5 Inspirationen – Woche 7

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich habe einige Yogalehrerausbildungen und auch Unterrichtungen in buddhistischer Tradition hinter mir. Die östliche Philosophie war viele Jahre sehr zentral in meinem Leben und auch heute noch begleiten mich einige Dinge im Leben, die mir immer wieder gute Dienste leisten. Ich las einen Artikel im Netz über Eckhart Tolle und darüber, was er als tägliche spirituelle Praxis vorschlagen würde: Atembewusstsein. An anderer Stelle las ich kurz vor dem Artikel etwas ähnliches. Zufall? Passt es gerade in mein Leben und ich stosse drum drauf? Zwar praktiziere ich das Atembewusstsein jeden Morgen auf der Yogamatte und in schwierigen Situationen versuche ich, bewusst dazu zurückzukommen. Doch ab und an verliere ich mich doch in der Hektik der Tageserfordernisse und merke viel zu spät, dass der Atem oberflächlich ist, ich gehetzt bin. Öfter am Tag einfach mal schnell den Atem beobachten kann helfen, gelassener zu bleiben, wacher zu sein, kann auch Kraft geben für das, was noch ansteht. Ich kann es nur empfehlen und werde es auch wieder mehr in den Tag einbauen.
  • Ich hörte den Podcast von Tim Ferriss mit Joyce Carol Oates über das Schreiben, über ein kreatives Leben.
    “If you feel that you just can’t write or you’re too tired or this, that, and the other, just stop thinking about it, and go and work. Life doesn’t have to be so overthought. You don’t have to wait to be inspired. Just start working.”— Joyce Carol Oates
  • Ich lese gerade das Buch „Schreibtisch mit Aussicht“ (Ilka Piepgras, Hrsg.), welches von schreibenden Frauen handelt. Auf Frauen ist es vor allem beschränkt, da diese in der Literaturwelt noch immer einen viel zu kleinen Stellenwert haben, da diese noch heute sehr von Männern dominiert ist. Liegt es bei den Klassikern noch auf der Hand, dass diese mehrheitlich von Männern geschrieben wurden (mit wenigen dankenswerten Ausnahmen), da die Zeiten waren, wie sie waren, beschleicht einen heute doch ein Gefühl des Unverständnisses, dass dies zwar etwas gebessert hat, aber noch lange nicht so ist, wie man es sich wünschen würde. Das Buch regt an das eigene Leseverhalten zu hinterfragen. Schreiben Frauen anders als Männer?
  • Beim Durchforsten des Regals stiess ich wieder einmal auf das schöne Buch von Marcel Reich-Ranicki: Frauen dichten anders. Deutsche Dichterinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Da ich einerseits Lyrik sehr mag, dies ein schöner Anstoss ist, Lyrik von Frauen kennenzulernen und vielleicht danach weiter zu lesen, möchte ich es an dieser Stelle auch noch nennen.
  • Am 13. Februar starb die Schweizer Schriftstellerin Helen Meier. Geboren am 17. April 1929 in Mels, Str. Gallen, arbeitete sie zuerst als Primarlehrerin, studierte später Sprachen und Pädagogik und arbeitete später in der Flüchtlingshilfe sowie als Sonderschullehrerin. Geschrieben hat sie ihr Leben lang, dass das Geschriebene auch veröffentlicht werden könnte, auf den Gedanken kam sie erst mit 55. 1984 erhielt sie an den Klagenfurter Literaturtagen einen Preis. Sie lebte und schrieb bis zu ihrem Tod in Trogen. Hier ein Interview mit dieser tiefgründigen und humorvollen Frau, deren Texte ich nur ans Herz legen kann: INTERVIEW MIT HELEN MEIER (SRF)

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Milena Moser – Nachgefragt

Ein kurzer Blick auf Milena Mosers Leben

Milena Moser in ihrem Garten in San Francisco (©David Butow)

Milena Moser wurde 1963 in Zürich geboren und absolvierte nach dem Besuch der Diplommittelschule eine Buchhändlerlehre, lebte danach in Paris, wo drei unveröffentlichte Romane entstanden. Zurück in der Schweiz schrieb sie für Schweizer Rundfunkanstalten und verfasste Bücher, welche keinen Verlag fanden, so dass sie kurzerhand zusammen mit Freunden den Krösus Verlag gründete, in welchem ihr erstes Buch Gebrochene Herzen sowie Die Putzfraueninsel erschienen, zweiteres wurde zum Bestseller und später verfilmt. 1998 führte Milena Mosers Weg nach San Francisco, wo sie mit ihrer Familie acht Jahre lebte, danach wieder in die Schweiz zurückkehrte. Milena Moser wohnt in Aarau als freie Autorin und führt in ihrem Schreibatelier Menschen in die Welt des Schreibens ein. Des Weiteren begleitet sich Schulklassen beim Verfassen eines gemeinsamen Romans. 2011 folgte, zusammen mit der Musikerin und Freundin Sibylle Aeberli, der Sprung auf die Bühne, Die Unvollendeten war ein voller Erfolg, ein zweites Bühnenprojekt ist in Planung. Von Milena Moser sind unter anderem erschienen Die Putzfraueninsel (1991), Das Schlampenbuch (1992), Artischockenherz (1999), Sofa,Yoga, Mord (2003), Möchtegern (2010), Montagsmenschen (2012), Das wahre Leben (2013), Das Glück sieht immer anders aus (2017), Das schöne Leben der Toten (2019). Später zog Milena Moser zu ihrem Partner und heutigen Mann Victor nach Santa Fe, mit dem sie heute in San Francisco lebt.

Ich habe mich vor acht Jahren schon einmal über ihr Schreiben und Leben ausgetauscht (HIER das Interview), ich freue mich sehr, dass sich ein zweites Mal die Gelegenheit für einige Fragen bot.

Einblicke

Unser letztes Interview liegt 8 Jahre zurück, seit da ist viel in deinem Leben passiert. Wie würdest du das zusammenfassen?

Ich hab noch mal ganz von vorn angefangen ….

Du schreibst schon viele Jahre, dies sehr erfolgreich. Hat sich deine Beziehung zu deinem Schreiben in den Jahren verändert?

Nicht wirklich. Schreiben ist die einzige Konstante in meinem Leben.

Gab es Zeiten in deinem Leben, wo der Schreibfluss versiegte? Und wenn ja, wie gingst du damit um?

Nein. Ich schreibe täglich, sonst fühle ich mich nicht wohl, irgendwie nicht richtig. Aber je älter ich werde, desto mehr Zeit nehme ich mir für Texte, die ich veröffentlichen will.

Ich traf dich vor vielen Jahren bei einem Schreibworkshop in Aarau, nun bietest du Onlinekurse im Schreiben an. Was reizt dich an dieser neuen Form?

Sie hat sich aufgezwungen, nachdem ich all meine Kurse absagen musste. Ohne die Pandemie hätte ich mich nie auf dieses Format eingelassen. Doch es hat sich mehr als bewährt, es hat unzählige Vorteile, die mir nicht bewusst waren. Viele Schreibende sind Einzelgänger, Individualisten, die eine Gruppenerfahrungen eher scheuen, die in ihrem eigenen Rhythmus arbeiten möchten. Der individuelle Austausch zwischen mir und dem Einzelnen ist auch viel intensiver, als das in einem Gruppensetting möglich wäre.

