Andreas Salcher: Die grosse Erschöpfung und die Quellen der Kraft

Dem Leben mit mehr Kraft begegnen

Inhalt
Immer mehr Menschen klagen über Erschöpfung, immer mehr Menschen fallen in ein Burnout. Schaut man in die Welt, scheint der Grund dafür klar: Die immer grösseren Belastungen durch den Leistungsdruck, die Klimakatastrophe, Pandemien und Kriege – die Welt scheint nicht mehr sicher, das eigene Überleben wird immer herausfordernder. Der Umstand, dass diese äusseren Umstände viele Menschen betreffen, davon aber nicht alle erschöpft sind, deutet darauf hin, dass die Gründe tiefer liegen müssen, dass sie beim Menschen selbst gesucht werden sollten.

Andreas Salcher geht der Frage nach diesen Gründen nach und er beruft sich dabei immer wieder auf drei Menschen: Viktor Frankl, der trotz seinen grausamen Erfahrungen als Überlebender Sinn im Leben sah, Mihaly Csikszentmihalyi, der sein Leben der Erforschung des Glücks gewidmet hat, und den Benediktinermönch David Steindl-Rast, der zu Innehalten und Ruhe für die richtige Entscheidung zum Tun aufrief.

Zu lernen, mit Frustration und Ablehnung umzugehen, ist ein Schlüssel zu einem gelungenen Leben. Unsere Einstellung ist unsere grösste Freiheit, die wir uns von niemandem nehmen lassen sollten.“

In vielen, oft wie zusammengewürfelt erscheinenden Beispielen, Gedankengängen und Geschichten kreist Andreas Salcher sein Thema ein, beleuchtet es von den verschiedensten Seiten und fördert so einem Goldschürfer gleich Erkenntnisse ans Tageslicht. Er zeigt auf, wie falsche Erwartungen, zu viel Fremdbestimmung und zu wenig Selbstverantwortung regelrecht krank machen können, und nennt wirkungsvolle Werte und Haltungen, besser mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen.

„Du bist für dein Denken und Handeln, deine Sicht auf die Welt und deren Konsequenzen selbst verantwortlich.“

Der Weg zum Glück ist kein einfacher, er braucht Disziplin, den Mut, genau hinzuschauen und den Willen, etwas zu tun. Wichtig dabei ist, zu entscheiden, was wirklich selbstgewolltes und passendes Tun ist und wo wir äusseren Erwartungen und Zwängen unterliegen. Die nächste Herausforderung ist, für das eigene Tun die Verantwortung zu übernehmen, im Wissen, dass es unsere Wahlfreiheit war, die dieses Tun bewirkt hat. Und bei all dem dürfen wir nicht vergessen, dankbar zu sein für das, was uns möglich ist und für das Gute, das wir oft zu schnell übersehen.

Fazit
Andreas Salcher ist es gelungen, ein wichtiges Thema unserer Zeit aus verschiedenen Blickrichtungen zu beleuchten, es anschaulich und verständlich zu präsentieren und lebenspraktische Herangehensweisen für eine Verbesserung der eigenen Lebensqualität zu skizzieren. Ein Buch, das ich sehr empfehlen kann.

Lesemonat November – Ein Rückblick

Der November war grau zu mir – vor allem, was das Wetter anbelangte. Sonst schaue ich sehr dankbar auf einen Monat zurück, der gut tat, der von Zufriedenheit, Freude, Energie und schönen Momenten geprägt war. Zu den letzteren gehörten auch einige Lesemomente. Es war ein guter Monat, wenn auch ein paar Bücher nicht ganz dem entsprachen, was ich mir davon erhofft hatte.

Ich habe mich dem Osten zugewandt, hauptsächlich Yoga, Ayurveda und Buddhismus. Es waren Bücher, die nicht zwischen Buchdeckeln stecken bleiben wollen, sondern ins Leben greifen. Es waren Bücher, die dazu anregten, das Gelesene in der Praxis umzusetzen, Bücher, die zu mehr Bewusstsein für das eigene Sein und Tun aufriefen. Das meiste war zwar nicht neu für mich von den Gedanken her, aber manchmal helfen verschiedene Anläufe und Ansätze, Dinge besser zu verinnerlichen, so dass sie dann von innen heraus ins Leben wirken.

Hier die vollständige Leseliste:

Anna Trökes: Yoga der Verbundenheit. Die Kraft des Herzens wahrnehmen und entfaltenWenn wir von uns sprechen, sprechen wir von unserem Herzen, denn da sitzt unsere Essenz, das, was uns ausmacht. Oft haben wir diesen Zugang verloren, was sich im Leiden an uns selbst und im Umgang mit anderen Menschen zeigt. Anna Trökes zeigt Wege zurück an, hin zu einer Verbundenheit mit dem eigenen Herzen, mit sich und der Welt. Verschiedene, praktisch umsetzbare, teilweise auf einer CD angeleitete Übungen sollen dabei helfen. 5
Thich Nhat Hanh: Alles, was du tun kannst für dein GlückViele einfach zu praktizierende Übungen, die mehr Glück ins Leben bringen sollen. Glück entsteht dann, wenn der Geist im Körper präsent ist und so im Hier und Jetzt achtsam den Augenblick lebt, dann ist der Mensch lebendig und glücklich. Ein Buch, das aufruft, nach innen zu schauen, die eigenen Gefühle und Muster zu erkennen, das eigene Leid anzunehmen, und mit Liebe, Güte und Achtsamkeit anderen Lebewesen und der Welt zu begegnen. 4
Gertrud Hirschi: Yoga 7×7abgebrochen – zu oberflächlich und zu einfach, hat mich nicht angesprochen
Remo Rittiner: Im Einklang mit dem Herzenabgebrochen – zu esoterisch, der Schreibstil hat mir nicht entsprochen. Es wirkt noch zu wenig ausgegoren, er hätte wohl seinem Kopf folgen sollen und das Buch erst in einem Jahr schreiben
Marion Küstenmacher: Wo die Seele Atem holtZu oberflächlich, zu wenig Tiefgang, mit der Zeit wirkt es ein wenig beliebig
Elena Lustig: Pro Age Life. Das Yoga-Praxisbuch für gesundes ÄlterwerdenÄlter-Werden ist verbunden mit Einschränkungen, Abbau und vermehrt Krankheiten. Wir werden das nicht ganz beseitigen können, aber wir haben viel in der Hand, gesünder älter zu werden und dem Abbau etwas vorzubeugen. Mit vielen Tipps zu Ernährung, Lebenshaltung und Yogastellungen gelingt es, dem Älter-Werden auch positive Seiten abzugewinnen. Das Rad wurde nicht neu erfunden, vieles ist bekannt und auch banal, doch es ist ein informatives und schön gestaltetes Buch.4
Ryan Holiday: Mut. Das Glück ist mit dem Tapferenabgebrochen – zu viele und lange Erzählungen und Geschichten, zu wenig Substanz und Aussage. Die vereinzelten guten Sätze muss man förmlich suchen in all dem Text.2
Michael Stone: The Inner Tradition of YogaYoga wird heute häufig nur auf der Matte als Asanas praktiziert, doch ohne die zugrunde liegende Philosophie ist es kein Yoga, sondern Turnen. Michael Stone zeigt, wie elementar die philosophischen Quellen für die heutige Praxis sind, er beschreibt Yoga als einen Weg auf und neben der Matte, als Haltung von innen heraus mit dem Ziel, sich für die Verbundenheit mit sich, den Menschen und der Welt zu erfahren. 4
Eckard Wolz-Gottwald: Yoga-Weisheit leben. Philosophische Übungen für die PraxisEin Blick auf historische Hintergründe des Yoga, den Weg des Yoga an sich, die Philosophie, die hinter der Übungspraxis liegt und weitere Themen des Yoga. Jedes Thema wird mit einer Übung zur Selbstreflexion und der Hinterfragung der eigenen Praxis abgerundet. Ein inspirierendes Buch mit leider zu vielen Wiederholungen und sprachlichen Fehlern. 4
Dr. Andrea Klemmer: Die faszinierende Welt der Hormone. Wie winzige Botenstoffe unseren Körper steuern und was wir für unsere Hormonbalance tun könnenInformatives, umfassendes und verständliches Buch über unser Hormonsystem. Was sind Hormone, wo werden sie gebildet und wie wirken sie? Was passiert bei einer Störung und wie kann man eine solche vermeiden oder beheben? Diesen Fragen geht die Autorin nach. Das Buch eignet sich auch als Nachschlagewerk. Gefehlt haben veranschaulichende Bilder und Schemen.4
Anjali und R. Sriram: Yoga und Gefühle. Mit allen Sinnen lebenEin Aufruf, unsere Gefühle ernst zu nehmen und zu leben. Mit Hilfe von Atemübungen und Meditationen sollen Blockaden gelöst werden und der Zugang zu den eigenen Gefühlen geöffnet. Es gilt, sie anzunehmen und auszuleben, dies aber immer mit dem Bewusstsein, woher sie kommen und wie sie gut eingesetzt sind. Wichtig ist, dass es keine guten oder schlechten Gefühle sind, erst unser Umgang mit ihnen entscheidet, wie sie sich auswirken in unserem Leben. 4
Anna Trökes: Yoga der EnergieEin überblick über den Yogaweg, die philosophischen Schriften und Lehren, die tantrischen Hintergründe und darüber, was Yoga bewirken kann. Eine Einführung in den Yoga der Energie mit den wichtigen Übungsabfolgen, sowie die Erläuterung der verschiedenen Wirkungen auf den unterschiedlichen Ebenen des Seins bei ausgewählten Übungen. 5


Die Highlights des Monats waren die beiden Bücher von Anna Trökes. Zwar las ich in beiden nichts Neues, vieles vom Geschriebenen findet sich auch in anderen Büchern derselben Autorin, und doch finde ich es immer wieder schön, eine Autorin so aus dem Herzen, so fundiert und so verständlich schreibend zu lesen.

