Ingeborg Bachmann/Max Frisch: „Wir haben es nicht gut gemacht“

Lesegedanken zum Briefwechsel

Langsam lese ich mich durch die Briefe hindurch, tauche ein in diese verzweifelte Sehnsucht nach Liebe von Ingeborg Bachmann. Ich habe viel gelesen über sie, von ihr, und doch öffnet dieses Buch einen neuen Blick auf alles. Zu sehen, wie sie hängt zwischen den Stühlen, wie sie vergeblich versucht, sich zu erklären, dann sich zu lösen, dann wieder aufgibt und der Trauer freien Lauf lässt, dem Unverständnis, wie es hat kommen können, wie es ist. All das berührt mich sehr, bewegt mich, zieht mich mit und in das Buch hinein. Sie wächst mir ans Herz, mehr und mehr.

Ein tiefes Buch, keines, das sich einfach weglesen lässt, keines, das ich einfach so nebenbei lesen kann und will. Ich möchte es leben, mitleben, erleben, erfühlen.

Und doch kommt ab und zu der Gedanke auf: Das war nicht für mich bestimmt. Und doch kann ich mich dem nicht entziehen. Ich versuche, dem Buch, dem Inhalt, den beiden Menschen dahinter, mit dem nötigen Respekt und einer wertungsfreien Offenheit zu begegnen. Ich versuche, dem Vertrauen, das sie mir schenken müssten, sich mir so zu offenbaren, gerecht zu werden.

Und immer wieder staune ich, was Bücher bewirken können, was sie bewegen, auslösen können. Und ich bin dankbar, habe ich die Möglichkeit, immer wieder in diese Welten einzutauchen.

Lesemonat Januar

Man könnte sagen, bei mir fliesst alter Wein in neuen Fässern, denn es ist im neuen Jahr alles so, wie das alte es hinterliess, und so kommt es, dass auch im Januar gelesen wurde. Den Anfang machte Michelle Obama mit ihrem neuen Buch «Das Licht in uns». Nachdem dieses Licht mal entdeckt war, ging es mit Selbstliebe und Aufforderungen zur Lebensänderungen weiter (ein grossartiges Buch, das mir ans Herz gegangen ist). Mit Jay Shetty wurde es dann wieder seichter, Osho toppte das noch. Gekämpft habe ich mit Audre Lorde. Schön daran war, dass ich es nicht alleine las, die Diskussion zum Buch steht noch aus, ich weiss nur, meiner Mitleserin ging es wie mir: Diese Wut und so vieles war uns zu fremd.

Das grosse HIghlight im Januar war Karl Jaspers mit seinen grossen Philosophen, eine wunderbare MIschung aus Ost und West mit tiefgründigen Texten zu Leben und Werk. Von Viktor E. Frankl holte ich mir Ermutigungen für schwierige Zeiten (die ich zum Glück aktuell nicht habe). Danach ging ich mit Alan Watts auf Glückssuche, um am Schluss mit Nietzsche zu schauen, was so ein Leben überhaupt ausmacht und wie es gelebt werden sollte. Eine spannende Lesereise.

Es wurden 10 Bücher, mehrheitlich in Spanien gelesen bei wunderbaren 20 Grad. Wieder zuhause bin ich noch nicht so im Lesen angekommen, dafür habe ich die ganzen Bücherregale umgeräumt, um sie für meine neuen Projekte und weiteren Leseabsichten passend zu haben. Vielleicht schwang auch ein wenig die Freude mit, wieder mit all meinen Büchern vereint zu sein – für mich ein Gefühl von Heimat, frei nach dem Motto:

«My Home is, where my books are.»

Ich habe beschlossen, wieder mehr über Bücher zu schreiben, was ich nun doch eine Zeit lang vernachlässigt habe. Einerseits, weil Bücher seit ich denken kann einen zentralen Wert in meinem Leben habe und ich gerne zum Lesen anrege, vor allem weil ich der Überzeugung bin, dass Bücher gute Freunde sein können, die einem mit Trost, Freude und auch neuen Einsichten das Leben bereichern können.

Was waren eure Lesehighlights im Januar?

Hier die ganze Liste

Michelle Obama: Das Licht in uns. Halt finden in unsicheren ZeitenEin sehr authentisches, offenes Buch über das Leben, über Beziehungen, ein Buch über Selbstzweifel, die auch nicht aufhören, wenn man es nach aussen „geschafft hat“. Ein Buch darüber, wo wir Kraft finden können, wenn es schwierig wird, und darüber, dass wir hinstehen müssen und können, wenn wir etwas bewirken wollen – für uns und für andere. Ein Blich in die Lebensgeschichten von Michelle Obama, das berührt, weil es von Herzen zu kommen scheint. 5
Rüdiger Schache:Die Selbstliebe-Illusion. 7 grosse Selbstliebe-Irrtümer – und wie du wirklich bei dir ankommst. Ein Buch darüber, dass wir uns nicht mehr lieben müssen, sondern anfangen, uns nicht mehr abzulehnen. Indem wir erkennen, wer und was wir wirklich sind und wollen im Leben, können wir zu dem Menschen werden, der wir sein wollen und tief im Herzen auch sind. Die Selbstliebe wird dann von selbst kommen. Etwas seicht, aber leicht und flüssig zu lesen und zum Nachdenken anregend.4
Wayne Dyer: Ändere deine Gedanken und dein Leben ändert sich. Die lebendige Weisheit des TaoInterpretationen der 82 Verse des Tao te Kings, Gedanken und Meditationen über die Inhalte, lebenspraktisch, teilweise persönlich, zum Nachdenken und ins eigene Leben Integrieren anregende Texte. Ein gedankliches Kleinod, ein zu Herzen gehendes und da wirkendes Buch. 5
Jay Shetty: Ruhe in dir. Zeitlose Weisheiten für ein selbstbestimmtes LebenJay Shetty erzählt von seinem Alltag als Mönch im Ashram und greift auf die Methoden der Mönche zurück, um zu zeigen, wie ein selbstbestimmtes und gelingendes Leben erreicht werden kann. Durch Selbsterkenntnis, Annehmen der Umstände, Loslassen des falschen Strebens und Dankbarkeit für die Gaben des Lebens können wir an einen Punkt kommen, mit uns und andern in Frieden und Harmonie zu leben – nach unseren Werten.4
Osho: Tantra. Die höchste EinsichtAbgebrochen – Ein Kommentar zum tantrischen Buddhismus. Sehr ausführliche und mit Beispielen versehen Eklärung des „Gesangs vom Mahamudra“ – leider zur falschen Zeit, da im Moment zu blumig. Zudem zu viele Wiedreholungen, zu  viel Geplauder.
Audre Lorde: Sister OutsiderEin Zeugnis der Wut einer schwarzen, lesbischen, feministischen, alleinerziehenden Mutter und Uni-Dozentin, welche diese ergründet, in Geschichten erläutert und, gezielt eingesetzt, als Motivation für den Kampf gegen die Unterdrückung propagiert. Ein Einblick in die Welt einer Schwarzen und was es bedeutet, mit dieser Hautfarbe auf die Welt gekommen zu sein in den herrschenden Herrschaftsverhältnissen. Manchmal ein wenig zu schwarz-weiss, mitunter aber auch ein kraftvoller Aufruf für mehr Miteinander im Kampf für eine gemeinsame gerechtere Welt. 5
Karl Jaspers: Die grossen PhilosophenEinblicke ins Denken grosser Philosophien. Kein schlichtes Zusammenfassen oder Darlegen, sondern ein analytisches Ergründen und Durchdenken. Sowohl Erläuterung wie auch Schulung im Selberdenken, Hinterfragen, genauer Lesen. Ein grossartiges Buch, ein Buch, das nachhallt und zum tiefer Graben und Weiterdenken inspiriert. 5
Viktor E. Frankl: Zeiten der Entscheidung. ErmutigungenEin Werkzeugkasten aus ausgewählten Texten mit Fallbeispielen aus dem Gesamtwerk Frankls, der dazu dienen soll, gerade in schwierigen Zeiten als Anleitung zum gelingenden und sinnerfüllten Leben zu dienen. Teilweise in wissenschaftlichem Jargon verfasst bieten die einzelnen Texte eine Einsicht ins Denken und Arbeiten Frankls und in seine Logotherapie, es sind Texte, die darauf bauen, dass der Mensch für ein gelingendes Leben einen Sinn braucht und er frei ist, auf eine gute Weise auf das, was das Leben bringt zu reagieren.4

Lesemonat Dezember

Schon wieder ist ein Monat vorbei, ein neuer hat begonnen. Zeit, zurückzuschauen, Bilanz zu ziehen. Es war (wettertechnisch) ein grauer Monat, die Sonne fehlte, es war zeitweise kalt. Die Kälte fürchtete ich dieses Jahr, da ich schnell friere und es hiess, man dürfe nicht mehr voll heizen (bei mir muss es immer sehr warm sein). Dann kam ein Moment, als ich plötzlich dachte: Das wird auch gehen, das wird kein Problem sein, wenn es denn so ist. Und siehe da: Es war keines. Ich heizte lange gar nicht, danach minim. Und ich fror nicht, es war angenehm. In mir kam der Gedanke auf, dass die Dinge oft sind, wie wir sie uns vorstellen, wir unsere (auch körperlichen) Wahrnehmungen über diese steuern (können!). Ich hoffe, ich kann das in Zukunft auch gezielt nutzen.

