Bewusstes Handeln – Utopie?

Und dann sind da noch die, welche dir privat schreiben auf Facebook. Die dir ja nicht sagen wollen, was du tun sollst, aber es doch ganz anders tun würden. Und das müssen sie dir nun schreiben, ohne damit zu sagen, dass sie richtig und du falsch liegst. Es brennt ihnen wohl nur auf der Seele. Und muss raus. Nur kann man ja nicht alles einfach so sagen, wie es grad brennt. Drum schiesst man voraus, dass man eigentlich nichts zu sagen hat und es einen auch nichts angeht, man aber doch mal schreiben will, weil man sich so dachte, es müsste doch mal gesagt sein.

Damit alles auch ja nicht in den falschen Hals kommt, schiebt man noch ein „Versteh mich nun bitte nicht falsch“ vor. Sollte alles also so ankommen, wie man es vielleicht sogar zwar dachte, aber nicht wollte, dass es Reaktionen mit sich bringt, hat man schon mal vorgesorgt. Man kann einfach nur noch sagen: „Das hast du gaaaaaanz falsch verstanden. Das war so niiiiiiiiie gemeint.“

Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wenn man schon denkt, etwas könnte falsch verstanden werden, wieso formuliert man es nicht so lange um, bis es unmissverständlich ist? Wer bestimmt, was falsch verstanden und was richtig ist? Ein kluger Geist sagte mal:

Eine Aussage gehört zur Hälfte dem, der sie ausspricht, und zur Hälfte dem, der sie hört.

Dessen sollte man sich im Klaren sein, wenn man etwas sagt. Damit sind falsch oder richtig obsolet, es bleibt individuell. Wenn man also etwas sagt, muss man sich im Klaren sein, dass der andere etwas daraus macht beim Hören. Das Resultat ist vielleicht nicht gewollt, aber damit nicht falsch.

Die nächste Frage, die sich mir stellt, ist: Wieso denken ganz viele Menschen, sie wüssten besser, wie die Welt dreht, als andere das tun? Und wenn jemand denkt, dass ihn die Welt des anderen nichts angeht, wieso sagt er dann was? Und wenn er was sagen will, wieso schiebt er den ganzen Vorbau davor? Wäre die Welt nicht wunderbar, würden sich die Menschen zuerst überlegen, was sie sagen oder tun wollen, sich dann der Konsequenzen bewusst werden, um dann zu handeln (wobei auch Nicht-Handeln ein Handeln ist)?

13 Comments

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  1. Ein Rat kann sein, weil man von aussen oft mehr sieht. Grundbedingung ist aber, den anderen wirklich zu sehen. Dazu gehört einiges.
    Wenn jemand etwa Zwangsaengste hat und man das nicht einschätzen kann, sind Vorschläge zur Befreiung oft fehl am Platz! Verstanden wird das Nichtdaraufeingehen dann nicht.

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    • Es ist – wie ich finde – schon schwer, jemandem zu raten, den man gut kennt. Wen man nur durch eine Onlineplattform wie Facebook teilweise wahrnimmt, den kennt man wohl kaum – nicht mal ansatzweise. Da wundert es mich dann doch sehr, wie viel in andere Menschen hineininterpretiert wird. Da wird plötzlich ein jeder zum Experten in fast jeder Angelegenheit. Darauf war es bezogen hier.

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      • Tja, manchmal hat man halt eine Blitzidee, die möchte man mitteilen! Der Gedanke, man könnte völlig falschliegen, kommt einem da nicht
        Das ist aehnlich einem Kind, dass seiner Mutter eine tolle Zeichnung von ihm zeigt. Ich machte das jedenfalls , als ich durch Magie einen wunderbaren frauenkopf in den Sand gezeichnet hatte 😊

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        • Ich denke, das macht den Austausch auch ab und an interessant, wenn Ideen und Assoziationen hineinkommen, die man vorher nicht gesehen hat oder auch nicht beabsichtigte, die einem aber immer wieder eine Facette zeigen, die das Leben auch noch birgt.

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  2. Ein amüsantes Thema, eigentlich, wären da nicht die Beratenen, die nicht um Rat fragten, aber ihn dennoch bekamen. Einen öffentlichen Rat oder Hinweis würde ich grundsätzlich vermeiden, aber es gibt Themen die so heikel sind, dass sich das Nachdenken von selbst einstellen sollte, bevor man mit Kommentaren loslegt. Private Angelegenheiten kommentiere ich nicht mit Rat, ausser es ist gewünscht, denn zu oft ist man nicht nah genug dran um wirklich ein Urteil fällen zu können, denn das würde einem guten Rat ja zumindest vorausgehen. Ausserdem müsste ich es schaffen mich komplett in die Situation des Freundes hinein zu versetzen, was aufgrund fehlender Informationen recht schwierig ist. Zumindest da halte ich es mit meiner Mutter die immer gesagt hat, „Erst nachdenken, dann den Mund öffnen“, oder eben auf die Tastatur hämmern 😉

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    • Es geht nicht darum, was einer wunderbar findet, auch nicht darum, etwas zu sagen, um dem anderen damit aus Prinzip fast zu widersprechen. Relativieren würde ich vielleicht. Nicht „die Menschen“, sondern bestimmte, nicht tabulos, sondern angemessen und helfend/mitfühlend. Das kann natürlich jeder halten, wie er will.

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      • Ich knabbere auch immer Tage an Kritik. Wenn ich dann in mich gehe und anerkenne, dass die Kritik wiederholt und von mehreren Seiten geäussert wurde, selbst von Leuten, auf deren Meinung ich gerne verzichten würde, dann sehe ich es letztendlich ein. Angenehm ist es zunächst nicht, aber für die Zukunft konstruktiv und hilfreich

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        • Kritik ist wichtig, wenn sie konstruktiv und in einer Absicht geäussert ist, die dem anderen gegenüber wohlgesinnt ist. Ob sie zutrifft, muss der Kritisierte offen und ehrlich (mit sich selber) analysieren. Geht der Kritiker per se davon aus, im Recht zu sein, müsste er dahingehend selbst Kritik empfangen. Ob Kritik schmeckt oder nicht, ist aber kein Kriterium .

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          • „die dem anderen gegenüber wohlgesinnt ist.“

            Wie kann man das im Einzelfall feststellen?
            Offline, im direkten Dialog ist es schon bisweilen schwer. Da vernimmt man oft eine Kritik an sich und es war vielleicht nur eine Anmerkung. Man hörte einen Tonfall der Kritik, der war aber vielleicht nicht da, wer weiß?
            Online ist es noch einmal schwieriger! Wie kann man einem Text ansehen, in welcher Verfassung er geschrieben wurde? Kannst Du meinem Text hier Gelassenheit oder etwa Wut entnehmen? Was spürst Du?
            Ich kannte mal eine Frau, die meinte, jedem geschriebenen Text (unabhängig von dem vorgefundenen Schwarz-auf-Weiß-Gemenge) anzusehen, mit welchen Emotionen er begleitet ist. Ob er wohlwollend ist, bissig oder sonst etwas.

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          • Ich dachte meinen Kommentar so, dass sich auch der Kritiker fragen muss, mit welcher Intension er eine Kritik absondert. Dies, weil vorher die Rede davon war, dass Kritik per se gut sei und man sie annehmen müsse. Es ist in der Tat nicht einfach, zu wissen, wie der andere es meint. Grundsätzlich sollte man sich wohl mit Menschen umgeben, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie es gut mit einem meinen. Zumindest im realen Leben.

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