Wir kennen sie alle. Die Frustrationen des Alltags. Jemand reagiert, wie man es nie gedacht hätte. Die Dinge laufen ungünstig. Das Kind gehorcht nicht. Der Vater ist krank. Der Boss ein Idiot. An der Kasse drängelt einer vor. Im Bus stinkt der Sitznachbar. Ein Freund versetzt einen. Und man ist da. Und denkt:

Wieso ich? Wieso jetzt? Auch noch?

Und man steigert sich so rein und sieht sich als arme Wurst und das Leben als Schlachtplatte. Und man leidet. Und es gibt ein Wort dafür: Frust.

Doch: Was nun? Und wie kam es dazu? Meist hatten wir Vorstellungen, Erwartungen, Ansprüche. Die wurden nicht erfüllt. Daraus entstand der unliebsame Gast: Frust. Wir sehen uns um unsere Hoffnungen gebracht. Sehen uns in einer Lage, in der wir nicht sein wollten, weil wir uns idealerweise eine andere ausgemalt hatten. In bunten Farben, blumigen Formen, süssen Worten. Und nun war alles anders. Wir möchten schreien:

So geht das nicht, du Leben, du!!

Nur, es scheint zu gehen. Wir erleben es grad.

Nun erwartet man wohl die Lösung. Das, was all die wunderbaren Lebensratgeber bringen, die es auf dem Markt gibt. Ganze Regale füllen sie und werden gekauft. Alle versprechen, das Glück zu bringen. Man verkneift sich die böse Frage, wieso es so viele gibt, wenn einer schon glücklich machen will. Ich muss gestehen:

Ich habe die Lösung nicht!

Ich behaupte: Es gibt sie nicht. Das Leben ist, wie es ist. Es wird nie sein, wie wir es gerne hätten. Es hat seine Tiefen, seine Schwierigkeiten. Es hat Schlaglöcher auf dem Weg und Berge, die wir erklimmen müssen. Und ab und an kommt ein Sonnenstrahl durch das Nebeldicht. Und wir denken:

HA! Geht doch. Weiter so.

Wir denken dann, eine Strategie zu haben, wie wir alles ändern, nur: Das nächste Schlagloch kommt. Soll man nun verzweifeln? Bin ich Pessimist? Ich denke nicht. Ich sehe mich relativ realistisch. Ich glaube nicht an Alles-ist-möglich-Versprechen. Ich glaube auch nicht an DU-kannst-alles-haben-wenn-du-nur-genug-willst. Ich glaube an Das-Leben-ist-verdammt-hart-und-du-musst-damit-klar-kommen.

Kann man das? Klar kommen? Ja, offensichtlich. Tun ja viele. Einige immer glücksstrahlend. Andere kämpfend. Dritte hadernd. Aber klar kommen sie, sie leben. Das ist schon mal was. Und ganz viele tun das besser als ganz viele andere, die noch schlimmer dran sind. Ich möchte nicht allen hier sagen, sie sollen dankbar sein, weil es ganz vielen auf dieser Welt noch viel schlimmer geht – die Welt ist vielerorts im Elend, im Krieg. Es könnte schlimmer sein. Aber auch das Hier und Jetzt ist dann und wann schlimm. Wie damit umgehen?

Ich zeichne und schreibe dagegen an. Je düsterer die Tage, desto fröhlicher die Zeichnungen. Und ab und an sind sie auch düster, aber sie machen Freude, weil sie kreativ sind. Das ist nicht die Welt. Aber es sind meine Oasen im Alltag. Sie helfen, Kraft zu tanken. Für die anderen Zeiten. Das Leben mag hart sein. Aber es gibt Zeiten, wo wir grad nichts tun können. Wo nichts auf uns einprallt, wo nichts von uns verlangt wird. Wieso dann all das Leid, das sonst herrscht, wiederkauen? Wieso nicht dann den Moment nutzen? Und ihn geniessen? Und ihn als Kraftort sehen?

Der Rest kommt früh genug wieder, wieso nicht den Moment nutzen? Um mal zu vergessen? Zu geniessen? Zu sein? Hier? Jetzt? Und dann weitergehen – mit neuer Kraft.

