Am 26. April 1787 wird Johann Ludwig „Louis“ Uhland in Tübingen in eine alte Gelehrtenfamilie hinein geboren. Sein Geburtshaus an der Neckarhalde 24, das er wenige Monate nach seiner Geburt verlässt, ist denkmalgeschützt und so heute noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. Den grossen Teil seiner Kindheit und Jugend verbringt Uhland mit seiner Familie im Haus seines Grossvaters väterlicherseits in Tübingen.

Ludwig Uhland besucht von 1793 bis 1801 die Schola Antolica, die Tübinger Lateinschule, und glänzt da vor allem in den sprachlichen Fächern, Mathematik ist ihm zeitlebens ein Gräuel. 1801 erhält Ludwig Uhland ein Stipendium für das Tübinger Stift, wendet sich da zuerst vornehmlich philologischen Themen zu, um dann 1805 mit dem Studium der Rechtswissenschaften zu beginnen. Er ist ein eifriger, ordentlicher, disziplinierter  und auch schweigsamer, zurückhaltender Student. Er freundet sich mit dem Medizinstudenten Justinus Kerner an und unternimmt zusammen mit diesem und anderen Kameraden ausgedehnte Wanderungen, welche Inspiration für viele Gedichte Uhlands aus dieser Zeit sind. Ebenfalls bewegte er sich im Schwäbischen Dichterkreis, zu deren Mitgliedern er einen lebenslangen Kontakt bewahrte, wovon zahlreiche Briefe zeugen.

1810 erfolgt die Promovierung Uhlands zum Doktor der Rechtswissenschaften, er geht danach auf eine Bildungsreise nach Paris, wo er sich altdeutschen und französischen Schriften widmet und nicht, wie sein Vater annimmt, dem romanischen Rechtskreis. 1811 kehrt Uhland nach Tübingen zurück und eröffnet seine Anwaltskanzlei, befasst sich daneben aber intensiv mit der Auswertung seiner Forschungsergebnisse aus Frankreich. Aus dieser Zeit stammt auch Uhlands wohl bekanntestes Gedicht Frühlingsglaube. Obwohl das Gedicht vom Charakter wie auch von der Wahl des Themas sehr romantisch anmutet, zeigt sich Uhlands wortkarge und nüchterne Natur deutlich, so dass seine Lyrik nicht überladen mit Schwärmerei, Gefühl und blumigen Ausschmückungen punktet, sondern auf prägnanten, anschaulichen Darstellungen des Beschriebenen beruht.

1812 schliesst Uhland seine Kanzlei und zieht nach Stuttgart, wo er eine unbezahlte Stelle als zweiter Sekretär des württembergischen Justizministers erhält, die er 1814 verlässt. In diesem Jahr findet sich auch die erste Erwähnung von Emilie Vischer aus Calw, die er später heiratet. In eben diesem Jahr entsteht auch eine von Uhlands bekanntesten Balladen Schwäbische Kunde.

Uhland begibt sich1815  in die Politik, setzt sich als führender Sprecher der Landstände für das alte Recht ein, das von Friedrich I. durch eine neue Verfassung in Gefahr ist. In dieser Zeit entsteht eine Reihe von Gedichten, die sich mit den Grundsätzen der Verfassung auseinandersetzen und die bei Versammlungen vorgetragen werden. 1819 wird mit der Verkündung des neuen Grundgesetzes Uhlands Drama Ernst Herzog von Schwaben in Stuttgart aufgeführt. Wegen mangelnder Bezahlung quittiert Uhland schon 1817 seine Stellung in Stuttgart und arbeitet wieder als freier Anwalt – allerdings auch nicht finanziell erfolgreich. Geldnot ist sein ständiger Begleiter. Dass er ohne eigenes Zutun 1819 in den Landtag gewählt wird, erscheint als Rettung.

1820 heiratet Uhland Emilie Auguste Vischer, die Hochzeitsreise führt in die Schweiz, wo er sich mit mittelalterlichen Handschriften beschäftigt. 1826 zieht er sich aus der Politik zurück und wendet sich ganz seinen wissenschaftlichen Studien zu. 1829 wird dieser Einsatz mit Erfolg gekrönt, er wird Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität in Tübingen, so dass das Paar 1830 in Uhlands Geburtsstadt zieht. Uhland vermag die Studenten mit seiner Begeisterung für die vorgetragenen Inhalte zu fesseln.

