Rezension: Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

Vom Lesen und Schreiben

Es wird Zeit, alles zu überdenken. Alles. Was es bedeutet, zu schreiben, was es bedeutet, für ein Publikum zu schreiben – und für welches Publikum. Was verspreche ich mir vom Schreiben?

Tim Parks ist wohl wie kein anderer dazu in der Lage, über das Schreiben und Geschriebenes zu reflektieren. Selber Autor von literarischen Werken, Artikeln, Essays und Übersetzungen, schreibt er nicht nur selber viel in verschiedenen Bereichen und für ein unterschiedliches Publikum, er setzt sich auch mit Geschriebenem auseinander, wenn er es übersetzen will oder seine Studenten anleitet, wie Übersetzungen funktionieren.

Was bedeutete es, zu lesen? Möchte ich lesen, was die anderen lesen, damit ich mich mit ihnen unterhalten kann? Welche anderen sind das? Warum will ich mich überhaupt mit ihnen unterhalten?

Alles, was geschrieben wird, trifft – so hofft der Schreibende – auf einen Leser. Doch wieso liest er? Und wie muss Literatur beschaffen sein, dass sie Leser hat? Was macht Literatur zu guter Literatur, vielleicht zu preisgekrönter? Tim Parks nimmt auch den ganzen Literaturbetrieb unter die Lupe, angefangen von den Lektoren über die Verlage bis hin zu den Jurys bekannter Preise im Literaturbereich.

Ein weiteres Thema ist immer wieder die Welt, in der wir leben. Sie prägt sowohl das Schreiben wie auch das Lesen – ein Umstand, der beim Thema Literatur nicht ausser Acht gelassen werden darf. Der Einfluss einer globalisierten Welt auf nationale Literatur, die Ausrichtung der Literatur am eigenen Kulturkreis oder aber deren Öffnung hin zu einer Weltliteratur bestimmen soswohl die Sprache als auch die Inhalte literarischer Werke.

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen ist ein trotz seiner Fundiertheit gut lesbares Buch über Bücher, welches Einblicke gewährt, die auf einer umfassenden Kenntnis der Branche und der Materie gründen.

Fazit:
Ein sehr informatives und auch inspirierendes Buch über Bücher, über die Literatur und ihre Autoren und Leser. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, wuchs in London auf und lebt seit 1981 in Italien. Seine Romane und seine erzählenden Sachbücher wurden von der Kritik hochgelobt und sind in viele Sprachen übersetzt. Er hat das Werk von Italo Calvino, Roberto Calasso, Alberto Moravia und Machiavelli ins Englische übersetzt und unterrichtet Literarisches Übersetzen an der Universität Mailand.

Angaben zum Buch:
parksbucherGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016)
ISBN-Nr.: 978-3956141300
Preis: EUR 20 / CHF 28.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension: Petra Harms: Wohnideen aus dem wahren Leben

Inspiration fürs eigene Zuhause

„Wohnideen aus dem wahren Leben“ verspricht das Buch und liefert damit auch Wohnideen für das wahre Leben. Sind die meisten Bücher zu Interior Design immer schön anzuschauen, aber weit weg von der eigenen Wohnsituation und finanziellen Möglichkeit, stellt Petra Harms hier Ideen für die Umgestaltung des eigenen Zuhauses vor, die jeder leicht nachmachen kann.

Eine Jury aus den bekannten Bloggern Igor Josifovic von Happy Interior Blog, Gudy Herder von Eclectic Trends und Ricarda Nieswandt von 23qm Stil hat die besten Wohnblogger im Netz aufgestöbert und gleich noch prämiert. Im vorliegenden Buch finden sich nun wunderbare Ideen derselben, das eigene Zuhause zu gestalten, nach Themen gegliedert, so dass der Leser ganz einfach findet, was er sucht: Egal ob es Inspiration für Farbkonzepte, Wanddekoration oder verschiedene Stile ist, er wird fündig.

Wie beim Callwey-Verlag üblich präsentiert sich das Buch hochwertig mit wunderbaren Bildern, einem stilvollen Layout sowie ansprechender Typographie – so wird das Anschauen zur wahren Freude.

Wer noch weiter stöbern will, findet im Buch Links zu den einzelnen Blogger sowie zu deren Lieblingsshops im Netz.

Fazit:
Ein sehr inspirierendes Buch, das Ideen aus dem Leben fürs Leben und Wohnen gibt. Wunderschön aufgemacht, eine wahre Augenfreude. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor und den weiteren Mitwirkenden
Petra Harms ist freie Autorin und schreibt für diverse Frauenmagazine, u.a. die Zeitschriften „Myself“ und „InStyle“. „Wohnideen aus dem wahren Leben“ hat sie bereits redaktionell begleitet. Petra Harms lebt und arbeitet in München. Die Blogger-Jury: Igor Josifovic von Happy Interior Blog ist einer der bestvernetzten Designblogger in Europa. Er ist unter anderem Gründungsmitglied von „Urban Jungle Bloggers“, einer internationalen Blogger-Community. Sein Blog verzeichnet durchschnittlich 30.000 Besucher im Monat. Ricardas Blog „23qm Stil“ gehört zu den bekanntesten Wohnblogs in Deutschland. Ausserdem ist sie Gründerin von BLOGST, einem Netzwerk für deutsche Lifestyle Blogger, für das sie Events und Workshops organisiert. Gudy Herder von Eclectic Trends lebt seit vielen Jahren in der Szene-Stadt Barcelona. Sie ist in der europäischen Blogger-Community bekannt als Trend Expertin, gibt Konferenzen und berät Kunden zum Thema Interior&Lifestyle Trends. In ihren Workshops unterrichtet sie die Kreativtechnik Moodboarding und zeigt dabei Techniken, Tipps und Tricks wenn ein Konzept visuell und haptisch verständlich gemacht werden soll.

Angaben zum Buch:
Harms_Wohnideen_finalBroschiert:224 Seiten
Verlag: Verlag Georg D.W. Callwey (16. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3-7667-2176-1
Preis: EUR 29.95 / CHF 42.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei CALLWEY.DE, AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension: Alice Buckley: Entspannt wohnen mit den richtigen Farben

Heute bedeutet ein Zuhause weit mehr als Schutz und Unterkunft. Wir richten es zwar so ein, dass es diese Notwendigkeiten erfüllt, aber auch so, dass es unsere Persönlichkeit widerspiegelt, unsere Hoffnungen, unser Innerstes. Man kann das auf vielerlei Farben tun. Licht und Farbe, die beiden Faktoren, die uns auch in der Natur umgeben, können unseren Lebensraum grundlegend beeinflussen und verändern.

