Milena Moser: Das Glück sieht immer anders aus (Rezension)

Glück her – aber dalli

Was will ich wirklich? Ich?
Die radikalste aller Fragen einer Frau mit Kindern.

moserglu%cc%88ckMilena ist 50, geschieden, hat zwei tolle Kinder, den Beruf, den sie immer haben wollte, und doch: Irgendwas fehlt. So richtig glücklich ist sie nicht und sie weiss auch nicht genau, wann sie es das letzte Mal wirklich war. Was muss sie tun, um einfach mal wieder glücklich zu sein? Und vor allem: Was will sie überhaupt – für sich. Bislang hatte sie sich diese Frage nicht stellen müssen, sie war einfach für die anderen da gewesen. Sie hat entweder in San Francisco oder in der Schweiz das Familienleben organisiert und fleissig Bücher geschrieben – was man halt so macht als Ehefrau, Mutter und Schriftstellerin.

Das soll nun ändern. Milena plant eine Reise durch die USA. Sie will glückliche Paare besuchen und selber glücklich sein. Sie will lachen, tanzen und sich selber finden.

Ganz auf mich allein gestellt, auf mich zurückgeworfen, würde ich mich neu kennenlernen.

Das Glück sieht immer anders aus ist die autobiographische Geschichte einer Frau, die von aussen betrachtet strahlend, fröhlich und erfolgreich scheint, tief drin aber von Zweifeln und Selbstkritik zerfressen ist. Milena Moser erzählt schonungslos offen von ihrem Gefühl, nie zu genügen, von der Leere nach der Ehe, von ihrer Müdigkeit und auch Orientierungslosigkeit: Wo führt das alles hin? Und: Wer bin ich überhaupt und was will ich im Leben?

Die Reise wird nicht nur einfach, denn erstens lässt sich das Glück nicht auf Knopfdruck finden und zweitens sind Selbstsuchen auch oft mit Rückblenden verbunden, die dem Glück selten zuträglich sind. Trotzdem ist das Buch weder düster noch erschlägt es einen mit Melancholie. Es ist frei von Selbstmitleid und gar nicht weinerlich. Die Sprache ist gut lesbar, der Stil fliessend, man sitzt hin, fängt zu lesen an und klappt das Buch irgendwann am Ende zu. Unterbrechen möchte man es nicht, schliesslich ist man tief in einem Leben drin, in dem man sich doch ab und an auch selber wiedererkennt.

Das Buch wirkte auf mich, als ob die Autorin sich einfach mal alles von der Seele geschrieben hätte, um den Ballast, der sich angesammelt hat, loszuwerden. Eine Technik, die man beim Expressiven Schreiben anwendet, um sich und seinen Prägungen auf die Spur zu kommen und (positiver) weiter gehen zu können. Neben dem Umstand, dass hier ein wirklich schönes Buch entstanden ist, hoffe ich natürlich, dass dies der Autorin geglückt ist.

Fazit:
Eine schonungslos offene, tief gehende und berührende Lebensbetrachtung. Das wohl persönlichste Buch von Milena Moser. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Milena Moser

Milena Moser wurde 1963 in Zürich geboren und absolvierte nach dem Besuch der Diplommittelschule eine Buchhändlerlehre, lebte danach in Paris, wo drei unveröffentlichte Romane entstanden. Zurück in der Schweiz schrieb sie für Schweizer Rundfunkanstalten und verfasste Bücher, welche keinen Verlag fanden, so dass sie kurzerhand zusammen mit Freunden den Krösus Verlag gründete, in welchem ihr erstes Buch Gebrochene Herzen sowie Die Putzfraueninsel erschienen, zweiteres wurde zum Bestseller und später verfilmt. 1998 führte Milena Mosers Weg nach San Francisco, wo sie mit ihrer Familie acht Jahre lebte, danach wieder in die Schweiz zurückkehrte. Milena Moser wohnt in Aarau als freie Autorin und führt in ihrem Schreibatelier Menschen in die Welt des Schreibens ein. Des Weiteren begleitet sich Schulklassen beim Verfassen eines gemeinsamen Romans. 2011 folgte, zusammen mit der Musikerin und Freundin Sibylle Aeberli, der Sprung auf die Bühne, Die Unvollendeten war ein voller Erfolg, ein zweites Bühnenprojekt ist in Planung. Von Milena Moser sind unter anderem erschienen Die Putzfraueninsel (1991), Das Schlampenbuch (1992), Artischockenherz (1999), Sofa,Yoga, Mord (2003), Möchtegern (2010), Montagsmenschen (2012), Das wahre Leben (2013).

Hier geht es zm Interview mit der Autorin.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (10. Februar 2017)
ISBN-Nr.: 978-3423216715
Preis: EUR 10.95 / CHF 16.90

Erhältlich bei jeder Buchhandlung vor Ort sowie online bei AMAZON.DE und BOOKS.CH.

Facebook und die ominösen Andeutungen

Was ich ab und an bei FB so liebe? Menschen, die ein Wort hinschreiben. So ein vieldeutiges. Es können auch viele Worte sein, vieldeutige, die aber irgendwie nichts aussagen, nur was ganz diffus erahnen lassen. So Andeutungen, die keiner versteht. Vor allem keiner, der nichts weiss. Einige wissen vielleicht was. Die zeigen sich dann als Eingeweihte. Sie sind quasi die Insider des Mysteriums.

Fragt man nach, kommt:

Ich will nichts drüber sagen.

Ja mein Gott, ich wollte es gar nicht wissen. Hätte man nix gesagt, wäre keine Frage gekommen. Fragt man nicht, hiesse es, man interessiere sich nicht. Aber:, Wieso also muss man ein diffuses Wort hinschreiben? Was will man damit bezwecken?

Ich könnte jedes Mal kotzen. Und würde am liebsten entfreunden, blocken, durchatmen. Aber. Ich bewahre Contenance. Denke mir „da will sich wer wichtig machen“ und gehe weiter. Aber: Doof finde ich es….und ich verstehe es nicht. Was bringt das demjenigen? Ist das ein Gewinn? Fühlt man sich mysteriös? Man müsste ja denken, andere hätten kein Leben, die würden dann am Computer sitzen und sich die Kopfhaut blutig kratzen beim Versuch, das Rätsel zu lösen?! Sind sie so wichtig? Andere so klein – aus ihrer Sicht? Sympathisch finde ich das nicht.

Was ich noch dazu sagen möchte: Das Verhalten mag doof sein, es unterstützt aber auch noch eine Tendenz: Sich nicht mehr zu interessieren. Man liest Andeutungen, geht drüber weg. Vielleicht auch mal bei wem, dem es schlecht geht, der Hilfe bräuchte. Weil: Man wird durch diese selbstverliebten Mysteriumsbauer darauf trainiert, nicht nachzufragen, weil es schlicht nix bringt, als ein Ego noch mehr aufzubauen. Und DAS finde ich wirklich traurig.

Immer genügen

Ich bin nicht gut genug. Ich pack das nicht. Ich kann das nicht. Ich bin eh zu doof. Ich Pfeife, wieso probiere ich überhaupt, ich werde eh scheitern.

So oder so ähnlich reden wir so oft mit uns. Und nein, das ist noch nicht genug, es geht noch weiter:

Mich erträgt eh keiner. Ich bin so schwierig. Wer will es mit mir bloss aushalten. Ich muss mich anpassen, sonst laufen alle davon. Ich bin übel und die anderen werden es alle bald merken – also: Ball flach halten.

Und so gehen wir durchs Leben und machen es allen recht. Wir versuchen es zumindest und rechnen es uns hoch an. Dass wir damit ständig scheitern, weil es nie allen recht ist, stellen wir uns selber in Rechnung.

Wir haben nicht genügt.