Was waren eure Lesehighlights des Monats? Was hat euch generell im November gefreut?

Anna Trökes: Yoga der Verbundenheit. Die Kraft des Herzens wahrnehmen und entfalten

Erfüllung auf und neben der Yogamatte

Inhalt

„Sei offen und lass dich immer wieder überraschen, was geschehen will, sobald du die Matte betrittst. Sei wahrhaftig und ehrlich mit dir – und dann tu, was du kannst, so gut du es kannst! Und das ist gut so!“

Offen bleiben, sich nicht verhärten und schon gar keinen Dogmen folgen oder selbst welche aufstellen. Yoga heisst, mit offenem Blick die eigenen Meinungen und Ansichten (auch über sich selbst) zu hinterfragen und sich zu öffnen für das, was möglich ist, für neue Sicht- und Lebeweisen. Mit Yoga können wir einen Weg zu unserem Herzen öffnen, es von innen heraus stärken und aus dieser starken Mitte heraus in die Welt treten.

Anna Trökes zeigt in ihrem Buch, wie wir dahin kommen, mehr zu uns zu finden, in uns die Kraft zu entdecken und zu fördern, die hilft, in der Welt als die, die wir sind und sein wollen, zu bestehen – als aktiver und eingebundener Teil dieser Welt. Das bedeutet immer auch, uns selbst zu hinterfragen, hinzuschauen, was wir brauchen, und das ernst zu nehmen. Es geht darum,

„…dass wir unsere eigenen Anliegen und Ziele ernst nehmen und aus diesem Grund ein echtes, im Herzen gegründetes Interesse zeigen, unserem Anliegen – wie zum Beispiel unserer Yoga-Praxis – die Priorität und genügend Zeit einzuräumen.“

Anna Trökes beschreibt in ihrem Buch, wie wir mit Hilfe von Yoga wieder Verbindung mit unserem Herzen aufnehmen können, um aus dieser Qualität heraus zu handeln. Wenn sie beschreibt, was wichtig ist für die Yogapraxis, indem sie auf die Philosophie Patanjalis, dem Autor der Yoga Sutras, verweist, klingen schon die Anweisungen für die Übungen auf der Matte so, dass man sie auch aufs Leben neben der Matte anwenden kann:

„Um mehr Stabilität und Leichtigkeit zu finden, sollen wir das aktuell für uns angemessene Mass an Anstrengung (Prayatna) finden und alle dabei auftretenden überflüssigen Anspannungen erkennen und gleich wieder loslassen (shaithilya). Ob das gelingt, zeigt uns unser Atem.“

Yoga ist mehr als die blosse Übungspraxis auf der Matte, es ist eine Philosophie, die Jahrtausende alt ist. Ziel ist es, sich zu befreien von äusseren und inneren Beschränkungen, vom Abgetrennt-Sein (Entfremdung vom eigenen Sein und von der Welt). Es weist einen Weg der Verbundenheit, die im Herzen gründen soll. Den Weg zum Ziel beschreibt Patanjali als achtstufigen Pfad, an deren Anfang ethische Grundhaltungen und der sorgsame Umgang mit sich selbst stehen. Nur wenn wir uns diese zu Herzen nehmen, können wir darauf aufbauen und uns entfalten.

Mit praktischen Übungen führt uns Anna Trökes dahin, wie wir unser eigenes Leben in die Hand nehmen und aktiv gestalten können, wie wir uns in die Welt einbringen können. Sie beschreibt Wege hin zu mehr Verbundenheit mit unserem Körper und mit anderen Menschen. Mit einfachen Übungen kann jeder selbst ausprobieren, was es heisst, mehr Entspannung zu finden und in sich Raum für Zuflucht zu schaffen in schwierigen Zeiten.

Fazit
Ein schön gestaltetes, informatives und lebenspraktisches Buch für ein entspannteres und erfüllteres Leben auf und neben der Matte. Sehr empfehlenswert!

Zur Autorin
Anna Trökes ist eine Pionierin des deutschen Yoga. Sie unterrichtet seit 1974 und ist seit fast 40 Jahren eine Institution in der Yoga-Lehrer-Ausbildung des Berufsverbandes der Yoga-Lehrenden in Deutschland (BDYoga) und lehrt europaweit Yoga-Philosophie, Pranayama, Meditation und die fortgeschrittenen Aspekte der Hatha-Yoga-Praxis. Die bekannte Autorin hat mehr als 30 Bücher veröffentlicht.

Angaben zum Buch
Herausgeber : O.W. Barth; 1. Edition (3. April 2017)
Broschiert : 304 Seiten
ISBN-13 : 978-3426292648

Lebenskunst: Befreiung von selbstgemachtem Leid

«Unser wahrer Feind ist nicht ausserhalb von uns, sondern sitzt in uns selbst.» Dalai Lama

Wie oft stehen wir uns im Leben selbst im Weg. Wir sehen die Dinge, wie wir sie sehen und bilden uns ein, sie zu erkennen, zu wissen, wie sie sind. Doch ist unser Sehen immer geprägt von unseren Gedanken, die wiederum verschiedene Herkünfte haben, allesamt dazu da die wahre Sicht zu verstellen und die Dinge im Licht unserer Prägungen zu sehen.

«Das Nichtwissen, also das Glauben, dass die Dinge, wie sie erscheinen, nämlich als unabhängig und autonom, ohne von Ursachen abzuhängen, ist die Wurzel aller irrtümlicher Vorstellungen.» Dalai Lama

Aus den Vorstellungen, wie die Dinge also seien, bilden sich dann in uns neue Gedanken, oft solche, die uns mehr behindern als fördern. Wir sehen Hindernisse auf dem Weg hin zur Erfüllung von Wünschen oder Erreichung von Zielen. Wir bilden Abneigungen aufgrund von erfahrenen Verletzungen und gefühlten Risiken, oder Abhängigkeiten und Begehren aufgrund von positiven Zuschreibungen: Ich muss etwas unbedingt haben, denn es wird mich glücklich machen. Damit fördern wir sicher kein Glück, sondern im Gegenteil eher Leid. So ist denn im Buddhismus auch die Sicht vertreten, dass es im Leben viel um Leiden geht, dass wir leiden, weil wir falschen Vorstellungen anhängen, die uns auf unserem Weg raus aus dem Rad der Wiedergeburt (Samsara) behindern und damit der inneren Harmonie im Wege stehen.

Wenn wir es schaffen, das zu erkennen, steht dem eigenen Weiterkommen nichts mehr im Weg. Dann können wir eine Weisheit entwickeln, die immer bedeutet: Erkennen, was wirklich ist, die wahre Natur allen Seins und aller Dinge zu erkennen und aus diesem Erkennen heraus zu handeln. Dies führt zu einer Befreiung und damit auch hin zum obersten Ziel: Nirvana. Wir können dies selbst fördern, indem wir uns in den sechs Vollkommenheiten üben:

«Buddha erläuterte den vollkommenen Weg auf der Grundlage der Erfahrung des erwachenden Geistes und der sechs Vollkommenheiten: Grossherzigkeit, Disziplin, Geduld, Bemühen, Konzentration und Weisheit.» Dalai Lama

Was dabei ganz wichtig ist: Geduld. Der Dalai Lama, ein weiser Mensch, sagt von sich selbst, dass er sich nun seit über 70 Jahren der Meditation widmet und noch immer nennt er seine Einsichten armselig. Daran zu verzweifeln und aufzuhören, wäre aber der falsche Weg: Geduld ist das Zauberwort und die Disziplin des weiteren Übens der Weg. Und mit dem Bewusstsein können auch wir uns auf den Weg machen. Vielleicht erreichen wir nicht das Nirvana, aber ein wenig mehr wirkliche Freiheit, Freude und die Zuversicht, dass unsere Ziele erreichbar sind – wenn wir uns nicht selbst ein Feind sind und uns im Weg stehen.

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Buchtipp:
Dalai Lama: Das kleine Buch der Harmonie: Durch Meditation zur innersten Erkenntnis
In kurzen, prägnanten Absätzen und einen längeren Text führt uns der Dalai Lama hin zur Erkenntnis der wahren Natur der Dinge und zeigt uns einen Weg auf hin zu mehr Weisheit, weniger Täuschung und damit der Befreiung.

