Lieblingsbücher zum Zweiten

Gestern schrieb ich über Lieblingsbücher und zitierte eine Liste der 100 liebsten Bücher der Deutschen. Heute möchte ich die Liste von BBC nachreichen. Das Projekt hiess The Big Read und BBC ermittelte dabei die liebsten Romane der Nation.

1. The Lord of the Rings, JRR Tolkien
2. Pride and Prejudice, Jane Austen
3. His Dark Materials, Philip Pullman
4. The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, Douglas Adams
5. Harry Potter and the Goblet of Fire, JK Rowling
6. To Kill a Mockingbird, Harper Lee
7. Winnie the Pooh, AA Milne
8. Nineteen Eighty-Four, George Orwell
9. The Lion, the Witch and the Wardrobe, CS Lewis
10. Jane Eyre, Charlotte Brontë
11. Catch-22, Joseph Heller
12. Wuthering Heights, Emily Brontë
13. Birdsong, Sebastian Faulks
14. Rebecca, Daphne du Maurier
15. The Catcher in the Rye, JD Salinger
16. The Wind in the Willows, Kenneth Grahame
17. Great Expectations, Charles Dickens
18. Little Women, Louisa May Alcott
19. Captain Corelli’s Mandolin, Louis de Bernieres
20. War and Peace, Leo Tolstoy
21. Gone with the Wind, Margaret Mitchell
22. Harry Potter And The Philosopher’s Stone, JK Rowling
23. Harry Potter And The Chamber Of Secrets, JK Rowling
24. Harry Potter And The Prisoner Of Azkaban, JK Rowling
25. The Hobbit, JRR Tolkien
26. Tess Of The D’Urbervilles, Thomas Hardy
27. Middlemarch, George Eliot
28. A Prayer For Owen Meany, John Irving
29. The Grapes Of Wrath, John Steinbeck
30. Alice’s Adventures In Wonderland, Lewis Carroll
31. The Story Of Tracy Beaker, Jacqueline Wilson
32. One Hundred Years Of Solitude, Gabriel García Márquez
33. The Pillars Of The Earth, Ken Follett
34. David Copperfield, Charles Dickens
35. Charlie And The Chocolate Factory, Roald Dahl
36. Treasure Island, Robert Louis Stevenson
37. A Town Like Alice, Nevil Shute
38. Persuasion, Jane Austen
39. Dune, Frank Herbert
40. Emma, Jane Austen
41. Anne Of Green Gables, LM Montgomery
42. Watership Down, Richard Adams
43. The Great Gatsby, F Scott Fitzgerald
44. The Count Of Monte Cristo, Alexandre Dumas
45. Brideshead Revisited, Evelyn Waugh
46. Animal Farm, George Orwell
47. A Christmas Carol, Charles Dickens
48. Far From The Madding Crowd, Thomas Hardy
49. Goodnight Mister Tom, Michelle Magorian
50. The Shell Seekers, Rosamunde Pilcher
51. The Secret Garden, Frances Hodgson Burnett
52. Of Mice And Men, John Steinbeck
53. The Stand, Stephen King
54. Anna Karenina, Leo Tolstoy
55. A Suitable Boy, Vikram Seth
56. The BFG, Roald Dahl
57. Swallows And Amazons, Arthur Ransome
58. Black Beauty, Anna Sewell
59. Artemis Fowl, Eoin Colfer
60. Crime And Punishment, Fyodor Dostoyevsky
61. Noughts And Crosses, Malorie Blackman
62. Memoirs Of A Geisha, Arthur Golden
63. A Tale Of Two Cities, Charles Dickens
64. The Thorn Birds, Colleen McCollough
65. Mort, Terry Pratchett
66. The Magic Faraway Tree, Enid Blyton
67. The Magus, John Fowles
68. Good Omens, Terry Pratchett and Neil Gaiman
69. Guards! Guards!, Terry Pratchett
70. Lord Of The Flies, William Golding
71. Perfume, Patrick Süskind
72. The Ragged Trousered Philanthropists, Robert Tressell
73. Night Watch, Terry Pratchett
74. Matilda, Roald Dahl
75. Bridget Jones’s Diary, Helen Fielding
76. The Secret History, Donna Tartt
77. The Woman In White, Wilkie Collins
78. Ulysses, James Joyce
79. Bleak House, Charles Dickens
80. Double Act, Jacqueline Wilson
81. The Twits, Roald Dahl
82. I Capture The Castle, Dodie Smith
83. Holes, Louis Sachar
84. Gormenghast, Mervyn Peake
85. The God Of Small Things, Arundhati Roy
86. Vicky Angel, Jacqueline Wilson
87. Brave New World, Aldous Huxley
88. Cold Comfort Farm, Stella Gibbons
89. Magician, Raymond E Feist
90. On The Road, Jack Kerouac
91. The Godfather, Mario Puzo
92. The Clan Of The Cave Bear, Jean M Auel
93. The Colour Of Magic, Terry Pratchett
94. The Alchemist, Paulo Coelho
95. Katherine, Anya Seton
96. Kane And Abel, Jeffrey Archer
97. Love In The Time Of Cholera, Gabriel García Márquez
98. Girls In Love, Jacqueline Wilson
99. The Princess Diaries, Meg Cabot
100. Midnight’s Children, Salman Rushdie

Was mir auffällt ist, dass hier keine Titel deutscher Autoren vertreten sind, auch die Franzosen fehlen. Während die Deutschen doch einige Bücher aus fernen Ländern und anderen Sprachen zu lieben scheinen, bleiben die Engländer ihrem Sprachkreis treu. Ob es dafür eine Erklärung gibt?

