Grenzen überschreiten
Wandeln im Raum,
die Zeit durchschreitend
luftleer und zwischen
Glockenschlägen.
Fahren durch Strassen
wir alle gemein
und doch ein jeder
für sich allein.
Suchen nach Worten und
Antworten gar.
Haben nur Fragen,
doch davon zuviel.
Wandeln im Rahmen
und drüber hinaus,
fallen aus diesem
und nirgends hinein.
Fliegen zum Mond
und sitzen dahinter,
sehen die Welt,
verstehen sie nicht.
Nur dann und wann
hebt sich ein Schleier
und zeigt dir das Eine:
Es gibt noch viel mehr.
©Sandra Matteotti
In Gedenken
Memento
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.
Masche Kaleko*
Als mein Vater dieses Jahr starb, war mir dieses Gedicht wie aus dem Herzen geschrieben. Ein Weiterleben erschien fast undenkbar, meine Welt war dunkel und voller Schmerz. Wer könnte meinen Schmerz verstehen? Wer könnte wissen, was ich bis hier hin durchgemacht habe, wer nachvollziehen, wo ich nun stand? Ich fühlte mich trotz vieler gut gemeinter Worte allein – im wahrsten Sinne des Wortes verlassen. Zum Glück bin ich es nicht. Und doch hat mich der Weg geprägt, hat mir diese Erfahrung einiges mit auf meinen weiteren Weg gegeben.
Der Tod entreisst. Er trennt, was mal zusammen war. Er nimmt den einen mit und lässt den anderen ohne diesen zurück. Nun wissen wir alle nicht, was der Tod wirklich ist, was danach kommt – wir haben unsere Vorstellungen, Ideen, schöpfen auch Halt daraus. Was wir aber wissen – heute erinnern wir uns daran – ist, wie es für uns (für jeden einzeln von uns) ist, zurück zu bleiben, wenn einer geht.
Wo mal etwas (oder gar ganz viel) war, ist nichts mehr. Und doch auf eine andere Weise auch ganz viel. Wo grad noch jemand stand, steht keiner mehr – und doch ist er noch da. Irgendwie. Und oft ganz heftig gefühlt, fast schon überwältigend. Dann wieder still und leise – und… auch ab und an freudvoll. Was wäre da, wäre all das, was mal war, nicht gewesen? Wie dankbar kann man sein für das, was war, wenn es noch nachhallt? Und doch ist da auch der Schmerz, weil es gut war, und man das Gute gerne bewahren würde. Genau so, wie es gut war.
Menschen treten in unser Leben. Manche gehen gleich wieder, andere bleiben eine Weile, gehen dann, weitere bleiben lange. Weil es passt. Umso schwerer fällt der Abschied. Und doch bleibt die Dankbarkeit, dass sie da waren.
„Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?“
Die Frage ist anfangs drängend, oft wohl auch überwältigend. Sie weicht mit der Zeit zurück, steigt nur ab und an am eigenen Firmament wieder auf im Sinne eines „ich vermisse dich“. Was bleibt ist die Erinnerung. Und damit der, der nicht mehr ist. Schön, wenn man sie lebendig halten kann, schön, wenn sie weiter Teil des Lebens ist. Und wunderbar, wenn sie zu einer friedvollen und freudvollen wird im Sinne einer Dankbarkeit dafür, dass war, was war, und noch sein darf, was ist. So leben Menschen weiter. Vielleicht ein bisschen ewig.
Rilke dichtete einst – das Gedicht ist übrigens mein Lebensmotto:
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehen.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Und wer weiss: Vielleicht ist der letzte Ring auch der Ring, den andere für uns weiter ziehen. Durch ihre Erinnerung. Und wir gestalten diese Erinnerung durch unsere Gegenwart. Der, der ging, hat das durch sein Sein getan. Er lebt dadurch in jedem, der sich an ihn erinnert, auf seine Weise weiter.
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Gedanken anlässlich einer Lichterfeier
*zitiert nach Mascha Kaleko, Verse für Zeitgenossen
Beginne jetzt!
Sich aus ganzem Herzen einer Sache verschreiben…
Es lebe der Unterschied
Bildung heute
ich und du
ich bin ich
und du bist du.
und ich bin ich
nur weil du bist.
ohne dich
bin ich schlicht nicht,
nicht nur nicht ich.
gilt auch für dich.
denn erst das du
macht mich zum ich.
und ich mach dich
zum du durch mich.
drum einer nur
ist keiner denn
ein jemand ist
nur der zu zweit.
Zu zweien ist
ein jeder ich
und zeugt das du
durch dieses ich.
Innere Dämonen
Da sitzen sie
und reden wild
ohne zu verstehen.
Sie werten nur
und dann geschwind
ist es um dich geschehen.
Du sitzt nur da
und hörst genau
was niemand wirklich sagt.
Es tobt allein
in deinem Herz
der Stimmen Widerpart.
©Sandra Matteotti
Endzeitstimmung
Nebelschwaden laden
ihre schweren Massen
in Wogen durchs Land.
Häuserzeilen weilen
hinter grauem Schleier
zu Säulen erstarrt.
Blätterleichen weichen
von den kahlen Ästen
die Bäume wie tot.
Wassertropfen klopfen
ihre letzten Male
dann frieren sie ein.
Jahresenden senden
ihren dunklen Abgesang
in Moll eingehüllt.
