandler, geboren 1888 in Chicago, wuchs in England auf. Er arbeitete zwei Jahre im britischen Marineministerium, war dann freier Journalist, Buchhalter in einer Molkerei, Soldat im Ersten Weltkrieg und schließlich Direktor einer kalifornischen Ölgesellschaft. 1932 wurde er entlassen und begann ernsthaft zu schreiben. Mit seinen Romanen um den Privatdetektiv Philip Marlowe in Los Angeles wurde Chandler zum Klassiker der Kriminalliteratur. Er starb 1959 in La Jolla, Kalifornien.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (14. Auflage, 24. Februar 2009)
Übersetzung: Hans Wollschläger
ISBN-Nr: 978-3257202090
Preis: EUR 9.90 / CHF 15.90
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Rezension: James Patterson – Der 3. Grad

Lindsay Boxers Welt steht Kopf

Es begann als wolkenloser, windstiller, träger Aprilmorgen – und wurde der erste Tag der schlimmsten Woche meines Lebens.

patterson3Lindsay Boxer joggt wie jeden Sonntagmorgen mit ihrer Hündin Martha, als vor ihren Augen ein Haus durch eine Explosion in die Luft fliegt. Die Bewohner, eine junge Familie, waren zu Hause gewesen. Es gelingt Lindsay, den älteren Jungen aus dem brennenden Haus zu retten, für die Eltern kommt jede Hilfe zu spät und das Baby der Familie ist verschwunden. Als Lindsay vor dem Haus einen herrenlosen roten Rucksack sieht, befürchtet sie Böses. Der Inhalt entpuppt sich aber nicht als weitere Bombe, sondern als Bekennerschreiben – das war nicht nur ein Mord gewesen, sondern eine regelrechte Hinrichtung. Schon bald wird klar: Das war erst der Anfang, es geht weiter.

Die nationale Sicherheit steht auf dem Spiel, weswegen Joe Molinari vom Ministerium für Innere Sicherheit in die Ermittlungen miteinbezogen wird. Joe macht auf Lindsay nicht nur durch berufliche Kompetenz Eindruck, doch diese hat keine Zeit für solche Gefühle, zumal ihre Welt schon bald in den Grundfesten erschüttert wird.

Der dritte Fall des Women’s Murder Club spinnt die Geschichte um das Ermittlerquartett weiter: Wieder ist ein brisanter Fall zu klären, wieder tappen die Behörden im Dunkeln, verläuft jeder Hinweis im Sand. James Patterson gelingt es, die persönlichen Geschichten der einzelnen Protagonistinnen gekonnt als Nebenhandlungen einzubauen, so dass diese den Spannungsbogen des zu lösenden Falls nicht behindern oder unterbrechen, sondern noch einen weiteren dazu geben. So fiebert man auf verschiedenen Ebenen mit und legt das Buch kaum freiwillig weg, bevor sich nicht alles geklärt hat.

Es empfiehlt sich, den vierten Fall schon bereit zu halten, denn nach dem Buch ist die Erwartungshaltung gross, wie es weiter geht mit Lindsay Boxer und ihren Freundinnen.

Fazit:
Auch beim dritten Fall des Women’s Murderclub herrscht Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite. Absolute Leseempfehlung!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (11. Juni 2007)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442369218
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Kathrin Lange – Nachgefragt

langekathrinKathrin Lange wurde 1969 in Goslar am Harz geboren. Obwohl sie sich beruflich der Hundestaffel der Polizei anschließen wollte, siegte am Ende ihre Liebe zu Büchern, und sie wurde zuerst Buchhändlerin und dann Schriftstellerin. Heute ist sie Mitglied bei den International Thriller Writers und schreibt sehr erfolgreich Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem kleinen Dorf bei Hildesheim in Niedersachsen.

Kathrin Lange hat mir ein paar Fragen zum Schreiben und zu Ihrem neusten Roman Ohne Ausweg beantwortet:

langekathrin2Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Heute bin ich Schriftstellerin, früher war ich Buchhändlerin. Und grundsätzlich bin ich Buchnerd. Damit ist meine Biographie in den wichtigsten Punkten zusammengefasst.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Ich habe ungefähr im Alter von 14 Jahren angefangen zu schreiben und dann relativ schnell gewusst, dass ich Schriftstellerin werden möchte. Einen konkreten Auslöser gab es nicht, am ehesten könnte man vermutlich die Freude am Geschichtenerfinden dafür halten.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt, zu schreiben?

