Wie wir unsere Welt an die Wand fahren

Ich bin ja bei Facebook. Ab und an frage ich mich selber, wieso. Aber nun denn. Jüngst lese ich fast nur noch Stimmen gegen Trump. Ach was, es sind keine Stimmen, es sind ganze Chöre. Es sind Jammergesänge. Man könnte Nabucco neu vertonen. Es wäre gewaltig. Die Chöre entspringen dem Frust. Die Singenden kriegten nicht, was sie wollten. Nun jammern sie. Wozu? Hilft das was?

Kaum! Es sind schlicht Parolen, die nun plakativ ins Auditorium geworfen werden. Was soll das helfen? Und wem? Wo ist da IRGENDETWAS Konstruktives? Es ist schlichtes Jammern aufgrund gemachter Aussagen des Herrn Trump, die zwar dumm und doof und unter aller Sau waren, aber damit nur ein Spiegel des Wahlkampfes, der hier geführt wurde. Den hat er nicht alleine geführt. Und schon wieder wird man mich als Trump-Befürworter lesen. Meine erste Reaktion nach seiner Wahl war „holy shit“ – und ich bleibe dabei. Ihre [Clintons – Anmerkung der Redaktion] Wahl wäre aber nicht viel gewinnbringender gewesen. Ich sah ihn immer plastisch als Kandidaten (die Medien sahen das wohl anders und hatten nur Spott und Häme sowie vorgedruckte Siegesartikel für Clinton in der Hand). Der Mechanismus hat ihm in die Hände gespielt. Vielleicht sollte man sich mal echt hinterfragen, was man überhaupt tut?! Einfach einen Kandidaten als Nonsens abzutun, weil er so unter allem ist (aber genau die Ängste und Sorgen derer anspricht, die offensichtlich zur Urne gehen. Der Rest polemisiert ja offensichtlich lieber mit grossen Worten auf FB oder hinterher auf der Strasse), führt offensichtlich in die Irre. Wir können was draus lernen und vor allem begreifen, was Demokratie wirklich wäre: Einen Diskurs zu führen, der alle zu Wort kommen lässt und nicht von oben herab diktieren will, was nun gut und schlecht ist – oder wir werden noch ganz oft solchen Wahlen gegenüber stehen.

Es ist verdammt einfach, nun Trump den Schwarzen Peter zuzuschieben (und ich sage es nochmals: Ich mag ihn nicht, er ist nicht mein Wunschpräsident). Das führt uns einfach schlicht nirgends hin.

Aktuell ist die Demokratie mehr als gefährdet. Daran sind weder Trump noch die AfD schuld. Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir das, was eine Demokratie ausmacht, verlernt haben: den offenen Diskurs. Früher ging man hin, sprach miteinander, zoffte auch. Man traf sich auf dem Markt, im Wirtshaus, man setzte sich auseinander. Heute sitzt jeder zuhause, liest sich in den sozialen Medien und bei Gratiszeitungen was an, schart die um sich, die gleicher Meinung sind, degradiert die anderen. Man ruft übers Netz zum Aufstand auf und es treffen sich Menschen, die sich nicht kennen, aber virtuell befeuern.

So fahren wir alle unsere Welt an die Wand. Dazu brauchen wir keinen Donald.

14 Comments

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  1. Liebe Sandra
    Ich stimme dir voll zu – es wird zu viel über Ergebnisse diskutiert anstatt einen wirklichen Diskurs über die Inhalte zu führen. Da ist aus meiner Sicht klar – keiner der beiden Kandidaten hatte wirklich viel beizutragen. Viel zu viel war einfach plakativ.
    Du triffst es genau – wer von uns trägt noch wirklich bei zu einem wirklichen Diskurs – viel zu wenige von uns – wir sitzen nur noch hinter unseren Accounts und online Readings. Diskurs geht im Moment verloren.
    Liebe Grüsse zu dir

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    • wir könnten ein Forum Turicum eröffnen… und fleissig diskutieren. Ok, vermutlich kriegten wir beide uns schon in die Haare. Aber immerhin wäre es ein Diskurs 😉 Danke für den Kommentar!

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    • Liebe Sandra,
      Gratulation zu diesem Wichtigen Text 🙂
      Ebenso ist es das Fehlen eines ‚Inneren‘ Dialoges, der Uns Gemeinsam von den Not-Wänd(e)igen Ver-Änderungen FERN hält …
      LG

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        • Ich diskutiere durchaus offen, ansonsten würde ich wohl auch kaum einen solchen Artikel schreiben. Auch bezüglich anderer Themen bin ich immer offen für Argumente und Hinweise derer, die anders denken oder eine andere Position vertreten. Wie sonst sollte ein lebendiger Diskurs entstehen?

          Ich hinterfrage mich sicher oft, kriege sogar den Vorwurf, es zu oft zu tun. Ich denke, du musst mich also nicht dazu auffordern. Trotzdem denke ich, dass du damit recht hast. Ich hoffe, du forderst nicht nur dazu auf, sondern beherzigst es auch selber 😉

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          • „Trotzdem denke ich, dass du damit recht hast. “
            Ja, bei mir ist auch ein Eindruck vorhanden, den ich aber nicht durch entsprechende „Beweisführung“ untermauern könnte und auch will, daß Du empfindlich gegen Kritik bist.
            Bei Gender-Themen etwa.
            Ganz gelegentlich bekommen hier Leute etwas ab, aber sie kommen offenbar immer wieder 🙂

            Dies ist wie gesagt ein Gedanke.
            Sensibel sein, verletzlich sein: Das ist ja auch o.k. Besser als anders rum.