Trotz allem lässt sich Uhland 1832 dazu überreden, nochmals für den Landtag zu kandidieren, was ihn bald vor die Entscheidung Professur oder Politik führt. Er entscheidet sich für die Politik, was den Verlust seiner Professur zur Folge hat. 1838 scheidet er wieder aus der Politik aus und arbeitet danach als Privatlehrer. 1848 erfolgt ein neuer Versuch in der Politik, welcher 1849 endet und Uhland wieder zum Privatgelehrten werden lässt. Er reist in dieser Zeit viel und betreibt Sagenkunde.

Als Uhland am 26. April 1862 seinen 75. Geburtstag feiert, feiert das deutsche Volk mit ihm. Er hat es in diesem Land zu Bekanntheit gebracht, er wird als Ideal nationaler Einheit und Freiheit verehrt. Allerdings ist Uhland schon da geschwächt von einer Erkältung, die er seit dem Februar desselben Jahres mitträgt. Am 13. November 1862 stirbt Ludwig Uhland. Er ist auf dem Tübinger Stadtfriedhof beigesetzt.

 

Werk und Wirkung

Ins Jahr 1806 fallen die ersten Veröffentlichungen seiner Gedichte in verschiedenen Medien.  1809 verlegt Uhland sein Schaffen mehrheitlich auf Balladen. Sein Themenschwerpunkt liegt dabei auf der Natur- und Liebeslyrik, immer fällt aber Uhlands kurzer und knapper Stil auf, welcher ihn von den sonst oft schwülstigen Gedichten anderer Autoren unterscheidet. Uhland zeichnet eine weitgehend domestizierte Natur, die sich dem gutgesinnten Menschen gütlich zeigt. Es herrscht ein heiterer Unterton, religiöse Grundsymbolik  und der Verweis auf den Tod, welcher nicht als drohender Dämon, sondern als natürlicher Lauf des Lebens auftritt, sind weitere Merkmale der Uhlandschen Lyrik.

 

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
Schauerlich der Leichenchor,
Stiller sind die frohen Lieder,
Und der Knabe lauscht empor.
Droben bringt man sie zu Grabe,
Die sich freuten in dem Tal,
Hirtenknabe, Hirtenknabe,

Dir auch singt man dort einmal.

Uhland versteht es, die vorherrschenden gesellschaftlichen Themen in eine Naturmetaphorik zu übertragen und durch diese darzustellen.  So deutet er zum Beispiel schon in seinem frühen Gedicht Naturfreiheit seine Ideale von Freiheit und bürgerlicher Gleichheit an:

Mit den Lüften will ich streiten,
Rauschend durch den grünen Hain;
Mit den Strömen will ich schweifen,
Schwimmend in des Himmels Schein;
In der Vögel Morgenlieder
Stimm ich frei und freudig ein
Alle Wesen sollen Brüder,
Du, Natur, uns Mutter sein.

Durch die politischen Zustände 1809 inspiriert entsteht Uhlands Gedicht Der gute Kamerad, welches mit einer Melodie von Friedrich Silcher vertont in späteren Jahren oft umgedeutet und im Sinne patriotischen Aufbruchs und Kriegsverherrlichung verwendet wird – was nicht im Sinne des Dichters ist, dem es ausschliesslich um eine Darstellung von Freundschaft in Zeiten des Krieges geht.

Uhlands 1815 erstmals erschienene Sammlung seiner Gedichte wurde in diverse Sprachen übersetzt und trägt massgeblich zu seinem Rang als Dichter bei. Er inspirierte mit seinem Schaffen Dichter wie Grillparter oder Hebbel, die ihn hoch lobten:

Der letzte deutsche Dichter. (Grillparzer)

Der einzige Dichter, von dem ich ganz gewiss weiss, dass er auf die Nachwelt kommt. (Hebbel)

Vor allem nach 1830 war Uhland mit seinem spätromantisch-biedermeierlichen Werk ein Autor, der über die deutschen Grenzen hinaus bekannt war. Heute gehört er zu den vergessenen Lyrikern des 19. Jahrhunderts, es gibt nur wenige Ausnahmen, welche im Bildungskanon deutscher Schulen noch bekannt sind, so zum Beispiel das Gedicht Der gute Kamerad oder die Ballade Des Sängers Fluch.

