Rezension: Michel Bussi: Die Frau mit dem roten Schal

Trügerische Erinnerungen?

Wenn Sie am Rand einer Klippe einer schönen jungen Frau begegnen, reichen Sie ihr nicht die Hand. Man könnte glauben, Sie hätten sie hinabgestossen.

Jamal joggt den Klippen entlang, als er zuerst den roten Schal, dann die Frau sieht. Sie will sich von den Klippen stürzen. Jamal will ihr helfen, doch er kommt zu spät – sie springt. Jamal rennt nach unten, mit ihm sind zwei Zeugen da, die die junge Frau fallen sahen. Ein tragischer Selbstmord.

Die Polizei geht bald von Mord aus und sie hat den Mörder gefunden: Jamal. Alles spricht gegen ihn. Erschwerend kommt hinzu, dass auf dieselbe Weise schon andere junge Frauen zu Tode kamen. Und immer war Jamal in der Nähe. Die Schlinge um seinen Hals zieht sich enger und enger und er versucht verzweifelt, seine Unschuld zu beweisen. Er erhofft sich Unterstützung von den anderen beiden Zeugen – doch die sind plötzlich vom Erdboden verschwunden, als ob es sie gar nie gegeben hätte.

Eine spannende Geschichte, die durch Verknüpfungen mit der Vergangenheit immer mysteriöser wird. Bald sieht sich der Leser am gleichen Punkt wie der Protagonist steht: Er weiss nicht mehr, was richtig und was falsch ist.

Die Rückblenden in Form von Mails aus den vergangenen Fällen wirken ab und an ermüdend und langweilig, lassen sich aber gut etwas schneller überfliegen, um im Lesefluss zu bleiben.

Fazit:
Fängt etwas langsam an, wird dann aber immer spannender und zieht einen schliesslich gänzlich in den Bann. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Michel Bussi
Michel Bussi, geb. 1965, Politologe und Geograph, lehrt an der Universität in Rouen. Er ist einer der drei erfolgreichsten Autoren Frankreichs. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind internationale Bestseller. Bei Rütten und atb liegen seine Romane „Das Mädchen mit den blauen Augen“ und „Die Frau mit dem roten Schal“ vor. „Beim Leben meiner Tochter“ und „Das verlorene Kind“ erscheinen im Frühjahr 2016 Mehr zum Autor unter www.michel-bussi.fr

Angaben zum Buch:
BussiFrauRotTaschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Rütten & Loening Verlag (21. August 2015)
Übersetzung: Dr. Olaf Matthias Roth
ISBN-Nr.: 978-3352006760
Preis: EUR 14.99 / CHF 21.90

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Rezension: Guillaume Musso: Weil ich dich liebe

Vom Leben aus der Bahn geworfen

Nicole und Mark Hathaway waren glücklich, bis ihre kleine Tochter eines Tages spurlos verschwand. Drei Jahre nach dem Verschwinden teilte Mark Nicole mit, dass er nicht mehr weitermachen könne, und ging. Sie sah ihn nie mehr – bis zu diesem Tag. Ein Überfall auf offener Strasse, Nicole kommt gerade mit ihrem Freund Eriq von einem Konzert heim. Aus dem Nichts taucht ein Obdachloser auf und hilft ihr.

Sie erkannte ihn nicht gleich. Erst als sie seinem fiebrigen, ungläubigen Blick begegnete, fuhr sie erschrocken zusammen. […]
Eriq schüttelte den Kopf. „Würdest du mir bitte erklären, wer dieser Typ ist?“
Nicole richtete den Blick in die Ferne. Nach einer Weile sagte sie leise: „Es ist Mark, mein Mann.“

Das unverhoffte Auftauchen des Mannes ist nicht alles, kurz darauf wird auch die Tochter der beiden gefunden. Mark ist hoch erfreut, will sie gleich holen – doch Nicole verschwindet von einem Tag auf den anderen, hinterlässt nur einen schwer verständlichen Abschiedsbrief.

Wieder vereint mit seiner Tochter steigt Mark in ein Flugzeug, das die beiden heimbringen soll. Da trifft er auf Evie, die den Tod ihrer Mutter rächen will, und Alyson, eine exzentrische Milliardärstochter, die in der jüngsten Vergangenheit keinen Skandal ausgelassen hat und nun nicht mehr weiterleben will.

Die drei erzählen sich ihre Lebensgeschichten und langsam knüpft sich ein Band, das sie verbindet.