Zu den Büchern:

Es war lesetechnisch ein Monat für die Innenschau, einer, der sich mit dem Menschsein beschäftigt, mit körperlichen und seelischen Belangen des Lebens. Es war ein Monat, in dem ich merkte, dass man auch zu viel lesen kann über ein Thema, zumindest in kurzer Zeit, denn gegen den Schluss merkte ich, dass ich genug hatte von indischen Konzepten und „Welt-Theorien“ und mir ein wenig die westliche Rationalität fehlte. Der Januar wird dem wohl ein wenig Rechnung tragen. Der Dezember war generell sehr von einer Innenschau geprägt, was vielleicht auch mit dem nahenden Jahresende zusammenhing: Was will ich, wo will ich hin, wie geht es weiter? Was ist wirklich (!) mein (!) Interesse, und wo denke ich, es interessant finden und vertiefen zu müssen – aus welchen Gründen auch immer?

Hier die Liste meiner Bücher im Dezember:

Andreas Salcher: Die grosse Erschöpfung und die Quellen der KraftWas treibt immer mehr Menschen in die Erschöpfung und wie können sie lernen, dies zu vermeiden, einen Weg der Kraft zu finden? Andreas Salcher analysiert die grossen Kraftfresser der Zeit, die mehrheitlich im Menschen selbst und nicht in den äusseren Umständen liegen, um dann Mittel und Wege aufzuzeigen, wie wir mehr Kraft finden können, und damit mehr Lebenssinn und -lust zu gewinnen. 4
Dr. Mariza Snyder: Aromatherapie für entspannte Wechseljahre. Mit ätherischen Ölen Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit und Schlafstörungen lindernWechseljahre sind keine Krankheit und kein Fluch, sie sind eine Chance, das Leben nochmals neu in die Hand zu nehmen. Damit das gelingt, gilt es, unseren Hormonhaushalt im Auge zu haben, damit er in einer gesunden Balance bleibt. Ätherische Öle können hier helfen. Mariza Snyder gibt nicht nur die passenden Öle für verschiedene Beschwerden an die Hand, sie hat auch ein 21-Tageprogramm für eine hilfreiche Lebensumstellung entwickelt, um das Leben auch nach der Menopause lust- und kraftvoll leben zu können. 4
Christiane Wunderlich: 6 Schritte zur Achtsamkeit. Ein Stressbewältigungsprogramm für mehr Gelassenheit und Lebensfreude.Stress – ein Wort in aller Munde, die Krankheit unserer Zeit. Was bedeutet Stress und wie kann ich lernen, besser mit herausfordernden Situationen umgehen. Ein Sammelsurium von Einsichten und Übungen für ein Leben mit mehr Ruhe und Gelassenheit.3
Eckard Wolz-Gottwald: DIe Bhagavadgita im Alltag leben. Die vier grossen Übungswege des YogaEine historische und kontextuale Einordnung der Bhagavadgita in die hinduistische Tradition und Religion sowie die Erläuterung der vier dargestellten Yogawege Karma-Yoga, Jnana-Yoga, Bhakti-Yoga und Dhyana-Yoga. Zu jedem Weg werden verschiedene Übungen vorgestellt und beschrieben, so dass der interessierte Leser die vorgestellte Philosophie praktisch umsetzen kann. 4
Lucia Schmidt: Das Rückenheilbuch für Frauen. Die weibliche Anatomie verstehen und die Rückengesundheit nachhaltig stärkenEin überblick über den menschlichen Körper mit seinen Zyklen, den damit zusammenhängenden Hormonen und möglichen Disbalancen und andere mögliche Ursachen für Rückenschmerzen, sowie ein praktischer Teil mit Übungen, diesen vorzubeugen und den Rücken nachhaltig zu stärken. 4
Liane Dirks: Sein & WerdenWie komme ich mir selber auf die Spur? Liane Dirks macht mit dem Leser eine Reise durch sein Leben, lässt ihn sich selbst mit Papier und Stift hinterfragen, denn sie ist sich sicher: Schreibend erfahren wir genauer, was wir denken, wir dringen tiefer in uns. Es ist ein Weg, der Mut braucht, doch er lohnt sich, gegangen zu werden, denn das, was es zu entdecken gilt, ist das, was in uns steckt, wenn wir aufgeben, was und wer wir zu sein glauben, um zu werden, wer wir wirklich sind – weil wir dies erkannt haben.4
Anna Trökes: Die kleine Yoga Philosophie. Grundlagen und Übungspraxis verstehenEine Einführung in die verschiedenen historischen Texte des Yogas mit ihren Konzepten und Ausrichtungen. Ein fundierter, umfassender Überblick über die Yogaphilosophie und den Yogaweg. 5
Bernie Clark: Das grosse Yin Yoga BuchEin umfassender Überblick über die Theorie hinter dem Yin Yoga, sein Zusammenspiel von chinesischer Medizin und herkömmlichem Yoga. Einführung in 25 Asanas und Auflistung ihrer Wirkungen auf die verschiedenen Ebenen des Seins, sowie Zusammenstellungen von Flows für verschiedene Körperregionen. 5
Karin Kuschik: 50 Sätze die das Leben leichter machen. Ein Kompass für mehr innere SouveränitätTeilweise interessante Sätze, allerdings alles zu lang und oft etwas zu einfach gedacht, wie mir scheint. Trotzdem unterhaltsam, wenn man es einfach überfliegt.3
Eva Kalbheim: Resilienz für DummiesEine Einführung ins Thema Resilienz, was sie bedeutet, was resiliente Menschen auszeichnet und wie man sie erwerben kann. Die sieben Säulen der Resilienz (Optimismus, Akzeptanz, Handlungsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Lösungsorientierung, Netzwerkpflege und Zukunftsplanung) werden vorgestellt, und aufgezeigt, wie man sie in verschiedenen Lebensbereichen einsetzen kann. Für mich ein wenig zu seicht mit zu vielen Wiederholungen.3
B. K. S. Iyengar: Licht fürs LebenEine Einführung in die yogische Lebensreise von Aussen nach Innen, vom Leben in der Welt über die einzelnen Stufen des achtstufigen Pfades bis hin zu Samadhi, immer mit dem Hintergrund, aus dieser Haltung heraus in die Welt zu gehen und zu wirken. Inspirierend, authentisch, tiefgründig, informativ. 5
Jean-Pierre Critin: Ayurvedische PsychologieAbgebrochen – Eine Einführung in die Lehren der Ayurvedischen Psychologie, die auf der ganzheitlichen Sicht des Menschen aufbaut und mit vielfachen Methoden zur Gesundherhaltung – was eine Balance der in ihm wirkenden Kräfte bedeutet – des Menschen. Abgebrochen. Sehr fundiert. Leider zur falschen Zeit, da im Moment zu viel an Wiederholung von gerade Gelesenem. 5
Osho: Tantra. Die höchste EinsichtAbgebrochen – Ein Kommentar zum tantrischen Buddhismus. Sehr ausführliche und mit Beispielen versehen Eklärung des „Gesangs vom Mahamudra“ – leider zur falschen Zeit, da im Moment zu blumig.4

Was habt ihr im Dezember gelesen? was waren eure Highlights?

Tagesgedanken: Schutzschild

«Der Eremit
Sie warfen nach ihm mit Steinen.
Er lächelte mitten im Schmerz.
Er wollte nur sein, nicht scheinen.
Es sah ihm keiner ins Herz.

Es hörte ihn keiner weinen,
Er zog in die Wüste hinaus.
Sie warfen nach ihm mit Steinen.
Er baute aus ihnen sein Haus.»[1]
(Mascha Kaleko)

Wir sind als Menschen soziale Wesen, wir sind abhängig voneinander, da wir allein nicht überlebensfähig sind – dies nicht nur im körperlichen, sondern vor allem auch im psychischen Sinn. Die Seele leidet, wenn man sich nicht akzeptiert fühlt. Die Welt scheint fern und fremd, wenn man sich in ihr nicht zu Hause fühlt. Zu Hause fühlt man sich da, wo man sich angenommen fühlt, wo man sein darf, wer man ist, wo man spürt: Ich gehöre dazu, ich bin so akzeptiert, wie ich bin.


Ich kann mir zwar wünschen, dass mich andere Menschen als die nehmen, die ich bin – selbst, wenn ich anders bin als sie. Erwarten kann ich es leider nicht, verlangen schon gar nicht. Was, wenn die Anerkennung ausbleibt? Wenn ich mich ausgestossen fühle aus der Gemeinschaft, weil ich in den Augen anderer nicht hineinpasse? Muss oder kann ich mich so sehr verbiegen, dass ich passend werde? Würden sie mich dann mögen? Wäre ich dann zufrieden? Aber: Wen würden sie dann eigentlich mögen? Wäre das noch ich?

Oder muss ich meine Koffer packen und gehen? In der Hoffnung, Menschen zu finden, die mich so verstehen und annehmen können, wie ich bin? Nur: Das werden wohl nirgends alle sein. Wie viele braucht es, um mich akzeptiert zu fühlen, und mit wie viel Ablehnung und Ausgrenzung kann ich umgehen? Kann ich an dieser auch wachsen? Indem ich mir einen Schutz aufbaue, wie der Eremit in Mascha Kalékos Gedicht sein Haus? Oder maure ich mich dann ein und werde unberührbar, damit unfähig, noch wirkliche Begegnungen zu haben, Beziehungen zu leben?

