Kate Kirkpatrick: Simone de Beauvoir. Ein modernes Leben

Inhalt

«Die Geschichte meines Lebens selbst ist eine Art Problemfall, und ich muss den Menschen keine Lösungen geben, und die Menschen haben kein Recht darauf, von mir Lösungen zu erwarten. Eben in diesem Rahmen hat mir gelegentlich meine vermeintliche Berühmtheit, oder kurz gesagt die Aufmerksamkeit der Menschen, Sorge bereitet. Es gibt eine gewisse Erwartungshaltung, die ich etwas beschränkt finde und die mich einengt, weil sie mich in irgendeinem feministischen Betonblock fixieren will.»
(Simone de Beauvoir)

Simone de Beauvoir wuchs in einem konservativen Haus voller Vorschriften und Verbote auf, in welchem Körperlichkeit dem Laster gleichgesetzt wurde und mögliche Freundinnen der strengen Prüfung bedurften, um sich mit ihnen treffen zu dürfen. Simone de Beavoir bezeichnete das Milieu in Ein sanfter Tod selbst als «provinzielle Wohlanständigkeit und klösterliche Moral». Trotzdem sah sie ihre Kindheit als glückliche an, fühlte sich in ihrer Familie behütet und sicher (sie bezeichnete es als «unbedingte Sicherheit»), fürchtete dann und wann den Fall aus dieser Kindheit, wenn sie eine «Ausgestossene der Kindheit» würde. Neben Schutz und Geborgenheit bot das Elternhaus aber noch etwas: Den Zugang zur Literatur, den der Vater förderte und Simone de Beauvoir mit grosser Neugier nutzte und liebte.

Schön früh machte sich Simone de Beauvoir tiefgründige Gedanken darüber, was ein gutes Leben sei, wie wichtig Freiheit in einem solchen ist und was Liebe in Bezug auf beide bedeutet. Man findet in ihren Tagebüchern von damals schon viele Ideen, die später bei ihr und vor allem auch Sartre auftauchen. Dies ist insofern interessant, als es immer wieder Stimmen gab, die Beauvoir als Profiteurin von Sartre bezeichneten, ihr gar unterstellten, nie eigenständig gedacht und nur seine Gedanken übernommen zu haben. Weder das noch das auch ab und an behauptete Gegenteil, dass Sartre der Profiteur gewesen sei, ist richtig. Die beiden Namen sind durch ihre Geschichte, ihren Liebespakt sowie den lebenslangen intensiven Austausch so intensiv verbunden und verwoben, dass sich kaum genau eruieren lässt, wer wo wieviel Einfluss auf den anderen hatte.

«Warum sollte es Freiheit auf Kosten der Liebe geben? Oder Liebe auf Kosten der Freiheit?

Neben Sartre gab es andere Freunde und Freundinnen, geistig und sexuell. Das Konzept der kontingenten Liebe, das Sartre und Beauvoir für sich bestimmten, dass sie sich notwendige Lebensbegleiter sind, andere daneben als mögliche zufällige Platz haben, hat immer wieder für Aufsehen gesorgt. Simone de Beauvoir war sich am Ende ihres Lebens selbst nicht mehr sicher, ob sie mit diesem Lebensmodell nicht zu viele Menschen ausgenutzt und leiden lassen haben.

«Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.»

Bekannt wurde Simone de Beauvoir vor allem durch ihr Buch «Das andere Geschlecht», in welchem sie die Rolle der Frau und ihren Platz in der Welt beschreibt. Sie vertritt die Meinung, dass nicht die Biologie ausschlaggebend ist, wie Frauen wahrgenommen und behandelt werden, sondern soziale und kulturelle Situation. Simone de Beauvoir hat aber noch viel mehr geschrieben, hat sich mit Themen wie dem Alter, der Liebe, dem Tod und vor allem immer wieder der Freiheit befasst. Sie hat erfolgreich Romane, Essays, Theaterstücke und autobiographische Schriften verfasst und sich auch politisch engagiert.

Zwar war Beauvoir bekannt, aber trotzdem blieben immer Stimmen laut, die sie zurücksetzten hinter Sartre, die ihr Eigenständigkeit im Denken und Sein vorwarfen. Die unkonventionelle Lebens- und Liebesweise spülte noch zusätzlich auf die Mühlen der abschätzigen Zuschreibungen. Dies alles und noch einiges mehr beleuchtet Kate Kirkpatrick in dieser Biografie, der ersten nach der Veröffentlichung verschiedener Briefwechsel und frühen Tagebücher de Beauvoirs.

Weitere Betrachtungen

«Es ist nicht die Aufgabe des Biografen, zu urteilen, sondern ein Leben möglichst objektiv darzustellen, damit der Leser sich ein Urteil bilden kann.»
(Kate Kirkpatrick in einem Interview)

Kate Kirkpatrick ist es gelungen, Leben und Werk einer komplexen Persönlichkeit, wie Simone de Beauvoir es war, auf eine klare, sachliche und sehr ausgewogene, kompetente Weise zu beschreiben. Sie dazu auf eine Vielzahl von Quellen Zugriff genommen, was auch erlaubt hat, die Widersprüche in Simone de Beauvoirs Leben und Denken einerseits, in deren Darstellung desselben andererseits aufzuzeigen.

«Ein gelebtes Leben kann nicht durch seine Nacherzählung wiederaufleben. Doch von aussen betrachtet, sollten wir nicht vergessen, mit welcher Kraft sie kämpfte, um sie selbst zu werden.»
(Kate Kirkpatrick)

Die vorliegende Biografie gibt einen Blick frei auf eine intelligente, selbstreflexive, in sich immer auch wieder zweifelnde und selbstkritische Frau, die ihren Weg durchs Leben sucht, indem sie versucht, das zu sein, was sie sein kann und will, ihren eigenen Maximen treu zu sein. Dass dies nicht immer gelungen ist, merkte Simone de Beauvoir selber und legte es sich auch zu Lasten.

In der ersten Hälfte sind die verschiedenen (mehrheitlich sexuellen) Beziehungen de Beauvoirs sehr grosses Thema, in der zweiten Hälfte nehmen die politischen Rahmenbedingungen einen grossen Platz ein. Beides hätte durchaus gekürzt werden können. Ab und an wäre ein genauerer Blick auf Simone de Beauvoirs Denken wünschenswert gewesen, nahm doch Sartres dagegen einen relativ grossen Raum ein. Trotz allem ist Kate Kirkpatrick eine informative, tiefe und auch neue Einsichten gewährende Biografie gelungen, die hoffentlich schafft, den Blick auf Simone de Beauvoir zu schärfen, mit landläufigen Vorurteilen auf- und ihr den Stellenwert einzuräumen, der ihr gebührt.

Fazit:
Eine kompetente, informative und neue Einsichten gewährende Biografie, die einen neuen Blick auf eine tiefgründige und inspirierende Denkerin und Frau ermöglicht. Sehr empfehlenswert.

Kate Kirkpatrick
Kate Kirkpatrick, Dr. phil., war Dozentin für Philosophie an der University of Hertfordshire und Dozentin für Theologie am St Peter’s College, University of Oxford. Seit 2018 ist sie als Dozentin am King’s College in London. Zuletzt veröffentlichte sie bei Bloomsbury Sartre and Theology (2017).

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch; 1. Edition (30. September 2021)
Übersetzung: Erica Fischer und Christine Richter-Nilsson
ISBN: 978-3492318488

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Carsten Henn: Der Buchspazierer

Inhalt

«Hier lebte er mit seiner Familie aus Papier, die er in Vitrinen mit Milchglasscheiben vor Licht und staub schützte. Die Bücher wollten immer wieder von ihm gelesen werden. So, wie Perlen getragen werden mochten, weil sie dann schöner wurden, und, mehr noch, wie Tiere gestreichelt werden wollten, um sich geliebt zu fühlen. Manchmal kam es Carl vor, als beständen all die Worte in ihnen aus seinen Zellen, dabei wusste Carl, dass er sie mit den Jahren einfach nur in sich hineingelesen hatte.»

Carl Kollhof war Buchhändler aus Leidenschaft. Heute hat er nur noch ein kleines Pensum, das darin besteht, ausgewählten Kunden die für sie passenden Bücher persönlich vorbei zu bringen. Obwohl die Beziehungen zu seinen Kunden vordergründig auf Bücher und deren Auslieferung beschränkt erscheint, bildet sich doch eine Verbundenheit. Carl versteht die Menschen in ihrem Sein und ihren Nöten, er sieht in der passenden Literatur eine kleine Heilung.

Irgendwann gesellt sich Schascha zu Carl, ein kluges und fröhliches Mädchen, das ihn fortan auf seinen Wegen begleitet und neuen Wind in die Bücherspaziergänge und die Bücherübergaben bringt. Schon bald wächst in den Beiden der Wunsch, noch mehr für seine Bücherkunden zu tun in ihren jeweiligen Lebenssituationen. Dass Carl selber in Schwierigkeiten steckt, verrät er dabei keinem, sondern tut alles, den anderen Menschen, die ihm so wichtig sind, zu helfen.

Weitere Betrachtungen
«Der Buchspazierer» erzählt auf eine sehr feinfühlige Art aus dem Leben eines Mannes, der eine grosse Liebe zur Literatur hat und eine ebensolche zu Menschen. Carl Kollhof ist der Meingung, dass es für jeden Menschen das richtige Buch gibt, das in sein aktuelles Leben passt. Bücher sind Freunde, Bücher sind Heilmittel, Bücher sind mehr als blosse Worte, sie lösen etwas im Leser aus. Insofern ist dieses Buch hier eine grosse Hommage ans Lesen, an das Buch.

«Er wusste, dass er komisch war, doch es fühlte sich nicht so an. Denn wenn man lange genug komisch war, war es wieder normal. Wenn auch nur für einen selbst, aber das reichte ihm.»

Es gelingt Carsten Henn, Carl Kollhof plastisch und authentisch durchs Buch gehen zu lassen, man fühlt sich ihm als Leser von Anfang an tief verbunden und im Herzen berührt. Und vielleicht fühlt man sich auch verstanden in der eigenen Leidenschaft für Bücher.

Schon der Inhalt zeigt es, dass wir es hier nicht mit grosser und tiefgründiger Literatur zu tun haben. Die Sprache ist einfach (aber durchaus dem Inhalt und den einzelnen Personen angepasst und somit stimmig), der Plot ist lieblich aber auch eher offensichtlich gestrickt. Das alles nimmt dem Buch aber nicht den Charme, im Gegenteil. Das Buch lässt einen in eine Bücherwelt eintauchen, es wärmt das Herz, es bereitet von der ersten bis zur letzten Seite schlicht Lesefreude. Und dann und wann regt es auch zum Nachdenken an, über sich, über Beziehungen, über das Leben – ganz ohne mahnenden Zeigefinger oder Erziehungsabsicht, einfach mit einer zu Herzen gehenden Geschichten. Mehr geht eigentlich nicht.

Persönliche Einschätzung
«Der Buchspazierer» ist ein wunderbares Buch, ein Buch, das mich berührt hat, das mich gepackt und nicht losgelassen hat. Ich liebte es, lesend auf Carls Spaziergängen dabei zu sein, verliebte mich in die kleine Schascha, fühlte mit den einzelnen Kunden mit – sprich: Ich war in dem Buch zu Hause beim Lesen. Das ist  mir schon lange nicht mehr passiert mit einem Buch.