Es gibt ja diese zwei gegensätzlichen Meinungen. Auf der einen Seite die, dass man das Schreiben auf keinen Fall lernen kann, dass man es „haben“ muss. Und auf der anderen Seite sind da jene, die behaupten, alles sei nur Handwerk. Ich befinde mich irgendwo in der Mitte. Vieles ist Handwerk, und damit kann man auch recht ordentliche Unterhaltung schreiben, denke ich. Aber diesen Romanen fehlt dann oft etwas, das ich „den Funken“ nennen würde.

Wie bei allem im Leben ist es in meinen Augen also eine Mischung aus beidem: viel Handwerk, aber eben auch ein wichtiger Teil Inspiration und, ja, auch Talent, Genie, wie immer man es nennen möchte.

Ich selbst habe einfach angefangen zu schreiben, ganz naiv und ganz und gar ohne überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es sowas wie Handwerk gibt. Irgendwann dann, als in mir der Wunsch aufkam, zu veröffentlichen und ich die ersten Absagen von Verlagen kassierte, wollte ich wissen, was der Grund dafür war. In dieser Zeit habe ich einige Seminare besucht, in denen es ums Handwerk ging. Das meiste lief bei mir aber nach dem Prinzip trial and error, und irgendwie mache ich es noch heute so: ausprobieren, was geht, dann umschreiben, neuschreiben, wieder testen, neu umschreiben …

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Im Grunde so, wie ich eben schon beschrieben habe. Aber das ist von Buch zu Buch durchaus unterschiedlich. Grundsätzlich mache ich erst eine Menge Recherchen, bevor ich mich dann an eine erste, grobe Planung des Plots setze. Wenn die fertig ist, fange ich meistens an, die ersten Szenen zu schreiben, und ab da ist vieles Überarbeitung und Ringen um die passenden Worte. Und Haareraufen.

Wann und wo schreiben Sie?

Zu Hause in meinem Büro, aber auch am Küchentisch (wie gerade im Moment), im Zug oder im Hotel, wenn ich auf Lesereise bin. Und immer dann, wenn Zeit ist, frühmorgens, abends, ich habe keine festen Schreibzeiten.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Gar nicht. Leider.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Womit man kämpft? Neben den üblichen Schwierigkeiten mit Plot, Story und Figuren natürlich auch mit den „Demütigungen“, die das Business so mit sich bringt. Das ist ein sehr langes Thema, zu dem ich einen ganzen eigenen Roman schreiben könnte. Aber trotzdem ist es noch immer meine größte Freude, zu schreiben und auch zu veröffentlichen. Zu erleben, wie eine Story wächst, sich fügt und am Ende „rund“ wird, ist tief befriedigend. Und natürlich mag und schätze ich sehr den persönlichen Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern. Wenn es auf einer Lesung zu richtig guten Gesprächen kommt, dann ist das eine große Freude.

Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben und wie entsteht aus einer Idee eine Geschichte?

Naja, im Grunde muss ich morgens nur noch die Zeitung aufschlagen und dann kommt mir eine neue Idee für den nächsten Faris Iskander-Roman. Das ist Vorteil und Nachteil zugleich, wenn man, wie ich, so ein aktuelles Thema hat. Ich sammele vieles, Zeitungsartikel, Ausschnitte aus Fernsehsendungen, Begegnungen mit Menschen. Und meistens kristallisiert sich dann recht schnell eine neue Story heraus. Das passiert im Moment auch wieder. Die Story von Band 4 der Reihe ist gerade dabei, ein Eigenleben zu entwickeln.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel von Ihnen steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Der gute, alte Goethe. J Ich habe oben von dem „Funken“ gesprochen, den ein guter Roman meiner Meinung nach haben muss. Vermutlich ist dieser Funke einfach eine Art „Angefasstsein“ des Autors vom eigenen Stoff. Man muss etwas zu sagen haben. Und natürlich hat man am Ehesten etwas zu sagen, über Dinge, die einem passieren, die man beobachtet und die einen emotional angehen. Insofern ist wohl wirklich jedes Schreiben in gewisser Weise autobiografisch.