Du bist, wie du bist und du bist nicht genehm
Du bist, wer du bist, und du wirst nicht geseh’n.
Du wirst ausgemessen und sorgsam geprüft,
man schaut nur von aussen, mehr will man nicht seh’n.

Das reicht schon zu wissen, ob du wirklich passt.
Du denkst dir nichts Böses, du möchtest nur sein.
Und merkst ganz tief drin, ich gehör’ hier nicht rein.
Du fühlst dich alleine, verlassen und leer.

Du fühlst dich verloren, und möchtest weggeh’n.
Du stellst dir die Frage: «Wo soll ich nur hin?
Wo ist der Ort bloss, für mich, wie ich bin?»

Allen werde ich nie gefallen, danach zu streben hiesse, mich immer wieder selbst zu verletzen durch falsche Hoffnungen und Erwartungen und die darauffolgenden Enttäuschungen. Schlussendlich wird es auch nicht gelingen, mich auf Dauer zu verbiegen, denn das eigene Gefühl, nicht sein zu können, wer ich eigentlich bin, untergräbt die Freude an der Beziehung mit anderen, es ist ein zu grosser Preis: Ich gehöre nur dazu, weil ich bin, wie sie mich haben wollen, nicht weil ich bin, wer ich bin.

Es bleibt wohl nur eines: Ich muss mir immer wieder klar werden, wer ich bin und was ich will und brauche im Leben und von anderen Menschen. Und dann muss ich sehen, ob ich das in solcher Form kriege an dem Ort, wo ich bin, oder ob ich vielleicht am falschen Platz bin. Dann müsse ich mir einen suchen, der besser passt. Vielleicht reichen aber auch kleine Anpassungen aus, um einen Ort zu einem passenden zu machen. Vielleicht muss ich kein Haus bauen, nicht mal Mauern errichten, es reicht vielleicht ein Schutzschild, den ich hochhalten kann. Ein Schutzschild, hinter das ich in unsicheren Momenten treten kann und hinter dem das warme Gefühl aufkommt: Ich bin, wie ich bin, und das ist gut so. Und dann trete ich wieder hervor und schaue, ob das auch noch andere finden. Und wenn ich mich auf die konzentriere, statt immer jene im Blick zu haben, die mich ablehnen, stehe ich plötzlich in einer Welt, in der ich mich wohlfühlen kann.


[1] Zit. Nach «In meinen Träumen läutet es Sturm» ©1977 dtv Verlagsgesellschaft mbH&Co.KG, München

Lesemonat Juni

Ein Monat ging zu Ende, ein neuer beginnt. Aufgehört habe ich ihn lesenderweise mit Sabine Harks „Gemeinschaft der Ungewählten“, den neuen beginne ich mit Wilhelm Schmids „Die Liebe atmen lassen“. Was für ein Übergang. Von der Beschreibung eines Lebens in einer Welt mit solchen, die man sich nicht selbst gewählt hat und die auch einen nicht wählten, hin zur Wahl des zu Liebenden – in allen Facetten. Es war ein abwechslungsreicher Lesemonat, ich befasste mich mit Corine Pelluchon mit einer neuen Sicht der Aufklärung, fragte mit Edith Hall, was Aristoteles zum glücklichen Leben zu sagen hat, schaute mir dann mit Ferdinand Fellmann die Philosophie der Lebenskunst an, und stolperte danach über Care Carlisles Kierkegaard-Biographie, die ich abbrechen musste – sie entsprach nicht meinen Erwartungen. 

Den Trost über die Leseentäuschung holte ich bei Alain de Bottons Trost der Philosophie, um nachher mit Albert Kitzler der Frage nach dem guten Leben nachzugehen. Sartre zeigte mir, dass die Hölle die andern sind, vor allem in geschlossenen Gesellschaften. Mit Christina Berndt analysierte ich die Frage der Individuation, wie ich werde, wer ich bin, um dann als solche als Ungewählte unter Ungewählten zu leben und für ein gutes Zusammenleben mit Sabine Hark nach Möglichkeiten zu suchen. 

Damit schliesst sich mein Juni, der Juli beginnt mit der Liebe und wird sich generell mit Themen des Miteinanders, des Lebens in der Welt befassen. Ich freue mich drauf. 

Was sind eure Lesepläne für den Juli?

Hier noch die genaue Liste:

Corine Pelluchon: Das Zeitalter des LebendigenIst die Aufklärung noch aktuell angesichts der heutigen Probleme? Müssten wir zu anderen Denkmustern greifen? Aufklärung neu gedacht, als Prozess des kritischen Hinterfragens und Suchens neuer Handlungsmaximen ist auch heute noch aktuell. Ziel ist es, ein Miteinander lebender Wesen, einen neuen Humanismus, der Natur und Mensch wieder verschmelzen lässt durch die Sorge für die Welt und das Miteinander, zu finden.4
Edith Hall: Was würde Aristoteles sagen? Zehn philosophische Lektionen für das GlücklichseinAristoteles’ Texte nach seiner Meinung zu relevanten Kriterien für ein glückliches Leben befragt, veranschaulicht mit aktuellen und lebensnahen Beispielen. 5
Joan Didion: Was ich meineNur auszugsweise gelesen – Essays aus dem Leben3
Ferdinand Fellmann: Philosophie der LebenskunstEine Verbindung von antiker Tugendethik und moderner Sollensethik. Es geht um allgemeine Verhaltensregeln, die man ausgehend vom Menschen aufstellen kann. 4
Clare Carlisle: Der Philosoph des Herzens. Das rastlose Leben des Søren Kierkegaardabgebrochen – zu viel und langatmig erzähltes Leben, zu wenig Werk und Schaffen2
Alain de Botton: Trost der Philosophie. Eine GebrauchsanweisungBei Philosophen nachgefragt, wie man mit Unvollkommenheit, Frustration, gebrochenem Herzen und mehr umgehen kann. Etwas wenig Tiefe und viel Geschwätzigkeit. 3
Albert Kitzler: Wie lebe ich ein gutes Leben? Philosophie für PraktikerLebenspraktische Themen mit Ansichten aus der östlichen und westlichen Philosophie behandelt, um aus den Texten Handlungsanleitungen ins Leben mitnehmen zu können. 4
Marietheres Wagner: Epikurs Biobliothek. Geschichten vom GlückLebensthemen mit Epikur und passenden Romanen beleuchtet – leider etwas merkwürdige Literaturauswahl und auch sonst sehr oberflächlich. 2
Jean Paul Sartre: Geschlossene GesellschaftDrei Menschen in der Hölle, die durch die Begegnungen mit den anderen auf sich selbst zurückgeworfen werden.5
Christina Berndt: Individuation. Wie wir werden, wer wir sein wollen. Der Weg zu einem erfüllten IchWissenschaftliche Studien, wie das Ich entsteht und die frohe Botschaft, dass wir uns bis ins hohe Altern verändern können – und dies auch immer wieder tun.4
Sabine Hark: Gemeinschaft der Ungewählten. Umrisse eines politischen Ethos der KohabitationWie soll eine Gesellschaft aussehen, in der verschiedene Menschen als Gleiche unter Gleichen zusammenleben können?5

Tagesgedanken: Mein Platz in der Welt

Seinen Platz in der Welt finden – das ist wohl für viele selbstverständlich, sie finden sich in dieser Welt, in die sie geboren wurden und leben ihr Leben, ohne dieses und die Welt zu hinterfragen. Andere hadern mehr damit, sie sehen eine Welt, in welcher sie sich nicht wohl, nicht gesehen fühlen, und haben doch keine andere als die des eigenen Rückzugs, was zwar eine momentane Erleichterung, aber kein lebenswertes und lebensmögliches Leben darstellen würde, sind wir doch immer auf die Mitwelt angewiesen, können nicht ohne sie sein – gerade darum ist der Halt in ihr wohl so elementar und es nagt tief, wenn man ihn für sich nicht findet. 

Simone de Beauvoir litt unter den Einschränkungen und vielen Verboten ihrer Kindheit, schon früh regte sich in ihr ein Freiheitsdrang und die Überzeugung, das eigene Leben selbst in die Hand nehmen zu wollen. Als es dann nahezu so weit war, stellte sich diese teilweise Freiheit doch als schwieriger dar als erhofft, da sie bei allem Sehnen unvertraut und noch nicht gewohnte Lebenswelt war:

„Das Übel, an dem ich litt, bestand in Wahrheit darin, dass ich aus dem Paradies der Kindheit vertrieben war und meinen Platz unter den Menschen noch nicht gefunden hatte.“

Wie man doch verklärt, was war, wenn das Neue noch nicht ist, was man sich davon erhofft. Das war nicht der einzige Kampf von Simone de Beauvoir. Dazu kam das eigene Gefühl des Minderwerts. Dass dieser nicht aus dem Nichts einfach da war, liegt auf der Hand:

„Gewiss bedauerte ich nicht, eine Frau zu sein; ich zog im Gegenteil grosse Befriedigung daraus. Meine Erziehung hatte mich von der geistigen Unterlegenheit der Frau überzeugt, die auch von vielen meiner Geschlechtsgenossinnen zugegeben wurde.“

Anfangs traute sich Simone nicht, mit den männlichen Kommilitonen zu sprechen, sah sie diese doch ihr überlegen. Als sie nach einigen Gesprächen dann doch merkte, dass dem nicht so war und sie durchaus etwas zu sagen hatte, kam langsam das Selbstbewusstsein. So oder so verfolgte sie immer ehrgeizig ihre Pläne und Träume für ihr Leben: Unabhängig sein und Schreiben. Das war ihr Ziel und das sollte sie auch erreichen – und das schon bald in einer lebenslangen Gemeinschaft mit einem anderen grossen Denker: Sartre.