Das Thema, dass aus Büchern Heilung kommen kann, beschäftigt mich schon eine Weile. Auch ich bin, wie Carl, der Überzeugung, dass es für jede Lebenslage ein passendes Buch gibt. Ich denke, dass wir durch Geschichten viel über die Welt, über die Möglichkeiten, in ihr zu bestehen, und über uns selber erfahren. Dadurch erweitern wir unseren Horizont im Aussen und im Innen, das Leben kann ein reicheres werden.

Dass Bücher auch Freunde sein können, ist zudem ein schöner und mir bekannter Gedanke. Ich liebte es von klein auf, mich mit einem Buch zurückzuziehen und in andere Welten einzutauchen. Dieses Buch hier hat mir eine ganz wunderbare bereitet.

Fazit:
Ein kleiner, feiner, feinfühliger Roman mit viel Herz, liebenswürdigen Charakteren und einer zu Herzen gehenden Geschichte. Berührend, zum Nachdenken animierend, einnehmend. Sehr empfehlenswert.

Carsten Henn
Carsten Henn, geboren 1973 in Köln, arbeitet als Schriftsteller, Weinjournalist und Restaurantkritiker. Er ist Chefredakteur des Weinmagazins Vinum. In St. Aldegund an der Mosel besitzt er einen Steilstweinberg mit alten Rieslingreben, den er selbst bewirtschaftet. Wenn er einmal nicht seiner Leidenschaft fürs Kochen nachgeht, ist er auf der Suche nach neuen Gaumenfreuden.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Pendo; 18. Edition (2. November 2020)
ISBN: 978-3866124776

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Bethan Roberts: Der Liebhaber meines Mannes

Inhalt

«Eigentlich wollte ich mit diesen Worten beginnen: Ich will dich nicht mehr zerstören – denn ich will es wirklich nicht – kam aber zu dem Schluss, dass du das viel zu melodramatisch finden würdest. […] Denn ich will alles aufschreiben, damit ich es richtig verstehe. Dies ist eine Art Geständnis und es ist wichtig, bis in die Einzelheiten genau zu sein. Wenn ich fertig bin, will ich dir diese Aufzeichnungen vorlesen, Patrick, denn du kannst mir nicht mehr widersprechen.»

Wir schreiben das Jahr 1999. Nachdem Patrick zwei Schlaganfälle hatte und nicht mehr für sich sorgen kann, beschliesst Marion, ihn bei sich aufzunehmen. Die beiden verbindet eine lange Geschichte, in die auch Marions Mann Tom verstrickt ist, eine Geschichte, die Marion nun aufschreiben will. Sie beginnt bei der ersten Begegnung mit Tom. Sie erinnert sich, wie sie über Jahre für ihn geschwärmt hatte, endlich von ihm wahrgenommen wurde. Die beiden heirateten und Marion konnte ihr Glück kaum fassen. Sie erzählt weiter von Unternehmungen mit Toms Freund Patrick, welche anfänglich zu dritt stattfanden, später mehrheitlich als Männerfreundschaft weiterliefen.

In ihrem Rückblick schaut Marion endlich genau hin, beschreibt sachlich, nie anklagend, was passiert ist und wie sie selber zu lange die Augen verschlossen hat. Sie erklärt den menschlichen Hang, lieber nichts zu sehen, als sich Tatsachen stellen zu müssen. Und sie beschreibt von dem Moment, an dem sie nicht mehr wegschauen konnte.

«Es ist schon sehr spät und ich kann nicht schlafen. Dunkle Gedanken – böse Gedanken – treiben mich um. Ich habe immer wieder daran gedacht, den letzten Eintrag zu verbrennen. Aber ich kann nicht. Was sonst lässt ihn wirklich werden, ausser meinen Worten auf Papier? Da niemand sonst davon weiss, wie kann ich mich sonst von seiner tatsächlichen Existenz, von meinen tatsächlichen Gefühlen überzeugen?»

Wir schreiben das Jahr 1957. Aus Patricks Tagebuch erfahren wir alles über sein erstes Treffen mit einem Polizisten, welcher zugleich Marions Tom ist. Wir lesen von der Schwärmerei des älteren Patricks für den jungen Tom, welche der von Marion ähnlich ist. Wir lesen von den Gefühlen eines Mannes zu einem Mann, die im England dieser Zeit verpönt und verboten sind.

«Und je mehr ich an ihn denke, desto weniger finde ich Gründe, warum wir nicht zusammen sein könnten. Je mehr ich an ihn denke, desto weniger erinnere ich mich an etwas, das falsch war oder schwierig. Alles, woran ich mich erinnere , ist, wie süss er war. Und das ist am schwersten zu ertragen.»

Und dann nimmt alles einen Lauf, welcher 1999 aus einer anderen Warte erzählt wird.

Weitere Betrachtungen
In Der Liebhaber meines Mannes erleben wir die Geschichte von drei Menschen, die alle auf ihre Art Opfer ihrer Zeit geworden sind. Alle leiden sie unter den Normen der Gesellschaft und unter den Gesetzen, welche diese Normen sanktionieren. Die Gesellschaft bestimmt, wie eine Frau sein soll, welche Möglichkeiten sie im Leben hat und welchem Bild sie entsprechen soll. Sie bestimmt weiter, wer wen lieben darf und was als sittenwidrig und unnatürlich gilt.

Bethan Roberts gelingt es, in einer sehr feinfühligen Art die Geschichte dieser drei Menschen nachzuzeichnen. Sie erzählt die Geschichte aus der Sicht von Marion, welche 1999 zurückblickt, und anhand von Patricks Tagebuch aus der Zeit der 50er Jahre. Tom ist sprachlos, er findet weder eigene Worte für das, was geschah, noch findet er sie für die Gegenwart. Er ist nur die Figur, um welche Marion und Patrick drehen, quasi die Sonne in deren Universum. Strahlend ist dabei nur seine optische Schönheit, sein Wesen bleibt merkwürdig blass, er scheint nur als Projektionsfläche für zwei Menschen zu dienen, welche ihren Platz in der Gesellschaft suchen und Tom dazu brauchen.

Obwohl der Roman in meinen Augen etwas zu langsam und zu langgezogen anfängt, lässt er einen nicht mehr los. Bethan Roberts verzichtet auf Anklagen, auf sozialkritische und moralische Zeigefinger, sondern lässt die Figuren ihre Geschichte erzählen auf eine Weise, dass sie direkt ins Herz des Lesers trifft. Das Buch macht nachdenklich, wehmütig, ein wenig traurig auch. Das traurigste daran ist aber, dass es irgendwann zu Ende ist und man sich wünschte, man könnte noch lange weiterlesen.

Fazit:
Ein feinfühliger Roman mit viel Tiefe, Sensibilität, der ohne Kitsch und Schnörkel die Komplexität menschlicher Beziehungen beschreibt. Berührend, zum Nachdenken animierend, einnehmend. Sehr empfehlenswert.

Bethan Roberts
Bethan Roberts ist 1973 in Oxford geboren und wuchs in Abingdon auf. Nach einem Master in kreativem Schreiben an der Chichester Universität arbeitete sie unter anderem als Autorin und Produktionsassistentin beim Fernsehen und unterrichtete selber kreatives Schreiben. Bethan Roberts wohnt mit ihrer Familie in Brighton. Von ihr erschienen sind auch Stille Wasser (2008) und Köchin für einen Sommer (2009).

Ein Interview mit der Autorin: HIER

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 365 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann (12. Februar 2013)
Übersetzung: Astrid Gravert
ISBN: 978-3888978166

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Ruth Klüger: weiter leben

Inhalt

«Ich kenne die Stadt meiner ersten elf Jahre schlecht. Mit dem Judenstern hat man keine Ausflüge gemacht, und schon vor dem Judenstern war alles Erdenkliche für Juden geschlossen, verboten, nicht zugänglich. Juden und Hunde waren allerorten unerwünscht…»

«weiter leben» erzählt von einer Kindheit in Wien, einer Jugend im KZ und dem (Weiter-)Leben danach. Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Der erste Teil erzählt von der Kindheit in Wien, davon, dass Ruth Klüger vieles verwehrt war wie zum Beispiel, auf einer Parkbank zu sitzen. Das Wien ihrer Kindheit ist für Ruth Klüger undurchdringbar, voller ihr fremd bleibender Menschen (inklusive ihrer Familie) und unverständlicher Zusammenhänge. Alles, was passiert, geschieht hinter vorgehaltener Hand, im Verborgenen, wird im Flüsterton besprochen.

Teil zwei handelt vom (Über-)Leben in verschiedenen Lagern. Mit elf Jahren kam Ruth Klüger mit ihrer Mutter nach Theresienstadt. Es folgten Auschwitz-Birkenau und Christianstadt/Gross-Rosen. Ruth Klüger erzählt vom Lageralltag, von Hunger, Durst, Gestank, vom Ausgeliefertsein, von stundenlangem Stehen bei Appellen und den ständig rauchenden Schornsteinen der Krematorien.

In Teil drei wird die Flucht und das Leben in Bayern erzählt. Es handelt vom Einmarsch der US-Army und der damit verbundenen Hoffnung, nach Palästina oder in die USA zu emigrieren.

Teil vier erzählt vom Leben in den Staaten, vom Leben mit der Mutter in New York, dem Umzug an die Westküste und dem folgenden Studium. Den Schluss macht ein Epilog, in welchem Ruth Klüger mit amerikanischen Studenten nach Göttingen kommt.

Weitere Betrachtungen
Ruth Klüger verwebt in ihrem autobiographischen Text die Vergangenheit mit der Gegenwart, sie stellt Bezüge her zwischen dem Erlebten damals und dem heutigen Wissen. So ist das Ganze keine chronologische Geschichte, die einzelnen Erlebnisse sind nie eindeutig so passiert, sondern es besteht überall die Möglichkeit einer späteren Zuschreibung durch hinzugekommenes Wissen. Ruth Klüger erzählt, erinnert, springt zwischen Ereignissen hin und her, übt Kritik an vielem und auch an sich.

«Ich muss gestehen, dass ich tatsächlich eine sehr schlechte Jüdin bin.»

In dem Buch wird auch deutlich, wie wenig das Gefühl der eigenen Identität und Zugehörigkeit zählt, wenn die Sicht von aussen eine andere ist. Es wird aber auch deutlich, wie oft sich Menschen schon eine Meinung gemacht haben über das, was passiert ist, so dass sie gar nicht mehr wirklich zuhören. So kommt in dem Buch eine in den USA lebende Deutsche vor, welche Ruth Klüger erzählt, dass Theresienstadt ein mildes KZ gewesen sei, Göttinger Doktoranden sondern zweifelhafte Kommentare zu israelischen Auschwitz-Überlebenden ab und viele weitere Stimmen geben. vor, zu wissen, was nun wie gewesen sei. Und das besser als Ruth Klüger, die mittendrin war. Als Rezensierende stehe ich hier vor der Aufgabe, etwas zu dem Buch zu sagen, ohne selbst in die Falle von zuschreibenden Adjektiven zu tappen. Ruth Klüger kritisierte unter anderem die Zuschreibung erschütternd, welche oft in Zusammenhang mit solchen Überlebenden-Berichten verwendet wird. Und doch liegen sie auf der Zunge nach der Lektüre. Vielleicht darf sie das auch, als eigene Wahrnehmung von etwas, von dem wir sicher keine Ahnung im Sinne Ruth Klügers haben, aber eine Wirkung bemerken beim Erfahren davon.