Wie sieht es bei euch aus? Lest ihr lieber deutsche Autoren oder englische oder kann man das nicht sagen? Wenn ihr fremdsprachige Autoren lest, bevorzugt ihr die Originalsprache oder lest ihr doch lieber die Übersetzung?

Gilmore Girls

gg3Am 25. November kamen die neuen Folgen von Gilmore Girls auf Netflix. ich nahm das zum Anlass, die ganzen 7 Staffeln nochmals zu schauen. Dieses Mal hatte ich den Vorteil, das ganze Vergnügen nicht in kleinen Etappen zu geniessen, sondern quasi im Schnellzug durch die Geschichte zu fahren. Wobei… Aber von vorne

gg1Gilmore Girls – Lorelai ist alleinerziehende Mutter von Rory und wohnt mit dieser ins Stars Hollow. mit 16 wurde Lorelai schwanger, floh in der Folge aus ihrem sehr gut betuchten Zuhause vor ihrer überdominanten Mutter und dem beruflich eingespannten Vater. Sie lebte in der Folge ein Leben, das (irgendwie aus Prinzip) komplett gegensätzlich zu dem Leben ihrer Eltern war und sie wollte in der Folge auch nichts mehr mit den Eltern zu tun haben – bis Rory auf eine Privatschule will und Lorelai ihre Eltern um die Studiengebühren bitten muss. Bedingung dafür ist, dass Rory und Lorelai fortan immer freitags zum Nachtessen kommen. Spannungen sind vorprogrammiert.gg

Das alles wird garniert mit spitzigen Bemerkungen, Witz und Sarkasmus. Es werden Bücher, Filme und Musikstücke zitiert, Beziehungsdramen diskutiert und Dramen zelebriert. Lorelai schwankt zwischen Männern und Einsamkeit, Rory tut es ihr gleich. Als Zuschauer sitzt man da und fühlt sich mit der Zeit als Mitbewohner. Man ist unter Freunden, fiebert mit, welcher Mann das Herz wirklich erobern wird, weint mit, wenn es nicht klappt.

gg2Nun kommt das grosse Aber: So sehr ich die Serie liebte all die Jahre: Sie an einem Stück zu schauen, überforderte. Die Witze wurden schal, das Verhalten von Lorelai wirkt mit der Zeit bemühend und das Schwanken zwischen Männern ermüdete. Das ist schade. Drum mein Tipp: Mit Massen geniessen, dann kann man sich zwischendurch erholen und die Witze sind erfrischend, das Leben beschaulich und man leidet mit, mal freudig lachend, mal weinend.

Gilmore Girls – Fortsetzung

Gilmore Girls – das Ende

Mehr zur Serie:

Lieblingsbücher

Immer wieder stösst man auf Fragen wie:

Was ist dein Lieblingsbuch? Welches Buch hat dich am meisten berührt, inspiriert im Leben?

Ich kann die Frage nicht beantworten, denn es sind zu viele Bücher, die ich liebe und liebte. Auch gibt es Bücher, die ich zu gewissen Zeiten liebte, später nicht mehr – und auch umgekehrt.

Zeitungen haben Ranglisten der besten Bücher der Woche, des Monats, des Jahres, es gibt einen Literaturkanon mit Büchern, die man gelesen haben muss. Kürzlich stiess im im Netz auf die Liste der 100 liebsten Bücher der Deutschen. Auch wenn ich eigentlich wenig von Listen halte, da ich immer finde, dass Literatur Stimmungs- und Geschmackssache ist, so mag ich diese Listen auch wieder. Sie zeigen, was andere Menschen gerne lesen, geben vielleicht auch den einen oder andern Tipp, was man selber noch lesen könnte – wobei ich dafür keine Anregung bräuchte, meine Liste der noch zu lesenden (oder wieder zu lesenden) Bücher wächst sowieso ins Unermessliche.

