Das Leben und die Träume

Es war einmal ein Traum, der wollte gelebt werden. Das sei sein Recht, glaubte er, denn überall hörte und las er: „Lebe deine Träume!“ Genau das sollte auch mit ihm getan werden. Das Leben machte ihm einen Strich durch die Rechnung, es stellte ihm die Pflicht an die Seite, die gelebt werden müsse und sagte dem Traum: „Schau, wie du aus der Nummer rauskommst.“ Das Leben wollte sich aber nicht lumpen lassen und bot noch Herz und Verstand als Entscheidungshilfen. Wirklich einfacher wurde es mit den beiden Streithähnen nicht, denn was der eine wollte, fand das andere daneben, wonach sich das eine sehnte, fand der andere untragbar. Und so stritten sie bis in alle Nächte, Traum und Pflicht harrten der Entscheidungen, die da kommen mochten und hielten sich still. Das Leben ebenso.

Endlich kam Licht ins Dunkel, Herz und Verstand näherten sich an, empfanden die Pflicht zwar durchaus als wichtig und nicht zu vernachlässigen, den Traum aber als unbedingt lebenswert. Was wäre das Leben ohne Träume? Das Herz fand, es wäre fad, traurig, leer und trist, der Verstand musste ein wenig einlenken, immer mit dem doch stetig leiser werdenden Einwand: „Aber wenn jeder nur täte, wie er wollte, wo kämen wir da hin?“, den er schlussendlich runterschluckte und nur noch dachte, dass man vielleicht in ein zufriedeneres Leben steuern würde. Das konnte er aber natürlich nicht laut zugeben.

Und wie es im Märchen so ist, käme nun der Abspann: „Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute glücklich. Der Traum ist gelebt, die Pflicht nicht ganz vernachlässigt, Herz und Verstand schauen eng umarmt zu, nicken sich freudig an und lächeln.“ Das Leben macht es den Vieren aber nicht so einfach, es holt einen neuen Traum aufs Tapet. Und vielleicht noch einen. Und auch diese Träume wollen alle gelebt werden, kommen sich aber in die Quere. Wenn der eine gelebt wird, muss der andere weichen und untergehen. Wenn der dritte zum Zuge kommen will, müssen erst zwei aus dem Leben aussteigen.

Herz und Verstand schauen sich an und verstehen das Leben nicht mehr. Sie suchen nach Worten und finden sie nicht. Sie schauen die Träume an und finden sie alle dem ersten nicht minderwertig. Sie schimpfen mit dem Leben und finden es ungerecht. Sie fragen, was sie denn tun sollen und wissen schon, dass sie keine Antwort kriegen. Das macht sie noch wütender. Das Leben selber rollt die Augen gegen den Himmel und findet, sie sollen sich alle nicht so haben. So sei es nun mal.

Richard Ford: Der Sportreporter

Des Lebens Fluss

Mein Leben ist in diesen zwölf Jahren keineswegs übel gewesen, und das ist es auch heute noch nicht. Es ist in fast jeder Beziehung phantastisch gewesen. Und obwohl mir mit zunehmendem Alter immer mehr Dinge Angst machen, und obwohl mir immer klarer wird, dass einem üble Dinge passieren können und auch tatsächlich passieren, gibt es sehr wenig, was mich wirklich beunruhigt oder nachts nicht schlafen lässt. Ich glaube immer noch an die Liebe und Leidenschaft. Und ich würde nicht viel oder gar nichts ändern. Vielleicht würde ich mich nicht mehr scheiden lassen. Und mein Sohn, Ralph Bascombe, würde nicht sterben.

Frank Bascombe lebt im New Jersey der 80er Jahre, ist Mitte 30, geschieden, Sportreporter. Er lebt ein eigentlich einfaches Leben, reist durchs Land, um Interviews mit Sportlern zu machen. Ab und an trifft er sich mit seiner Exfrau, die er X nennt – vermutlich weil ihm der richtige Name zu nahe ginge und er nichts wirklich an sich heran lässt.

Während Frank sein beschauliches Leben lebt, verliert er sich immer wieder in Gedanken und Erinnerungen. Er denkt über seine Kindheit nach, über seine Beziehungen, einzelne Erlebnisse, die ihn in der Vergangenheit prägten, über die Brüche in seinem Leben. Diese Brüche  scheinen die Konstante in Franks Leben zu sein: der Verlust des Sohnes, der Ehefrau, der literarischen Ambitionen. Frank ist Mitglied im Club der geschiedenen Männer, obwohl er von sich behauptet, über seine Scheidung hinweg zu sein. Dieser eher oberflächliche Club besticht durch zwei Dinge: Seine Mitglieder haben alle Brüche im Leben erlebt, wie Frank selber und es sind die einzigen Menschen, zu denen er eine irgendwie geartete Beziehung hat, so oberflächlich sie auch sein mag.

Frank möchte ein neues Leben aufbauen, allerdings vermeidet er alles, was ihn wirklich aus der Vergangenheit lösen und in die Gegenwart eintauchen liesse. Und so zerbrechen auch seine Neuanfänge und er sucht weiter. Und glaubt weiter, dass er finden wird, was er sucht.

Möglichkeiten brauchen wir alle. Und wenn ich in die gemauerte Welt dieser amerikanischen Städte hinausgehe, empfinde ich genau das. Jede Menge Möglichkeiten. Dinge, von denen ich keine Ahnung habe, die mir aber möglicherweise gefallen, sind hier und warten vielleicht auf mich. Selbst wenn sie’s nicht tun. Die Heiterkeit eines Neuankömmlings.

Der Sportreporter ist der erste Teil einer Trilogie (Teil zwei und drei sind Unabhängigkeitstag und Die Lage des Landes) um Frank Bascombe, einen durchschnittlichen Menschen, der sich selber zu erfinden versucht, sich dabei immer wieder auf starke Frauen stützt, die nie bleiben, der sein eigenes und das Scheitern Amerikas über Seiten hinweg reflektiert und den Leser auf diese Weise eintauchen lässt in seine Gedanken, seine Irrläufe, sein Leben.

 

Fazit:
Ein ruhiges Buch, ein Buch voller Erzählungen und mit wenig Erlebtem. Das Buch lässt einem Frank Bascombe ans Herz wachsen, indem es einen mit in die Tiefen seiner Gedanken mitnimmt. Empfehlenswert.

 

Zum Autor
Richard Ford
Richard Fordwurde 1944 in Jackson, Mississippi, geboren und lebt heute in Maine. Er studierte zunächst Hotelmanagement, dann Englische Literatur und schließlich creative writing bei E.L Doctorow. Er hat sechs Romane sowie Novellen, Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. 1996 erhielt er für Unabhängigkeitstag den Pulitzer Prize und den Pen/Faulkner Award. Er zählt mit Raymond Carver und Tobias Wolf zu den Begründern des dirty realism. Von ihm erschienen sind unter anderem Unabhängigkeitstag, Die Lage des Landes, Kanada, Der Sportreporter.