Wir versuchen härter, nehmen uns mehr zurück. Wir wickeln Kinder, hoffahren Ehemänner, schmeicheln Chefs und schreiben auf Twitter und Facebook von unserem ach so tollen Leben, auf Instagram folgt noch das Bild dazu. Wenn genug Likes kommen, haben wir gesiegt, ansonsten geht die Litanei neu los:

Wir haben nicht genügt.

Wie wäre es, wenn wir nur einem genügen wollten: Uns selber? Wie wäre es, wenn wir mal hinhören würden, was wir eigentlich wollen. Wissen wir es überhaupt? Oder ist alles eigene Wollen schon lange begraben von den Wünschen und Bedürfnissen anderer? Und ja, wir kriegen von aussen die Bestätigung für das Begraben:

Mutter opfere dich auf. Es ist dein Kind, es ist deine Verantwortung.

Wir kriegen von aussen die Bestätigung:

Geh arbeiten, leiste was.

Wir kriegen von aussen die Bestätigung:

Verdiene viel, sonst bist du nix.

Wir kriegen von aussen die Bestätigung:

Du bist in einer Beziehung. Da musst du zurückstecken.

Ich propagiere nicht den Egoismus, der über Leichen geht. Ich bin auch dafür, dass Kompromisse sein müssen und ein Miteinander gefunden werden muss. ABER:

Gehen wir wirklich Kompromisse ein oder geben wir uns auf? Welchen Wert hat das eigene Glück und dürfen wir es anstreben? Wie hoch ist der Preis dafür und sind wir bereit, ihn zu zahlen? Wo bleibt man selber, wo hat man sich verloren?

James Patterson: Das 9. Urteil (Rezension)

Ein Serienkiller sorgt für Hochspannung

Pete drückte ab. Die Kugel zischte durch den Schalldämpfer, traf die Frau im Nacken. Sie legte die Hand an die Wunde. Blut spritzte zwischen ihren Fingern hervor. „Mein Baby“, keuchte sie.

patterson9Ein irrer Serienmörder tötet wahllos junge Mütter und deren Kleinkinder. Lindsay Boxer und die anderen Ermittler tappen im Dunkeln, zumal die Polizei von San Francisco gnadenlos unterbesetzt ist und ein in der Dringlichkeit höher eingestufter Fall sie auch beschäftigt: Der Mord an der Frau eines bekannten Filmstars.

Plötzlich geht eine Lösegeldforderung ein: Der Mörder will zwei Millionen Dollar, sonst tötet er weiter. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Der neunte Fall des Women’s Murder Club ist an Spannung kaum zu überbieten. Von der ersten Seite an wird man gepackt und will das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Patterson gelingt es, durch einen geschickten Wechsel zwischen verschiedenen Fällen immer wieder Cliffhanger einzubauen. Des Weiteren sind die verschiedenen privaten Geschichten der vier Frauen des Women’s Murderclub geschickt in die Ermittlungsarbeit eingewebt und sorgen für weitere Spannungsbögen.

Einmal mehr zeigt sich, dass James Patterson sein Handwerk beherrscht. Auch wenn es in den vergangenen Fällen die eine oder andere Flaute gab, ist diese Reihe mit etwas vom Besten, was es im Bereich Thriller gibt.

Fazit:
Beim neunten Fall des Women’s Murder Club schöpft Patterson wieder aus dem Vollen seines Könnens und liefert einen Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite an Spannung kaum zu überbieten ist. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage, Die 6. Geisel, Die 7 Sünden, Das 8. Geständnis und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (18. März 2013)
Co-Autorin: Maxine Paetro
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN-Nr: 978-3442372331
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

James Patterson: Das 8. Geständnis (Rezension)

Eine explosive Mischung

Es war eine kraftraubende und entmutigende Arbeit. Wir wussten immer noch nicht, ob der Tod des Ehepaars Bailey ein Unfall, ein kombinierter Mord/Selbstmord oder ein Doppelmord war. Klar war nur, dass auch den Experten, die Claire hinzugezogen hatte, nichts eingefallen war und dass die Öffentlichkeit verrückt spielte.

patterson8Ein Ehepaar aus besseren Kreisen wird tot im Bett aufgefunden, allerdings findet niemand heraus, woran die beiden gestorben waren. Der Fall hat für die Polizei oberste Priorität – Befehl von ganz oben, so dass keine Zeit bleibt, dem Mord an einem schwarzen Obdachlosen weiter nachzugehen, zumal dessen Aufklärung sowieso eher unwahrscheinlich erscheint.

Zwar versuchen Lindsay und ihr Partner Conklin, während ihrer Freizeit etwas Licht ins Dunkel zu bringen, aber das reicht Cindy, Lindsays Freundin und Reporterin beim Chronicle nicht. Sie ist empört über das Zweiklassendenken der Polizei und macht sich den Fall zu eigen – sie will den Mörder des Mannes, der auf der Strasse als Heiland verehrt wurde, finden.

Wie gewohnt spielen auch die verschiedenen Privatleben der Mitglieder des Women’s Murder Club verrückt, es wird geliebt, geweint, gebangt. Während man sich immer mehr fragt, ob das mit Joe und Lindsay wirklcih noch was wird, zumal Conklin eine nicht zu verachtende Konkurrenz für Joe zu sein scheint, lässt sich Cindy auf einen Mann ein, der das Potential hat, die Frauenfreundschaften zu durchbrechen.

Der achte Fall des Women’s Murder Club übertrifft die letzten Fälle um ein Vielfaches. Er ist von der ersten bis zur letzten Seite packend, lässt einen kaum atmen beim Umblättern, und das Buch wegzulegen ist keine Option. Gekonnt zieht Patterson seine Fäden, baut Cliffhanger ein, webt langsam Stück für Stück ein Netz, das sich mehr und mehr zusammenzieht, bis alles schlussendlich aufgeklärt ist und man als Leser ausser Atem das Buch weglegt – um möglichst schnell den nächsten Fall zu schnappen und loszulegen. Ganz grosses Kino!

Fazit:
Beim achten Fall des Women’s Murder Club übertrifft sich Patterson selber. Von der ersten Seite an ist man gefangen und legt das Buch erst zur Seite, wenn alles aufgeklärt ist. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage, Die 6. Geisel, Die 7 Sünden und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (19. Dezember 2011)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN-Nr: 978-3442372324
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

That’s life

Ab und an denke ich: Es ist ein Scheissleben. Aber das ist es nicht. Es ist einfach, wie es ist. Nie fair, nie einfach, nie gerecht. Mit schönen Momenten, wertvollen Momenten, kleinen Schönheiten am Wegesrand, Hoch-Zeiten – und viel Schwerem. Man muss irgendwie innerlich schaffen, ein Gleichgewicht herzustellen.

Das klingt düster? Das mag sein. Mehr habe ich nicht. Ich habe viele Menschen gehen sehen. Ich stand oft selber kurz davor. Manchmal denke ich, es wäre eine Erlösung gewesen, und doch bin ich froh, hier zu sein. Das Leben ist schön. Es hat viel zu bieten. Und es nimmt viel. Es nimmt einem Menschen, kostet Kraft. Es bring Unsicherheiten. Es macht ab und an Angst.

Und immer geht man weiter. Man hadert, weint, schimpft. Und wenn es hart auf hart kommt, möchte man es behalten. So irgendwie. Vielleicht nicht genauso, wie es ist, aber doch behalten.

Wir können uns das Leben nicht aussuchen. Gewisse Dinge haben wir im Griff, für gewisse können wir kämpfen, einige kommen ungefragt. Und ab und an singen wir Halleluja, ab und an verfluchen wir alles – uns damit.

Am Schluss bleibt wohl nur, herauszufinden: Was liegt in meiner Macht?

  • Kann ich es ändern? Ok, ich ändere es! Alles gut!
  • Kann ich es ändern, es ist aber schwer? Ich mache es oder höre auf, zu heulen!
  • Ich kann es nicht ändern? Ich muss es schlucken und habe zwei Möglichkeiten:
    • ich verfluche das Leben
    • Ich verfluche das, was ich nicht ändern kann, sehe aber, dass es noch anderes gibt.