Der Roman beginnt packend, wie man es von Musso gewöhnt ist. Man ist gleich drin im Sog der Geschichte und kann das Buch kaum mehr weglegen. Dann wird es langsamer, seitenweise Rückblenden drosseln das Tempo und machen die Spannung zunichte. Sie wären auch nicht wirklich nötig für die Geschichte, wirken fast wie Füllmaterial, um Seiten zu gewinnen. Dass Musso dann auch noch auf einen Kniff zurückgreift, den er schon mal so ähnlich verwendet hat in einem anderen Roman, trübt den Lesespass noch ein bisschen.

Trotz alledem ist es ein gutes Buch, wenn man eniige Rückblenden überfliegt auch ein kurzweiliges Buch.

Fazit:
Sehr packend am Anfang, etwas langatmig in der Mitte, der Schluss bringt ein Deja-vu für Musso-Kenner. Trotzdem empfehlenswerte Unterhaltung.

Zum Autor
Guillaume Musso
Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren. Er arbeitete als Gymnasiallehrer und Universitätsdozent, bis er 2001 seinen von der Kritik hoch gelobten Debütroman veröffentlichte. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinem zweiten Roman Ein Engel im Winter, den er nach einem schweren Autounfall geschrieben hatte. Auch seine Roman Eine himmlische Begegnung und Vielleicht morgen stürmten auf Anhieb die französischen Bestsellerlisten. Ebenfalls von ihm erschienen ist Nacht im Central Park.

 

Angaben zum Buch:
MussoWeilIchTaschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. Juni 2016)
Übersetzung: Claudia Puls
ISBN-Nr.: 978-3492309264
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Plakative Betroffenheit erwünscht

In Orlando schiesst einer in einer Bar um sich und tötet dutzende Menschen. Die Betroffenheit ist gross, der Täter wird analysiert, es kommen mehr und mehr Details ans Licht über sein Leben, seine Absichten, seine Psyche. Spekulationen über seine Motive werden gemacht. Sympathien zum IS? Antipathien gegen Homosexuelle (die Bar war ein Treffpunkt)? Die Suche wird wohl weiter gehen.

Als ob die Tat nicht schlimm genug wäre, liest man nun auf Facebook empörte Statements. Man hätte sich mit Paris identifiziert (Je suis Charlie), mit Brüssel (eingefärbte Avatar) – keiner sei nun schwul oder zeige seinen Avatar in Regenbogenfarben. Damit sei der ganze Kampf für Akzeptanz der Homosexualität dahin und jeder nicht Stellungbeziehende sei potentiell homophob. Und schlimmer: Jeder Homosexuelle dadurch ein Opfer. Irgendwie.

Ich erinnere mich noch gut an Paris und Brüssel. In der Tat war die Anteilnahme plakativ sichtbar. Das wurde aber auch bemängelt von verschiedenen Seiten. Es sei übertrieben, zu plakativ, zu oberflächlich, wenig durchdacht. Das Fehlen solcher Signale scheint nun aber zu ignorant, gar diskriminierend zu sein.

Was mir auffällt ist: Es passiert viel auf der Welt, das Angst macht. Man versucht, damit weiterzuleben, einen Weg zu finden, das Leben weiterzuleben und doch sind da die Taten, die erschüttern. Wenn man die Möglichkeit sieht, seinen Avatar bunt zu färben, denkt man vielleicht, dass man auch ein Zeichen setzen möchte. Man möchte sich bekennen und Stellung beziehen. Nur wird es so viel, man müsste täglich irgendwo Stellung beziehen. Die Welt ist gross und es passiert überall was. Alles beschäftigt, das eine vielleicht mehr, das andere weniger; die Gründe können vielfältig sein. Ob der Grad der Betroffenheit aber wirklich an den offensichtlichen und plakativen Facebookzeichen abzulesen ist, wage ich zu bezweifeln.

Wir sind Menschen in einer Welt, die im Umbruch ist. Der Umbruch zeigt sich oft beängstigend und gewaltsam. Jeder Mensch geht anders damit um, kalt lässt es wohl kaum einen – ganz tief. Von aussen dahin zu gehen und andere abzuurteilen, weil sie zu viel, zu wenig, falsch öffentlich agieren ob des Unheils, das auf der Welt passiert, erachte ich als wenig konstruktiv. Erstens ist das plakative Zeigen wenig aussagekräftig in Bezug auf die wirkliche Tiefe des Mitgefühls, zweitens geht es den Kritisierenden wohl meist eher um eigene Befindlichkeiten oder Profilierung, denn um wirkliche Sorge um die tatsächlichen Opfer und drittens sehe ich wenig Sinn darin, sich in den sozialen Medien mit Argumenten zu bekriegen, wenn man eigentlich den realen Krieg der einen gegen die anderen anprangern sollte/wollte.

