Moral – universell oder individuell?

Beim menschlichen Zusammenleben gibt es Regeln. Viele davon sind in Form von Gesetzen aufgeschrieben und damit verbindlich, einige existieren als moralische Grundsätze, die darlegen, wie man sich verhalten soll im Verband, damit es allen gut geht. Doch worauf gründen diese Grundsätze? Sind sie in uns Menschen angelegt als Kern unseres Seins? Die buddhistische Psychologie geht davon aus. Sie sagt zwar, dass dieser Kern verschüttet sein kann und wir keinen Zugang dazu haben, aber: Jeder kann sich diesen Zugang verschaffen, wenn er es will. In der westlichen Philosophie ist vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg der Glaube an eine absoolute und universell gültige Moral abhanden gekommen. Hannah Arendt erklärt den Verlust damit, dass vor dem Dritten Reich moralische Grundsätze herrschten, die während desselben in ihr Gegenteil verkehrt wurden, um danach wieder zurückzudrehen. Was Menschen in der einen Zeit gut und richtig fanden, stiessen sie in der anderen mit Füssen.

Wie entscheiden wir, was wir gut und richtig finden? Welche Instanz gibt den Ausschlag? Es ist wohl das Gewissen, das uns vor der Handlung abwägen lässt, was zu tun ist, danach richtet, was wir getan haben. Doch worauf gründet dieses Gewissen? Entsteht es durch Konventionen in der Zeit, in der wir leben, oder ist es eben wirklich Teil von unserem Wesen, als geistige, allgemein und immer gültige Grundlage? Und was passiert, wenn wir gegen unser Gewissen entscheiden?

Ein Beispiel:

Ein Mann plant eine Überraschung für seine Frau und lügt sie deswegen an, obwohl er weiss, dass sie Lügen hasst und es ihm übel nähme – egal, ob es für sie gemeint ist oder nicht. Sein Gewissen meldet sich und weiss: Das wird sie nicht toll finden, wenn sie es rausfindet. Es bestehen aber gute Chancen, dass es nicht rauskommt.

Soll sie sich nicht so haben, war ja nur gut gemeint? Sollte er ehrlich bleiben und notfalls etwas anderes machen, wenn es so nicht klappt, weil er respektiert, was sie sich wünscht und nicht dagegen handelt? Ist das Beispiel so banal, dass es eh keinen kümmert?

Ein Mann hat sich an der Börse verspekuliert und damit viel Geld verloren. Zwar brauchen die beiden das Geld nicht dringend, aber es war als Notgroschen gedacht und damit unantastbar. Seiner Frau lag viel an diesem Polster – zur Absicherung. Da die Frau sich nie um die Finanzgeschäfte kümmert, traut er sich nicht, ihr was zu sagen, zumal sie es nie rausfinden würde – käme kein solcher Notfall.

Immer noch eine Bagatelle? Ein Vertrauensbruch? Sein Gewissen sagt ihm, er hat Mist gebaut, nur: Zu ändern ist das nun nicht mehr.

In einer Ehe ist der Wurm drin. Es ist alles eingespielt, man hat sich arrangiert, aber wirklich glücklich ist man nicht mehr. Trotzdem kommt eine Trennung aus vielen Gründen nicht in Frage. Da Mann und Frau sehr unabhängige Lebensabläufe haben, merkt die Frau nicht, dass sich der Mann ab und an mit einer anderen Frau trifft. Das tut ihm gut, das macht ihn glücklich, so dass er auch mit seiner Ehe wieder besser klar kommt, da er gelassener ist. Seine Frau würde das nie gutheissen, auch wenn sie die Beruhigung im Alltag schätzt.

Akzeptabel, weil es so eigentlich allen besser geht? Ist unbedingte Ehrlichkeit höher zu schätzen als ein bisschen Zufriedenheit im Leben?

Im Buddhismus wäre die Antwort klar: Die Unwahrheit ist ein Gift, das die eigene Psyche angreift. Wirkliches Glück ist damit nicht möglich, nicht mal dauernde Zufriedenheit. Das Gewissen, so ist man sich sicher, wird einen innerlich zerfressen. Unterdrückt man es, findet es Wege, an anderen Orten für Unruhe zu sorgen und so Leid über einen zu bringen. Da man hier das Glück sowieso im Innen sucht, nie im äusseren Erlangen von Objekten der Begierde (welcher Art auch immer), wäre das Glück durch die Lüge sowieso ein eher vorübergehendes und auch illusionäres als wirklich tief empfunden.