 

FordSportreporterAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2013)
Übersetzung: Hans Hermann
ISBN-Nr.: 978-3423142717
Preis: EUR  12.90 / CHF 21.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter andrem bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

 

 

 

Yoko Ogawa: Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Die Ordnung der Zahlen, wenn alles sonst unordentlich wird

Bei einem Autounfall zieht sich ein Mathematikprofessor Verletzungen des Hirns zu, die sein Gedächtnis auf 80 Minuten schrumpfen lassen. Alle 80 Minuten vergisst er fortan, was war und seine Welt beginnt von vorne. Er flüchtet sich in die Welt der Zahlen, da diese der einzige Halt sind, den er noch hat im Leben.  Mit Hingabe löst er mathematische Rätsel in mathematischen Zeitschriften und holt so einen Preis nach dem anderen ab.

Er war erfüllt von der geleisteten Arbeit, aber das, was er bei der gelösten Aufgabe empfand, war nicht so sehr Freude oder Erleichterung, sondern vor allem ein Gefühl von tiefem Frieden. Es war ein Zustand der Gewissheit, dass sich alles dort befand, wo es hingehörte. […] Diesen Zustand liebte der Professor. Friedliche Ruhe war für ihn das höchste Glück.

Dadurch, dass er alles um sich ständig vergisst, fällt es ihm auch schwer, Beziehungen zu Menschen aufzubauen. Erst als eine neue Haushälterin in sein Leben kommt, die noch dazu ihren Sohn zur Arbeit mitbringt, ändert sich dies. Langsam zieht Leben ins Haus des Professors ein, der kleine Junge, den der Professor aufgrund seiner Kopfform Root nennt, was auf das mathematische Wurzelzeichen verweist, bildet dabei den Mittelpunkt. Zwischen den dreien entwickelt sich eine zarte Freundschaft.

 

Das Geheimnis der Eulerschen Formel ist ein stilles, sensibles, tiefgründiges Buch. Yoko Ogawa gelingt es, die Gefühle zwischen Menschen einzufangen, ihre Leben offenzulegen, ohne die Dinge selber in Worte zu fassen. Vielmehr malt sie ein Bild, in das man eintaucht und alles intuitiv selber aufsaugt. Man lebt mit und möchte nie mehr aus diesem Haus austreten, schliesst die Personen, deren Namen man nicht kennt, ins Herz und fühlt sich ihnen nah. Und immer wieder ertappt man sich dabei, nachzurechnen, ob die Zahlenreihen auch stimmen. Dadurch wird man noch mehr Teil des Buches.

Es gilt, Lehrsätze zu Tage zu fördern, die schon seit ewigen Zeiten existieren, ohne bisher von jemandem beachtet worden zu sein. So als würde man Zeile für Zeile die Wahrheit entziffern, die in Gottes Notizbuch steht. Aber niemand vermag zu sagen, wo dieses Notizbuch liegt und wann es aufgeschlagen wird.

Das Geheimnis der Eulerschen Formel vereint alles, was grosse Literatur ausmacht. Es ist ein Buch über die Liebe, das Vergessen, Ordnung und Unordnung, ein Buch über das Leben.

Fazit:
Ein stilles, tiefes, malerisches, wundervolles Buch, das einen in eine Welt mitnimmt, aus der man nie mehr auftauchen möchte. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Yoko Ogawa
YOKO OGAWA, geb. 1962, gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie mit zahlreichen namhaften Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in der Präfektur Hyogo. Von ihr erschienen sind unter anderem Das Museum der Stille, Schwimmen mit Elefanten, Das Ende des Bengalischen Tigers und Das Geheimnis der Eulerschen Formel.

 

OgawaGeheimnisAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 250 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag (20. Juni 2013)
Übersetzung: Sabine Mangold
ISBN-Nr.: 978-3746629445
Preis: EUR  8.99 / CHF 14.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

 

 

Lebe dein Leben

Jahre vergehen
wir waren mal nah,
verloren die Nähe,
verloren uns ganz,
Gedanken, sie kamen
und gingen dahin.
Die Trauer geschluckt,
den Alltag gelebt,
den Graben geschaufelt,
der Übergang fehlt.

Es plätschert der Fluss
und still liegt der See,
wir treiben dahin,
die Ruder im Schoss,
lassen geschehen,
dass Land ausser Sicht,
erzählen uns Gründe
und glauben uns nicht.

Der Tag, er wird kommen,
denn das tut er stets,
und er wird uns zeigen,
was wir überseh’n.
Wir werden erschüttert
und hören uns flehen,
zurück gibt es keines,
die Einsicht nur bleibt.
Drum lebe dein Leben
und lass dich nicht gehen,
sag was du fühlst,
bald ist es zu spät.

Das Leben geht weiter

Das Leben geht weiter

Ein Spruch, den man oft zu hören kriegt, wenn man mit dem Schicksal hadert, etwas passierte, das einen traurig macht, das einen verletzt, wo man vielleicht auch eigene Fehler sieht – oder sich denen anderer ausgesetzt. Das Leben geht weiter. Es will heissen, man solle abhaken, was war und vorwärts gehen. Man könne nicht ändern, was war, nur was ist und sein wird. Alles wahr.  Trotzdem war, was war und es wirkt nach. Es hinterlässt Gefühle und es lässt einen mit diesen Gefühlen kämpfen, sie hinterfragen, hinterfragen auch, was war und ob es hätte anders sein können.

Hätte ich mich anders verhalten müssen? Habe ich falsch entschieden? Habe ich etwas übersehen? Wo bog ich falsch ab auf meinem Weg? War ich zu leichtgläubig? Zu stur? Falschen Wünschen hinterher rennend?

Es stimmt, man kann die Vergangenheit nicht ändern. Was war, war, es wird nicht anders, nur weil ich es mir anders wünsche. Und doch lässt es ab und an nicht los. Die Gelassenheit, die man leben sollte, das nicht Anhaften, das Loslassen – alles gut und schön. Es gibt Zeiten, da kommt die Vergangenheit hoch und überrollt einen wie eine grosse Welle.  Man sieht sich konfrontiert mit eigenen Fehlern, mit eigenem (heute so gewertetem) Versagen, sieht Menschen, die man verlor, Beziehungen, die zerbrachen, Träume, die wie Seifenblasen platzten. Man hadert mit der eigenen Sturheit in vergangenen Situationen, mit verpassten Chancen, gelebter Feigheit und wünscht sich, man hätte damals gesehen, was man heute sieht. Nur war das damals nicht zu sehen.

Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden. (Sören Kierkegaard)

Damals hat man agiert, wie man damals musste und glaubte, es wäre richtig. Vielleicht sagte sogar eine leise Stimme in einem, dass es nicht richtig sei, aber man hatte nicht den Mut, ihr zu folgen. Sich heute dafür zu schelten, wäre schade und würde nichts bringen. Die Trauer zuzulassen über das, was vielleicht war oder nicht war, ist menschlich. Es darf auch Platz haben. Wichtig ist – so denke ich – dass man sich immer wieder vor Augen führte, dass damals alles anders war, damalige Entscheidungen auf anderen Voraussetzungen fussten. Hätte man damals gewusst, was man heute weiss, hätte das Leben eine andere Bahn genommen. Doch bei soviel Konjunktiv kommt das Leben nicht mehr mit, es findet im Indikativ statt. Zu jeder Zeit. In jedem Augenblick. Und so kann ich in jedem Moment nur das sehen, was gerade sichtbar ist, ich kann es bewerten mit dem Werkzeug, das ich im Moment selber habe und ich gehe dann den Weg, den mir all die Mittel, die ich verfügbar habe, weisen. Im Wissen, dass ich nie unfehlbar bin, im Vertrauen, dass alles einen Sinn hat,und in der Hoffnung, das alles kommt, wie es soll.

Rückschläge, Fehler, Leiden – alles gehört zum Leben. Was zählt ist, wie man damit umgeht, wie man danach weiter geht. Und so hadere auch ich ab und an mit Entscheidungen, hinterfrage sie, trauere und gehe weiter.

Wessen Leben lebe ich?

Was werden wohl die anderen denken?

Dieser Satz prägt so viele Leben, so viele Entscheide werden auf dieser Grundlage getroffen. Das eigene Glück, die eigenen Wünsche unterliegen oft dabei. Man vergisst sich förmlich im Streben danach, von den anderen geliebt zu werden. Was man zudem vergisst ist, dass die anderen immer noch ihr Leben haben, das sie leben. Sie werden das unsere nicht übernehmen, wenn wir es nach ihren Wünschen ausrichten. Zwar werden sie – wenn es gut kommt – kurz zustimmend nicken, doch ausbaden können wir das Ganze. Da sitzen wir dann und schauen buchstäblich in die Röhre, leben ein Leben, das den anderen zwar gefällt, uns aber nicht entspricht. Wozu? Das ist die Frage. Ob uns die anderen wirklich mehr lieben, wenn wir dies tun, bleibt zu bezweifeln.

Man denkt, sie müssten einen mehr lieben, weil man ja so sei, wie sie das von einem erwarten. Nur vergisst man dabei, dass jemand, der uns nur liebt, wenn wir genau so sind, wie er es möchte, es eigentlich gar nicht wert wäre, dass wir uns nach ihm richten. Wahre Liebe kann das nicht sein. Uns liebt er auch nicht, eher seine eigene Vorstellung davon, was richtig und was falsch ist. Uns danach zu richten hiesse, uns ihm zu unterwerfen. Wieso? Weil er mehr wert wäre als wir? Weil er besser wüsste als wir, was richtig und was falsch ist? Wohl nur, weil wir selber uns als nicht wertvoll genug erachten, nach unseren eigenen Vorstellungen glücklich zu werden.

Wir wachsen oft so auf, dass wir uns geliebt fühlen, wenn wir die nötigen Leistungen erbringen. Diese Haltung übernehmen wir ins Erwachsenenleben und folgen ihr unreflektiert. Das muss nicht so bleiben. Meist braucht es einen Weckruf, meist einen, der schmerzt. Spätestens dann werden wir einsehen, was wir uns selber antun mit dieser Haltung. Wir werfen unser Leben weg, um das anderer zu leben. Wir setzen unser Glück aufs Spiel, um Erwartungen anderer zu erfüllen. Wozu? Für die illusionäre Hoffnung, dafür geliebt zu werden. Was wäre, wenn man den Schmerz nicht erst erleben müsste, sondern gleich das Leben in die eigenen Hände nehmen könnte?

Albert: „Mir geht es gut, weil ich lebe“

Im Rahmen meiner Reihe Herausforderungen des Lebens hat sich Albert bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten. Ich freue mich sehr über dieses wunderbare Porträt.

Albert, ich danke dir für deine Bereitschaft, einen Einblick in dein Leben zu gewähren. Stell dich kurz vor: Wer bist du, wie würdest du dich und dein Leben beschreiben?

Ich heisse Albert, bin 21 Jahre alt, habe seit drei Jahren eine Freundin und leide seit sieben Jahren an Epilepsie. Wobei das Wort ,leiden‘ nicht auf mich zutrifft, denn es ist mir möglich, mein Leben so zu leben, wie ich es möchte. Ich hatte bisher ein sehr vielseitiges und selbstbestimmtes Leben und beginne gerade eine Ausbildung zum Dipl. Krankenpfleger.

Du hast Epilepsie. Kannst du mir kurz verständlich erklären, was ich mir unter Epilepsie vorstellen kann?

Epilepsie äussert sich bei jedem Menschen sehr unterschiedlich. Ich selbst hatte immer regelmässig, sprich mehrmals im Monat, leichte (selten auch stärkere) Krampfanfälle. Ab und zu passierte es auch, dass ich einen ganzen Tag in regelmässigen, manchmal auch relativ kurzen Abständen, Anfälle hatte.

Wie sieht ein Anfall aus? Das kann ein kurzes Augenzucken sein oder auch ein Krampfen des ganzen Körpers, verbunden mit Bewusstlosigkeit und anschliessender Verwirrung.

Wann erhieltst du die Diagnose Epilepsie? Gibt es eine Vorgeschichte?

Die Diagnose erhielt ich 2007. Nachdem mein Vater mich zweimal krampfend im Bett aufgefunden hatte, waren wir bei einer Neurologin, die schnell auf Epilepsie schloss.

Wie waren die ersten Tage nach dieser Diagnose? Was ging dir durch den Kopf?

Die Antwort ist vielleicht unspektakulär. Mir ging nicht viel durch den Kopf, ich hatte gelernt, immer optimistisch zu sein. Und aus dem „mir wird nie etwas passieren“ wurde ein „ok, mir wird trotzdem nichts passieren“. Man könnte meinen, ich hätte es wohl einfach verdrängt, aber dieses Gefühl habe ich nicht. Die Krankheit war ab diesem Zeitpunkt selbstverständlicher Bestandteil meines Lebens, und selbstverständlich war es auch, dass ich ihretwegen nichts an meinem Leben ändern würde.

Wie ging deine Familie mit der Diagnose und mit dir um?

Im ersten Moment war es für meine Familie sicher nicht einfach, aber sie stärkten mir wie gewohnt den Rücken. Obwohl ich schon das Gefühl hatte, dass es sie mehr beschäftigte, als sie es mir gegenüber zeigten.

Später war die übermässige Fürsorge meiner Familie und meiner Freunde oft ein Thema. Auch wenn es verständlich ist und ich eigentlich nur dankbar dafür sein kann.

Am Anfang ging es darum, dass ich am besten nicht ausgehen sollte, nicht trinken sollte, nicht rauchen sollte und am besten auch keinen Sport machen sollte.