Hier die 100 liebsten Bücher der Deutschen:
1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien
2. Die Bibel
3. Die Säulen der Erde, Ken Follett
4. Das Parfüm, Patrick Süskind
5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
6. Buddenbrooks, Thomas Mann
7. Der Medicus, Noah Gordon
8.Der Alchimist, Paulo Coelho
9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling
10. Die Päpstin, Donna W. Cross
11.Tintenherz, Cornelia Funke
12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon
13. Das Geisterhaus, Isabel Allende
14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe
16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
17.Stolz und Vorurteil, Jane Austen
18. Der Name der Rose, Umberto Eco
19. Illuminati, Dan Brown
20. Effi Briest, Theodor Fontane
21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling
22. Der Zauberberg, Thomas Mann
23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
24. Siddharta, Hermann Hesse
25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende
27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn
28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt
29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley
31. Deutschstunde, Siegfried Lenz
32. Die Glut, Sándor Márai
33. Homo faber, Max Frisch
34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera
36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez
37. Owen Meany, John Irving
38. Sofies Welt, Jostein Gaarder
39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams
40. Die Wand, Marlen Haushofer
41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving
42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez
43. Der Stechlin, Theodor Fontane
44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse
45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee
46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann
47. Der Laden, Erwin Strittmatter
48. Die Blechtrommel, Günter Grass
49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque
50. Der Schwarm, Frank Schätzing
51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling
53. Momo, Michael Ende
54. Jahrestage, Uwe Johnson
55. Traumfänger, Marlo Morgan
56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger
57. Sakrileg, Dan Brown
58. Krabat, Otfried Preußler
59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren
60. Wüstenblume, Waris Dirie Will
61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro
62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
63. Mittsommermord, Henning Mankell
64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
65. Das Hotel New Hampshire, John Irving
66.Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi
67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher
69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling
70. Tagebuch, Anne Frank
71. Salz auf unserer Haut, Benoîte Groult
72. Jauche und Levkojen , Christine Brückner
73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen
74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann
75. Was ich liebte, Siri Hustvedt
76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers
77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
79. Winnetou, Karl May
80. Désirée, Annemarie Selinko
81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë
84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
85. 1984, George Orwell
86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy
87. Paula, Isabel Allende
88. Solange du da bist, Marc Levy
89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johanns Mario Simmel
90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell
92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
93. Schachnovelle, Stefan Zweig
94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski
95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi
96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas
98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel
99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood

Was haltet ihr von dieser Liste? Gibt es Bücher, die in euren Augen dringend noch mit drauf müssten? Oder Bücher, welche ihr ganz schlimm findet und nicht versteht, wieso sie drauf sind?

Ich bin gespannt!

Rezension: Stefan Zweig: Buchmendel & Die unsichtbare Sammlung

Halt in einer kalten Welt

Jeder Schatten ist im letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.

Ein Kunstantiquar reist zu Kriegszeiten aus Berlin in ein kleines Dorf, wo er einen Sammler alter Zeichnungen besucht, um ihm eventuell die eine oder andere abkaufen zu können. Er trifft einen alten Mann, der mittlerweile erblindet ist, dessen grösste Freude im Leben aber immer noch seine Kunstsammlung ist. Wer denkt, dass er diese wegen seiner Blindheit nicht mehr geniessen kann, der irrt, denn: Er kann sie gerade deswegen noch geniessen.

Jakob Mendel ist Buchtrödler mit Leib und Seele. Er kennt alle Bücher mit Namen, Seitenzahlen, Erscheinungsdatum- und Ort und mehr. Er wird mitunter auch „Magier und Makler der Bücher genannt“ und wer ihn sieht, der sieht einen alten Mann, der ganz im Lesen aufgeht – so wie andere Menschen im Beten.

Er las mit einer so rührenden Versunkenheit, dass alles Lesen von anderen Menschen mir seither immer profan erschien.

Von morgens bis abends sitzt Jakob Mendel im Hinterzimmer des Café Gluck in Wien und liest und empfängt die verschiedensten Menschen, die auf ihn hoffen in ihrer Büchersuche – bis er eines Tages von der Polizei abgeholt wird.

Stefan Zweig ist ein Meister der Personenbeschreibungen sowie der Beschreibung von Stimmungen. Dabei nennt er die Dinge nicht einfach profan beim Namen und stösst den Leser drauf, nein, er lässt den Leser die Geschichte erleben, indem er sie ihm plastisch macht in seiner wunderbar blumigen, von Metaphern durchsetzten Sprache. Man taucht ein in neue Welten, sitzt dabei, wenn was geschieht. Die Menschen der Geschichten werden einem vertrauter und man glaubt, sie zu kennen, sie zu erleben.

In diesen beiden Novellen zeichnet Stefan Zweig das Bild von zwei Liebhabern: einer liebt die Kunst, einer die Bücher – und beide tun sie das mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. Sie finden ihr Glück, sie versinken in ihrem Tun und tauchen so selber in eine Welt ein, die ihnen Zuhause ist, Geborgenheit – selbst (oder gerade) wenn das Leben äusserlich wenig davon spüren lässt.