©Sandra Matteotti
Das Leben leben
Nie werde ich wissen,
was gewesen wäre, wenn.
Auch kann ich nie sagen,
was geworden wäre, denn:
Was nicht ist, bleibt ewiglich
ein Bild der Illusion.
Was nie war, existiert als
blosse Imagination.
Und in jedem wenn und wäre,
in jedem hätte, täte und so fort,
zeigt sich bloss mit jedem Wort:
Das was ist, ist nicht gewollt.
So suhlt man sich im Konjunktiv
und malt mit Farben bunte Bilder
von alledem, was man nicht wollte,
und redet es sich schön.
Viel besser wäre doch,
man schaute da, wo man grad steht,
prüfte, welcher Wind jetzt weht,
um dann die Segel neu zu setzen.
©Sandra Matteotti
Akzente setzen
dankbarkeit für das
was ist und
demut auch weil es
so ist und
wissend dann dass nie
nur das was
man so ist ausreicht
dafür und
prägend ist da man
nur ist wer
man so ist als
produkt von dem
was war und geht
dann weiter
tut halt so das was
man so kann und
will es auch nur
fehlt halt
so dieses eine:
Demut…
©Sandra Matteotti
Sinn des Lebens
Was hat das Leben
für einen Sinn?
Was ist der Lohn,
was der Gewinn?
Ist es nur Geld,
oder auch Ruhm?
Muss ich was tun
oder wer sein?
Ist Kunst nur Krempel,
braucht es sie?
Brauchen Götter Tempel,
wozu bauen wir die?
Wer definiert die Werte
wieso zerstören wir sie?
Gibt es noch Hoffnung?
Und: Wo finden wir sie?
©Sandra Matteotti
Selbstgerechtigkeit
Vom weichen Sessel. Sitzend
richten und sich lustig machen.
Vom warmen Bett her. Lästern,
spotten. Witze reissen.
Das können alle kleinen Pisser.
Und: Sich grösser fühlen.
Im Vernichten, aburteilen,
alles dessen, was nicht sein darf.
Weil’s nicht passt in sture Köpfe,
voll von Regeln, Normen, Zwang!
Voll von Dogmen und Doktrinen,
liegen sie längst tot darin.
Sie haben’s nicht gemerkt.
©Sandra Matteotti
Bilden statt ausbilden
Schule – wohin soll das führen?
Christoph Quarch: Platon und die Folgen
Platon ist der folgenreichste Denker unserer Geschichte. Er hat die abendländische Zivilisation und die Kultur Europas geprägt wie kein zweiter. Die Weise, wie wir heute denken, fühlen, handeln, leben, wäre ohne Platon gar nicht vorstellbar.
Christoph Quarch ermöglicht im vorliegenden Buch einen kurzen, gut lesbaren und informativen Überblick über Platons Denken. Ausgehend von der Aussage, dass Platon nicht nur der einflussreichste, sondern auch der am meisten missverstandene Philosoph unserer Kultur ist, zeigt er die Missverständnisse auf, die über die Jahrtausende – angefangen ei Aristoteles – in den Interpretationen Platons zu Tage traten, und zeigt die richtige Lesart auf.
Er behandelt dabei die grossen Themen Platons, schreibt über das Mass aller Dinge, das Wunder des Werdens und den Sinn des Lebens. Er beleuchtet die Idee des Guten und wie wir diese verwirklichen können nach Platon. Das Ringen um Gerechtigkeit ist genauso Thema wie die Unsterblichkeit der Seele, Eros und Schönheit finden ebenso ihr Gehör wie das Göttliche.
Es gelingt Quarch, auf gut lesbare und kompetente Weise die Gedanken Platons darzulegen und ihre Folgen in der heutigen Zeit und die Einflüsse auf diese darzulegen. Er geht dabei auf die Quantenphysik ebenso ein wie auf die wünschenswerte Ordnung in Gemeinwesen oder eine sinnvolle Bildungspolitik.
Das Buch zeigt deutlich, dass Platon noch immer aktuell und zeitgemäss ist, dass wir bei der genauen Lektüre des alten Griechen viel über unser Leben und Miteinander erfahren könnten, dass wir Einsichten gewinnen könnten, was ein gutes Leben ist und wie Glück entsteht. Es ist ein Buch, das Lust darauf macht, Platons Werk in die Hand zu nehmen und es zu lesen.
Fazit:
Die zeitlosen Gedanken eines grossen und prägenden Philosophen auf gut lesbare Weise kompetent vermittelt. Sehr empfehlenswert.
Zum Autor
Christoph Quarch
Dr. phil. Christoph Quarch (*1964 in Düsseldorf) ist Philosoph, Bestsellerautor, und Reiseleiter/-veranstalter für Philosophiereisen in Zusammenarbeit mit ZEIT-REISEN.
Er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Fulda. Seine Lebensmotti lauten: „Erkenne dich selbst“ und „Nichts im Übermaß“. Mehr Infos erhalten Sie unter www.christophquarch.de
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 186 Seiten
Verlag: J.B. Metzler; Auflage: 1. Aufl. 2018 (20. September 2018)
ISBN-Nr.: 978-3476046352
Preis: EUR 19.99 / CHF 36,90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DEund BOOKS.CH
Das rechte Mass
Das
Leben
erleben
im Pendel
von wenig und viel
vermeidend
das kleine
Wort
zu
©Sandra Matteotti