Das Buch besticht durch eine Klarheit und Menschlichkeit. Es verzichtet auf Sentimentalität, berichtet sachlich, teilweise gar mit einem leichten Augenzwinkern und beissendem Sarkasmus von einer Jugend, die durch die Umstände eine ganz besondere war, eine, in der Ruth Klüger erlebt hat, was kein Mensch je erleben sollte, von einem Über- und dann Weiterleben, von den Reaktionen anderer Menschen auf ihr Schicksal. Sie erzählt auch davon, was ihr in schwierigen Zeiten geholfen hat, wodurch sie neue Hoffnungen schöpfte.

«Man liess mich lesen, weil ich dann niemanden behelligte. Manchmal sah man darin ein Zeichen von Intelligenz, machmal auch eine Unart.»

Ruth Klüger flüchtete sich früh in die Welt der Bücher. Da sie wusste, dass sie jedes Buch, das verboten oder den Eltern sonst ein Dorn im Auge war, abgeben musste, sie es aber hasste, eine Lektüre abbrechen zu müssen, beschränkte sie sich auf Bücher, die genehm waren: Die Welt der Klassiker.

Literatur hatte noch andere Funktionen. Im Lager sagte sie sich Balladen auf, wenn sie bei Appellen stundenlang anstehen musste. In der Ordnung dieser Verse, fand sie ein Gegengewicht zum Chaos des Lagers. Gedichte waren Halt und Trost in einer Welt, in der beides verloren gegangen war.

Persönlicher Bezug
Die Literatur von Überlebenden hat eine grosse Rolle in meiner Dissertation gespielt. Das Bedürfnis dieser Menschen, Zeugnis abzulegen für das, was war, hat mich tief ergriffen und nie mehr losgelassen. Es sind Zeugnisse, die von den schlimmsten Gräueln unserer Geschichte sprechen, Zeugnisse von Menschen, welche die Hölle sahen und mit ihrem Schreiben auch denen eine Stimme geben wollten, welche keine mehr haben, weil sie in den Konzentrationslagern auf bestialische Weise ermordet wurden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Zeugnisse auch heute noch wichtig sind, dass man sie auch heute noch lesen sollte, um zu sehen, wozu der Mensch fähig ist, und um bewusst wahrzunehmen, wohin wir nie mehr steuern wollen als Gesellschaft, als Menschen.

Fazit
Die eindrücklich erzählte Lebensgeschichte einer Frau, die als Kind die Deportation ins Lager und das grausame Leben da erfahren musste, fliehen konnte und mit all den Erinnerungen und Erfahrungen sowie den Reaktionen darauf weiterleben musste. Eine grosse Leseempfehlung!

Zur Autorin
Ruth Klüger wurde am 30. Oktober 1931 in Wien geboren. Als Jüdin wurde sie nacheinander in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt verschleppt. 1947 wanderte sie in die USA aus und studierte dort Anglistik und Germanistik. Sie lebte bis zu ihrem Tod 2020 als Literaturwissenschaftlerin in Irvine/Kalifornien – mit einem zweiten Wohnsitz in Göttingen. Ihre Biographie ›weiter leben‹ war ihre erste literarische Veröffentlichung. Sie fand damit ein überwältigendes Echo bei Kritikern und Publikum und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Angaben zum Buch
Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft (1. November 1994)
Taschenbuch ‏ : ‎ 288 Seiten
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423119504

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Franz Hohler: Der Enkeltrick

Inhalt

„Rom“, sagte sie zu sich, „ich bin in Rom“, und plötzlich wurde sie von einem Gefühl erfüllt, das sie kaum mehr kannte. Es war eine Neugier, eine Unternehmungslust, etwas von ganz früher, wenn es in ein Klassenlager ging oder auf eine Schulreise, als sie noch nicht Amalie Ott war, Mutter zweier Kinder, sondern selbst noch ein Kind, ein Kind, das sich auf das Leben freute. Aber da mischte sich noch etwas ein, auch von früher, es ar die Angst vor dem Unbekannten…

Eine Grossmutter macht sich auf nach Rom, um ihre Enkelin zu retten. Aus der Reise wird eine Fahrt in die eigene Vergangenheit und auch eine Hilfe, wie sie so nicht vorgesehen war. Ein pensionierter Steuerbeamter findet Freude daran, anderen Menschen eine Freude zu machen, indem er ihnen zum Geburtstag gratuliert. Das lässt seine Frau nicht ganz kalt. Ein Mann macht sich auf, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen, entgegen dem Rat seiner Nächsten, inklusive dem Autor. Der Weg zum Glück ist manchmal anstrengend. Ein reservierter Tisch bringt mitunter Unglück für den, welcher sich unberechtigt an ihn setzt – und für andere auch. Eine Katze sucht eine Ferienunterkunft und bringt ein Familiengeheimnis auf den Tisch. In einer Küche fliegen Steine aus dem heiteren Himmel, so dass wohl nur noch eine Teufelsaustreibung hilft.

„Kinder, so lautet eine oft gehörte Schätzung, lachen etwas 400 Mal am Tag, Erwachsene etwa 15 Mal. Den Gang zur Freudlosigkeit, der dazwischen liegt, nennen wir Erziehung.“

Ein Mann macht sich mit der Novelle „Das verlorene Lachen“ im Gepäck auf eine Wanderung und erinnert sich an sein eigenes Lachen. Ein Komponist macht sich auf zu einer grossen Reise und ein Vogel hält ein Quartier auf Trab. Eine Zugfahrt entblösst die Verlockungen der Maske und ein Handy fängt das Lügen an.

Weitere Betrachtungen
Franz Hohler vereint in diesem Büchlein elf Kurzgeschichten, die für unterschiedliche Anlässe geschrieben wurden. Sieben Erzählungen entstanden im Rahmen von Rafik Schamis Eniladung seiner Reihe „Sechs Sterne“, eine als Beitrag zu einer Aufführung von Joseph Haydn und drei aus kompett eigenem Antrieb. Zusammengekommen ist ein buntes Potpurri von Geschichten, die im Zentrum immer einen Menschen haben, der vor einer Herausforderung steht, die nicht immer mit ganz normalen Dingen zu tun zu haben scheint.

Der Aberglaube dörflicher Gemeinschaften findet ebenso Einzug in das Buch wie auch persönliche Ahnungen und mysteriöse Geschehnisse. Als Leser weiss man oft bis zum Schluss nicht, worauf die Geschichte hinausläuft und nicht selten ist man bass erstaunt. Das macht das Buch zu einem, welches man von der ersten bis zur letzten Geschichte nicht aus den Händen legen mag.

Persönlicher Bezug
Franz Hohler begleitet mich seit Kindesbeinen. Zuerst liebte ich seine Kindersendung „Franz und René“, später seine humorvollen und doch auch zum Nachdenken anregenden Texte auf der Bühne. Bald schon kamen auch seine Kurzgeschichten und Gedichte dazu. Ich schätze an Franz Hohler seinen Tiefgang, sein genaues Hinschauen, sein leichtes Erzählen, in welches doch immer auch ernste Themen einfliessen. Ich mag es, wie er immer eine Prise Humor als Würze bereit hält, die wohldosiert ist. All das zeigt sich auch im vorliegenden Buch.  

Fazit:
„Der Enkeltrick“ ist ein Buch, das von einzelnen Menschen erzählt, die Gesellschaft dabei im Blick behält. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken und zum Schmunzeln anregt, ein Buch, das Leichtigkeit und Tiefgang vereint. Sehr empfehlenswert.

Über den Autor
Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren. Er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über fünfzig Jahren im Luchterhand Verlag.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag; Originalausgabe Edition (11. Oktober 2021)
ISBN-Nr.: 978-3630876795

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und ORELLFÜSSLI.CH

Helmut Koopmann: Thomas Mann Heinrich Mann

Die ungleichen Brüder

«Niemand hat Thomas Manns Schreiben stärker beeinflusst als der Bruder, von niemandem war Heinrich innerlich stärker abhängig als von Thomas. Die Geschwister antworteten sich unablässig: in Familienromanen, Entwürfen zu Gesellschaftsdarstellungen, in dem, was «Leben» hiess, und wenn sie literarische Selbstporträts entwarfen, oft unter dem Namen von Romanfiguren, dann war der Bruder nicht weit entfernt.»

Sie haben einige Gemeinsamkeiten: Heinrich Mann bricht die Schule ab, arbeitet in einem Verlag, wird dann Schriftsteller. Thomas Mann tritt quasi in seine Fussstapfen und geht den gleichen Weg. In jungen Jahren reisen die beiden auch gemeinsam, so zum Beispiel nach Italien, teilweise für mehrere Monate, wo die Anfänge zu Thomas Manns «Buddenbrooks» zu Papier gebracht wurden. Heinrich Mann ist schon literarisch erfolgreich, als Thomas Mann erst beginnt mit dem Schreiben. Klar fühlt sich Thomas unsicher, ebenso klar, dass er nicht ewig zurückstehen, sondern den grossen Bruder einholen, wenn nicht überholen will.

«Heinrich war wohl der bessere Psychologe, sah, dass der Bruder, «um sicher zu stehen», vor allem die «Abwehr des «Anderen» brauchte. Mehr noch: Thomas Mann brauchte den Bruder, um sich selbst dadurch zu bestimmen, dass er sich gegen den Anderen absetzte […] Er (Thomas) brauchte Vorbilder.»

Aus der eigenen Unsicherheit heraus suchte sich Thomas Mann Vorbilder. Goethe ist wohl das bekannteste, Thomas Mann hat sich regelrecht schreibend an dessen Werk entlang gearbeitet und schon früh gesagt, dass auch er irgendwann seinen Faust schreiben würde. Dazu kam es denn auch, nachdem er viele Jahrzehnte mit dem Thema schwanger ging. Ein anderes Vorbild war Gerhart Hauptmann. Beide aber wurden noch übertroffen von Heinrich Mann, dem grossen Bruder, den er einerseits liebte und wohl auch schätzte, andererseits aber auch für vieles verachtete, was aus Tagebucheinträgen ersichtlich ist. Wie tief diese Verbindung aber ist, zeigt sich gerade dadurch: Er konnte nicht einfach Abstand nehmen, er konnte nicht einfach unabhängig seinen Weg gehen, er brauchte die lebenslange Auseinandersetzung mit dem Bruder, liess ihn in all seinen Werken aufleben, indem er ihn in den unterschiedlichsten Figuren auftreten liess.

Es ist aber nicht so, dass nur Thomas Mann literarisch mit seinem Bruder umging, auch Heinrich Mann schrieb immer wieder literarische Antworten auf das Werk Thomas Manns, er liess sich von diesem ebenso beeinflussen, inspirieren und anstacheln. So gesehen war die Beziehung eine durchaus befruchtende.