 Uhlands lyrische Schaffenszeit umfasst die Zeit zwischen 1805 und 1816, danach verstummte er bis 1829 ziemlich. Erst 1829 hört man wieder von ihm, jetzt setzt auch der eigentliche Erfolg ein, seine Gedichtesammlung aus dem Jahr 1815 erreicht bis 1862 43 Auflagen. Heinrich Heine schreibt im Jahrbuch für Literatur 1839 über diesen Sammelband:

Uhlands Gedichtesammlung ist als das einzige überlebende lyrische Denkmal jender Töne der romantischen Schule zu betrachten.

 

Werke Uhlands

Gedichte
Die Kapelle
Der Wirtin Töchterlein
Frühlingsglaube
Der gute Kamerad (heute noch fester Bestandteil militärischer Beisetzungen)
Einkehr
Freie Kunst
Schäfers Sonntagslied
Ulmenbaum (1829)

Balladen:
Des Sängers Fluch (vertont von Robert Schumann)
Der Schenk von Limpurg
Schwäbische Kunde
Das Schloß am Meere
Das Glück von Edenhall

Dramen:
Ernst, Herzog von Schwaben (Trauerspiel in fünf Aufzügen; 1817)
Ludwig der Baier (Schauspiel in 5 Aufzügen; 1819)

Wissenschaftliche Arbeiten:
Walther von der Vogelweide, ein altdeutscher Dichter (Monografie, 1822)
Der Mythos von Thôr nach nordischen Quellen (Studien zur nordischen Mythologie, 1836)
Sagenforschungen (1836)

 

Ernst Jandl wird am 1. August 1925 in Wien geboren. Das künstlerische Interesse seiner Eltern, eines wenig ambitionierten Bankangestellten und einer ausgebildeten Lehrerin, färbt früh auf Ernst ab und so entdeckt er schon mit neun Jahren die Schriftstellerei. Mit 12 Jahren veröffentlicht er sein erstes Gedicht mit dem Titel Hochwasser. Jandl besucht das Gymnasium in Wien und wird nach der Matur ins Militär einberufen, wo er als Dolmetscher arbeitet und durch seine Englischkenntnisse in Kontakt mit englischsprachigen Autoren kommt, welche sein Leben stark beeinflussen sollen: Ernest Hemmingway und Gertrude Stein.

1946 beginnt Ernst Jandl in Wien das Studium der Germanistik und Anglistik, verlobt sich ebenda mit einer Mitstudentin, Roswitha Birthi, welche er nach kurzem Verlobungsunterbruch auch heiratet. Er verfasst neben einem Probejahr am Gymnasium seine Dissertation zum Thema Die Novellen Arthur Schnitzlers und tritt 1950 seine erste Gymnasiallehrerstelle an. Das Schreiben nimmt einen immer grösseren Platz in seinem Leben ein und Jandl veröffentlicht Gedichte in verschiedenen Organen.

1953 führt der Weg der Jandls nach England, wo er und seine Frau beide als Lehrer arbeiten. In dieser Zeit lernt Ernst Jandl Erich Fried kennen und beschliesst unter dessen Einfluss, der Literatur noch mehr Gewicht zu geben und des Weiteren einen anderen Umgang mit der Sprache zu versuchen, indem diese nicht mehr bloss Ausdrucksmittel, sondern Arbeitsmaterial wird. 1954 erfolgt die Rückkehr nach Wien und Jandl übernimmt eine neue Gymnasiallehrerstelle ebenda. In dieser Zeit lernt er Friederike Mayröcker kennen, die junge Autorin arbeitet ebenfalls als Lehrerin. Die gemeinsamen literarischen Bestrebungen führen die beiden zusammen, sie lassen sich von ihren Ehepartnern scheiden und leben ihre geistige und gleichgesinnte Beziehung, zuerst in einer Wohnung, dann in getrennten Revieren, die ihren unterschiedlichen Arbeitsrhythmen besser Rechnung tragen.