Das sind Beispiele, ich trinke weder übermässig, noch treibe ich übermässig Sport.

Hat sich in deinem Leben etwas verändert seit der Diagnose?

Es hat sich nicht wirklich etwas verändert.

Heute haben alle in meinem Umfeld akzeptiert, dass ich mich nie aus Angst einsperren werde und vertrauen darauf, dass ich selbst am besten weiss, was gut für mich ist.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen plötzlich jemand hektisch an der Badezimmertür klopft und fragt, ob es mir gut geht, nur weil er ein Geräusch gehört hat.

Einmal stand meine Freundin mit meiner ganzen Familie vor meiner Wohnung und läutete mich aus dem Schlaf. Alle waren total besorgt und ausser sich, dabei hatte ich bloss verschlafen und der Handy-Akku war leer.

Aber wie gesagt, eigentlich bin ich dankbar für ihre Fürsorge.

Kennt dein ganzes Umfeld deine Krankheit? Wie offen gehst du damit um? Wie gingen deine damaligen Freunde damit um? Und heute? Hat die Epilepsie einen Einfluss auf Freundschaften?

Ich persönlich gehe sehr offen damit um und lasse mich von meiner Krankheit auch nicht unterkriegen. Auch Menschen, die ich neu kennenlerne, erzähle ich oft recht bald davon. Dies passiert meistens schnell, wenn Themen wie z.B. der Führerschein angesprochen werden.

Ich glaube, weil ich immer selbst sehr offen und nicht ängstlich damit umgegangen bin, war war es auch für meine Freunde kein grosses Drama. Auch heute ist dies nicht anders. Meine engsten Freunde kennen mich ziemlich gut und wissen, was zu tun ist, falls es zu einem Anfall kommen sollte. Nur bei meiner Ex-Freundin hatte ich das Gefühl, dass sie nicht 100% damit klar kam. Aber zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich nicht glaube, dass Epilepsie Einfluss auf meine Freundschaften hat.

Gibt es im Alltag Dinge, wo du Hilfe brauchst? Wenn ja, welche? Würdest du dir grundsätzlich mehr Hilfe oder sonst Unterstützung wünschen?

Nein, ich bin grundsätzlich nicht eingeschränkt. Wichtig ist nur, dass ich genug schlafe und nicht allzu viel Stress habe. Was die Unterstützung betrifft, bin ich definitiv zufrieden, denn meine Familie und meine Freundin sind absolut immer für mich da.

Gibt es Tage, an denen dir alles zu viel wird, du haderst mit deinem Schicksal, die Frage nach dem Warum vielleicht hochkommt?

Ich denke, diese Tage kennt jeder, da geht es nicht um krank oder gesund. Wichtig ist, dass die guten Tage überwiegen, und das ist bei mir definitiv der Fall.

Wenn du nicht krank geworden wärst, denkst du, du wärst am selben Punkt im Leben heute oder hättest du Dinge anders gemacht?

Ich hätte einen Führerschein, würde Motorrad fahren, hätte ein paar Stunden weniger im Bett verbracht. Aber sonst wäre nichts anders gekommen und ich bin stolz auf das Leben, das ich bisher geführt habe.

Gibt es etwas, das du als positiv erachtest an deiner Krankheit? War sie „für etwas gut“?

Als Entschuldigung, wenn ich nicht in die Schule wollte.

Ich habe gelernt, die Gesundheit und das Leben zu schätzen, und sie hat mich darin bestärkt, im Augenblick zu leben.

Was wünscht du dir von den Menschen da draussen? Von den einzelnen, von der Gesellschaft?

Es gibt viele, denen es mit der Epilepsie und anderen Krankheiten wesentlich schlechter geht als mir. Ich wünsche mir, dass sie von der Gesellschaft gestützt werden.

Es gibt schon einige Projekte, um kranke und behinderte Menschen in die Arbeitswelt zu integrieren oder mit ihnen den Sport zu machen, von dem sie träumen. Bitte mehr davon!

Ist man heute wirklich so aufgeklärt oder findest du, dass Krankheiten (und auch Behinderungen) noch immer Tabu sind, Menschen, die betroffen sind, ausgegrenzt sind?

Die Aufklärung ist schon ganz gut, es geht aber noch mehr. Schliesslich ist es verständlich, dass jemand, der zum ersten Mal mit so etwas konfrontiert ist, nicht weiss, was zu tun ist und sich deswegen vielleicht lieber fernhält von Menschen, die „anders“ sind. Gilt übrigens auch für den Umgang mit Ausländern und anderweitig benachteiligten Menschen.

Gibt es etwas, das du einem ebenfalls Betroffenen sagen möchtest?

Ich würde ihm/ihr sagen, dass man immer optimistisch bleiben sollte, denn die innere Einstellung ist ein sehr wichtiger Teil des Lebens.

Es gibt Epilepsie-Foren im Internet, in denen man verurteilt wird, wenn man normal lebt, denn wie kann man nur daran denken, irgendetwas zu tun, das vielleicht ein Risiko birgt. Diese Einstellung ist für mich unvorstellbar! Jeder sollte sich selbst am besten kennen und das geht nur, wenn man sich nicht in einen gepolsterten Raum sperrt, sondern rausgeht und vorsichtig immer wieder seine Grenzen testet. Dann weiss man zu jeder Zeit, was für einen gut ist und was nicht.

Habe ich noch etwas vergessen? Gibt es noch etwas, das dir auf der Seele brennt?

Die Krankheit ist ein Teil von mir. Natürlich, ich würde lügen, würde ich sagen, ich wäre nicht lieber gesund. Doch ich würde es vermissen, so zu sein, denn das bin eben ich. Ich –  mit allem, was dazu gehört. Ich bin jetzt erwachsen und aufgeklärt.

Als gesundes Kind dachte ich, mir geht es gut, weil ich gesund bin, heute denke ich, mir geht es gut, weil ich lebe.

Albert, ich möchte mich ganz herzlich für diese ausführlichen Antworten bedanken, die einen wunderbaren Einblick in deinen Alltag und deine Einstellung gewähren. Ich hoffe und wünsche mir, dass dieses Interview vielen Menschen Mut macht.

Lisa Moore: Und wieder Februar

Des Lebens Tiefen

Als Cal beim Untergang einer Bohrplattform ums Leben kommt, steht Helen mit ihren vier Kindern von einem Tag auf den anderen alleine da. Sie sieht sich vor der Situation, das Leben, das sie gemeinsam mit ihrer grossen Liebe meistern wollte, nun alleine bestreiten zu müssen.

Wegen der Kinder verspürte Helen grossen Druck, so zu tun, als gäbe es kein Ausserhalb. Oder wenn es doch eines gab, so zu tun, als sei sie ihm entkommen. Helen wollte, dass die Kinder glaubten, sie sei drinnen, bei ihnen. Das Ausserhalb war eine hässliche Wahrheit, die sie für sich zu behalten gedachte.