Doch: Wie sehen wir das im Westen? Wahrheit eine Tugend, ein Prinzip, das man hochalten soll? Schulden wir das der Moral? Woher rührt diese? Sind es die Konventionen unserer (christlichen) Ethik, die uns dazu auffordern, oder aber doch etwas tief in uns, das uns aushöhlen würde, ignorierten wir es?

 

 

 

 

26 Gedanken zu “Moral – universell oder individuell?

  1. Gute Fragen. Nur, wer kennt eine gültige Antwort resp. DIE gültige Antwort.
    Und wenn wir diese kennen, wie werden wir unser Verhalten und Leben darauf bauend (neu?) neu gestalten? Ganz anders, ganz anderen Werten verpflichtet?

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  2. Ich denke, Platon hatte nicht so Unrecht mit seiner „Dualität“, der Welt der Ideen und der konkreten Welt. Obwohl Platon in meinen Augen kein Dualist war, in seinem Höhlengleichnis gibt es nicht nur die Gestirne und die Schattenwand, sondern noch sehr vieles dazwischen. Und das ganze Gleichnis ist nicht so sehr ein Bild der Welt als ein Bild des Menschen. Wie es Symbole so an sich haben. Nach diesem Bild haben wir die „Welt“ des Guten, Schönen und Wahren irgendwo in uns aber sehr weit weg von der (Schatten-)Welt, in der wir leben und in die wir hineingeboren/geworfen werden, ohne gefragt zu werden.

    Das europäische Denken ist aber immer mehr dem Aristoteles gefolgt, und hat nach und nach so vieles gestrichen und verdrängt. Mit dem begrifflichen Denken ist das Symbolische, Psychische, Mehrdeutige immer mehr verloren gegangen. Damit wurde die religiöse und psychische Dimension aus der Schattenwelt verdrängt. Auf eindeutigen Begriffen zu bestehen heißt aber der Natur entfremdet zu sein, in der nichts eindeutig ist.

    Daher wissen wir zwar innerlich, was recht und ethisch ist (eine gewisse Ehrlichkeit und der Mut, nicht an der Oberfläche zu bleiben gehört natürlich auch dazu), aber das passt irgendwie mit der Schattenwelt, in der wir leben, nicht zusammen. Da ist eben auch nichts eindeutig, und die allgemeinen Regeln und Gesetze sind bestenfalls Hinweise. Ich kann immer nur dem nachspüren, was im konkreten Fall stimmig ist, und das kann manchmal auch dem allgemeinen Gesetz, das wir anerkennen, widersprechen. (In der Theologie gibt’s dafür sogar einen eigenen Begriff, der mir aber jetzt nicht parat ist). Der ganze juristische Apparat ist ja auch nichts anderes als der Versuch oder der Spagat, dem allgemeinen Gesetz einerseits und der Subjektivität des Einzelfalls andererseits möglichst gerecht zu werden – gelingen wird es sehr oft nicht.

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  3. Lüge gehört für mich untrennbar zum Menschen. Man lügt vielfältig. Und Tiere lügen, Pflanzen lügen. Was ist etwa mit jener Pflanze, die mit ihrer Färbung vorgibt, ein weibliches Insekt zu sein, nur um dem männlichen Tier beim Begattungsversuch die Pollen überzustülpen?

    Nun gut. Du wirst sagen: Der Mensch kann ja aus dieser ganzen Verstrickung austreten! Sollte austreten! Aber er KANN nicht austreten, weil sonst die Gesellschaft nicht funktionieren würde. Tausend mal am Tage müsste ich die Wahrheit sagen, die Leute damit überfordern und Unheil stiften.
    Stehe ich etwa an der Kasse eines Supermarkts und eine Person neben mir gefällt mir nicht. Dann müsste ich es doch der Person sagen. Das Verschweigen meiner Gefühle ist eine Lüge!

    Und nun zu den Beispielen, die etwas „höher“ angesiedelt sind. Zu deinen Beispielen. Da gefällt mir Beispiel 3 sehr! Ein wunderbares Beispiel, wie durch Lüge sehr viel Gutes gestiftet wird. Wenn man die Trennung nicht wagt, aus vielerlei Gründen, dann ist dieses Lügenkonzept eine gute Lösung. Aufrichtiger wäre natürlich eine baldige Trennung oder eine Paartherapie, ohne irgendwelche dritten Personen, aber wenn die Partnerin etwa keine Therapie will (da kenne ich Beispiele aus dem Umfeld) und Trennung anderweitige große Belastungen mit sich bringt, was dann?