In einem Nachwort erfährt der Leser mehr über Stefan Zweigs Leben im Exil und seinen selbstgewählten Abschied von dieser Welt.

Begleitet werden die Geschichten durch Illustrationen von Joachim Brandenburg und Florian Arnold. Es ist ihnen auf ihre je eigene Weise gelungen, die Stimmung der Erzählung einzufangen und sie durch eine weitere, bildhafte Ebene zu erweitern. Dass das Buch selber sehr kunst- und liebevoll gestaltet ist, macht dieses Buch zu einer wahren Freude.

Fazit
Feinfühlige Personenbeschreibungen, philosophische Betrachtungen und Sprachschönheit verbunden mit wunderbaren Illustrationen, kunstvollem Layout und hochwertigen Materialien. Ein Fest für alle Sinne. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor und den Illustratoren:
Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien als Sohn des Textilindustriellen Moritz Zweig geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien 1891-1899 studierte er Germanistik und Romanistik und wurde mit einer Arbeit über Die Ursprünge des zeitgenössischen Frankreich 1904 in Wien zum Dr. phil. promoviert. Unter dem Einfluß Hofmannsthals schrieb er früh Gedichte (Silberne Saiten, 1901). Seine ersten Novellen (D) erschienen 1904. Weitere Novellenbände (Brennendes Geheimnis, 1911, Amok, 1922, Sternstunden der Menschheit, 1927) folgten und machten ihn weltberühmt wie auch seine großen Biographien (Romain Rolland, 1921, Joseph Fouché, 1929, Maria Stuart, 1935,Magellan, 1938, Balzac, postum 1946). Viele Studien- und Vortragsreisen führten ihn nicht nur in die westeuropäischen Länder, sondern auch nach Indien 1910, Nord- und Mittelamerika 1912, die Sowjetunion 1928 und ab 1935 mehrfach nach Südamerika. 1938 war seine erste Ehe geschieden worden, 1939 heiratete er Lotte Altmann. Er lebte kurze Zeit in New York und siedelte 1941 nach Petropolis (Brasilien) über, wo er am 22. Februar 1942 zusammen mit seiner zweiten Frau den Freitod suchte.

Der 1979 in Günzburg geborene Joachim Brandenberg legte mit seiner Comic-Bearbeitung einer Kurzgeschichte von O. Henry („Tobisch“) eine visuell unverkennbare Visitenkarte seines Könnens als Illustrator vor. Das Buch erschien 2015 im Jaja Verlag, Berlin. Auf dem Comicsalon 2016 wurde „Tobisch“ mit dem ICOM Independent Comic Preis als „Bester Independent Comic 2015“ ausgezeichnet und für den „Max und Moritz Preis“ nominiert.

Florian L. Arnold wird 1977 in Ulm/Do. geboren und hat Kunstwissenschaften studiert.
Der Nachtarbeiter mit österreichischen Wurzeln arbeitet als freier Zeichner, Schriftsteller und Sprecher. Nach den satirisch-sprachspielerischen Publikationen „A biß Z! Handwörterbuch zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit“ (2012) und „Würstelessen mit Aliens“ (2013) erschien im Frühjahr 2015 die Novelle „Ein ungeheuerlicher Satz“ im Mirabilis Verlag. Das Buch wurde 2015 vom Kuratorium der Hotlist unter die besten 30 Bücher aus unabhängigen Verlagen gewählt.
Seit 2016 ist Florian L. Arnold zudem Mitbegründer des Literaturverlags „Topalian & Milani“.Florian L. Arnold lebt in Ulm und Leipzig.

Angaben zum Buch:
zweigbuchmendelGebundene Ausgabe: 152 Seiten
Verlag: Topalian & Milani Verlag (20. September 2016)
ISBN: 978-3946423058
Preis: EUR: 23 ; CHF 31.90
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Rezension: Connie Palmen: Du sagst es

Liebe, Leidenschaft und der Tod

Sie wollte nichts lieber, als jemanden lieben, aber sie hasste es, wenn sie es tatsächlich tat. Sie wollte nichts lieber, als geliebt werden, aber sie hat jeden, der sie je geliebt hat, gnadenlos für diese Liebe bestraft.

Sylvia Plath und Ted Hughes sind wohl eines der bekanntesten Schriftstellerehepaare des 20. Jahrhunderts – und eines der tragischsten. Sie lernten sich kennen, als sie beide noch nicht bekannt waren, trieben sich gegenseitig an in ihrem Schaffen. Sie lebten zusammen, liebten sich, waren glücklich – aber sie kämpften auch miteinander, wurden von Sylvia Plaths Depressionen, Komplexen und Ausbrüchen geschüttelt in ihrem Sein als Menschen und als Paar.

Ich hätte wissen müssen, dass eine Frau, die beisst, statt zu küssen, den, den sie liebt, auch bekämpft.