Von mir persönlich steckt vermutlich einiges in der Figur der Ira Jenssen, angefangen von ihrem Hadern mit der Amtskirche bis hin zu großen Teilen ihrer Sicht auf die Welt. Ira sagt oft die Dinge, die ich gern sagen würde, aber sie ist nicht ich. Sie ist viel warmherziger, reflektierter, aber auch viel zerrissener und in gewisser Weise zögerlicher.

Mit Ohne Ausweg erschien gerade der dritte Band einer Reihe um den Ermittler Faris Iskander. War von Anfang an klar, dass es eine Reihe werden sollte oder hat sich das so entwickelt?

Es hat sich entwickelt. Als ich Faris schuf, wusste ich noch nicht, ob er sich als Serienfigur eignet, aber es hat sich schnell herausgestellt, dass er mich nicht mehr loslässt.

Faris ist sehr undurchschaubar, er lässt Menschen – nicht mal den Leser – nicht ganz an sich ran. Liegt er vor Ihnen wie ein offenes Buch oder verschließt er sich auch Ihnen teilweise, so dass Sie ihn noch weiter durchdringen wollen?

Das ist eine spannende Frage, über die ich erst einmal nachdenken musste. Im Grund lässt er ja nichtmal sich selbst an sich heran. Tatsache ist, dass er mit jedem neuen Buch neue Facetten entwickelt (oder mir zeigt?), von denen ich bisher keine Ahnung hatte. Manchmal werde ich von Entwicklungen in seinem Leben selbst überrascht, wie z.B. der Erkenntnis am Ende von Band 2, dass er eine Tochter hat. Und auch im Moment gerade bin ich wieder dabei, ihn neu zu entdecken.

Sie greifen in diesen Romanen sehr aktuelle Themen auf. Hatten Sie nie Angst, sich damit ins Kreuzfeuer zu begeben?

Schon, ja. Aber ich lasse diese Angst einfach nicht so dicht an mich ran, sonst könnte ich diese Bücher nicht schreiben.

Am Schluss Ihres Buches schrieben Sie im Nachwort von Ihrem Engagement für Flüchtlinge. Es wirkte auf mich wie ein Gegengewicht zur Geschichte, quasi um zu sagen: Es sind nicht alle Terroristen und viele brauchen unsere Hilfe? War das die Intention?

Naja, im Grunde ist das – sehr vereinfacht gesagt – ja auch die Aussage des Romans. Ich hoffe, dass das rüberkommt, und dass insofern das Nachwort kein Gegengewicht sein muss, sondern eher eine Ergänzung. Mir ist übrigens wichtig, dass „Terroristen“ in diesem Sinne nicht nur Islamisten meint, sondern auch rechtsmotivierte Täter. Interessanterweise geht das in allen Besprechungen, die bisher erschienen sind, ein bisschen unter, obwohl der rechte Terror in dem Buch ungefähr eine gleich große Rolle spielt wie der islamistische.

Oft wird unterschieden zwischen großer Literatur und Unterhaltungsliteratur. Krimis/Thriller werden teilweise noch eine Stufe drunter eingestuft. Was halten Sie von solchen Kategorien und wieso haben Sie sich für dieses Genre entschieden?

Ist das so? Dass Krimis und Thriller noch unter Unterhaltungsliteratur eingestuft werden? Ich empfinde das nicht so. Natürlich gibt es in Deutschland immer noch diese blöde Trennung zwischen der sogenannten E- und der sogenannten U-Literatur. Aber ich möchte in dieser Hinsicht optimistisch sein und daran glauben, dass sich da einiges tut. In meinen kühnsten Träumen wünsche ich mir, mit meinen Büchern dabei ein bisschen mitzuhelfen, aber das war natürlich nicht der Grund, warum ich mich für dieses Genre entschieden habe. Ich lese einfach gern Thriller, und ich glaube, ich kann ganz gut spannend schreiben. Mehr steckt da gar nicht dahinter.

Ich las kürzlich, Liebesromane müsste es auf Rezept geben, denn sie seien Heilung für die Herzen der Leser. Was sind so gesehen Kriminalromane und Thriller?