Die Autorin will dem Leser ihres Buches helfen, sein Zuhause nach den eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Geschmack zu gestalten. Dazu führt sie zuerst in die Farblehre Ewald Herings ein, liefert kurze Definitionen verschiedener Farbgruppen und konzentriert sich auf die Neutralfarben, welche eher gedeckt erscheinen.

Neutralfarben bestehen aus zwei bis vier Primärfarben, die unterschiedliche Grau- und Brauntöne bilden. Durch Hinzufügen von Schwarz oder Weiss erhält man aufgehellte oder abgedunkelte Töne. .

Diese eher gedeckten (oft als langweilig bezeichneten) Farben soll eine harmonische Stimmung erzielt werden. Wichtig ist dabei, auch die Funktion des Raumes einzubeziehen bei der Auswahl der Farbnuance, da verschiedene Farbkonzepte verschiedene Stimmungen erzeugen.

Alice Buckley betont, dass Inspiration überall geholt werden kann: In Filmen, Alben, in der Natur. Man soll mit offenen Augen durchs Leben gehen und aufnehmen, wie die Dinge auf einen wirken. Daraus kann man dann auch Ideen schöpfen für das passende Zuhause.

Bei der Auswahl des passenden Farbkonzeptes darf auch das Licht und dessen Fluss nicht ausser Acht gelassen werden. Nach einem kleinen Abschnitt über Textur als weiteres Gestaltungsmittel präsentiert das Gestaltungsbuch 200 Farbpaletten, bestehend aus einer Hauptfarbe und passenden Akzentfarben. Ein kurzer Text leitet die Palette ein, zeigt, woher die Inspiration stammt, die zu diesem Konzept führte und zeigt die Gefühle auf, die daraus wachsen können.

Die Gestaltung als Ringbuch macht dieses Buch zu einem guten Begleiter bei der Arbeit des Einrichtens. Es bleibt offen liegen, lässt sich so gut als Arbeitswerkzeug einsetzen. Das Layout ist generell ansprechend, der Text kurz und prägnant. Zu bemängeln ist die Konzentration auf Neutralfarben, welche aus dem Titel nicht ersichtlich ist sowie die kaum vorhandenen Beispielbilder zu jeder Palette. Ein Bild ist etwas knapp, um wirklich einen Eindruck der Wirkung zu erhalten. Da wären weniger Paletten mehr gewesen.

Fazit:

Ein schön gestaltetes Buch, welches einen guten Einblick in die Welt der Neutralfarben gibt. Man kann sicher nichts falsch machen, wenn man sich an die vorgeschlagenen Konzepte hält. Es fehlt die Anschaulichkeit des möglichen Ergebnisses.

Bild Angaben zum Buch:

Ringbuch: 256 Seiten

Verlag: Bassermann Inspiration

Übersetzung: Ulrich Magin

Preis: EUR: 9.95 ; CHF 16.90

Zu kaufen bei: AMAZON.DE und Books.DE

Rezension: Frank Berzbach – Formbewusstsein

Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge

Erst [die] Beschränkung ermöglicht Freiheit. […] Zerstreuung hingegen ist eine Urfom der Formlosigkeit: sie lässt uns den Halt verlieren, macht Menschen zu ferngesteuert agierenden Wesen, die ihren Rhythmus verlieren, nur noch um sich selbst kreisen und schliesslich verrohen und erkranken. Alles, was stirb, verliert seine Form. Formlosigkeit erzeugt Leid.

Frank Berzbach richtet im vorliegenden Buch seinen Blick auf die alltäglichen Dinge, die uns umgeben. Obwohl wir täglich mit ihnen zu tun haben, nehmen wir sie selten bewusst wahr, sondern erledigen sie nebenbei, quasi formlos. Egal, ob es sich um Ernährung, Liebe oder Kleidung handelt, ob es den Umgang mit den Medien oder dem eigenen Besitz betrifft, wir haben die bewusste Steuerung unseres Verhaltens im Umgang damit oft verloren und agieren quasi fremdgesteuert (zwar selber agierend, aber nicht wahrnehmend, worauf gründend). Erst, wenn wir Achtsamkeit den Dingen und unserem Verhalten zu ihnen entwickeln, werden wir wieder Herr unseres Verhaltens, dann geben wir unserem Leben eine Form – und zwar die von uns gewünschte Form.

Wir sind dem Alltag nicht passiv ausgesetzt, sondern können aktiv formend in ihn eingreifen.

Wir lernen durch das bewusste Tun, im Hier und Jetzt zu sein, in der Gegenwart zu leben und uns nicht in Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren. Ein solches aktives Tun führt wiederum zu mehr Wohlgefühl und Gesundheit, es lässt uns wachsen, weckt unsere Kreativität.

Formbewusstsein kann als Anknüpfung an Frank Berzbachs Buch Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen gesehen werden. Wieder geht es Berzbach darum, den Blick auf die Haltung im und zum Leben zu richten und eine Achtsamkeit zu entwickeln. Durch diese Achtsamkeit dem eigenen Tun gegenüber gewinnen die Dinge ihren Wert und ihre Form und prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Das bewusste Hinsehen und die Formgebung lassen uns zu agierenden Menschen werden im Gegensatz zu bloss ausführenden Marionetten, die von Gewohnheitsmustern gesteuert werden.

Das Buch wirkt ab und an unstrukturiert und lose zusammengewürfelt, es reiht Geschichten, Einsichten und Anleitungen quasi formlos aneinander, die einzig durch das Thema des Kapitels, in welchem sie stehen, verbunden sind. Dem Anspruch einer durchdachten Philosophie wird das Buch so nicht gerecht, wobei es diesen Anspruch wohl auch nicht erfüllen sollte. Ab und an klingt ein moralisierender und leicht tadelnder Unterton an, der wenngleich sicher nicht ganz unberechtigt, so doch etwas bemühend ist. Diese Kritikpunkte – wenn sie denn solche sind – nur am Rande, der guten Ordnung halber.

Das Buch ist inspirierend, weckt den Blick auf das eigene Verhalten, lässt einen dieses hinterfragen und dem eigenen Tun auf die Schliche kommen. Frank Berzbach gelingt es, in einer leicht lesbaren Sprache aufzuzeigen, wie man mit kleinen Veränderungen im eigenen Leben wieder Steuermann werden kann und grosse Wirkung erzielen. Die weiterführenden Literaturtipps im Hintergrund können zudem dazu dienen, den ersten Kritikpunkt auszumerzen, so dass jeder, der tiefer tauchen will in bestimmten Bereichen, weiss, wo er das tun kann.