Wenn du auf deinen eigenen Schreibprozess schaust, wie gehst du vor? Entsteht zuerst ein durchdachtes Gerüst oder aber schreibst du drauf los und schaust, wo dich das Schreiben hinführt?

Ich lasse mich treiben, oder eher: von einer Figur an die Hand nehmen und entführen. Diese Anfangsphase in der ich selbst nicht weiss, ob und was “dabei herauskommen wird”, ist eine atemlose, berauschende – ein bisschen, wie wenn man sich verliebt.

Wie schreibst du? Noch mit Papier und Stift oder alles am Computer? Und: Hat das Schreibmittel deiner Meinung nach einen Einfluss auf den Schreibprozess?

Beides, ich versuche vor allem, unabhängig zu bleiben. Ich schreibe gern mit Bleisitift, weil es so etwas Vergängliches hat, das eine grosse Freiheit beinhaltet. Aber im professionellen Umfeld muss früher oder später alles im Computer enden.

Woher holst du deine Ideen für ein Buch?

Siehe oben: Eine Figur taucht auf und nimmt mich mit.

Ich hörte mal, der grösste Feind des Schriftstellers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchst du zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?

Talent ist keine objektiv messbare Grösse. Der grösste Feind des Schreibenden ist der Selbstzweifel. Die Frage, was andere denken könnten. Das scheint mir generell das grösste Hindernis auf dem Weg zum Glück, nicht nur beim Schreiben.

Du lebst aktuell in San Francisco. Wie beeinflusst der Ort, an dem du lebst, dein Schreiben?

Unterschiedlich. In Santa Fe war es vor allem die Landschaft, die mich inspirierte. In San Francisco sind es eher die gesellschaftlichen Umstände oder Bedingungen.

Dein Mann Victor ist auch Künstler – wie empfindest du das Zusammenleben von zwei kreativen Menschen? Ist es Segen, weil man die Antriebe des anderen versteht, oder auch ab und an schwierig, weil doch zwei Menschen mit eigenen Ideen und Projekten aufeinander treffen?

Gerade jetzt, in dieser Ausnahmesituation ist es ein Segen für uns beide, dass wir diesen Bereich haben, in dem wir uns, trotz allen Einschränkungen, auch austoben können. Wir werden vielleicht für unsere Arbeit nicht bezahlt, aber wir können arbeiten. Wir können uns ausdrücken. Ausleben. Das nimmt enorm viel Druck von der Beziehung. Victor unterstützt mich ausserdem bedingungslos.

Dein neustes Buch handelt vom Tod. Wurde dieser erst durch die Krankheit von Victor ein Thema für dich oder war er auch schon früher präsent und ein mögliches Thema für ein Buch?

Auf diese Art nicht. Die Beziehung mit Victor wird ja nicht nur durch seinen Gesundheitszustand, sondern vor allem auch durch seine Kultur beeinflusst. Durch ihn habe ich einen ganz anderen Umgang mit dem Tod kennengelernt. “Das schöne Leben der Toten” ist nicht “mein” letztes Buch, sondern ganz klar ein Gemeinschaftswerk.

Ich las mal, wenn es den Tod nicht gäbe, wäre das Leben sinnlos, weil wir ohne Beschränkung nichts tun müssten und würden. Lehrt uns der Tod zu leben?

Der Tod gehört einfach dazu, man kann ihn nicht vom Leben trennen. Der Tod ist die einzige Gewissheit, die wir haben: Wir werden alle einmal sterben. Es ist also recht absurd, diese Tatsache verdrängen oder überspielen zu wollen. Der Tod ist Teil des Lebens.

Du schreibst, wenn wir den Tod nicht fürchten, wird das Leben leichter. Kann man die Furcht vor dem Tod ganz ablegen? Wünschenswert wird er ja selten, was macht ihn in deinen Augen leichter?

Ich habe, seit ich denken kann eine gewisse Todessehnsucht im Sinn von einer grossen Neugier, einer Ahnung, dass da durchaus noch was kommt… aber was? Angst macht mir nur der Tod der anderen, der Verlust geliebter Menschen. Die mexikanische Vorstellung, dass die Toten das schönste Leben haben, mildert diese Angst ein wenig. Die Trauer jedoch bleibt. Und wie gesagt, wünschenswert oder nicht, der Tod ist eine Tatsache. Man lebt auf jeden Fall besser, wenn man sich damit anfreundet!

Wenn du auf deine Bücher zurück schaust, gibt es ein Lieblingsbuch, eines, das dir am nächsten ging, am wichtigsten war und noch ist?

Nein. Mich beschäftigt immer das, was ich gerade schreibe, egal ob es veröffentlich wird oder nicht. Das Geschriebene ist geschrieben.

Die meisten Schriftsteller lesen auch viel – gibt es Bücher, die dich geprägt haben, die dir wichtig sind, Bücher, die du empfehlen würdest?

Lesen und Schreiben gehören untrennbar zusammen. Als junge Frau hat mich vor allem die französische Literatur inspiriert, die Surrealisten, die Oulipisten, die Pataphysiker. Nicht in dem Sinne, dass ich ihnen nacheifern wollte, aber sie zeigten mir, was möglich ist: Alles.

Was wäre dein Rat an einen angehenden Schriftsteller?

Wer schreiben will, muss – schreiben.

5 Inspirationen – Woche 6

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Erich Fromm: Die Kunst des Liebens – es ist nicht das erste Mal, dass ich das Buch lese, und doch packt es mich immer wieder in seiner Klarheit, in seiner Einsicht. Der Mensch, ein Wesen, das Zugehörigkeit und Verbindung braucht wie die Luft zum Atmen, so Fromm, leidet unter seiner Abgrenzung gegen andere Menschen und gegen die Natur. Es gibt verschiedene Wege, diese Abgrenzung aufzulösen: Orgiastische Zustände, Konformität und eben Liebe. Das Bewusstsein, dass wir alle verbunden sind und nur in dieser Verbindung leben können, hilft, sie zurück ins Leben zu bringen. Ein schönes Zitat dazu:„Es gibt im anderen Menschen nichts, was es nicht auch in mir gibt. Dies ist die einzige Grundlage für das Verstehen der Menschen untereinander.“ (Erich Fromm)Das fällt nicht einfach zu, das ist eine Kunst, die wie jede andere neu gelernt und gepflegt werden will.
  • Ich brauche mehr Gelassenheit. Das wurde mir wieder einmal bewusst. Dabei kam mir ein Zitat in den Sinn, das genau das ausdrückt:
    “ Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