Mädchenträume,
Jugendschäume,
Liebesfrust
und Überdruss.
Herzensfreud
und Zauderei,
Lebensfluss
und Hindernis,
alles findet
seinen Platz,
alles fliesst
in einen Guss.

Lebenslettern
schwarz auf weiss,
Abbild dessen,
was geschieht,
Ahnung bloss,
was wünschenswert.
Unzensiert,
da ungehört.
hemmt die Furcht,
in Stein zu hau’n.
Denn was steht,
das scheint real.

Es war einmal eine Frau. Die war so frustriert, dass sie nicht kriegen konnte, was sie haben wollte, dass sie einen Sündenbock dafür brauchte, der dafür geradestehen sollte, dass es war, wie es war. Denn: Gäbe es keinen Sündenbock, müsste sie den Fehler bei sich suchen und das ginge ja gar nicht. Dann wäre der Frust nicht nur da, weil sie nicht kriegen konnte, was sie haben wollte, sondern er wäre gepaart mit dem Frust, dass dieser Umstand auch noch mit ihr selber zu tun haben könnte.

Der Sündenbock war schnell gefunden, sie malte ihn in den schwärzesten Farben, die Hörner wurden spitz und spitzer, er kriegte Attribute, die zwar weit ab jeglicher Realität waren, aber das Bild noch potenzierten und verbreitete die Kunde über diesen Sündenbock in alle Richtungen. Die gute Frau stellte sich als Opfer dieses Bocks dar, der die Inkarnation des Bösen sei, sie schilderte in allen Farben und Formen dessen ihm angedichtetes Vergehen, breitete mit verzweifeltem Blick das eigene Leid aus und schon bald war der düstere Bock bekannt wie ein bunter Hund. In allen Blicken stand es, in allen Zeilen war es zu lesen: „Ich weiss, was du getan hast!“

Dass es niemandem in den Sinn kam, zu hinterfragen, ob diese Geschichte nur einen Funken Wahrheit besässe, liegt wohl in der Natur der Sache, schliesslich und endlich mag man spektakuläre Geschichten, jeder wurde schon mal Opfer einer Ungerechtigkeit und wenn er von einer anderen hört, sieht er die eigene vor sich und rächt sich am Sündenbock für die eigene Erfahrung. Und so schlagen sie alle in dieselbe Kerbe und fühlen sich gut dabei, schliesslich und endlich sind sie Verbündete im Kampf gegen das Unrecht.

Genauso müssen sich die gefühlt haben, die im Mittelalter die Hexen auf den Scheiterhaufen geschnallt und dann verbrannt haben. Sie haben sich schliesslich und endlich nur gegen eine Gefahr gewehrt. Sie haben nur das Übel bekämpft und dabei ist jedes Mittel recht. Anhörung der Verurteilten? Nicht nötig, die Meinung ist gemacht. Schliesslich und endlich steht man nicht alleine, man hat Verbündete, ist in einer Gruppe. Gemeinsam ist man stark. Selbst wenn man innerlich Zweifel hätte, könnte man die nicht zugeben, denn dann wäre man plötzlich auch ausgestossen aus der zusammen grölenden und jubelnden Gruppe, die dem Fegefeuer zuschaut.

Oft hört man heute den Ausspruch „Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter!“ Manchmal frage ich mich, ob sich wirklich so viel geändert hat, wie man denkt. In den Gesetzen, in den Aussprüchen nach aussen sicher. Aber ganz tief drinnen? Die Mittel und Wege mögen andere sein, viel subtiler, unauffälliger, aber funktionieren tun sie immer noch auf dieselbe Weise.

Joachim Ringelnatz 1883-1934:

Wer hat zum Steuerbogenformular
den Text erfunden?
Ob der in jenen Stunden,
da er dies Wunderwirr gebar,
wohl ganz — oder total — war?
Du liest den Text. Du sinnst. Du spinnst.
Du grinst – „Welch Rinds“ – Und du beginnst
wieder und wieder. Eisigkalt
kommt die Vision dir „Heilanstalt“.

Für ihn? Für dich? – Dein Witz erblaßt.
Der Mann, der jenen Text verfaßt,
was mag er dünkeln oder wähnen?
Ahnt er denn nichts von Zeitverlust und Tränen?