Mehr habe ich auch nicht. Ich hätte ab und an gerne mehr, glaube aber nicht an die Alles-ist-möglich-Sprüche, weil ich zu wissen glaube, dass es das nicht ist. Wir haben schlicht nur die Möglichkeit, mit dem, was möglich ist, umzugehen. Das ist viel, aber es rettet uns nie vor den Tiefen, die das Leben mit sich bringt.

Ich hoffe und wünsche mir, immer die Schönheiten zu sehen, die das Leben bringt. Sie machen das Leben lebenswert.

Zum Thema hätte ich noch ein bisschen Musik – ein Lied, das ich sehr liebe

James Patterson: Die 7 Sünden (Rezension)

Feuerteufel und Todesengel?

„Lasst uns nicht allein!“
Er sah, wie die Flammen an den Vorhängen emporzüngelten, und hörte die erstickten Schreie seiner geliebten Frau, während die Haustür krachend ins Schloss fiel.

patterson7Eine Reihe von Brandanschlägen fordert mehrere Menschenleben, immer reiche Ehepaare. Lindsay Boxer steht vor einem Rätsel und weiss nur, dass sie bald mehr wissen muss, damit nicht noch mehr Menschen sterben.

Zur gleichen Zeit gibt es neue Hinweise im Fall des verschwundenen Michael Campion, des herzkranken Sohnes eines ehemaligen Gouverneurs. Er soll das letzte Mal bei einer Prostituierten gesehen worden sein, aus deren Haus er nie mehr rausgekommen ist. Als die bildschöne und mädchenhaft unschuldig aussehende Prostituierte ihre Tat gesteht, scheint wenigstens dieser Fall gelöst – bis sie das Geständnis widerruft. Und irgendwo vermutet Lindsay Boxer einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen, nur: Wo?

Zum Glück hat sich Lindsays Privatleben ein wenig normalisiert, fast könnte man es glücklich nennen, wären da nicht Lindsays Zweifel und ihr Zögern. Zudem raubt ihr der berufliche Ehrgeiz jegliche Zeit für ein Privatleben, so dass sie ihren Liebsten, der ihretwegen einige Opfer gebracht hat, kaum sieht, was auf Dauer nicht gut gehen kann. Die wenige Zeit, welche die beiden haben, verbringen sie in detailreich beschriebenen Liebesaktivitäten – hätten sie mehr Zeit, müsste man wohl die Genrewahl überdenken.

Der siebte Fall des Women’s Murder Club ist wieder gewohnt spannend. Von der ersten Seite an zieht er einen in den Bann und lässt nicht los, bis alles restlos aufgeklärt ist. Dass das Ende ein wenig gar überraschend und wenig befriedigend ist, bleibt als kleiner Wermutstropfen zurück. Trotzdem ist das Buch ein wirklicher Pageturner und ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Fazit:
Beim siebten Fall des Women’s Murder Club ist Patterson wieder gewohnt spannend und packend. Von der ersten Seite an ist man im Bann des Buches und legt dieses ungern wieder weg. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage, Die 6. Geisel und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (15. November 2010)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN-Nr: 978-3442375851
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Peter Swanson: Die Gerechte (Rezension)

Ein moralisch gerechtfertigter Mord?

Wenn Sie Ihre Frau töten, tun Sie ihr nur etwas an, was ihr ohnehin widerfahren wird. Und Sie würden andere Menschen vor ihr retten. Sie ist etwas Negatives. Sie macht die Welt schlechter.

swansongerechteTed Severson, ein reicher Unternehmer, denkt, glücklich verheiratet zu sein mit der wunderschönen Miranda, bis er diese eines Tages bei einem Seitensprung beobachtet. Die Wut wächst in ihm. Als er kurz darauf an einer Flughafenbar sitzt und eine attraktive Frau sich neben ihn setzt, erzählt er ihr – ein paar Martinis haben seine Zunge gelockert – von seinem Leben. Lily, so heisst die attraktive Bekanntschaft, versteht ihn gut und macht ihm ein Angebot: Sie will ihm helfen, seine Frau umzubringen.

In der Folge planen die beiden minutiös den perfekten Mord, kommen sich dabei auch näher. Doch dann nimmt die Geschichte eine unerwartete Wende.

Die Gerechte ist die Geschichte eines perfekten Verbrechens. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, die sich kapitelweise abwechseln. Dabei gibt es immer Rückblenden vor allem in die Vergangenheit von Lily, die aufzeigen, wie Lily zu dem Menschen mit den moralischen Beweggründen wurde, der sie heute ist. Dem Autor ist hier eine psychologische Analyse gelungen, die ohne jegliche Beschreibungen, sondern nur durch erzählte Handlungen und Erlebnisse auskommt.

Höhepunkt des Buches ist sicher der Moment, als Peter Swanson einen sehr unerwarteten – im Nachhinein aber nachvollziehbaren – Wendepunkt einbaut. Der Autor hat sein Handwerk verstanden, das Buch ist gut geschrieben, spannend aufgebaut und mit den nötigen Überraschungen versehen, um den Leser bei der Stange zu halten. Die Form der abwechselnden Perspektiven und vielen Rückblenden nimmt der eigentlichen Geschichte aber viel an Tempo und ist wohl Geschmacksache: Man mag es oder nicht.

Fazit:
Eine packende Idee stimmig umgesetzt, gut geschrieben und mit den nötigen Überraschungsmomenten und Wendepunkten. Der Stil der wechselnden Perspektiven und Rückblenden ist aber Geschmacksache.

Der Autor
Peter Swanson studierte am Trinity College, der University of Massachusetts in Amherst und am Emerson College in Boston. Er lebt mit seiner Frau und einer Katze in Somerville, Massachusetts, wo er an seinem nächsten Buch schreibt.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (16. Januar 2017)
Übersetzung: Fred Kinzel
ISBN-Nr: 978-3734103599
Preis: EUR 12.99 / CHF 18.90
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Reuel Golden: London (Rezension)

Ein wunderbarer Bildband, eine wahre Goldgrube an Eindrücken.

Avatar von Sandra von SiebenthalSandra von Siebenthal

Portrait of a City

Eine Zeitreise durch London

„Wenn ein Mann genug von London hat, ist er des Lebens müde.“ Samuel Johnson

coverLondon ist eine beeindruckende Stadt und der vorliegende Bildband wird dieser Stadt mehr als gerecht. Ausstrucksstarke Bilder bieten Einblicke in fast zwei Jahrhunderte Geschichte der englischen Metropole – vom viktorianischen Zeitalter bis heute. Eingeleitet werden die einzelnen Kapitel mit einem informativen, gut lesbaren Texten.

Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt:

  • Die Monsterstadt ( 1837-1901)
  • Moderne Zeiten (1902-1938)
  • Die Folgen des Krieges (1939-1959)
  • Die Party und der Morgen danach (1960-1981)
  • Neue Perspektiven ( 1982-heute)

Reuel Golden hat für diesen Bildband Fotos aus Archiven aus der ganzen Welt – von Laien und Profis – gesammelt, viele davon sind noch nie veröffentlicht worden. Entstanden ist so eine Goldgrube an Eindrücken zur Architektur und Geschichte Londons sowie vom alltäglichen Leben.

phpthumb_generated_thumbnailjpgZwischen den Fotos finden sich immer auch Zeitdokumente wie Filmplakate, Buchcover…

Ursprünglichen Post anzeigen 204 weitere Wörter

Meine Bücherwelt in 10 Fragen

Bei einer Reise durch meine gern gelesenen Literaturblogs stiess ich auf einen Artikel des Kaffeehaussitzers, in welchem dieser 10 Fragen beantwortete, die er bei Sätze & Schätze gefunden hatte.