    Wie oft hadere ich mit Dingen, die noch gar nicht real sind, reagiere aus Ängsten heraus, die auf wenig realen Füssen stehen, oder rege mich über Dinge auf, die schlicht nicht in meiner Hand liegen. Und wenn sie das tun, sollte ich mich nicht aufregen, sondern etwas ändern. Ich arbeite dran….
  • Eine wahre Freude war die Rede von Neil Gaiman, die er 2012 vor einer Abschlussklasse hielt: Make good Art! Er plädiert dafür, sich eigene Ziele zu setzen und darauf zuzugehen – aus ganzem Herzen und mit Freude. Er windet Fehlern einen Kranz, denn sie zu machen bringt einen weiter. Sei du selber, sprich mit deiner Stimme, denn alle anderen Stimmen gibt es, die deine ist das Einzigartige in der Welt – so Neil Gaiman! Eine grossartige Rede voller Witz, Einsichten, Bescheidenheit, Inspiration.
  • Ich mochte sie immer sehr, doch in der Flut des Lesestoffes und da es doch viele tolle Dichter und Schriftsteller gibt, ging sie ein wenig unter. Diese Woche hätte Else Lasker-Schüler ihren 152. Geburtstag gefeiert und ich las ein paar Gedichte von ihr – und sie berührten mich tief, liessen mich innehalten, eintauchen, durchatmen, mich freuen. Schön, solche unverhofften Momente ganz für sich zu finden und zu geniessen.
  • Kochen – Ich liebe es, auf Rezeptseiten zu stöbern und neue Gerichte zu finden. Zwar koche ich höchst selten streng nach Vorschrift, finde immer etwas, das ich für mich austausche oder „optimiere“, und doch bin ich auch diese Woche wieder auf Gerichte gestossen, die ich so von selber nie gekocht hätte, die aber von Anfang bis Ende ein Erlebnis waren: Die Suche nach dem Rezept, die Jagd nach den teilweise komplizierten Zutaten, die Planung der Zubereitung, die effektive Zubereitung und die Freude, wenn es gelingt. Im Kochen liegt für mich schlicht viel Kreativität, Vorfreude und beim Gelingen erst noch Genuss.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 5

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert? Fast hätte ich es verpasst, ich wusste zwar irgendwie immer mal wieder, dass Freitag ist, aber ich war in diversen Gedanken und Aufgaben gefangen… bis es gerade eben ausploppte… die Inspirationen. Ich sammle sie zum Glück durch die Woche, hier sind sie:

  • Der Artikel „Wieso du darüber schreiben solltest, was du liest“ hat mich diese Woche dazu angeregt, selber eine Liste meiner Bücher, die ich 2021 lese, zu machen. Ich schreibe zwar schon über die einzelnen Bücher und mache das auch gerne, da es mich dazu anregt, das Buch nochmals für mich vor Augen zu führen, aber ich finde die Idee, alle Bücher mal aufgelistet zu sehen, um meine Lesereise zu sehen, schön. Hier findet ihr die Seite, wo ich das fortan tun werde: Bücher 2021
  • Der Podcast „Gin and Talk“ mit Doris Dörrie hat mich diese Woche inspiriert. Wer mich ein wenig kennt, weiss wohl mittlerweile, dass ich diese Frau generell sehr spannend, inspirierend und toll finde in ihrer frischen, humorvollen, mitreissenden Art. Ein Stelle aus dem Podcast hat mich speziell angesprochen: Doris Dörrie braucht immer wieder Momente, in denen sie einfach da liegt und nichts tut. Ohne diese gehe es auch nicht mit dem Schreiben, mit der Inspiration. Und oft denke sie dann, sie sei faul. Dass sie das nicht ist, darauf deuten doch 26 Bücher und 33 Filme, die sie bis heute auf die Beine gestellt hat. Mir zeigt das, dass ich mir durchaus auch mal ruhige Momente gönnen darf. ich fühle mich oft wie unter Strom, denke immer noch zu wenig gemacht zu haben. Nicht umsonst heisst es wohl „In der Ruhe liegt die Kraft“.
  • Noch ein weiterer Podcast hat mich diese Woche inspiriert: Ildiko von Kürthis „Frauenstimmen“ mit Maria Furtwängler. Es ging um Themen wie den eigenen Umgang mit Erwartungen anderer, um die Tendenz, den Schwerpunkt auf Schwächen zu legen, die man ausmerzen will, statt die eigenen (und die anderer Menschen) Stärken zu fördern sowie auch um Maria Furtwänglers Engagement für den Feminismus, für eine Welt, in der Menschen gleichberechtigt miteinander leben können. Für diese Belange setzt sich ihre Malisa Stiftung ein https://malisastiftung.org/Für mich nahm ich zwei Dinge mit: Dass gerade wir Frauen, die ian vielen Belangen das Privileg haben, uns für eine gleichberechtigtes Leben für uns selber einzusetzen, in der Pflicht sind, solidarisch zu sein und denen eine Stimme zu geben, die das nicht können. Das zweite war Maria Furtwänglers Erzählung, wie sie früher immer als kühle Blonde betitelt wurde, was sie immer bestreiten wollte, bis sie merkte, dass sie anderen nicht die Sicht nehmen kann, die sie von einem haben wollen. Jeder Versuch dazu ist verlorene Energie.
  • Das Buch von Anselm Grün: Das kleine Buch vom guten Leben
    Eigentlich hängt ganz viel von uns selber ab: Worauf richten wir unser Augenmerk? Wie verhalten wir uns zu dem, was passiert? Wir können nicht alles ändern, aber wir können entscheiden, wie wir dazu stehen. Das fällt nicht immer leicht, oft sind wir zu geprägt, sitzen unbewussten Mustern auf. Aber es gibt kleine Mittel, es gibt Werte, die wir uns auf die Fahne schreiben können. Und vielleicht wird das Leben etwas bunter: Was ist gut aktuell? Gibt es etwas, wofür ich dankbar sein kann? Was macht mir Freude? Kann ich mehr davon in mein Leben bringen? Bin ich grosszügig? Liebe ich? Das Buch ist ein Kleinod – ich kann es nur empfehlen.
  • Eine Dokumentation im Schweizer Fernsehen. Die gesellschaftliche Schere zwischen arm und reich. Und ja, sie stimmte nachdenklich. Die Schweiz ist ein reiches Land im internationalen Vergleich. Und doch gibt es Familien, die am Ende des Monats für Tage kein Geld mehr haben. Trotz drei Jobs. Ich habe vor einiger Zeit das „Handbuch Armut Schweiz“ der Caritas lektoriert und kannte viele Studien und Zahlen. Auch die gefährdeten Gruppen, zu der ich durchaus gehöre. Ich hörte heute einen Podcast mit Ferdinand Schirach, der sich um Recht und Gerechtigkeit drehte. Und – es ist nicht neu – das ist nicht dasselbe. Nach unserem Recht sollte für alle gesorgt sein. In Tat und Wahrheit fallen Menschen durch die Maschen – aus verschiedenen Gründen. Was wäre gerecht? Mir kam ein privates Netz in den Sinn. Aus Dankbarkeit etwas zurückgeben. Im Wissen, es verdient zu haben als Mensch, etwas annehmen dürfen.
    Ich möchte den Staat nicht abschaffen, er ist gut und wichtig und er muss das Allgemeine regeln, alles andere wäre nicht machbar. Er differenziert schon so gut es geht. Bietet ein mögliches Höchstmass an Sicherheit. Den Rest müssten wohl Menschen machen. Eine Utopie? Vielleicht.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Von orangen Füssen und Käse

Orange erinnert mich an Käsefüsse. Nicht ein klein wenig riechende Füsse, sondern so richtig nach überreifem Käse, der so leicht vor sich hinmodert, stinkende. Verglichen mit einem Ton, wären sie der laute, anhaltende Schrei, welcher die Umgebung bis in die Tiefen erschüttert, wie durch Lautsprecher verstärkt, dröhnen sie und lassen alles erschauern.