Angaben zum Buch:
Verlag: Herder Verlag (8. März 2021)
Taschenbuch: 176 Seiten

Tagesgedanken: Die Welt teilen

Da sitzt man so in dieser Welt und mit einem leben viele andere ebenfalls da. Man hat sie nicht ausgewählt, man kennt sie häufig gar nicht, sie sind mitunter sehr verschieden von einem selbst – und man versucht, irgendwie damit klarzukommen. Die eigene Sicht wird in Frage gestellt, die eigenen Überzeugungen treffen auf fremde. Damit umzugehen ist nicht immer leicht und oft kommt es dadurch zu Streit. Wir vergessen schnell einmal, dass wir als die, welche wir sind, nur das sehen, was in unserem Blickfeld ist, weil wir stehen, wo wir stehen. Der andere steht vielleicht anders, sieht dadurch andere Facetten, die von uns aus unsichtbar sind. Und doch beharren wir gerne auf unserer Sicht – sie ist schliesslich alles, was wir haben. Denken wir. Als die Einzelnen, die wir sind.

Wir könnten mehr haben. Und es wäre wichtig und nötig, dies zu sehen und uns entsprechend zu verhalten. Wir sind nicht nur Einzelne, wir sind auch ein Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft. Wenn wir als die zusammenleben wollen (und wir haben quasi keine andere Wahl), müssen wir einen Weg finden, die Welt nicht nur zu bewohnen, sondern sie zu teilen. Dann entstünden

«Gemeinschaften, in denen das, was allgemein, jeder und jedem zukommend und für alle verbindlich ist, nicht etwas Vorausgesetztes und vermeintlich Selbstverständliches ist, sondern ein erst in Praktiken und Beziehungen herzustellender Bezugspunkt, den wir teilen müssen, um ihn zu erfahren: gekommen, um zu bleiben.»

Wir müssen realisieren, dass wir einander brauchen, denn keiner schafft alles allein. Hannah Arendt sagte, dass wir ohneeinander verloren wären. Dies sollten wir uns hinter die Ohren schreiben. Wir alle haben das gleiche Recht, auf dieser Welt zu wohnen, wir alle möchten das möglichst friedlich tun. Wir haben es in der Hand, in was für einer Gemeinschaft wir leben wollen, denn wir tragen unseren Anteil dazu bei. Es ist an uns – wie Sabine Hark schreibt:

«Gemeinschaftlichkeit dergestalt zu imaginieren, dass neue, transversale und nicht an der Grenze der menschlichen Spezies Halt machende Verwandtschaften zwischen Verschiedenen, die doch füreinander Gleiche sind, wirklich werden.»

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Buchtipp: Sabine Hark: Gemeinschaft der Ungewählten. Umrisse eines politischen Ethos der Kohabition, edition suhrkamp, Berlin 2021.

Tagesgedanken: Schreiben

«Ich brauchte einige Jahre, um herauszufinden, was ich war. Eine Schriftstellerin. Womit ich nicht eine ‚gute‘ oder eine ‚schlechte‘ Schriftstellerin meine, sondern einfach eine Schriftstellerin, ein Mensch, der seine tiefsten und leidenschaftlichsten Stunden damit verbringt, Wörter auf einem Stück Papier anzuordnen.»

Das schrieb Joan Didion und ich fühle, da ist eine Gleichgesinnte, da ich jemand, der mich versteht. Das Gefühl, wenn die Buchstaben fliessen, das Gefühl, wenn die Gedanken langsam auf dem Papier Gestalt annehmen, der Fluss des Schreibens, der ein unaufhaltsamer zu sein scheint plötzlich, wenn sich Wort an Wort in Sätze giesst, die zu dem werden, was im Kopf vorgeht, das aber vorher nicht so bewusst war, wie es nun wird, da es vor mir schwarz auf weiss erscheint. 

Schreiben ist die erste Tätigkeit des Tages und es zieht sich durch diesen hindurch. Lesen ist die Beschäftigung, die gleich danach kommt, die das Schreiben begleitet teilweise, ihm vorauseilt, um schliesslich oft den Tag auch zu beenden. Und so ziehen die Tage mit ihren Wörtern ins Land, Notizbücher füllen sich, Dokumente werden eröffnet, gefüllt, geschlossen, neue Welten entstehen, die vormals in meinem Kopf waren, nun ihren Weg in die Freiheit gefunden haben. Und in jedem Text komme ich mir wieder neu auf die Spur. Denn es ist, wie Joan Didion sagt:

«Ich schreibe ausschliesslich, um herauszufinden, was ich denke, was ich anschaue, was ich sehe und was das bedeutet. Was ich will und wovor ich mich fürchte.»

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Buchtipp: Joan Didion: Was ich meine

Joan Didion schrieb mal, dass sie nur darum schreibe, um herauszufinden, was sie denkt, fühlt, sieht. In diesem Buch werden wir Zeuge davon. In zwölf Essays lernt der Leser Amerika aus ihrem Blick kennen, erfährt mehr über ihr Leben in diesem Land und mit den Herausforderungen, die das Leben birgt. Mit ihrem Erzählen schafft es Joan Didion immer wieder, die Augen des Lesers für die Welt zu öffnen.

Angaben zum Buch:
Herausgeber: Ullstein Hardcover (24. Februar 2022)
ISBN-13: 978-3550201813
Übersetzung: Antje Rávik Strubel
Originaltitel: Let Me Tell You What I Mean

Tagesgedanken: Glück mit Aristoteles

Es ist immer wieder erstaunlich, wie aktuell noch heute die Gedanken der alten Griechen sind. Wenn man durch Aristoteles’ Schriften blättert, finden sich Aussagen zum Menschsein, zum Leben darin, die an Gültigkeit nichts verloren haben. Ein Zeichen dafür, dass wir trotz der vielen offensichtlichen Veränderungen in der Welt über die Jahrtausende hinweg im Wesen noch immer ähnlich denken und sind. Schon Aristoteles hat sich zum Beispiel mit der Frage auseinandergesetzt, was ein gutes Leben ist, was es im Leben braucht, um glücklich zu sein. Er befand, dass viel an einem selbst liegt dabei:

«Tatsächlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied und kann sich an jedem beliebigen Punkt seines moralischen Werdegangs für ein gutes Leben entscheiden.»

Ein gutes Leben ist für Aristoteles eines, in dem man auf der Basis der eigenen Vernunft versucht, das Richtige zu tun. Es gilt also, als Einzelner in sich zu gehen und zu ergründen, was man will, wo die eigenen Werte liegen, wie man handeln will – die eigenen Absichten entscheiden über richtig oder falsch im Tun.

«Selbstgenügsamkeit oder auch Selbständigkeit (autarkeia) ist ein Schlüsselelement in Arostoteles’ Konzept einer guten und damit glücklichen Lebensführung.»

Ein Leben kann zudem nur dann ein glückliches sein, wenn man sich selbst genug ist. Sobald man das eigene Glück von anderen abhängig macht, ist es gefährdet, da man es aus den eigenen Händen gibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass man das Leben nur auf sich gestellt und allein leben soll, damit würde man viel verpassen an Freude und Schönem. Freundschaft ist für Aristoteles ein grosses Gut, Freunde gilt es zu pflegen, denn sie sind eine Bereicherung für das eigene Leben.

«Für Aristoteles hingegen stellen Freunde auch für das Leben der Selbstgenügsamen eine Bereicherung dar… Freunde sind etwas inhärent Gutes im ‘äusseren’ Leben.»

Als soziale Wesen sind wir auf das Dasein anderer Menschen angewiesen, wir wären nicht lebensfähig ohne. Damit das Zusammenleben aber gelingt, bedarf es der richtigen Einstellung, da Freunde gut behandelt werden wollen. Freundschaft beruht vor allem immer auf einer Gegenseitigkeit. Es geht nicht an, nur profitieren zu wollen, man muss immer auch bereit sein, etwas zurückzugeben. Das soll nicht als Buchhaltung verstanden sein, sondern als tiefe Überzeugung, dem anderen etwas Gutes und das dazu Nötige tun zu wollen. Diese Grundhaltung kann nicht auf jedem Boden gedeihen, sie gedeiht da, wo Liebe ist, wo das tiefe Gefühl der Mitmenschlichkeit herrscht – und das fängt immer bei sich selbst an. So sagt denn Aristoteles auch,

«…dass man sich unbedingt selbst lieben muss, um gut leben und andere Menschen gerecht behandeln zu können.»

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Buchtipp: Edith Hall: Was würde Aristoteles sagen? Zehn philosophische Lektionen für das Glücklichsein

Edith Hall greift auf Aristoteles zurück, und präsentiert mit seiner Hilfe zehn Lektionen zum Glücklichsein. Für den antiken Denker war Glück eine innere Zufriedenheit, die jeder durch sein eigenes Verhalten erreichen kann. Das dazu nötige Verhalten ist ein ethisches, eines, das Tugenden hochhält, das im Umgang mit sich und anderen einer Tugendethik verpflichtet ist. Hall veranschaulicht die aristotelischen Grundsätze und Erkenntnisse anhand zeitgemässer Beispiele und eigenen Lebenserfahrungen.

Zur Autorin:
Edith Hall, geboren 1959, ist Professorin für Altertumswissenschaften am King’s College in London und zugleich Mitgründerin des Archive of Performances of Greek and Roman Drama an der Universität Oxford. Sie verfasste mehrere Bücher zu Themen der griechischen Geschichte und Literatur, u.a. eine Kulturgeschichte von Homers »Odyssee« sowie eine Geschichte der antiken Sklaverei. 2015 erhielt sie die »Erasmus-Medaille« der Academia Europea für herausragende Verdienste um die europäische Kultur und Wissenschaft.