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  4. Was ist Lüge? Tiere und Pflanzen lügen nicht, sie sind, was sie sind. Nur der Mensch, der erst werden muss, was er ist, kann dazu verschiedene Wege wählen oder ganz verweigern.
    Zuerst ginge es aber um die Frage „Was ist Wahrheit?“ Dabei geht es mehr um sowas wie Authentisch Sein als um Logik. Denn die hat nichts mit der Natur zu tun. Logik, das sind Denkgesetze und nicht Naturgesetze. Logik erfordert Eindeutigkeit, in der Natur gibt es nichts, das eindeutig wäre.

    Was also ist Wahrheit, wenn wir über Lüge reden wollen? Im Leben gibt es die eine Wahrheit nicht. Das wird in Beziehungen deutlich. Ich bezichtige den anderen, die Unwahrheit zu sagen, nicht wahrhaftig zu sein (was schon mal nicht dasselbe ist). Warum? Weil MEINE Wahrheit eine andere ist. Und sie ist eine andere, weil ich die Dinge anders sehe, weil ich anders denke und weil ich andere Lebensmuster habe (oder darunter leide), die mich seit Kindheit verfolgen, und die sich keinen Deut um wahr oder falsch kümmern. Wenn zwei auf dasselbe hinschauen, dann sehen sie nicht dasselbe. Das gilt schon für die „objektive“ Welt, und noch mehr für die „subjektive“. Und von diesem „noch mehr“ müssen wir ausgehen, denn das Leben ist nicht logisch, sondern psychologisch.

    Dazu kommt: Jedes Wort, jedes Tun hat Konsequenzen. Im genannten Beziehungsbeispiel hieße das, schon im Tun bin ich nicht wahrhaftig, noch bevor ich etwas gesagt oder nicht gesagt habe. Dass Negatives durchaus positive Konsequenzen haben kann (und umgekehrt), ist nichts unbedingt Neues. Die Frage ist aber, ob das noch eine Beziehung ist, wenn man den Wurm Wurm sein lässt? Das „Ich bin dann mal weg“ ist ja nicht zu übersehen. Die Wahrheit zu sagen beschränkte sich ja nicht auf das „Ich bin fremdgegangen“, sondern auf das „Es ist der Wurm drin“. Und da könnte es sein, dass der Fremdgegangene sich diesen Wurm noch viel weniger anschauen will oder das wagt, als der Zurückgebliebene. Die „Wahrheit“ ist also ungleich verteilt, noch bevor einer den Mund aufmacht oder nicht.

    Wahrheit, Lüge, Moral, Ethik haben mit der Komplexität des Lebens zu tun, nicht mit der Einfachheit und Eindeutigkeit der Logik. Komplexität bedingt, dass jeder etwas anderes sieht. Leben besteht daher nicht aus „wahr“ ODER „falsch“, sondern immer aus wahr UND falsch. Und es geht nicht darum, wer Recht hat, sondern darum, beide Sichtweisen ernst zu nehmen und vielleicht zu einem Gemeinsamen zu kommen.

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  5. Herr Harsieber, „Wenn zwei auf dasselbe hinschauen, dann sehen sie nicht dasselbe.“
    Aber wie ist das auszuhalten? Es spaltet doch regelrecht mein Gehirn, wenn etwa eine gehörte Aussage angeblich so nicht getroffen wurde?! Wie soll ich damit dauerhaft zurecht kommen?

    „Die Frage ist aber, ob das noch eine Beziehung ist, wenn man den Wurm Wurm sein lässt? “
    Selbstverständlich ist das dann keine Beziehung mehr auf Augenhöhe. Aber woher will man wissen, ob der andere unbedingt aus „dem Nest“ will? Der will vielleicht die Wahrheit garnicht hören und signalisiert das sogar evtl.
    Den, der anständig und rechtschaffen lebt, den möchte ich mal kennenlernen. Wie Du sagtest, gibt es auch Böses im Guten. Man durchblickt ja sein Tun selbst nicht, all die Konsequenzen seines Tuns. Was richtig erschien, kann sich im Nachhinein als falsch erwiesen haben.