Fazit:
Ein inspirierendes und motivierendes Buch, das den Leser mitnimmt auf eine Reise zu sich selber und ihm Wege aufzeigt, das Leben lebendiger zu gestalten. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Frank Berzbach
Frank Berzbach, geboren 1971, hat in Köln und Bonn Pädagogik, Psychologie und Literaturwissenschaft studiert und an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main promoviert. Nach einigen jahren in der Bildungsforschung war er Fahrradkurier für einen schönen Buchladen. Er unterrichtet Psychologie und Kulturpädagogik an der ecosign/Akademie für Gestaltung und an der Fachhochschule Köln. Auch von ihm erschienen: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen.

Angaben zum Buch:
BerzbachFormbewusstseinBroschiert:192 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (29. Juni 2016)
ISBN-Nr.: 978-3874398725
Preis: EUR 29.80 / CHF 41.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei  AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension: Peng + Hu – Hirameki

Der geniale Klecks + Kritzel-Spass

Mit Linien und Punkten zum fertigen Bild

Ein kleiner Klecks offenbart durch das Hinzufügen weniger Punkte und Striche sein wahres Wesen, im völligen Einklang mit der Phantasie des Betrachters.

Ausmalbücher boomen. Der Ausmalende kann schwarze Linienkonstrukte mit Farbe füllen und es entstehen bunte Bilder. Dieses Buch ist anders. Die Farbe ist schon da – in Klecksen wild über die Seite verteilt. Hier ist man gefordert, durch das Hinzufügen von Strichen und Punkten etwas entstehen zu lassen. Bald schon zieren Tiere, Monster, ganze Welten die Seiten.

Hirameki weckt die eigene Kreativität, lässt einen die eigene Phantasie entfalten. Nichts ist vorgegeben ausser wilden Klecksen, die für sich nichts darstellen. Erst durch das Hinzufügen von Linien entsteht das Bild. Ganz individuell. Eine witzige Idee!

Fazit:
Ein witziges Buch zum Herauskitzeln der eigenen Phantasie und Kreativität. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Peng & Hu
Die Künstler Peng und Hu entdeckten das phantastische HIRAMEKI-Phänomen irgendwann auf ihren Pinsel-Abwischblättern, auf dem Atelierparkett, an den Wänden und auf ihren Hemden. Daraus entwickelten sie eine geniale Kunstform für Groß und Klein. Diese Meisterleistung wurde mit dem Kaiserlichen Klecks am Band ausgezeichnet und zwei Kritzlibären des Zoos von Zing wurden zur Feier des Tages nach den Künstlern benannt.

Hinter Peng & Hu stecken der Österreicher Günter Mayer und der Niederbayer Rudi Hurzlmeier. Beide sind als komische Künstler tätig, Hurzlmeier unter anderem für die Satirezeitschrift Titanic. Mayer ist als Karikaturist für österreichische Medien bekannt geworden.

Angaben zum Buch:
PengHuHiramekiBroschiert: 192 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann (2. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3956140686
Preis: EUR 14.95 / CHF 21.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a.  AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension: Zürcher Kunstgesellschaft – Chagall. Meister der Moderne

Poetische Malerei, malerische Poesie

„…Ich musste einen besonderen Beruf finden, eine Beschäftigung, die mich nicht zwingen würde, mich vom Himmel und den Sternen abzuwenden, und die mir erlauben würde, meinen Sinn des Lebens zu finden. Ja, genau das suchte ich. In meiner Heimat jedoch hatte niemals vor mir die Worte ‚Kunst, Künstler’ ausgesprochen. ‚Was ist das, ein Künstler?’, fragte ich.“

Chagall3Marc Chagall ist in Zürich permanent präsent durch seine Glasfenster im Fraumünster sowie mit einigen Werken in der Sammlung des Kunsthauses Zürich.

Wenn man an Marc Chagall denkt, denkt man hauptsächlich an sein spätes Werk. In explosiven Farben zeigen sich Bilder voller Poesie. Fliegende Menschen, Tiere, Akrobaten, Künstler, Sonne, Mond und Sterne – eine Traumwelt auf Leinwand gebannt und doch nicht da gefangen, sondern frei zum Betrachter sprechend. nicht nur treiben lassen und Zwängen ausgeliefert sehen. Chagall verstand es wie kein anderer, Phantasiewelten bildhaft werden zu lassen. Er arrangierte Figuren und Farben, Formen und Ausdrücke so, dass sie einerseits ein stimmiges Ganzes ergeben und eine Geschichte erzählen, andererseits jedes Detail für sich ein neue Geschichte in sich trägt. Selten hat man bei einem Anblick alles gesehen, noch nach Jahren fallen einem immer wieder neue Details auf, stechen Dinge ins Auge, von denen man vorher nie Notiz nahm, egal, wie genau man schaute. Ein kleines Wunder auf Leinwand.

Chagall2Der vorliegende Ausstellungskatalog behandelt – gleich wie die Ausstellung im Jahr 2013 – die frühen Jahre Chagalls, die entscheidenden drei Jahre zwischen 1911 und 1914 (Marc Chagall verbrachte sie in Paris) sowie die anschliessenden bis 1922. In diesen Jahren etablierte sich Marc Chagall als Künstler. Bilder dieser Zeit sind durchdrungen von jüdische Bildwelten und Volkskunst und sie setzen sich sowohl mit Einflüssen vergangener Epochen und Strömungen sowie mit der avantgardistischen Bewegung auseinander. Vor allem die Jahre in Paris waren geprägt durch den Kontakt mit vielen Künstlern – Dichtern, Sammlern, Schriftstellern sowie Malern –, durch welche Chagall seine ganz eigene, eigenwillige künstlerische Sprache entwickelte.

Chagall ging es nicht drum, Aspekte der realen Welt zu malen, vielmehr wollte er eigene Fantasiewelten erschaffen.