Dass es bei diesem Konkurrenzverhalten und dieser kritischen Betrachtung des jeweils anderen nicht ausblieb, dass es auch zu Streit kam, zumal die Brüder sowohl politisch wie auch von der Lebenseinstellung total unterschiedlich waren, liegt in der Natur der Sache. Sie fanden aber, wenn auch manchmal erst nach Jahren, immer wieder zusammen und sollten sich bis zu Heinrichs Tod auch verbunden bleiben.

Weiterführende Betrachtungen
Helmut Koopmann legt mit diesem Buch die Biografie einer Brüderbeziehung vor. Er tut dies auf eine sehr kompetente, seine Belesenheit und sein Hintergrundwissen beweisende Art, die trotz der Informationsdichte gut lesbar bleibt. Anhand von persönlichen Aussagen aus Briefen und Tagebüchern analysiert er die unterschiedlichen Lebenseinstellungen und politischen Ausrichtungen der beiden und stellt die jeweiligen Urteile über das Anderssein des jeweiligen Bruders vor. Er zeigt zudem ausführlich die gegenseitigen Bezüge in den beiden Werken.

Es ist Helmut Koopmann gelungen, eine Beziehungsbiografie zu schreiben, welche mehr ist als nur das Zusammenführen von zwei Biografien. Es ist ein Buch über die Dynamik von zwei verbundenen Lebenswegen, in welche jeder sich selber einbrachte und aus welcher etwas entstand, das mehr als nur die Summe von zweien war. Helmut Koopmann bezieht nie Stellung, er bevorzugt keinen der beiden und stellt auch keinen in ein besseres Licht. Seine Sicht ist ausgeglichen, sachlich und sie geht in die Tiefe, ohne dort nach Abgründen zu suchen oder aus ihr heraus zu verurteilen.

Persönlicher Bezug
Meine Liebe zu Thomas Mann ist wohl mittlerweile hinreichend bekannt. Da ich schon mehrere Biographien zu Thomas Mann gelesen habe, auch einige von anderen Familienmitgliedern der Familie Mann, war auch der Bruderkonflikt bekannt, allerdings niemals in seinen ganzen Ausmassen. Dieses Buch hat diese Lücke geschlossen. Nicht nur erfuhr ich Neues über diese zwei grossartigen Schriftsteller (ich mag auch Heinrich Manns Romane sehr), die Bezüge zwischen den Werken waren sehr aufschlussreich.

So schliessen sich mehr und mehr Lücken in einem Lebenspuzzle, in das ich vor vielen Jahren eingestiegen bin.

Fazit
Ein grossartiges Buch über die Beziehung zweier ungleicher Brüder, welche einen kompetenten, informativen und gut lesbaren Einblick in Leben und Werk der beiden bietet. Eine ganz grosse Leseempfehlung.

Zum Autor
Helmut Koopmann
war Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Augsburg. Er ist Herausgeber von Schillers Sämtlichen Werken und Autor zahlreicher Bücher zur Literaturgeschichte.

Angaben zum Buch
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. Juni 2015)
ISBN: 978-3423348584

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Thomas Mann: Tonio Kröger

Inhalt

„Diese Art und Weise, sich selbst und sein Verhältnis zum Leben zu betrachten, spielte eine wichtige Rolle in Tonios Liebe zu Hans Hansen. Er liebte ihn zunächst, weil er schön war; dann aber, weil er in allen Stücken als sein eigenes Widerspiel und Gegenteil erschien.“

Tonio Kröger, Sohn einer angesehenen, bürgerlichen Familie, selber von dunklem Aussehen durch die südländische Mutter, verehrt die blonden, blauäugigen Wesen, bewundert die Menschen, die dazugehören zur Norm, während er immer am Rande, aussen vor steht. Er weiss schon früh, dass er seiner Bestimmung nicht entkommen wird, dass er Schriftsteller werden und damit die ganzen Nöte des Künstlertums, dessen Einsamkeit, dessen Ausserhalb-Stehen, auf sich nehmen muss. Er verlässt seine Heimat und kehrt nach vielen Jahren zurück, ängstlich vor den Erinnerungen, die noch in ihm sind und wieder aufbrechen. Als er dann schliesslich mit seinen Jugendlieben konfrontiert wird und ihm erneut sein Leben zwischen Welten bewusst wird, merkt er, dass wohl genau da sein Platz ist. Er kann nicht das Bürgertum verachten wie früher, aber er wird die Künstlernatur nicht los, die seine eigene ist. Sein Leben wird genau da stattfinden: Zwischen zwei Welten. 

Weiterführende Betrachtungen
Thomas Mann schrieb «Tonio Kröger» 1903, zwei Jahre nach dem Erscheinen der Buddenbrooks, zu welchem sich durchaus einige Parallelen finden lassen. Er ist zu dem Zeitpunkt 28 Jahre alt und noch nicht als Schriftsteller gefestigt. Noch kämpft er mit seinem Status, mit seiner Herkunft und auch mit der Konkurrenz mit seinem Bruder. Das alles fliesst in den «Tonio Kröger» hinein.

„Tonio Kröger“ ist sicher nicht Thomas Manns herausragendstes Werk, sofern man überhaupt in solchen Kategorien denken will, und doch hat sogar Mann selber dieses Werk als sein Lieblingskind bezeichnet. Im «Tonio Kröger» hat Thomas Mann viel von seiner eigenen Geschichte verarbeitet, er hat seine Eltern als Vorbilder für Tonios Eltern genommen, die eigenen Schwierigkeiten beim Heranwachsen und bei der Wahl seiner Zukunft als Schriftsteller thematisiert. Vor allem aber hat er sein eigenes Lebensthema, das Schwanken zwischen Bürger- und Künstlertum in Worte gefasst und dabei die eine grosse Frage gestellt:

«Aber was ist der Künstler?»

Tonio Kröger kommt zum Schluss, dass nur er, welcher sich vom Menschlichen entfernt, der das Leben den anderen überlässt, diese aus sicherer Distanz beobachtet, ein Künstler im wahren Sinne sein könne:

«Das Gefühl, das warme, herzliche Gefühl ist immer banal und unbrauchbar, und künstlerisch sind bloss die Gereiztheiten und kalten Ekstasen unseres verdorbenen, unseres artistischen Nervensystems. Es ist nötig, daß man etwas Außermenschliches und Unmenschliches sei, daß man zum Menschlichen in einem seltsam fernen und unbeteiligten Verhältnis stehe, um imstande und überhaupt versucht zu sein, es zu spielen, damit zu spielen, es wirksam und geschmackvoll darzustellen.

Zu viel Gefühl verdirbt die Kunst, macht sie sentimental und nimmt ihr damit den wirklichen Ausdruck, den guten Stil:

«Es ist aus mit dem Künstler, sobald er Mensch wird und zu empfinden beginnt.»

Und weiter:

«Die Begabung für Stil, Form und Ausdruck setzt bereits dies kühle und wählerische Verhältnis zum Menschlichen, ja, eine gewisse menschliche Verarmung und Verödung voraus.»

Auch diese Sicht ist durchwegs autobiographisch zu nennen, hat Thomas Mann sich doch auch zeitlebens gewisse Neigungen auszuleben verboten, hat sich in die Kunst geflüchtet und sie in dieser sublimiert. In seine Werke sind all seine Lieben eingegangen, teils als Jünglinge, teils noch verdeckter als Frauen. Es fällt in diesem wie auch in Thomas Manns anderen Werken auf, dass sich darin wenig Erfundenes findet. Thomas Mann schöpft aus der Wirklichkeit und verarbeitet diese in seine Geschichten. Er selber nannte das «Aneignungsgeschäfte».

Persönlicher Bezug
Die Liebe zu Thomas Mann begleitet mich schon viele Jahre. Als ich am Ende des Studiums meine Masterarbeit zu ihm schrieb, eröffneten sich mir da ein Leben und ein Werk, die mich beide faszinierten und in den Bann zogen. Dass ich mich deswegen oft auf die autobiographischen Bezüge in seinem Werk konzentrierte, liegt wohl auf der Hand – abgesehen davon, dass sie sich anbieten bei diesem Künstler.

Ich mag an Thomas Mann so ziemlich alles: Seine Geschichten, seine Sprache, seine Gedankengänge, die so vielfältige Bezüge zur Philosophie und auch zu einem mir wichtigen Thema, dem Künstlertum, aufweisen. Immer wieder zeigt sich mir bei der Lektüre etwas, das auch im «Tonio Kröger» erwähnt wird:

«Die reinigende, heiligende Wirkung der Literatur, die Zerstörung der Leidenschaften durch die Erkenntnis und das Wort, die Literatur als Weg zum Verstehen, zum Vergeben und zur Liebe, die erlösende Macht der Sprache…»

Zum Autor
Paul Thomas Mann, wie Thomas Mann eigentlich hiess, wird am 6. Juni 1875 in Lübeck in eine Kaufmannsfamilie hinein geboren. Er mag die Schule nicht, geht vor dem Abschluss ab.

Schon während seiner Schulzeit hat Thomas Mann geschrieben, allerdings meistens schwülstige, von leidenschaftlicher Verliebtheit (zu einem Mitschüler) geprägte Gedichte (Eine Erinnerung daran findet sich wohl im Tonio Kröger und der Bleistiftszene wieder.). Nach einem kurzen Ausflug in die Arbeitswelt – Thomas Mann hat eine Stelle als Volontär bei einer Feuerversicherung angenommen und schnell wieder gekündigt – steht bei ihm der Entschluss, Schriftsteller werden zu wollen. Eine erste Erzählung mit dem Titel Gefallen wird auch sofort in einer Zeitschrift veröffentlicht, weitere folgen

1895 und 1986 reist Thomas Mann mit seinem Bruder Heinrich für einige Monate nach Italien, die beiden Brüder bleiben bis im April 1898 und Thomas Mann verfasst mehrere kleinere Arbeiten und beginnt 1897 mit den Buddenbrooks, welche er 1900 an Samuel Fischer schickt, es wird 1901 gedruckt.

1905 heiratet Thomas Mann Katia Pringsheim, Schlag auf Schlag folgen vier Kinder: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909) und Monika (1910), später dann noch Elisabeth (1918) und Michael (1919). Es sind produktive und erfolgreiche Jahre, die lange andauern. Auch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 ändert daran nicht viel.

Die Situation in Deutschland spitzt sich zu, Thomas Mann geht nach Küsnacht in der Schweiz 1936 verliert Thomas Mann die deutsche Staatsbürgerschaft und wird tschechoslowakischer Bürger. 1938 wandert die Familie Mann in die USA aus. Am 7 .Mai 1945 kapituliert Deutschland, Thomas Mann weigert sich lange, dahin zurückzukehren. 1950 reist Mann nach Zürich in die Schweiz. Thomas Mann stirbt am 12. August 1955 im Krankenhaus in Zürich.

Fazit:
Eine persönliche, sehr authentische, sprachlich herausragend geschriebene Künstler-Erzählung. Sehr empfehlenswert!