Eine schöne Idee, wie ich fand und das Hirn lief natürlich gleich heiss: Was wären meine Antworten? Hier sind sie:

Frage eins
Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?
Ich habe keine Ahnung. Ich weiss, dass ich als Kind Enid Blyton liebte, am meisten ihre Reihe „Geheimnis um…“. Dicky und sein Sittich hatten es mir besonders angetan, später kamen dann „Fünf Freunde“, „TKKG“ und „???“ – man sieht, ich war schon damals Krimiliebhaber. Aber mir sind auch andere Bücher im Kopf: „Die Turnachkinder“ – es gab eine Sommer- und eine Winterausgabe – sowie Berte Bratt – nach der Lektüre wollte ich unbedingt nach Norwegen. Was aber das erste Buch war? Ich kann es echt nicht sagen.

Frage zwei
Das Buch, das Deine Jugend begleitete?
Ich habe auch da viel gelesen, so dass es schwer ist, ein Buch zu wählen. Was aber sicher eines meiner liebsten Bücher der Zeit war: Marion Zimmer-Bradleys „Die Nebel von Avalon“. Ich habe das Buch verschlungen, fand es wunderbar.

Frage drei
Das Buch, das Dich zum Leser machte?
Vermutlich Grimms Märchen, da das Vorlesen derselben meine Liebe zu Geschichten weckte und ich dann bald mal selber lesen wollte.

Frage vier
Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast?
Das müsste „Effi Briest“ von Theodor Fontane sein.

Frage fünf
Das Buch, das Dir am wichtigsten ist?
Ich habe kein wichtigstes Buch. Es gibt verschiedene wichtige Bücher in meinem Leben. Eines hat mich über Monate begleitet, weil ich damit gearbeitet habe und eine Arbeit drüber schrieb (Thomas Manns „Doktor Faustus“. Ein anderes hat mich einfach unglaublich gut unterhalten, auf eine Weise, die nicht einfach nur Pageturner war, sondern mehr (Joël Dickers „Der Fall Harry Quebert“). Wieder andere Bücher haben mich berührt mit ihrer Thematik, haben mich mitfühlen und –leiden lassen („Effi Briest“, „Anna Karenina“ und viele mehr). Und dann sind da noch Rilkes Gedichte, kaum ein Buch habe ich mehr in die Hand genommen. Ebenso die Gedichte von Erich Fried, ein Buch, das mir ein Mensch geschenkt hat, der mir sehr viel bedeutet hat und es immer tun wird – über den Tod hinaus. Die Widmung im Buch erinnert zusätzlich daran. Und….

Frage sechs
Das Buch, vor dem Du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?
Ich habe vor keinem Buch Angst. Ich denke, ich würde mit jedem einen Weg finden. Die Frage ist: Muss ich es? Ich habe heute die Freiheit, selber entscheiden zu können, was ich lese. Das war eine lange Zeit lang anders – und ja, auch das hatte Vorteile, da ich Bücher las, die ich ohne äusseren Druck vielleicht nicht gelesen hätte und die mir viel bedeutet haben, weil sie mir Welten erschlossen haben, in die ich sonst nie eingetaucht wäre. Es gibt auch heute noch Bücher, die von aussen an mich herangetragen werden. Da bemühe ich mich ein wenig mehr, sie weiter zu lesen, selbst wenn sie mir nicht gefallen. Schlussendlich halte ich es aber bei Büchern wie beim Wein: Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher (und schlechten Wein!). Ich möchte aber anmerken, dass die Wertung „schlechtes Buch“ häufig schlicht Geschmackssache ist. Natürlich gibt es Kriterien, die ein Buch auch rein vom „schreiberischen“ Handwerk her als schlecht qualifizieren – doch: Selbst das Buch kann irgendwem gefallen und wenn es das tut, ist das doch wunderbar. Die Frage ist doch: Was will Literatur, was soll sie? Meiner Meinung nach soll sie primär unterhalten. Sie soll den Leser eine Weile aus seiner Welt in eine andere entführen, aus welcher er etwas mitnimmt in die eigene. Das Mitgebrachte kann vielschichtig sein, es geht von Entspannung bis hin zu Erkenntnissen.

Frage sieben
Das Buch, das Deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?
Das kann ich nicht beurteilen, denn dazu müsste ich alle gelesen haben und die entsprechenden Statistiken kennen. Ich konnte sicher die Aufregung um die Grauschattierungen nie nachvollziehen, aber: Ich habe das Buch nicht gelesen und werde es wohl kaum je tun – ergo weiss ich es nicht wirklich.

Frage acht
Das Buch, das Du unbedingt noch lesen willst – wenn da einmal Zeit wäre?
Wenn ich ein Buch lesen wollte, würde ich es tun. Zeit kann man sich nehmen, Bücher müssen ja nicht an einem Tag gelesen werden. Wer also liest, kann alles lesen. Da auf den richtigen Zeitpunkt zu waren, mutet ein wenig komisch an.

Frage neun
Das Buch, das Dir am meisten Angst macht?
Es ist wohl kein Buch, es sind die, welche religiöse Bücher wortwörtlich auslegen und fanatisch danach handeln. Und: Es kommt nicht drauf an, welches Buch man nimmt, es steht in allen in etwa dasselbe drin.

Frage zehn
Das Buch, das Du gern selbst geschrieben hättest?
Meines. Irgendwann mach ich das vielleicht sogar noch. Ich neide keinem sein Buch. Und dass er es geschrieben hat und nicht ich, bedeutet, dass es seins war – nicht meins.

Und schon bin ich durch… hat Spass gemacht, war für mich aber nicht wirklich neu, da ich mich ja ziemlich oft durchleuchte und hinterfrage. Viel spannender wäre: Wie sieht das bei euch aus?

 

#abcliteraturchallenge

Ich füttere schon seit langem Instagram mit meinen Bildern, bin da im Laufe der Zeit über viele Challenges gestolpert und dachte, ich mache auch mal einen – meinen persönlichen Literaturchallenge. So hangelte ich mich in Bildern durchs ABC und es machte grossen Spass. Jeden Tag stand ich vor meinen Regalen und suchte ein Buch zu einem neuen Buchstaben, machte mir Gedanken, las vielleicht ein wenig rein. Nun bin ich durchs Alphabet durch und möchte die ganze Liste hier nochmals zeigen – vielleicht gefällt euch ja auch das eine oder andere Buch:

A
Mitch Albom „Dienstags bei Morrie“ Die wunderbare und berührende Geschichte einer Lebensbegleitung. Das Buch hat mich in seiner Einfühlsamkeit, Weisheit und Demut unglaublich berührt.

B
Julian Barnes „Vom Ende einer Geschichte“ Ein Buch über die Erinnerung, darüber, wie man sich selbst Geschichten erzählt und dabei eine Auswahl trifft, die ins Lebensbild passt. „Geschichte…ist die Summe der Erinnerungen derer, die viel erlebt und viel überstanden haben und meistens weder Sieger noch Besiegte sind.“

Einer meiner Lieblingssätze im Buch: „Gewöhnlich verspricht die erste Liebe, selbst wenn sie nicht gut ausgeht – vielleicht gerade wenn sie nicht gut ausgeht -, dass wir nun endlich wüssten, was das Leben lebenswert macht und rechtfertigt.“

C
img_0967Alex Capus „Léon und Louise“ Die Geschichte einer grossen Liebe, aber auch eine Geschichte über Verantwortung, Leidenschaft und Vertrauen. Eine feinfühlige, mitreissende und wunderbar erzählte Geschichte.

D
Joël Dicker „Der Fall Harry Quebert“ Eines meiner absoluten Leseerlebnisse der letzten Jahre. „In meinem Leben gab es nur Harry, und seltsamerweise stellte ich mir überhaupt nicht die Frage, ob er schuldig war oder nicht… Er ist ein Mensch und Menschen haben ihre Dämonen. Jeder von uns. Die Frage ist nur, wie viel man diesen Dämonen durchgehen lässt.“ Ein spannender Krimi und noch viel mehr.