„Was ist das für eine Epoche, die Hymnen auf die Technik singt und die den Formalismus vergöttlicht? […] Sollen sie nur an ihren dreieckigen Tischen ihre quadratischen Birnen essen, bis sie satt sind! […] Nieder mit dem Naturalismus, dem Impressionismus und dem realistischen Kubismus!“ (Aus Chagall: Mein Leben)

Den Kubismus (nicht den realistischen) liebte er und entwickelte ihn für sich weiter. Dies war in seinen Augen der einzige Weg, um als moderner Künstler Erfolg zu haben. Das vorliegende Buch beinhaltet einerseits informative Artikel von Simonetta Fraquelli, Angela Lampe, Monica Bohm-Duchen, Ekaterina L. Selezneva und Jean-Louis Prat, welche den Bogen von Chagalls Anfängen als Künstler bis hin zu seinem Spätwerk spannen. Andererseits zeigen die Bilder, welche Vielfalt und Ausdruckskraft der moderne Maler über die Jahre entwickelte. Die Bandbreite des Dargebotenen ist enorm und der Ausstellungskatalog auch für die, welche die Ausstellung nicht besuchen konnten, ein wunderbarer Überblick über das Leben und Schaffen eines der grössten modernen Künstler.

Fazit:
Alles in allem eine wahre Fundgrube, eine Augenweide und ein Genuss. Einer der grössten Künstler wird kompetent und ästhetisch präsentiert. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
ChagallCoverGebundene Ausgabe: 196 Seiten
Verlag: Hatje Cantz Verlag (1. Februar 2013)
ISBN-Nr.: 978-3775734646
Preis: EUR 19.95 / CHF 27.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension: Frank Berzbach: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen. Anregung zu Achtsamkeit.

Kreativität als ein Leben in Freiheit

Kreativität wird erst zur Lebensform, wenn wir nicht aufhören, darüber nachzudenken, welchen Sinn unsere Arbeit hat, welche Richtung wir einschlagen wollen und wie wir die Welt besser hinterlassen. Die gute Botschaft … besteht darin, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben, die Richtung zu ändern.

Frank Berzbach richtet sich mit diesem Buch an Menschen, für die „Kreativität eine grundsätzliche Lebensform ist“. Im Zentrum steht dabei die Frage „Wie wollen wir leben?“. Der Autor hat mit diesem Buch nicht nur einen Ratgeber unter vielen geschrieben, der zeigen soll, wie das Leben besser wäre. Er hat basierend auf Philosophie, Psychologie und Zen Buddhismus Werte und Wege zusammengetragen, wie das Leben so lebbar wird, wie man sich das selber wünscht.

Sie sind zwar nicht immer ihres Glückes Schmied, aber noch weniger sind sie NUR Opfer der Umstände.

Berzbach geht der Frage nach, was Kreativität ausmacht, wo wir uns beim Leben derselben im Weg stehen und wie wir sie in unseren Alltag integrieren. Er zeigt auf, wie wir diesen Alltag kreativ leben können. Wir alle sind immer äusseren Umständen unterworfen, können selten einfach von jetzt auf gleich alles umkrempeln und nur noch das leben, was wir gerade als für unsere eigene Entwicklung nötig und wichtig erachten. Wichtig ist aber, das Leben mit Achtsamkeit zu beschreiten, die Dinge nicht nur zu tun, weil sie grad gefordert sind. Indem wir uns bewusst werden, was wir selber vom Leben erwarten, können wir dem Leben auch die Richtung geben, die wir uns wünschen, die uns entspricht – und müssen uns nicht nur treiben lassen und Zwängen ausgeliefert sehen.

Bei all dem steht eine Balance zwischen Verstand und Gefühl im Zentrum. Gerade ein kreatives Leben ist auf Gefühle angewiesen, nur die rationale Herangehensweise an die Welt führt zu wenig weit. Trotzdem ist es wichtig, den Verstand zu gebrauchen, denn alles andere wäre dumm:

Dummheit ist entweder fremdgesteuert und hält sich an alle Befehle oder sie ist permanent egoistisch und feiert die prinzipielle Verweigerung.

Wenn zum eigenen Denken dann noch die leidenschaftliche Hingabe an eine Tätigkeit kommt, gepaart mit Achtsamkeit für die eigenen Gefühle und Befindlichkeiten sowie die unserer Umwelt, kommen wir einem kreativen Leben schon viel näher.

Die Formel für Kreativität ist einfach. Finde heraus, was dich belastet, und lese es ab, so, wie man einen übervoll bepackten Koffer abstellt, den man viel zu lange getragen hat. Wenn wir frei sind und uns nichts beunruhigen kann (…), dann wird die in uns befindliche Schöpfung, egal was sie im Einzelnen sein mag, herausfliessen, völlig natürlich und einfach.

Fazit:
Ein inspirierendes und motivierendes Buch, das tief abgestützt ein kreatives Leben und Wege, es zu leben, aufzeigt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Frank Berzbach
Frank Berzbach, geboren 1971, hat in Köln und Bonn Pädagogik, Psychologie und Literaturwissenschaft studiert und an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main promoviert. Nach einigen jahren in der Bildungsforschung war er Fahrradkurier für einen schönen Buchladen. Er unterrichtet Psychologie und Kulturpädagogik an der ecosign/Akademie für Gestaltung und an der Fachhochschule Köln.

Angaben zum Buch:
BerzbachBroschiert:192 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (10. April 2013)
ISBN-Nr.: 978-3874398299
Preis: EUR 29.80 / CHF 45.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Thich Nhat Hanh: Die Heilkraft buddhistischer Psychologie

Schritt für Schritt ins Glück hinein

Sie atmen ein und machen einen Schritt, während sich Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Fusssohle richtet. Wenn Sie noch nicht vollständig, zu hundert Porzent, im Hier und Jetzt angekommen sind, machen Sie noch nicht den nächsten Schritt. […] Der Fuss ist wie ein Siegel, […] Wir sehen den Abdruck der Freiheit, den Abdruck der Festigkeit, den Abdruck des Glücks, den Abdruck des Lebens.

Thich Nhat Hanh lädt den Leser in seinem Buch Die Heilkraft buddhistischer Psychologie ein, den eigenen Geist kennenzulernen, zu sehen, wie er funktioniert und wie man ihn nutzen kann, um hin zu mehr Frieden, Freude und Glück im Hier und Jetzt zu gelangen.

Der buddhistischen Lehre nach ist das Leben Leiden. Dieses Leiden entsteht durch Anhaften an die Dinge, durch die Aufteilung in Konzepte von gut und schlecht, den Wunsch, das Gute zu haben, das Schlechte zu meiden. Wir müssen lernen, die Konzepte aufzugeben, da sie auf einer Konstruktion unseres Geistes beruhen und nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Das Geheimnis des Buddhismus liegt darin, dass er alle Konzepte entfernt, damit die Wahrheit durchdringen und sich selbst offenbaren kann.

Indem wir lernen, diese Mechanismen wahrzunehmen, uns ihrer bewusst zu werden, können wir uns davon lösen und damit auch unsere Anhaftungen an die Dinge aufgeben, was dem Glück in unserem Leben Tür und Tor öffnet.

