Die Haare wild und ganz zerzaust,
der Blick zum Spiegel schrecklich graust.
Ich kämm‘ sie durch und streich sie glatt,
was auch nichts hilft – ich denk: so what!
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Philosophische Gedanken zu Politik, zur Lage der Welt, zur gesellschaftlichen und menschlichen Situation
Die Haare wild und ganz zerzaust,
der Blick zum Spiegel schrecklich graust.
Ich kämm‘ sie durch und streich sie glatt,
was auch nichts hilft – ich denk: so what!
©Sandra Matteotti
Ich liege wach in meinem Bett,
solche Nächte sind nicht nett.
Ich zähle fleissig Schaf um Schaf,
doch wer nicht kommt, das ist der Schlaf.
©Sandra Matteotti
Ein Buddha sitzt in jedem Garten,
als würde er nur noch drauf warten,
dass Ruhe sei, dass sie einkehre,
wenn nur das wuchernd Gras nicht wäre.
©Sandra Matteotti
Auf dem Teller liegt ein Brot,
das liegt so da, als sei es tot,
Ich find das gut, denn wär’s nicht so,
wär das Brot schnell irgendwo.
©Sandra Matteotti
Es ist nicht voll, es ist nicht leer,
nur noch so halb, sicher nicht mehr.
Wie ich nun werten möchte das,
hängt ab vom Inhalt dieses Glas’.
©Sandra Matteotti
Der Hund lag stlll in seiner Ecke
neben seiner zugedachten Decke.
Er zog ein Gesicht, es glich ner Fratze;
denn: Auf der Decke lag die Katze.
©Sandra Matteotti
Ich denke,
also bin ich.
Doch wer denkt,
wenn ich denke?
Wer fühlt,
wenn ich fühle?
Bin ich es?
Ist es die Welt?
Wir umkreisen uns
tagtäglich
und immerfort.
Wir lösen dabei
die Grenzen
auf.
Wo hör’ ich auf,
wo fängst du an?
Was dringt in mich,
was kommt aus mir
raus?
Wer bin ich?
Wie will ich sein?
Ich sass auf einem Stuhle,
der hatte eine Kuhle.
Die habe ich beim täglich Essen
mit dem Po hineingesessen.
©Sandra Matteotti
Die Liebe
lässt sich nicht erfassen.
Sie ist da.
Einfach so.
Ich suche,
zu ergründen.
Such’ nach Argumenten,
Gründen.
Finde viel
und liste auf.
Und hab’ doch nie,
den Grund erfasst.
Die Liebe
ist einfach da.
Wie aus dem Nichts,
nicht festmachbar,
Ich will erklären,
will verstehen,
halte fest
und teile mit
– ich stecke fest.
Die Liebe
steht über dem Wort
und dem Verstand,
kennt keinen Grund
und kein Objekt.
Sie ist nur ein Sein
im Hier
und Jetzt.
Ich atme aus,
ich atme ein.
Ich nehm’ mich mit,
einfach zu sein.
Ich atme ein,
ich atme aus.
Halt nichts mehr fest,
lass alles raus.
Ich atme aus,
ich atme ein.
Lasse die Ruhe,
in mich hinein.
Ich atme ein,
Ich atme aus,
und fühl’ mich in mir
ganz zuhaus’.
Claudia wusste: Nun war es soweit, nun musste eines her. Sie machte nun schon seit vielen Jahren Yoga, in der Szene hatten alle Tattoos. Also viele. Also eigentlich war egal, wer eines hat, sie wollte eines. Zwar sagte sie schon lange, dass sie gerne eines hätte, aber den Schmerz scheue und nicht wisse, was genau und wo, aber so ganz durchringen konnte sie sich nie. Das war nun anders. Sie wusste genau, was es sein sollte. Und sie wusste auch, wo es hin musste:
Weitere sollten folgen – natürlich eines nach dem anderen, aber begonnen würde mit dem Fuss.
Nachdem das nun mal klar war, ging es darum, den richtigen Tätowierer zu finden. Wer könnte besser helfen als Facebook? Claudia startete also eine Umfrage und erhielt fast so viele Namen wie Antworten kamen. Aber: Ein Name kam mehrfach, den wollte sie. Der Zufall wollte es, dass der auch gleich um die Ecke von ihr war – umso besser. Claudia griff kurz entschlossen zum Hörer (sich innerlich selber über ihre Entschlossenheit freuend).