Orange Käsefüsse sind keine drahtigen, knochigen Füsse, sondern richtig weichmütige, solche, in die man den Finger bohren kann und es bleibt noch lange eine Kuhle. Nur dass keiner einen Finger in solche stinkenden Füsse stecken möchte, aber das ist egal, würde es einer tun, wäre es genau so.

Ich mag keine Füsse. Ich finde Füsse eklig. Sie müssen nicht mal stinken, um eklig zu sein, es reicht schon, dass es Füsse sind. Füsse sind das am weitesten vom Kopf entfernten. Vielleicht bin ich zu stark Kopfmensch und die Füsse sind mir durch ihre Distanz zu fremd. Als Menschen neigen wir ja dazu, das uns Fremde zu verurteilen, zumindest verdächtig zu finden. Was so weit weg von uns ist, kann und ja nicht geheuer sein. Da kommt der Geruch solcher orangen Stinkefüsse gerade recht, bestätigt er doch die vorgefertigte Meinung von ekligen Füssen.

Komisch ist, dass ich Käse mag. Ich mag vor allem den rezenten Käse, den, der ein bisschen stinkt. Kinder sind da mehr geradeheraus und finden nicht, dass er ein bisschen stinkt, sondern dass er bestialisch stinkt und man ihn nicht unter der Nase durchbrächte, ohne einen üblen Brechreiz zu provozieren. Das verstehe ich nicht. Sie finden dann, der stinke wie Käsefüsse, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, finde ich Käsefüsse doch übelst, den Käse aber eine Delikatesse.
Es ist eine verkehrte Welt!

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Für die abc.etüden, Woche 05/21 – dieses Mal Extraetüden: 5 Begriffe in maximal 500 Wörtern. Die Wortspende für die Textwoche 05.21 kommt von Ludwig Zeidler und Ulrike mit ihrem Blog Blaupause7

Verwendete Worte für die Extraetüden: orange, weichmütig, backen, Lautsprechererschüttern.

Der Originalpost: Schreibeinladung für die Textwoche 05/21

„Das Salz der Erde“


Eine Reise mit Sebastião Salgado
Ein Film von Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgado

Rezensiere ich sonst mehrheitlich Bücher, so ist es dieses Mal ausnahmsweise ein Film: „Das Salz der Erde“, eine Dokumentation über den Fotografen Sebastião Salgado – nein mehr: Ein Zeugnis über die Grausamkeit der Menschen, die Schönheit der Erde und die Möglichkeit, deren Zerstörung rückgängig zu machen. Was es braucht? Man muss hinsehen.

Einer der hingeschaut und (zu?) viel gesehen hat, ist Sabastião Salgado. Der 1944 in Brasilien geborene Salgado kam eher zufällig zur Fotografie. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, lernte seine Frau Lélia Deluiz Wanick kennen und schoss sein erstes Foto von eben dieser mit deren Fotoapparat. Eine Leidenschaft war geboren. Bald schon gab er einen gut bezahlten Job in der Privatwirtschaft auf, kaufte sich mit dem Geld, das sie beide noch hatten, eine Fotoausrüstung, und begann als Fotojournalist zu arbeiten.

Bald schon führten ihn die Reisen immer weiter, er begann, grosse Projekte zu planen, die ihn zu all denen führten, denen es schlecht ging: Zu Vertriebenen, Bekriegten, Verhungernden, dem Tode geweihten durch Fehlverteilung der Ressourcen. Entstanden ist ein Werk, das hinschaut, das aufmerksam macht, das aufschreien lässt. Wie grausam kann der Mensch sein?

Sebastião selber wurde krank durch all die Anblicke und Erlebnisse – er war immer mittendrin und erlebte hautnah, wie viel Leid auf dieser Erde herrscht – und das meiste ist menschgemacht. Irgendwann musste er aufhören. Fast schon hätte er die Fotografie aufgegeben, doch dann besann er sich eines besseren: Er wollte – wohl als Gegengewicht – zeigen, dass die Erde schön ist. Sein Projekt „Genesis“ führte ihn an Plätze, die noch ursprünglich waren, zu Völkern, die noch fernab aller sogenannter Zivilisation mit anderen (oder überhaupt welchen?) Werten lebten.

Neben all dem fotografischen Engagement, das weit darüber hinaus reicht, bloss Kunst und Bilder zu sein, sondern ein soziales Engagement zeigt, haben Sebastião Saldago und seine Frau Lélia ein weiteres Projekt in Angriff genommen: Sie forsteten das Land von Salgados Familie wieder auf. Nachdem das einst fruchtbare Land zu einer Einöde verkommen war, pflanzten sie zweieinhalb Millionen Regenwaldbäume, so dass sich das lokale Klima langsam wieder erholte. Das Gelände ist heute ein Nationalpark, das Paar hat es dem Staat Brasilien geschenkt. Das engagierte Paar begnügte sich aber nicht mit dem ehemals eigenen Land, sie gründeten das Instituto Terra, welches sich der Wiederaufforstung gerodeter Wälder und dem Naturschutz generell widmet.

Am Schluss des Filmes sass ich nachdenklich, bewegt, gerührt, mit einer grossen Achtung für diesen grossartigen Menschen und Fotografen da. Ich kann den Film jedem nur ans Herz legen. Und die Bücher dieses grossartigen Fotografen, der übrigens vor nicht allzu langer Zeit den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat – zu recht!

5 Inspirationen – Woche 4

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich las einen spannenden Artikel von Hannah Mann „Oh Mann“. Es ist kein Anschlag auf den Mann als wie auch immer gesehenes Wesen, sondern die Geschichte der Urenkelin von Heinrich Mann, ihre Gefühle für ihre berühmten Vorfahren und deren Bücher sowie ihren Wunsch, selber zu schreiben – und wie sie ihn sich schliesslich verwirklichte. ()
  • Angeregt durch ein Foto auf Instagram habe ich Brené Browns Buch „Gaben der Unvollkommenheit“ wieder in die Hände genommen und zu lesen begonnen. Und es hat mich gleich wieder gepackt, zum Nachdenken und auch zum selber Schreiben angeregt. Wichtig, richtig und schön fand ich dieses Zitat (neben vielen anderen):