„…sein Geist war immer wach. Er kannte keine Erschlaffung, Schläfrigkeit, Gedankenflucht, Abschweifung, Ermattung, aber auch keine Vorsicht und keinen Respekt. Er interessierte sich für alles und nahm niemals etwas als selbstverständlich hin.“

Diese Offenheit des Denkens, diese Vorurteilslosigkeit, war es vielleicht auch, die dazu führte, dass Sartre Simone de Beauvoir nie geringachtete, dass er hinschaute und sah, was sie zu bieten hatte, was in ihr steckte. Er spornte sie an, ihre Ziele nie aus den Augen zu verlieren:

„Auf alle Fälle solle ich mir das bewahren, was das Schätzenswerteste an mir sei: meinen Hang zur Freiheit, meine Liebe zum Leben, meine Neugier, meinen Willen zum Schreiben.“


In Sartre fand sie den Mann, mit dem sie all das leben konnte, was sie wollte, denn:

„er war der Doppelgänger, in dem ich in einer Art von Verklärung alles wiederfand, wovon ich auch selber besessen war. Mit ihm würde ich immer alles teilen können.“

Vielleicht ist man dann in der Welt zu Hause, wenn man sich selbst treu bleiben kann und in dieser Selbsttreue und dem Verwirklichen des eigenen Seins begleitet und verstanden wird. Und manchmal muss das nicht von der ganzen Welt passieren, manchmal reicht einer, der einem die Welt ist.

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Leseempfehlung: Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem Hause

Tagesgedanken: Trost der Lyrik

Als ich während meiner Dissertation viel Literatur und Zeugnisse von Überlebenden des Holocaust gelesen habe, stiess ich immer wieder auf Aussagen, dass sie in der Lyrik, in der Literatur Halt und Trost gefunden hätten in diesen grausamen und menschenunwürdigen Zeiten. Beim Lesen von Hannah Arendts Biografie stiess ich auf diese eindrückliche und bewegende Geschichte:

Hannah Arendt und Heinrich Blücher mussten während des Zweiten Weltkrieges aus Deutschland fliehen und sie gingen nach Frankreich. Als die Deutschen Besatzungen Frankreich besetzten, war das Leben auch da nicht mehr sicher. Eines Tages kam der Befehl für Heinrich Blücher, er müsse, wie viele der Flüchtlinge damals, in ein Lager. Heinrich Blücher nahm ein Gedicht von Bertolt Brecht mit auf den Weg, es sollte sein Talisman sein. Das Gedicht hatte da schon eine lange Reise hinter sich: Walter Benjamin hatte es von einem Besuch bei Brecht aus Dänemark mitgebracht und Blüchers übergeben. Hannah Arendt lernte das Gedicht auswendig und gab das gedruckte Exemplar Blücher mit. Für Blücher enthielten diese Zeilen eine persönliche Botschaft, sie versprachen Hoffnung und gaben ihm Halt.

Blücher sprach dem Gedicht magische Kräfte zu, indem er dachte, dass er die als Freunde erkennen würde, die dieses Gedicht verstehen. Bei dem Gedicht handelte es sich um Brechts „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“. Es brachte Heinrich Blücher nicht nur Gleichgesinnte und Kameradschaften, es hatte generell grosse Wirkung im Lager und wurde für viele ein Rettungsanker in der Hoffnungslosigkeit. Besonders eine Stelle mag gewirkt haben:

…dass das weiche Wasser in Bewegung
Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt.
Du verstehst, das Harte unterliegt.“

Es bringt wenig Gutes, im Angesicht von Problemen hart zu werden, die harten Bandagen sind selten das geeignete Mittel für eine gute Veränderung. Aus diesen Zeilen spricht die Hoffnung, dass im Zarten und Weichen die Lösung liegt, wir müssen diesem nur genug Raum und Zeit geben – und darauf vertrauen.

Jahresrückblick in Büchern – meine Highlights

Ein Jahresübergang bietet sich immer an, zurückzuschauen auf das, was war. Bücher haben in meinem Leben natürlich eine grosse Rolle gespielt. Es war ein sehr abwechslungsreiches Jahr, das einer Reise glich. Ich startete sehr intensiv mit Lyrik, konzentrierte mich dann bald auf die dichtenden Frauen – und auf Rilke. Es folgte eine Zeit, die hauptsächlich Ingeborg Bachmann gewidmet war, ich las ihre Gedichte, Biographien, Kurzgeschichten – und ich war fasziniert von dieser Frau, mit der ich doch in verschiedenen Punkten Parallelen zu haben schien.

Dann verschob sich der Fokus langsam hin zu Romanen, erst noch bunt gemischt, dann immer mehr darauf blickend, wer das Buch geschrieben hat. Ich kann nicht mal sagen, woher diese Ausrichtung kam. Es kamen verschiedene literaturtheoretische Bücher dazu und dann bewegte ich mich weiter auf meiner Reise, der Feminismus kam in den Fokus und er hat mich gepackt – mit allen Themen, ohne die er kaum zu denken ist: Sexismus, Rassismus, Patriarchat, Klasse – Intersektionalität also. Da bin ich noch, die Reise führte mich also hin (oder zurück, wie man es auch sehen könnte) zur Philosophie, daneben auch mit einer Faszination für Soziologie (und einem kleinen Bedauern, das damals nicht studiert zu haben – bleibt das Selbststudium, das mir sowieso am meisten liegt).

Zu meinen Lesehighlights, dies ohne den Anspruch, dass es wirklich die besten Bücher waren, aber es sind die, welche mir spontan im Sinn waren, als ich danach suchte:

  • Rainer Maria Rilke: Gesammelte Gedichte – Rilke ist wohl mein Lieblingsdichter, wenn man eine Rangliste machen wollte. Ich habe im Frühjahr dieses ganze Buch durchgearbeitet, habe mich mit der Interpretation einzelner Gedichte und deren Verbindung zum Leben Rilkes beschäftigt. Eine sehr spannende Zeit.
  • Mascha Kaléko: Mein Lied geht weiter – ich liebe diese Lyrikerin für ihre Melancholie, ihren versteckten und teilweise auch offensichtlichen Witz.
  • Edgar Rai: Ascona – einer der ersten Romane, mit denen ich in die nächste Phase stieg. Edgar Rai ist eine packende Romanbiographie über Erich Maria Remarque gelungen, die von der ersten bis zur letzten Seite spannend zu lesen ist und Lust auf Remarque macht.
  • Erich Maria Remarque: Drei Kameraden – das war dann das Resultat, für mich eine Entdeckung, da ich zwar den Namen kannte, aber noch nie etwas von ihm gelesen hatte. Diese Geschichte über drei Freunde und eine Liebe hat er in Edgar Rays Roman geschrieben – ein grossartiges Buch mit sehr viel Witz, Tiefe und Zeitkolorit.
  • Kate Kirkpatrick: Simone de Beauvoir – ein fundierter Einblick in Leben und Werk einer inspirierenden Frau, die mich ziemlich in ihren Bann zog, ich las viel von ihr und über sie danach, auch Alois Prinz’ Biographie, die ich ebenfalls empfehlen kann.
  • Franziska Schutzbach: Die Erschöpfung der Frau – ein wichtiger Einblick in die Situation der Frau in der heutigen Gesellschaft, ihre Kämpfe, ihre Rollen, ihre Erschöpfung, die daraus resultiert. Ein deutliches Bild, dass wir noch nicht erreicht haben, wonach wir schon so lange streben: Gleiche Rechte, gleiche Entlöhnung, gleiche Chancen, gleiche Sichtbarkeit, gleiche Anerkennung.
  • Nicole Seifert: Frauenliteratur – ein Blick auf die Welt der Literatur, auf die Frauen, die vergessen gingen, auf die, welche nicht berücksichtigt werden, auf die Abwertung, Ignoranz, die ungerechte Verteilung von Sichtbarkeit und Bewertung.
  • Daniel Schreiber: Allein – sehr persönliche Einblicke in ein zwiespältiges Lebensmodell, sein Ruf in der Gesellschaft und das persönliche Erleben.
  • Alice Schwarzer: Lebenslauf – durch ein Interview wurde ich auf sie aufmerksam und war in ihren Bann gezogen. Ich hatte sie vorher völlig anders, falsch eingeschätzt und lernte durch das Interview, vor allem aber auch durch dieses Buch eine grossartige Frau, die mit Mut und Leidenschaft ihren Weg ging und geht, kennen. Den zweiten Band werde ich sicher auch noch lesen (Lebenswerk).
  • Gisèle Halime: Seid unbeugsam – aufgewachsen in Tunesien merkte sie schon bald, dass für Mädchen andere Regeln gelten als für Jungen. Da sie das nicht wollte, begehrte sie auf – mit Erfolg. Sie ging ihren Weg gegen alle Widerstände: Eine beeindruckende Frau, die dafür kämpfte, als Frau Rechte zu haben – für sich und für andere.

