Herr Karl

Einsam stand er am Strassenrand, er hatte seine besten Zeiten hinter sich. War er früher, es war nicht mal lange her, der Star der Strasse gewesen, so beachtete ihn heute kaum jemand mehr. Die, welche ihn noch vor kurzem fröhlich angelacht hatten, liefen nun achtlos an ihm vorüber. Irgendwie konnte er es auch verstehen. Er sah wirklich heruntergekommen aus. Die Zähne waren ihm ausgefallen, der Schal war dreckig und schmuddelig und seine einst stattliche Figur war geschrumpft. Was mal ein fröhliches Lachen in seinem Gesicht gewesen war, glich nun einer Fratze. Dabei hatte sein Leben so schön angefangen.

Eines Morgens, als es frisch geschneit hatte, kamen die Kinder aus der ganzen Strasse fröhlich lachend angerannt. Alle waren sie dick eingepackt, trugen bunte Mützen mit Bommeln dran und Wollhandschuhe. Ihre Wangen waren vor Freude und Kälte rot, sie plauderten und lachten, warfen sich den frischen Schnee ins Gesicht und waren sichtlich glücklich über das kalte Weiss, das noch immer unablässig vom Himmel fiel und auf dem Boden schon eine stattliche Schicht hinterlassen hatte.

Eifrig machten sie sich ans Werk. Ein Junge formte einen kleinen Schneeball und rollte ihn durch den Schnee. Er wurde gross und grösser, so dass er ihn schon bald nicht mehr alleine bewegen konnte. Schnell kamen die anderen hinzu und halfen ihm, bis eine stattliche Kugel entstanden war. Auf die gleiche Weise machten sie noch eine zweite Kugel, nicht ganz so gross, und hoben sie dann gemeinsam auf die erste Kugel. Die Anstrengung hatte ihre Wangen noch röter werden lassen, kalt war ihnen schon lange nicht mehr. Und: Sie waren noch lange nicht fertig, es brauchte noch eine dritte Kugel. Als sie auch diese gerollt hatten, standen sie da und wussten nicht wie weiter. Wie sollten sie diese nun auf die anderen beiden Kugeln heben? Sie war viel zu schwer und es war auch zu hoch. Zum Glück kam in dem Moment ein Mann vorbei, der die Kinderschar bei ihrem Tun beobachtet hatte. Er lachte fröhlich, denn er konnte sich noch gut erinnern, wie es gewesen war als er mit seinen Freunden an der gleichen Stelle auch einen Schneemann gebaut hatte.
„Braucht ihr Hilfe?“, fragte er. „Au ja, unbedingt!“, kam es ihm im Chor entgegen.

Gemeinsam hoben sie die dritte Kugel auf die ersten beiden. Was für eine Freude – fertig war der Schneemann.

Doch halt – er war noch lange nicht fertig. Jetzt ging es erst richtig los. Der Schneemann brauchte ja noch Augen und einen Mund, eine Nase und Arme, Kleider und vieles mehr, denn sonst wäre es ja nur irgendein Schneemann gewesen, aber es sollte ihr Schneemann sein. Schnell rannten die Kinder nacht Hause, um zu sehen, was sie Brauchbares finden konnten. Als alle wieder beim Schneemann versammelt waren, begutachteten sie die Ausbeute.

Sie hatten eine Möhre, die sie als Nase mitten in den Kopf steckten. Aus zwei Walnüssen machten sie zwei Augen links und rechts, die vielen schwarzen Knöpfe liessen sich gut zu einem Mund formen. Ein altes Nudelsieb war ein prima Hut – sie konnten sogar eine Plastikblume zur Zier in eines der Löcher stecken. Danach wickelten sie ihrem Schneemann einen Schal um den Hals und freuten sich: Das würde der schickste Schneemann überhaupt. Schnell steckten sie ihm noch zwei Äste als Arme in den Körper und da stand er nun. Stattlich und gross und wunderschön. Fröhlich schaute er in die Welt hinaus.

