Besinnliche Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Eine besinnliche Zeit soll es sein, eine Zeit der Liebe, die im Fest der Liebe gipfelt. Schaut man in die Welt hinaus, ist von Besinnlichkeit wenig zu spüren. Im Osten fliegen Raketen, im Westen gibt es nichts Neues und das, was ist, hat mit Besinnlichkeit wenig gemein.

Sieht man mal von der ganzen Geschenkerennerei ab, bleibt die Organisation der Festtage. Bei wem feiert man wann und wieso? Wie teilt man die Tage auf, um allen gerecht zu werden, wer ist dabei, wer darf fehlen? Aus diesen Abwägungen heil herauszukommen und am Schluss keine Erwartungen zu verletzen, erscheint als hohe Kunst. Die eigenen Erwartungen wollen wir nicht mal erwähnen, die würden das Fass des Konfliktpotentials zum Überlaufen bringen.

Erwartungen sind wohl im zwischenmenschlichen Bereich die grösstmögliche Konfliktquelle. Einerseits die eigenen Erwartungen an andere, die, wenn nicht erfüllt, zu grossen Enttäuschungen führen, andererseits die Erwartungen anderer an einen, die  Stress bei einem selbst bewirken. Und als ob das noch nicht genügte, kommen noch die angenommenen Erwartungen der anderen. Ich denke, der andere erwarte etwas von mir und versuche, diese angenommene Erwartung zu erfüllen, ohne zu wissen, ob meine Annahme realistischen Charakter hat.

Erwartet meine Mutter meine Anwesenheit an Weihnachten? Muss es noch ein Geschenk sein? Sollte sich das in einem bestimmten Rahmen bewegen? Ich kann mutmassen. Dazu habe ich Anhaltspunkte aus meinen Kenntnissen ihrer Person, wobei auch die grossenteils auf eigenen Interpretationen beruhen. Die Annahmen von Erwartungen kommen nicht aus dem Nichts. Sie gründen auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Unterlassene Handlungen, welche erwartet worden waren, führten zu Reaktionen. Man merkte sich diese und leitete Erwartungshaltungen daraus ab. Und da steht man nun im Dschungel von Erwartungen, Annahmen, Enttäuschungspotential und Überforderung. Und denkt sich leise „Oh du fröhliche Weihnachtszeit“.

Wo bleibt man eigentlich selber in dem Ganzen? Man könnte von sich auf die Anderen schliessen und denken, die kümmern sich dann alle darum, was man von ihnen erwartet und erfüllen es bestmöglich. Ich wage dies zu bezweifeln. Wieso also tue ich mir diesen Stress an? Wieso mache ich mir die Gedanken? Wohl, weil ich niemanden verletzen möchte. Dabei übersehe ich, dass ich mich selber verletze, indem ich mich einem derartigen Stress aussetze. Ich könnte einfach fragen: Was erwartet ihr von mir? Was wollt ihr von mir an Weihnachten? Und dann danach handeln. Doch weiss ich schon vor der Frage, was käme: „nichts“… und ich könnte es nicht glauben und verführe gleich, wie ich ohne nachfragen agiere.

Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft… kein Wunder, nach all dem Stress.

4 Kommentare zu „Besinnliche Weihnachtszeit

  1. ich werde mein weihnachten im betreuungsdienst verbringen. weihnachten ist für mich nicht mehr das, was es einmal war. meine oma, für die weihnachten einst wichtig war, wird es nicht merken, wenn ich einen tag später vorbei schaue.

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    1. Weihnachten hat für mich keine Bedeutung. Mein Sohn liebt die Geschenke, ihm bedeutet Weihnachten was, darum komme ich nicht drumrum. Dazu kommt bei mir das Gefühl „Ich muss doch…“… Davon kann ich mich schwer lösen. Ich arbeite dran 😉

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  2. Ich erwarte von Dir nichts und doch alles! Du hast es schon gegeben, weil Du da bist. Was solle ich mehr erwarten können als dies, was Du mir damit geschenkt hast?

    So oder so ähnlich würde ich es ausdrücken wollen, wenn man mich fragte so wie Du es am Schluss Deiner guten Gedanken getan hast. Füreinander da zu sein, ist aber nicht eine Frage der körperlichen Anwesenheit. Sie ist die Gewissheit, dass es so ist. Die Geschenke und der Weihnachtsrummel verdecken nur diese schlichte Wahrheit.

    Will man das Weihnachtsfest dafür nutzen, sich dieser schlichten Erkenntnis wieder bewusst zu werden, dann wäre sein eigentlicher Sinn erfüllt. Das ist dann auch weniger eine Frage des christlichen Glaubens, mit dem ich mich hier auch nicht missionarisch auseinandersetzen möchte, denn solche Gedenktage oder auch Feiertage treffen wir in allen Religionen, Sie hätten auch diese „Besinnlichkeit“ für jene zu bieten, die glauben von solchen Bekenntnissen frei zu sein.

    Es ist sicher schwierig, sich von althergebrachten Konventionen zu lösen und dem eigenen Sinn zu folgen. Doch gerade dies könnte das Geschenk sein, das wir den Mitmenschen und uns zu Weihnachten machen können. Ich versuche das und es gelingt mir mit jeden Jahr etwas besser. Das macht mich zuversichtlich.

    Wenn ich in meinem Gedicht von „Freude auf das Fest“ spreche, dann meine ich diese Freude der Gewissheit von Menschen, die füreinander da sein wollen. Es soll auch etwas von der Ruhe ausdrücken, die von dieser Gewissheit kommt.

    Schnee

    Der Schnee deckt manches zu,
    was mich nicht ruhen lässt.
    Er lässt mir Zeit und Ruh,
    und Freude auf das Fest.

    Zarte Flocken gehen auf die Reise,
    schweben durch die Winterluft.
    Und auf wundersame Weise
    schließen sie die Sorgenkluft.

    Stille liegt jetzt über’m Land,
    auch die Nacht wird hell.
    Heimliche Spuren, die ich fand,
    trugen warmes Fell.

    Nichts soll dies Lied zerstören,
    das mich im Innersten durchdringt.
    Nur für kurz möchte ich hören,
    wie schön es jetzt im Winter klingt.

    Dann mag der Frühling alles wecken
    und singt für uns ein neues Lied.
    Nichts soll sich dann verstecken,
    was für das neue Jahr geschieht.

    © Gerhard Falk

    Ich wünsche Dir und allen, die zu Gast sind, eine gute und frohe Weihnachtszeit!

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    1. Danke für diesen schönen Kommentar. Ja, man sollte immer mal wieder im Leben darüber nachdenken, wer für einen da ist und für wen man selber da ist. Das würde ein Gefühl der Dankbarkeit und des Reichtums auslösen, weil man plötzlich sieht und merkt: Man ist nie allein, man ist aufgehoben. Ab und an bedarf es äusserer Auslöser für dieses Nachdenken. Weihnachten kann als solcher dienen. Auch dir, lieber Gerhard, eine wunderschöne Weihnachtszeit!

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