Unsere Anhaftung an Sichtweisen und Überzeugungen ist eines der grössten Hindernisse für unser Glücklichsein.

In leicht verständlicher Sprache führt Thich Nhat Hanh durch eigentlich komplexe Themen wir den Geist, das Bewusstsein und dessen Fluss, unsere Wahrnehmung und wie sie sich von der Wirklichkeit unterscheidet bis hin zum freien Willen. Durch achtsames Sein im Jetzt finden wir zu mehr Souveränität im Umgang mit uns selber und mit dem Leben. Daraus resultiert nichts weniger als Glück, Freude und Zufriedenheit, innerer Frieden.

Für mich ist Achtsamkeit unsere erstmalige reale Chance auf Freiheit, auf freien Willen.

Einfache Übungen, die sich leicht in den Alltag einbauen lassen, runden das Buch ab, das sich nicht nur an (praktizierende) Buddhisten wendet, sondern allgemein gültige Wahrheiten in sich trägt.

Fazit
Ein tiefgründiges Buch, ein lehrreiches Buch, eines der Bücher, die man liest und viel für sich mitnimmt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

Angaben zum Buch:
ThichNhatHanhHeilkraftTaschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. Mai 2013)
Übersetzung: Ursula Richard
ISBN: 978-3442220151
Preis: EUR: 8.99 ; CHF 14.90
Zu kaufen in einer Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension: Pauline Boss – Da und doch so fern

Abschied ohne Ende

Demenz ist eine Krankheit, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Kaum eine Familie, in der kein Mitglied oder Freund daran erkrankt ist. Kaum eine Familie, in der keiner einen Angehörigen eines demenzerkrankten Menschen kennt und immer mehr Menschen werden zu Angehörigen von demenzerkrankten Menschen.

Liegt bei vielen Büchern der Schwerpunkt auf der Krankheit, auf dem Patienten, wendet sich Pauline Boss den Angehörigen der Patienten zu und zeigt die Schwierigkeiten auf, mit denen diese Angehörigen tagtäglich zu kämpfen haben. Sie zeigt die Trauer über den Verlust, der doppelt schwer ist, weil der Mensch, um den man trauert, noch da ist, aber nicht als der, den man kennt, sondern in einer veränderten und sich immer weiter verändernden Form. Neben der Trauer kommen weitere Probleme wie Erschöpfung, Isolation, Hilflosigkeit und auch Wut ins Spiel. Und als ob das nicht genug wäre, stehen auch Fragen nach Sinn und Hoffnung im Raum und man kämpft mit Schuldgefühlen, wenn man sich überfordert fühlt als Angehöriger und dementsprechend auch mal handelt, wie man das nicht möchte.

Sinn und Hoffnung zu finden, das ist möglich, selbst in einer so herausfordernden Situation wie in der Begleitung einer geliebten demenzerkrankten Bezugsperson. Doch es braucht Strategien, damit dies möglich ist.

Pauline Boss hat Leitlinien entwickelt, die betreuenden Angehörigen helfen sollen, ihre schwierige Situation an der Seite eines demenzerkrankten geliebten Menschen zu meistern. Diese Leitlinien sollen helfen, die Resilienz (Fähigkeit, in Krisen auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zurückzugreifen, und daran zu wachsen) zu erhöhen und Stress abzubauen.

Eine kontinuierliche individuelle Beratung und Begleitung der Angehörigen sind wichtiger als jeder andere therapeutische Ansatz. Patienten sind das „Spiegelbild“ der Angehörigen. Wenn die Angehörigen nicht überfordert sind, nicht argumentativ, sondern verstehend mit den demenzerkrankten Personen umgehen, fühlen sich die Betroffenen sicher, und es entstehen weniger Verhaltensstörungen.

Wichtig ist wohl die Einsicht, dass es keine perfekten Beziehungen gibt, schon gar nicht in Bezug auf demenzerkrankte Menschen. Ziel soll es sein, so Pauline Boss, genügend gute Beziehungen zu haben. Dies ist nicht einfach, da man immer weiss, wie Beziehungen mal waren und nun einer veränderten Beziehung gegenüber steht, in der einem vieles fehlt, was früher Kern der Beziehung war.

Es ist besonders schwierig, einen Sinn darin zu sehen, weil ein geliebter Mensch gleichzeitig da und doch so fern ist. Die Beziehung, die Sie einmal zu ihm gehabt haben, hat sich grundlegend gewandelt. Es fühlt sich so an, als ob eine fremde Person zu Hause wäre. Nichts ist klar und endgültig. Sie befinden sich in einer Warteschleife, ohne die Möglichkeit zu trauern oder einen Sinn darin zu sehen.

Pauline Boss versucht, Angehörigen Mut zu machen, sie zeigt Wege auf, mit der schweren Situation umzugehen. Sie zeigt die Wichtigkeit, sich auch als Angehöriger eines demenzerkrankten Menschen nicht selber zu vergessen, sondern sein eigenes Leben achtsam gegen sich zu leben. Sehr zentral ist dabei auch der Umgang mit Menschen, um nicht in eine Isolation zu geraten.

Der Umgang mit Demenz ist schwer, er ist körperlich wie seelisch belastend. Die Hilflosigkeit und der Verlust der Kontrolle lösen Stress aus und die Unabwendbarkeit lässt Wut und das Gefühl von Sinnlosigkeit aufsteigen. Sich den Gefühlen zu stellen, ist wichtig, gewisse Situationen in ihrer Absurdität zu erkennen und auch darüber zu lachen, kann dem Ganzen ab und an den Schrecken nehmen. Das Akzeptieren, dass die Beziehung nicht mehr ist, wie sie mal war, aber eine neue entsteht, kann mit der Zeit entlasten und die Trauer etwas mildern.

Die Anforderungen an betreuende Angehörige sind so hoch. Wie kann ich mich da noch um mich selber kümmern?

Es ist wichtig zu sehen, dass man nicht alleine ist, dass man Hilfe annehmen darf, dass man auch zu sich schauen soll, nicht nur für den anderen da sein muss. Pauline Boss zeigt Mittel und Wege, wie man als Angehöriger einen Weg finden kann, mit den Herausforderungen der Begleitung und Betreuung eines demenzerkrankten Menschen umgehen kann. In einem Anhang findet man weiterführende Informationen und Empfehlungen der Herausgeberinnen sowie Literaturtipps.