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    • Das ist schon auszuhalten, weil es nie anders war und ist. Und das Wesen der Kommunikation ist eben, einen Raum des Verstehens zu schaffen, der sich zwischen den Standpunkten aufspannt.
      Das Gesagte ist nie das Gehörte, darum kommen wir nicht herum. Allerdings geht es nicht um Worte und Sätze, sondern um das zu Vermittelnde in diesem (seelischen) Raum, in dem beide zuhause sein können oder auch nicht – oder mehr oder weniger, um es realistischer auszudrücken.

      Wenn zwei auf dasselbe hinschauen, dann können sie gar nicht dasselbe sehen. Wir gehen intuitiv immer noch von einer objektiven Welt aus, die es aber nicht gibt. Das behauptet nicht nur der Konstruktivismus, sondern die Physik schon seit 100 Jahren. Das Messen verändert das Gemessene, das Hinschauen verändert das Gesehene. Im Sehen eines Steines am Wegrand ist meine ganze Biographie enthalten.

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  6. Viele gute Gedanken. Auf die drei Fälle bezogen kann ich den ersten verantworten, weil ich für meinen Partner etwas positives schaffe ohne seine Prinzpien (im Normalfall) zu verletzen. Beispiel zwei ist bereits gescheitert, weil er begann mit dem Geld zu zocken, welches ihm nicht alleine gehört, jede weitere Unehrlichkeit ist ein weitere Genickschlag für den Partner und Beispiel drei entbehrt jeder Basis einer guten Partnerschaft und ist von Egoismus sowie Feigheit geprägt.

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  7. Ich denke, dass man die Idee, wir könnten Ethik auf absolute Wahrheit basieren lassen, verabschieden. Vielmehr sollte es bewusst im Relativen angesiedelt sein: Was du nicht willst, das man dir antut, das füg‘ auch keinem anderen zu.
    Das Beispiel mit der aufdringlichen Ehrlichkeit an der Kasse möchte ich nochmal aufgreifen. Eine nicht gestellte Frage zu beantworten halte ich für grundsätzlich unnötig. Außerdem wäre im Sinne des yogischen Ahimsa, der Grundsatz des nicht-verletzens einzuhalten. Womit verletzende Rede natürlich ausgeschlossen wäre.

    Vorallem in einer so intimen Beziehung, wie ich die Ehe einschätze, ist ein offenes Verständnis einer gemeinsamen Ethik Voraussetzung. Ansonsten kommt es wohl leicht zu all den erwähnten und unerwähnten männlichen und weiblichen Verfehlungen, welche die Scheidungsraten in die Höhe treiben.

    Wenn zB. Unehrlichkeit für Überraschungen für beide in Ordnung ist, dann ist es ok, keiner wurde dadurch verletzt. Wenn sexuelle Beziehungen außerhalb der Beziehung für beide ok ist, dann möge es für diese mit allen Nebenbedingungen so sein. Wenn nicht, dann eben nicht.

    MfG toe

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  8. Ich bekomme keine Likes 😦

    Zu Egoismus und Feigheit.
    Was für ein Leben wollt ihr? Das des rigorosen Aufrechtstehens? Viele können das nicht, behaupte ich. Sie gehen einen Mittelweg, der zwar nicht ehrlich ist, aber in der Konsequenz doch auch nicht so schlecht.
    Wünscht man wirklich ein Leben, das voll vorzeigbar ist und keinem Einwand, keinerlei Richterspruch zuwider läuft? Wer von uns schafft das?
    Wer kann von sich sagen, daß er nie egoistisch in großem Stil war und wer war niemals abgrundtief feige…und wird es auch weiterhin sein?

    Ich verstehe das alles nicht.

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    • Ich denke, für ethische Betrachtungen gibt es immer zwei Ebenen zu berücksichtigen: die des Ideals und die des Faktischen. Das Ideal ist nicht der Massstab für das Faktische, sondern eine Orientierung. Die Seeleute haben sich früher nach den Sternen orientiert, sie haben sie nicht vom Himmel geholt. Das Faktische gibt einen Rahmen, innerhalb dessen man sich bewegen kann. Das Ideal passt da nicht hinein, obwohl es immer Orientierung bleiben soll. Das Ziel immer vor Augen den Weg gehen. Dem Weg nicht vorwerfen, dass er nicht das Ziel ist.

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  9. Ich gebe dir recht Gerhard, aufrecht stehen auf allen Ebenen des Lebens verbrennt einen in Lichtgeschwindigkeit, aber es gibt eben auch Menschen die nicht anders können als gerade zu sein und die kommen mit den Kompromissmachern nur sehr schwer zurecht und das finden diese selbst oft bedauerlich, würde es das eigene Leben doch deutlich erleichtern.