„Wie soll er denn heissen?“, fragte ein Junge. „“Wir brauchen einen Namen, der zu ihm passt.“ „Wie wäre es mit Herr Karl?“, fragte ein kleines Mädchen, denn so hiess die Hauptfigur in ihrem Lieblingsbuch. Alle waren begeistert. Mittlerweile war es Mittag geworden und die Kinder mussten nach Hause. Schnell verabschiedeten sie sich von Herrn Karl und rannten nach allen Seiten davon.

Alle menschen, die an Herrn Karl vorbeiliefen, mussten lachen. Wie gut konnten sie sich an ihre eigenen Schneemänner und die Freude am Bauen erinnern. Man hörte ein fröhliches „Weisst du noch…“ aus vielen Mündern. Zudem war Herr Karl wirklich ein sehr stattlicher und schöner Schneemann. Die Strasse war durch ihn eine fröhlichere geworden.

Nach dem vielen Schneefall kam bald auch wieder die Sonne. Wie schön der Schnee glitzerte und funkelte. Und mittendrin Herr Karl. Nun sah er noch schöner aus. Leider litt Her Karl unter den heissen Sonnenstrahlen. Der Schweiss lief ihm unter seinem Hut hervor, das Gesicht hinunter und durchdränkte seinen Schal. Ab und zu nahm ein Schweisstropfen auch einen Knopf des Mundes weg. Zuerst hatte er eine Zahnlücke, dann fehlte immer mehr. Herr Karl verlor seine Nase, sie hatte keinen Halt mehr im immer weicher werdenden Kopf.

Nach und nach verlor Herr Karl sein stattliches Ansehen, er fiel förmlich in sich zusammen und verkümmerte. Eines Morgens war Herr Karl verschwunden. Am Boden lagen nur noch sein Hut und ein paar Knöpfe. Vermutlich hatte er die Möhre und die Nüsse als Proviant auf seine Reise mit genommen.

Leb wohl, Herr Karl!

Lebensseiten

Ich bin nicht immer glücklich,
ich bin nicht immer froh,
man sagt ja auch landläufig,
das sei halt eben so.

Doch find ich dies auch wichtig,
und finde, es tut Not,
als Salz in meiner Suppe,
und Butter auf dem Brot.

Wär’n Menschen immer glücklich
und alles wunderbar,
blieb alles stets beim Alten,
blieb alles, wie es war.

Wir sässen noch wie Affen,
auf Bäumen dumm und satt,
wir lausten uns am Nacken,
und mümmelten ein Blatt.

Nie wären wir entstiegen,
den alten Kinderschuh’n,
wir sähen schlicht den Grund nie,
noch irgendwas zu tun.

Oft brauchen wir das Leiden,
sind wir mal aus dem Lot,
so wachsen und gedeihen
wir aus unsrer Not.

Das Leben hat zwei Seiten,
sonst wären wir nicht hier,
und diese beiden Seiten,
gehören auch zu mir.

©Sandra von Siebenthal

Das Ende eines Liebestaumels

Das Ende eines Liebestaumels

Die Worte sind mir ausgegangen,
ich weiss nicht, wo sie sind,¨.
Ich wollte so viel sagen, doch
in allem fehlt der Sinn.

Ich ringe und ich kämpfe,
ich weine und ich suche,
ich fühle so viel schreien
von ganz tief in mir drin.

Und während ich da stehe
den Abgrund nur noch sehe,
fühle ich auch gar nichts mehr,
nur Leere in mir drin.

Es gibt nicht Form noch Farbe mehr,
kein Zeichen, auch kein Bild,
das mir noch sagen wollt,
wer ich als ich noch bin.

Liebe war, was ich einst suchte,
Liebe war, was ich auch fand,
ein Hafen schien’s, ein sichrer Hort,
ein Heim für mich, ein Heimatort.

Doch merk ich täglich immer mehr,
dass ich hier schlicht nicht hingehör,
dass ich oft falsch, dass ich nicht recht,
dass ich, so wie ich bin, offenbar als Liebe schlecht

in das so passe, was gewünscht.
So bliebe nur, mich anzupassen,
oder aber diese Stätte
schnellstens möglich zu verlassen.