Fazit:
Ein schwieriges Thema von einer neuen Seite angepackt. Ein Buch, das Angehörigen von Demenzkranken Mut machen und ihnen Wege zur besseren Bewältigung ihrer Rolle aufzeigen will. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Pauline Boss
Pauline Boss, PhD, ist emeritierte Professorin an der Universität Minnesota und hielt eine Gastprofessur an der Harvard Medical School inne. Bekanntheit erlangte sie mit ihren bahnbrechenden Untersuchungen zur Stressreduktion bei Personen, deren Angehörige oder Freunde von Demenz betroffen sind.

Dr. med. Irene Bopp-Kistler (Hg.)
Irene Bopp-Kistler hat an der Universität Zürich Medizin studiert und sich zur Fachärztin für innere Medizin ausbilden lassen. Später spezialisierte sich Bopp auf das Gebiet der Geriatrie. Heute ist sie leitende Ärztin der Memory-Klinik Waidspital Zürich. Ein grosses Anliegen ist ihr die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Sie hält Vorträge und publiziert Schriften zum Thema Demenz.

Marianne Pletscher (Hg.)
Marianne Pletscher hat seit den frühen 1970er-Jahren für das Schweizer Fernsehen gearbeitet, unter anderem als Newsredaktorin, Kassensturz- und Rundschaureporterin, Auslandkorrespondentin und Produzentin. Seit rund 20 Jahren arbeitet sie fast ausschliesslich als Dokumentarfilmerin. Zum Thema Demenz hat sie die Filme »Glück im Vergessen?« (2009), »Behütet ins gemeinsame Boot« (2012) und »Sinn und Hoffnung Finden« (2013) realisiert. Zudem ist sie als Dozentin für Dokumentarfilm tätig.

Angaben zum Buch:
BossDaGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: rüffer & rub Sachbuchverlag (12. September 2014)
ISBN-Nr.: 978-3-907625-74-3
Preis: EUR 29.80 / CHF 36

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. rüffer & rub, AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Samira Zingaro – Nachgefragt

zingarosamiraSamira Zingaro (1980) studierte Medien- und Religionswissenschaften an der Universität Fribourg. Sie war als Journalistin für verschiedene Printmedien tätig und arbeitet seit 2011 fürs Schweizer Fernsehen.
Samira Zingaro hat mir im Zusammenhang mit ihrem Buch „Sorge dich nicht!“ – Vom Verlust eines Bruders oder einer Schwester durch Suizid einige Fragen beantwortet.

 

Suizid ist auch heute noch ein Tabuthema, was interessiert Sie daran?

Grundsätzlich wird das Thema heute weniger tabuisiert als noch vor ein paar Jahren. Mich persönlich interessiert unter anderem, wie es Angehörigen gelingt, nach einem solchen Todesfall in der Familie weiterzuleben.

Wieso wollten Sie dieses Buch schreiben? Hat es eine Vorgeschichte?

Ich habe selbst ein Geschwister durch Suizid verloren und stellte daraufhin fest, dass es kaum Literatur gibt zum Thema Geschwistertrauer, noch weniger zu hinterbliebenen Geschwistern nach Suizid.

Was ist an der Geschwisterperspektive besonders? Wieso wählten Sie diese Perspektive?

Eine Geschwisterbeziehung ist eine interessante Konstellation: Sie kann zu den längsten im Leben gehören. Sie kann, muss aber nicht immer harmonisch sein. Ich wählte unter anderem diese Perspektive, weil Geschwister durch die gemeinsame Kindheit meist ähnlich sozialisiert werden. Auch gehören sie der gleichen Generation an. Ein Suizid wirft viele Fragen auf, bezogen auf ein Geschwister etwa: Wie grenzt man sich als Bruder oder Schwester von dem Entscheid des Geschwisters ab? Wie verhält man sich gegenüber den trauernden Eltern? Rückt die eigene Trauer durch die Sorge um sie in den Hintergrund? Im Gegensatz zu den Eltern stehen die hinterbliebenen Geschwister oft mitten im Leben, wenn ein Suizid passiert.

War es schwierig Betroffene zu finden? Wie sind Sie bei der Suche vorgegangen?

Die Suche nach Betroffenen war nicht so schwierig, es gibt in unserer Gesellschaft unzählige Hinterbliebene nach Suizid. Ich habe die Protagonisten einerseits selbst gefunden, anderseits wurde sie mir auch von Bekannten vermittelt.

Fühlten Sie selber Hemmungen im Gespräch mit den Geschwistern? Mit welchen Schwierigkeiten sahen Sie sich konfrontiert?

Die grösste Herausforderung war es, die Geschwister davon zu überzeugen, so viel Persönliches über sich zu erzählen. Ich musste das Vertrauen gewinnen und immer wieder überprüfen, ob ich ihre Geschichte, ihre Erinnerungen, Gedanken und Gefühle auch richtig verstanden habe.

Sie führten die Gespräche mit den betroffenen Geschwistern teilweise über Jahre, wie erlebten Sie diese lange Zeit? War das Thema ständig präsent oder mussten Sie es zu jedem Gespräch neu heraufholen?

Die Gespräche über all diese Monate hinweg waren sehr bereichernd. Es ist klar, dass das Thema Suizid während der Treffen und im Schreibprozess sehr präsent war, da ich aber neben dem Schreiben noch beruflich eingespannt war, habe ich mich zwischendurch immer auch mit anderen Themen beschäftigt.

Hat sich Ihre eigene Sicht auf das Thema Suizid verändert durch diese Gespräche?

Vielleicht insofern, dass ich nun viel mehr über dieses Thema weiss.

Was erhoffen Sie sich durch das Buch? Was wollen Sie damit bewirken?

Die Geschichten im Buch sollen Mut machen, denn sie erzählen von Hinterbliebenen, die trotz dieses Schicksalsschlags nicht nur überleben, sondern weiterleben. Auch sollen die Porträts für mehr Verständnis sorgen, denn oft wissen Bekannte nicht, wie mit Trauernden umzugehen.

Haben Sie Reaktionen erhalten?

Ja, bis jetzt habe ich sehr viele positiven Rückmeldungen erhalten.

Ist die heutige Gesellschaft wirklich so aufgeklärt, wie wir gerne glauben oder stecken wir doch noch in stark verurteilenden Wertemassstäben fest?

Eine interessante Frage. Die unterschiedlichen Geschichten und Begegnungen zu Suizid zeigten mir, dass zu diesem Thema immer noch sehr viel Stigmata und rasch gefällte Urteile vorherrschen. Suizid wird zum Teil immer noch als Versagen gewertet – Versagen des Suizidenten, aber auch Versagen der Angehörigen.