Angaben zum Buch:

  • Herausgeber ‏ : ‎ Siedler Verlag (27. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3827500974
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3827500977
  • Originaltitel ‏ : ‎ Aristotle’s Way: Ten Ways Ancient Wisdom Can Change Your Life
  • Übersetzer: Andreas Thomsen

Verantwortung übernehmen

Wir leben in dieser Welt und sind von ihr abhängig, da wir ohne sie nicht leben könnten. Und doch verhalten wir uns so, als ginge die Welt uns nichts an, als könnten wir uns in der Natur bedienen, diese ausbeuten und zerstören, ohne dass dies irgendetwas mit uns zu tun hat. Wir zerstören die Leben von Tausenden, Millionen von Menschen an entlegenen Orten durch unser tun und fühlen uns doch nicht verantwortlich dafür: Es sind zu viele, sie sind gesichtslos für uns, die Kausalkette von Tun und Wirkung ist zu abstrakt. 

«Die Art, wie sich ein Individuum verhält, ist eine Antwort, nicht bloss eine Reaktion, auf seine Umwelt; sie ist jeweils eine signifikante Art, sich auf die Welt zu beziehen.»

Mit dieser Art zu leben heute, machen wir nicht nur unsere Umwelt kaputt, wir laufen auch in die Gefahr, unsere Gesellschaftsstrukturen so zu gestalten, dass sie totalitäre Systeme ermöglichen. Die Gleichschaltung unserer kapitalistischen Ziele, welche immer weniger Pluralität und immer mehr Gleichförmigkeit mit sich bringt, bedeutet das schleichende Ende einer Welt, in der ein Individuum noch nach seinem eigenen Willen leben kann. Es braucht ein Umdenken, eine Aufklärung, die an die heutigen Bedürfnisse von Mensch und Welt angepasst ist. 

Der Mensch ist gefordert, andere Menschen, Tiere, die Natur auf eine Weise wertzuschätzen, die ein Zusammenleben ermöglicht, das für die Lebewesen ein gutes ist, und das die Natur wieder aufatmen lässt. Das bedingt, dass wir Grenzen setzen da, wo Technik und Profitdenken Risiken bergen, wo sie Vernichtung mit sich bringen können: Die Vernichtung des freien Willens, die Vernichtung von natürlichen Lebensräumen, die Vernichtung möglichen Lebens in dieser Welt. Wir brauchen ein Bewusstsein für die Verwundbarkeit der Welt. 

Mit dem Bewusstsein um die Verwundbarkeit der Welt geht auch das unserer eigenen Verwundbarkeit einher. Wir werden in der Welt, wie wir sie gestalten, leben, und unter ihr leiden müssen, wenn sie weiter zu Grunde gerichtet wird. Wir werden die Konsequenzen tragen und es wird auch uns an die Substanz gehen, wenn wir nicht wieder neue Wege finden, diese kurzfristig mit noch grösseren zu erwartenden Schäden zu umgehen. Es liegt also in unserer Verantwortung, unser heutiges Tun so zu verändern, dass wir nicht weiter Schaden zufügen, sondern endlich beginnen, diesen wiedergutzumachen. Wir müssen unser alltägliches Verhalten den Erfordernissen anpassen – und das kann jeder für sich tun.

Immer wieder hört man dann: Ich bin ja nur ein kleines Licht. Das bringt doch nichts, wenn ich mich einschränke. Die da oben sollen endlich was tun. Am besten befehlen. Nur: Würden sie befehlen, fühlte man sich wieder bevormundet, in der eigenen Freiheit eingeschränkt, und ich sehe schon die wütenden Protestierer, die um diese ihre Freiheit auf die Strasse gehen. Jetzt hätten wir die Freiheit, selbst zu handeln. Ohne Befehl, nur im Bewusstsein, das richtige tun zu müssen – weil wir es wollen (sollten).

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Buchtipp zur Vertiefung des Themas:
Corine Pelluchon: Das Zeitalter des Lebendigen. Eine neue Philosophie der Aufklärung

Ein Buch darüber, ob Aufklärung noch zeitgemäss ist, ob wir nach allem, was die Vergangenheit und Gegenwart an Krisen mit sich brachten, noch auf diese zurückgreifen können. Corine Pelluchon skizziert eine neue Form von Aufklärung, die den Gefahren, die auf uns lauern, wenn wir so weiterleben wie bisher, entgegentritt. Sie propagiert kritisches Hinterfragen von aktuellen Verhaltensweisen und strukturellen Systemen, plädiert für einen Humanismus in Bezug auf Tier- und Menschenrechte, setzt als Ziel eine ökologische und demokratische Gesellschaft, die von Freiheit geprägt ist und doch die notwendigen ökologischen Zwänge berücksichtigt.

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Angaben zum Buch:

  • Herausgeber ‏ : ‎ wbg Academic in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG); 1. Edition (22. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 320 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3534273605
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3534273607

Tagesgedanken: Mein Platz in der Welt

Seinen Platz in der Welt finden – das ist wohl für viele selbstverständlich, sie finden sich in dieser Welt, in die sie geboren wurden und leben ihr Leben, ohne dieses und die Welt zu hinterfragen. Andere hadern mehr damit, sie sehen eine Welt, in welcher sie sich nicht wohl, nicht gesehen fühlen, und haben doch keine andere als die des eigenen Rückzugs, was zwar eine momentane Erleichterung, aber kein lebenswertes und lebensmögliches Leben darstellen würde, sind wir doch immer auf die Mitwelt angewiesen, können nicht ohne sie sein – gerade darum ist der Halt in ihr wohl so elementar und es nagt tief, wenn man ihn für sich nicht findet. 

Simone de Beauvoir litt unter den Einschränkungen und vielen Verboten ihrer Kindheit, schon früh regte sich in ihr ein Freiheitsdrang und die Überzeugung, das eigene Leben selbst in die Hand nehmen zu wollen. Als es dann nahezu so weit war, stellte sich diese teilweise Freiheit doch als schwieriger dar als erhofft, da sie bei allem Sehnen unvertraut und noch nicht gewohnte Lebenswelt war:

„Das Übel, an dem ich litt, bestand in Wahrheit darin, dass ich aus dem Paradies der Kindheit vertrieben war und meinen Platz unter den Menschen noch nicht gefunden hatte.“

Wie man doch verklärt, was war, wenn das Neue noch nicht ist, was man sich davon erhofft. Das war nicht der einzige Kampf von Simone de Beauvoir. Dazu kam das eigene Gefühl des Minderwerts. Dass dieser nicht aus dem Nichts einfach da war, liegt auf der Hand:

„Gewiss bedauerte ich nicht, eine Frau zu sein; ich zog im Gegenteil grosse Befriedigung daraus. Meine Erziehung hatte mich von der geistigen Unterlegenheit der Frau überzeugt, die auch von vielen meiner Geschlechtsgenossinnen zugegeben wurde.“

Anfangs traute sich Simone nicht, mit den männlichen Kommilitonen zu sprechen, sah sie diese doch ihr überlegen. Als sie nach einigen Gesprächen dann doch merkte, dass dem nicht so war und sie durchaus etwas zu sagen hatte, kam langsam das Selbstbewusstsein. So oder so verfolgte sie immer ehrgeizig ihre Pläne und Träume für ihr Leben: Unabhängig sein und Schreiben. Das war ihr Ziel und das sollte sie auch erreichen – und das schon bald in einer lebenslangen Gemeinschaft mit einem anderen grossen Denker: Sartre.

„…sein Geist war immer wach. Er kannte keine Erschlaffung, Schläfrigkeit, Gedankenflucht, Abschweifung, Ermattung, aber auch keine Vorsicht und keinen Respekt. Er interessierte sich für alles und nahm niemals etwas als selbstverständlich hin.“

Diese Offenheit des Denkens, diese Vorurteilslosigkeit, war es vielleicht auch, die dazu führte, dass Sartre Simone de Beauvoir nie geringachtete, dass er hinschaute und sah, was sie zu bieten hatte, was in ihr steckte. Er spornte sie an, ihre Ziele nie aus den Augen zu verlieren:

„Auf alle Fälle solle ich mir das bewahren, was das Schätzenswerteste an mir sei: meinen Hang zur Freiheit, meine Liebe zum Leben, meine Neugier, meinen Willen zum Schreiben.“


In Sartre fand sie den Mann, mit dem sie all das leben konnte, was sie wollte, denn:

„er war der Doppelgänger, in dem ich in einer Art von Verklärung alles wiederfand, wovon ich auch selber besessen war. Mit ihm würde ich immer alles teilen können.“

Vielleicht ist man dann in der Welt zu Hause, wenn man sich selbst treu bleiben kann und in dieser Selbsttreue und dem Verwirklichen des eigenen Seins begleitet und verstanden wird. Und manchmal muss das nicht von der ganzen Welt passieren, manchmal reicht einer, der einem die Welt ist.

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Leseempfehlung: Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause

Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben

Inhalt

«Für den Menschen heisst Leben…’unter Menschen weilen’ (inter homines esse) und Sterben soviel wie ‘aufhören unter Menschen zu weilen’ (desinere inter homines esse).