Ted Hughes hat sich Zeit seines Lebens nie zu seiner Beziehung zu Sylvia Plath geäussert. Er galt als Monster, sie wurde zur Märthyrerin verklärt. Er liess diese Sicht im Raum stehen. Connie Palmen wollte dies nicht so stehen lassen, sie schrieb mit Du sagst es einen Roman, in dem sie aus der Sicht von Ted Hughes die Beziehung der beiden bis hin zum Tod schildert. Sie hat Ted Hughes ihre Stimme geliehen und präsentiert dem Leser nun die ganze Geschichte aus dessen Sicht.

Entstanden ist ein sehr persönlicher, tiefgründiger, tiefgehender und mitreissender Roman. Allerdings muss man sich dabei immer wieder bewusst werden, dass es nicht Ted Hughes ist, der spricht, es ist Connie Palmen. Wir erfahren also nicht wirklich etwas über Hughes Sicht der Dinge, sondern lesen eine Interpretation aus dritter Hand. Die dargestellte Sylvia Plath ist deswegen auch nicht die wirkliche, echte Sylvia, sondern eine aus dritter Hand. Literatur darf das, schliesslich ist das Buch als Roman ausgewiesen und nicht als Biographie oder Autobiographie.

Fazit
Liebe und Leidenschaft, Leben und Tod – Das wohl berühmteste Schriftstellerehepaar des 20. Jahrhunderts als mitreissender, feinfühliger und tiefgründiger Roman. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Connie Palmen, geboren 1955, wuchs im Süden Hollands auf und kam 1978 nach Amsterdam, wo sie Philosophie und Niederländische Literatur studierte. Ihr erster Roman, ›Die Gesetze‹, erschien 1991 und wurde gleich ein internationaler Bestseller. Sie erhielt für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, so wurde sie für den Roman ›Die Freundschaft‹ 1995 mit dem renommierten AKO-Literaturpreis ausgezeichnet. Connie Palmen lebt in Amsterdam.

Angaben zum Buch:
palmendusagstesTaschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (24. August 2016)
ISBN: 978-3257069747
Preis: EUR: 22 ; CHF 31.90
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Rezension: Rüdiger Görner: Hölderlin und die Folgen

Zwischen Wahnsinn und grosser Poesie

Seine Dichtung sanktioniert nichts, was wir heute tun. Was sie „stiftet“ ist die Anforderung, sich mit einer unerhörten Sprache auseinanderzusetzen, sprich: mit dem, was im Deutschen an poetischer Unerhörtheit möglich ist.

Hölderlin interessierte sich für die griechische Kultur, allen voran Sophokles und Pindar – letzteren übersetzte er auch. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in frühen Jahren als Hauslehrer, wo er seine grosse Liebe, die Frau seines Auftraggebers kennenlernte und sie zu Diotima machte in seinem Roman, er selber war Hyperion. Eine Zerreissprobe von Altem und Neuem, Antike und Moderne treffen aufeinander und Hölderlin hält die Fäden.

Zerrissenheit könnte man denn auch als Leitthema seines Lebens sehen. Die stete Sehnsucht, wegzugehen, abzubrechen im Kampf mit der Suche nach und der Verklärung der Heimat, das Fremde und das Eigene – in sich und in anderen, das Sein und das Werden..

Hölderlin liebte die Sprache. Wie kaum ein anderer vermied er alles Nichtssagene, alles Belanglose. Er suchte nach Werten in den Worten, durchleuchtete Metaphern und setze sie so ein, dass sich aus ihnen ein tieferer Sinn ergab.

Diese Gedichte sind keine Wegbegleiter, sondern ein schwindelerregender Gratwandel für jeden Leser.

Zu Hölderlins Lebzeiten wurde nur ein Teil seines Werks veröffentlicht, vor allem sein Spätwerk erschien erst posthum, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diesem Umstand ist wohl auch die bis heute nicht eindeutige Auslegung seines Werkes geschuldet, das nicht einheitlich festgelegt ist, sondern aus zahlreichen Texten besteht, die noch ihre Einordnung suchen.

Rüdiger Görner gelingt es im vorliegenden Buch, die Themen Hölderlins, dessen Sprache und auch Inhalte darzulegen. Er referiert die verschiedenen Ansätze der Rezeption u verschiedenen Zeiten, verweist auf die grossen Werke verschiedener Biographen, Philosophen und Literaturwissenschaftler ebenso wie er Hölderlin selber sprechen lässt durch dessen Texte. So arbeitet er sich quasi auf den Wortspuren durch Hölderlins Denken und Dichten und führt den interessierten Leser in dieses ein. Dank der wirklich fundierten Darlegung der relevanten Sekundärliteratur steht einem noch tieferen Eintauchen ins sprachlich wie auch inhaltlich grosse Werk Hölderlins nichts im Weg.

Lobenswert ist zu erwähnen, dass es Rüdiger Görner gelingt, all das in einer gut lesbaren Sprache zu vermitteln – eine wunderbare Ausnahme im sonst sprachlich eher abgehobenen literaturwissenschaftlichen Schreiben.