Das wär, was ich nie wollen würde,
das ist das, was eine Bürde,
mir im Leben wär,
doch wär es nicht ganz gar so schwer,

wie wenn ich nur des Steines Anstoss wär,
an dem die Zehen sich der eine stiesse
dem ich doch nur das Beste wollte,
leider ohne, dass ich’s sein sollte.

©Sandra von Siebenthal

ABC-Etüden: Ausbruch und Einkehr

Vor vier Jahren begann alles mit den ABC-Etüden. Damals schrieb ich meistens mit, irgedwann verlor ich das Ganze ein wenig aus den Augen. Pünktlich zum Jubiläum – happy Birthday und danke für die vielen unterhaltsamen Stunden – bin ich zurück und versuche es mal wieder. Ich schrieb schon damals mehrheitlich Gedichte, auch dieses Mal soll es eines sein:

Ausbruch und Einkehr

Mein Herz schlägt orange,
durchdringend als Hämmern,
das grundtief erschüttert
in mir die Welt.

Wie Lautsprecher dröhnt es,
von tief in mir drinnen,
und dringt mir durch Mark
und knochentief rein.

Ich sitze und frage
und weiss keine Antwort,
ich suche und haste
und stehe doch still.

Ich drehe im Kreis meiner
eignen Gedanken,
ich suche den Ausgang
und stecke doch fest.

Ein Beben, ein Schweben,
ein mich nicht erleben,
ein Tosen, ein Schlagen,
tief innen im Herz.

Ich möchte nur Ruhe,
ich lege mich nieder,
ich atme, ich presse,
ich krieg keine Luft.

Ich bin so verloren,
ich gehe mich suchen,
ich lege die Arme
zum Schutz um mich rum.

Und langsam fühl ich mich
tief in mir geborgen,
und finde den Atem und
damit auch mich.

©Sandra von Siebenthal

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Für die abc.etüden, Woche 30.18: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern. Die Wortspende für die Textwoche 3.4.21 kommt von Ulrike mit ihrem Blog Blaupause7

Sie lautet: Lautsprecher, orange, erschüttern

Der Ursprungspost:
https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/01/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-03-04-21-wortspende-von-blaupause7/#like-10948

Schweigemauern

Ein liebes Wort,
Gefühl gezeigt,
fällt häufig schwer –
wie oft man schweigt.

Viel leichter gehen
Tadelworte,
Unmutsgesten,
Wutgeschrei.

Da ist man stark,
da ist man gross,
da zeigt man drauf,
und nicht sich auch.

Dort steckt die Angst,
da zögert man,
was mal gezeigt,
das sieht man dann.

Drum mauern wir
mit Stein und Sand,
und bauen höher
jede Wand.

Auf dass sie schütze,
was uns eigen,
doch der Preis
ist häufig Schweigen,

das verdammt
in Einsamkeit,
das damit nimmt
Gemeinsamkeit.

©Sandra von Siebenthal

seelenhalt

ein schleier liegt auf meiner seele
legt sich über freud und leid
nun liegt sie da in ihrer leere
und wirkt gar erdenschwer

es fehlen worte, fehlt gefühl
es fehlt der halt und wer ich bin
es weint das kind von ganz tief drin
ich fühl mich klein und ohne sinn

ich träume leis von bunten wiesen
sehne mich nach sternenmeer
ich möchte singen, möchte lachen
doch es fliessen tränen mehr

so leg ich mich dann auf den boden
schling die Arme eng um mich
als ob mich jemand ganz fest hielte
und im herzen dieser stich

eine kleine stimme flüstert
dass auch dann wenn alles fällt
die hoffnung bleibt auf neues licht
und bis dahin halt ich mich

©Sandra von Siebenthal

Herbstnebel

Unter tausend Blicken
Ohne Schutz
Die Seele nackt
Verletzlich schwer

Am Himmel dunkle
Wolken ziehen
Und unten drückt
Das kalte Grau

Durch dichten Nebel
Leer die Sicht
Such ich den Weg
Ich ahne bloss

Es ist als ob es
Nie mehr Licht
Mehr würde und
Der Abgrund nah

©Sandra von Siebenthal

Loslassen

Der Morgen dampft,
Ein Schleier liegt,
Im kühlen Frost
Ein Blatt sich wiegt.