In ihrem Werk «Vita activa oder Vom tätigen Leben befasst sich Hannah Arendt mit den menschlichen Grundtätigkeiten, damit, was Menschen tun, wenn sie leben. Sie unterteilt diese in drei Kategorien: Das Arbeiten (alles, was für den Lebenserhalt notwendig ist), das Herstellen (das Schaffen von überdauernden Gütern) und das Handeln (den Umgang von Menschen miteinander, das Tun und Sprechen zum Zwecke der Gestaltung der gemeinsamen Welt). Während Arbeiten und Herstellen notwendig sind für das Leben und Überleben in dieser Welt, ist Handeln das, was den Menschen erst wirklich zum Menschen macht. Es ist das tätige In-der-Welt-Sein als viele Menschen (Pluralität), durch welches sich das jeweilige Wer des einzelnen Menschen offenbart und sich gleichzeitig in das Wir einfügt.

Weitere Betrachtungen

«Es liegt in der Natur eines jeden Anfangs, dass er, von dem Gewesenen und Geschehenen her gesehen, schlechterdings unerwartet und unerrechenbar in die Welt bricht.»

Wir Menschen neigen dazu, das Leben als Kausalkette zu sehen. Dinge passieren, so denken wir, weil wir sie so geplant haben, weil aus dem vorher zwangsläufig dies oder jenes hervorgehen könnte. Kommt es anders, sind wir erstaunt, um dann eine neue Erklärung zu finden, wieso es so kam. Kierkegaard sagte dazu, dass sich das Leben immer nur rückwärts erklärt, aber vorwärts gelebt werden muss. 

Nun ist es nicht so, dass wir dem Leben willkürlich ausgeliefert sind, keine eigenen Entscheidungsmöglichkeiten haben, sondern uns in die Dinge fügen müssen, wie sie sich darbieten. Es hilft aber, ein kleines bisschen Demut zu bewahren, wenn Dinge gelingen, denn sie hätten durchaus auch misslingen können – das gilt für uns selbst wie auch für andere. Nicht jeder, der im Leben nicht auf der Sonnenseite steht, hat dies selbst verschuldet, es ist nicht nur Dummheit, Faulheit oder mangelnder Wille, wenn Menschen durch die gesellschaftlichen Maschen fallen, sondern oft das Leben, das Menschen mit Schicksalen bedenkt, welche diese weder erwarten noch bewältigen konnten.

Dies im Blick, ist es an uns, dafür zu sorgen, dass diese Gesellschaft so aufgebaut ist, dass sie für diese Menschen Halt bietet, dass sie schaut, dass keiner durch die Maschen fällt, dass das Grundanliegen ist, dass jeder Mensch in Würde leben kann. Wir haben nur diese eine Welt und wir können sie gemeinsam gestalten – was würde unser Leben für einen Sinn ergeben ohne sie?

«Jede menschliche Tätigkeit spielt in einer Umgebung von Dingen und Menschen; in ihr ist sie lokalisiert und ohne sie verlöre sie jeden Sinn. Diese umgebende Welt wiederum, in die ein jeder hineingeboren ist, verdankt wesentlich dem Menschen ihre Existenz…»

Hannah Arendt kritisiert die Verherrlichung der Arbeit, während das politische Handeln, welches erst eigentlich den Menschen und sein Leben in der Welt ausmacht, vernachlässigt wird. Sie betont die Notwendigkeit des Miteinandersprechens, da nur durch dieses die Möglichkeit besteht, die Welt zu gestalten.

Sie weist auf die Gefahren der modernen Massengesellschaften hin, in welchen nicht mehr Menschen miteinander sprechen, sondern die statt eines Jemands von Niemanden beherrscht werden, welche sich hinter bürokratischen Abläufen verstecken und damit jeglicher Verantwortung entgehen.

«Wo immer es um die Relevanz der Sprache geht, kommt Politik notwendigerweise ins Spiel; denn Menschen sind nur darum zur Politik begabte Wesen, weil sie mit Sprache begabte Wesen sind.»

Indem Menschen einen öffentlichen Raum schaffen, in welchem sie gemeinsam über die geteilte Welt sprechen, betreiben sie Politik und nur insofern sind sie frei.

Fazit
Ein umfassendes, scharfsinniges und tiefgründiges Buch über das menschliche Tun und was es heisst, ein verantwortungsvoller und politisch aktiver Mensch zu sein.

Hannah Arendt (eigentlich Johanna Arendt)
Geboren am 14. Oktober 1906 in Linden bei Hannover als Tochter jüdischer Eltern. Obwohl sie sich keiner religiösen Gemeinschaft anschloss, sah sie sich immer als Jüdin.
Studium bei Martin Heidegger (die Liebschaft ist wohlbekannt) und später Promotion bei Karl Jaspers. 1933 Flucht nach Frankreich, 1940 Internierung im Lager Gurs, aus welchem ihr die Flucht gelang. 1941 Ankunft in New York. Verschiedene Tätigkeiten fürs Überleben und auch aus Überzeugung, daneben Publikation mehrerer Artikel. Später Lehrtätigkeit und mehrere für die Philosophie herausragende Werke (Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Eichmann in Jerusalem, Vita Activa). Sie stirbt am 4. Dezember 1975 in New York.

Daniel Schreiber: Nüchtern

Inhalt

„Das Wissen, dass man zu viel trinkt, ist völlig nutzlos. Man trinkt nicht weniger, weil man weiß, dass man ein Problem hat. Man hört auch nicht damit auf, indem man analysiert, warum man trinkt. Man hört damit auf, indem man aufhört.“

Da Feierabendbier, der Gin mit Freunden, das Glas Rotwein zu Käse und Brot – was für eine Genuss. Was aber, wenn es nicht bei einem Glas bleibt? Was, wenn Alkohol immer mehr zum Leben gehört und sich dieses auch immer mehr um Alkohol dreht? Redet man sich anfangs selber schön, dass man kein Problem hat, weil man ja problemlos Pausen einlegen kann (Tage, Wochen, Monate gar), merkt man irgendwann, dass man dies zwar kann, aber trotzdem eine Schwelle überschritten ist, weil Alkohol vom Genuss zum Thema wurde.

Daniel Schreiber erzählt seine persönliche Geschichte mit dem Alkohol und die Entscheidung, keinen mehr zu trinken. Er liefert zudem Fakten und Zahlen über Alkoholkonsum, gesteigertes Risiko an Krankheiten und gefährliche Auswirkungen auf Zellen und das Gehirn.

Ein wichtiges Buch, das ohne zu moralisieren zum Nachdenken anregt.

Weitere Betrachtungen

„Die Fassaden, die man sich errichtet, sind mächtig. Sie gehören zu einem, man kann selbst gar nicht mehr sagen, wo sie aufhören und wo man selbst beginnt. Sie halten einen aufrecht.“

Die WHO-Aussagen, wie viel Alkohol gesund ist und wo eine Grenze überschritten wird, sind relativ klar und die Menge so klein, dass sie von vielen wohl schnell überschritten ist. Das muss nicht grundsätzlich auf ein Problem hinweisen, aber es kann – ein Problem, das man gerne verdrängt und schon gar nicht gegen aussen preisgibt. Es finden sich viele und gute Argumente, welche die Problematik des eigenen Alkoholkonsums nicht nur verdecken, sondern als nichtig erklären. Das Argument, dass man sofort aufhören könnte, wenn man nur wolle, man auch mal einen Monat ohne Alkohol ohne Probleme schaffe oder wöchentlich alkoholfreie Tage einlege, gehören zum Standardrepertoire. Was aber sagen sie wirklich aus?

„Jede Halbwahrheit, jede Lüge, die man sich selbst und anderen erzählt, geht auf Kosten der inneren Substanz, so lange, bis man irgendwann gar nicht mehr richtig weiß, wer man ist.“

Was man nach aussen vertritt, glaubt man sich auch oft selber. Man hüllt sich in eine (Schein-)Sicherheit und vermeidet, genauer hinter die Fassade des eigens aufgerichteten Lügengebäudes zu schauen. Ein paar alkoholfreie Tage, an welchen man sich schon aufs Wochenende freut und plant, welchen Wein man dann trinken will, mögen zwar weniger Alkohol im Blut bedeuten, nicht aber weniger im Leben. Wenn Anlässe immer automatisch mit Alkohol verbunden sind, dieser sogar einen Teil ausmachen, nimmt dieser einen grossen Raum im Leben ein – einen zu grossen?

„Man versteckt sie nicht bloß vor anderen Menschen, sondern auch und vor allem vor sich selbst. Man kann Scham hinter einer ganzen Reihe von Gefühlen verbergen, ohne dass es einem bewusst ist.“

Zuzugestehen, dass man ein Problem hat, ist mit Scham verbunden. Probleme sind etwas für Schwächlinge, für Verlierer. Gewinner haben Lösungen – oder stehen generell über allem. Sich und anderen einzugestehen, dass vielleicht doch nicht alles so perfekt ist, wie man gerne den Anschein machen möchte, braucht Mut. Das hängt sicher auch mit unserer Gesellschaft zusammen, in welcher Alkohol eine sozial akzeptierte, fast geförderte Droge ist. Trinkt man nichts, wird man gefragt, wieso. Wenn keine Schwangerschaft oder eine Krankheit (Alkoholismus sieht man nicht als solche, sondern als Schwäche) dahinter steckt, weckt das Misstrauen. Eigentlich traurig, dass es einfacher ist, weiterzutrinken, als hinzusehen und etwas zu unternehmen.