Fazit:
Eine kompetente, informative und weiterführende Lektüre zum Schaffen Hölderins und dessen Rezeption. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Rüdiger Görner
Rüdiger Görner lehrt als Professor für Neuere deutsche und vergleichende Literatur an der Queen Mary University of London. Er ist außerdem Schriftsteller und Kritiker und Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie Träger des Deutschen Sprachpreises (2012) und des Reimar Lüst-Preises der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Angaben zum Buch:
gornerhoelderlin_und_die_folgenGebundene Ausgabe: 157 Seiten
Verlag: J. B. Metzler (8. September 2016)
ISBN-Nr.: 978-3476026514
Preis: EUR 16.95 / CHF 19.90

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In derselben Reihe erschienen sind:

schiller_und_die_folgenHelmut Koppmann: Schiller und die Folgen

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heine_und_die_folgenJoseph A. Kruse: Heine und die Folgen

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Rezension: Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller

Einblicke und Ansichten

Der Wunsch, etwas über sich zu erzählen, begleitete Haruki Murakami schon eine Weile. Schrieb er die Texte anfänglich noch für sich selber und nicht für einen Verleger, fand er sie bei einem nachträglichen Lesen doch zu ungeschliffen und versuchte, sie so zu formulieren, als ob sie für ein Publikum gedacht wären. Während des Schreibens und Umschreibens lernte sich Haruki Murakami selber besser kennen. Er merkte, dass ihn gewisse Themen und Meinungen seit vielen Jahren begleiten.

Nun ist aus diesen Texten ein Buch geworden, welches auch dem Leser den Menschen und Schriftsteller Murakami näher bringt. Der sonst eher zurückgezogene Schriftsteller erzählt nicht nur von seinem Schreiben, er offenbart auch viel von seiner Biografie und seinem Denken.

Aus meiner Sicht lässt sich von den meisten, wenn auch natürlich nicht von allen Schriftstellern kaum behaupten, sie verfügten über ein ausgeglichenes Wesen und eine gerechte Weltsicht. Nicht wenige von ihnen haben überdies einen sehr eigenen Charakter, der schwerlich als Gegenstand der Bewunderung geeignet scheint, und legen zudem seltsame Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen an den Tag.

Wie sind Schriftsteller und was braucht man, wenn man einer sein will? Mit dieser Frage beschäftigt sich das erste Kapitel. Danach erzählt Haruki Murakami von seinem Weg zur Schriftstellerei, behandelt Themen wie Originalität, die Herkunft von Ideen und Inhalten, den Ort des Schreibens sowie auch seine Abneigung gegen die Schule, die Art und Weise, wie er Figuren entwirft oder für welche Leser er schreibt.

Wer nun selber Schrifsteller werden will, für den hat Haruki Murakami eine sehr aufmunternde Botschaft:

… einen Roman kann im Grunde jeder verfassen, der des Schreibens mächtig ist, einen Kugelschreiber und ein Heft zur Hand hat und vielleicht noch ein gewisse Fähigkeit zum Fabulieren besitzt.

Von Beruf Schriftsteller ist ein sehr persönliches und leises Buch. Haruki Murakami wirkt nie belehrend oder überheblich, er gibt keine unhaltbaren Versprechen, sondern erzählt in einer eingängigen und unterhaltsamen Weise von seinem Schreiben und davon, was dieses für ihn bedeutet.

Fazit:
Ein sehr persönliches und unterhaltsames Buch, das Einblicke ins Leben und Schaffen des Menschen und Schriftstellers Haruki Murakami gewährt. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Haruki Murakami
Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto, Japan geboren und wuchs in Kobe auf. Nach abgeschlossenem Studium verließ er 1975 die Waseda-Universität in Tokio, wo er anschließend sieben Jahre lang Eigentümer einer kleinen Jazz-Bar war. Haruki Murakamis Karriere als Schriftsteller begann 1974 an einem warmen Frühlingstag: Während eines Baseballspiels kam ihm die Inspiration zu seinem ersten Roman. Das war der Start einer beeindruckenden literarischen Laufbahn. Später verbrachte er mehrere Jahre als freier Schriftsteller und Dozent in Princeton, USA. Murakamis Leidenschaft für die Literatur kennt, im wahrsten Sinne des Wortes, keine Grenzen – übersetzt er doch auch berühmte Kollegen wie John Irving ins Japanische. Von Murakami erschienen sind unter anderem Kafka am Strand, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki, Naokos Lächeln, Südlich der Grenze, westlich der Sonne (früher Gefährliche Geliebte).

Angaben zum Buch:
murakamivonberufGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Dumont Verlag (13. Oktober 2016)
Übersetzung: Ursula Gräfe
ISBN-Nr.: 978-3832198435
Preis: EUR 23 / CHF 33.90

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Ein Licht

Ich bin ein Licht.
Ein kleines nur.
Ich leuchte hell
in meinem Kreis.