Ich freue mich auf mein Lese-Jahr 2022, viele Bücher liegen schon bereit, die thematische Ausrichtung wird da ansetzen, wo das Jahr 2021 aufhörte: Die Gesellschaft und die darin vorherrschenden Verteilungen, Intersektionalität, (soziale) Gerechtigkeit – und sicher werden auch der eine oder andere Roman und ein paar Gedichte Platz finden. Ich hoffe, ihr begleitet mich weiter durchs 2022.

Was waren eure Buchhighlights?





Vladimir Nabokov: Die Kunst des Lesens

Wer liest, sollte liebevoll auf Einzelheiten achten. Gegen den Mondschein der Verallgemeinerung ist nichts einzuwenden, vorausgesetzt, er zeigt sich, nachdem die sonnigen Kleinigkeiten des Buchs liebevoll zusammengetragen wurden. Wer mit einer fertigen Verallgemeinerung an ein Buch herangeht, beginnt am falschen Ende und bewegt sich von ihm fort, bevor er angefangen hat, es zu verstehen.

Literatur lesen bedeutet für Nabokov, mit Liebe an ein Werk heranzugehen und zuerst unbedarft und ohne Erwartungen aufzunehmen, was das Buch einem bietet. Nur so sei es möglich, die neuen Welten, die in einem Werk drin stecken, zu erfassen, sie zu erleben. Jede vorgefasste Meinung über ein Buch und Erwartung daraus stellt nach Nabokov einerseits eine Ungerechtigkeit dem Autor gegenüber dar und nimmt einem andererseits die wahre Freude an dem Buch, weil man sie so nie auf das Buch selber einlässt.

Wir sollten immer daran denken, dass mit jedem Kunstwerk, ausnahmslos, eine neue Welt erschaffen wird und diese stets als erstes so gründlich wie möglich erforschen, uns ihr als etwas völlig Neuem nähern, als einer Sache, die keine offensichtliche Verbindung mit den uns bereits bekannten Welten hat.

Romane sind so gesehen immer Märchen, sie stellen nie die Wirklichkeit dar, sondern sind erfundene Geschichten in erfundenen Welten. Dabei liefert immer die Realität den Rohstoff, aus denen man die Kunst schafft, die uns am Schluss als Roman entgegen tritt. Um dies zu erfassen, muss auch der Leser Eigenschaften mitbringen, die es ihm möglich machen, so zu lesen, dass sich die neuen Welten eröffnen.

Selbstverständlich ist ein guter Leser, wie Sie es sich schon gedacht haben, jemand, der über Vorstellungskraft, ein Gedächtnis, ein Wörterbuch und eine gewisse künstlerische Einfühlungsgabe verfügt.

Nachdem Vladimir Nabokov diese Grundzüge des Lesens und Lesers geklärt hat, geht er über, grosse Werke der europäischen Literatur auf diese Weise zu durchleuchten. Er zeigt, wie in Jane Austens Mansfield Park die einzelnen Personen eingeführt werden, wie man nach und nach in die Welt eintaucht, die Jane Austen zeichnet. Er analysiert den Aufbau, die Einleitungen von Szenen, die Darstellung von Gefühlen, die Beschreibung von Situationen, weist auf Austens Stilmittel hin. Neben aller wohlwollenden Liebe zu dem Werk zeigt er auch auf dessen Schwachstellen, die sich besonders am Schluss zeigen, indem er der Autorin einen gewissen Überdruss am eigenen Werk zuschreibt, welchen er an der zerfasernden Struktur desselben festmacht.

Als nächstes Wendet sich Nabokov Dickens zu, setzt das Leseerlebnis bildlich von dessen Bleakhaus in Beziehung zu dem des Mansfield Parks. Wieder sticht er in die Tiefe des Werkes, beleuchtet die Kernmotive, analysiert sie und zeigt ihren Gang durch den Roman. Er beleuchtet die Beziehungen der Figuren untereinander, zeigt, wie diese lebendig wirken und geht auf so manches Detail der Dickenschen Romanschreibung ein. Ebenso verfährt er mit Flauberts Madame Bovary, Stevensons Dr. Jeckyll und Mr. Hyde und Kafkas Verwandlung.

Doch wieso soll man überhaupt lesen, vor allem in Anbetracht der Umstände, die das reale Leben mit sich bringen? Lesen wird, so Nabokov, nicht helfen, das Leben zu meistern oder mit seinen Umständen besser zurecht zu kommen. Es kann aber, wenn es auf die richtige Weise und mit Liebe zum Kunstwerk geschieht, ein gutes Gefühl und eine Befriedigung über einen bringen, so dass es im Leben nicht nur Widrigkeiten, sondern auch Vollkommenheit und Inspiration gibt.

In einem zweiten Teil wendet sich Vladimir Nabokov Meisterwerken der russischen Literatur zu, er spricht über Gogols Der Mantel, Tolstois Anna Karenina und Tschechows Die Dame mit dem Hündchen. Auch ein Kapitel über Dostojewski findet sich, zu dem er sich eine eigentümliche und schwierige Haltung attestiert. Er sieht in schwanken zwischen brillantem Humor und literarischen Plattheiten. Dass Nabokovs Verhältnis zur Literatur Dostojewskis gespalten ist, zieht sich durch den ganzen Text, der sich stark auf die Schwächen des Schreibens konzentriert und diese auch gut belegt. Trotz alledem hat er ihn seine Auswahl der russischen Meisterwerke aufgenommen, dies wohl eher wegen der begeisterten Rezeption als wegen des in seinen Augen mangelhaften literarischen Werts.

Aus Nabokov spricht eine grosse Liebe zur und Kenntnis der Literatur. Diese Liebe geht beim Lesen dieses Werkes auf einen über, man möchte hingehen und alle vorgestellten Bücher nochmals lesen, sie noch genauer lesen.

Fazit:
Ein wunderbares Buch über die Liebe zum Lesen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Vladimir Nabokov
Vladimir Nabokov wurde am 22. April 1899 in St. Petersburg als Kind einer russischen Adelsfamilie geboren. Er kam wegen seines westlich orientierten Vaters schon als Kind in Kontakt mit der Weltliteratur, sprach französisch und englisch. Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband.   Das politische Engagement des Vaters bringt diesem verschiedene Inhaftierungen und führt schliesslich zur Flucht nach London. Nabokov studiert an der Universität Cambridge Romanistik und Russische Literatur und zieht nach dem Studium nach Berlin. Er publiziert unter dem Pseudonym V. Sirin, kann aber nicht leben von der Literatur und hält sich mit Tennis- und Boxunterricht über Wasser. 1937 folgt die Emigration nach Paris, 1940 die Flucht in die USA, wo er als Kurator des zoologischen Museums an der Harvard University arbeitet und wissenschaftlich schreibt. 1948-1958 hat er eine Professur für russische und europäische Literatur an der Cornell Universität inne. 1955 erscheint sein Roman Lolita, der für Aufruhr sorgte, aber  grosse Erfolge einfuhr. Er kann in der Folge vom Schreiben leben. 1961 folgt die Übersiedlung in die Schweiz, nach Montreux, wo er 1977 stirbt. Werke Nabokovs sind unter anderem Die Mutprobe (1932), Verzweiflung (1934), Lolita (1955), Ada oder das Verlangen (1969).

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 253 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag (Juli 2010)
Übersetzung aus dem Englischen: Karl A. Klewer
ISBN: 978-3596902804
Preis: EUR  12/ CHF 17.90

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#abcdeslesens – T wie The Road Not Taken (Robert Frost)

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that, the passing there
Had worn them really about the same.

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I-
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Eines der wohl bekanntesten Gedichte von Robert Frost, fast möchte ich sagen, der englischsprachigen Dichtung. Im Spiel mit dem Bild eines Weges, der für den Lebensweg stehen kann, trifft der Gehende auf eine Weggabelung. Welchen Weg soll er beschreiten? Was verspricht der eine, was der andere? Was werden sie beide halten? Vor dem Gehen wird man es nicht wissen, man kann nur Abwägungen machen, die Wege von aussen betrachten, Vorstellungen zu Hilfe ziehen – und dann wird man eine Entscheidung treffen müssen.

Das Ich im Gedicht schaut sich die Wege an, schaut dem einen nach, bis er sich der Sicht entzieht, begutachtet den anderen. Vieles deutet darauf hin, dass beide etwa gleich viel begangen worden sind, und doch gibt es Spuren für das Gegenteil. Beide Wege liegen gleich vor ihm an diesem Morgen. Und so entscheidet sich das Ich für einen, behält sich den anderen für später vor, im Wissen, dass ein Weg oft in einen anderen führt, die Chance also gross ist, dass es nie mehr an den Punkt von heute zurück kehren wird.

Oft im Leben stehen wir vor Entscheidungen und überlegen nach allen Seiten, welche die für uns beste sei. Wir wägen ab, stellen uns Konsequenzen vor und wissen, dass jede Entscheidung für etwas, auch eine gegen etwas anderes sein wird. Nur: Wir können nicht alles haben, wir müssen eine Wahl treffen. Und: Vieles im Leben kommt nicht wieder.