E
Epiktet „Das Buch vom geglückten Leben“ Nach Epiktet haben wir das Glück in der Hand. Wichtig dabei ist, zu unterscheiden zwischen dem, was wir beeinflussen können, und dem was nicht in unserer Macht steht. „Du kannst unüberwindlich sein, wenn du dich in keinen Kampf einlässt, in dem es nicht in deiner Macht steht, zu obsiegen.“

F
Hier wird es schwer, da Theodor Fontane einer meiner Liebsten ist, weswegen ich eigentlich das Gesamtwerk vorschlagen würde. Sehr empfehlen kann ich aber die Ehebriefe. Und: Müsste ich mich für ein Buch entscheiden, wäre es „Effi Briest“. Oder „L’Adultera“? Oder doch…..? Herr Briest hatte schon recht: „Es ist ein weites Feld.“

G
Anne Girard „Madame Picasso “ Ein Buch über einen der grössten Künstler, eine grosse Liebe und das Leben mit seinen oft schwierigen Wegen. „Sein Herz war nicht ausreichend mit dem Werk auf seiner Staffelei verbunden. Er steckte fest. Picasso wusste, dass er eine Inspiration benötigte, um es zu vollenden. Er brauchte eine Muse.“ Diese Muse fand Picasso – und noch viel mehr. Ein wunderbares Buch!

H
Hermann Hesse „Gedichte“ „Man braucht vor niemandem Angst zu haben. Wenn man jemanden fürchtet, dann kommt es daher, dass man diesem Jemand Macht über sich eingeräumt hat.“ Hermann Hesse liebe ich für seine tiefgründigen Gedanken, für seine feinfühligen Analysen und vor allem für seine wunderbaren und lebensnahen Gedichte.

I
img_1041Andreas Izqiierdo „Glücksbüro“ Ein vielschichtiges, tiefgründiges, herzerwärmendes Buch, die Geschichte um einen unscheinbaren und einsamen Menschen, der eines Tages die Liebe findet und zu leben beginnt.

J
img_1065Husch Josten „Der tadellose Herr Taft“ Ein einfühlsames, zum Nachdenken anregendes Buch, das die Geschichte eines Mannes erzählt, der durch den Weggang seiner Frau irgendwie auch sich selber verloren hat und nun hofft, sie und damit sich selber wiederzufinden. „Er, der immer seinen Weg gekannt und grundsätzlich die Richtung gewusst hatte, taumelte durch die Tage.“

K
Doktor Erich Kästners „Lyrische Hausapotheke“ Sie enthält Gedichte, die man bei Einsamkeit, Faulheit, Geldnot, Eheproblemen, schlechtem Wetter und vielem mehr lesen kann. Die nötige Medizin kommt hier gepaart mit viel Humor und Ironie, sie „richtet sich, zumeist in homöopathischer Dosierung, gegen die kleinen und grossen Schwierigkeiten der Existenz.“

L
David Levithans „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ Die Geschichte von A, welcher jeden Tag in einem neuen Körper aufwacht. „Früher oder später muss man mit der Tatsache Frieden schliessen, dass man einfach existiert. Warum es so ist, lässt sich nicht herausfinden.“ Ein tiefgründiges, einnehmendes, gefühlvolles und wunderbar erzähltes Buch.

M
img_1106Thomas Mann „Doktor Faustus“ Der Buchstabe war nicht leicht zu bewältigen. Es gibt einige Autoren mit „M“, die ich mag und von dem einen, schliesslich gewählten Bücher, die ich besser mochte. ABER es gibt wohl kaum ein Buch, mit dem ich mich intensiver und länger auseinander setzte als dieses. Ich las über 9 Monate alles dazu, was ich fand, las alles andere von Thomas Mann, hörte seine Musik – ich lebte quasi mit Thomas Mann, während ich für meine Masterarbeit seinen Schreibprozess analysierte. „Doktor Faustus“ greift den Pakt mit dem Teufel auf. Es ist die Geschichte eines genialen Künstlers, der für die Kunst seine Seele verkauft und schlussendlich daran zugrunde geht. Ein grossartiger Roman mit vielen Ebenen. Ein Meilenstein in meiner persönlichen Lesewelt.

N
Hakan Nesser „Die Einsamen“ Ich habe das Buch gefressen. Hakan Nesser gelang es, eine Geschichte auf mehreren Ebenen zu konstruieren, diese zu durchmischen und mit genial platzierten Cliffhangern zu versehen.

O
Yoko Ogawa „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ Durch einen Autounfall reicht das Gedächtnis eines Mathematikprofessors nur noch 80 Minuten. Er flüchtet sich aus dem Leben in die Welt der Zahlen, bis eine neue Haushälterin und deren Sohn ihn zum Leben zurück bringen. Ein stilles, tiefes, malerisches und wundervolles Buch über die Liebe, über Freundschaft, über das Vergessen und vieles mehr. Man möchte nicht mehr aus dieser Welt auftauchen, wenn man mal drin ist.

P
Riika Pulkkinen „Wahr“ Mein „P“ für den #abcliteraturchallenge war keine leichte Sache, da einer meiner meistgelesenen Autoren mit P beginnt. Trotzdem entschied ich mich für Riikka Pulkkinen. Eine poetische und philosophische Geschichte über Liebe und Verlust, Krankheit, Tod und Weiterleben. Ein Buch, das mich tief berührt hat, ein Buch, das grundlegende Fragen stellt, ein Buch, das nachhallt.

Q
Meine Bibliothek umfasst kein Q – drum passe ich hier und mache gleich mit R weiter.

R
Bethan Roberts „Der Liebhaber meines Mannes“ Es ist die Geschichte von drei Menschen, die alle irgendwie Opfer ihrer Zeit geworden sind, die unter den Normen der Gesellschaft leiden. Ein feinfühliger Roman mit viel Tiefe, der direkt ins Herz geht.

S
img_1159Elif Shafak „Die vierzig Geheimnisse der Liebe“ Eine Frau vertieft sich in einen Roman über Rumi, lernt die Geheimnisse der Liebe kennen und merkt, dass ohne Liebe alles nichts ist. Und sie macht sich auf die Suche nach der Liebe in ihrem Leben. Ein philosophisches, berührendes, tiefgründiges Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Eine Mischung aus Liebes- und Lebensgeschichte und Mystik….und ich höre nun auf, zu schwärmen

T
img_1166Leo N. Tolstoi „Anna Karenina“, eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Die tragische Liebesgeschichte der schönen Anna Karenina mit dem Grafen Alexej Wronskij handelt von der Liebe, von Ehebruch und von gesellschaftlichen Normen. Mit diesen Themen ist das Buch nicht allein in der Zeit, auch Effi Briest, L’Adultera (Fontane) oder Madame Bovary (Flaubert) behandeln diese Themen (allesamt ebenfalls Lieblinge von mir). „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ (Anna-Karenina-Prinzip)

U
Leon Uris „Exodus“ Die Geschichte der Gründung Israels. Es gelingt Uris, die Geschichte einzelner Menschen mit den grossen historischen Zusammenhängen zu verbinden. Der Autor schafft es, einerseits Geschichte lebendig werden zu lassen und trotz der Schwere des Themas und des Umfang des Romans nicht erschlagend zu wirken, sondern mitzureissen.

V
Fred Vargas „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ Paris ist im Griff eines Zwangsneurotiker, der Kreidekreise um Gegenstände malt. Alles ganz harmlos, bis plötzlich eine Leiche in einem der Kreise liegt.

W
Oscar Wilde „ Dorian Gray“ Ein Roman voller Witz und doch tiefgründig, ein Roman um Sein und Schein, um die Motive des Handelns und die Moral. Tolles Buch!