Ich bin ein Licht.
Mein Kreis ist klein.
Doch ich bin da
und schaue hin.

Ich such das Licht.
Die Welt ist grau.
Sie sucht nach Licht
ich such’ es auch.

Ich bin ein Licht
Und suche stets
nach Sonnenschein
in meiner Welt.

Und wär ein Licht
in jeder Welt,
dann wär sie hell
und lebenswert.

Wir suchen Licht
und sehen nicht,
dass wir es wär’n
im Hier und Jetzt.

Rezension: Martin F. Meyer: Illustrierte Geschichte der Philosophie

Eine Reise durch die Philosophie von der Antike bis in die Neuzeit

Epochen – Autoren – Werke, so heisst der Untertitel dieses reich bebilderten Übersichtswerk über die Geschichte der Philosophie. Martin F. Meyer startet bei den Vorsokratikern und führt den Leser in einer gut verständlichen Sprache durch die Zeit bis hin in die Neuzeit. Dabei bettet er die einzelnen Philosophen immer in ihre Zeit ein, gibt einen kurzen Einblick in ihre persönliche Herkunft und den Werdegang und geht dann auf die zentralen Werke und deren grundlegenden Aussagen ein.

Die Illustrierte Geschichte der Philosophie ist sehr geschmackvoll aufgemacht, das Layout ist schlicht, übersichtlich und überzeugt ästhetisch. Kleine Infoblöcke (in Kreisform, was dem Layout ein gewisses Etwas gibt) bieten schnell erfassbare Überblicke über die vorherrschenden Denker einer Zeit oder aber erläutern deren wichtigsten Theorien. Eine schöne Auswahl an Bildern rundet den Gesamteindruck ab.

Philosophie hat mitunter nicht den Ruf, sehr unterhaltsam und prickelnd zu sein, dieses Buch hat aber Suchtcharakter und es birgt die Gefahr, zur nächsten Buchhandlung rennen zu wollen und alle vorgestellten Bücher gleich auch noch lesen zu wollen. Ich kann es jedem, der sich mal einen Überblick über die Geschichte der Philosophie verschaffen will, nur ans Herz legen. Aber: Nicht nur denen, das Buch ist wirklich einfach eine wunderbare Unterhaltung und man entdeckt ja auch als alter Hase immer wieder etwas Neues oder findet etwas wieder, das in Vergessenheit geriet.

Fazit
Ein sehr fundiertes, umfassendes, lesbares und schön aufbereitetes Buch, das eine breite Übersicht über die Geschichte der Philosophie bietet und zu weiterer Lektüre verleitet. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Martin F. Meyer ist Privatdozent am Philosophie-Seminar der Universität Koblenz-Landau

Angaben zum Buch:
MeyerIlluPhiloTaschenbuch: 186 Seiten
Verlag: J. B. Metzler Verlag (16. März 2016)
ISBN: 978-3476026484
Preis: EUR: 24.95 ; CHF 31.90

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Wie wir unsere Welt an die Wand fahren

Ich bin ja bei Facebook. Ab und an frage ich mich selber, wieso. Aber nun denn. Jüngst lese ich fast nur noch Stimmen gegen Trump. Ach was, es sind keine Stimmen, es sind ganze Chöre. Es sind Jammergesänge. Man könnte Nabucco neu vertonen. Es wäre gewaltig. Die Chöre entspringen dem Frust. Die Singenden kriegten nicht, was sie wollten. Nun jammern sie. Wozu? Hilft das was?

Kaum! Es sind schlicht Parolen, die nun plakativ ins Auditorium geworfen werden. Was soll das helfen? Und wem? Wo ist da IRGENDETWAS Konstruktives? Es ist schlichtes Jammern aufgrund gemachter Aussagen des Herrn Trump, die zwar dumm und doof und unter aller Sau waren, aber damit nur ein Spiegel des Wahlkampfes, der hier geführt wurde. Den hat er nicht alleine geführt. Und schon wieder wird man mich als Trump-Befürworter lesen. Meine erste Reaktion nach seiner Wahl war „holy shit“ – und ich bleibe dabei. Ihre [Clintons – Anmerkung der Redaktion] Wahl wäre aber nicht viel gewinnbringender gewesen. Ich sah ihn immer plastisch als Kandidaten (die Medien sahen das wohl anders und hatten nur Spott und Häme sowie vorgedruckte Siegesartikel für Clinton in der Hand). Der Mechanismus hat ihm in die Hände gespielt. Vielleicht sollte man sich mal echt hinterfragen, was man überhaupt tut?! Einfach einen Kandidaten als Nonsens abzutun, weil er so unter allem ist (aber genau die Ängste und Sorgen derer anspricht, die offensichtlich zur Urne gehen. Der Rest polemisiert ja offensichtlich lieber mit grossen Worten auf FB oder hinterher auf der Strasse), führt offensichtlich in die Irre. Wir können was draus lernen und vor allem begreifen, was Demokratie wirklich wäre: Einen Diskurs zu führen, der alle zu Wort kommen lässt und nicht von oben herab diktieren will, was nun gut und schlecht ist – oder wir werden noch ganz oft solchen Wahlen gegenüber stehen.