Bemerkenswert ist der letzte Vers. In der ersten Zeile heisst es da, dass das ich dies mit einem Seufzen sagen werde. Das Ich sagt es nicht mal jetzt, sondern erst irgendwann und irgendwo, dann, wenn der Weg gegangen ist und es sehen wird, wohin er geführt hat. Was aber bedeutet das? Ein Seufzen ist keine eindeutige Angelegenheit. Je nachdem, wie man seufz, kann es Erleichterung oder Bedauern ausdrücken. Wir wissen nicht, welche Art des Seufzen es hier sein wird.

Und dann wird alles nochmals zusammengefasst: Wir haben die klare Ausgangslage der zwei Strassen, die sich trennen in einem Wald. Und dann folgt die Entscheidung: Das Ich nimmt den Weg, der weniger begangen ist. Und das macht den ganzen Unterschied. Was nun so klar daliegt, ist allerdings alles andere als klar. Wir wissen nicht, welchen Unterschied das macht, ob dieser positiv oder negativ ist für das Ich, das den Weg gegangen ist. Und vermutlich ist das gar nicht wichtig. Nur schon das Treffen einer Entscheidung hat einen Unterschied gemacht, indem ich nämlich weiter gehe im Leben und nicht stehen bleibe. Einmal getroffen, gilt es, den Weg zu gehen. Bis sich wieder neue Weggabelungen zeigen.

Ich konzentriere mich in meinem Blog und auch in meinem Lesen allgemein mehrheitlich auf deutschsprachige Literatur, doch gibt es so ein paar Lieblinge aus anderen Ländern, die ich nicht missen möchte. Robert Frost ist einer davon. Die Schwierigkeit, die sich dabei zeigt, ist die des Übersetzens – gerade in der Lyrik (sie ist aber auch in der Prosa ein grösseres Thema, als landläufig angenommen wird, da ein falscher Sprachduktus in der übersetzten Sprache das ganze Buch komplett verändern kann und viel vom Charme wegfällt, welchen das Original hatte). Zwar verstehe ich Englisch durchaus ziemlich gut, was bei anderen Sprachen leider nicht mehr der Fall ist, ich habe mich bei diesem Gedicht aber doch um Übersetzungen bemüht, vor allem auch, weil ich das Gedicht so liebe und es auch Menschen zugänglich machen möchte, welche im Englischen nicht so bewandert sind.

Deutsche Übersertzung von Lars Vollert:

Ein Weg ward zwei im gelben Wald.
Betrübt, dass ich nicht beide gehen
Und Einer sein kann, macht’ ich Halt
und sah dem einen nach, der bald
im Dickicht war nicht mehr zu sehn.

Ich nahm darauf den andern dann.
Sein gutes Recht gewährt’ ich ihm:
Das Gras stand dort schon wieder lang,
obgleich er durch der Leute gang
genauso ausgetreten schien.

Auf beiden an dem Morgen lag
das Laub von Tritten nicht zerdrückt.
Dem ersten blieb ein nächster Tag!
Weil eins zum andern führen mag,
ahnt’ ich, ich käm wohl nicht zurück.

Ich sag mit einem Seufzen sicherlich,
wenn viele Jahre ich verbracht:
Ein Weg ward zwei in einem Wald, und ich –
ich nahm den einsamen für mich,
das hat den Unterschied gemacht.

_____

Literaturhinweis:
Robert Frost: Promises to keep. Poems Gedichte, Übersetzung und Nachwort von Lars Vollert, C. H. Beck textura, 9. Auflage, München 2016.

Simone de Beauvoir: Die Unzertrennlichen

Inhalt

«Mit neun Jahren war ich ein sehr artiges kleines Mädchen; das war nicht immer so gewesen; in meiner frühen Kindheit stürzte mich die Tyrannei der Erwachsenen bisweilen in eine derart blindwütige Raserei, dass eine meiner Tanten eines Tages ernsthaft erklärte: «Sylvie ist vom Teufel besessen.» Der Krieg und die Religion bezwangen mich schliesslich.»

Als Sylvie Andrée in der Schule kennenlernt, ist sie sofort hingerissen von diesem selbstsicheren, selbständig wirkenden Mädchen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Sie durchleben gemeinsam die erste Liebe, den damit verbundenen Schmerz. Sie versuchen, trotz des strengen Regimes des jeweiligen Elternhauses ihr Leben zu leben, was oft unmöglich ist und schlussendlich tragisch enden wird.

Weitere Betrachtungen

«Warum hatte ich ihr meine Liebe nicht zeigen können? Andrée war mir in allem so herausragend erschienen, dass ich gemeint hatte, sie müsse vollkommen glücklich sein. Mir war danach zumute, sie und mich zu beweinen.»

«Die Unzertrennlichen» ist ein Buch über Freundschaft. Es ist eine Freundschaft, die trotz aller Nähe und des gegenseitigen Vertrauens immer auch einen Rest an Zurückhaltung behält. Die beiden Freundinnen gehen auch nie zum vertraulichen Du über, sie bleiben die ganze gemeinsamen Jahre über beim förmlichen Sie. Im Nachhinein bereut Sylvie, sie steht für Simone de Beauvoir, diese Zurückhaltung zutiefst.

«In Büchern erklären die Leute einander ihre Liebe , ihren Hass, sie wagen, sich alles zu erzählen, was sie auf dem Herzen haben; weshalb ist das im wahren Leben unmöglich?»

Ob dieses Bedauern mit ein Grund dafür ist, dass sie später in ihrer Beziehung mit Sartre vollkommene Offenheit will, Transparenz in den Gedanken und im Tun?

«Zaza ist daran gestorben, dass sie aussergewöhnlich war. Man hat sie umgebracht, ihr Tod war ein «spirituelles Verbrechen».»

Dies schreibt Sylvie Le Bon de Beauvoir, die Frau, die Simone de Beauvoir adoptiert  und mit ihrem Nachlass betraut hat. Sie war viele Jahre die engste Vertraute von Simone de Beauvoir. Die Geschichte dieses aussergewöhnlichen Mädchens hat Simone de Beauvoir im vorliegenden, zu Lebzeiten nie veröffentlichten Roman festgehalten. Sie hat ihn mit folgenden Worten Zaza gewidmet:

«Wenn ich heute Abend Tränen in den Augen habe, ist es dann, weil sie tot sind oder weil ich lebe? Ich sollte ihnen diese Geschichte widmen. Aber ich weiss, dass sie nirgends mehr sind, dass mir nur der Kunstgriff der Literatur erlaubt, hier mit Ihnen zu reden.»

«Die Unzertrennlichen» ist nicht grosse Literatur in dem Sinn, aber es ist ein kleines, authentisches und zum Nachdenken anregendes Buch, das die Gefahren von Erwartungen aufzeigt. Es ist ein Buch darüber, wie Menschen leiden, die unter dem Druck des gefallen Wollens und gehorchen Müssens zerbrechen, die sich selber verleugnen müssen, um dem zu entsprechen, das sie darstellen sollen.

Es ist ein leidenschaftliches und auch tragisches Buch, ein Zeitzeugnis und ein Bild der bürgerlichen Gesellschaft mit all ihren Zwängen und Moralvorstellungen. Simone de Beauvoir schrieb mit «Die Unzertrennlichen» einen autofiktionalen Roman, in welchem sie ihre Freundschaft mit Zaza thematisierte. Sie zeigt darin sehr deutlich die Einschränkungen, die sie als Kind und Jugendliche hinnehmen musste und die bei Zaza zum Tod führten. Diese Erlebnisse sind es wohl auch, welche bei ihr den tiefen Wunsch nach Freiheit und Eigenständigkeit wachsen liessen.

Persönlicher Bezug
Simone de Beauvoir übt immer wieder eine grosse Faszination auf mich aus. Ihre Gedanken, ihr Schreiben, ihr Hinsehen auf die eigene Geschichte und die Form, in welche sie diese verpackt, um damit soviel offenzulegen von ihrem Werden, sind eine grosse Inspiration. Nie lassen sie mich einfach kalt, immer erkenne ich mich in gewissen Punkten wieder und immer regt mich die Lektüre ihrer Schriften zum Nachdenken an.

Simone de Beauvoir hat den Finger auf Missstände gegen Frauen gelegt, sie hat immer wieder gegen deren Unterdrückung angeschrieben und selber ein Leben gelebt, das dieser entgegentrat. Damit ist sie ein Vorbild für die Generationen nach ihr geworden. Ihre Ansichten und auch ihre Forderungen für eine gerechte Gesellschaft sind auch heute noch aktuell wie damals. Leider ist noch viel zu wenig davon umgesetzt worden.

Fazit
Ein authentisches Buch über die Freundschaft zweier Mädchen, die den Erwartungen der Zeit zu trotzen versuchen. Grosse Leseempfehlung.

