Was tun wir mit unseren Mördern, Gesellschaft?

Man stelle sich vor:

Einer geht dahin, bringt eine Familie grausam um und plant schon die nächsten Taten. Man kommt ihm (zu früh) auf die Schliche, er kann die Folgetaten nicht vollbringen, legt sie aber dar. Unser Rechtssystem besagt, dass man den Menschen nicht lebenslang verwahren kann, da er so jung ist – er könnte geläutert werden. Sprich: Aus Saulus könnte Paulus werden.

Nun glaube ich natürlich an solche Wandlungen, sonst wäre mein eigener (Yoga-, aber auch wissenschaftlicher in Sachen Neurobiologie)Weg eine Farce. Nur: Sie sind von 0 auf 100 relativ selten. Und: Würden sie gelingen, wäre dem Erleuchteten egal, wo er sitzt.

Wir leben in einer Welt, in der wir unsere Rolle spielen. Und das tun wir aufgrund von Regeln, nur so funktioniert ein Zusammenleben in dieser Welt. Wer dagegen verstösst, soll Konsequenzen spüren. Unser Rechtssystem verfolgt da interpretatorisch verschiedene Wege: Rache, Schutz der Allgemeinheit und Sühne sind Werte, die man subsummieren kann. (Sie lassen sich alle wissenschaftlich abstützen, ich verzichte hier der Lesbarkeit und des Umfangs wegen auf Ausführung).

Rache ist buddhistisch und yogisch kein Weg – er vergiftet den, der sie hegt. Schutz ist wichtig. Wenn man in Staaten lebt, soll sich jeder, der sich in diesem Staat befindet, den Werten desselben verpflichtet fühlen, im Gegenzug darauf bauen können. Wenn also einer seine Freiheit aufgibt, um in einem Staat leben zu können, muss er sicher sein können, dass der Staat dafür sorgt, dass Gefahren aus dem Weg geräumt werden (nicht letal, nur unmittelbar spürbar). Sühne ist für mich das Zauberwort. Da wirkt Ursache-Wirkung mit. Was ich tue, hat Folgen. Und wenn ich mein Tun nicht kontrollieren kann, dann soll es Wirkungen haben, die das unkontrollierte Tun unter Kontrolle bringen.

Ich las Empörung, dass ein solcher Mensch studieren wolle. Wieso? Er ist ein Mensch. Er will lernen, will wachsen. Das ist toll. Das steht ihm als Mensch zu. Er soll seine Würde behalten dürfen. Aber soll nie mehr andere Menschen in ihrem Wachsen hindern dürfen. Das ist eine reine Folge auf sein Tun. Keine Rache. Jeder schafft sich seinen Spielraum, in dem er agieren kann. Ursache – Wirkung. Man weiss es vorher. Und ja, das behaupte ich: Man weiss es. Wenn man behauptet, es nicht gewusst zu haben, ist eine lebenslange Verwahrung eh angebracht. Wenn man es wusste, aber doch einfachen Neigungen nachgab, dann muss man die Folgen tragen.

Das gilt ja für jeden. Beim Einen ist es das Vanilleeis, er sucht die Kleider in der Zeltabteilung, beim Anderen ist es der Drang nach Mord, er soll sein Auskommen in der Zelle finden. Ich bin hart? Der Vergleich hinkt? Ich denke nicht, zumal es nur eine Metapher war:

Der Weg des geringsten Widerstands ist immer verlockend. Wer ihm nicht widerstehen kann, der soll nicht über die Folgen jammern. Er hat sie sich selber beschert. Wenn sie ihm gefallen: Super, weiter so. Wenn nicht: Ändere was. Und genau da zeigt sich dann halt die Schwere… nicht alles ist einfach mal so wieder gut zu machen. Man kann aber immer das Beste draus machen. Für sich. Das würde jeder wirklich Geläuterte tun. Dazu muss man ihn nicht schon prophylaktisch freisprechen für irgendwann.

 

8 Comments

Schreibe einen Kommentar

  1. Ich frage einfach nach dem Unterschied, wenn die Herren Putin, Erdogan, Assad, Trump und weitere einfach entscheiden, „damit unsere Interessen gewahrt bleiben, bombardieren wir Eure Städte, Eure Kulturdenkmäler und selbstverständlich auch Euch widerspenstigen Menschen einfach in Schutt und Asche, den Tod und ins Elend bis ihr hochachtungsvoll vor uns niederkniet und uns um unsere Befehle an Euch anbettelt“.
    Der Einzeltäter von Rupperswil wie auch die diese scheinbaren „Staats?Interessen mit Granaten und Bomben Durchsetzenden sind für mich abscheuliche Täter und Verbrecher an der Menschheit.

    Gefällt 1 Person

    • Die Frage, wie viel Eingriff in fremden Kulturen angebracht ist, ist philosophisch eine brennende. Wo greifen wir zu tief in die Souveränität anderer Länder/Denkensweisen ein? Wieso setzen wir unsere Art zu denken über andere? Hier haben wir es aber mit einem Menschen unserer Kultur zu tun. Er kannte unsere Werte, studierte sie gar, interessierte sich dafür, konnte sie selber aber nicht erfüllen. Das ist eine andere Fragestellung. Man muss ihn vor sich und alle vor ihm schützen.

      Gefällt 1 Person

      • Natürlich, ihn vor sich selber und uns vor ihm schützen ist m. E. sehr dringlich.
        Aber eben, wass sich da im „Kleinen „ abspielt(e), spielt sich im Grossen (EIN Beispiel zur Zeit in Syrien mehr oder weniger legalisiert ab. Nirmand fühlt sich in der Lage, dies zu stoppen, jemanden zu schützen. Im Gegenteil, man trifft sich mit den Verantwortlichen für das Unfassbare bei teurem Champanger und feinen Häppchen an den nobelsten Orten dieser Welt. Führt ihnen huldigend sportliche Grossereignisse durch, die sie bejubelt eröffnen, beenden und als Meistgeachtete in den teuersten VIP Logen umschwänzelt miterleben.

        Gefällt 1 Person

  2. Ein sehr interessanter Beitrag liebe Sandra! Ich stimme Dir voll und ganz zu! Was mir allerdings immer wieder bitter aufstößt, das die lebenslange Haft, bei uns 15 Jahre beträgt! In Schwerstfällen, dann mit anschließender Sicherheitsverwahrung.
    Die Entscheidungen mancher Psychologen sind für die Opfer und deren Hinterblibenen zu oft schwere Körpverletzung.
    Das Verständnis für die TÄTER ist so oft so groß, daß ich mich frage wie kann das sein!

    Aber die Verbrecher sind wohl auf freiem Fuß BILLIGER für den Rechtsstaat, dass ist die traurige Wahrheit!

    Liebe Abendgrüße Sandra
    Babsi

    Gefällt 2 Personen

    • Ich bin ganz bei dir. Das stösst mir ja auch sauer auf. Wäre er geläutert, sähe er ein, wieso er da wäre und sässe es ab. Wenn nicht, müsste er eh… das war ja meine Argumentation.

      Liebe Grüsse zu dir
      Sandra

      Gefällt 1 Person

  3. Ich sass gestern kopfschüttelnd vor den Nachrichten und weiss, welche Tat du meinst. Es ist unfassbar. 4facher Mord – das sollte für eine wahrhaftig lebenslange Haft reichen und Diskussionen über Studium, Therapie erübrigen. Hat es im Gefängnis eine Uni?

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s