Während sie nach aussen die Starke Frau markiert, für ihre Kinder eine liebevolle Mutter ist, wird sie innerlich zerfressen von dem Verlust, der Trauer. Oft sind es nur ihre Kinder, die sie davor bewahren, ihrem Mann in die Wellen zu folgen. Die Kinder werden grösser, Helen wird sogar Grossmutter, das Familienleben ist bunt, nicht immer einfach. Das Leben geht beständig weiter und es hält auch für Helen noch viel bereit, für das sie sich langsam wieder öffnen kann.

Lisa Moore gelingt mit Und wieder Februar eine Familiengeschichte, die einen ganz und gar in den Bann zieht. Ihre eigenwillige Erzählform, bei welcher aktuelle Alltagserlebnisse mit Erinnerungen durchsetzt werden, fügt Teil für Teil ein ganzes Lebens-Puzzle zusammen. Langsam wird so die Vergangenheit in die Gegenwart eingewoben, nimmt die Geschichte von Helen Raum im Heute ein und zeigt, wie dieses Heute entstanden ist. Ohne Kitsch und Pathos versteht es Lisa Moore, eine Geschichte von Verlust, Trauer, Weiterleben, Liebe und Familie zu erzählen. Es ist die Geschichte einer Frau, die nach dem Verlust ihres Mannes die gemeinsamen Kinder grosszieht und für sie stark ist, trotz ihrer Trauer um den geliebten Mann, trotz des Verlustes und der fehlenden Unterstützung durch diesen.

Fazit
Ein Buch, das einen einnimmt und nicht mehr loslässt. Sehr empfehlenswert.

Zur Autorin
Lisa Moore
Lisa Moore, 1964 in St. John’s, Neufundland, geboren, studierte Kunst am Nova Scotia College of Art and Design. Sie gilt als eine der talentiertesten Schriftstellerinnen ihrer Generation. Ihr Debütroman „Alligator“ sowie der Erzählungsband „Open“ waren nationale Bestseller. Mit „Und wieder Februar“ war sie Finalistin für den „Man Booker Prize“.

MooreFebruarAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. August 2013)
Übersetzer: Kathrin Razum
ISBN: 978-3442479054
Preis: EUR  8.99/ CHF 14.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Was ist das Besondere an mir?

Ich war dieses Wochenende an einem Workshop. Das Thema war „Dharma“ – wie soll ich handeln, was stimmt für mich, ist mein richtiger Weg? Wer bin ich, was macht mich aus? Ich fand es spannend zu sehen, dass genau dieses Thema gewählt wurde, das auch mich immer wieder beschäftigt hat, sei es als philosophische Gedankenspielerei, sei es in Bezug auf mein eigenes, persönliches Leben.

Wie oft versuchen wir, in den Fussstapfen anderer zu gehen. Wir lernen einen Beruf, weil unsere Eltern das so wollen oder schon der Grossvater denselben hatte. Wir verhalten uns in Beziehungen so, wie wir denken, dass unser Gegenüber das von uns wünscht. Wir gehen Wege, weil die Gesellschaft diese als zu gehende definiert. Gar oft leiden wir, fühlen uns unwohl, irgendwie in uns und unserem eigenen Leben nicht zu Hause. Spätestens dann, wenn wir nicht mal mehr in uns selber zu Hause sind, wäre ein guter Zeitpunkt, hinzusehen und zu entdecken, was denn unser wirkliches Zuhause wäre. Was will ich im Leben? Was macht mich aus? Was kann ich und möchte ich in die Welt hinaus tragen?

Oft trauen wir uns nicht, die Dinge zu verwirklichen, die uns wirklich tief am Herzen liegen, weil wir vielleicht zu sehr gefangen sind in äusseren Zwängen, in inneren Ängsten. Vielleicht trauen wir uns schlicht nicht, zu uns zu stehen, weil es Angst machen kann, sich wirklich ganz selber zu sein. Was, wenn man dann abgelehnt würde? Was, wenn genau das, was einem wirklich nah ist, nicht klappt?

Gestern stolperte ich wie zufällig über ein Zitat, das ich schon lange kenne, das aber just prima in das Wochenende passte. Johann Wolfgang von Goethe scheint sich auch mit diesem Thema befasst zu haben, sagte er doch:

In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. Was immer Du kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. Beginne jetzt.

Es ist nie zu spät, anzufangen, denn Jetzt ist immer gerade in dem Moment, in dem man steckt.

Ich fragte gestern einen mir nahestehenden Menschen, was denn mich ausmache, was an mir besonders sei (dies war eine Aufgabe an diesem Wochenendworkshop). Die Antwort war, dass ich das, was ich tue, mit ganzem Herzen mache, mich voll in meinen Weg hineingebe und diese Begeisterung und Liebe auch weiter geben könne.

Ich hätte mich nie so beschrieben, erkenne mich aber wieder. Ich bin dankbar, zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin, auf meinem. Vielleicht ist heute auch genau der richtige Tag, sich und seinen Nächsten gewisse Fragen zu stellen:

Wer bin ich? Was macht mich aus? Wo fühle ich mich zu Hause, was will ich tun?

Mein Leben

Es gibt Tage, da hadere ich. Denke, was ich alles aus meinem Leben hätte machen können, sehe erfolgreiche Menschen, reiche Menschen, berühmte Menschen und dann mich. Denke, was ich hätte anders machen können und müssen, um vielleicht auch einen Weg einschlagen zu können, der mehr Reichtum, mehr Anerkennung, mehr Status gebracht hätte.

So zu denken taugt nicht dazu, sich gut zu fühlen, im Gegenteil, es zieht runter. Man sieht all das, was man nicht hat, sehnt sich an Orte, an denen man ist und vielleicht auch nie sein wird. Man hadert mit Wegen, die man gegangen ist aufgrund von Entscheidungen, die man getroffen hat. Damals hatte man Gründe für die Entscheidungen, heute sieht man nur noch das Ziel, die man so erreichte.

Wenn der erste Sturm der Aufregung vorbei ist, frage ich mich jeweils: Wo möchte ich gerade jetzt lieber sein als da, wo ich bin? Was möchte ich lieber tun als das, was ich tue? Und meistens komme ich dann zum Schluss, dass das, was ich tue, genau dem entspricht, was ich tun will (ausser wenn es grad ganz schlimm die Steuererklärung oder das Bad putzen ist). Ich komme zum Schluss, dass da, wo ich bin, der Ort ist, an dem ich sein will – wäre es anders, könnte ich es ändern und habe das in der Vergangenheit auch einige Male getan – oder eben gelassen.