Autorin
Simone de Beauvoir wurde am 9.1.1908 in Paris in ein ursprünglich wohlhabendes, später mit den Finanzen kämpfendes Elternhaus geboren. Mit fünfeinhalb Jahren kam Simone an das katholische Mädcheninstitut, den Cours Désir, Rue Jacob; als Musterschülerin legte sie dort den Baccalauréat, das französische Abitur, ab. 1925/26 studierte sie französische Philologie am Institut Sainte-Marie in Neuilly und Mathematik am Institut Catholique, bevor sie 1926/27 die Sorbonne bezog, um Philosophie zu studieren. 1928 erhielt sie die Licence, schrieb eine Diplomarbeit über Leibnitz, legte gemeinsam mit Merleau-Ponty und Lévi-Strauss ihre Probezeit als Lehramtskandidatin am Lycée Janson-de-Sailly ab und bereitete sich an der Sorbonne und der École Normale Supérieure auf die Agrégation in Philosophie vor. In ihrem letzten Studienjahr lernte sie dort eine Reihe später berühmt gewordener Schriftsteller kennen, darunter Jean-Paul Sartre, ihren Lebensgefährten seit jener Zeit. 1932-1936 unterrichtete sie zunächst in Rouen und bis 1943 dann am Lycée Molière und Camille Sée in Paris. Danach zog sie sich aus dem Schulleben zurück, um sich ganz der schriftstellerischen Arbeit zu widmen. Zusammen mit Sartre hat Simone de Beauvoir am politischen und gesellschaftlichen Geschehen ihrer Zeit stets aktiv teilgenommen. Sie hat sich, insbesondere seit Gründung des MLF (Mouvement de Libération des Femmes) 1970, stark in der französischen Frauenbewegung engagiert. 1971 unterzeichnete sie das französische Manifest zur Abtreibung. 1974 wurde sie Präsidentin der Partei für Frauenrechte, schlug allerdings die «Légion d’Honneur» aus, die ihr Mitterrand angetragen hatte. Am 14.4.1986 ist sie, 78-jährig, im Hospital Cochin gestorben. Sie wurde neben Sartre auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt.

Übersetzung: Amelie Thoma, geboren 1970 in Stuttgart. Sie studierte Romanistik und Kulturwissenschaften in Berlin und arbeitete als Lektorin, ehe sie die Übersetzerlaufbahn einschlug. Neben Leïla Slimanis Romanen und Essays übertrug sie u. a. Texte von Marc Levy, Joël Dicker und François Sagan ins Deutsche.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Rowohlt Buchverlag; 2. Edition (19. Oktober 2021)
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Originaltitel: Les inséparables
Übersetzung: Amelie Thoma
ISBN: 978-3498002251

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#abcdeslesens – R wie «Römische Fontäne» (Rainer Maria Rilke)

Borghese

Zwei Becken, eins das andere übersteigend
aus einem alten runden Marmorrand,
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend
zum Wasser, welches unten wartend stand,

dem leise redenden entgegenschweigend
und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,
ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend
wie einen unbekannten Gegenstand;

sich selber ruhig in der schönen Schale
verbreitend ohne Heimweh, Kreis aus Kreis,
nur manchmal träumerisch und tropfenweis

sich niederlassend an den Moosbehängen
zum letzten Spiegel, der sein Becken leis
von unten lächeln macht mit Übergängen.

Rilke hat dieses Gedicht im Jahr 1906 in Paris geschrieben (es erschien in den «Neuen Gedichten»), er dürfte beim Schreiben aber an seine Reise nach Rom gedacht haben, wo er mit seiner Frau Clara war und oft den Borghese-Garten besucht hatte. Rilke empfand diesen Garten als Zuflucht, als Ort der Stille im lärmig-lauten Rom, mit dem er sich nicht richtig anfreunden konnte.

Das Sonett besteh aus einem einzigen Satz, der sich über die Strophen ergiesst, wie das Wasser es beim Brunnen tut. Wie bei seinen anderen Ding-Gedichten fehlt auch hier ein lyrisches Ich, der Brunnen steht für sich allein und das Wasser fliesst ungehindert. Es ist quasi eine Selbstbegegnung des Wassers mit sich selber, wir haben hier auch kein Geben und Nehmen wie zum Beispiel bei Meyers Gedicht zum selben Brunnen. Bei Rilke ist es ein Fliessen und wartendes Empfangen.

Zentral erscheint in diesem Gedicht die Ruhe, keine Hektik ist zu spüren, kein Lärm, alles ist langsam, leise, sanft. Es wird gewartet, sich geneigt, sich gezeigt, gelächelt. Zwei Becken liegen übereinander, aus dem einen neigt sich das eine leise und redet ebenso, das andere wartet und schweigt. Im Brunnen spiegelt sich ruhig sich ausbreitend der Himmel, fast verborgen. Er gehört da hin, denn er verspürt kein Heimweh, ist also nicht am falschen Ort – anders als Rilke in Rom. Und wohl auch anders als Rilke im Leben, war er doch ohne eigentliches Heim, immer auf der Durchreise und wohl doch mit einer Sehnsucht nach Heimat im Herzen.

Aus dem ganzen Gedicht dringt die Stille, derer Rilke so sehr bedurfte in dem hektischen Rom. Damit tut er schreibend das, wozu Gedichte beim Lesen so oft dienen können: Er schafft mit dem Gedicht einen wohltuenden Ort inmitten eines Raumes, in welchem er sich unwohl fühlt.

Zum Autor
René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke wird am 4. Dezember 1875 in Prag, welches damals zu Österreich-Ungarn gehörte, geboren. Glücklich kann man seine Kindheit wahrlich nicht nennen. Erst wollte die Mutter ihn eigentlich als Mädchen sehen, steckte ihn in entsprechende Kleider, später sollte er eine Militärlaufbahn anstreben, was gar nicht seinem Naturell entsprach und ihn entsprechend unglücklich machte. Nach sechs Jahren konnte er krankheitsbedingt abbrechen. Der nachfolgende Besuch der Handelsakademie wurde auch abgebrochen, dies wegen einer unstatthaften Beziehung zu einem Kindermädchen. Es folgte ein Studienbesuch und dann kam es zu der Begegnung, die wohl sein Leben am massgeblichsten geprägt hat: Lou Andreas-Salomé trat in sein Leben und änderte gleich mal seinen Namen hin zum (wie sie fand) männlicheren Rainer.

Rilke ist ein Nomade, wohnt an keinem Ort lange, hält es mit keiner Frau lange aus, mag Beziehungen eher auf Distanz als in der Nähe. Seine einzige und wirkliche Liebe scheint der Dichtung zu gehören. Immer wieder um seine Gesundheit kämpfend wurde 1926 bei Rainer Maria Rilke Leukämie diagnostiziert. Er stirbt am 29. Dezember 1926 in der Nähe von Montreux und wird am 2. Januar darauf im Bergdorf Raron beigesetzt, nahe seines letzten Wohnortes. Den Spruch für seinen Grabstein hat er selber verfasst:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

#abcdeslesens – Q wie «Quai du Rosaire » (Rainer Maria Rilke)


Brügge

Die Gassen haben einen sachten Gang
(wie manchmal Menschen gehen im Genesen
nachdenkend: was ist früher hier gewesen?)
und an die Plätze kommen, warten lang

auf eine andre, die mit einem Schritt
über das abendklare Wasser tritt,
darin, je mehr sich rings die Dinge mildern,
die eingehängte Welt von Spiegelbildern
so wirklich wird wie diese Dinge nie.

Verging nicht diese Stadt? Nun siehst du, wie
(nach einem unbegreiflichen Gesetz)
sie wach und deutlich wird im Umgestellten,
als wäre dort das Leben nicht so selten;
dort hängen jetzt die Gärten gross und gelten,
dort dreht sich plötzlich hinter schnell erhellten
Fenstern der Tanz in den Estaminets.

Und oben blieb? – – Die Stille nur, ich glaube,
und kostet langsam und von nichts gedrängt
Beere um Beere aus der süssen Traube
des Glockenspiels, das in den Himmeln hängt.

Ein Gedicht voller Bilder, ein Gedicht, das anschaulich macht, was nur zu fühlen ist beim Gang durch die Stadt. Brügge sei es, steht oben. Das ist verwunderlich, als im Gedicht vorkommt, die Stadt sei vergangen, was mit Brügge nie passiert ist, blieb diese doch verschont im Krieg. Ob das Vergehen der Zeit gemeint ist, der Wandel durch die Zeiten hindurch? War Brügge früher Handelszentrum, nahm die wirtschaftliche Stellung in der Neuzeit ab, die Industrialisierung hat sie nicht mehr mitgemacht. Ob das Erbe der alten Zeiten noch in den Gassen hängt?

Es ist Abend, die Kanäle rund um die Stadt haben klares Wasser, in welchen sich die Häuser spiegeln. Ein Spiegel ist nie das, was wirklich ist, es ist ein Abbild. Von diesem Abbild erzählt das Gedicht, welches wiederum ein neues Abbild schafft, indem es Gefühle und Stimmungen in Worten ausdrückt und sie so erfahrbar macht. Als Leser sind wir nun mit einer Wirklichkeit betraut, welche es eigentlich nicht gibt, die aber doch durch die Worte hindurchschimmert als Ahnung dessen, was sein könnte.

Während das Hier und heute schnell und hell und gross erscheint und als Leben in den Kneipen tanzt, bleibt leise die Ahnung dessen, was war, in den Gassen, die in der Abendstille daliegen. Und diese Stille ist es, die Rilke als die wahre Schönheit, als süsse Traube des Himmels, sieht.

Ein Gedicht voller bildsprachlicher Schönheit, das dazu aufruft, hinzuschauen, nicht einfach blind durch die Gassen und Strassen zu gehen, sondern offen zu sein für die Schönheiten, die sich zeigen, für die Geschichten, die versteckt lauern, für die Gefühle, die sich einstellen können, wenn man offen bleibt.

