Tagesgedanken: Selbstsorge

«Man kommt unbescholten in eine Welt, die man sich nicht ausgesucht hat, und wird oft in frühen Jahren mit Ballast bestückt, den man dann als Rucksack durchs Leben trägt. Bis man genau hinschaut, ihn bemerkt. Das tut erst mal weh, ist aber wichtig, um ihn abziehen zu können.»

Vieles in unserem Verhalten läuft unbewusst ab. Wir reagieren auf Situationen oft nicht aus der Situation heraus, sondern durch unsere Prägungen, die unser Verhalten steuern. Das führt dazu, dass wir uns in immer wieder ähnlichen Mustern verfangen, dass wir gewisse Konflikte immer wieder austragen, weil wir auf eine Art reagieren auf Situationen, die uns im Nachhinein selbst fragwürdig erscheint, die derselben nicht angemessen ist. Dadurch entsteht viel Leid, Leid, das vermeidbar wäre, wenn wir genau hinschauen würden, um herauszufinden, auf welchem Boden dieses Verhalten gedeiht.

Oft stecken Prägungen aus der Kindheit dahinter. Glaubenssätze, die sich in uns festgesetzt haben, steuern unser Selbstverständnis, welches oft mit einem mangelnden Selbstwertgefühl einhergeht. Weil wir uns dadurch verwundbar fühlen, versuchen wir, uns zu schützen, schiessen dabei aber übers Ziel hinaus. Das ist schwierig für uns selbst und für unser Umfeld. Da wir als soziale Wesen dieses Umfeld dringend brauchen und auch wollen, ist das für uns doppelt leidvoll.

Am einfachsten wäre, die anderen würden uns einfach so akzeptieren, wie wir sind und alles wäre in Ordnung – denken wir. Doch, stimmt das? Täten wir uns damit wirklich einen Gefallen? Wäre das nicht ein Verharren in einer Unmündigkeit, in welcher wir die Augen verschliessen vor der Wirklichkeit? Sokrates nannte als oberstes Gebot für ein gutes Leben:

«Erkenne dich selbst.»

Was sind meine Werte? Welche Werte sind mir wichtig, welche möchte ich durch mein Tun und Sein verkörpern? Nur wenn wir eine Ausrichtung haben im Leben, können wir uns auch auf den Weg machen. Ansonsten bedeutet Leben ein sich Treibenlassen, ohne selbst Steuermann zu sein.

Weiter rief Sokrates dazu auf, authentisch zu sein, wahrhaftig gegen sich und andere, sich und andere nicht zu betrügen. Nur wer mit sich im Reinen ist, kann auch friedlich in einer Gemeinschaft leben. Als Drittes nannte Sokrates die Neugier:

«Echtes Wissen besteht im Wissen, nicht zu wissen.»

Darin steckt der Wunsch, Neues zu lernen, weiterzugehen, offen zu sein für das, was die Welt zu bieten hat, statt sich auf vermeintlichem Wissen auszuruhen. Es steckt auch eine Haltung der Demut dahinter, nämlich die Erkenntnis, wie unendlich klein wir sind im grossen Ganzen. Wie viel Wissen da draussen ist und wie wenig davon wir wissen.

«Die Selbsterkenntnis gibt dem Menschen das meiste Gute, die Selbsttäuschung aber das meiste Übel.»

Das oberste Ziel für ein gutes Leben ist, mit anderen in Frieden und Harmonie zusammenleben zu können. Um das zu erreichen, muss man bei sich selbst anfangen. Das gute Leben fängt mit einer Selbstsorge an, die zu einer Seelenruhe führt. Aus dieser inneren Harmonie heraus kann auch eine äussere gelingen. Und dann reagieren wir nicht mehr getrieben von fremden Prägungen im Affekt, sondern gelenkt von unseren eigenen Werten und Vorstellungen.

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