Die Welt ist im Umbruch und was passiert, macht Angst. Wir könnten alle morgen da sein, wo irgendeiner einen Anschlag verüben möchte – aus welchen Gründen auch immer. Das Leben geht weiter, die Angst müssen wir irgendwie ausblenden. Wäre es da nicht schöner, wir würden das miteinander tun, statt Kleinkriege anzuzetteln? Wäre es nicht sinnvoller, der wirklichen Opfer zu gedenken – jeder auf seine Weise –, statt sich selber zum Opfer einer als falsch definierten Trauer zu erküren? Wäre es nicht ein guter Anfang, Toleranz und Akzeptanz zu leben, statt zu be- und zu verurteilen, was den eigenen Massstäben nicht genügt? Denn: Sind die eigenen Massstäbe wirklich die absolut richtigen? Für einen selber wohl schon, doch worauf gründen sie? Und ist nicht gerade die Absolut-Setzung eigener Masstäbe eines der grossen Übel auf dieser Welt?

Nachbarschaftliche Diskussionen von Balkon zu Balkon

S gäle Wägeli

„Du säg emal: Isch s’Poschtwägeli scho da gsi?“

„Weles Wägeli?“

„Ja weisch, das gäle, das vo de Poscht.“

„Poscht chunt immer vor em 12i.“

„Ja, nid d’Poscht, s gäle Wägeli, weisch.“

„Hüt isch niemer cho. Gescht au nid.“

„Hät niemer glüte? Weisch, ich erwarte ebe es Päckli.“

„Und dänn lütet die bi mir? Gänd’s das mir ab?“

„Nei, bi mier, aber ich han’s viellecht verpasst.“

„Was?“

„Ja ebe, s gäle Wägeli vo de Poscht.“

„Bi mir het niemer glüte.“

Sicherheit bewahren oder dem Terror trotzen?

Die Fussball EM steht vor der Tür. Wetten werden bereits heute abgeschlossen – Terrorakte geplant. Man weiss nur von denen, die man vor Beginn aufdeckte, gibt es weitere? Man weiss es nicht, drum sorgt man vor: Man macht Trockenübungen, wie man im Falle eines Aktes agieren müsste… Man hat keine Ahnung, wie der Akt aussehen könnte, aber man übt.

Das ist sicher löblich, man sollte sich ja nicht unvorbereitet in ein Wagnis stürzen, nur: Ist das Wagnis zu gross in Anbetracht der heutigen Lage? Paris ist noch nicht vergessen, Brüssel sitzt fast noch in den Knochen, Istanbul ganz frisch. Vorzeichen gibt es auch für die EM.

Müsste man die EM absagen? Wäre das ein Sieg des Terrors, weil man klein beigab? Oder dürfen Menschen Bauernopfer der eigenen Standhaftigkeit sein? Kann man diese EM wirklich guten Muts und ohne Angst verfolgen? Muss man die Angst, die überall latent sein könnte, einfach ignorieren?

Man könnte nun einwenden, dass die Durchführung einer EM/WM in den letzten Jahren immer Fragen aufwarf: Enteignung der (hauptsächlich) armen Bevölkerung, Schliessung von Schulen, Bestechung, etc…. der Sport läuft schon lange mit Nebenwirkungen. Ist Terror nur eine von vielen oder ändert er alles?

Des Schweizers Schweiz – Ordnung muss sein

IMG_8705Familie M. wohnte in einem Wohnblock am Rande der Stadt. Vor ihrem Haus war ein kleiner Hang mit einer wunderbaren, wilden Wiese, in welche Familie M. eigenhändig Mohn gesät hatte. Schon bald schauten die wunderschönen roten Blumen aus dem Grün der Wiese heraus – ein Meer mit roten Inseln. Wer immer vorbeilief, blieb stehen, freute sich, machte ein Bild und schickte es in die Welt hinaus.

Eines Tages stand auf dem Tagesplan des Hauswarts, dass sätmliche Wiesen gemäht werden müssen. Und: Was auf dem Plan stand, wurde ordungsgemäss durchgeführt. Der gute Mann packte also seinen Rasenmäher und tat, was man mit dem Ding eben tut: Er
mähte. Hatte sein Vorgänger vor kurzem um das Blumenmeer rumgemäht, zumal es sowieso an einem sonst nicht nutzbaren Hang neben dem Gehweg lag, machte dieser kurzen Prozess. Er metzelte sprichwörtlich alles nieder. Wo vorher noch einIMG_8704e Augenfreude herrschte, war nun ein Totenbett. Mit groben Zügen rechte der fleissige Mann das Grünzeug runter, sammelte es ein. Zurück blieb ein unansehlicher braun-grüner Hang.

Zufrieden wischte der Hauswart die Hände an den Hosen ab: Nun hatte alles seine Ordnung, ein Punkt weniger auf der Liste.

 

Ode an Klaus

Ich wohne schon seit Jahrzehnten wohl mit Klaus zusammen. Klaus ist eine treue Seele. Er ist nicht wirklich schön, es sind seine inneren Werte, die zählen. Klaus redet auch nicht viel – eigentlich sagt er nie was. Das macht mir nichts aus, denn ich mag es ruhig. Da bleibt viel Platz für Gedanken. Zudem: Wir verstehen uns ohne Worte, Klaus und ich.

Wenn ich Klaus brauche, ist er da. Er zickt nie rum, er motzt nie, er ist nicht kompliziert. Ich erinnere mich an kalte Winterabende, die wir zusammen auf dem Sofa verbrachten. Teilweise begleitete er mich den ganzen Tag, war immer an meiner Seite. Wenn ich Bauchschmerzen habe oder sonst etwas weh tut: Klaus ist da. Auf Klaus ist Verlass.

Nun haben wir Sommer. Eigentlich macht Klaus im Sommer Urlaub, er erholt sich wohl vom oft häufigen Wintereinsatz. Nicht so dieses Jahr. Gerade sitzen Klaus und ich wieder zusammen auf dem Sofa. Ich bin froh, gibt es Klaus in meinem Leben, es wäre ein kälteres Leben sonst. Das wollte ich ihm einfach auch mal sagen:

Danke Klaus, dass es dich gibt!

Ach ja: Klaus ist meine rote Gummibettflasche.

Des Schweizers Nörglertum

Auf der ganzen Welt überschlagen sich Freude, Lob und Bewunderung für den Gotthard. Die Umsetzung, das Projekt an sich – man sieht es als Leistung. Nur die Schweizer überschlagen sich mit Selbstkriteleien, mit Kleinredereien, mit Sinnfragen. Sie hängen die Politiker an ihren Kleidungststücken (zu teuer, zu unförmig, zu unpassend) auf und unterstellen ihnen Profilierungsgier. Sie fragen sich laut, wozu man diese Röhre überhaupt brauche und verspotten jeden und alles, das damit zu tun hat oder etwas Positives äussert.

Das ist wohl genau dieses Schweizer Bünzlitum, das nichts Neues gelten lassen kann, das sich immer (früher hinter dem Vorhang am Küchenfenster, heute hinter dem Bildschirm sitzend) das Maul zerreisst und keinem was gönnt – schon gar nichts Grosses.

Allerdings sehen sich die Kritler nicht als Bünzlis, im Gegenteil… irgendwie traurig.

Ein gemeinsamer Termin

Früher traf man sich spontan. Man wusste: Am Montag Abend sitzen sie alle in der Stammbeiz am Stammtisch. Und da traf man sich, besprach, was es zu besprechen gibt, schwieg, worüber nix zu sagen war. Man wurde fortschrittlicher, lernte mit dem Fortschritt, dass es Abmachungen und Terminkalender braucht. Also verabredete man sich gezielt, am Montag gemeinsam am Stammtisch in der Stammbeiz zu sitzen, das Notwendige zu besprechen. Schweigen ging kaum mehr, denn die Termine waren gedrängt und man konnte auch alleine schweigen. Wenn es halt grad passte.

Neu ist das anders. Neu braucht eine Verabredung von Vielen einen Doodle. Einer sitzt am Bildschirm und tippt wahllos Termine ins Programm, die dann von anderen bei sich zu Hause mit der eigenen Agenda abgeglichen und im Netz bestätigt oder verworfen werden müssen. Wenn nix passt, geht es so lange weiter, bis es passend gemacht wurde.

Ein Fortschritt? Es dient der Individualität und Eingebundenheit. Wir sind heute alle ach so wichtig mit ach so vielen Terminen. Sind wir glücklicher? Eher gestresster wohl, aber einen Gang zurück schalten trauen wir uns nicht, denn: Was würden die anderen denken, hätten wir plötzlich Zeit? Sie wären wichtig, indem sie ihre knappe Zeit (und damit mangelnde Möglichkeit für gemeinsame Zeit) mitteilen, während wir nur immer nicken. Wir kämen uns minderwertig, zumindest minderwichtig vor.