Wir kommen nicht auf seine Spur.
Und er muß wohl so sein und bleiben.
Auf seinen Grabstein sollte man nur
den Text vom Steuerbogen schreiben.

Jeder kennt sie, jeder hasst sie: Die Steuererklärung. Die alljährliche Plage, die so sicher kommt wie kaum was anderes. Schon Benjamin Franklin (amerikanischer Politiker und Wissenschaftler, 1706 – 1790) sagte treffend:

Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: Der Tod und die Steuer.

Beim Lesen der oft wirren und verschlungenen Bestimmungen voller Wenns und Abers kann man nicht umhin, zu denken, dass der, welcher diesen Text erfand, selber nicht ganz grad und eher wirr sein musste. Der eigene Frust steigt, mit ihm die Flüche gegen die Steuern und deren Urheber, vor allem den Urheber dieser unseligen Erklärung, die vor einem liegt und endlich ausgefüllt werden sollte. Daran drückt nicht nur die Form derselben selber, sondern auch die Folgen, die sich im Portemonnaie spürbar machen. Und wer mag das schon. Insofern könnte wohl die Steuererklärung in poetischer Schrift oder klar wie Klossbrühe daher kommen – Spass macht die nie.

Drum wohlan, auf ans Werk: Wenn man beim Erledigen dieser unseligen Aufgabe ab und an an Ringelnatz  und seine Zeilen denkt, geht die ganze Arbeit vielleicht sogar mit einem Lächeln auf den Lippen vonstatten. Man denkt sich dann ein „Rinds“ oder „Heilanstalt“  und kämpft weiter  mit Zahlen, Belegen, Formulierungen.

Getobt, geschrien, aufgestampft,

die Welt verflucht – gar laut und stark.

Gezürnt, zerfleischt und auch geweint,

das Sein gehasst und mich damit.

Sah alles grau, verflixt und öd,

fand and’res gut, nicht das, was war.

Wollte sein am andern Ort,

sann über Flucht und Neubeginn.

Hört‘ Argumente, nichts war gut,

wollt‘ mich verschliessen, trotzte gar.

Kopf in den Sand und weiter geh’n

und tun, wonach der Sinn mir stand.

Das Blut, das wogte hoch und höher,

die Ratio – sank tiefer stets.

Doch irgendwann, an Tales Sohle,

macht‘ sie Halt und ich damit.

So wie es war, konnt‘ es nicht bleiben,

irgendwas musste gescheh’n.

Sollte ich den Wünschen folgen

oder bleiben da, wo ich nun war?

Wo war mein Weg, wo war mein Glück,

sollt‘ ich nach vorn, musst‘ ich zurück?

Und mit der Zeit kam etwas Ruh‘,

kam Einsicht gar und auch Verstand.

Ich sah, was war und fand es gut,

sah all die Träume, die nur Schaum.

Dieser glänzt zwar, nie erprobt,

drum umso heller, umso greller.

Sah das Ist mit Fundament,

das gar schwer und bleiern wirkt,

so dass es hält und mich oft stützt.

Und endlich sank das Blut darnieder,

Stille kehrte langsam ein,

mit grossem Dank für diesen Grund,

der mir erlaubt solch‘ Quängelei’n.

Heute ist so ein Tag. Meine Laune ist gelinde gesagt bescheiden. Das stimmt nicht ganz, es begann schon gestern. Mich regt alles auf, nervt alles und natürlich geht auch einiges daneben, so dass die schlechte Laune sich gut genährt  weiter erhält. Und so starre ich missmutig an meinem Computer vorbei ins Freie, von wo eine graue Suppe zurückblickt. Wir starren uns an, weder meine Laune noch der Nebel weicht. Beides sture Böcke. 

Vor dem Haus steht ein Umzugswagen. Es ist nicht meiner, ich bleibe. Im Moment würde ich gerade gerne tauschen. Egal wohin, einfach weg von allem, vor allem weit weg von dieser Laune. Die wäre bestimmt überall besser als sie es hier ist. Sähe ich ein paar Berge, den See, röche ich die Alpenluft oder wüsste mich in meiner Lieblingsstadt München – alles wäre besser als das hier.