Nach kurzem klingeln hob Matteo ab. Der gewünschte Tätowierer sei leider in den Ferien, ob auch ein anderer gehe. Claudia verneinte. Matteo wollte in einer Woche wieder anrufen, dann sei der Körperkünstler zurück. Die Zeit verrann, auch der versprochene Termin für den Rückruf. Eines Tages klingelte das Telefon. Matteo. Sie könnten nun einen Termin abmachen. Claudia schluckte leer. Das kam nun doch sehr unvermittelt. Leicht stotternd meinte sie: „Super, machen wir……. wann?“
Matteo: „Morgen?“
Claudia:…..
…. ….. …
…. …. ….
Claudia: „Nein, morgen kann ich unmöglich!“
Matteo: „Ok, Montag in 2 Wochen.“
… … …
Claudia schluckt (wohl laut hörbar) und sagt (leicht zögerlich): „Ok, prima, das passt.“
Matteo: „Gut, dann buch ich dir den Termin bei Raffael, du musst nur eine Vorauszahlung machen – online oder kommst du vorbei?“
Claudia (noch immer mit ganzer Froschfamilie im Hals): „Öhm, also, ich denke, also…wohin müsste ich kommen?“
Matteo: „Na, in die Filiale XYZ.“
Claudia überlegt… Aus ihrer Recherche wusste sie, dass ihr gewünschter Stecher (also mit Tinte) nicht in der Filiale agierte.
Claudia: „Wer ist der Tätowierer?“
Matteo: „Raffael – deiner ist krank, wir wissen nicht, wann er wieder da ist.“
[Regieanweisung: Ein (ganz bestimmt gut hörbarer) Plumps des Steins, der von Claudias Herzen fiel.]
Mit dem Grundton der Überzeugung sagte Claudia resolut: „Nein, einen anderen Künstler lasse ich nicht an meine Haut! Ich wünsche ihm gute Besserung und ruft wieder an, wenn er gesund ist.“
Matteo versprach, das zu tun. Claudia kriegte erstmals seit dem Anfang des Telefonats wieder gut Luft.
Wie oft
hab’ ich mich gefragt,
was andere erwarten?
Wie oft
habe ich gemacht,
was andere forderten?
Oder dacht’ ich nur,
sie fordern es?
Weil ich selber dachte,
es müsste sein?
Woher kamen
die Gedanken?
Aus Erfahrungen,
die ich gemacht?
Von falschen Erwartungen?
Oder gar
von mir?
Hab ich es
in andere
projiziert?
Wer bin ich,
wenn ich nur erfülle?
Müsst’ ich nicht
ich sein?
Um wirklich
zu sein?
Wer bin ich?
Und:
Wer bestimmt’s?
Wir haben getanzt
Wann ist die Musik verstummt?
Oder hören wir sie nicht mehr?
Wir haben gesungen.
Wann sind die Melodien verklungen?
Oder haben wir keine Stimme mehr?
Wir haben gelacht.
Wann ist der Humor verschwunden?
Oder verstehen wir ihn nicht mehr?
Wir haben geträumt.
Wann sind die Träume geplatzt?
Oder haben wir sie zerstört?
Wir haben geliebt.
Wann sind die Gefühle erkaltet?
Oder trauen wir uns nicht mehr?
Die Welt ist kalt,
die Welt lässt dich
erfrieren.
Bist du am Boden,
liegst du lang.
Achtlos gehen sie
an dir vorüber.
Kaum ein Blick
– und wenn:
Verächtlich.
Liegst du im Graben,
tritt man dich
– mit Füssen.
Man tritt auch gerne
nochmals nach
und gräbt dir dann
die Grube.
Keiner will Verlierer,
keiner will den Fall.
Augen zu,
Kopf in den Sand,
sonst spürte man
– das will man nicht:
Das könnte auch –
oh Gott bewahre –
ich sein.
Schnell verdrängt.
©Sandra Matteotti
Ich sehe dich vor mir,
kann dich riechen,
weiss, wie du schmeckst.
Ich weiss, wie du denkst,
mich anschaust dabei,
spüre deine Hände.
Ich weiss um das Band,
das uns zusammenhält
und eint für immer.
Und weil ich dich denken kann,
vermisse ich dich
und suche dich.