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch; 50. Edition (26. September 1988)
ISBN-Nr.: 978-3596213818

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Jenny Erpenbeck: Kairos

Inhalt

„In so einem Koffer, in so einem Karton, liegen, Ende, Anfang und Mitte gleichgültig miteinander im Staub der Jahrzehnte, liegt das, was zum Täuschen geschrieben wurde, und das, was als Wahrheit gedacht war, das Verschwiegene und das Beschriebene, liegt all das, ob es will oder nicht, eng ineinandergefaltet, liegt das sich Widersprechende, liegen der stummgewordene Zorn ebenso wie die stummgewordene Liebe miteinander in einem Umschlag, in ein und derselben Mappe, ist Vergessenes genauso vergilbt und zerknickt wie das, woran man sich noch, dunkel oder auch hell, erinnert.“

Als Katharina nach Hans‘ Tod zwei Kartons mit den Erinnerungsstücken an ihre gemeinsame Beziehung ausgehändigt erhält, lässt sie diese Revue passieren. Es muss ein glücklicher Zufall gewesen sein – Gott Kairos steht dafür – dass sie sich überhaupt über den Weg liefen damals, sie gerade 19 und angehende Schriftsetzerin, er gestandener Autor in den Fünfzigern, verheiratet und mit einem Sohn. Dass es immer ein Glück neben der Ehe sein wird, macht Hans von Anfang an klar – Katharina lässt sich darauf ein, zu groß ist ihre Liebe, zu sehr genießt sie das gemeinsame Glück.

Hans teilt mit ihr die Musik, die er liebt, zeigt ihr die Bilder, die er mag, erfüllt sie mit Inhalten, die ihr in seinen Augen noch fehlen. Es sind nicht nur glückliche Stunden, Hans misstraut Katharina immer wieder, unterstellt ihr andere Männer, ist eifersüchtig, sucht die Kontrolle und verlangt totale Offenheit und Wahrheit. Als Katharina wirklich mit einem anderen Mann die Nacht verbringt, versinkt Hans in einer grenzenlosen Enttäuschung, für welche er Katharina hart bestrafen muss. Katharina anerkennt ihre Schuld und hofft trotz allem, dass sie wieder glücklich werden würden. Irgendwann.

Weitere Betrachtungen

„Im Angesicht dieses Mannes, der ihr bei diesem Abendessen als ungeheures Glück, als Unglück und als Frage gegenübersitzt, versteht sie: Jetzt hat das Leben begonnen, für das alles andere nur Vorbereitung gewesen ist.“

Kairos, der Gott des Augenblicks, steht Pate bei dieser Geschichte, die sich aus einem Augenblick in einem Bus entwickelt. Ob der Augenblick glücklich ist oder nicht, weiß man erst im Nachhinein.

Jenny Erpenbeck erzählt die Geschichte dieses ungleichen Liebespaars in der zu Ende gehenden DDR auf eine eigenwillige, temporeiche, eindrückliche Weise. Die beiden Lebensläufe verweben sich förmlich ineinander, indem sich Gedankenfetzen von Katharina und Hans abwechseln, damit sowohl die jeweiligen Innensichten sowie das erlebte Miteinander sichtbar machen. Entstanden ist ein Buch, das von der ersten Seite in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Die Figuren sind authentisch, plastisch, die Orte anschaulich und die Zeit der DDR in den späten Achtzigerjahren mit ihren politischen und sozialen Gegebenheiten fundiert als Schauplatz präsentiert.

„Kairos“ ist eine Liebesgeschichte, es ist aber auch die Geschichte einer Abhängigkeit, die Geschichte von Kontrolle, Macht und Dominanz. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die für die Liebe bereit ist, sich, eigene Gedanken, Pläne, Wünsche aufzugeben, um dafür glückliche Stunden erleben zu können mit dem Mann, den zu verlieren ihr das größte Unglück scheint. Es ist die Geschichte eines Mannes, der in der unschuldigen Jugend und Verehrung ein Ideal sieht, aus dem er Kraft für sich schöpft. Er gestaltet dafür die Beziehung nach seinen Vorgaben, behält die Kontrolle darüber, was passiert, und reagiert, als er die einmal verloren glaubt, auf eine äußerst unnachgiebige, gnadenlose Weise, indem er nach außen ganz klar Täterin und Opfer in der Beziehung definiert, als Opfer die Täterin ihre Schuld spüren lässt, sie aber bei Lichte betrachtet selber zum Opfer macht.

All das erzählt Erpenbeck ohne Parteinahme, ohne psychologisierende Erklärungen, rein durch den Fortlauf der Geschichte in einer schnörkellosen, eingängigen, gut lesbaren und doch nicht seichten Sprache.  

Persönliche Einschätzung
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Liebesgeschichte war mitreißend, frisch, glücklich und doch nie seicht oder kitschig. Der Umstand, dass Hans verheiratet ist, trübte das Bild ein wenig, was aber nur einem moralischen Andersempfinden, keiner Verurteilung geschuldet war. Erst kamen einige Szenen, die aufmerken ließen, Wendungen, die von einer Erziehungsabsicht des Älteren sprachen, Aussagen, die auf Kontrolle hindeuteten, wo diese – aus der Situation heraus – sicher nicht legitim war. Diese Momente häuften sich, steigerten sich, das Kräfteverhältnis in dieser ungleichen Beziehung kristallisierte sich immer deutlicher heraus. Mit Katharinas Fehltritt drehte das Bild komplett.

Hans wurde immer unsympathischer, ich hatte schlussendlich eine regelrechte Wut im Bauch beim Lesen. Gleichzeitig fragte ich mich, wie Katharina das alles einfach hinnehmen, mit sich machen lassen konnte. Und es erschütterte mich, wie es in einer Beziehung geschehen kann, dass ein Mensch regelrecht gebrochen werden kann in seinem Selbstverständnis, so stark, dass ihm fast der Lebenssinn abhanden kommt.

Fazit:
Ein mitreißendes, aufwühlendes, großartig erzähltes Buch über die Geschichte einer ungleichen Liebe und was daraus entstehen kann, wenn einer sich in einer Beziehung aufgibt. Sehr empfehlenswert.

Über die Autorin
Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Ost-Berlin, debütierte 1999 mit der Novelle »Geschichte vom alten Kind«. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, darunter Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Ihr Roman »Aller Tage Abend« wurde von Lesern und Kritik gleichermaßen gefeiert und vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Independent Foreign Fiction Prize. Für »Gehen, ging, gegangen« erhielt sie u. a. den Thomas-Mann-Preis. 2017 gewann Jenny Erpenbeck den Premio Strega Europeo und wurde mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Penguin Verlag; Originalausgabe Edition (30. August 2021)
ISBN-Nr.: 978-3328600855

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und ORELLFÜSSLI.CH

Stephanie Schuster: Milena und die Briefe der Liebe

Inhalt

„…und ich liebe Dich also, Du Begriffsstutzige, so wie das Meer einen winzigen Kieselstein auf seinem Grunde lieb hat, genauso überschwemmt Dich mein Liebhaben.“

Milena ist eine fortschrittliche, ehrgeizige und lebenslustige Frau. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium studiert sie Musik. Als sie den Literaturkritiker Ernst Pollak kennenlernt, führt der sie in die Literatenszene Prags ein, wo sie neben Max Brod auch Franz Kafka kennenlernt.  Milenas Vater ist von der Beziehung seiner Tochter zu einem deutschsprachigen Juden wenig angetan. Von diesem verstoßen heiratet sie Pollak und geht nach Wien, wo sie wegen der Frauengeschichten ihres Mannes bald unglücklich ist. Die Ehe scheitert schließlich und in ihrer finanziellen Not schreibt Milena einen Brief an Franz Kafka mit dem Vorschlag, seine Bücher zu übersetzen. Es kommt nicht nur zu den Übersetzungen, es entsteht auch ein immer intensiver werdender Briefwechsel, der deutlich die wachsenden Gefühle der beiden aufzeigt.

Zum Buch

„Er war ein Mann des Augenblicks, das erkannte sie jetzt. Für ihn gab es kein Morgen. Also liebte sie ihn im Heute und dennoch fühlte sie sich bei jeder Berührung dem Abschied näher.“

Stephanie Schuster erzählt in diesem Buch die Geschichte einer fortschrittlichen (ein Studium war damals nicht üblich für eine Frau), mutigen Frau, die ihren Weg selbstbestimmt und mutig geht, trotz aller Widrigkeiten. Zuerst unter dem strengen Regime ihres Vaters quasi eingesperrt, schlittert sie in eine unglückliche Ehe. Als sie auf Franz Kafka trifft, glaubt sie, ihre Liebe gefunden zu haben. Franz Kafka ist kein Mann, der sich wirklich einlassen kann und will. Er ist zu sehr mit sich, seinen Befindlichkeiten und seinem Schreiben beschäftigt. Als Milena beginnt, von einer gemeinsamen Beziehung zu reden, geht er auf Distanz, beendet die Beziehung schließlich. Milena lässt sich nicht unterkriegen, sie nimmt ihr Leben einmal mehr in die Hand und schaut nach vorne.

Zwar erkennt man anhand des Buches, daß sich Stephanie Schuster durchaus in die Materie eingearbeitet hat und auch die historischen Hintergründe der von ihr erzählten Geschichte kennt, trotzdem ist es ihr nicht gelungen, ein wirklich stimmiges, plastisches Bild der Zeit und dieser Beziehung zu entwerfen. Die beiden Figuren bleiben eher blass, es fällt schwer, wirklich einen Zugang zu ihnen zu finden. Dies ist schade, da wir es mit zwei sehr spannenden Persönlichkeiten zu tun haben, welche jede für sich schon spannend war. In ihrer Unterschiedlichkeit hätten sie, plastischer gezeichnet, mehr hergegeben auch für die Beschreibung dieser Beziehung.

Die Sprache des Romans ist eher seicht und leicht, teilweise gar flapsig, was in meinen Augen zu beiden Protagonisten schlecht passt.

„Milena und die Briefe der Liebe“ wirkt insgesamt wie eine gut lesbar erzählte Liebesgeschichte, leider (dem Leben geschuldet) ohne Happy End. So gelesen, ohne zu große Erwartungen auf neue Erkenntnisse oder tiefgehende Entdeckungen, ist das Buch durchaus unterhaltsam.

Persönliche Einschätzung
Ich kam mit den Briefen Kafkas an Milena (ihre Briefe sind leider bis heute verschollen) im Zuge meines Studiums in Berührung. Besucht habe ich das Seminar mehr wegen des von mir sehr verehrten Professors als wegen der Materie, von der ich aber doch sehr angetan war. Die Analyse der Sprache, die Psychologie zwischen den Zeilen hat viel über den Schriftsteller Franz Kafka offenbart. Von Milena erfuhr man eher wenig, sie war kaum Thema damals, was wohl den fehlenden Briefen aber auch der eher auf Kafka (den Mann?) ausgerichteten Perspektive geschuldet war. Auf das Buch bezogen hätte ich gerade da, wo Milena als Protagonistin im Titel geführt wird, mehr über diese Frau erfahren wollen.

Es mag sein, dass ich mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin, es ist durchaus flüssig lesbar, die lebensgeschichtlichen Hintergründe korrekt, hier und da (was durchaus legitim ist) mit einiger Fiktion vermischt, und bietet auch ansatzweise Einblicke in die Zeit in Prag und Wien zwischen 1916 und 1920. Insgesamt bietet das Buch aber auf allen Ebenen zu wenig: Zu wenig plastische Schauplätze, zu wenig authentische Figuren, zu wenig Einblicke in die Zusammenhänge innerhalb der damaligen Zeit – und nicht zuletzt: eine nicht der Materie entsprechende Sprache.