Es gibt Krimis, die wollen reine Entspannung sein, die wären nach dieser Sichtweise vielleicht eine Beruhigungspille für den vom Alltag aufgewühlten Geist. Wobei das so negativ klingt, und ich es gar nicht so meine. Besser wäre es vielleicht, nicht von Beruhigungspille zu reden, sondern von einem schönen Glas Wein, das einen abends nach all dem Stress entspannt und besser schlafen lässt.

Und dann gibt es eben die Krimis, die aktuelle Themen aufgreifen und/oder „etwas zu sagen“ haben. Für mich persönlich hat ein guter Krimi oder Thriller etwas, das nach dem Lesen noch in mir arbeitet, das mir – im Idealfall natürlich – irgendetwas klar gemacht oder meine Sicht auf die Welt oder die Psyche des Menschen ein klein wenig verändert hat.

Selfpublishing und E-Books haben den Buchmarkt in Aufregung versetzt. Man hört kritische Stimmen gegen Verlage wie auch abschätzige gegen Selfpublisher. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Zweigeteilt. Der Buchmarkt ist ein hartes und leider auch ziemlich gnadenloses Geschäft, in dem oft nicht mehr das Lektorat oder der Verleger darüber entscheiden, ob ein Buch gemacht wird, sondern Vertrieb bzw. Controlling. Die Zeiten, in denen ein Verlag über Jahre an einem Autor festhielt, weil er an das glaubte, was dieser zu sagen hat, sind leider vorbei. Und in Zeiten, in denen sich die Auflagen im Sinkflug befinden und mehr und mehr Buchhandlungen vor der Macht der großen Player kapitulieren, kann ich inzwischen jeden Autor und jede Autorin verstehen, die sich entscheiden, lieber ihr eigenes Ding zu machen.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Wie oben schon gesagt, möchte ich, dass eine Geschichte in mir nachhallt. Aber ich brauche auch eine gewisse Spannung, wobei das nicht automatisch Action oder Handlungsspannung sein muss. Es gibt auch Bücher, die ich sprachlich spannend finde. Grundsätzlich will ich mich beim Lesen nicht langweilen, das fasst es, glaube ich, ziemlich gut zusammen.

Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen, die Sie geprägt haben?

Ich bin Fan von Robert B. Parker, dem großen amerikanischen Hard-boiled-Autor aus Boston. Überhaupt lese ich viele amerikanische Autoren und wenn ich von etwas geprägt bin, dann vermutlich von diesen: Don Winslow. Michael Connolly. Lee Child. Dennis Lehane. Aktuell lese ich die James Lee Burke-Romane, die im Pendragon-Verlag erschienen sind.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

Fünf. Okay.
Glaub an dich, egal, was die anderen sagen.
Schreib!
Schreib!
Schreib!
Schreib!

Herzlichen Dank für diese Antworten!

Rezension: James Patterson – Die 2. Chance

Wenn die Vergangenheit an die Tür klopft

Finden Sie den Mörder. Dann möge das Gericht über ihn urteilen. Es geht nicht um Politik, Religion oder Rasse. Es geht um das Recht, frei von Hass zu leben. Ich bin überzeugt, dass die Welt selbst angesichts des schrecklichsten Verbrechens nicht zerbricht. Die Welt heilt sich selbst.

patterson2Die Chorprobe in der La-Salle-Heights-Kirche ist zu Ende. Als die Kinder ins Freie treten, empfängt sie ein Kugelhagel, in welchem die kleine Tasha Catchings stirbt. Schon bald ist klar, dass es sich bei dem kleinen Mädchen nicht um ein Zufallsopfer handelt, sie starb durch einen gezielten Schuss. Als sich Verbindungen zu einem Mord an einer älteren Frau feststellen lassen, stellt sich die Frage, ob der Täter rassistische Motive hat. Doch ist das wirklich schon alles? Steckt noch mehr dahinter? Und: Wann schlägt der Täter wieder zu?