Oft hört man, Suizid sei feige, einer Ihrer Interviewten meinte, er hätte seinem Bruder den Mut, den endgültigen Schritt zu gehen, nicht zugetraut. Was ist es denn nun? Feigheit oder Mut? Oder etwas Drittes?

Was Suizid für jemanden bedeutet, muss jeder für sich entscheiden. Für mich haben beide Wörter, Feigheit oder Mut, viel mit Bewertung zu tun und ich masse mir nicht an, einen solchen Schritt zu bewerten. Der Porträtierte brauchte das Wort Mut nicht im heroischen Sinne. Es braucht vielmehr Kraft, etwas zu tun, das mit dem Überlebenswillen, dem Urtrieb des Menschen, so gar nicht kompatibel ist. Warum sich jemand umbringt, kann nur der Suizident selbst für sich sagen.

Noch eine kritische thematische Frage: Es gibt ein Recht auf das eigene Leben – es ist, wie die Würde, unantastbar. Heisst das, dass auch ich selber mein Leben nicht antasten darf oder aber, dass mein Recht auf mein Leben auch das Recht auf dessen Ende beinhaltet?

Das ist eine philosophische, vielleicht auch religiöse Frage. Welche Haltung beim Thema Suizid jemand einnimmt, muss jeder für sich entscheiden. Wichtig erscheint mir aber zu erwähnen, dass jeder, der sich das Leben nimmt, immer auch Angehörige hinterlässt, die mit der grossen Belastung weiterleben müssen.

Was ist ihr persönliches Fazit zu diesem Thema und ihrem Buch?

Es ist wenig ergiebig, danach zu fragen, warum sich jemand das Leben genommen hat, auch wenn Angehörige die Frage oft lange quält.

Was würden Sie sich wünschen im Umgang mit diesem Thema?

Mehr Sensibilität, weniger Spekulationen.

Ich bedanke mich sehr herzlich für diese ausführlichen Antworten!

Samira Zingaro: „Sorge dich nicht!“

Vom Verlust eines Bruders oder einer Schwester durch Suizid

Das Leben geht weiter – aber wie?

„Ich nehme mir jedes Jahr an ihrem Todestag frei, das weiss mittlerweile auch mein Arbeitgeber. Das ist mein Ritual, es ist mein Tag, es ist ihr Tag. Dann setze ich sie wieder auf den Olymp.“

Wenn sich jemand das Leben nimmt, bleiben Menschen zurück. Familie, Freunde, Bekannte. Vor allem auf Familien hat Suizid eine enorme Wirkung, er reisst eine Lücke in ein System, das sich nachher neu organisieren muss. Eltern und Geschwister müssen mit dem Verlust, ihrer Trauer und der Frage nach dem Warum, die oft von Schuldgefühlen begleitet ist, umgehen.

Samira Zingaro befasst sich in ihrem Buch „Sorge dich nicht!“ mit der Situation der Geschwister nach einem Suizid. Wie trauern sie, was geht in ihnen vor, wie geht ihr Leben nach so einem Verlust weiter?

„Hinterher ertrage ich es manchmal fast nicht, dass ich so naiv war und annahm, dass er einen Weg aus seiner Krise finden würde. Ich hätte nicht gedacht, dass er so weit gehen würde.“

Das Buch vereint verschiedene Porträts von Geschwistern, die nach den Suizid ihres Bruders oder ihrer Schwester ihr Leben weiter führen mussten. Zingaro traf diese Geschwister teilweise über einen längeren Zeitraum, sprach mit ihnen, hörte ihnen zu. Entstanden sind sieben Geschichten, die sich alle voneinander unterscheiden. Sie zeigen, dass Trauer unterschiedlich ist und der Umgang mit dem Tod ebenso. Sie zeigen auch, dass Suizid auch heute noch ein Tabuthema ist, mit dem sich die Menschen schwer tun.
Abgerundet wird das Buch durch ein Interview mit Ebo Aebischer-Crettol, dem Pionier der Internet-Seelsorge, und dem Psychiater Thomas Reisch, seit Jahren zum Thema Suizid forschend, welche ihre Erfahrung mit dem Thema Suizid darlegen.

Fazit:
Sachlich, auf den Punkt gebracht. mit dem nötigen Feingefühl und viel Offenheit geht Zingaro ein sensibles Thema an. Empfehlenswerte Lektüre.

Zum Autor
Samira Zingaro (1980) studierte Medien- und Religionswissenschaften an der Universität Fribourg. Sie war als Journalistin für verschiedene Printmedien tätig und arbeitet seit 2011 fürs Schweizer Fernsehen.

Ein Interview mit der Autorin findet sich hier

ZingaroSorgeAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: rüffer & rub Sachbuchverlag (11. Oktober 2013)
Preis: EUR 28.80 ; CHF 38.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Salman Ansari: Rettet die Neugier!

Kindern die Möglichkeit der eigenen Erfahrung lassen

Kinder werden immer noch früher in Schubladen gepresst, welche einzig dazu dienen, die von Erwachsenen als relevant erachteten Wissensinhalte zu lernen, möglichst nach vorgegebenen Zeitplänen. Dabei wird die Kreativität, die Neugier von Kindern, die Fähigkeit, selber zu denken und Dinge zu entdecken nach und nach unterdrückt und kaputt gemacht. Die heutigen Bildungsinhalte und Vermittlungsstrategien sind alles andere als kindgerecht, im Gegenteil, sie ignorieren das kindliche Wesen.

Die Möglichkeiten für Kinder, eigene Erfahrungen zu machen, werden immer weiter eingeschränkt. […] Auf der anderen Seite wächst der Druck auf sie, Kompetenzen zu erwerben, die aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht altersgemäss sind.

Schaut man auf Hirn- und Lernforschung, zeigt sich deutlich, dass die Inhalte, die man selber erfahren kann, die mit der eigenen Neugier erforscht werden und zu denen man eine Beziehung aufbaut, Früchte tragen. Bietet man dem Kind eine kindgerechte Lernumgebung, unterstützt es in seinem kindeigenen Weg, Erfahrungen zu machen und die Welt zu entdecken, wird ihm das nicht nur in Hinsicht auf die eigene Persönlichkeitsentwicklung helfen, sondern es auch zu einem selbstbewussten, lebensfähigen Menschen ausbilden, der sich durch Kreativität und Neugier im Leben zurechtfindet.