Persönlicher Bezug

«Scham wird von der Angst vor dem Verlust von Zuneigung und sozialem Prestige motiviert, von der Angst, aus sozialen Gruppen ausgeschlossen zu werden.»

Das Buch hat mich nachdenklich gemacht. Ich trank sehr lange keinen Alkohol, weil er mir nicht schmeckte, kam dann aber auf den Geschmack von Wein. Ein guter Weisswein zum Apéro, ein schwerer Rotwein zum Essen, ein Cava mit Freunden – ein Genuss. Die Notwendigkeit, aufzuhören, sah ich nicht, zumal all meine Werte vorbildlich sind und ich auch sonst keine gesundheitlichen Probleme habe. Da ich in einem Umfeld lebe, in dem gemeinsame Essen und damit auch immer sehr guter Wein oft vorkommen, war die Vorstellung, nicht zu trinken, schwierig. Die Angst, dann nicht mehr dazu zu gehören, war doch gross und das würde mir wehtun.

Wieso also bin ich trotz fehlendem zwingendem Grund und dieser Angst nachdenklich geworden? Die Selbstverständlichkeit, mit welcher Alkohol, welcher bei Lichte betrachtet keine leichte Droge sondern eigentlich ein Nervengift ist, getrunken wird (auch von mir), gefällt mir nicht. Ich bin zudem durchaus ein Mensch, der nicht ein Glas trinkt. Wenn das Glas da steht, fülle ich gerne nach, in fröhlicher Gesellschaft auch mal mehr. Ich würde trotzdem sagen, dass ich kein Alkoholproblem habe – und doch. Ich habe nach dem Lesen dieses Buches beschlossen, Alkohol mal für eine Weile aus meinem Leben zu streichen. Einfach als persönliches Experiment. Ich bin gespannt, ob sich etwas in meinem Leben, bei mir, verändert, wenn ich keinen mehr trinke.

Ich sage nicht, dass es für immer ist, möglich wäre es. Vielleicht trinke ich nach Ablauf der Frist wieder wie vorher. Vielleicht lasse ich ein paar spezielle Gelegenheiten, an denen ich ein Glas trinke mit Genuss und aus Nostalgie. Vielleicht war das letzte Glas Cava auch das letzte Glas Alkohol überhaupt. Ich bin gespannt. Alles ist möglich. Vielleicht schreibe ich irgendwann über meine Erfahrungen.

Fazit
Ein sehr persönliches, informatives, zum Nachdenken anregendes Buch über ein wichtiges und oft verkanntes Thema: Alkohollismus. Sehr empfehlenswert.

Autor
Daniel Schreiber, geboren 1977, lebt in Berlin. Er arbeitet als freier Autor u. a. für die Zeit, Deutschlandradio Kultur und die taz. 2007 erschien seine Susan-Sontag-Biographie Geist und Glamour.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Suhrkamp Verlag; 6. Edition (11. April 2016)
Taschenbuch: 159 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3518466711

Anne Ameri-Siemens: Die Frauen meines Lebens

Frauen erzählen von ihren Heldinnen, Vorbildern und Wegbereiterinnen

Inhalt

«[Der Prozess der Gleichberechtigung] muss vorangetrieben werden. Zum Beispiel, indem man über Vorbilder und Wegbereiterinnen spricht, über die Freiheit, die Frauen haben sollten, wenn sie ihren Weg gehen.»

Wie wird man, wer man ist? Neben Veranlagungen und kulturellem Umfeld gibt es oft auch Menschen, die einen beeinflussen, weil sie ihr Leben auf eine Weise meistern, die beeindruckt. Davon handelt dieses Buch: Von Frauen, die auf ihrem Lebensweg von Frauen beeindruckt wurden, Frauen, die andere Frauen als Wegweiser und auch Mutmacher hatten und die nun über diese weiblichen Wegbereiterinnen und Wegbegleiterinnen sprechen.

Anne Ameri-Siemens hat in diesem Buch Lebenserzählungen von Frauen wie Senta Berger, Jutta Allmendinger, Nina Ruge, Katharina Schulze und weiteren zusammengetragen. Entstanden ist ein inspirierendes Buch mit spannenden Lebensgeschichten.

Weitere Betrachtungen

«…dass Gleichberechtigung nur erreicht werden könne, wenn sie auch Männersache sei – und als gemeinsames Ziel von Männern und Frauen verstanden werde. (Jutta Allmendinger)»

Der Kampf um die Gleichberechtigung der Frau, dauert schon lange, und noch immer sind wir nicht am Ziel. Noch immer sind Frauen in vielen Bereichen untervertreten und benachteiligt. Damit das nicht so bleibt, gilt es, nicht aufzuhören mit dem Einsatz, sondern weiter zu kämpfen. Dies wird aber nur Erfolg haben, wenn Frauen nicht allein und schon gar nicht gegen Männer kämpfen, sondern wenn dieser Kampf zu einer gemeinsamen Sache wird.

«Unsere Realitäten werden sich aber nur ändern, wenn Frauen aktiv gegen die genannten Zuschreibungen angehen – und gegen das frühe Antrainieren von Rollenbildern.» (Stephanie Caspar)

Damit ein System sich verändert, das über so viele Jahrzehnte gewachsen ist, braucht es neben den Forderungen für gerechtere Bedingungen auch einen Befreiungsschlag. Wir müssen uns lösen von tradierten Rollenbildern. Wir müssen diese Rollenbilder erkennen und bewusst darauf achten, dass wir sie nicht übernehmen oder gar in der Erziehung an die nachfolgende Generation weitergeben.

Die Geschichten dieser spannenden Frauen, die in dem Buch zu Wort kommen und über ihre Prägungen sprechen, zeigen, dass man als Frau erfolgreich seinen Weg gehen kann, dass man dabei auch auf Vorbilder schauen kann und das Rad nicht neu erfinden muss.

«Das Bedauern, es nicht versucht zu haben, ist später sicher schwerer auszualten , als wenn man auch mal scheitert oder nicht mit allem Erfolg hat. (Gisa Pauly) »

Vieles erscheint schwierig und kaum erreichbar, die fehlende Chancengleichheit kann als abschreckende Hürde wirken, der Umstand, dass man als Frau oft auch sonst benachteiligt ist und gegen Klischeevorstellungen ankämpfen muss, kann demotivieren. Und doch: Wenn man nicht wagt, aufzustehen, auszubrechen aus eingefahrenen Pfaden und Neues anzugehen, wenn man es nicht wagt, die eigenen Ziele und Wünsche zu erfüllen, wird man es wohl irgendwann bereuen.  

Persönlicher Bezug

«Aus Zurückhaltung entsteht nichts Neues, kann nichts Gutes erwachsen.» (Jutta Allmendinger)

Als Mädchen wächst man oft mit der Forderung auf, möglichst gehorsam zu sein, nicht aufzufallen, sich zu fügen in das, was Mädchen zusteht. Eltern, Schule, das weitere Umfeld – oft sind sich alle einig darin und das prägt, prägt mit der Zeit so sehr, dass man viel aus dem Blick verliert: die eigenen Wünsche und auch sich selber. Unser patriarchalisches System ist darauf angelegt, es erhält sich so selber am Leben. Und wenn wir uns nicht wehren, geht es so weiter.

Ich habe in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht, habe die prägenden Abwertungen meiner Vergangenheit gesehen, aber auch gemerkt, dass ich für mich doch oft Wege fand, aus solchen Mustern auszubrechen, mir meine eigenen Wege zu suchen – es ging nicht ohne Gegenwehr und Verletzungen, teilweise schmerzhaften.  Ich würde mir wünschen, dass wir weiter gehen, dass wir diese alten Muster durchbrechen können, dass nachfolgende Generationen es leichter haben werden. Dazu müssen wir nicht ständig von vorne beginnen, wir können an das anknüpfen, was Frauen vor uns schon erkämpft haben. Es gibt in der Vergangenheit spannende, mutige, kämpferische, tolle Frauen, die den Weg zu ebnen begannen. Machen wir weiter.

Fazit
Ein inspirierendes Buch von Frauen über Frauen, davon, dass man als Frau seinen Weg mit Erfolg gehen kann und dabei Wegbereiterinnen hat, die einen prägen. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Anne Ameri-Siemens, geboren 1974 in Frankfurt am Main, arbeitet als Journalistin für das Feuilleton der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und die «Frankfurter Allgemeine Quarterly». Für ihren «Spiegel»-Bestseller «Für die RAF war er das System, für mich der Vater» wurde sie 2007 u. a. mit dem Internationalen Buchpreis Corine ausgezeichnet. Mit der Verfilmung des Buchs, der Dokumentation «Wer gab euch das Recht zu morden?», war sie 2008 für den Grimme-Preis nominiert. Zuletzt erschien «Ein Tag im Herbst. Die RAF, der Staat und der Fall Schleyer» (2017).