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          • Sagen wir es mal so: ich habe hier einen Blog und schreibe Artikel zu Themen. Viele der Kommentierenden kennen mich nicht persönlich. Trotzdem scheint es immer mal wieder spannender, meine Person zu diskutieren, statt sich dem Thema zu widmen. Wenn ich dann Argumente dagegen halte oder gar sage, dass diese Schlussfolgerung aufgrund mangelnder Kenntnis eventuell nicht zutreffe, bin ich nicht kritikfähig.

            Die Frage, die sich mir stellt: wie sollte ich, damit ich als kritikfähig gelte, reagieren? Eine fremde Sicht auf mich einfach schlucken? Sehe ich nicht so. Ist derVorwurf der Kritikunfähigkeit nicht auch ein Zeichen von ebensolcher, weil man Widerspruch gegen das eigene Argument nicht hören will, weil man die als per se richtig ansieht?

            Aber natürlich kann man auch zu dem Kommentar sagen, es spreche Kritikunfähigkeit daraus.

            Ich kann zu all dem nur immer sagen, dass ich es schade finde, wenn sachliche Diskussionen unterlaufen werden, indem auf persönlicher Ebene diskutiert wird. Damit versetzt man jeder Diskussion den Todesstoss.

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  2. Bin zu 100% bei dir. Für mich habe ich leider längst erkannt, dass auch wir in Deutschland nur noch eine Kasperle Demokratie haben. Es werden immer viel zu viele Versprechungen gemacht, die nach der Wahl nicht vollzogen werden (können), mit dem Hinweis auf den jeweiligen Koalitionspartner. Nur gibt es diesen in den USA nicht, deshalb sind uns die Amis in diesem Fall mal wieder voraus. Bei uns in Europa werden zukünftige Wahlen ähnlich ausgehen, nicht zuletzt, weil man bei Trump sehen wird, dass keine Katastrophen eintreten werden, nicht weil er viel Ahnung vom Politikgeschäft hätte, sondern weil ein Präsident eben doch meistens nur ein Sprachrohr der Berater ist (dabei kann eine eigene Meinung und Charakter auch nicht schaden). Viele Medien fühlen sich als sogenannte Experten nun dumm und machen deshalb aus jedem falschen Gesichtsausdruck gleich einen Skandal und ziehen Trump sofort ins Lächerliche. Das ist nicht wirklich hilfreich, auch weil die Politik diesen Tenor teilweise aufgegriffen hat. Trump ist im Amt, ob wir wollten oder nicht und wir sollten jetzt das Beste tun was für Europa wichtig ist und nicht mit verletzten Eitelkeiten vor demSpiegel stehen und über die Situation jammern.

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  3. „Es werden immer viel zu viele Versprechungen gemacht….“.
    Da frage ich mich manchmal schon, geht es so vielen Leuten so schlecht, dass die sich an jeden Strohhalm klammern oder sind so viele so dumm, dass sie alles glauben, was da vom Himmel herunter versprochen wird?
    Dass ein Einzelner in einer Demokratie etwas bewegen kann, glaube auch ich – aus diversen Gründen. Aber einer allein kann nichts fundamental ändern, ohne eine Mehrheit (Stimmender) hinter sich zu scharen. Also, traue ich nur einem Versprechen: „ich setze mich für oder gegen dieses oder jenes ein, ob es was nützt wir sich zeige“!

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  4. Einer der Chefberater von Trump sagte unlängst, was ihm wichtig sei:
    „Satan“, „Dark Vader“, „Dick Cheney … also eine Grundhaltung
    der Kriegsführung. Und natürlich geht es um Kriege und geballte Macht.
    Auf den unteren Ebenen der Gesellschaft kommt das auch zum Ausdruck.
    THE DAILY DESASTER.

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  5. „indem auf persönlicher Ebene diskutiert wird. “

    Kann denn überhaupt auf unpersönlicher Ebene diskutiert werden?
    Durch eine Unsumme von Deinen Artikeln, die man gelesen/überflogen/durchdacht hat, kommt man zu einem Bild.
    Das Bild kann immer wieder falsch sein – das vergisst man wohl oft. Man hätte ja gerne was Greifbares.

    Ich für mich gesprochen habe oft ein Bild von Dir. Inwiefern dieses Bild zutrifft/Bedeutung hat ausser einer Art von Phantasie – who knows. Vielleicht braucht man auch Bilder, um operieren zu können.
    Kannst Du jemandem bilderlos begegnen??? Wenn ja, then tell me the secret!

    Manchmal spürt man die Aufgeregtheit und den Verdruss bei Dir, wenn es etwa um Genderthemen geht. Da geht es „lauter“ zu als sonst.
    Das zumindest stimmt doch oder?

    Schönen Abend!

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