Zum Autor
René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke wird am 4. Dezember 1875 in Prag, welches damals zu Österreich-Ungarn gehörte, geboren. Glücklich kann man seine Kindheit wahrlich nicht nennen. Erst wollte die Mutter ihn eigentlich als Mädchen sehen, steckte ihn in entsprechende Kleider, später sollte er eine Militärlaufbahn anstreben, was gar nicht seinem Naturell entsprach und ihn entsprechend unglücklich machte. Nach sechs Jahren konnte er krankheitsbedingt abbrechen. Der nachfolgende Besuch der Handelsakademie wurde auch abgebrochen, dies wegen einer unstatthaften Beziehung zu einem Kindermädchen. Es folgte ein Studienbesuch und dann kam es zu der Begegnung, die wohl sein Leben am massgeblichsten geprägt hat: Lou Andreas-Salomé trat in sein Leben und änderte gleich mal seinen Namen hin zum (wie sie fand) männlicheren Rainer.

Rilke ist ein Nomade, wohnt an keinem Ort lange, hält es mit keiner Frau lange aus, mag Beziehungen eher auf Distanz als in der Nähe. Seine einzige und wirkliche Liebe scheint der Dichtung zu gehören. Immer wieder um seine Gesundheit kämpfend wurde 1926 bei Rainer Maria Rilke Leukämie diagnostiziert. Er stirbt am 29. Dezember 1926 in der Nähe von Montreux und wird am 2. Januar darauf im Bergdorf Raron beigesetzt, nahe seines letzten Wohnortes. Den Spruch für seinen Grabstein hat er selber verfasst:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

Frauen in der Literatur – Literaturliste Deutsch für die Schweizerische Maturitätsprüfung

Im Rahmen meiner Beschäftigung mit der Sichtbarkeit von Frauen in der Literatur habe ich mir die Literaturliste für die Schweizerische Maturitätsprüfung im Fach Deutsch vorgenommen. Das Resultat war eher ernüchternd – dies nicht sehr überraschend und doch bedenkenswert.

Unterteilt ist die Liste in verschiedene Epochen:

  1. (fakultativ) Werke aus dem Mittelalter, Humanismus, Barock
  2. 18. Jahrhundert: Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm und Drang, Klassik
  3. 19. Jahrhundert: Romantik, Biedermeier, Realismus, Naturalismus
  4. Das 20. und 21. Jahrhundert: A) Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
  5. Das 20. und 21. Jahrhundert: B) Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und Anfang des 21. Jahrhunderts

Insgesamt waren es 125 zu lesende Werke (teilweise einige Gedichte pro Autor). Davon waren 19 Frauen. Teilt man diese nun auf die fünf Abschnitte auf, kommt man zu folgendem Ergebnis:

Teil 1: Keines der insgesamt neun Bücher stammt von einer Frau
Teil 2: Keines der insgesamt sieben Bücher stammt von einer Frau
Teil 3: Zwei von insgesamt 19 Bücher stammen von einer Frau
Teil 4: Zwei von insgesamt 21 Bücher stammen von einer Frau
Teil 5: 13 von insgesamt 70 Büchern stammen von einer Frau

Dass es in den ersten zwei Teilen so aussieht, kann ich noch einigermassen nachvollziehen, die Situation war für dichtende Frauen damals nicht leicht, wenn es auch durchaus welche gegeben hätte, die man hätte aufnehmen können.

Ab Teil drei wird es aber mehr und mehr fragwürdigt, gerade in Teil vier und fünf hätte es durchaus gute Schriftstellerinnen gegeben, die obgleich etwas in Vergessenheit geraten, nicht von minderer literarischer Qualität wären. Es wäre gerade wünschens- und lobenswert, an dieser Vergessenheit zu arbeiten und Literatur von Wert und Qualität wieder ins Bewusstsein zu holen. Zudem könnte es für junge Menschen auch eine lohnenswerte Herausforderung sein, Werkte neu zu entdecken und zu interpretieren aus heutiger Sicht, die nicht schon abgegrast sind wie das die – durchaus mitunter grossartigen – männlichen Berufskollegen sind.

Ich würde mir wünschen, die Schweizerische Maturiätskommission würde hier sprichwörtlich über die Bücher gehen und den Kanon neu überarbeiten, so dass unterm Schrich ein ausgewogeneres Verhältnis herauskäme.

Frauen in der Literatur sichtbar machen

Ich habe hier ja schon einige Male angedeutet, dass mich das Thema Frauen in der Literatur beschäftigt. Ich war nie ein Mensch, der fand, man müsse ein Geschlecht in einer Form hervorheben, im Gegenteil, mir schwebte eher ein Blick auf den Menschen als Menschen vor, da ich nur in diesem eine Möglichkeit eines Miteinanders sehe. Das ist so geblieben, und doch merke ich immer wieder, dass es wohl nicht reicht. Zwar soll es wirklich kein Gegeneinander der Geschlechter geben, aber gerade in der Literatur sticht der unterschiedliche Blick auf die Autoren und Autorinnen ins Auge. 

Mein Studium war von männlichen Professoren, welche männliche Autoren behandelten, bevölkert. Sowohl in Schule als auch im Studium gab es, wenn überhaupt, eine Autorin, welche behandelt wurde: Annette Droste-Hülshoff. Sicher keine schlechte Wahl, aber doch. Der Literaturkanon, den ich im Studium lesen musste für die Zwischenprüfung, war zu einem grossen Teil männlich. Und das hat leider nicht gross geändert. Ich war gestern in einem neuen Gymnasium, einem Gymnasium, dass vom Unterrichtsstil und der Haltung sehr fortschrittlich ist. Ich steuerte gewohnheitsmässig auf das Bücherregal zu und: Keine einzige Frau im Regal, auch bei den neuen Büchern nicht. Da die Klassiker erst ab dem 19. Jahrhundert auch Frauen beinhalten, könnte ich es da noch verstehen, aber bei den neuen? Beim Blick durch den Literaturkanon der Schule kam heraus, dass bei 127 Autoren 20 Frauen waren. 

Ich möchte nicht aufhören, Männer zu lesen, ihre Bücher zu lieben. Es gibt grossartige männliche Autoren, solche, die ich bewundere, von denen ich alles lese – alte und neue. So werde ich immer Thomas Mann lesen, Rainer Maria Rilke ist der Stern an meinem Lyrikhimmel, von Bernhard Schlink will ich jedes neue Buch haben, das rauskommt, aber auch Theodor Fontane, Arthur Schnitzler, Fjodor Dostojewski und viele mehr werden immer einen wichtigen Platz in meinem Leben und Lesen haben. Sie plötzlich auszublenden, zur Seite zu legen, käme mir nicht nur falsch vor, es würde mir auch einen grossen Teil meiner Lesefreude nehmen. Bücher müssen für mich nach wie vor zuerst gut sein. Da kommt es nicht drauf an, ob sie von einem Mann oder von einer Frau geschrieben werden. Daneben möchte ich den Blick vermehrt auf die Frauen lenken. Für mehr Aufmerksamkeit.

Ruth Klüger schrieb mal ein Buch darüber, wie Frauen schreiben. Vom Stil und von der Qualität her kaum anders als Männer, aber: Während bei Männern oft Frauen Protagonistinnen sind (Anna Karenina, Madame Bovary, Effi Briest, etc.) und diese durchaus auch stimmig und authentisch beschrieben werden, schreibt eine Frau doch mehr von innen und geht damit auf andere Themen im Frausein ein, als es ein Mann tun würde. Das kann vor allem für lesende Frauen ansprechend sein, sind Literaturwelten doch immer mögliche Lebenswelten, Welten, in welchen Menschen ihren Weg, mit dem Leben umzugehen, gehen, der dann auch für den Leser, die Leserin neue Möglichkeiten aufzeigen kann.

Marcel Reich-Ranicki gab zu dem Thema einen Gedichtband heraus: Frauen dichten anders. Auch dem stimme ich zu. Es ist ein anderer Blick auf die Welt, wenn er von Frauen oder Männern kommt. Und ich denke, das ist gut so und darf so bleiben. Die Welt ist vielfältig und sie erschliesst sich keinem allein. Gerade auch aus diesem Grund finde ich es wichtig, dass alle Blickrichtungen präsent sind und die Aufmerksamkeit kriegen, die sie verdienen. Dem möchte ich mich vermehrt widmen.

An dieser Stelle noch ein paar für mich inspirierende Frauen:

  • Simone de Beauvoir – ich mag ihre selbstreflexive, entschlossene Weise, das Leben anzugehen und darüber zu schreiben
  • Hannah Arendt – ich mag ihr sprichwörtliches Denken ohne Geländer, den unbeugsamen Blick auf das, was ist
  • Ingeborg Bachmann – ich mag ihr Ringen mit den Worten und dem Leben, dem unbändigen Wunsch zu schreiben und die Qualitätsansprüche, die sie an das Schreiben hat
  • Susan Sontag – ich mag ihre grosse Liebe für die Kunst und den differenzierten Blick darauf
  • Hilde Domin – ich mag ihren unermüdlichen Einsatz für die Lyrik und ihre eigene Lyrik
  • Mascha Kaléko – ich mag ihre melancholische Sicht auf die Welt und ihre Weise, diese in Worte zu fassen
  • Eva Strittmatter – ich mag ihre Gedichte, die von viel Tiefe, Menschlichkeit und sensible Sicht auf das Zwischenmenschliche