Fazit:
Ein Buch, das grosse Erwartungen weckte, diese aber leider nicht erfüllte wegen zu wenig plastischer Figuren, zu schwachen Schauplätzen und einem zu seichten Erzählstil, welcher aber durchaus flüssig und unterhaltsam lesbar ist.

Über die Autorin
Stephanie Schuster, geboren 1967, studierte Grafikdesign und illustrierte viele Jahre die Bücher anderer Autoren, bevor sie selbst zu schreiben begann. Heute arbeitet sie als Schriftstellerin, Malerin und Illustratorin. Sie lebt mit ihrer Familie am Starnberger See in Bayern. 

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; 1. Edition (10. November 2020)
ISBN-Nr.: 978-3746635934

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und ORELLFÜSSLI.CH

Delphine de Vigan: Das Lächeln meiner Mutter

Inhalt

„Was ist passiert, als Folge welcher Störung, welchen schleichenden Gifts? Ist der Tod eines Jungen eine hinreichende Erklärung für die Bruchlinie, die Bruchlinien? Denn die Jahre danach sind nicht zu beschreiben ohne die Begriffe Tragödie, Alkohol, Irrsinn, Suizid, die genauso zu unserem Familienwörterbuch gehören wie die Wörter Fest, Spagat und Wasserski.“

Als Lucile aus dem Leben scheidet, stellt sich ihre Tochter Delphine die Frage, wie es dazu kommen konnte. Diese Frau, die sie schon immer durch ihre Schönheit, durch ihr Talent, durch ihr Auftreten fasziniert hat, der sie aber doch nie wirklich nahe kam, weckt in Delphine eine Menge an Fragen, welchen sie in der Folge nachgehen will. Sie sammelt alles Material, das sie über ihre Familie findet, spricht mit den noch lebenden Mitgliedern und versucht so, die Geschichte der eigenen Familie aufzuarbeiten, offene Fragen zu klären, sich ein Bild zu machen davon, was wirklich passiert ist. Vor allem aber möchte sie ihre Mutter endlich kennenlernen, möchte verstehen, wieso diese so war, wie sie war.

Bedeutung

„Ich bin das Produkt dieses Mythos und habe in gewisser Weise die Aufgabe, ihn aufrechtzuerhalten und fortzusetzen, damit meine Familie weiterlebt und auch die etwas absurde, verzweifelte Phantasie, die uns eigen ist.

Delphine de Vigan erzählt die Geschichte einer Familie in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in Frankreich, sie erzählt vom Leben damals in Gesellschaft und auch von privaten Erlebnissen. Sie geht mit ihrer Geschichte weit zurück, bis zur Ursprungsfamilie ihrer Mutter, versucht, aus dem Lauf der Geschichte Antworten zu finden für das, was passiert ist, dafür, wieso ihre Mutter war, wie sie war, wieso sie sich nicht wirklich einliess, sondern sich immer wieder allem entzog, nicht zuletzt auch ihrer eigenen Tochter. Der Weg hin zur Mutter ist auch ein Weg hin zu sich selber für Delphine, sie lernt sich und ihr eigenes Verhalten und Leben besser zu verstehen dadurch, dass sie merkt, wie sich Dinge in der Familie weitervererben.

Delphine de Vigan erzählt nicht nur die Geschichte ihrer Familie, immer wieder reflektiert sie auch die eigenen Schwierigkeiten, diese schriftlich festzuhalten. Sie schreibt von den Selbstzweifeln, davon, die richtige Art des Erzählens zu finden. Da Schreiben immer auch eine Form ist, sich selber bewusst zu werden über die Dinge, deuten diese Schreibschwierigkeiten auch auf die  Schwierigkeit hin, mit der eigenen Geschichte umzugehen, wirklich hinzuschauen. Dies fiel sicher umso schwerer, als es keine heitere Geschichte ist, sondern eine Familiengeschichte voller Tragödien und Schicksalsschläge. Krankheit und (auch selbstgewählter) Tod sind immer präsent, das Leben als Kind in so einer Familie oft verstörend. Zu gerne würde man das wohl vergessen, wegschauen – doch die Fragen sind zu drängend.

Es ist Delphine de Vigan gelungen, diese sehr düstere Geschichte voller Schicksalsschläge und Tragödien authentisch und mit Mitgefühl zu erzählen, Vorwürfe, Selbstmitleid oder Klagen über eine schwierige Kindheit sucht man vergebens. Entstanden ist ein Buch, das trotz der schweren Kost gut lesbar ist.

Persönliche Einschätzung
Ich habe anfangs gekämpft mit dem Buch, fand den Zugang erst, als Delphine de Vigan von ihren eigenen Problemen schrieb, die Geschichte zu Papier zu bringen. Vorher war es schlicht eine Familiengeschichte, von der man zwar wusste, dass es die von Delphine de Vigane selber ist, die aber doch sonderbar absorbiert im Raum stand. Erst mit dieser Passage wurde der Zusammenhang wirklich spürbar, wurde auch das Involviert-Sein der Autorin fassbar.

Ich bin grundsätzlich kein Freund von Erinnerungsbüchern, habe dieses nur gelesen, weil ich von Delphine de Vigans Buch „Dankbarkeiten“ so begeistert war. In meinen Augen kann dieses nicht mit dem anderen mithalten, „Dankbarkeiten“ hat mich mehr berührt und ergriffen – vielleicht, weil hier die Sprache viel sachlicher war als dort, was vielleicht der Nähe der Autorin zum Stoff geschuldet ist. Oft brauchen wir ja die Distanz zu den ganz nahen Dingen, um ihnen überhaupt begegnen zu können. So wirkt dieses Buch auf mich.

Fazit:
Ein authentisches, sensibles Buch über die Geschichte einer Familie, über die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung und über das Erbe, das wir aus unserer Familiengeschichte mitnehmen. Empfehlenswert.

Über die Autorin
Delphine de Vigan, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman ›No & ich‹ (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman ›Nach einer wahren Geschichte‹ (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Bei DuMont erschien außerdem 2017 ihr Debütroman ›Tage ohne Hunger‹ und 2018 der Roman ›Loyalitäten‹.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (16. Juli 2021)
Übersetzung: Doris Heinemann
ISBN-Nr.: 978-3832165468

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und ORELLFÜSSLI.CH

Uwe Wittstock: Februar 33

Der Winter der Literatur

Inhalt

«Wenn der Satz, Hitlers Verbrechen seien unvorstellbar, einen Sinn hat, dann gilt er zuallererst für seine Zeitgenossen. […] Vermutlich gehört es zur Natur eines Zivilisationsbruchs, schwer vorstellbar zu sein.»

 Joseph Roth, Thomas Mann, Berthold Brecht, Heinrich Mann, Klaus und Erika Mann, Alfred Döblin, Erich Mühsam, Erwin Egon Kisch, Else Lasker-Schüler, Ricarda Huch und viele mehr sind betroffen von einem Umbruch, der in Deutschland 1933 stattfindet: Hitler soll Reichskanzler werden und damit wird sich das Leben der oben genannten ändern. Ihre Stücke können nicht mehr aufgeführt, ihre Bücher nicht mehr gedruckt werden. Sie werden verfolgt, eingesperrt, bedroht und müssen schliesslich fliehen.

«Heute muss er [Heinrich Mann] sich auf konspirativen Wegen aus dem Land schleichen. Er, einer der wichtigsten Schriftsteller des Landes, darf froh sein, wenn man ihn nicht erkennt. Zu Fuß ist er unterwegs, mit einem Köfferchen in der Hand und einem Schirm, mehr nicht.»

Uwe Wittstock arbeitet sich Tag für Tag durch einen Monat, der nicht nur Deutschland und das Leben da, sondern die ganze Welt verändern wird. Er zeichnet mit grossem Wissen und auf gut lesbare Weise einerseits die politischen Entscheide und Fakten auf, und beleuchtet, was diese für Auswirkungen auf das Leben der dargestellten Literaten hat. Viele schauen zwar besorgt, aber doch nicht hoffnungslos auf die sich verändernde politische Landschaft. Zwar erkennen sie mehrheitlich das Verhängnis einer Wahl Hitlers, glauben aber nicht, dass diese Regierung lange an der Macht sein wird, geschweige denn, dass sie zum Verhängnis für so viele Menschen werden kann. So kommt es dann bei vielen zu sehr überstürzten Abreisen aus Deutschland, weil die Gefahr oft zu spät, wenn zum Glück auch oft gerade noch rechtzeitig, erkannt wurde.

Weiterführende Betrachtungen

«Nur diesen Monat brauchte es, um einen Rechtsstaat in eine Gewaltherrschaft ohne Skrupel zu verwandeln.»

Uwe Wittstock zeichnet die Zeit vom 28. Januar bis zum 15. März 1933 nach, erläutert in kurzen Abschnitten die politischen Umbrüche und sich verändernden Umstände für die Bevölkerung anhand verschiedener Biographien von Schriftstellern. Als Leser ist man Zeuge eines Umbruchs und dem langsamen Bewusstwerden einzelner Schriftsteller, dass die Weimarer Republik zu Ende ist, jeder, der noch daran festhalten will, aufs falsche Pferd setzt – nicht nur das: Er ist in Gefahr, da nicht völkisch Denkende als Gefahr für die neue Regierung und damit (sogenannt) das Volk eliminiert werden sollen – mit Schiesserlaubnis.  

Das vorliegende Buch ist einerseits ein informatives Zeitzeugnis, andererseits auch eine Warnung, den Blick heute nicht zu verschliessen vor alarmierenden Veränderungen in der Gesellschaft. Die wachsende Spannung in und Spaltung derselben, Terrortaten und zunehmender Judenhass sind nur einige aktuelle Probleme, denen es bewusst zu begegnen gilt, die nicht ignoriert werden dürfen. Das Buch ist ein gutes Mittel, sich vor Augen zu führen, dass eine Demokratie aktiv geschützt werden muss, dass politische Fehlentscheide verheerende Folgen haben können – für den Staat, für die Gesellschaft, für den Einzelnen.

Uwe Wittstock ist es gelungen, in einem überschaubaren Rahmen geschichtliche Fakten und persönliche Schicksale aufzuzeichnen. Das Buch ist ab und an sprachlich uneinheitlich, schwankt von fast romanhaften Wendungen hin zu faktisch-sachlicher Sprache und weist andererseits einige Redundanzen auf. Dies sei nur der objektiven Sicht wegen gesagt, tut dem Wert des Buches aber keinen Abbruch.

Persönlicher Bezug
Die Zeit um das Ende der Weimarer Republik, die Machtergreifung der Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg ist seit vielen Jahren, mittlerweile Jahrzehnten eine mich faszinierende und in verschiedenen Forschungsprojekten auch beschäftigende. Als Literaturwissenschaftlerin und politische Philosophin war dieses Buch also quasi eine Pflichtlektüre, vereint es doch die Themen, die mir so lange am Herzen liegen. Sie tun dies aber nicht nur aus reinem Interesse an der Geschichte, sondern eher vor dem Hintergrund, dass ich denke, dass wir nicht vergessen dürfen, was passiert ist – gerade mit Blick auf die Situation heute.