Ich war in meinem Leben meistens in der wirklich glücklichen Lage, sehr frei entscheiden zu können, was ich tun will, womit ich mein Leben füllen möchte. Es gab kaum Grenzen, gab wenige Einschränkungen und wenn, dann keine, die ich hätte durchbrechen wollen. Ich war nie reich, auch nie berühmt, ich habe weder Status noch sonstige hochtrabenden Dinge, trotzdem habe ich das ganz grosse Glück, genau das tun zu können, was ich tun will. Und dabei erfahre ich von verschiedenen Seiten immer wieder wunderbare Reaktionen, teilweise von unerwarteter Seite Unterstützung, oft von ganz vielen Stellen Rückhalt, Zuspruch.

Wenn ich heute zurück schaue, habe ich viele verschiedene Dinge im Leben ausprobiert und auch durchgezogen und alle zusammen haben dahin geführt, wo ich heute bin. Mein Leben ist breit, ge- und erfüllt von den Dingen, die ich liebe. Ich habe im Yoga etwas gefunden, das ich als meinen Lebensweg anschaue, den ich weiter gehen, tiefer erforschen und daran wachsen kann. Die Philosophie begleitet mich dabei, ist sie einerseits Teil des Weges, andererseits auch Methode, den Dingen immer wieder neu auf den Grund zu gehen, sie nicht einfach hinzunehmen, sondern auf ihre Wirklichkeit hin zu prüfen. Die Literatur bringt Leichtigkeit, Kreativität und Spielerei ins Leben, lässt Geschichten entstehen, Welten sich entwickeln und neue Horizonte wachsen.

Alles in allem ist es einfach: Mein Leben. Und es ist gut, wie es ist. Es ist unbezahlbar.

Das Tag, an dem das Licht ausging

Der Tag begann ganz normal. Langsam wurde es hell,  langsam drangen die ersten Lichtschimmer durch die heruntergelassenen Rollläden. Claudia erwachte schon vor dem Klingeln des Weckers, wie jeden Morgen. Wie jeden Morgen überlegte sie, ob sie wirklich aufstehen sollte oder nicht doch noch weiter liegen bleiben. Wie jeden Morgen überlegte sie, wie sie alle Termine ausfallen lassen könnte, einfach mal sagen, dass sie nicht mehr könne, nicht mehr wolle. Und wie jeden Morgen stand sie auf. Sie erledigte ihre tägliche Morgenroutine, jeder Griff sass, lange eingeprägt. Irgendwann klingelte auch der Wecker, welcher eigentlich keiner war, sondern ein auf die richtige Zeit (die aber nie die richtige zum Aufstehen war, da sie immer schon auf war, nie aber zu der Zeit hätte aufstehen wollen, hätte sie nicht müssen) eingestelltes Mobiltelefon.

Dass sie jeden Morgen noch etwas müder war als am Tag zuvor, fiel ihr zwar auf, doch sie mass dem wenig Bedeutung bei. Dass sie jeden Tag noch weniger Antrieb fand, überhaupt etwas zu tun, nahm sie so hin und schob es auf die diversen Belastungen des Alltags und ihren schlechten Schlaf. Dass sie jeden Tag noch weniger lachte und sich immer wieder dabei ertappte, dass sie ein grimmiges Gesicht zog, welches sie sogleich auflockerte und versuchte, entspannt zu schauen, beunruhigte sie zwar, doch sie schob es auf die eher unerfreuliche Zeit. Dass das Leben kein Ponyhof war, hatte sie längst erkannt, aber es könnte schlimmer sein. Bestimmt.

Der Tag nahm seinen alltäglichen Lauf, pflichtbewusst spulte sie ihr Tagesprogramm ab, einen Punkt nach dem anderen. Ab und an kam ihr ein Bild eines Hamsters im Rad in den Sinn, welches sie sogleich wieder beiseite schob. Ab und an dachte sie auch, dass sie nicht mehr möge, nicht mehr könne, lachte sich dann selber aus, denn: Hatte sie eine Wahl? Immerhin hatte sie nun gelacht. So schlimm konnte es noch nicht sein.

Der Tag, der war wie jeder andere, nahm seinen Lauf. Die Sonne zog über ihn und ging langsam unter (nicht dass sie sie je gesehen hätte, sie könnte nicht mal sagen, ob sie geschienen hat oder ob es regnete), es wurde düsterer und düsterer (ob es je heller war, wäre ihr auch nicht wirklich bewusst gewesen, muss aber wohl so gewesen sein). Und dann war es dunkel. Und nichts mehr, wie es war. Sie konnte sich nicht vorstellen, jemals wieder aufzustehen. Konnte sich nicht vorstellen, noch einmal dieses Rad zu betreten. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass je wieder Licht am Horizont zu sehen sei, und wenn, dass es bleiben könnte. Sie konnte sich gar nichts mehr vorstellen, denn an diesem Tag ging das Licht aus. Und so sass sie im Dunkel und schalt sich eine dumme Kuh. Schimpfte sich einen Versager und wusste, dass sie recht hatte damit. Sie rief sich all die Stimmen in den Sinn, die über sie richten würden: „Ich habe es dir ja immer gesagt!“ „Hab dich nicht so!“. „Reiss dich zusammen!“ „Du bist aber auch empfindlich!“ „So kann man sich doch nicht aufführen!“ Und sie hatten wohl alle recht.

Claudia wünschte sich, dass die Stimmen verstummten und sie wünschte sich, dass eine Hand käme, die sie hielte. Sie wünschte sich einen Arm hinter der Hand, der sie auffinge, eine Stimme hinter dem Arm, die ihr versprach, dass es wieder hell würde und sie immer getragen sei. Und sie fragte sich, ob sie dieser Stimme trauen könnte, im Wissen, dass noch immer das Dunkel wieder hereingebrochen war. Und jedes Mal noch schwärzer war als zuvor.

Das Leben

Die Zeit rast, manchmal schleicht sie. Alles hat seine Zeit, doch manchmal hat man keine. Die Zeit vergeht, ab und an steht sie auch still. Ab und an wünscht man sich, sie würde stehen bleiben, dann wieder verläuft sie im Sande. Die Zeit muss eine sadistische Natur sein, tut sie doch oft das, was man nicht möchte. Wenn sie vergehen soll, macht sie extra langsam, soll sie bleiben, verfliegt sie wie im Flug.

Und wie sie so vorbei geht, nimmt das Leben seinen Lauf. Manchmal nimmt man es auch in die Hände, packt es an. Das Leben kann pures Überleben sein, aber auch Lebensfreude beinhalten. Es kann eine Last sein oder Leichtigkeit beinhalten in seinem Sein. Niemand sagte, es sei leicht und es ist eines der härtesten und endet immer mit dem Tod.

Vermutlich ist es einfach Schicksal. Es ist vorbestimmt. Manchmal meint es das Schicksal nicht gut mit einem, dann wieder fordert man es heraus. Es gibt Menschen, die vertrauen drauf, andere erachten es als Zufall. Das Schicksal kann einem den liebsten Menschen nehmen oder aber Menschen zusammen führen und sie lieben sich; wenn das Schicksal will bis ans Lebensende.