Ich denke zurück an all die Wege, die ich hätte gehen können und die ich nicht gegangen bin, um nun hier zu landen. Alle erscheinen sie besser, schöner, leuchtender, weniger grau. Ich wäre heute Lehrerin in den Bergen, Referentin auf Reisen, Redakteurin verschiedener Blätter irgendwo in den Bergen. Wo könnte ich nicht überall wohnen, hätte ich mich nicht dagegen entschieden an einem Punkt meines Lebens. Nun sitze ich hier, wo ich mal hin wollte und starre mit dieser absolut miesen Laune ins Graue. 

Gut, ich hatte Gründe. Ich entschied an jeder Weggabelung relativ frei und war immer in der positiven Lage, von wenig äusseren Zwängen gesteuert zu werden. Grundsätzlich führe ich momentan auch das Leben, das ich eigentlich leben möchte, wenn ich nicht grad mies drauf bin und ins Graue starre. Und wären da nicht all die Menschen, die mich grad nerven (wobei ich es ihnen leicht mache, zum Objekt meines Nervens zu werden), könnte es eigentlich ganz ok sein dieses Leben. Sogar an diesem Ort hier, der bei Lichte (welches grad fehlt) betrachtet ein schöner und guter ist.

Mir kommt gerade diese nette ältere Nachbarin in den Sinn, welche auf der Strasse immer meinen Hund freudig knuddelt und heute unvermittelt meinte, sie würde ihn jederzeit hüten, wenn ich wen brauche. Mir fällt meine Freundin ein, mit der ich jede Woche zum Kaffee gehe, mir fällt mein Sohn ein, welcher Fuss gefasst und Freunde gefunden hat, den Knopf in der Schule geöffnet hat und freudig gute Noten bringt. Mir fallen meine anderen Freunde ein, welche immer da sind, auch mal kritisch, aber stets hinter mir und für mich da. Und mir fällt der Postbote ein, welcher mich schon von weitem erkennt und mir zuruft, er hätte ein Paket in meinen Briefkasten gelegt (und ich wohne nicht auf dem Dorf). Die ältere Frau mit dem süssen Hund, mit welcher ich plaudere auf dem Hundespazier und vieles mehr. 

Ich glaube, ich hake den November ein paar Tage früher ab und stürze mich in die Weihnachtszeit. 

Zusammen mit ein paar Kerzen, Kaffee und selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen wird auch dieser Tag noch gut enden. Irgendwie geht es mir schon besser. 

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Eine besinnliche Zeit soll es sein, eine Zeit der Liebe, die im Fest der Liebe gipfelt. Schaut man in die Welt hinaus, ist von Besinnlichkeit wenig zu spüren. Im Osten fliegen Raketen, im Westen gibt es nichts Neues und das, was ist, hat mit Besinnlichkeit wenig gemein.

Sieht man mal von der ganzen Geschenkerennerei ab, bleibt die Organisation der Festtage. Bei wem feiert man wann und wieso? Wie teilt man die Tage auf, um allen gerecht zu werden, wer ist dabei, wer darf fehlen? Aus diesen Abwägungen heil herauszukommen und am Schluss keine Erwartungen zu verletzen, erscheint als hohe Kunst. Die eigenen Erwartungen wollen wir nicht mal erwähnen, die würden das Fass des Konfliktpotentials zum Überlaufen bringen.

Erwartungen sind wohl im zwischenmenschlichen Bereich die grösstmögliche Konfliktquelle. Einerseits die eigenen Erwartungen an andere, die, wenn nicht erfüllt, zu grossen Enttäuschungen führen, andererseits die Erwartungen anderer an einen, die  Stress bei einem selbst bewirken. Und als ob das noch nicht genügte, kommen noch die angenommenen Erwartungen der anderen. Ich denke, der andere erwarte etwas von mir und versuche, diese angenommene Erwartung zu erfüllen, ohne zu wissen, ob meine Annahme realistischen Charakter hat.