Der Satz, dass man aus der Geschichte lernen kann, hat sich leider oft nicht bewahrheitet, weil immer wieder gleiche Fehler passieren. Dies tun sie aber umso mehr, wenn wir die Vergangenheit zu wenig bewusst vor Augen haben. Bücher wie dieses können das ändern.

Fazit
Ein grossartiges Buch über die politische Lage eines folgenreichen Umbruchs und die Geschichte einiger Schriftsteller, die davon betroffen und bedroht waren. Eine ganz grosse Leseempfehlung.

Zum Autor
Uwe Wittstock ist Literaturkritiker und Buchautor. Bis 2018 war er Redakteur des „Focus“, für den er heute als Kolumnist schreibt. Zuvor hat er als Literaturredakteur für die FAZ (1980 – 1989), als Lektor bei S. Fischer (1989 – 1999) und als stellvertretender Feuilletonchef und Kulturkorrespondent für die «Welt» (2000 – 2010) gearbeitet. Er wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus ausgezeichnet.

Mehr zu Uwe Wittstock findet sich auf seiner
Homepage: uwe-wittstock.de
und in seinem Blog: http://blog.uwe-wittstock.de/

Angaben zum Buch
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: C.H.Beck; 2. Edition (16. September 2021)
ISBN: 978-3406776939

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Arno Geiger: Alles über Sally

„Sally findet es mit einem Mal anstrengend, wie Alfred auf ältliche Weise im Bett sitzt, ein überzeugender Beitrag zur Trostlosigkeit dieses Zimmers […] jetzt in den Ferien, sollte man meinen, ist es selbst für einen Mann in Alfreds Alter eine unnatürliche Sache, so viel herumzuliegen. […] Die halbe Nacht grabschte er nach Sallys Hüften, die meiste Zeit lag er auf ihr. Sie selber wachte einige Male in Schweiß gebadet auf, so dass sie sich jetzt fragt: Was ist das? Ist es Alfred oder seelische Armut oder eine Krankheit? Sind es die Hormone oder ist es Angst?“

Schon im ersten Kapitel erhält man einen Eindruck von der nun dreißigjährigen Ehe von Sally und Alfred. Er, der eher Schwermütige, Konservative, Bewahrende, sie die Aktive, Unzufriedene, Suchende und Fragende. Jäh aus den Ferien weggerufen wegen eines Einbruchs in ihr Haus, zeigt sich die ganze Tragweite dieser Unterschiedlichkeit. Während Alfred noch mehr in Lethargie und Selbstmitleid verfällt, übt sich Sally in Aktivismus, packt an, will wieder nach vorne gehen. Alfred steckt fest. Er steckt in seiner Trauer, sieht das Verlorene. Er trauert um den Verlust der Vergangenheit, leidet an der Zerstörung seiner Sicherheit, seiner Konstanz im ewig Gleichen – und genau das stürzt Sally immer mehr in eine Position des Zweifels: Zweifel an Alfred, an ihrer Liebe, an ihrer Ehe. Sie braucht Abhilfe und stürzt sich dazu eine Außenbeziehung mit Eric, es ist nicht ihre erste. Diese Ausbrüche – von denen Alfred immer stillschweigend wusste, weswegen es verwundert, dass er dieses Mal nichts mitkriegt – scheinen ihr eine Lebendigkeit in ihr Leben zu bringen, die sie bei all der auferlegten Stetigkeit braucht. Und trotzdem: Sie kommt immer zu Alfred zurück, sucht diese Stetigkeit auch, da diese und für sie stehend Alfred wohl ihr Halt in einer sonst haltlosen Welt ist – im Aussen wie im Innen. Dies drückt sich auch in einer Erkenntnis aus, die sie überkommt:

„Spätestens damals hatte sie begriffen, dass Wohnen etwas Emotionales ist und dass sie mit ihren Gefühlen weit weniger links stand als ideologisch. Von da an hatte sie gewusst, Gefühle sind konservativ, sie verändern nicht die Welt.“

Und auch wenn Gefühle dauerhaft sind, so sind sie nicht immer da, nicht immer gleich stark. Während Alfred die ganzen dreißig Jahre damit verbracht zu haben scheint, bewundernd auf Sally zu schauen, glücklich über jeden von ihm als schön befundenen Blick zu sein, findet Sally viele Dinge, die sie an ihrem Mann beanstandet. Sie geht mit ihren Worten nicht zimperlich um. Trotzdem weiß sie auch in lieblosen Zeiten, sie würde Alfred

„bald wieder lieben, so wie sie ihn am Anfang geliebt hatte und später auch immer wieder, nur jetzt nicht, da konnte sie ihm nichts vormachen.“

Arno Geiger ist ein Blick auf eine Ehe gelungen, der viel Mitgefühl in sich trägt, der trotzdem in die Tiefe geht und offenlegt, was da liegt. Dieser Blick zeigt eine Ehe, die weit vom romantischen Ideal scheint, eine Ehe, in welcher zwei Individuen sich aneinander aufreiben und doch immer wieder bleiben – und in diesem Bleiben aufs Ganze gesehen etwas für sich zu finden scheinen. Arno Geiger zeigt, dass es gerade die Dauer der Ehe ist, die all das auszeichnet, weil gerade diese Dauer in einer unsteten, immer schneller drehenden Welt außergewöhnlich ist. Erst durch diese Dauer zeigen sich die Schwierigkeiten des Zusammenlebens, aber auch das, was Paare zusammenhält. Es sind die kleinen Fürsorglichkeiten des Alltags, die Aufmerksamkeiten im Vorbeigehen, welche Arno Geiger sehr einfühlsam und unaufdringlich erzählt.

Gelungen ist diese Geschichte vor allem, weil Arno Geiger es schafft, beide Seiten zu beleuchten. Er schaut in die Seelen beider Protagonisten, er tut dies ohne Vorurteile oder Aburteilungen, ohne An- oder Trauerklage. Ein flüssiger Erzählton fließt durch eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, auch Abgründen, er packt den Leser und lässt ihn nicht mehr los.

Fazit:
Ein bewegender, nachdenklich stimmender Roman über die Liebe, die Ehe, das Miteinander. Unbedingt lesenswert.

Zum Autor
Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, wuchs in Wolfurt/Vorarlberg auf. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien.

1997 debütierte Arno Geiger mit dem Roman ›Kleine Schule des Karussellfahrens‹, 1999 folgt ›Irrlichterloh‹. 1998 erhielt er den New Yorker Abraham Woursell Award, 2005 für ›Schöne Freunde‹ den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis und den Deutschen Buchpreis für ›Es geht uns gut‹. 2008 wurde ihm der Johann-Peter-Hebel-Preis verliehen, 2011 der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. 2007 erschienen Erzählungen mit dem Titel ›Anna nicht vergessen‹, 2010 der Roman ›Alles über Sally‹, 2011 das Buch ›Der alte König in seinem Exil‹, 2015 der Roman ›Selbstporträt mit Flusspferd‹. Für den Roman ›Unter der Drachenwand‹, der auch für den Deutschen Buchpreis nominiert war, erhielt Arno Geiger den Literaturpreis der Stadt Bremen. 2018 wurde Arno Geiger mit dem Joseph-Breitbach-Preis ausgezeichnet.

Arno Geiger lebt in Wolfurt und Wien.

Angaben zum Buch
Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft (1. August 2011)
Taschenbuch ‏ : ‎ 368 Seiten
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423140188

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE UND ORELLFUESSLI.CH

Erich Maria Remarque: Drei Kameraden

«Ich hatte ein merkwürdiges Gefühl von Heimat, als ich das so sah, und ich dachte daran, daß nun jemand da war und da sein würde, daß ich nur wenige Schritte zu machen brauchte, um ihn zu sehen und bei ihm zu sein, heute, morgen, auf lange Zeit vielleicht –«

Inhalt
Drei Kameraden aus dem Krieg, Robert, Gottfried und Otto, eröffnen im Berlin der zwanziger Jahre eine Autowerkstatt, die sie mehr schlecht als recht finanziell über die Runden bringt. Als sie bei einer Autoausfahrt auf Pat treffen, wächst zwischen ihr und Robert eine erst feine, dann immer stärker werdende Liebe heran, welche. Robert führt Pat in seine Welt ein, die aus viel Alkohol, Salons mit Prostituierten und vor allem tiefen und echten Freundschaften besteht. In diese gelebte Liebe und Lebensfreude schlägt das Schicksal hinein, Pat wird schwer krank, muss sogar ins Sanatorium. Es bleibt nur noch die Hoffnung und damit immer wieder neue Zuversicht, dass alles noch ein gutes Ende nehmen wird.  

Bedeutung

«Theater, Konzerte, Bücher, – alle diese bürgerlichen Gewohnheiten hatte ich fast verloren. Es war nicht die Zeit danach. Die Politik machte genug Theater.»

«Drei Kameraden» ist ein Zeitzeugnis. Es durchleuchtet das Berlin der zwanziger Jahre mit klarem Blick, welcher in die Tiefe führt. Das Buch zeigt die Lebensfreude nach dem Krieg, aber auch die Versehrtheit der Kriegsrückkehrer. Es zeigt das Leiden an der Zeit und die seelischen Wunden, die vom Krieg übrigblieben, das Nicht-vergessen-Können, das Misstrauen in die Zeit. Es zeigt die schwierige wirtschaftliche Lage, in welcher eine ganze Schicht von Menschen ums Überleben kämpft, in welcher die Möglichkeiten immer weniger und die Nöte immer vielfältiger werden.

«Drei Kameraden ist aber auch ein Buch über die Freundschaft, über den Zusammenhalt von drei Menschen, die füreinander einstehen und hinstehen. Es sind aber nicht nur die drei Menschen, die freundschaftlich verbunden sind, sie bilden nur den engsten Kreis. Es ist eine ganze Gruppe von Menschen, die zu einem Freundeskreis gehören, bestehend aus den untersten Schichten des Milieus, bestehend aus Alkoholikern, Prostituierten und sonst Randständigen, bestehend aus ganz viel Mitmenschlichkeit – trotzdem.

««Liebst du mich eigentlich?» fragte ich.
Sie schüttelte den Kopf. «Du mich?»
Nein, ein Glück, was?»
«Ein grosses Glück.»
«Dann kann uns ja nichts passieren, wie?»
«Gar nichts –« erwiderte sie und faßte unter den Mänteln nach meiner Hand.»

«Drei Kameraden» ist aber auch ein Buch über die Liebe, ein Buch über die Verbindung zweier Menschen in schwierigen Zeiten, in welchen das Vertrauen in das Gute durch die Herausforderungen des Lebens schwer geworden ist.

«Drei Kameraden» besticht durch einen feinen Witz, eine unglaublich tolle Sprache voller Poesie und eine grosse Menschlichkeit. Es ist ein sehr berührendes Buch, ein einnehmendes Buch, ein zum Nachdenken anregendes Buch. Es ist ein Buch, welches zeigt, dass auch in schweren Zeiten (oder gerade da) Werte wie Freundschaft, Verlässlichkeit und Mitmenschlichkeit wichtig sind. Es ist ein Buch, das zu jeder Zeit aktuell ist, weil jede Zeit ihre Herausforderungen kennt und Menschen damit umgehen müssen.