Wer sich selber eine Grube gräbt

Da geht eine Schweizer Bundesrätin an ein Konzert. Ein Rockkonzert auch noch. Und wäre das nicht schlimm genug, ist sie auch noch in einer christlichen Partei. Wo man doch weiss, dass diese Rocker hart und gottlos und überhaupt ganz böse Buben sind. Und wer denkt, damit sei der Zenit der Unmöglichkeit bereits erreicht, dem sei gesagt:

Schlimmer geht immer!

Besagte Bundesrätin erdreistete sich, sich Hörner aufzusetzen – Teufelshörner. Die christliche Partei, deren Aushängeschild die gute Frau ist, geht in Schnappatmung über. Das geht gar nicht. Das ist. Indiskutabel. Ein Verstoss. Eine Schande.

Und während das Foto der Bundesrätin, fröhlich lachend mit knallroten Teufelshörnern Sympathien ohne Ende einfuhr (ohne es darauf abgesehen zu haben, sondern einfach den Moment lebend), gräbt sich die Partei selber die Grube der Ewiggestrigen.

Rezension: Guillaume Musso – Nacht im Central Park

Die Jagd nach dem Mörder – oder umgekehrt

Als sie sich aufrichtete, stellte sie verdutzt fest, dass sie sich auf einer groben Holzbank befand und ein kräftiger Mann halb auf ihr lag. […] Sie zuckte zurück, doch der Mann bewegte sich nicht. Scheisse!

Als Alice aufwacht, findet sie sich an einem unbekannten Ort an einen unbekannten Mann gefesselt. Als auch dieser aufwacht, teilen die Beiden das Erstaunen über die Situation, beide wissen nicht, wie sie an diesen Ort – den sie bald als New Yorks Central Park erkennen – und in diese Situation gekommen sind. Dass ihnen ihre Habseligkeiten gestohlen worden sind und die Kleidung zudem mit Blut getränkt ist, macht alles noch merkwürdiger.

Gemeinsam machen sie sich auf die abenteuerliche Suche nach den Gründen. Das wird vor allem für Alice schmerzhaft, die sich mit den dunkelsten Erlebnissen ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Die Geschehnisse überstürzen sich, bald jagen sie einen Mörder – und sind selber gejagt.

Guillaume Musso ist einmal mehr ein Meisterwerk der Spannung gelungen. Die Geschichte entwickelt sich rasant, die Figuren sind plastisch und der Plot stimmig. Ein der Geschichte zugrundeliegendes Geheimnis wird nach und nach aufgelöst, man weiss nicht genau, wo die Wahrheit genau liegt und muss fast bis zur letzten Seite durchhalten, es zu erfahren. Kein Wunder, legt man das Buch nicht mehr aus der Hand, hat man mal mit Lesen begonnen.

Müsste man einen Makel finden, so wäre es das Ende – es ist zwar völlig unerwartet, was durchaus positiv ist, dabei aber ein bisschen zu kitschig im Vergleich zum Rest des Buches (zumindest für mich).

Fazit:
Einmal angefangen, lässt einen das Buch nicht mehr los. Spannung pur für den Strand oder den Liegestuhl zu Hause. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Guillaume Musso
Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren. Er arbeitete als Gymnasiallehrer und Universitätsdozent, bis er 2001 seinen von der Kritik hoch gelobten Debütroman veröffentlichte. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinem zweiten Roman Ein Engel im Winter, den er nach einem schweren Autounfall geschrieben hatte. Auch seine Roman Eine himmlische Begegnung und Vielleicht morgen stürmten auf Anhieb die französischen Bestsellerlisten.

Angaben zum Buch:
MussoCentralTaschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. April 2016)
Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
ISBN-Nr.: 978-3492309257
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90

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Die Liebe

Die Liebe
lässt sich nicht erfassen.
Sie ist da.
Einfach so.
Ich suche,
zu ergründen.
Such’ nach Argumenten,
Gründen.
Finde viel
und liste auf.
Und hab’ doch nie,
den Grund erfasst.

Die Liebe
ist einfach da.
Wie aus dem Nichts,
nicht festmachbar,
Ich will erklären,
will verstehen,
halte fest
und teile mit
– ich stecke fest.

Die Liebe
steht über dem Wort
und dem Verstand,
kennt keinen Grund
und kein Objekt.
Sie ist nur ein Sein
im Hier
und Jetzt.