Auch der zweite Fall des Women’s Murder Club ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend. In einem atemlosen Tempo führt Patterson den Leser durch die Ermittlungen von Lindsay Boxer und ihren Freundinnen, bringt Cliffhanger an, baut Kniffs und Wendungen ein, die immer wieder überraschen, lässt verschiedene Möglichkeiten in der Luft hängen, so dass man das Buch kaum weglegen kann, bis man den Mörder ganz sicher hat.

Neben dem packenden Fall findet auch wieder viel Persönliches von den vier Frauen Eingang in die Geschichte und auch eine Prise Liebe ist wieder mit drin. Zudem blickt der aktuelle Roman in Lindsay Boxers Vergangenheit, rollt die Geschichte mit ihrem Vater auf und führt so zusätzlich zu einer Verwirrung der Gefühle. Die 2. Chance bringt die vier Protagonisten mehr als einmal in Gefahr, und es ist nicht sicher, ob sie heil raus kommen. Ein rundum gelungener Thriller.

Fazit:
Einnehmende Charaktere, guter Plot, Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite! Absolute Leseempfehlung!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (11. Juni 2007)
Übersetzung: Edda Petri
ISBN-Nr: 978-3442369201
Preis: EUR 8.95 / CHF 12.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Die eigene Sicht aufs Universum

Holy Shit (-storm)

Ein Philosoph schreibt einen Gastartikel. Auf einer prominenten Seite. Er gibt sich plakativ und aneckend, degradiert und diffamiert, allerdings nie wirklich juristisch verfänglich. Er befindet, dass die Linken und Grünen Gutmenschen seien und eigentlich krank. Man solle es unterlassen, mit ihnen zu diskutieren. Es wäre sinnfrei. Das klingt wenig nett und schon gar nicht sachlich, es klingt viel mehr populistisch und abwertend. Zudem ist die Unterstellung einer Krankheit und damit einhergehender Unfähigkeit zu diskutieren beleidigend (was grundsätzlich justiziabel wäre).

Bei vielen ging nun die Hutschnur hoch, ehe sie wohl den Artikel zu Ende gelesen haben. Ich verstehe es. Es war nicht nett. Es war nicht fair. Es war auch nicht nötig. Aber vielleicht hatte er Gründe? Man könnte es unter dem Motto „in dubio pro reo“ mal annehmen und weiterlesen. Vielleicht war alles nur dazu gedacht, Aufmerksamkeit zu wecken, Aufmerksamkeit auch für die, welche in den gängigen Medien meist untergehen? All die, welche Ängste haben, sich ungehört fühlen und dann reagieren. Auf eine Weise, die weder konstruktiv noch sinnvoll ist? Die nur Ängste schüren, weil sie selber in ihren Ängsten ertrinken? Und ja, einige Probleme sind wirklich aktuell und wir haben keine Lösung. Wir haben nur unseren ethischen Anspruch und sehen uns einer Realität gegenüber, die Angst macht durch Bedrohungen, die wir so bislang nicht wahrgenommen haben – so unmittelbar.

So weit will man aber nicht denken. Der Artikel wird gelöscht, man entschuldigt sich – allerdings ist es schon zu spät. Es rollt der Kopf es Blogchefs.

Von all dem hatte ich wenig gehört. Bis heute. Da las ich, dass jemand entsetzt war, dass 15 ihrer FB-Freunde mit dem Autor des Artikels befreundet seien – alles „sonst eigentlich intelligente Menschen“. Namen wolle sie keine nennen, sie wolle ja „niemanden an den Pranger stellen“, frage sich aber, ob wir „nur Freundesammler wären“. Ich fühlte mich angegriffen. Noch mehr, als dann eine „persönliche Nachricht“ kam.
Es ist ein Dilemma. Guter Stil war der Artikel des Philosophen nicht. Andersdenkende als krank zu bezeichnen, ist gar billig. Man wertet ab und entbindet sich selber der (stichhaltigen) Argumentation. Krankheit erklärt ja irgendwie alles.

Ich finde das Internet und Facebook insbesondere schwierig für politische Diskussionen. Likes und gleichgeschaltete Köpfe – darum geht es. Wer nicht passt, wird gekickt, wer einen Gekickten beherbergt, ist verdächtig. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Man muss sich bekennen. Zum einen oder zum anderen Lager. Da gibt es Fronten, alles, was vor den Mauern steht, wird eliminiert. Gnadenlos.