Persönlicher Bezug
Natürlich war mir das Buch «Im Westen nichts Neues» ein Begriff, der Name Erich Maria Remarque bekannt, und doch hatte ich weder dieses noch ein anderes Buch je gelesen, geschweige denn mich mit der Person Remarque auseinandergesetzt. Dann las ich den Roman «Ascona» von Edgar Rai (HIER die Rezension) und es gab quasi kein Halten mehr: Ich wollte mehr über Erich Maria Remarque erfahren und ich wollte vor allem das Buch lesen, welches er in dem gelesenen Roman geschrieben hat. Und ja, es wird nicht bei dem einen Buch bleiben.

Erich Maria Remarque
Erich Maria Remarque (eigentlich Erich Paul Remark, den Mittelnamen «Maria» legte er sich aus Verehrung für Rainer Maria Rilke zu) wurde am 22. Juni 1898 in Osnabrück geboren. Er besuchte ein katholisches Lehrerseminar und wurde 1916 in die Armee eingezogen, wo er nach sechs Monaten Ausbildung an die Front berufen wird. Wegen einer Verletzung verbringt er die Zeit bis 1918 im Lazaret. Die Armeezeit wird ihn das ganze Leben prägen, seine pazifistische Sicht begründen. Es folgen die verschiedensten Berufe, Händler, Agent für Grabsteine, Lehrer oder Organist sind nur ein paar. Daneben veröffentlicht er Gedichte und Kurzprosa, 1920 folgt der erste Roman «Traumbude». Die Jahre drauf reist er als Journalist durch Europa, wird Sportredaktor und veröffentlicht schliesslich 1929 den Roman «Im Westen nichts Neues», mit welchem er berühmt werden sollte. 1932 folgt die Reise in die Schweiz, nach Porto Ronco (in der Nähe von Ascona) ins Exil. 1933 werden seine Bücher verbrannt, 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, 1939 die Emigration nach Amerika. Nach dem Krieg lebt Remarque abwechselnd in New York und Porto Ronco (CH). 1946 gelingt ihm mit dem Roman «Arch of Triumph» ein weiterer Erfolg, an welchen er mit den folgenden Romanen nicht mehr anschliessen kann. Erich Maria Remarque stirbt am 25. September 1970 in Locarno.


Angaben zum Buch
Verlag: KiWi-Taschenbuch; 4. Edition (8. März 2014)
Umfang: 592 Seiten
ISBN: 978-3462046311
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Joke J. Hermsen: Rosa und Hannah: Das Blatt wenden

Sie waren zwei Vordenkerinnen, zwei, die für ihre Gedanken einstanden, nie müde wurden, für die richtige und wichtige Sache zu kämpfen. Rosa Luxemburg bezahlte das mit ihrem Leben, Hannah Arendt musste oft Kritik einstecken, einmal so viel, dass sich Freunde abwandten und sie sogar Morddrohungen bekam (nach ihrem Buch über Eichmann). Und doch liessen sie nicht ab von dem, was Hannah Arendt einst «Denken ohne Geländer» nannte.

Beide kritisierten sie die Konsumgesellschaft, das gedankenlose Partizipieren am Leben ohne wirklich politisch relevant zu werden. Joke J. Hermsen verbindet die Gedanken der beiden Denkerinnen immer wieder mit der politischen Lage in Frankreich und den Niederlanden, zeigt daran auf, wie zeitgemäss diese auch heute noch sind. Die hier so zusammengetragenen Gedanken sind sicher nicht neu, die Passagen über die aktuelle Situation etwas gar umfassend für dieses schmale Büchlein, und doch ist es die Lektüre durchaus wert, sei es nur schon, sich gewisse Gedanken wieder zu vergegenwärtigen und dadurch bewusst zu werden.

So stellte Hannah Arendt zum Beispiel fest, dass die Welt finster werde, wenn die Menschen keine gemeinsame Verantwortlichkeit mehr spüren, jeder nur noch seine eigenen Belange sähe und der Politik so misstraue, dass er sich abwendet. Sie hatte das 1968 in ihrem Buch «Menschen in finsteren Zeiten» geschrieben). Oder aber Rosa Luxemburg befand in Anbetracht der Schieflage der Welt, dass es vor allem wichtig sei, Mensch zu bleiben, was heisse: fest, klar und heiter – heiter trotz allem. Die Welt mag ab und an undurchsichtig sein, das Leben beschwerlich – die Heiterkeit kann vieles besser machen. Trotzdem. Da haben wir dieses „Trotzdem“, das wir bei Viktor Frankl finden oder das „Dennoch“ bei Hilde Domin.

Bei Rosa Luxemburg dominierte immer die Hoffnung über alles, auf sie setzte sie. Hannah Arendt setzte auf die Liebe und auf die Verantwortung, denn nur Kraft der beiden, davon war sie überzeugt, könne man die Selbstsucht, das oberste Primat des Kapitalismus, überwinden, und frei, das heisst, wirklich Mensch werden.

Abgerundet wird das schmale Bändchen mit Briefen von Rosa Luxemburg, die durch ihre Poetik, ihre grosse Liebe zur Literatur, Musik und auch Natur beeindrucken.

Zum Autor
Joke J. Hermsen, geboren 1961 in Middenmeer, studierte Literatur und Philosophie in Amsterdam und Paris. In ihrer Doktorarbeit befasste sie sich mit Lou Andreas-Salomé und Ingeborg Bachmann. Für ihre Romane und Essays erhielt sie viele Preise. Ihr Werk wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Fazit
Ein wunderbares, wichtige Gedanken grosser Denkerinnen aufgreifendes Büchlein, das zum Nachdenken anregt. Sehr empfehlenswert!

Angaben zum Buch
Herausgeber: Wagenbach, K (4. März 2021)
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
ISBN-13: 978-3803113580

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE oder ORELLFUESSLI.CH

Volker Weidermann: Ostende

1936, Sommer einer Freundschaft

«Er war 53 und weltberühmt. Ja, berühmt, aber auch scheu und in neuen Lebenssituationen und unter vielen Menschen seltsam ungelenk, nie wirklich selbstsicher. Stefan Zweig war ein suchender Mensch, immer auch auf der Suche nach dem ruhenden Pol in sich selbst, nach Selbstgewissheit.»

 Im Sommer 1936 zieht es Stefan Zweig nach Ostende. Er will arbeiten, in Ruhe, Ruhe haben von seiner Frau, mit der er schon lange nicht mehr glücklich ist, Ruhe haben von dem, was zu Hause abgeht politisch. Er schreibt an seine Sekretärin und Geliebte, Lotte Altmann nach London, sie solle mitsamt ihrer Schreibmaschine nach Ostende kommen. Sie würden da einfach leben. Es ist nicht das erste Mal, dass Stefan Zweig in Ostende ist, es ist ein sicherer Wert, er weiss, wer und was ihn da erwartet: Viele seiner Schriftstellerkollegen und Freunde, die wie er auf der Flucht sind vor einem Regime in einem Land, das das ihre nicht mehr sein kann, weil ihre Bücher da nicht mehr erscheinen dürfen: Joseph Roth, Irmgard Keun, Hermann Kesten, Ernst Toller, Egon Erwin Kisch.

«Jetzt sind sie Menschen auf der Flucht in einer Urlaubswelt.»

Besonders mit Joseph Roth verbindet Stefan Zweig eine enge Freundschaft – eigentlich mehr als das. Es ist eine grosse Bewunderung für dessen Schaffen, das er aber am Alkohol zugrunde gehen sieht; und Roth damit. Der jüngere Freund, dem Alkohol durchaus zugetan, steht finanziell und gesundheitlich immer am Abgrund, ist auf die Hilfe seines brüderlichen Freundes angewiesen, kann sie aber doch nicht ganz annehmen, da er sich für die Abhängigkeit schämt und sich nicht unterlegen zeigen will.

Roth trifft in Ostende auf Irmgard Keun, es ist der Beginn einer zweijährigen Beziehung, welche neben der grossen Liebe (Roth ist wohl Keuns grösste Liebe in ihrem Leben) aus Schreiben und Trinken besteht, die beiden sind in beidem sehr fleissig.

Volker Weidermann ist ein wunderbares Porträt der Schriftsteller auf der Flucht gelungen. Mit feinem Blick, zielsicherer Sprache und genügend Wissen, die Inhalte auf leichte Art zu erzählen malt er ein Bild einer Oase in der Zeit, welche einerseits die Wunden durchscheinen lässt, andererseits die Kompensationsstrategien der Einzelnen aufzeigt – und dies ohne moralinsaure Stimme, ohne abschätzigen Ton, ohne zu stark zu Psychologisieren.

Persönlicher Bezug
Stefan Zweig war meine erste grosse Liebe in der Welt der grossen Literatur. Liebte ich ihn in der Jugend vorbehaltslos, kam im Zuge meines Studiums durchaus ein kritischer Blick auf ihn, die Überfülle des Adjektivgebrauchs, die teilweise doch sehr überschwängliche, blumige, sentimentale Herangehensweise an seine Stoffe, entsprachen durchwegs nicht ganz dem, was ich als grosse Literatur im strengen Sinne bezeichnen wollte, und doch war da etwas eigentümlich Packendes in seinen Darstellungen sowohl von Menschen als auch von Zeiten. Es gelang Stefan Zweig immer wieder, sowohl die Menschen authentisch und erfahrbar zu präsentieren, und die Zeiten plastisch werden zu lassen. Und durch Zeit und Mensch schien immer etwas durch: Stefan Zweig selber.

Als ich dann auch noch auf seine Gedichte stiess, die mich sehr berührten und einnahmen, war die Liebe wieder intakt. Es war schon von daher ein Muss, dieses Buch zu lesen. Aber es gab noch mehr Gründe:

Irmgard Keun ist eine in meinen Augen viel zu wenig beachtete Schriftstellerin. Die kecke Art, auf eine vordergründig naive Weise von den Zuständen im Dritten Reich zu schreiben, dabei aber tief in die Abgründe zu stossen und diese sichtbar zu machen, beläufig und doch nicht als Nebenschauplatz, ist grossartig. Und nicht zuletzt schätze ich Volker Weidermann für sein Wissen, für seine Art, dieses auf gut nachvollziehbare und unterhaltsame Weise zu Papier zu bringen, so dass jedes Buch nicht nur informativ, sondern auch eine grosse Lesefreude ist.

Fazit
Ein grossartiges Buch über die Geschichte einiger Schriftsteller auf der Flucht, das mit viel Hintergrundwissen, Menschlichkeit und einem gut lesbaren Erzählfluss aufwartet. Eine ganz grosse Leseempfehlung.

Zum Autor
Volker Weidermann, geboren 1969 in Darmstadt, studierte Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg und Berlin. Er war Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ist seit 2015 Autor beim SPIEGEL und war Gastgeber des »Literarischen Quartetts« im ZDF. Zuletzt erschien von ihm »Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft«, »Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen« und »Das Duell. Die Geschichte von Günther Grass und Marcel Reich-Ranicki«.

Angaben zum Buch
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: btb Verlag (10. August 2015)
ISBN: 978-3442748914
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH