Grenzen ziehen

Ich hab genug von
nur bierernsten
hinterfragern
selbsternannten
wissensträgern
so gefühlten
grosshirnstemmern

hab genug von
diesen einen
die so wirklich
endlich meinen
es zu wissen
und auch besser
als die andern einen

ich hab genug von
zeigefingern
augenrollern
lehrerminen
grossgekotzten
scheinmaschinen
von allen diesen

ich hab genug
von ihnen

©Sandra Matteotti

 

Abt Muho: Das Meer weist keinen Fluss zurück

Ein Weg zu Liebe und Gelassenheit

Liebe ist für den anderen da. Sie darf nicht, wie es leider allzu oft im Alltag der Fall ist, vergiftet sein von Eifersucht und Obsession. Liebe braucht Gelassenheit. Um gelassen zu sein, muss ich mich selbst wie auch den anderen annehmen können, ihn sein lassen. Nur wer sich und den andere in seinem Sein annehmen kann, erfährt Gelassenheit.

muhoWas ist Liebe? Eine Frage, die sich wohl jeder schon mal gestellt hat, sogar Lieder wurden darüber gesungen. Abt Muho widmet sich dieser Frage und unterscheidet dabei zwischen den vier klassischen Liebesbegriffen storge, eros, philia und agape. Kommend aus einer christlichen Kultur nun im Buddhismus zu Hause verbindet er diese Begriffe mit der buddhistischen Lehre, bringt die Liebe mit Gelassenheit in Beziehung

Muho belässt es aber nicht bei der Erklärung der Begriffe, er erzählt auch seine Geschichte, die Geschichte eines eher unsicheren deutschen Jungen, der nach dem Studium beschliesst, nach Japan zu gehen und schlussendlich Abt des grössten Zen-Klosters da wird. Er erzählt von seinen Liebeserfahrungen, stellt dabei immer auch sein eigenes Verhalten in Frage. Heute lebt er mit seiner Frau und drei Kindern im Kloster, sieht sich dabei immer auch in Situationen, in denen er sich entscheiden muss, wem er seine Aufmerksamkeit nun schenken muss: Seiner Familie oder seiner Gemeinde. Nicht immer leicht zu fällen, die Entscheidung, und nicht immer gelingt es, die richtige zu treffen.

Gerade die persönliche Geschichte zeigt viel über das Thema des Buches: Liebe ist vielfältig und vielschichtig, sie muss im Alltag gelebt werden, denn da bewährt sie sich. Und: Ohne eine Spur Gelassenheit geht es nicht. Erst durch sie gelingt es in der Liebe, dass auch schwierige Zeiten, persönliche Macken und falsche Entscheidungen nicht zum Abbruch führen.

Die theoretischen Kapitel sind mitunter etwas gar abstrakt und teilweise zu kurz gehalten geschrieben, was vor allem durch den Vergleich mit den persönlichen Kapiteln noch stärker ins Auge fällt. Sie weisen aber auch auf die grosse Belesenheit und das Hintergrundwissen des Autors hin, so dass man ihm das gerne nachsieht.

Fazit
Ein sehr offenes, eingängiges, persönliches Buch zum Thema Liebe und Gelassenheit, das einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Muhô ist Abt von Antaiji, einem tief in den japanischen Bergen gelegenen Zen-Kloster. Er wurde 1968 in Berlin geboren und kam mit 16 Jahren mit Zazen in Kontakt. 1993 wurde er zum Mönch ordiniert und 2001 von seinem Lehrer als eigenständigen Zenmeister anerkannt. Er beschloss, als Obdachloser in Ôsaka zu leben, wo er eine Zengruppe leitete. Am 14. Februar 2002 erreichte ihn die Nachricht vom Tod seines Lehrers, und er wurde als dessen Nachfolger zum Abt von Antaiji berufen.

Muhô ist der Autor von „Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück“, „Das Meer weist keinen Fluss zurück“ (beide im Berlin-Verlag), „Futter für Pferd und Esel“ (Angkor Verlag) und „Zazen oder der Weg zum Glück“ (Rowohlt Taschenbuch-Verlag) und hat die Bücher „An dich“, „Zen ist die größte Lüge aller Zeiten“ und „Tag für Tag ein guter Tag“ von Sawaki Kôdô ins Deutsche übersetzt. Homepage: http://www.antaiji.org

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (4. September 2018)
ISBN-Nr.: 978-3827013804
Preis: 18 Euro /28.90 CHF

 

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Die drei Siebe

Sätze aus Worten,
hart und auch schwer,
strömen mir zu und
werden zum Meer.

Zieh’n mich herab
und decken mich zu
ziehn mich herab
und aus meiner Ruh.

Bin ach so müde
und fühle mich leer,
Sätze aus Worten,
sie lasten gar schwer.

Und wenn dann bei Ebbe
die Wogen wegziehn,
bleibt oft der Wunsch nur:
Ich möchte nun fliehn.

Ich möchte mich nicht mehr
den Worten aussetzen,
sie sollen mich niemals
mehr weiter verletzen.

Sätze aus Worten,
zerstören zu viel.
Drum frage dich stets:
„Was steht auf dem Spiel?“

Nicht jedes Wort muss
ausgesagt sein,
so manches davon
verursacht nur Pein.

Frage dich darum,
ob gut, nötig, wahr,
und wenn alles nicht,
dann schweige ganz klar.

©Sandra Matteotti

Angepasst verblasst

Ich wollt’ es doch
nur recht dir machen,
wollte keinen
Streit entfachen.

Nahm mich zurück.
Dachte: „Zum Glück!“

Nie hätt’ ich gedacht,
was dieses entfacht;
dieses mich Anpassen,
dieses mich selbst Verlassen.

Nahm mich zurück,
so Stück für Stück.

Angst hat regiert,
mich selber negiert,
machte mich klein,
eliminierte mein Sein.

Nahm mich zurück,
damit das Glück.

Was blieb denn noch,
so unterm Joch
der Furcht allein?
Wer könnte da noch

glücklich sein?

©Sandra Matteotti

Lied der armen Leute

Ich habe nichts
und taug’ drum nichts,
was kann ich denn
schon bieten?

Denn wer nichts hat,
der gilt auch nichts.
So geht es
kleinen Leuten.

Man rümpft die Nase,
hebt die Stirn,
und schaut verächtlich
dann herab.

Was will so wer
denn überhaupt,
was meint er,
wer er sei?

Die Antwort, die
ist schnell bereit:
Ein Nichts und Niemand, nur
ein Fehler im System.

©Sandra Matteotti

Staunend vom Leben lernen

Es war einmal ein kleines Kind,
das fragte viel, wie Kinder sind.
Wieso ist die Banane krumm?
Wer ist gescheit und wer schlicht dumm?

Wo kommt die Liebe her, wo geht sie hin?
Will ich da sein, wo ich jetzt bin?
Haben Tiere auch Gefühle,
gibt’s in Jerusalem genügend Stühle?

Was sehe ich, was du nicht siehst,
Wer ist nun schön und wer das Biest?
Wer muss gehorchen, wer hat Macht?
Was ist ein Krieg, was nur ne Schlacht?

Wieso sind Früchte so gesund,
was macht den Mond oft kugelrund?
Wie melkt man eigentlich die Mäuse
und wie kriegt man schlussendlich Läuse?

Was macht im Sommer Blumen bunt,
und wer bestimmt die letzte Stund’?
In welchem Alter ist man wirklich alt
und wie viel Grad sind bitterkalt?

So fragt das Kind ganz munter weiter,
von bewölkt bis richtig heiter.
Man sitzt so da und staunt gar gross,
woher nimmt es die Fragen bloss?

Es sind die Fragen schlichtes Streben,
zu verstehen, ganz zu leben,
mit jeder Blume, allem Schönen,
der Lebensfreude neu zu frönen.

Drum seid euch sicher, eins ist klar:
Was richtig ist, und was ist wahr,
das findet nur, wer Fragen stellt,
weil sich dann die Welt erhellt.

Bewahre drum das Staunen dir:
Sind zwei mal zwei auch wirklich vier?
Denn was wir glauben oder sehen,
eines bleibt: Wunder geschehen!

@Sandra Matteotti

In Liebe

Ich möchte dir
nur liebe geben
nicht nur neben
mit dir leben
dich erkunden
tief empfunden
sinn ergeben
deinem leben
und daneben
eng verbunden
all die Stunden

glück erleben

dich gefunden
unumwunden
zu nur geben
dass mein leben
dir verbunden
wie beim weben
strang um strang
dem band entlang
den faden schlagen
dass es hält
ein leben lang

©Sandra Matteotti

Augenwischerei

Oft denken wir
das Gute nur
vergessen gern
den Rest.

Es bleibt am Schluss
die Sahne bloss,
vergessen ist
der Mist.

Und was dann kommt
misst sich an dem,
was denken grad
gerückt.

So hat es dann
gar schweren Stand,
die Latte ist
schlicht einfach hoch.

Man setzt das Mass
vergisst alsdann,
die Augen-
wischerei

Und macht sich so
das Hier und Jetzt
kaputt mit dem,
was nie so war.

©Sandra Matteotti