Es neigt sich leis
Das Jahr zum End,
Wenn ich dir diese
Botschaft send.

Es war sehr gross,
Es war so viel,
Was wir erlebt,
Ganz ohne Ziel,

Nur mit dem Wunsch
Auf Glück zu zweit,
So gingen wir
Durch diese Zeit.

Wir nahmen mit,
Was sich uns bot,
Genossen sehr
Und ohne Not.

Und wenn es auch
Mal schwierig war,
Es ging uns gut,
Wir warn’s gewahr.

So lassen wir
Das Jahr nun zieh’n,
Und schau’n nach vorn,
Mit dem im Sinn:

Das Leben hält
Noch viel bereit,
Es wartet auf uns
Neue Zeit.

©Sandra von Siebenthal

Gewahrsein – Das beste Ich

Was ich für mein Leben möchte?

Gewahrsein. 

Was das ist? Es soll davon handeln, was in mir und um mich ist Wie will ich sein, wie will ich leben? Lebe ich so? Und das möchte ich mich fragen. Jeden Tag neu. Und entsprechend handeln. Für mich. Nicht nach äusseren Regeln, nicht nach Maximen oder Grundsätzen. Ich bin mein eigenes Licht, das mir den Weg leuchtet, ich bin mein Massstab. Aber ja, ich möchte keinem weh tun, ich möchte zu einem guten Miteinander beitragen. Und genau das denke ich zu tun, wenn ich genau so lebe: Wie bin ich das beste Ich, das ich sein kann?

Das heisst nicht, dass ich nie mehr Fehler mache, im Gegenteil, ich werde wohl noch viele machen. Aber: Ich lerne, damit umzugehen und damit auch besser, gelassener, wohl auch angemessener auf einen zu reagieren.

Das heisst nicht, immer zu wissen, was zu tun ist. Aber: Ich kenne meine Stärken und meine Schwächen – und lasse bei den Schwächen auch Hilfe zu.

Das heisst nicht, alles zu können und von allen gemocht zu werden. Aber: Ich lerne, damit umzugehen, wenn es mal nicht so ist. Im Glauben daran, dass ich so sein darf, wie ich bin.

Nur, wenn ich mir dieses Ich-Sein gestatte, wenn ich lerne, damit umzugehen, dass es auch Fehler, Schwächen hat und Ablehnung hervorruft (und rufen darf), schaffe ich es, wirklich authentisch zu sein. So ich. Und wie anders sollte das beste Ich sein, das ich sein könnte? Alles andere wäre jemand anders. Und davon hat es genug. Andere.

Streit – wie weiter?

„Ich mache sicher nicht den ersten Schritt – sonst bin ich unterlegen!“

Wer ist nicht schon mit anderen Menschen aneinander gerasselt. So unschön wie es ist, am schlimmsten ist es wohl, wenn das mit dem Menschen passiert, der einem der wichtigste im Leben ist, weil: Der liebste.

So viele positive Eigenschaften man ihm normalerweise zugesteht, im Streitfall treten sie zurück. Im besten Fall weiss man noch, dass sie da sind, im schlimmsten Fall sieht man all das, was grad bedrohlich vor einem ist: Einen bösen Blick, harsche Worte, eine versteinerte Haltung, eine drohende Stimme… und das macht etwas mit einem. Nicht nur sind die liebevoll schauenden Augen, die vielen lieben Worte und Blicke und Zuwendungen verdrängt, Ängste kommen hoch. Einerseits die Verlustangst, andererseits die Angst, manipuliert und degradiert zu werden.