„Lass los, was du glaubst, sein zu müssen, und umarme, was du bist.“

  • In einem Artikel in der Zeit las ich einen Artikel über die liebsten Kinderbücher von acht Prominenten. Nicht nur erinnerte ich mich an die von ihnen erwähnten Kinderbücher und schwelgte in Erinnerungen (eines wollte ich sogar sofort wieder lesen – ihr dürft gerne raten, welches davon), ich tauchte auch in die eigenen Kinderbuch-Erinnerungen ab. Es gab viele Bücher, die mich in meiner Kindheit begeistert und begleitet haben. Eines kam mir speziell in den Sinn. Ich habe darüber dann einen kleinen Text geschrieben. Was waren eure liebsten Kinderbücher?
  • Ich las schon oft, man solle immer mal wieder etwas Neues machen oder die gleichen Dinge auf neue Weise. Das halte flexibel, rege die Kreativität an. Auch las ich an vielen Orten, dass gerade in Zeiten wie diesen mit den Einschränkungen von Corona die Gelegenheit gut wäre, mit etwas Neuem zu beginnen, etwas Neues zu lernen. Nun weiss ich nicht, ob einer der beiden Gründe bei mir ausschlaggebend war, aber: Ich habe mir ein Keyboard gekauft. Als Kind spielte ich Orgel, später Klavier. Unter Zwang und wenig geliebt. Zwar hiess es, ich hätte Talent, doch ich hatte keine Freude und schon gar keinen Sinn fürs Üben. Viel lieber las ich oder kletterte auf Bäumen. Im Erwachsenenalter gab es immer mal wieder Phasen, in denen ich das bereute. Und ich wollte nachholen, was ich verpasst hatte, wollte spielen lernen und dann all die schweren Stücke mit Bravour meistern. Ich kaufte ein Klavier, verkaufte es praktisch unbespielt wieder. Einmal kaufte ich ein Keyboard, hatte grossen Spass dran, doch fand dann, das sei nicht das Wahre, es müsste ein Klavier sein. Ich verkaufte das Keyboard und kaufte ein ePiano. Die Freude war weg und das Piano auch bald. Und nun war er wieder da. So unermüdlich drehte er in meinem Kopf. Ich möchte wieder diese Freude mit dem Keyboard haben. Ich möchte einfach mal ein paar Töne klimpern. Ohne Anspruch, ohne dass etwas entstehen soll. Und ich drehte und wendete ihn, er ging nicht weg. Und nun steht es da. Und ich habe Freude. Und es ist das erste Mal wohl, dass ich das ohne Anspruch tun will. Einfach für mich und zum Spass. Und ja, es wird wohl keinen Türkischen Marsch geben und auch Chopins Nocturne wird weiter vom Band gespielt und nicht aus meinen Tasten. Etwas, das ich lernen musste und ziemlich lang brauchte dafür: Ich muss nicht alles können, es muss nicht alles etwas genügen. Ich darf auch einfach mal nur Spass haben. Aus dem Stück: Die späten Lehren einer Perfektionistin….
  • Ich stiess per Zufall auf das Hörbuch von Theodor Fontane, Von zwanzig bis dreissig. Ich bin begeistert. Ich liebte Fontane immer, habe praktisch alles von ihm in meinem Regal und auch gelesen, aber ich hatte vergessen, wie grossartig er schreibt, mit wie viel Humor, Sprachgefühl, Lebendigkeit. In dieser Autobiographie fiel mir besonders auf, wie die Beschreibungen von Situationen aus der Erinnerung seinen Beschreibungen in den Romanen ähnelt. So liest sich auch die Biographie wie einer. Ich kann das Buch nur ans Herz legen – noch besser, um es zu lesen, aber auch das Hören ist eine Freude. Mich inspiriert es dazu, mich auch an mein Leben erinnern zu wollen. Ich bin ein Mensch, der sich eigentlich selten erinnert, ich vergesse mehr, als dass ich behalte. Auch bewahre ich keine Erinnerungsstücke an Situationen oder Menschen auf. Die sind bei mir in mir drin, die Menschen im Herzen und durchaus auch im Sinn. Ich möchte mich aber gerne bewusster erinnern, an Kleinigkeiten, die irgendwo in mir verborgen schlummern, und möchte diese Erinnerungen zu Geschichten werden lassen.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Ich erinnere mich… an ein Kinderbuch

Ich bin kein Mensch, der gross Erinnerungen nachhängt oder oft von früher erzählt. Ich bin wohl mehr der Vergesser und Verdränger. In letzter Zeit stiess ich immer wieder über das Erinnern. Wenn ich so zurückdenke, war es sogar schon früher präsent, indem ich mich Erinnerungen und Zeugnissen von anderen Menschen befasste – aber nie mit den eigenen. Das möchte ich nun ändern. Ich möchte mein Leben in erinnerte Geschichten packen. Ich möchte sehen, wo überall Erinnerungen versteckt sind und darauf warten, ans Licht geholt zu werden. Hier meine erste, der weitere folgen werden.

Heile Welten

Ich erinnere mich, wie ich auf dem Bett liege und lese, mal wieder, mein Lieblingsbuch. Ich kann mich nicht erinnern, wie oft ich es schon gelesen habe. Ich weiss nicht mal mehr, von wem ich es geschenkt gekriegt habe. Zwei Bände sind es. Ich bin sicher, dass ich gleich beide ausgepackt habe, eines der Bücher öffnete und die Nase reinsteckte. Das mache ich mit allen neuen Büchern so, noch bevor ich überhaupt einen Buchstaben lese. Ich liebe diesen Geruch.

Als ich die Bücher nun erneut lesen wollte, ich weiss nicht mal mehr, wie sie mir nach so langer Zeit wieder in den Sinn gekommen waren, fand ich sie nicht mehr. Hatte ich sie weggegeben? Oder gar fortgeworfen? Beides erschien mir fragwürdig. Ich konnte mich nicht erinnern, nur eines war mir klar: Ich wollte sie wieder haben.

Es schien aussichtslos. In der ersten Buchhandlung wurde ich damit abgespeist, dass man die Bücher weder kenne noch irgendwo finde. In der zweiten hiess es, die Bücher seien vergriffen und leider nicht mehr erhältlich. Wieso ich danach noch in eine dritte Buchhandlung ging, wusste ich nicht. Eigentlich hätte es dafür keinen Grund gegeben. Und doch lief ich hinein und war mehr als erfreut, als diese sogar ein Exemplar des von mir so gewünschten Buches auftreiben konnten.

„Die Turnachkinder“ – Ein Band spielte im Sommer, einer im Winter. Erzählt wurde die Geschichte einer Familie, erzählt wurde mitten aus dem Leben. Man las von Kindern, die spielten und lachten und gemeinsam Dinge erlebten. Einmal im Sommerwohnsitz, einmal im Winterhaus. Und obwohl ich das Buch schon so oft gelesen hatte, war das alles, was ich noch wusste. Ausser einem:

Jedes Mal beim Lesen fühlte ich mich wohl und irgendwie in eine heile Welt versetzt. Vielleicht konnte ich diese gerade jetzt gut brauchen. Vielleicht wollte ich die Bücher aus dem Grund so dringend wieder lesen, weil ich wieder in diese Welt eintauchen wollte, die mir selber gerade abhanden gekommen schien.