X
Da ich kein X im Bücherregal habe, dafür aber viele Ws, bringe ich ein zweites davon:
John Williams „Stoner“ Die Geschichte eines Mannes, der seinen Weg durchs Leben geht, unbeirrt von allen Schwierigkeiten, die es ihm schwer machen. Er lebt als eigenbrötlerischer Charakter seine Leidenschaft und sein Leben in der Literatur aus, weil die Realität ein einziger Kampf zu sein scheint. Ein Buch über die gelebte, unlebbare und vermisste Liebe, über Kämpfe und Niederlagen, ein stilles Buch mit wenig Handlung, leisen Tönen und doch viel Wirkung. Stoner lässt einen nicht los. Sehr empfehlenswert!

Y
Irvin D. Yalom „Und Nietzsche weinte“ Lou Salomé sorgt sich um den verzweifelten Nietzsche und wendet sich an den Psychotherapeuten Josef Breuer. Ein Roman darüber, wie einer wird, was einer ist, und vieles mehr. Tiefgründig, philosophisch und doch gut lesbar.

Z
img_1221Stefan Zweig „Rausch der Verwandlung“ Ich habe immer gerne gelesen, Stefan Zweig war meine erste grosse Liebe bei den deutschen grossen Schriftstellern. Ein sehr engagierter Buchhändler in einer kleinen Buchhandlung in meiner Heimatstadt Winterthur empfahl mir das Buch mit damals 16 und eine Liebe war geboren. Rausch der Verwandlung handelt vom Leben in verschiedenen Welten, von Sehnsüchten, Enttäuschungen und von den zwei Klassen der Gesellschaft in der Nachkriegszeit. Ein sehr tiefgründiges, auch sehr düsteres Buch, das durch die sehr plastischen und psychologisch stimmig gezeichneten Figuren besticht.

James Patterson: Die 6. Geisel

Entführte Kinder, Psychopathen und Liebeschaos

Blut fliesst über die Planken, doch in seinem Kopf sieht Fred nur die blendend weissen Segel. Sein Blick schwenkt über das Deck. Die Stimme in seinem Kopf brüllt laut: Lauf. Verschwinde. Du hast das nicht gewollt.

patterson6Was eine vergnügliche Fahrt mit dem Katamaran durch die San Francisco Bay hätte werden sollen, endet in einem blutigen Massaker, als ein Passagier plötzlich eine Pistole zückt und um sich schiesst. Neben einer Mutter und ihrem kleinen Sohn trifft er auch Claire, Lindsay Boxers beste Freundin, welche zwar überlebt, aber in einem kritischen Zustand ist. Als sich kurz darauf der Täter bei Lindsay zu Hause stellt, scheint der Fall gelöst zu sein – doch dann geht es darum, ob er überhaupt zurechnungsfähig war bei der Tat. Ein spannender Gerichtskampf mit Yuki als Anklägerin der Staatsanwaltschaft steht bevor.

Dies ist aber nicht der einzige Fall, der Lindsay beschäftigt. Kinder und Nannys wohlhabender Eltern verschwinden, ohne dass eine Lösegeldforderung kommt. Werden Lindsay und ihre Freundinnen die Täter entlarven, bevor noch ein Kind verschwindet? Und: Leben die bislang entführten Kinder noch? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Als wäre das nicht genug, kommt es in Cindys Haus zu unschönen Vorfällen – ein toter Hund, eine zerstörte Wohnung und ein ermordeter Nachbar sind zu verbuchen. Dass Lindsay Boxer neben all dem sich auch noch von ihrer grossen Liebe trennt, lässt die gute Frau noch mehr leiden und so pendelt der Leser fortan zwischen Liebesschmerz, Entführerjagd, Gerichtsplädoyers und mehr hin und her.

Ab und an ist man lesend versucht, zu sagen, dass ab und an weniger mehr gewesen wäre. Durch die Vielzahl der erzählstränge büsst jeder einzelne an Tiefe ein. Die Figuren bleiben blass, die Schauplätze ebenso. Man kann sich in nichts einfühlen und auch nicht wirklich mitraten, da kaum Anhaltspunkte vorhanden sind und die Auflösungen schlussendlich etwas gar gesucht – oder zu offensichtlich. Wieder kommt die leise Frage auf, ob das wirklich Patterson war, der hier schrieb, oder ob dieser nur jeden zweiten Fall seiner Reihe schreibt, was auf den nächsten hoffen liesse.

Fazit:
Der sechste Fall des Women’s Murder Club schwächelt wieder ein wenig. Zwar gelingt es Patterson, den Leser zu packen, aber weniger verschiedene Fälle und mehr Tiefe wären wünschenswert gewesen. Trotzdem empfehlenswert.

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch, Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (8. März 2010)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442372287
Preis: EUR 8.95 / CHF 12.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Stephen King – Einblicke und Eindrücke

Meine Jugend ähnelt eher einer vernebelten Landschaft, in der gelegentlich Erinnerungen wie vereinzelte Bäume auftauchen… diese Art von Bäumen, die aussehen, als wollten sie einen packen und fressen.

Stephen King ist wohl einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren der heutigen Zeit. Sein Name auf dem Buchcover ist schon fast ein Versprechen: Das wird ein gutes Buch. Doch wie kam Stephen King an den Punkt? Wie wurde er zu dem Schriftsteller, der er heute ist?

Dies ist keine Autobiografie. Es ist eher eine Art Lebenslauf, mein Versuch, die Entwicklung zum Schriftsteller nachzuzeichnen.

Im vorliegenden Buch versucht Stephen King, diese Fragen zu beantworten. Er tut dies auf eine sehr offene, ironische, humorvolle Weise, so dass sich dieser Lebenslauf, wie er den Teil selber nennt, genauso spannend liest wie seine Bücher. In zweiten Teil geht Stephen King auf verschiedene Themen rund ums Schreiben ein. Er legt dar, was man als angehender Schriftsteller beherrschen muss, worauf man achten soll. Zentral dabei ist immer die Sprache – das Werkzeug des Schriftstellers.

Dieses Buch handelt von der alltäglichen Arbeit – von der Sprache.

Im letzen Teil berichtet Stephen King über seinen schweren Unfall, der ihn für viele Monate lahmlegte. Er sagt, das Schreiben hätte ihn da gerettet. King-Fans sind dankbar dafür.

Das Leben und das Schreiben ist kein Schreibratgeber im üblichen Sinn, es ist viel mehr. Es ist die Autobiographie von Stephen Kings eigenem Schreibprozess. Als Leser steht man quasi hinter ihm und schaut ihm über die Schulter, erfährt sein Vorgehen beim Verfassen eines Buches, schaut ihm beim Leben und beim Schreiben zu – was irgendwie fast dasselbe ist oft.

Fazit:
Ein wundervolles, offenes, persönliches Buch, das zeigt, dass der, welcher hier über das Schreiben berichtet, sein Handwerk versteht. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
„Carrie“, „The Shining“, „Misery“ – es gibt wohl nur wenige Leser oder Kinogänger, die nicht zumindest eine dieser drei Horrorgeschichten von Stephen King kennen. Einen internationalen Bestseller nach dem anderen legt der 1947 in Maine geborene Autor vor. Und nicht wenige davon wurden auch erfolgreich verfilmt. So spektakulär die Geschichten sind, so bürgerlich klingt Kings Werdegang. Nach Schule, Universität und früher Heirat arbeitete er zunächst als Englischlehrer. Seiner Passion fürs Schreiben ging er abends und am Wochenende nach, bis ihm der Erfolg seiner ersten großen Geschichte, „Carrie“, erlaubte, ausschließlich als Schriftsteller zu leben. Der Rest ist Legende. King hat drei Kinder und bereits mehrere Enkelkinder und lebt mit seiner Frau Tabitha in Maine und Florida.