Im Jahr 1956 findet Jandl eine neue Schreibmethode, welche er in prosa aus der flüstergalerie präsentiert und die nach eigenen Worten die „erste mir gelungen erscheinende Assimilation von Techniken des Jahrhundertgenies Gertrude Stein“ darstellt. Es folgen produktive Jahre, Jandl tobt sich exzessiv im Bereich der experimentellen Lyrik aus, Sprechgedichte wie schtzngrmm erscheinen. Jandls Spiel mit der Sprache ist dabei nie Selbstzweck, er bezieht die Sprachwahl immer auf das darzustellende Moment seiner Gedichte.

wien : heldenplatz[1]
der glanze heldenplatz zirka
versaggerte in maschenhaftem männchenmeere
drunter auch frauen die ans maskelknie
zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick
und brüllzten wesentlich.

verwogener stirnscheitelunterschwang
nach nöten nördlich, kechelte
mit zu-nummernder aufs bluten feilzer stimme
hinsensend sämmertliche eigenwäscher.

pirsch!
döppelte der gottelbock von Sa-Atz zu Sa-Atz
mit hünig sprenkem stimmstummel.
balzerig würmelte es im männechensee
und den weibern ward so pfingstig ums heil
zumahn: wenn ein knie-ender sie hirschelte.

Mit seiner unkonventionellen Art stösst Jandl nicht nur auf Begeisterung beim Publikum. Es wird ihm „kulturelle Provokation“ vorgeworfen und geunkt, ob er als Lehrer nicht die Jugend verderbe. Er wird zur Persona non grata in Österreich, an weitere Veröffentlichungen ist nicht zu denken.

kennen du ernsten jandeln?
ihn du kennen nicht dürfen
du sein guten jungen!
(an einen grenzen)

Die Aufregung legt sich nach einigen Jahren und es folgen in den 60er Jahren wieder erste kleine Publikationen in Zeitschriften, Lesungen führen ihn zu einer allmählich wachsenden Anerkennung.

1970 erreicht Jandl mit seinem Gedichtband Der künstliche Baum den grössten Verkaufserfolg. Das Buch vereint Sprechgedichte und visuelle Gedichte.

ottos mops
ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso
otto holt koks
otto holt obst
otto horcht

otto: mops mops
otto hofft
ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott

Jandl sieht sich immer mehr im Zwiespalt zwischen Schreiben und Lehrersein, da ihn sein Brotberuf zu sehr am schreiben hindert, er ihn aber für das finanzielle Überleben braucht. Er nimmt mehrfach unbezahlten Urlaub, erkrankt zwischenzeitlich, was zu noch mehr Absenzen vom Schulunterricht führt. Verschiedene Stipendien helfen zu überleben. Als er schliesslich in den Schuldienst zurück will, gelingt das nicht und er lässt sich aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig pensionieren.

Ernst Jandl widmet sich nun voll und ganz der Kunst, nimmt immer mehr Einfluss auf den Kulturbetrieb Österreichs. Verschiedene Gedichte Jandls werden mit Jazzmusik untermalt, er beschreitet mit der Kombination Musik und Lyrik neue Wege. Ernst Jandl stirbt am 9. Juni 2000 an Herzversagen in Wien. Er liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 29).

ich werde dir erscheinen

wie stets ich erschienen dir bin
und du wirst weinen
denn ich bin dahin[2]

Sein Werk

Ernst Jandl hat neben Hörspielen, Theaterstücken, Übersetzungen, Rezensionen und Vorträgen mehr als zwanzig Gedichtbände veröffentlicht. In seinem Werk vereint er experimentelle und konventionelle Texte in englischer und deutscher Sprache. Jandls Werk besticht durch eine grosse Vielfalt an Formen und Themen. Er behandelt Alltagserfahrungen, Familiensituationen, Liebe, Tier- und Dingbeschreibungen, lässt sich über den Krieg und die gesellschaftlichen Konventionen aus und thematisiert immer wieder auch das schreibende Ich selbstreflexiv.