Angaben zum Buch
Herausgeber: Rowohlt Berlin; 1. Edition (19. Oktober 2021)
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3737101271

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Julian Barnes: Vom Ende einer Geschichte

Was kann man vom eigenen Leben wissen?

„Das letzte Bild habe ich nicht wirklich gesehen, aber am Ende ist das, was man in Erinnerung behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat“.

Tony Webster denkt über sein Leben nach, reist in der Zeit zurück bis zu seiner Schulzeit, der Zeit, in der Adrian Fynn in seine Klasse gekommen ist und sich ihm und seinen beiden Freunden anschloss, aus dem Dreier- in Vierergespann machte. Oder haben sich die drei Adrian angeschlossen? Wer war Ziehender, wer Gezogener? Die Geschichte scheint nicht so eindeutig, wie man sie gerne hätte. So oder so veränderte sich mit Adrian vieles im Leben der Jugendlichen.

„Natürlich waren wir prätentiös – wozu ist Jugend sonst da?“

Neben der Ausbildung, den Auseinandersetzungen mit Geschichte

„Geschichte ist ein Sandwich mit rohen Zwiebeln, Sir. […] Sie stösst einem immer wieder auf, Sir. Sie rülpst.“

Literatur und vielem mehr, was den Weg Jugendlicher säumt, spielen Sex und mögliche und unmögliche Beziehungen eine grosse Rolle im Leben der drei.

„Gewöhnlich verspricht die erste Liebe, selbst wenn sie nicht gut ausgeht – vielleicht gerade wenn sie nicht gut ausgeht -, dass wir nun endlich wüssten, was das Leben lebenswert macht und rechtfertigt.“

Nach der Schule trennen sich ihre Wege, bis eines Tages die Nachricht von Adrians Selbstmord die ehemaligen Freunde ereilt und neue Fragen aufwirft. Allen voran immer wieder die nach der eigenen Erinnerung, nach dem, was man eigentlich vom eigenen Leben weiss und wissen kann.

Auf sehr engem Raum entwickelt Julian Barnes eine tiefgründige Geschichte, die nachdenken lässt, mehr Fragen als Antworten liefert und Abgründe menschlichen Seins und Tuns offen legt. Ein packendes Buch, ein tiefes Buch, eines, das man schnell lesen möchte und dabei doch immer wieder innehält, in Gedanken versinkt, weiter liest und am Schluss ergriffen ist, weil die Geschichte nach der letzten Seite noch nicht zu Ende ist – zumindest nicht die eigene Auseinandersetzung damit.

Dazu passt ein Zitat von Max Frisch:

„Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält, oder ein ganze Reihe von Geschichten.“

Fazit:
Nachdenklich, dicht, sprachlich und inhaltlich packend. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Julian Barnes
Julian Barnes, 1946 geboren, arbeitete nach dem Studium moderner Sprachen als Lexikograph, dann als Journalist. Von Barnes, der zahlreiche internationale Preise erhielt, zuletzt den David-Cohen-Prize, liegt ein umfangreiches erzählerisches und essayistisches Werk vor, darunter die Romane „Flauberts Papagei,“ „Eine Geschichte der Welt in 10 ½ Kapiteln“ und „Darüber reden“. Julian Barnes lebt in London. Gertraude Krueger, 1949 geboren, lebt als Dozentin und freie Übersetzerin in Berlin. Zu ihren Übersetzungen gehören u.a. Sketche der Monty-Python-Truppe und Werke von Julian Barnes, Alice Walker, Siri Hustvedt, Jhumpa Lahiri und E.L. Doctorow.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & WitschVerlag (1. Dezember 2011)
ISBN-Nr.: 978-3462044331
Preis: EUR  18.99 / CHF 29.90

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Vladimir Nabokov: Die Kunst des Lesens

Wer liest, sollte liebevoll auf Einzelheiten achten. Gegen den Mondschein der Verallgemeinerung ist nichts einzuwenden, vorausgesetzt, er zeigt sich, nachdem die sonnigen Kleinigkeiten des Buchs liebevoll zusammengetragen wurden. Wer mit einer fertigen Verallgemeinerung an ein Buch herangeht, beginnt am falschen Ende und bewegt sich von ihm fort, bevor er angefangen hat, es zu verstehen.

Literatur lesen bedeutet für Nabokov, mit Liebe an ein Werk heranzugehen und zuerst unbedarft und ohne Erwartungen aufzunehmen, was das Buch einem bietet. Nur so sei es möglich, die neuen Welten, die in einem Werk drin stecken, zu erfassen, sie zu erleben. Jede vorgefasste Meinung über ein Buch und Erwartung daraus stellt nach Nabokov einerseits eine Ungerechtigkeit dem Autor gegenüber dar und nimmt einem andererseits die wahre Freude an dem Buch, weil man sie so nie auf das Buch selber einlässt.

Wir sollten immer daran denken, dass mit jedem Kunstwerk, ausnahmslos, eine neue Welt erschaffen wird und diese stets als erstes so gründlich wie möglich erforschen, uns ihr als etwas völlig Neuem nähern, als einer Sache, die keine offensichtliche Verbindung mit den uns bereits bekannten Welten hat.

Romane sind so gesehen immer Märchen, sie stellen nie die Wirklichkeit dar, sondern sind erfundene Geschichten in erfundenen Welten. Dabei liefert immer die Realität den Rohstoff, aus denen man die Kunst schafft, die uns am Schluss als Roman entgegen tritt. Um dies zu erfassen, muss auch der Leser Eigenschaften mitbringen, die es ihm möglich machen, so zu lesen, dass sich die neuen Welten eröffnen.

Selbstverständlich ist ein guter Leser, wie Sie es sich schon gedacht haben, jemand, der über Vorstellungskraft, ein Gedächtnis, ein Wörterbuch und eine gewisse künstlerische Einfühlungsgabe verfügt.

Nachdem Vladimir Nabokov diese Grundzüge des Lesens und Lesers geklärt hat, geht er über, grosse Werke der europäischen Literatur auf diese Weise zu durchleuchten. Er zeigt, wie in Jane Austens Mansfield Park die einzelnen Personen eingeführt werden, wie man nach und nach in die Welt eintaucht, die Jane Austen zeichnet. Er analysiert den Aufbau, die Einleitungen von Szenen, die Darstellung von Gefühlen, die Beschreibung von Situationen, weist auf Austens Stilmittel hin. Neben aller wohlwollenden Liebe zu dem Werk zeigt er auch auf dessen Schwachstellen, die sich besonders am Schluss zeigen, indem er der Autorin einen gewissen Überdruss am eigenen Werk zuschreibt, welchen er an der zerfasernden Struktur desselben festmacht.

Als nächstes Wendet sich Nabokov Dickens zu, setzt das Leseerlebnis bildlich von dessen Bleakhaus in Beziehung zu dem des Mansfield Parks. Wieder sticht er in die Tiefe des Werkes, beleuchtet die Kernmotive, analysiert sie und zeigt ihren Gang durch den Roman. Er beleuchtet die Beziehungen der Figuren untereinander, zeigt, wie diese lebendig wirken und geht auf so manches Detail der Dickenschen Romanschreibung ein. Ebenso verfährt er mit Flauberts Madame Bovary, Stevensons Dr. Jeckyll und Mr. Hyde und Kafkas Verwandlung.

Doch wieso soll man überhaupt lesen, vor allem in Anbetracht der Umstände, die das reale Leben mit sich bringen? Lesen wird, so Nabokov, nicht helfen, das Leben zu meistern oder mit seinen Umständen besser zurecht zu kommen. Es kann aber, wenn es auf die richtige Weise und mit Liebe zum Kunstwerk geschieht, ein gutes Gefühl und eine Befriedigung über einen bringen, so dass es im Leben nicht nur Widrigkeiten, sondern auch Vollkommenheit und Inspiration gibt.

In einem zweiten Teil wendet sich Vladimir Nabokov Meisterwerken der russischen Literatur zu, er spricht über Gogols Der Mantel, Tolstois Anna Karenina und Tschechows Die Dame mit dem Hündchen. Auch ein Kapitel über Dostojewski findet sich, zu dem er sich eine eigentümliche und schwierige Haltung attestiert. Er sieht in schwanken zwischen brillantem Humor und literarischen Plattheiten. Dass Nabokovs Verhältnis zur Literatur Dostojewskis gespalten ist, zieht sich durch den ganzen Text, der sich stark auf die Schwächen des Schreibens konzentriert und diese auch gut belegt. Trotz alledem hat er ihn seine Auswahl der russischen Meisterwerke aufgenommen, dies wohl eher wegen der begeisterten Rezeption als wegen des in seinen Augen mangelhaften literarischen Werts.

Aus Nabokov spricht eine grosse Liebe zur und Kenntnis der Literatur. Diese Liebe geht beim Lesen dieses Werkes auf einen über, man möchte hingehen und alle vorgestellten Bücher nochmals lesen, sie noch genauer lesen.

