Rückstoss

Es gibt so Tage,
da möchtest du bloss,
wie’s deine Natur,
lieb nur sein,
nur…
es gelingt dir nicht.

Das sind die Tage,
an denen dir dann
so wider Natur
geht der Strich –
nur…
du kommst nicht raus.

Das sind die Tage,
wenn’s tief in dir drin
laut rumpelt und kracht,
Feuer entfacht –
und…
du speist es aus.

Es gibt so Tage,
da bleibt schliesslich nur
Asche zurück
und du mittendrin
bist…
ausgebrannt.

Das sind die Tage,
wenn weiter wer brennt,
der trägt dann den Kelch
mit dieser Flamme,
die…
Hass übergibt.

©Sandra Matteotti

Das Ende

Über alle die wichtigen
Dinge, die laut schreien
aus mir heraus
wollen schweige ich;
über all die Bosheiten,
die in mir stechen
sich mit ihren Spitzen
festsetzten, schweige ich.

Und ich höre die Stille
und ich spüre das Schweigen
als Loch in der Mitte
und als Stocken im Hals.
Und doch schweige ich
und fühle die Leere
und atme noch schwerer
und bald schon, da weiss ich,

was langsam sich zeigte
in all diesem Schweigen
geschrieener Worte:

Stille ist Tod.

©Sandra Matteotti

ausgesaugt

sie rief mich an
sie brauchte was
wieso auch sonst
sonst tat sie’s nie

sie rief mich an
kam gleich zum punkt
ich sollt’ was tun
das musst ich stets

sie rief mich an
und als sie hatte
was gebraucht
da war sie weg

was hätte sie
auch sagen sollen
es ging ja nur
um diese chose

nun sitz ich hier
wie schon zuvor
nur um eine grosse

leere reicher

©Sandra Matteotti

Aufforderung an den Dichter

er sagte so
du mach mal was
mit sichelmond*
du reimst so schön
das müsste gehn

nimm halt noch
ein bisschen schmus
so herz und schmerz
und bitte sehr
nicht zu konfus

bleib im takt
ohne zäsur
das wirkt sonst gleich
so hart und nach

nem bruch
das mag ich nicht
das macht mir das
gefühl kaputt

so schreib mal was
ich kann ja dann
noch kontrolliern
ob alles passt

wie ich es möcht

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Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von autopict und lauten: Mondsichel, Zäsur, kontrollieren.

*Ich entschuldige mich für die Umdrehung, ich hoffe, das geht so noch so knapp irgendwie….

Der Ursprungspost: HIER

Dirk Ippen (Hrsg.): Des Sommers letzte Rosen (Rezension)

Rangliste der Gedichte

Wer kennt sie nicht, die Gedichte, die man in der Schule mühsam auswendig lernen musste, die Gedichte, die man in allen Gedichtbänden findet, die bei Hochzeiten, Trauerfeiern und auch zwischendurch zitiert werden. Das vorliegende Buch hat sie gesammelt und in die passende Reihenfolge gebracht. Entstanden ist eine Sammlung von 100 Gedichte aus fast 1000 Jahren, die am häufigsten in deutschen Anthologien zu finden sind.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiss die Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Wir starten bei Uhlands Frühlingsglauben, finden später 18 Das Abendlied von Claudius, Nietzsches Vereinsamt, Eichendorffs Abschied, Platens Tristan und schliessen schliesslich mit Trakls Winterabend.

IppenSommersRosenDes Sommers letzte Rosen bringt sicher nicht die neue Erkenntnis in Sachen Gedichten, man findet – vor allem als begeisterter Gedichte-Leser – keine Neuentdeckungen. Auch kann man sich fragen, ob es wirklich nötig ist, Ranglisten aus Gedichten anzulegen – so mutet es ein wenig an. Aber: Es ist ein sehr schön aufgemachtes Buch mit einem ansprechenden Deckblatt, das Layout ist schnörkellos und ganz auf die einzelnen Texte ausgerichtet – ein schönes Geschenk für einen guten Freund, die Mutter oder einen Einsteiger in die Welt der Lyrik.

Müsste man einen Kritikpunkt anbringen, so wäre es, dass die wirkliche Rangliste fehlt. Zwar kann man sich den Gedichten entlanglesen, aber wenn man schon eine Liste erstellt, wäre es schön, die einzelnen Plätze auf einen Blick erfassen zu können, ohne sie abzählen zu müssen.

Fazit:
Die 100 am häufigsten in Anthologien publizierten Gedichte in einem Band, sehr ansprechend gestaltet. Ein wunderbares Geschenk für Lyrik-Liebhaber und solche, die es werden wollen.

Zum Herausgeber
Dirk Ippen, Dr. jur., ist Zeitungsverleger und lebt in München.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: C.H.Beck (16. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3406706301
Preis: EUR 14/ CHF 21.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Scheingefechte*

In Hamburg schlagen sie sich
die Köpfe ein.
Als Protest gegen Gewalt,
gegen Weltzerstörung derer,
die nichts verstehen,
nur sich selber sehen.
Sagen sie.
Zum Schein!

Sie zerstören Läden und Wagen,
schiessen auf Menschen und Häuser.
Strassen brennen
und Menschen rennen,
weil ein paar zum Schein
und aus Spass an der Freude
finden: So
soll es sein!

©Sandra Matteotti

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*aus aktuellem Anlass und dem Unverständnis heraus, wie nur irgendwer ernsthaft denken kann, mit Zerstörung und Gewalt diese beiden bekämpfen zu können…

Gefühle

Im Wagen
zum Abgrund
und kurz vor dem Ende
die Wende

Achterbahn
Rummel im Kreis
und mal hoch
und mal runter

vom Berg
bis ins Tal
hin zu holprigen
Strassen

schluchten
mal wieder
und doch
einzigartig

bei jeder
Fahrt.

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2017_27-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bruni von Wortbehagen.de und lauten: Achterbahn, Strassenschlucht, einzigartig.

Der Ursprungspost: HIER