er habe immer etws zu sagen gehabt und er habe immer gewusst, dass man es so und so und so sagen könne; und so habe er sich nie darum mühen müssen, etwas zu sagen, wohl aber um die art und weise dieses sagens. denn in dem, was man zu sagen hat, gibt es keine alternative.; aber für die art und weise, es zu sagen, gibt es eine unbestimmte zahl von möglichkeiten. es gibt dichter, die alles mögliche sagen, und dies immer auf die gleiche art und weise. solches zu tun habe ihn nie gereizt; denn zu sagen gebe es schliesslich nur eines; dieses aber immer wieder, und auf immer neue weise.


[1] Das Gedicht bezieht sich auf eine persönliche Erfahrung Jandls als Vierzehnjähriger bei einer Kundgebung zu Ehren Hitlers.

[2] zwei erscheinungen (aus dem Gedichtband idyllen), abgedruckt in der Todesanzeige Ernst Jandls.

Ein Mann liebt eine verheiratete Frau. Mit ihr könnte er sich alles vorstellen, was er sich sonst im Leben nicht vorstellen kann. Sie ist die richtige Frau für ihn, nur: Sie ist nicht frei. Eine Frau liebt diesen Mann, sie könnte sich mit ihm alles vorstellen, weil er für sie der Mann überhaupt ist. Allein: Er ist nicht frei. Der Mann wartet, weil er ein Mann ist, der warten kann, die Frau wartet, weil sie eine Frau ist, die warten kann. Das Ganze unter Plastikpalmen mit verschiedenen Farben, je nach Situation und Stimmung.

Am nächsten Tag stehen wir unter einer schwarzen Plastikpalme, sie trägt ihr Herz links, wo es hingehört, und ich spinne meines in Trauerflor, trage schwer daran, dass sie eine vollkommene Frau ist und ich nur ein passabler Mann.

Michael Stavarič erzählt die komplizierte Geschichte von menschlichen Beziehungen. Gefühle, die hochschlagen und tief fallen, Menschen mit Träumen, Hoffnungen, Phantasien und Zwängen. Liebe, die gelebt werden will und scheitert, Betrug, der schön geredet wird, schmerzt und doch bittersüss ist. Es ist eine Geschichte direkt aus dem Leben, erzählt, wie sie passiert, mit allen Wirrnissen, Hindernissen, Verstrickungen und Verzweiflung, die doch voller Hoffnung steckt. Eine Geschichte, in der alle dasselbe wollen, sich allerdings in ihrem Wollen nicht finden, weil immer etwas im Weg steht.

Dass sie die Vollkommenheit liebe und ich meine Freiheit, dass ich aufhören müsse zu glauben, ich könne noch etwas zum Besseren wenden.

In einer teilweise lyrisch anmutenden Sprache beleuchtet Michael Stavarič die menschlichen Abgründe, die Lebenslügen und Spiele mit Gefühlen. Leitmotive führen durch den Roman, verleihen ihm eine innere Kohärenz, die auf allen anderen Ebenen zu fehlen scheint. Erzählerperspektive, Realitätsebene, Zeitstruktur – alles ändert, sprungartig, augenblicklich. Der Leser pendelt zwischen Innensichten und Dialogen, zwischen Erzählung und Wünschen hin und her und sieht sich immer wieder denselben Motiven ausgesetzt.

Böse Spiele besticht durch eine plastische Sprache, durch eine Lebendigkeit in Form und Stil. Bildhaftigkeit ersetzt blosse Beschreibung, Farben drücken Stimmungen aus, wiederkehrende Refrains erzeugen eine Melodie. Literatur erscheint hier als Komposition aus Tönen, Bildern und Stimmungen.

Fazit:
Lyrische Prosa voller Brüche und Widersprüche, verwirrend und doch lebensnah. Eine lohnende Herausforderung.