Liebe ist eine Himmelsmacht. Sie ist das höchste der Gefühle, bringt aber auch den grössten Schmerz. Ohne Liebe ist alles nichts und nichts ist ohne Liebe. In der Liebe ist alles erlaubt, doch gilt im Krieg dasselbe. Liebe und Hass liegen nah beieinander. Man soll seinen Nächsten lieben, doch kann niemand in Frieden leben, wenn es dem Nächsten nicht gefällt. Alte Liebe rostet nicht, aber Liebe ist ein Jungbrunnen. Manches tut man um der Liebe zur Sache willen, doch sollte man Menschen Lieben. Geld oder Liebe?

Geld regiert die Welt. Geld ist Macht. Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Manche verdienen ein Schweinegeld, andere eine Heidengeld. Dinge können ein Vermögen kosten, aber manche Dinge sind nicht käuflich. Manche Dinge kriegt man für einen Appel und ein Ei, andere sind unbezahlbar. Es gibt Leute, die werfen das Geld auf die Strasse, andere nehmen es in die Hand, um es mit vollen Händen auszugeben. Geld stinkt nicht und nichts kostet die Welt. Zeit ist Geld.

Manchmal geht die Zeit aus. Und man hat vor lauter Geld scheffeln vergessen zu lieben, vergessen zu leben. Das wäre nicht Schicksal, denn das hätte man in der Hand.

Die Gesetze des Lebens

Das Leben ist nie eine gerade Linie, es ist wohl nicht mal kausal, so gerne man das glauben möchte. Das Weltbild, dass B aus A erwächst, man mit A den Grundstein für B legt und sich B immer aus A erklären lässt, ist ein beruhigendes für unseren Geist, weswegen der selbständig Kausalketten bildet und dadurch Sinn in die Geschehnisse und Erlebnisse legt. Würde man das Leben als lose Aneinanderreihung von Momenten sehen, würde man sich haltlos fühlen. Man hätte keine Möglichkeit mehr, einzugreifen, sähe sich hilflos den Eventualitäten des Lebens ausgesetzt. Dass es in Tat und Wahrheit eigentlich so ist, ahnt man zwar irgendwo, doch der Mechanismus des Gründe Suchens, des Ketten Knüpfens ist so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir uns dieser oft unbewusst ablaufenden Tätigkeit nicht entziehen. Sie gibt uns das Gefühl, unser Leben im Griff zu haben und sie liefert Erklärungen für das Warum.

 

Im Leben fasst man gerne Ziele. Diese sollen möglichst positiv sein, möglichst viel Glück bringen und Leid vermeiden. Um die Ziele zu erreichen, planen wir Wege, die wir beschreiten wollen. Auch hier sehen wir die Kausalität vor uns. Das Ziel einmal erreicht, wollen wir es nicht mehr loslassen. Je schöner es ist, je besser es sich anfühlt, desto fester wollen wir es halten. Aufgeben, loslassen – keine Option. Schlägt das Schicksal dann doch zu oder schlägt der Zufall böswillig drein, das vormalige Ziel und momentane Gute geht dahin, stehen wir vor den Scherben, hadern mit dem Leben und suchen schnell Gründe, wieso das wohl gut sein könnte, was dazu geführt hat und wie wir daraus etwas machen können.

 

Das Leben hat seine eigenen Gesetze, der Mensch kann diese nicht erfassen. Was immer und überall durchschimmert ist eine Dualität von Polen, von Erschaffung und Zerfall, von gut und böse, von Leid und Glück. Schatten und Licht. Diese gegensätzlichen Pole ziehen sich rund um den Erdball, sie finden sich in allen Philosophien und Religionen, zu allen Zeiten. Das deutet darauf hin, dass dahinter ein universales und allgemeingültiges Prinzip liegt. Man muss es nicht beweisen können, da es ausserhalb unserer Macht und unseres Geistes liegt. Man kann es wohl nicht mal ganz erfassen und beschreiben, es ist da und es ist erlebbar. In vielen tagtäglichen Beispielen und Erlebnissen erfahren wir es. Es hilft nichts, sich auf eine Seite zu stürzen, die andere gehört unweigerlich dazu.

 

Was man einmal bildet, geht auch wieder zu Grunde, um etwas Neuem Platz zu machen. Das macht Angst, denn das Neue ist ungewiss, unbekannt und damit ungeheuer. Das Bekannte kann man erfassen und sich damit arrangieren, beim Neuen muss man erst einen Weg dahin finden. Hat man ihm, möchte man ungern wieder loslassen, um wieder weiter zu gehen. Genau das macht aber das Leben aus. Es ist kein Tag wie der andere, keine Beziehung heute, wie sie morgen sein wird. Kein Mensch ist heute derselbe, wie er gestern war und er hat heute die Chance, sich für morgen neu zu erfinden. So erschreckend der Gedanke sein kann, dass alles im stetigen Fluss ist und immerwährender Veränderung unterliegt, so gross kann die darin liegende Chance sein.

 

Nichts ist ewig. Man kann etwas erschaffen, es geniessen, weiter gehen. Man kann es ausbauen, neu definieren, umstürzen, neue Wege gehen. Man kann daran arbeiten, dass es besser wird, wenn es heute nicht gefällt. Wichtig dabei ist wohl immer, ehrlich zu sich selber zu sein, genau hinzuhören, was man wirklich will und wirklich kann und dann den Weg zu gehen. Und vielleicht führt der Weg nicht zielgerichtet dahin, wohin man will, vielleicht liegen Steine auf dem Weg, tun sich Abgründe auf. Vielleicht muss man auch mal einen Umweg gehen, um den wirklich richtigen Weg zu erkennen. Wirklich planen kann man nie alles. Am Schluss bleibt wohl immer nur das Vertrauen darauf, dass es kommt, wie es kommen muss. Das ist weder gut noch schlecht, es ist, wie es ist. Und vermutlich ist genau das gut daran.

John Williams: Stoner

Das Leben als harter Ackerboden

William Stoner, ein Farmerssohn, wird von seinem Vater an die Universität Columbia geschickt, um Agrarwissenschaften zu studieren. Das Studium gefällt ihm, einzig ein Literaturkurs bringt ihn an seine Grenzen und fordert ihn gerade deswegen heraus. Er wechselt ganz zur Englischen Literatur und vertieft sich mehr und mehr in die Materie.

Angesichts des Ziels, das er sich so leichtsinnig gesetzt hatte, fand er sich mit einem Mal schrecklich unzureichend und spürte eine Sehnsucht nach jener Welt, die von ihm aufgegeben war. Er trauerte um den eigenen Verlust und um den seiner Eltern, aber noch in seiner Trauer spürte er, wie es ihn fortzog.