Angaben zum Buch:
kinglebenTaschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (8. Februar 2011)
Übersetzung: Andrea Fischer
ISBN-Nr.: 978-3453435742
Preis: EUR 10.99/ CHF 16.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Delia Fischer: Das grosse Buch der Wohnstile

Puristisch, klassisch oder glamourös?

fischerwohnstileWenn es draussen grau und unwirtlich ist, wird der Wunsch gross, sich drinnen schön einzurichten. Wer das gerne mit System machen möchte, so, dass das Bett auch zum Schrank und die Kissen drauf zum Teppich passen, der ist bei diesem Buch richtig. Auf über 200 Seiten lernt man verschiedene Wohnstile kennen, kann man sich in fremden Wohnungen umsehen und für sich heraussuchen, was einem gefällt.

 

Vorgestellt werden die Wohnstile

  • Boho
  • Puristisch
  • Country
  • Glamour
  • Girly
  • Klassisch
  • Scandi
  • Exzentrisch

Jedes Kapitel wird eingeleitet mit Stichworten, die den Stil beschreiben, mit Bildern, die als Moodboard fungieren und mit Farbpaletten, Mustern und Materialien, die diesen Stil ausmachen. In der Folge geht es zu einem Hausbesuch bei jemandem, der seine Wohnung in genau diesem Stil eingerichtet hat, so dass man einen guten Eindruck erhält, wie das Ganze umgesetzt aussehen könnte.

Im Anschluss zeigt Delia Fischer anhand eines Flurs, wie man diesen mit einfachen Mitteln in den verschiedenen Stilen gestalten kann. Dasselbe wiederholt sie mit einem Wohnzimmer und einem Schlafzimmer. Wem ein Stil nicht genug ist, der erhält auch noch Tipps, wie Stile gemixt werden können, ohne dass die Wohnung nach einem Sammelsurium aussieht.

Ein wunderbar buntes und informatives Buch, hochwertig gestaltet und mit sehr schönen Fotografien. Genau das Richtige, um an einem trüben Wintertag neue Pläne für das eigene Zuhause zu fassen.

Fazit:
Ein sehr inspirierendes Buch, das verschiedene Wohnstile gut erklärt und aufzeigt, wie man sie selber umsetzen kann. Wunderschön aufgemacht, eine wahre Augenfreude. Sehr empfehlenswert.

Autorin und Ko-Autorin
Delia Fischer ist Gründerin und Geschäftsführerin von Westwing Home & Living. Sie war lange Redakteurin bei Elle und Elle Decoration und gründete das Unternehmen aus reinem Eigennutz: Sie wohnte gern schön und hatte kein endloses Budget. Heute zählt sie zu den erfolgreichsten Start-up-Unternehmerinnen in Deutschland und Visionärin in der Home un- und Living-Branche.

Ko-Autorin Nora von Westphalen studierte Modejournalismus. Nach einigen Jahren als freie Autorin ist sie seit 2005 als Redakteurin bei Elle und Elle Decoration. In dieser Zeit avancierte sie zu einer der Stil-Instanzen im deutschen Lifestyle-Bereich. Nora von Westphalen lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in München.

Angaben zum Buch:
Broschiert:224 Seiten
Verlag: Verlag Georg D.W. Callwey (2. Auflage, 2016)
ISBN-Nr.: 978-3766721105
Preis: EUR 36 / CHF 41.50

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Claudia Rossbacher – Nachgefragt

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Foto: Sarah Koska

Claudia Rossbacher, geboren in Wien, zog es nach ihrem Tourismusmanagementstudium in die Modemetropolen der Welt, wo sie als Model im Scheinwerferlicht stand. Danach war sie Texterin, später Kreativdirektorin in internationalen Werbeagenturen. Seit 2006 arbeitet sie als freie Autorin in Wien, seit 2015 auch in der Steiermark und schreibt vorwiegend Kriminalromane und Kurzkrimis. Ihr erster Steirerkrimi „Steirerblut“ wurde von Wolfgang Murnberger als ORF-Landkrimi verfilmt. Weitere Verfilmungen ihrer Bestseller-Serie mit LKA-Ermittlerin Sandra Mohr sind in den nächsten Staffeln im TV zu sehen. Der vierte Band »Steirerkreuz« wurde mit dem österreichischen Publikumspreis »Buchliebling 2014« ausgezeichnet.

Wer mehr über Claudia Rossbacher erfahren will, dem sei die Homepage empfohlen: http://www.claudia-rossbacher.com

Claudia Rossbacher hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten:

Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Ich bin eine viel und weit gereiste gebürtige Wienerin, die nach Lehr- und Wanderjahren als Model, Werbetexterin und Kreativdirektorin nunmehr als Schriftstellerin angekommen ist. Die meiste Zeit lebe ich mit meinem Mann Hannes Rossbacher, einem begnadeten Maler, in einer idyllisch gelegenen Waldhütte auf 1.000 Metern Seehöhe in meiner steirischen Wahlheimat.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Auslöser war der Wunsch nach beruflicher Veränderung (die Begeisterung für die Werbung war mir mit den Jahren abhanden gekommen) sowie die Idee für einen Karibik-Thriller. Die Printausgabe meines Debütromans „Hillarys Blut“ ist inzwischen vergriffen, das e-Book zehn Jahre nach dessen Entstehung in einer überarbeiteten Fassung im Gmeiner Verlag erschienen.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt, zu schreiben?

Das Handwerk muss man, egal wie und wo, lernen. Möge das sprachlich-kreative Talent noch so außergewöhnlich sein. Umgekehrt nützt das Handwerk ohne die Begabung nur bedingt. Verfügt man über beides, sollte man ständig damit arbeiten, um besser zu werden. Wie Sportler müssen auch Schriftsteller regelmäßig trainieren und sich quälen, wollen sie konstant gute Leistungen erzielen. Selbstverständlich kann man auch nur aus Spaß schreiben. Mein Anspruch war es aber immer, in angemessener Zeit von meinen Büchern leben zu können. Das habe ich mit Disziplin, Zielstrebigkeit, Fleiß und dem nötigen Quäntchen Glück geschafft. Wäre mir das nicht gelungen, hätte ich mich längst einer anderen Profession zugewandt. Ausruhen darf ich mich aber nicht auf meinem Erfolg. Im Gegenteil: Ich arbeite weiterhin hart daran.

Wo ich das Schreiben gelernt habe? In der Schule, beim exzessiven Hören von Hörspielen, Bücherlesen und Geschichten erfinden, später beim Texten von Werbekampagnen. Bis auf einige wenige Kreativ-Workshops als Werberin und ein Drehbuchseminar basiert bei mir alles auf Learning by Doing.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich recherchiere erst einmal am Handlungsschauplatz, lasse mich dort inspirieren und suche nach einer reizvollen und tragfähigen Idee. Viel mehr als einen Klappentext habe ich nicht, wenn ich zu schreiben beginne. Ich lasse mich dann von den Figuren und der Handlung vorantreiben. Das hat den Vorteil, dass ich selbst oft überrascht werde. Dasselbe geschieht dann auch bei den Lesern. Vielleicht gelingt es mir deshalb, sie bei der Stange zu halten, weil meine Geschichten eben nicht konstruiert sind. Der große Nachteil an dieser Methode ist, dass ich in der Schreibphase immer wieder nachdenken und nachjustieren muss. Oftmals bekomme ich Panik, weil ich nicht sicher bin, ob sich am Ende alles ausgeht.

Wann und wo schreiben Sie?

