Eugen Ruge: Cabo de Gata

Die Reise zu sich selber

Das war, glaube ich, der Moment, da mir der Gedanke kam, diese Stadt (dieses Land, dieses Leben) bis auf weiteres zu verlassen.

Mit einer Hängematte, ein paar Schreibheften und wenig mehr steigt ein Mann in einen Zug Richtung Süden. Wohin er genau will, weiss er nicht, nur, dass er weg von da will, wo er ist.

Es war unmöglich, den richtigen Ort zu finden – diese Erkenntnis gefiel mir, ja sie erheiterte mich sogar, statt mich zu erschrecken. Es war, so erinnere ich mich, als nähme ich meine Lage nicht ernst, als würde ich neben mir stehen und mir zuschauen wie der Figur eines Romans […]

Er landet in einem kleinen Fischerdorf, das in eine trostlose Landschaft gebettet wenig bietet. Das Leben ist einsam, entsprechend öde –  auch zum Lesen. Eines Tages tritt eine Katze in sein Leben. Der Mann fängt an, Dinge in die Katze zu projizieren, lässt sich durch ihr Verhalten zum Nachdenken über das Leben animieren.

Ich weiss, dass es geschickter wäre, das Buch hiermit enden zu lassen, […] Aber ich habe mir vorgenommen, mich beim Aufschreiben dieser Geschichte von dem leiten zu lassen, was ich erinnere, und deshalb soll diese letzte Erinnerung an Cabo de Gata am Ende der Geschichte stehen.

Cabo de Gata ist ein Buch über Erinnerungen. Der Protagonist erinnert sich in einem Fort und der Erzähler thematisiert dieses Erinnern ständig explizit. Man kann dieses Erinnern als ein Leitmotiv nehmen, als ein sprachliches Stilmittel, das eine Art Poesie in die Prosa legt, gleich eines Refrains, der sich durch den Text schlängelt. Das eher schmale Buch ist nicht wirklich unterhaltend, es passiert kaum etwas.

Das Buch hat gute und tiefe Gedanken, bringt diese in einer klaren, gut lesbaren Sprache an den Leser. Es ist ein Buch der Stille, der Suche nach sich selbst. Es ist ein Buch des Scheiterns, ein Buch des Neuanfangs. Es wirkt in seiner Art authentisch, klingt nach einer wirklichen Erzählung, die zwar durch ein paar Absonderlichkeiten glänzt, was aber auch im realen Leben durchaus ab und an vorkommen kann.

 

Fazit:
Ein stilles Buch über das Leben, das Scheitern an demselben, die Suche nach einem Neuanfang und vor allem die Suche nach sich selber. Reinlesen und schauen, ob es gefällt.

 

Zum Autor
Eugen Ruge
Eugen Ruge, 1954 in Soswa (Ural) geboren, studierte Mathematik an der Humboldt-Universität und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde. Seit er 1988 aus der DDR in den Westen ging, ist er hauptberuflich fürs Theater und für den Rundfunk als Autor und Übersetzer tätig. Für seine dramatischen Arbeiten erhielt Eugen Ruge den Schiller-Förderpreis des Landes Baden-Württemberg; 2009 wurde sein erstes Prosamanuskript In Zeiten des abnehmenden Lichts mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet; für den daraus entstandenen Roman erhielt er den Aspekte-Literaturpreis und den Deutschen Buchpreis 2011.

 

Angaben zum Buch:
RugeCaboGebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag (7. Juni 2013)
ISBN-Nr.: 978-3498057954
Preis: EUR  19.95 / CHF 32.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

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