Niemand darf Freunde haben, die anders denken, als man selber. Niemand darf Menschen hinter den Gedanken sehen – es geht nur immer um die Politik. Und da wird nicht diskutiert. Ob das viel durchdachter ist als der Artikel des besagten Philosophen?

Ich rede mit allen Menschen. Ich teile kaum je alle Meinungen, das muss ich auch nicht. Ich habe oft Menschen erlebt, die absolut toll, liebenswürdig, hilfsbereit waren, die aber politisch ganz weit weg von mir sind. Ich habe sie auf FB und rolle oft die Augen und frage mich: Muss ich die nun entfreunden, weil das gegen FB-Gesetze verstösst? Menschen, die da waren für mich, die ich kenne, die Herz haben. Aber sie denken auf eine Weise, die ich nicht teile – politisch. Und die, ich weiss es, auch viele engagierte andere nicht teilen, die mir politisch näher wären.

Was suche ich auf Facebook? Ich suche Menschen, die ich mag, Menschen, die ich interessant finde. Ich suche neue Anregungen, neue Gedankengänge. Ich hoffe auf einen Austausch, der mir Facetten zeigt, die ich selber nicht sah.

Wer nur im eigenen Universum kreist, schaut nie über den Tellerrand hinaus.

Menschen sind vielschichtig, es ist nicht wie im Krimi, wo die Guten und die Schlechten sich gegenüber stehen. Ich sehe zuerst den Menschen. Dann seine Facetten. Einige gefallen, andere nicht. Und beides sag ich ihm. Wenn wir dann beide noch können miteinander, finde ich das gut. Jeder weiss vom anderen, wo er steht, ab und an krallt man sich die unliebsamen Themen und disputiert, dann wieder hält man sich an die Gemeinsamkeiten. Ist das falsch? Darf ich wirklich nur in einem Lager sitzen? Welches wäre es? Politik ist eines, dann gäbe es noch Religion. Kultur. Musikgeschmack. Interessen. Man versucht ja schon, einen Menschen zu heiraten, der in allen Bereichen übereinstimmt, die Scheidungsraten zeigen, wie realistisch das ist. Kann das wirklich das Kriterium sein für den persönlichen Umgang?

Rezension: Kathrin Lange – Ohne Ausweg

Undercover gegen den Terror

Du bist nicht mehr Amira.
Du bist jetzt eine Soldatin des Herrn.
Sei ohne Furcht.

langeohne-auswegMuhammed al-Sadiq plant mit seiner Terrororganisation einen grossen Giftanschlag auf Berlin. Da die SERV, die Sondereinheit für die Ermittlung bei religiös motivierten Verbrechen nicht weiss, wann und wo das Ganze passiert, soll der Ermittler Faris Iskander in die Gruppierung eingeschleust werden – eine gefährliche Angelegenheit. Umso gefährlicher ist das Unterfangen, weil al-Sadiq, der einzige, der die nötigen Informationen hat, aktuell im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses sitzt, in welchem es für Faris gefährlich werden kann, wenn er auffliegt.

Kathrin Lange erzählt die Geschichte mit einem auktorialen Erzähler aus zwei Perspektiven: Einerseits folgt man Faris Iskander, andererseits der terroristischen Organisation. Die beiden Erzählstränge laufen langsam zueinander, dem Leser wird dadurch immer mehr klar – aber nie so klar, dass man weiss, wie wirklich alles zusammen passt. Dadurch wird ein Spannungsbogen gespannt, der nie abbricht, man liest Seite für Seite weiter, um ans Ziel zu kommen.

Das neue Buch von Kathrin Lange ist an Aktualität nicht zu überbieten, was einerseits reizvoll ist, andererseits auch eine Gefahr sein kann. Die ganz klare Verteilung von Gut und Böse, die von der ersten Seite an offensichtlich ist, könnte leicht ins Plakative verkehren. Kathrin Lange ist dieser Gefahr gekonnt ausgewichen. Ihr sehr schönes Nachwort rundet das Buch wunderbar ab und ist gerade bei der Geschichte wichtig, wie ich finde.