Fazit:
Ein wunderbares Buch über die Liebe zum Lesen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Vladimir Nabokov
Vladimir Nabokov wurde am 22. April 1899 in St. Petersburg als Kind einer russischen Adelsfamilie geboren. Er kam wegen seines westlich orientierten Vaters schon als Kind in Kontakt mit der Weltliteratur, sprach französisch und englisch. Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband.   Das politische Engagement des Vaters bringt diesem verschiedene Inhaftierungen und führt schliesslich zur Flucht nach London. Nabokov studiert an der Universität Cambridge Romanistik und Russische Literatur und zieht nach dem Studium nach Berlin. Er publiziert unter dem Pseudonym V. Sirin, kann aber nicht leben von der Literatur und hält sich mit Tennis- und Boxunterricht über Wasser. 1937 folgt die Emigration nach Paris, 1940 die Flucht in die USA, wo er als Kurator des zoologischen Museums an der Harvard University arbeitet und wissenschaftlich schreibt. 1948-1958 hat er eine Professur für russische und europäische Literatur an der Cornell Universität inne. 1955 erscheint sein Roman Lolita, der für Aufruhr sorgte, aber  grosse Erfolge einfuhr. Er kann in der Folge vom Schreiben leben. 1961 folgt die Übersiedlung in die Schweiz, nach Montreux, wo er 1977 stirbt. Werke Nabokovs sind unter anderem Die Mutprobe (1932), Verzweiflung (1934), Lolita (1955), Ada oder das Verlangen (1969).

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 253 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag (Juli 2010)
Übersetzung aus dem Englischen: Karl A. Klewer
ISBN: 978-3596902804
Preis: EUR  12/ CHF 17.90

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Simone de Beauvoir: Die Unzertrennlichen

Inhalt

«Mit neun Jahren war ich ein sehr artiges kleines Mädchen; das war nicht immer so gewesen; in meiner frühen Kindheit stürzte mich die Tyrannei der Erwachsenen bisweilen in eine derart blindwütige Raserei, dass eine meiner Tanten eines Tages ernsthaft erklärte: «Sylvie ist vom Teufel besessen.» Der Krieg und die Religion bezwangen mich schliesslich.»

Als Sylvie Andrée in der Schule kennenlernt, ist sie sofort hingerissen von diesem selbstsicheren, selbständig wirkenden Mädchen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Sie durchleben gemeinsam die erste Liebe, den damit verbundenen Schmerz. Sie versuchen, trotz des strengen Regimes des jeweiligen Elternhauses ihr Leben zu leben, was oft unmöglich ist und schlussendlich tragisch enden wird.

Weitere Betrachtungen

«Warum hatte ich ihr meine Liebe nicht zeigen können? Andrée war mir in allem so herausragend erschienen, dass ich gemeint hatte, sie müsse vollkommen glücklich sein. Mir war danach zumute, sie und mich zu beweinen.»

«Die Unzertrennlichen» ist ein Buch über Freundschaft. Es ist eine Freundschaft, die trotz aller Nähe und des gegenseitigen Vertrauens immer auch einen Rest an Zurückhaltung behält. Die beiden Freundinnen gehen auch nie zum vertraulichen Du über, sie bleiben die ganze gemeinsamen Jahre über beim förmlichen Sie. Im Nachhinein bereut Sylvie, sie steht für Simone de Beauvoir, diese Zurückhaltung zutiefst.

«In Büchern erklären die Leute einander ihre Liebe , ihren Hass, sie wagen, sich alles zu erzählen, was sie auf dem Herzen haben; weshalb ist das im wahren Leben unmöglich?»

Ob dieses Bedauern mit ein Grund dafür ist, dass sie später in ihrer Beziehung mit Sartre vollkommene Offenheit will, Transparenz in den Gedanken und im Tun?

«Zaza ist daran gestorben, dass sie aussergewöhnlich war. Man hat sie umgebracht, ihr Tod war ein «spirituelles Verbrechen».»

Dies schreibt Sylvie Le Bon de Beauvoir, die Frau, die Simone de Beauvoir adoptiert  und mit ihrem Nachlass betraut hat. Sie war viele Jahre die engste Vertraute von Simone de Beauvoir. Die Geschichte dieses aussergewöhnlichen Mädchens hat Simone de Beauvoir im vorliegenden, zu Lebzeiten nie veröffentlichten Roman festgehalten. Sie hat ihn mit folgenden Worten Zaza gewidmet:

«Wenn ich heute Abend Tränen in den Augen habe, ist es dann, weil sie tot sind oder weil ich lebe? Ich sollte ihnen diese Geschichte widmen. Aber ich weiss, dass sie nirgends mehr sind, dass mir nur der Kunstgriff der Literatur erlaubt, hier mit Ihnen zu reden.»

«Die Unzertrennlichen» ist nicht grosse Literatur in dem Sinn, aber es ist ein kleines, authentisches und zum Nachdenken anregendes Buch, das die Gefahren von Erwartungen aufzeigt. Es ist ein Buch darüber, wie Menschen leiden, die unter dem Druck des gefallen Wollens und gehorchen Müssens zerbrechen, die sich selber verleugnen müssen, um dem zu entsprechen, das sie darstellen sollen.

Es ist ein leidenschaftliches und auch tragisches Buch, ein Zeitzeugnis und ein Bild der bürgerlichen Gesellschaft mit all ihren Zwängen und Moralvorstellungen. Simone de Beauvoir schrieb mit «Die Unzertrennlichen» einen autofiktionalen Roman, in welchem sie ihre Freundschaft mit Zaza thematisierte. Sie zeigt darin sehr deutlich die Einschränkungen, die sie als Kind und Jugendliche hinnehmen musste und die bei Zaza zum Tod führten. Diese Erlebnisse sind es wohl auch, welche bei ihr den tiefen Wunsch nach Freiheit und Eigenständigkeit wachsen liessen.

Persönlicher Bezug
Simone de Beauvoir übt immer wieder eine grosse Faszination auf mich aus. Ihre Gedanken, ihr Schreiben, ihr Hinsehen auf die eigene Geschichte und die Form, in welche sie diese verpackt, um damit soviel offenzulegen von ihrem Werden, sind eine grosse Inspiration. Nie lassen sie mich einfach kalt, immer erkenne ich mich in gewissen Punkten wieder und immer regt mich die Lektüre ihrer Schriften zum Nachdenken an.

Simone de Beauvoir hat den Finger auf Missstände gegen Frauen gelegt, sie hat immer wieder gegen deren Unterdrückung angeschrieben und selber ein Leben gelebt, das dieser entgegentrat. Damit ist sie ein Vorbild für die Generationen nach ihr geworden. Ihre Ansichten und auch ihre Forderungen für eine gerechte Gesellschaft sind auch heute noch aktuell wie damals. Leider ist noch viel zu wenig davon umgesetzt worden.

Fazit
Ein authentisches Buch über die Freundschaft zweier Mädchen, die den Erwartungen der Zeit zu trotzen versuchen. Grosse Leseempfehlung.

Autorin
Simone de Beauvoir wurde am 9.1.1908 in Paris in ein ursprünglich wohlhabendes, später mit den Finanzen kämpfendes Elternhaus geboren. Mit fünfeinhalb Jahren kam Simone an das katholische Mädcheninstitut, den Cours Désir, Rue Jacob; als Musterschülerin legte sie dort den Baccalauréat, das französische Abitur, ab. 1925/26 studierte sie französische Philologie am Institut Sainte-Marie in Neuilly und Mathematik am Institut Catholique, bevor sie 1926/27 die Sorbonne bezog, um Philosophie zu studieren. 1928 erhielt sie die Licence, schrieb eine Diplomarbeit über Leibnitz, legte gemeinsam mit Merleau-Ponty und Lévi-Strauss ihre Probezeit als Lehramtskandidatin am Lycée Janson-de-Sailly ab und bereitete sich an der Sorbonne und der École Normale Supérieure auf die Agrégation in Philosophie vor. In ihrem letzten Studienjahr lernte sie dort eine Reihe später berühmt gewordener Schriftsteller kennen, darunter Jean-Paul Sartre, ihren Lebensgefährten seit jener Zeit. 1932-1936 unterrichtete sie zunächst in Rouen und bis 1943 dann am Lycée Molière und Camille Sée in Paris. Danach zog sie sich aus dem Schulleben zurück, um sich ganz der schriftstellerischen Arbeit zu widmen. Zusammen mit Sartre hat Simone de Beauvoir am politischen und gesellschaftlichen Geschehen ihrer Zeit stets aktiv teilgenommen. Sie hat sich, insbesondere seit Gründung des MLF (Mouvement de Libération des Femmes) 1970, stark in der französischen Frauenbewegung engagiert. 1971 unterzeichnete sie das französische Manifest zur Abtreibung. 1974 wurde sie Präsidentin der Partei für Frauenrechte, schlug allerdings die «Légion d’Honneur» aus, die ihr Mitterrand angetragen hatte. Am 14.4.1986 ist sie, 78-jährig, im Hospital Cochin gestorben. Sie wurde neben Sartre auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt.

Übersetzung: Amelie Thoma, geboren 1970 in Stuttgart. Sie studierte Romanistik und Kulturwissenschaften in Berlin und arbeitete als Lektorin, ehe sie die Übersetzerlaufbahn einschlug. Neben Leïla Slimanis Romanen und Essays übertrug sie u. a. Texte von Marc Levy, Joël Dicker und François Sagan ins Deutsche.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Rowohlt Buchverlag; 2. Edition (19. Oktober 2021)
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Originaltitel: Les inséparables
Übersetzung: Amelie Thoma
ISBN: 978-3498002251

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