Und noch etwas passierter jedes Mal beim Lesen: Ich kriegte Lust, mit meiner Puppenstube zu spielen. Oft sprang ich schon während des Lesens auf, holte mein Puppenhaus hervor und begann, es einzurichten. Eigentlich was das überhaupt alles, was ich damit machte. Ich richtete es nur ein. Das gefiel mir daran

Mein Puppenhaus war ein zweistöckiges Haus. Unten gab es eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Klo. Von da führte ganz hinten eine schmale Treppe mit einem weissen, verschnörkelten Treppengeländer in den oberen Stock. Dort befanden sich ein Badezimmer, ein Schlaf- und ein Kinderzimmer. Sogar Licht gab es in dem Haus. Kleine Lampen liessen sich an Steckdosen anschliessen und wenn man den Schalter drückte leuchteten sie. Immer, wenn ich es eingerichtet hatte, freute ich mich auf die Nacht, um es dann im hellen Glanz erstrahlen zu lassen. Es war wunderschön.

Das mit der Puppenstube würde mir dieses Mal nicht passieren. Eigentlich war ich ja schon zu alt für die Bücher, für die Puppenstube war ich es aber definitiv. Zudem stand diese schon längst im Keller. Wie ein Zeichen dafür, dass die Kindheit nun vorbei war, eine neue Phase begonnen hatte.

Langsam tauchte ich wieder in die Geschichte ein. Und schon nach kurzer Zeit war des da, das Gefühl des Vertrauten, das Gefühl dieser unbeschwerten Welt des Spielens, des Lachens. Und ich war mittendrin. Ich sog das Buch förmlich in mich hinein, streckte dann und wann wieder die Nase hinein, was irgendwie etwas Tröstliches und auch etwas von Nach-Hause-Kommen hatte. Und dann schlich er sich langsam ein, ganz schleichend, fast schon zögerlich: Der Gedanke, dass es schön wäre, mein Puppenhaus wieder einzurichten. Ich schob ihn zur Seite, sagte mir, ich sei nun wirklich zu alt dafür und das sei Kinderkram.

Als mich dieser Gedanke aber nicht los liess, stieg ich in den Keller hinunter. Ich wollte nur schaue, ob das Haus noch da war. Da stand es. Etwas verstaubt zwar, aber ansonsten tadellos, die Möbel dazu waren gut verpackt. Ganz hinten im Keller thronte das Haus auf Kisten mit anderen Zeugen meiner Kindheit und schaute mich an. Eigentlich war es ja nichts Schlimmes, ein Puppenhaus einzurichten, sagte ich mir. Hatte ich nicht gerade kürzlich mein Zimmer umgestellt, weil ich überzeugt war, dass es auf eine andere Weise besser aussähe? Und ich fühlte mich danach wirklich zufrieden und wohl und glücklich. So ein Puppenhaus war quasi ein Übungsplatz. Ich konnte ja nicht ständig mein Zimmer neu einrichten.

Unter den verwunderten Blicken meiner Eltern holte ich die Puppenstube wieder aus dem Keller und stellte sie in meinem Zimmer auf die Kommode. Nun konnte es losgehen. ich schob kleine Tische hin und her, platzierte Stühle, hängte Bilder an die Wände, suchte den geeigneten Platz für Sofa und Kommoden und dekorierte alles mit kleinen Blumenvasen. Als ich fertig war, brach der Abend an, es dunkelte schon ein. Ich schaltete das Licht im kleinen Haus an und der ganze Zauber war wieder da. Zufrieden legte ich mich aufs Bett und las weiter.

Schön, dass gewisse Dinge sich nicht änderten.

Warum ich schreibe

Ich will in Worte fassen, was in mir ist, will erzählen, was mich interessiert, beschäftigt, zum Nachdenken anregt. Ich möchte mit-teilen, was ich sehe, höre, lese, weil ich denke, dass dieses Teilen und Mitteilen eine Verbindung schafft aus meinem Innern in Aussen, eine Verbindung, die über Grenzen hinweg möglich ist. Ich möchte rauslassen, was in mir ist und manchmal gehe ich es schreibend auch erst suchen und finde es so.

Durch das Schreiben lerne ich. Ich lerne etwas über mich und die Welt, ich lerne, wie es ist, sich etwas zu verschreiben und vor allem lerne ich auch immer wieder, im Hier und Jetzt und mit einer Sache befasst zu sein. 

Ich geniesse den Moment des Schreibens durch das Fliessen, das sich einstellt. In mir und aus mir heraus. Es ist, als ob eine direkte Leitung von tief in mir drin in meine Finger besteht. Doch wo fängt sie an? Im Kopf? Meist ist es kein bewusstes Denken mehr, das fand vielleicht vorher statt. Dinge setzten sich über die Zeit fest, formten sich zu Ideen, wurden meine Gedanken und fliessen dann irgendwann aus den Fingern. Es entsteht etwas Neues aus mir heraus und ich sitze da und freue mich während des Schreibens an diesem Entstehen.

Natürlich gibt es auch zielgerichteteres Schreiben, zum Beispiel bei Artikeln und Büchern, bei denen ich durchaus strukturierter vorgehe. Aber das ist wohl nur vordergründig und im Groben so. Wenn die Struktur mal steht, funktioniert das Schreiben wieder gleich. Lange passiert nichts, die Speicher füllen sich durch ganz viel Aufgenommenes, fast schon Aufgesogenes, Gesammeltes, Versammeltes, schon Vorhandenes, noch neu Hinzukommendes. Und aus diesem Speicher fliesst es plötzlich wieder – meist in einem Guss.

Diese Freude, diese Leidenschaft, die darin steckt und dabei immer wieder ans Tageslicht kommt, möchte ich nicht missen.

Ich sehe überall Geschichten. Ich beobachte Menschen, laufe durch Einkaufsläden, sitze in Cafés und sie liegen vor mir und warten nur darauf, aufgeschrieben zu werden. Vielleicht liegen sie aber auch in mir und werden durch das, was um mich ist, geweckt? Ich weiss es nicht.

Wenn ich aus Impulsen heraus einfach schreibe, fliessen die Buchstaben aus mir heraus. Das fühlt sich für mich stimmig und richtig und wichtig an. Sobald ich anfange, die ganze Sache zu vergeistigen, planen will, mir selber Vorgaben machen möchte, stockt der Fluss und die Tinte trocknet vor dem leeren Papier ein.

Wenn ich nicht schreibe, bin ich nicht ich. Dann fehlt mir der Boden, auf dem ich stehen kann. Indem ich mit dem Schreiben neue Welten schaffe, stehe ich fester und sicherer in meiner. Vielleicht, weil sie mir durch das Schreiben immer wieder erfahrbarer, klarer und präsenter erscheint.

Selbstliebe

Kennst du das auch, dass du in eine Runde kommst und dazu gehören willst? Vielleicht hast du einen neuen Partner, lernst dessen Familie oder Freunde kennen und willst bloss nichts falsch machen – sie sollen dich doch mögen. Vielleicht hat er dir vorher noch erzählt, wie wichtig ihm diese Familie ist – umso mehr willst du dich anstrengen, keine Fehler zu machen, den Erwartungen (die du nicht mal genau kennst, die du dir nur vorstellst, wie sie aussehen könnten) zu genügen. Als Mensch generell zu genügen und nicht irgendwie durch die Maschen zu fallen. Und so kommst du da an und bist unsicher. Und du versuchst diese Unsicherheit zu überspielen, entweder indem du gar nichts sagst, denn dann kann es zumindest nichts Falsches sein, oder aber redest wie ein Buch, um ja nicht langweilig zu wirken. Und beides bist eigentlich nicht du – aber wer bist du eigentlich? Und vor allem: Wieso denkst du, nicht der sein zu dürfen, um angenommen zu werden?

Bei Brené Brown las ich mal den schönen Satz

Lass los, was du glaubst sein zu müssen, und umarme, was du bist.

Ich war oft in solchen Situationen. Sie kommen umso mehr vor, je wichtiger mir die sind, zu denen ich gehören will – aus welchen Gründen auch immer: Ich will jemandem gefallen, ich will jemandem genügen, ich will in eine Gruppe passe da ich sie toll finde – und vieles mehr. Immer dann, wenn für mich etwas persönlich davon abhängt, dazuzugehören, werde ich unsicher, ob ich dafür gut genug bin. Bei Wildfremden kann ich ich sein. Bei ihnen habe ich nichts zu verlieren, da ich von ihnen nichts erhofft habe. Und noch wichtiger: Ich erhoffe mir auch von mir und für mich nichts. Ich hoffe nicht, aufgenommen zu werden in eine Runde. Ich fürchte nicht, durchzufallen, verurteilt und verstossen zu werden. Ich fürchte nicht, nicht zu genügen.

Das Gefühl, nicht zu genügen, ist wohl eines der Schwierigsten, wenn es darum geht, ein authentisches Leben zu führen. Es ist aber auch eines der Schwierigsten, wenn es darum geht, Beziehungen zu führen. Nimmt man sich nämlich nicht selber an, wie man ist, ist man zu schnell dazu bereit, ja zu sagen statt nein. Man unterdrückt die eigenen Bedürfnisse und ist danach wütend auf sich – und ein wenig auch auf den anderen. Und seien wir mal ehrlich: Wenn in einer Beziehung nur der andere seine Bedürfnisse anmelden und durchsetzen dürfte, wir selber nicht genügend wären, wenn wir all uns Sein und Wünschen und Brauchen hintenanstellen: Wäre das wirklich eine Beziehung, wie wir sie uns wünschen? Oder aber würden wir so viel lieber in so einer Beziehung leben als gar keine zu haben? Das ist wohl möglich – aber ob es gut tut? Es spricht zumindest nicht von einer grossen Selbstliebe, und ohne die, das glaube ich mittlerweile aus tiefem Herzen, ist eine wirkliche Verbundenheit nicht möglich.

Doch wo ging diese Selbstliebe verloren? Und wieso? Ich bin kein Freund vom Graben in der Kindheit. Ich bin auch keiner davon, einen Schuldigen in der Vergangenheit zu suchen, um nun Opfer in der Gegenwart sein zu können. Ich denke aber, wir haben unsere Prägungen, unsere Muster, und die haben einen Ursprung. Und wenn wir den finden, ist es vielleicht leichter, daran zu arbeiten, sie loszulassen, weil wir uns sagen können: Heute ist heute, gestern war gestern. Der jetzt vor mir stehende Mensch ist nicht der, welcher mich dazu brachte, genügen zu wollen oder gar zu müssen. Der jetzt vor mir stehende Mensch hat eine Chance verdient, als mitfühlender und toleranter Mensch wahrgenommen zu werden, indem ich ihm zeige, dass ich mich ihm öffne, im Vertrauen darauf, dass er dies mit einem fühlenden Herzen annimmt – mich annimmt, wie ich bin. Natürlich können wir das auch ohne die Kenntnis der Ursache, nur fällt es ab und an leichter anders.

Nun ist es durchaus so, dass wir uns nicht einfach allen Menschen gegenüber öffnen können und sollten. Nicht jeder Mensch ist der richtige Mensch für jede Art von Offenbarung. Es gilt zu unterscheiden, wo wir mit unserem Sein auf offene Arme und wo auf gefährliches Terrain geraten insofern, als manche Menschen vielleicht selber nicht mit einer solchen Offenheit umgehen können – oder wollen. Der alte Spruch

Trau,schau wem?*

hat durchaus etwas Wahres an sich. Und auch da bin wieder ich das erste Glied in der Kette. Ich muss vertrauen. In mich und mein Sein, dann in mein Urteil, wem ich trauen kann, und dann aber wirklich auch dem, den ich als vertrauenswürdig ansehe. Und das tue ich, indem ich mich gebe, wie ich bin. Offen und authentisch. Als ich. Dann kann eine Verbindung entstehen zwischen uns. Dann gehöre ich dazu. Und er auch zu mir. Es ist ja durchaus gegenseitig, was wir in unserer Angst, nichtzu genügen, oft vergessen.

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*Die Redewendung geht übrigens auf einen lateinischen Spruch zurück: „Fide, sed cui, vide.“, was zeigt, dass die menschlichen Probleme und Bedürfnisse im Miteinander sich seit der Antike wohl unswesentlich verändert haben….

5 Inspirationen – Woche 3

Es ist ein neues Jahr, doch irgendwie hat sich gar nicht viel verändert. Das ist ja meistens so. Wir setzen uns zeitlich Termine wie Geburtstage, Jahresenden und -anfänge und dann soll alles anders sein. Dabei war nur eine normale Nacht dazwischen. Noch immer ist Corona in aller Munde, die Möglichkeiten sind beschränkt, die Aussichten ungewiss. Ich versuche weiter, das zu sehen, was geht, das bewusst wahrzunehmen, was gut ist – so auch heute wieder die fünf Inspirationen der letzten Woche.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich stiess im Netz auf einen Artikel über die täglichen Routinen von Schriftstellern, ein Thema, das mich schon lange interessiert: Wie tut ein Schriftsteller das, was er tut? Ich schrieb auch meine Masterarbeit zu diesem Thema am Beispiel von Thomas Mann. Die Herangehensweisen an das Schreiben sind oft unterschiedlich, und doch finden sich auch Parallelen. Etwas, das ich oft las, dass viele Schriftsteller eine tägliche Routine haben, dass sich die Tage und das Schreiben in immer gleichem Rhythmus abspielt. Diese Verpflichtung dem eigenen Schreiben gegenüber scheint, so interpretiere ich das, eine grundlegende Voraussetzung zu sein für das erfolgreiche Schreiben (im Sinne eines wirklich stattfindenden und zu einem Ergebnis führenden). In dem Zusammenhang finde ich es auch spannend, die Schreibplätze von Schriftstellern zu sehen – dazu gab es in der NY Times mal einen Artikel: Hier
  • Gerald Hüthers Buch „Würde“ hat mich zum Nachdenken angeregt – nicht zum ersten Mal: Hier die Rezension. Was bedeutet Würde eigentlich? Ist sie eine absolute Grösse oder aber eine individuelle Bestimmung? Können wir als Einzelne würdevoll leben oder bedürfen wir der Gesellschaft dazu? Ist ein Leben im Alleingang würdevoll oder zeigt sich Würde gerade auch im Miteinander?
  • Freundschaft – diese Woche wurde mir einmal mehr bewusst, wie wichtig Freunde sind, wie wichtig, irgendwie lebensnotwendig es ist (in meinem Leben teilweise wirklich wortwörtlich), welche zu haben. Menschen, die da sind Die auch ehrlich sind. Die dir deine Schwächen durchaus zeigen, aber dich trotzdem lieben und dich damit begleiten. Bei denen du weisst: Ich muss mich nur melden, da kommt was zurück. Ich kann drauf zählen. Ich bin sehr dankbar, in meinem Leben Menschen kennengelernt zu haben, die ich wirklich Freunde nennen darf. An einem Tag, an dem ich Freunde brauchte waren welche da. Und ich las zufällig (?) dieses Gedicht:

Der Freundschaft Immergrün
Glücklich, was in Lieb und Treue
sich hienieden einst verband
und sich immerfort aufs Neue
noch wie weiland wiederfand!
 