Fazit:
Eine spannende, an Aktualität kaum zu überbietende Geschichte mit geschickt gesetzten Cliffhangern, plastischen Figuren und einem fulminanten Tempo. Empfehlenswert.

Zum Autor  
Kathrin Lange wurde 1969 in Goslar am Harz geboren. Obwohl sie sich beruflich der Hundestaffel der Polizei anschließen wollte, siegte am Ende ihre Liebe zu Büchern, und sie wurde zuerst Buchhändlerin und dann Schriftstellerin. Heute ist sie Mitglied bei den International Thriller Writers und schreibt sehr erfolgreich Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem kleinen Dorf bei Hildesheim in Niedersachsen.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (19. Dezember 2016)
ISBN-Nr.: 978-3734102653
Preis: EUR 9.99/ CHF 14.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Einbürgerung der dritten Generation – ein Streitthema

Aktuell spaltet ein Thema die Nation (die Schweiz, um genau zu sein). Sollen Menschen, die in dritter Generation in der Schweiz leben, eine vereinfachte Einbürgerung erhalten? Man halte sich das mal plastisch vor Augen:

Ernesto wandert in die Schweiz ein, ist hier Saisonarbeiter. Er heiratet, kriegt ein Kind: Ein Secondo. Wir nennen ihn Paolo. Paolo tut, was er eben tut, wir wollen das mal nicht weiter ausführen, und kriegt ein Kind: Enrico. Enrico ist die dritte Generation. Er soll nun die erleichterte Einbürgerung erhalten. Das liegt eigentlich auf der Hand, denn:

Enrico hat nie was von Italien gesehen, schon sein Vater kam hier auf die Welt (wurde wohl nie eingebürgert, man könnte sich nun fragen, wieso, tut man aber nicht). Aber: Enrico ist hier aufgewachsen (wie sein Vater), er kennt nichts anderes (ausser dem, was er zuhause erlebt).

Was ich mich frage: Was hat Enrico, was Paolo nicht hatte? Wieso wurde Paolo nicht eingebürgert? Er lebte schliesslich sein ganzes Leben hier und kriegte hier ein Kind. Was sind sachliche Gründe für die Erleichterung bei einem Menschen, der in der dritten Generation hier ist, gegenüber einem, der als Secondo hier war?

Menschen sind vielschichtig. Eine der Schichten wird sicher durch die Herkunft und durch die Kultur geprägt. Eine andere durch den Umgang. Ganz vieles ist… irgendwie diffus. Gerade in den Jahren der Pubertät. Da zählen Peergroups. Auf die haben Eltern kaum mehr Einfluss.

Wir versuchen nun aber, aus der Einbürgerungsfrage eine Rechenaufgabe zu machen. Gesetz ist immer Abstraktion, das ist mir klar. Nur so kann eine Norm haften, die auf den Allgemeinfall angewendet werden können muss. Nur: Ob man das an Generationen festmachen kann? Ich bezweifle.

Wir leben in der Schweiz in einem Land, das seine Grundsätze und Normen hat. Wir haben Gesetze und leben in einem Rechtsstaat. Dasselbe gilt für viele andere Länder rund um uns. Wäre nicht das einzig relevante Kriterium, dass sich einer, der hier sein will, an diese Normen, Grundsätze und Regeln hält? Geht es wirklich um eine Generationenfrage? Ist der Nachkömmling eines schwerkriminellen Secondos besser geeignet als ein dankbarer Flüchtling in erster Generation?

Ich bin nach wie vor der Meinung. Wer Hilfe braucht, soll kommen dürfen und soll Hilfe erhalten. Immer! Wer unsere Rechte missachtet, war der Hilfe wohl nicht wert. Der soll auch wieder gehen, um denen Platz zu schaffen, die sie suchen und annehmen. Das aber an Generationen festzumachen und es zu einem mathematischen Problem verkommen zu lassen, widerstrebt einem Philosophen wie mir.

Wir müssen helfen. Alle, denen es gut geht, stehen in der Pflicht. Das gebührt der Menschlichkeit. Wer diese ausnutzt, ist sie nicht wert. Für den Rest müssen wir einstehen. Denn: Wir haben schwarze Schafe auch in den eigenen Reihen, wir können die anderen nicht härter angehen. Mensch ist Mensch – egal, woher er kommt.