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  10. Du hast völlig Recht, Gerhard. In der Ethik geht es um ein gutes Leben und nicht um Absolutes. Oft kommt man um ethische Dilemmata gar nicht herum, wenn man zum Beispiel authentisch sein, zu sich selbst stehen will, und dabei andere verletzen muss. Was manche als Aufrechtstehen bezeichnen, ist nichts als auferlegte Erstarrung, die mit Leben nichts zu tun hat. Leben ist immer widersprüchlich.

    Psychologisch wäre so ein „Aufrechtstehen“ eine nicht zu erfüllende Über-Ich-Forderung, die nicht in Selbstgerechtigkeit, sondern in Scham- und Schuldgefühlen endet. Regeln, Gebote sind erst dann ethisch, wenn sie nicht von außen (Eltern, Schule, Gesetzgebung, Kirche), sondern von innen, aus eigener Überzeugung, aus dem Ich kommen.

    Daraus folgt, dass wenn ich etwas tue, weil es vorgeschrieben ist, weil man so tut, dann ist das auch unethisch, wenn es richtig ist, was ich tue. Und wenn ich aus eigener Überzeugung handle, dann ist es auch richtig, wenn es nicht ganz richtig ist. Und das ist kein Relativismus.

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    • Der letzte Passus:
      Was ist eine EIGENE Überzeugung? Ich bin in Einflußfeldern, die immer mein Denken mitbestimmen. Wenn ich meine „Alle Menschen nutzen einen aus“ und ich deshalb nicht helfe im Einzelfall, dann wäre es richtig, auch wenn es nicht ganz richtig wäre.
      Authentisch über alles?
      Vielleicht ahbe ich ja auch etwas nicht ganz verstanden 🙂

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  11. Ich muss bzw. darf jetzt mal ein bisschen enttäuscht sein, weil ich sonst deine Texte und Analysen sehr sehr schätze. Der Titel des Blogs verspricht diesmal deutlich mehr, als er hält. Ein echter Diskurs wird nicht geführt und auch keine Schlussfolgerungen gezogen. Schade. Warum nicht? Kommt noch ein zweiter Teil? Du besprichst hier Moral praktisch nur im Privaten, in der zwischenmenschlichen, partnerschaftlichen Situation. Da hake ich jetzt mal ein: Hat nicht sogar ein großer Denker mal gesagt, Moral gäbe es nur im Privaten? Und hat er nicht recht? Wenn Bindung und Vertrauen entstehen sollen, ist Moral unabdingbar. Sich etwas vorzulügen, kann nur ins Verderben führen. Nur in wenigen Ausnahmen halte ich hier die Lüge, das Vorgaukeln für legitim. Beispielsweise, wenn jemand sterbenskrank ist.
    Die Moral als Maxime einer universellen Gesellschaft? Kurz: eine Utopie. Da bin ich fast ein Nietzsche-Jünger. Moral ist gesellschaftlich letztendlich ein Luxus, wenn auch ein schöner und angenehmer. Doch niemand hält sich daran, wenn es um die eigene Existenz geht. Und in einer Partnerschaft? Ja, da habe ich diese Illusion noch.

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    • Enttäuscht sein darfst du immer, es fragt sich, wieso? Welche Erwartungen hast du und muss ich die erfüllen?

      Du kritisierst die rein private Behandlung und fügst gleich selbst an, es gäbe Moral nach einem Philosophen nur privat (was ich nicht denke).

      Moral hat keine legale Komponente, insofern ist sie nicht staatlich. Sie ist aber sozial und kulturell begründet und immer im Miteinander ausgelebt. Angelegt muss sie aber individuell sein, dies natürlich immer auf der Grundlage der umgebenden Welt.

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  12. Zu der interessanten Diskussion in den Kommentaren: ich sehe das kritisch: es erscheint mir, dass lügen all zu oft unter dem Deckmantel des Aufrechterhaltens eines nicht haltbaren Zustands gelten gelassen wird. In Wahrheit ist es häufig einfach nur Feigheit.
    Und die Logik hat noch niemand erwähnt? Moral gründet auf Logik. Gerechtigkeit ist logisch eindeutig fassbar. Bloß endet unsere Vernunftbegabung meist vor den eigenen Interessen….

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