Das Entlang-Gejagtwerden längs den Gleisen des Systems bildet nicht. Wir wollen Gleisleger erwecken, nicht Gleisfahrer machen.
(Martin Wagenschein)

Salman Ansari weist in diesem Buch auf die Schwächen der heutigen Bildungs- und Erziehungsstrategien hin und zeigt neue Wege auf, die dem Kind und dessen Entwicklung angepasst sind und mithelfen, dem Kind den Freiraum und die Möglichkeiten zu bieten, seine Fähigkeiten zu erkennen und auszubauen. Bildung soll, so Ansari, nicht blosses Faktenpauken sein, das von Erwachsenen auf die Kinderseele gedrückt wird und diese so unterdrückt, sondern eine Erfahrung auf einer Ebene, die das Kind seine eigenen Wege finden lässt. Kinder lernen besser und freudiger, wenn man sie bei ihrer Neugier packt und ihnen nicht alles vorgefertigt und abstrakt überstülpt.

Anhand von anschaulichen Beispielen zeigt Ansari Mittel und Wege, wie man Kinder nicht zu abgestumpften Lernmaschinen, sondern zu lernfreudigen und selber denkenden Wesen erziehen kann. Das trägt dem Artikel 29 der UN-Kinderrechtskonvention Rechnung, welcher fordert, dass Bildung darauf ausgerichtet sein soll,

die Persönlichkeit, die Begabung und die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes voll zur Entfaltung zu bringen […und] das Kind auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft im Geiste der Verständigung, des Friedens, der Toleranz, der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Freundschaft zwischen allen Völkern und ethnischen, nationalen und religiösen gruppen sowie zu Ureinwohnern vorzubereiten [sowie] dem Kind die Achtung vor der natürlichen Umwelt zu vermitteln.

Es gilt, so Ansari, Kindern nicht vorgefertigte Antworten zu liefern, sondern sie sollen selber Antworten auf das Leben und die Umwelt finden, die sie umgeben. Auf diese Weise benutzen sie ihre Kreativität und entwickeln eigenständige Ideen. Dazu bedarf es keines herausragenden IQs, sondern stimulierender Herausforderungen.

Fazit:
Ein Buch, das Pflichtlektüre für Eltern und Erzieher an Institutionen sein sollte. Ein Buch, welches Kinder in ihrer Persönlichkeit respektiert, schützen will und Möglichkeiten aufzeigt, aus ihnen selbstbewusste, kreative und lebenstüchtige Erwachsene zu machen, sie aber auf diesem Weg Kinder sein lässt .

Zum Autor
Salman Ansari
Salman Ansari wurde 1941 in Indien geboren. Er ist promovierter Chemiker und Lernpädagoge. Nach mehr als drei Jahrzehnten an der Odenwald-Schule arbeitet er am Kieler Leibnitz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Entwicklung von Unterrichtsmodellen und professionalisiertem Lehrerhandeln mit. Seit mehreren Jahren arbeitet er auch im Elementarbereich. Er ist Dozent und Buchautor. Von ihm erschienen sind unter anderem Schule des Staunens (2009) und Rettet die Neugier (2013).

AnsariNeugierAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Fischer Verlag (25. April 2013)
ISBN-Nr.: 978-3810501929
Preis: EUR  18.99 / CHF 31.90

Online zu kaufen bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Carlin Flora: Richtig gute Freunde

Eine freundschaftsähnliche Beziehung ist eine soziale Beziehung, in der sich die Partner in Zeiten der Not entsprechend ihren Fähigkeiten unterstützen und in der dieses Verhalten zum Teil durch positive Emotionen zwischen den Partnern motiviert ist.

Diese universal gültige Definition von Freundschaft stammt vom Anthropologen Daniel Hruschka. Sie zeigt Freundschaft als eine Beziehung zwischen Menschen, die füreinander da sind und sich wohlgesonnen sind. Carlin Flora geht in ihrem Buch Richtig gute Freunde dem Thema Freundschaft auf den Grund. Sie beleuchtet, wie Freundschaften entstehen, worauf sie gründen, wie sie bestehen bleiben und was sie dem einzelnen Menschen bringen.

Dass Menschen sich anfreunden hat verschiedene Gründe. Die einen sind sicher evolutionärer Natur, da schon früh klar war, dass man miteinander bessere Chancen zu überleben hat als alleine. Auch im Gehirn lassen sich Strukturen feststellen, die Freundschaften fördern. Je nach Grösse des Gehirns ist das entsprechende Lebewesen zu einem grösseren oder kleineren Freundeskreis angelegt. Wonach aber sucht man Freunde aus? Misst man der Partnerwahl sehr viel Zeit und Überlegungen zu, scheint das bei Freundschaften nicht der Fall zu sein, sie passieren eher zufällig.

Flora nennt verschiedene Parameter, welche Freundschaften wahrscheinlicher werden lassen. Einerseits ist die Nähe und das häufige Sehen sicher ein ausschlaggebender Punkt, damit eine Freundschaft überhaupt entstehen kann. Des Weiteren ist die Ähnlichkeit bei Interessen, Wertvorstellungen und Verhaltensmustern oft ausschlaggebend, hilft zumindest, langfristige Beziehungen entstehen zu lassen. Indem man den anderen einschätzen kann, weil er Ähnlichkeiten mit einem selber aufweist, ist es leichter, ihm zu vertrauen, sich ihm auch nahe zu fühlen.

Freundschaften sind nicht nur schön zu haben, weil man sich nicht alleine, sondern immer aufgefangen fühlt. Sie haben auch positive Effekte auf den einzelnen Menschen. Freundschaften scheinen aus Menschen gesündere, selbstbewusstere und fröhlichere Menschen zu machen, während mangelnde Freundschaften zu Depressionen, kognitivem Verfall und gar Suchtverhalten führen kann. Des Weiteren prägen Freundschaften unser Denken, Fühlen und Handeln, dies sogar oft mehr als Verwandte oder Beziehungen.

Richtig gute Freunde beleuchtet das Thema Freundschaft von verschiedenen Seiten, verweist auf unterschiedliche Studien und Theorien, greift zu Beispielen mitten aus dem Leben, um die einzelnen Themenkreise bildhaft darzustellen. Neue Erkenntnisse gewinnt man dadurch nicht, das Buch hilft aber, den Wert von Freundschaften wieder deutlich vor Augen zu sehen und dankbar für die eigenen zu sein.

Fazit:
Gut lesbares, breit abgestütztes Buch zum Thema Freundschaft.

FloraFreundeAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (25. März 2013)
Übersetzung: Gabriele Lichtner
Preis: EUR 8.99 ; CHF 14.90

Online zu kaufen bei AMAZON.DE und BOOKS.CH