Wie oft denken wir: Wenn ich nachgebe, gebe ich ihm recht. Oder aber ich bin schwächer. Wenn ich die Erste bin, die ihn umarmt aus einem Streit heraus, zeige ich meine Schwäche und mein Liebesbedürfnis. Damit wird er immer über mir stehen. Er wird jede Meinung durchbringen, da er weiss: Irgendwann kommt sie (angekrochen?) und sucht die Nähe. Und dann läuft es so, wie ich es will.

Ich würde nicht mal behaupten, dass diese Haltung(en) bewusst ablaufen. Auf beiden Seiten. Meinungen, die einfach mal geäussert werden, auch im Hinblick auf Streit, scheinen wichtig. Und der, welcher sie verteidigt, ist davon überzeugt. Und es ist ihm wichtig, das zu sagen, immerhin riskiert er einen Streit. Das würde er ja wohl kaum für eine Banalität wagen. Es ist durchaus ein Privileg, alles sagen zu dürfen, was man sagen will, die Frage, die sich stellt, ist nur: MUSS man es tun? Was bringt es wirklich? Mir, den andern, dem Gemeinsamen? Ich mag in dem Fall die drei Siebe des Sokrates sehr:

Ist es wahr?
Ist es gut?
Ist es nötig?

Was ich nur vom Hören-Sagen her kenne, lasse ich vielleicht besser liegen. Wenn ich weiss, dass das, was ich sage, verletzend ist, böse ist, lasse ich es vielleicht auch besser liegen, AUSSER: Es ist nötig. Wenn ich mit der Wahrheit, die zwar schmerzhaft ist, aber mit guten Absichten geäussert, weil sie jemanden vor wirklichem Schaden bewahren kann (und ich weiss, er wird es annehmen, ansonsten ist es eh obsolet), dann ist es durchaus angebracht. Was aber bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass er nachts immer furzt, dass er schielt wie der Löwe aus Daktari? Was bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass sein Hinterteil schlicht so breit wie der Äquator und die Oberweite einem Brotbrett vergleichbar sei? Alles mag stimmen. Aber: Es ist weder gut noch nötig. Würde man gefragt, ob der eng anliegende Rock über dem Hintern für ein erstes Date die beste Wahl ist, sähe das anders aus. Ebenso bei der weit ausgeschnittenen Bluse, welche mangels Füllmaterial bis zum Bachnabel blicken lässt.

Und so sehr wir solche Dinge ja eigentlich kennen und wissen, so oft kommen wir an Punkte, wo es Streit gibt. Ein Wort gibt das andere, tiefgelegte Gefühle brechen auf und bringen Reaktionen, welche kaum durchdacht, sondern instinktiv verheerend sind. Weil sie einen Prozess in Gang bringen. Und den gilt es zu stoppen. Nur: Wie? Klein beigeben? Dann hat man ja gleich verloren. Denkt man so. Und nein, die eigene Meinung war ja durchaus auch was wert. Und nicht einfach so dahin gesagt.

Nur: Dabei gewinnt keiner. Und ja, ab und an ist das Nachgeben eigentlich wirklich keine Schwäche, sondern Stärke, hinzustehen, loszulassen, Nachsicht walten zu lassen. Nicht überheblich. Mit Blick auf die eigenen Anteile und Fehler, die man selber gemacht hat. Aber auch im Wissen, dass einer den Schritt gehen muss. Wieso nicht man selber? Und ja: Sollte das immer so sein, der andere sich damit als Sieger fühlen, dann ist wohl demselben und der Beziehung nicht mehr zu helfen. Die hätte man aber sicher nie gerettet, hätte man ehern auf seinem Platz beharrt. Und vor allem: Man macht sich selber das Leben immer mit schwer. Und leidet. Unter dem Streit. Unter der Distanz dadurch. Unter der Trauer, dass es so ist. Unter der Angst, was draus wird. Und man hat es in der Hand. Man kann es beenden. Und wenn man das selber hinkriegt, dann ist das Stärke, keine Schwäche. Es gibt keinen Sieger oder Verlierer, es gibt nur zwei Menschen, die wieder mit besseren Gefühlen weiter gehen können.