Nach glänzend absolviertem Studium entschied er sich, als Lehrer an der Universität zu bleiben. Diesen Entscheid konnte auch der ausgebrochene Krieg nicht umstossen, während viele sich freiwillig meldeten, blieb Stoner der Universität treu, der einzigen Heimat, die er kannte ausser der alten auf der Farm, die keine mehr war. Stoner lernt eine Frau kennen, versucht sich trotz mangelnder Reaktion derselben in unbeholfenen Eroberungsversuchen und heiratet sie schliesslich – nicht zu seinem Glück. Stoners Leben scheint ein einsamer Kampf, den er unbeirrt ficht.

Er war zweiundvierzig Jahre alt; vor sich sah er nichts, auf das er sich zu freuen wünschte, und hinter sich nur wenig, woran er sich erinnerte.

Das einzige Glück, das ihm im Leben beschieden scheint, wird ihn in unglücklich machen. Und doch geht Stoner seinen Weg weiter, unbeirrt, ruhig, manchmal mit einer Spur Humor.

Stoner ist das Buch eines eigensinnigen, eigenbrötlerischen Charakters, der sein Leben und seine Leidenschaft in der Literatur auslebt, weil das Leben neben dieser sich schwierig und als Kampf erweist. Er ist ein liebenswürdiger Mann mit Herz, nach dem er aber kaum je leben kann, weil das Leben und seine Mitstreiter ihm zu viele Hürden in den Weg legen. Trotzdem bleibt er seinem Weg treu, versucht, es allen recht zu machen, und hält sich durch seine Aufgaben aufrecht.

Stoner ist ein Roman über das Leben, über die Härten, die es mit sich bringt, ein Roman über das Leben an Universitäten und die Kämpfe, die da zu führen sind, einer über die Ehe und deren Schwierigkeiten und zuletzt ein Roman über die Liebe – gelebte und unlebbare.

Als William Stoner jung war, hatte er die Liebe für einen vollkommenen Seinszustand gehalten, zu dem Zugang fand, wer Glück hatte. Als er erwachsen wurde, sagte er sich, die Liebe sei der Himmel einer falschen Religion, dem man mit belustigter Ungläubigkeit, vage vertrauter Verachtung und verlegener Sehnsucht entgegen sehen sollte. Nun begann er zu begreifen, dass die Liebe weder ein Gnadenstand noch eine Illusion war, vielmehr hielt er sie für einen Akt der Menschwerdung, einen Zustand, den wir erschaffen und dem wir uns anpassen von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick durch Willenskraft, Klugheit und Herzensgüte.

John Williams ist ein sehr ruhiges, tiefes Buch gelungen, das einen nie loslässt, das trotz wenig Handlung packend ist, einen in eine Lebensgeschichte hineinnimmt und nicht mehr rauslässt. Man sieht William Stoner bildlich vor sich, wie er durch den Campus seiner Universität geht, man fühlt mit ihm, wenn er erlebt, was er erlebt. Man weiss nie, wieso er sich nicht wehrt, möchte ihm helfen, schaut trotzdem nur zu und muss weiter lesen, wie es endet. Stoner ist ein Buch über ein Leben mit vielen Tiefen, wenigen Höhen, man lebt es lesend mit – bis zum Ende.

Fazit:
Ein psychologischer, lebensnaher Roman über menschliche Beziehungen, das Leben und die Liebe. Sehr empfehlenswert.

Zur Autorin
John Edward Williams
John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Nach einem abgebrochenen Studium wurde er eher widerstrebend Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Nach dem Kriegsende kehrte Williams zurück an die Uni und erlangte an der University of Denver seinen Master. An dieser Uni lehrte er auch von 1954 bis zu seiner Emeritierung 1985. John Williams veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. Er starb 1994 in Fayetteville, Arkansas.

WilliamsStonerAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. September 2013)
Übersetzung: Bernhard Robben
ISBN-Nr.: 978-3423280150
Preis: EUR  19.90 / CHF 29.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort sowie online bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Gestern, morgen, nur nicht heute

Das Gestern ist nicht mehr, das Morgen noch nicht hier. Alles, was du hast, ist das Heute.

So oder so ähnlich lernt man es in der östlichen Philosophie. Wie manche Yogastunde habe ich eingeleitet mit dem Spruch. Wie viele Meditationen drehten sich um das Hier und Jetzt als einzig lebbare Zeit. Der Sinn ist klar, seine Wahrheit offensichtlich. Ich kann nicht widerrufen, was war, ich kann es auch nicht nochmals leben. Ich kann nicht vorwegnehmen, was noch nicht ist, ich kann es nicht mal wirklich wissen, nur ahnen, spekulieren. Alles, was ich habe, ist das Heute. Nur im Hier und Jetzt kann ich wirklich etwas tun. Klar hat dieses Hier und Jetzt Folgen, die in die Zukunft reichen und sollte drum bedacht sein. Klar erwächst es aus etwas, das mal war, fusst also auf der Vergangenheit. Aber jetzt ist immer nur jetzt, es ist alles, was ich habe.

Gehe ich dann weg von der Yogamatte und hinein ins Leben, sind da plötzlich all die Ziele, all die Wünsche, all die Hoffnungen und all die Prognosen. Ich ertappe mich dabei, zu denken, dass ich glücklich bin, wenn nur erst die Woche um ist. Ich male mir den Freitag Abend, das Wochenende aus. Ich denke, dass alles einfacher wird, wenn nur erst mal etwas nicht mehr ist oder etwas anderes erreicht. In den buntesten Farben erscheint mir das angestrebte Ziel. Der Mensch in unglücklicher Beziehung sehnt sich deren Ende herbei und sieht dann die Zeit für Glück und Freiheit, der einsame Single sieht sich am Ziel seiner Träume, wenn er endlich das passende Gegenüber hat, welches natürlich immer perfekt  und in allen Belangen ideal ausgemalt wird. Bis es soweit ist, darbt man dahin, suhlt sich im Unglück, weil noch nicht ist, was sein sollte. Man macht alles davon abhängig und vergisst das Heute, welches man als Wartegleis definiert. Warten auf bessere Zeiten.

Was, wenn die besseren Zeiten nie kommen? Man hätte das Heute vergebens geopfert. Man hätte all das Gute und Schöne verachtet, weil man nur auf das Eine, das noch nicht ist, ausgerichtet war. Man war so versteift auf diese eine ausschlaggebende Veränderung, die einem ganz spezifischen Bedürfnis erwuchs, dass man alles andere ignorierte und das Bedürfnis selber und dessen Glückstauglichkeit gar nicht in Frage stellte.

Was, wenn es käme und man wäre noch immer nicht glücklich? Was, wenn das Glück beim Erreichen des Gewollten zwar da wäre, aber schnell auch wieder weg? Das Leben auf der Wartebank. Warten auf Godot, welcher hier  synonym für Glück verwendet wird. Es wird nie kommen, wenn man es nicht einfach jetzt packt.

Morgen, morgen, nur nicht heute…

Ein alter Spruch und doch so aktuell. Man bedenkt dabei nie, dass es morgen zu spät sein könnte.