Zuhause an meinem Schreibtisch. Ich brauche Ruhe und Zeit. Unterwegs kann ich nicht schreiben. Es sei denn, ich halte mich länger an einem Ort auf, der mir beides bietet.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Mittlerweile kann ich ganz gut abschalten. In der Natur, mit Freunden, beim Tennis spielen. Bloß nicht zu lange, sonst muss ich wieder von vorn anfangen, um in die Geschichte hineinzufinden. Zwischen zwei Romanen bereitet mir das Abschalten überhaupt keine Probleme.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Ich ringe ausschließlich um den Plot und kämpfe mit meinen Texten. Ansonsten liebe ich meinen Beruf, der mir so viel Abwechslung, außergewöhnliche Begegnungen und besondere Glücksmomente beschert. Ich schreibe, um meine Leser gut zu unterhalten, freue mich, dass es inzwischen so viele sind, die meine Bücher mögen. Einerseits genieße ich die Aufmerksamkeit und das Rampenlicht, andererseits mein stilles Kämmerlein, in dem ich vor mich hinschreiben kann, ohne dass mir jemand dreinredet. Was mich stört? Destruktive negative Kritiken. Obwohl ich die immer schneller verdaue, auch wenn sie schmerzen, zumal die positiven Meinungen stets überwiegen.

Wieso haben Sie sich für das Genre Krimi entschieden?

Auch als Leserin hatte ich schon immer ein Faible für spannende und gruselige Geschichten. Außerdem konnte aus der Idee zu meinem ersten Roman gar nichts anderes als ein Thriller werden.

Sie schreiben (unter anderem) Steirerkrimis. Wieso die Steiermark? Wäre das FBI in USA nicht knackiger? Oder wenigstens eine Grossstadt, zumal Sie ja früher oft in den verschiedenen Weltmetropolen gewesen sind?

Das dachte ich anfangs auch. Und habe mit einem Karibik-Thriller begonnen. Mein zweiter Thriller „Drehschluss“ ist auf Mallorca und in Berlin angesiedelt. Leider haben beide Bücher kaum jemanden interessiert, obwohl ich sie immer noch gelungen finde. Mit den Steirerkrimis habe ich dafür auf Anhieb ins Schwarze getroffen. Dabei wusste ich erst noch gar nicht, wo genau mein Opfer durch den Wald läuft, um seinem Mörder zu entkommen. Dann habe ich mich an meine Ferienlager in der Steiermark erinnert, dem waldreichsten Bundesland Österreichs. Zudem ist mein Mann gebürtiger Steirer, der aber die meiste Zeit seines Lebens in Wien verbracht hat. Inzwischen bin ich nicht nur Wahlsteirerin, sondern habe auch den verlorenen Sohn heimgeführt. Heute leben wir in der Nähe des Ferienlagers meiner Kindheit am Reinischkogel.

  1. Wie viele Steirerkrimis gibt es von Ihnen schon? Und wie viele sollen noch folgen?

Am 8.2.2017 erscheint mit „Steirerpakt“ der siebte Fall für mein ungleiches Ermittlerduo Sandra Mohr und Sascha Bergmann vom LKA Steiermark. Am achten schreibe ich bereits. Wie viele Bände es noch geben wird, weiß ich selbst nicht. So lange mir noch etwas Brauchbares einfällt und dermaßen viele begeisterte Leser auf Fortsetzungen warten, wäre es aber wahnwitzig, diese Serie zu beenden.

Österreich ist im Vergleich zu Deutschland eher klein (mit einem Zehntel der Einwohner). Empfinden Sie das als Nachteil (gerade durch die Ausrichtung der Landkrimis) oder sehen sie das sogar als Chance?

Erst einmal freue ich mich über die soliden Verkaufszahlen im eigenen Land, die keineswegs selbstverständlich sind. Und etliche Exemplare gehen ja auch über bundesdeutsche Ladentische und Online-Plattformen weg. Natürlich hätte ich nichts dagegen, zehnmal so viele Bücher wie jetzt zu verkaufen. Eine Umsatzsteigerung in Deutschland könnte demnächst drin sein, wenn der TV-Film „Steirerblut“ am 11. März 2017 erstmals zur Primetime in der ARD ausgestrahlt wird. Für Nachschub wird auch gesorgt: Der zweite Film „Steirerkind“ wird gerade für ARD und ORF nach meinem gleichnamigen Roman gedreht, ein dritter „Steirerkreuz“ soll folgen. Wir werden ja sehen … Auf alle Fälle sind österreichische Krimiautoren in Deutschland im Kommen, so sie nicht schon dort sind wie etwa Wolf Haas, Marc Elsberg, Andreas Gruber, Ursula Poznanski und Bernhard Aichner.

Was ist das für ein Gefühl, wenn Ihre Bücher verfilmt werden? Stolz, weil die Krimis offensichtlich ankommen? Auch etwas Angst, weil man doch einen Teil der Kontrolle über die eigenen Geschichten aufgibt?

Ein wenig stolz bin ich schon, weil die Bücher nicht ganz so schlecht sein können, wie manche Kritiker behaupten. Mir ist aber auch klar, wie viel Glück dabei war, als von hunderttausenden Büchern ausgerechnet meine zur Verfilmung auserkoren wurden. Dass ich mit dem Verkauf der Filmrechte die Kontrolle größtenteils abgebe, war mir von Anfang an klar. Auch hatte ich keine Lust, meinen Roman selbst zu zerfleddern, um ein Drehbuch daraus zu machen, bei dem viel zu viele Leute mitreden. Außerdem: Was habe ich als Romanautorin schon zu verlieren? Schlimmstenfalls finden die Leute meine Bücher besser als die Filme.

Haben sie Mitspracherechte am Set?

Ich könnte in der Drehbuchphase Bedenken anmelden. Am Set ist es dafür zu spät.

Die nächste Criminale steht vor der Tür, Sie sind in der Wettbewerbs-Jury. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Ich bin nicht nur in der Jury für den besten Debütroman, sondern auch in der SOKO, dem lokalen Organisationsteam, und fungiere zudem als Herausgeberin der Criminale-Anthologie „SOKO Graz – Steiermark“, die im April im Gmeiner Verlag erscheint. Für die Juryarbeit habe ich mich gemeldet, um diese Erfahrung einmal gemacht zu haben. Außerdem interessiert es mich, welche neuen Autoren nachkommen, und ob sie vielleicht außergewöhnliche Herangehensweisen an das Genre haben. Immerhin zwei von rund 90 Autor/innen konnten mich mit ihren Büchern begeistern, darunter auch der/die Preisträger/in.

Selfpublishing und E-Books haben den Buchmarkt in Aufregung versetzt. Man hört kritische Stimmen gegen Verlage wie auch abschätzige gegen Selfpublisher. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Es gibt viel zu viele schlechte Verlage und schlechte Autoren. Ich für meinen Teil fühle mich beim Gmeiner Verlag sehr gut aufgehoben, was Autoren über ihre Verlage ja eher selten behaupten, meistens zu recht. Wäre es anders, würde ich mich nach einem renommierten Verlag umsehen, dessen Bücher in den Buchhandlungen gut repräsentiert sind und der mich als Autorin wertschätzt und unterstützt, bevor ich meine Bücher um 99 Cent übers Internet verschleudere. Wäre ich Anfängerin und würde keinen Verlag für mein Werk finden, wäre ich vermutlich auch unter den abertausenden Selfpublishern, um mein Glück zu versuchen, in der Hoffnung, dass sich Qualität irgendwann durchsetzt.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Es muss mich von Anfang in die Handlung hineinziehen, mich unterhalten und am besten nicht mehr loslassen. Egal, ob es sich um Belletristik oder Sachbuch handelt. Komplizierte Satzkonstrukte und gekünstelte Sprache mag ich überhaupt nicht, auch kein ausuferndes Geschwafel, dass nicht der Handlung oder der Figurenentwicklung dient.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

  • das Handwerk beherrschen beobachten,

  • zuhören und dazulernen

  • akribisch anTexten feilen

  • seine Leserschaft kennen und wertschätzen

  • sich für alle Anforderungen des Berufs rüsten, Schreiben im stillen Kämmerlein reicht schon lange nicht mehr. Um als Schriftsteller erfolgreich zu sein, braucht es ein umfassendes Gesamtpaket.

Herzlichen Dank für diese Antworten!