Es ist verdammt einfach, nun Trump den Schwarzen Peter zuzuschieben (und ich sage es nochmals: Ich mag ihn nicht, er ist nicht mein Wunschpräsident). Das führt uns einfach schlicht nirgends hin.

Aktuell ist die Demokratie mehr als gefährdet. Daran sind weder Trump noch die AfD schuld. Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir das, was eine Demokratie ausmacht, verlernt haben: den offenen Diskurs. Früher ging man hin, sprach miteinander, zoffte auch. Man traf sich auf dem Markt, im Wirtshaus, man setzte sich auseinander. Heute sitzt jeder zuhause, liest sich in den sozialen Medien und bei Gratiszeitungen was an, schart die um sich, die gleicher Meinung sind, degradiert die anderen. Man ruft übers Netz zum Aufstand auf und es treffen sich Menschen, die sich nicht kennen, aber virtuell befeuern.

So fahren wir alle unsere Welt an die Wand. Dazu brauchen wir keinen Donald.

Rezension: Dietmar von der Pfordten: Menschenwürde

Menschenwürde – in aller Munde und doch schwer greifbar

Der erste Grundsatz in den Grundgesetzen vieler Menschen lautet (so oder ähnlich):

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Dieser Grundsatz stellt die Menschenwürde aufs Podest der Werte und Bestimmungen, alles andere erscheint nachrangig, wichtig ist, dass die Menschenwürde bewahrt wird in allem Tun und Erleben. Diese Sicht ist allerdings, schaut man auf den Lauf der Geschichte, eher neu, bis vor einigen Jahrzehnten war von Menschenwürde kaum je die Rede, zumindest nicht im alltäglichen Leben, aber auch sonst nicht in dieser Gewichtung.

Dietmar von der Pfordten geht im vorliegenden Buch zur Menschenwürde dem Begriff nach, stellt dar, wie er historisch entstanden ist, wie er sich philosophisch entwickelt hat, wie er Einzug ins Rechtssystem gefunden hat und welches Gewicht er da hat und auch was unter dem Begriff überhaupt zu verstehen ist. Er tut das sehr fundiert,

Für die Begriffsanalyse definiert von der Pfordten Teilbereiche der Menschenwürde:

  • die Selbstbestimmung über die eigenen Belange (grosse Menschenwürde)
  • die wesentliche soziale Stellung des Menschen (kleine Menschenwürde), sowie deren natürliche und damit prinzipiell unveränderliche Gleichheit als Grenzbereich (mittlere Menschenwürde)
  • das menschenwürdige Dasein als ökonomische Bedingung der Menschenwürde

Anschliessend referiert von der Pfordten die Frage, ob auf Menschenwürde verzichtet werden kann und unter welchen Bedingungen dies der Fall wäre. Auch geht er der Frage nach, ob man, wenn man eines anderen Menschen Würde verletzt, damit automatisch seine eigene tangiert. Das abschliessende Kapitel wendet sich schliesslich aktuellen Fragen zu und setzt diese in Beziehung zur Menschenwürde. Es geht dabei um Abtreibung, Klonen, terroristische Angriffe, etc.

Menschenwürde steht in der Reihe C. H. Beck Wissen, welche immer für kurze, fundierte Einführungen in relevante Themen steht. Das ist auch im vorliegenden Fall hervorragend gelungen, bietet von der Pfordten doch eine sachlich kompetente, inhaltlich fundierte, stringente Einführung zum Thema Menschenwürde.

Fazit
Eine sehr gute, fundierte und informative Einführung in ein wichtiges Thema unserer Zeit. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor:
Dietmar von der Pfordten ist seit 2002 Professor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Georg-August-Universität Göttingen und dort Direktor der Abteilung für Rechts- und Sozialphilosophie. Vorher war er seit 1999 Professor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Erfurt. Seit 2001 ist er Mitglied der Thüringer Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und Mitglied der Kommission der Bundesregierung zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz

Angaben zum Buch:
vonderPfordtenMenschenwürdeTaschenbuch: 128 Seiten
Verlag: JC. H. Beck Verlag (10. Februar 2016)
ISBN: 978-3406688379
Preis: EUR: 8.95 ; CHF 12.90
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Sandburg

Worte nur,
just aus dem Nichts,
weckten auf
das grosse Sehnen
nach so viel,
das niemals war.

Es gab die Zeit,
da möglich schien,
was nur erträumt,
doch nie gelebt.
Trügerisch,
bloss Illusion.

Den Wolken gleich,
zerstob sogleich,
was Burg mal schien
und Sand nur war.
Doch manchmal kommt
ein Korn zurück.