Erwartet meine Mutter meine Anwesenheit an Weihnachten? Muss es noch ein Geschenk sein? Sollte sich das in einem bestimmten Rahmen bewegen? Ich kann mutmassen. Dazu habe ich Anhaltspunkte aus meinen Kenntnissen ihrer Person, wobei auch die grossenteils auf eigenen Interpretationen beruhen. Die Annahmen von Erwartungen kommen nicht aus dem Nichts. Sie gründen auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Unterlassene Handlungen, welche erwartet worden waren, führten zu Reaktionen. Man merkte sich diese und leitete Erwartungshaltungen daraus ab. Und da steht man nun im Dschungel von Erwartungen, Annahmen, Enttäuschungspotential und Überforderung. Und denkt sich leise „Oh du fröhliche Weihnachtszeit“.

Wo bleibt man eigentlich selber in dem Ganzen? Man könnte von sich auf die Anderen schliessen und denken, die kümmern sich dann alle darum, was man von ihnen erwartet und erfüllen es bestmöglich. Ich wage dies zu bezweifeln. Wieso also tue ich mir diesen Stress an? Wieso mache ich mir die Gedanken? Wohl, weil ich niemanden verletzen möchte. Dabei übersehe ich, dass ich mich selber verletze, indem ich mich einem derartigen Stress aussetze. Ich könnte einfach fragen: Was erwartet ihr von mir? Was wollt ihr von mir an Weihnachten? Und dann danach handeln. Doch weiss ich schon vor der Frage, was käme: „nichts“… und ich könnte es nicht glauben und verführe gleich, wie ich ohne nachfragen agiere.

Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft… kein Wunder, nach all dem Stress.

Wieso? Ich habe keine Ahnung. Alles ist prima, mein Leben gut. So viele Menschen auf dieser Welt haben es viel schwerer als ich. Ich habe eigentlich alles, was ich mir wünschen kann. Eigentlich sogar mehr. Mir geht es gut. Ach so gut. 

Die Krux liegt wohl im „eigentlich“. Denn eigentlich ist nichts, wie es sollte nach eigenem Gutdünken, wenn man eigentlich schreibt. Das ist fast so schlimm wie grundsätzlich, denn sobald man sagt, dass etwas grundsätzlich ist, wie es ist, schreit das schon förmlich nach der Ausnahme und der Erklärung, wieso es gerade nun nicht so ist. Und beim eigentlich, da schreit es auch. Alles, was eigentlich gut ist, ist gerade nun nicht gut, weil eben… und dieser Grund.. der fehlt. Drum ist es ja eigentlich gut. Weil es grundlos nicht gut ist. 

Gut, vielleicht gibt es Gründe, doch die traut man sich kaum zu sagen, da sie eigentlich (schon wieder) harmlos sind, blöd sind, sinnlos sind. Sie widersprechen allem, was man als vertretbare Gründe zum Jammern anfügen könnte. Man hungert nicht, schläft warm und trocken, hat keinen Krieg, keine Krankheiten, keine wirklichen Probleme. Nur eben: Es ist nicht so, wie man es gerade gerne hätte. Und drum ist man gefrustet. Jemand tat, was er in den eigenen Augen nicht hätte tun sollen, jemand tat nicht, was man so gehofft hatte. 

Argumente gegen diesen Zustand gibt es viele. Sie reichen von „hab dich nicht so“ über „entspanne dich, morgen ist die Welt wieder in Ordnung“ bis hin zu „lerne, mit dem zufrieden zu sein, was ist“. Alles toll, alles wahr – hilft alles nichts. Es ist, wie es ist und es fühlt sich nicht gut an. Und wenn man schon in der Stimmung ist, dann regt man sich auch gleich über alles auf, was einem noch so über die Leber kriecht. Die doofe Nuss, die ihre Animositäten pflegt und Unsinn verbreitet, weil sie denkt, man hätte ihr was weggenommen, das sie in Wirklichkeit nie gehabt hat, der sture Kater, der nicht einsieht, dass der Tisch nicht sein Schlafplatz ist, der undichte Hund, der immer dann raus muss, wenn es Katzen hagelt und der Mann, der nie da ist, wenn man ihn mal braucht, dafür immer dann, wenn man seine Ruhe will. Und man selber, die man nie ist, wie man gerne wäre, weil man grade ist, wie man ist. Und das ist momentan: gefrustet.