Zum Autor
Michael Stavarič
Michael Stavarič wurde am 7. Januar 1972 in Brünn geboren und kam mit 7 Jahren aus der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich. Er studierte an der Universität Wien Bohemistik und Publizistik. Neben vielfältigen anderen Anstellungen arbeitete er auch als Rezensent für Die Presse sowie das Wiener Stadtmagazin Falter sowie als Gutachter für tschechische Literatur bei verschiedenen Verlagen. Michael Stavarič lebt heute als freier Schriftsteller in Wien. Er schreibt neben Romanen auch Gedichte, Essays und Kinderbücher, besticht dabei immer durch eine sehr kreative Sprache. Von ihm erschienen sind u. a.  Flüggellos (Gedichte, 2000), Böse Spiele (Roman, 2009), Brenntage (Roman, 2011), Gloria nach Adam Riese (Kinderbuch, 2012).

StavaricSpieleAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 155 Seiten
Verlag: C.H.Beck (21. Januar 2009)
Preis: EUR  16.90 / CHF 25.10

 

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Heute vor 229 Jahren, am 10. März 1788 kam Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff als zweiter Sohn eines preussischen Offiziers, Adolf Theodor Rudolf von Eichendorff, und dessen Frau Karoline auf Schloss Lubowitz in Oberschlesien zur Welt. Er liebte Abenteuer- und Ritterromane sowie antike Sagen und versuchte sich schon als Kind selber im Schreiben. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Breslau studierte Eichendorff in Halle Jura und Geisteswissenschaften. Er reiste viel, liebte das Theater und war überhaupt Kunst und Kultur sehr angetan.

Nach Abschluss seines Jura-Studiums 1812 nahm Eichendorff von 1813 bis 1815 an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Kurz nach seiner Rückkehr nach Breslau heiratete er, es folgten 4 Kinder, von denen das letzte kurz nach der Geburt starb. 1818 starb auch Eichendorffs Vater, nach dessen Tod viele der hoch verschuldeten Ländereien und Güter verkauft wurden. Ein Verlust, der an Joseph von Eichendorff zehrte, von dem er sich kaum mehr erholte.

Ab 1816 arbeitete Eichendorff im Staatsdienst und arbeitete sich zum Geheimen Regierungsrat hoch. Nach einer schweren Lungenentzündung 1943 quittierte er seinen Dienst 1944 und trat frühzeitig in Ruhestand. Er schrieb hauptsächlich Romane und Erzählungen, in welche er den grossen Teil seines lyrischen Werkes einbaute. 1857 auf, selber zu schreiben, um publizistisch zu betätigen. Er starb im selben Jahr am 26. November in Neisse.

Zum literarischen Schaffen:
Zahlreiche Gedichte Eichendorffs wurden vertont, allen gemein ist die idyllische Darstellung der Natur, die bildliche Sprache:

Mondnacht

Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Entstanden  um 1835, das erste Mal veröffentlicht 1837 zählt das Gedicht zur Spätromantik und gehört in die Gattung der Naturlyrik. Es wurde 1840 von Robert Schumann vertont und zum Mittelpunkt seines Liederkreises gewählt.

Wenn der Himmel die Erde küsst, kann das als Segnung Gottes verstanden werden. Diese träumt von der Erhebung hin zu ihm. Es breitet sich eine Idylle auf der Erde auf, die sich in wogenden Ähren und rauschenden Wäldern ausdrückt. In der sternenklaren Nacht kann sich die Seele des Menschen erheben, durchs stille Land gleiten, in Frieden,  und frei aller Sorgen. Es ist ein Gefühl von Heimkommen in die Geborgenheit.

Heimweh, Erinnerung und Sehnsucht sind zentrale Elemente i Eichendorffs Lyrik. Sicherlich drückt da der nachwirkende Verlust der elterlichen Güter durch.

Eichendorffs bekanntestes Werk war sicher Aus dem Leben eines Taugenichts. Die 1826 erschienene Novelle wiederspiegelt ganz deutlich das Lebensgefühl der Spätromantik. Es handelt von jungen Sohn eines Müllers, welcher (nicht ganz freiwillig, sagt doch der Vater:

Du Taugenichts! Da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich nicht länger füttern.)

in die weite Welt hinaus geht, um sein Glück zu finden. Zufälle und Abenteuer säumen seinen Weg, er wird Gärtner auf einem Schloss, verliebt sich in Aurelie, welche unerreichbar scheint, und wandert weiter. In Italien sieht er sich inmitten farbenprächtigen Lebens und einiger Liebschaften, bis ihn die Sehnsucht nach der Heimat und nach Aurelia die Zelte abbrechen lässt und er zum Schloss zurückfährt. Es folgt die Aufklärung eines Missverständnisses, Heirat und das märchenhafte Happy End. Die Novelle gleicht einem naiven Märchen, in eben dem Ton ist sie auch geschrieben.