Schön wie eine liebe Sage
klinget die Erinnerung
und im Zauber schöner Tage
fühlt das Herz sich wieder jung.
 
So nur gibt′s für uns kein Altern,
kein Verwelken, kein Verblühn,
wenn wir treu verbunden halten
fest der Freundschaft Immergrün.
(Hoffmann von Fallersleben, * 02.04.1798, † 19.01.1874)

  • Dankbarkeit – die Freundschaft führt mich gleich zum nächsten. Aristoteles nannte das grösste Gut des Menschen die Glückseligkeit. Damit war durchaus etwas anderes gemeint das das heute alltägliche Glück – und doch… ich würde die Dankbarkeit höher einstufen. Jeden Tag zu sehen, wofür wir dankbar sein können, ist eine Gabe und eine Wohltat. Ich sage nicht, dass damit jeder Schmerz und jedes Leid aus dem Leben weggewischt ist, aber: Selbst wenn wir leiden, selbst wenn Dinge weh tun: Wir haben immer auch gute Dinge im Leben. Es hilft oft schon viel, sich diese wieder ganz bewusst vor Augen zu führen. In ganz dunkeln Stunden im Leben habe ich immer wieder damit begonnen, mich abends hinzusetzen und fünf Dinge aufzuschreiben, wofür ich an dem Tag dankbar war. Ich habe immer fünf Dinge gefunden. Die mussten nicht gross sein. Ein schönes Gespräch beim Einkaufen, eine Blume am Wegesrand, ein Hundespaziergang bei Sonnenschein, ein Lächeln, ein schönes Lied, das Erinnerungen weckte… ich hätte sie übersehen in all dem Tagesgeschehen und dem drückenden Leid. So aber brachten sie ein Gegengewicht – ein Wohlgefühl sogar. Und das tat gut. Und genau das hatte ich so dringend nötig. Und ja, vielleicht ist auch das schon ein kleines Quäntchen Glück.
  • #the100dayproject – Es ist nicht neu, es findet glaube ich schon viele Jahre statt. Es geht dabei darum, 100 Tage einem Projekt zu widmen und dies dann in den sozialen Medien zu zeigen. Die Idee dahinter ist nicht neu: Wenn man etwas lang genug macht, entwickelt sich eine Routine, man wird besser. Da man aber mit solchen Projekten oft alleine ist und bei einem Durchhänger alles schwer wird, soll die Gemeinschaft der Mitstreiter helfen, die Motivation zu behalten. Es gibt dafür ein bezahltes Programm, aber das ist für mich gar nicht nötig. Das offizielle Projekt startet am 31. Januar, aber eigentlich kann man zu jedem Zeitpunkt anfangen. Nur schon die eine Frage finde ich wertvoll: Was ist mir so wichtig, was möchte ich so gerne, dass ich mich für 100 Tage verpflichten würde, es zu tun. Um selber zu wachsen. Um selber tiefer zu gehen und zu sehen, ob es wirklich meins ist. Oder auch schlicht: Um Spass zu haben. Ich habe ein paar Ideen für meinen Instagram-Account. Ich kann nicht garantieren, dass ich es jeden Tag machen werde, denn dann und wann werden Aktualitäten dazwischen kommen… aber ich bin gespannt. Und ich lasse mir die Zeit bis zum 31. Januar noch für die definitive Entscheidung.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 2

Während ich das hier schreibe, schneit es draussen ohne Unterlass, Romanshorn versinkt im Schnee. Während ich Winter eigentlich nicht so gerne mag, freut sich mein kleiner Hund so sehr über diesen Schnee, dass ich gar nicht anders kann, als mich auch zu freuen. Am liebsten aber sitze ich drin und lese, ab und an einen Blick über die Schneelandschaft streifen lassend.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ein Podcast, der mich sehr beeindruckte, war der Podcast Hotel Matze mit Martin Suter. Martin Suter, bekannter Schweizer Autor von Büchern wie „Lila, Lila“, „Die dunkle Seite des Mondes“ und vielen mehr spricht mit Matze Hielscher übers Schreiben, über die Gründe hinter seinem Schreiben, über seinen Werdegang und vieles mehr. Beim Hören sieht man das schelmische Grinsen des Autors förmlich vor sich, das Interview war eine wahre Freude und ich habe auch den einen oder anderen Gedanken für mich mitgenommen.
  • Man könnte meinen, es sei unpassend bei diesem Wetter ein Buch mit dem Titel „Das Buch eines Sommers“ (Bas Kast, hier die Rezension) zu lesen – aber: Weit gefehlt. Das Buch regt zum Nachdenken an, lädt zur Einkehr ein. Wann könnte man das besser als im Winter, wenn das Wetter draussen ungastlich ist und man zu Hause im Warmen mit einer Tasse Tee auf dem Sofa sitzt?
  • Bei Austin Kleon las ich mal das Zitat: „First fake it, than make it“ (aus dem Buch „Alles nur geklaut“). An dieses Zitat erinnerte mich der Artikel, den ich kürzlich las: How to get inspiration from others without copying their creation
  • Eigentlich wäre ich aktuell noch im warmen Spanien, mir fehlen Sonne, Licht und Farben und auch das südländische Gefühl lässt sich in der winterlichen Schweiz nicht wirklich einstellen. So holte ich mir ein wenig Süden ins Wohnzimmer mit dem Fado – zwar nicht aus Spanien, aber Portugal ist ja nicht weit weg. Zudem: Mir gefällt die Mischung aus Melancholie und Lebensfreude, das so tief spürbare Gefühl in den Liedern. Was bedeutet euch Musik? Mir war sie immer sehr wichtig. Sie fängt mich auf in meinen Gefühlen.
  • Etwas, das mich immer wieder inspiriert und anregt, sind Notizbücher. Ich kann nicht genug von ihnen haben – und: Es gibt auch so viele wunderschöne. Was ich an Notizbüchern schön finde, ist die Möglichkeit, eigene Welten zu erdenken und sie niederzuschreiben. Oder zu zeichnen, was ich auch oft tue. Auch unterwegs habe ich immer ein Notizbuch dabei. So gibt es nie Momente der Langeweile. Ich zeichne, schreibe, lasse meine Gedanken ziehen, notiere, was mich anspringt. Ich kann das nur empfehlen. Ich hatte ganze Regale vollgeschriebener und bemalter Notizbücher. Bei meinem letzten Umzug habe ich mich von den meisten getrennt, nur ein paar wenige kamen mit. Es werden schon wieder mehr in den Regalen, ein Ende ist nicht in Sicht.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!