Tagesgedanken: Schreiben

«Ich brauchte einige Jahre, um herauszufinden, was ich war. Eine Schriftstellerin. Womit ich nicht eine ‚gute‘ oder eine ‚schlechte‘ Schriftstellerin meine, sondern einfach eine Schriftstellerin, ein Mensch, der seine tiefsten und leidenschaftlichsten Stunden damit verbringt, Wörter auf einem Stück Papier anzuordnen.»

Das schrieb Joan Didion und ich fühle, da ist eine Gleichgesinnte, da ich jemand, der mich versteht. Das Gefühl, wenn die Buchstaben fliessen, das Gefühl, wenn die Gedanken langsam auf dem Papier Gestalt annehmen, der Fluss des Schreibens, der ein unaufhaltsamer zu sein scheint plötzlich, wenn sich Wort an Wort in Sätze giesst, die zu dem werden, was im Kopf vorgeht, das aber vorher nicht so bewusst war, wie es nun wird, da es vor mir schwarz auf weiss erscheint. 

Schreiben ist die erste Tätigkeit des Tages und es zieht sich durch diesen hindurch. Lesen ist die Beschäftigung, die gleich danach kommt, die das Schreiben begleitet teilweise, ihm vorauseilt, um schliesslich oft den Tag auch zu beenden. Und so ziehen die Tage mit ihren Wörtern ins Land, Notizbücher füllen sich, Dokumente werden eröffnet, gefüllt, geschlossen, neue Welten entstehen, die vormals in meinem Kopf waren, nun ihren Weg in die Freiheit gefunden haben. Und in jedem Text komme ich mir wieder neu auf die Spur. Denn es ist, wie Joan Didion sagt:

«Ich schreibe ausschliesslich, um herauszufinden, was ich denke, was ich anschaue, was ich sehe und was das bedeutet. Was ich will und wovor ich mich fürchte.»

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Buchtipp: Joan Didion: Was ich meine

Joan Didion schrieb mal, dass sie nur darum schreibe, um herauszufinden, was sie denkt, fühlt, sieht. In diesem Buch werden wir Zeuge davon. In zwölf Essays lernt der Leser Amerika aus ihrem Blick kennen, erfährt mehr über ihr Leben in diesem Land und mit den Herausforderungen, die das Leben birgt. Mit ihrem Erzählen schafft es Joan Didion immer wieder, die Augen des Lesers für die Welt zu öffnen.

Angaben zum Buch:
Herausgeber: Ullstein Hardcover (24. Februar 2022)
ISBN-13: 978-3550201813
Übersetzung: Antje Rávik Strubel
Originaltitel: Let Me Tell You What I Mean

2 Kommentare zu „Tagesgedanken: Schreiben

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