Werke

  • Ahnung und Gegenwart, Roman (1810-12 geschrieben, erschienen 1815)
  • Das Marmorbild,  Novelle (1818)
  • Die Freier, Lustspiel in drei Aufzügen (Vorstufen entstanden 1816-1820, fertiggestellt und erschienen 1833)
  • Krieg den Philistern, dramatisches Märchen in fünf Abenteuern (1824)
  • Aus dem Leben eines Taugenichts, Erzählung (1817 begonnen, abgeschlossen 1822/23, erschienen 1826)
  • Auch ich war in Arkadien, Politische Satire in Form eines Reiseberichts (1832 entstanden, 1866 posthum erschienen)
  • Dichter und ihre Gesellen, Novelle (erschienen 1834)
  • Das Schloss Dürande, Novelle (1837)
  • Die Glücksritter, Novelle (1841)
  • u.a.

 

Goethe: Zum neuen Jahr
Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüsst,
Doch vor allen Dingen,
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Als Geschenk und noch als gelungenes dazu darf man das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr“ des DioBildgenes Verlag sehen. Quer durch die mit wenigen Ausnahmen deutsche Poesie führt uns dieser literarische Kalender, hält für jeden Tag des Jahres ein Gedicht bereit. Manche Gedichte beziehen sich explizit auf die Zeit, in der sie im Kalender stehen, andere fügen sich belebend in die Reihe ein, entführen den Leser für kurz in eine andere Welt.

Das Buch bietet sich an, sich ein tägliches Ritual zu schaffen, eine kleine poetische Oase im Alltag einzurichten. Ob man mit dem Gedicht in den Tag starten will oder ihn damit beenden, jeder Tag ist ein guter Tag für ein Gedicht.

Rilke: Guter Tag
Guter Tag. Da prüft man noch:: was bringt er?
Und wie langsam liest man seine Schrift.
Rascher, reiner, kühner, unbedingter:
Oh wie uns die Freude übertrifft.

Mein Sohn und ich hatten schon einmal die Tradition, mit Gedichten beim Frühstück in den Tag zu starten. Leider schlief sie ein, wurde aber mit diesem Gedichtband wieder ins Leben gerufen. Wir lesen das Gedicht, überlegen, was es uns sagen will und nehmen diese Gedanken mit in den Tag. Manche Gedichte gehen tiefer, manche sind leicht, einige sind bekannt, andere persönliche Neuentdeckungen. Eine schöne Idee für Menschen, die Lyrik lieben und solche, die gerne mehr davon kennen lernen wollen und nicht wissen, wo suchen, womit anfangen.

Fazit:
Ein wunderbares Geschenk für jeden Tag. Zwar sind die meisten Gedichte der Deutschen Literatur entnommen, nur wenige stammen von ausserhalb des deutschsprachigen Raumes, doch tut dies dem Wert des Buches keinen Abbruch. Absolut empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 507 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (Dezember 2012)
Sprache: Deutsch
Preis: EUR: 11.90 ; 18.90 CHF
Zu kaufen u.a. bei: AMAZON.DE und BOOKS.CH

Ein Schriftsteller könne nicht aus einem Entschluss heraus oder auf Zuruf produktiv werden. Er werde vielmehr von seinen Projekten befallen, und zwar mit Vorliebe zum unpassendsten Zeitpunkt, schreibt der Schriftsteller Matthias Politycki in seinem Aufsatz.*

Ein spannender Einblick ins Leben als Schriftsteller von  Matthias Politycki. Was bewegt ihn zum Schreiben, wie kam er dazu, wieso blieb er dabei?

 

Artikel in der NZZ vom 15. Dezember 2012.

 

*Quelle: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur-und-kunst/der-autor-und-die-schraeglage-zur-welt-1.17891042