Ein gemeinsamer Termin

Früher traf man sich spontan. Man wusste: Am Montag Abend sitzen sie alle in der Stammbeiz am Stammtisch. Und da traf man sich, besprach, was es zu besprechen gibt, schwieg, worüber nix zu sagen war. Man wurde fortschrittlicher, lernte mit dem Fortschritt, dass es Abmachungen und Terminkalender braucht. Also verabredete man sich gezielt, am Montag gemeinsam am Stammtisch in der Stammbeiz zu sitzen, das Notwendige zu besprechen. Schweigen ging kaum mehr, denn die Termine waren gedrängt und man konnte auch alleine schweigen. Wenn es halt grad passte.

Neu ist das anders. Neu braucht eine Verabredung von Vielen einen Doodle. Einer sitzt am Bildschirm und tippt wahllos Termine ins Programm, die dann von anderen bei sich zu Hause mit der eigenen Agenda abgeglichen und im Netz bestätigt oder verworfen werden müssen. Wenn nix passt, geht es so lange weiter, bis es passend gemacht wurde.

Ein Fortschritt? Es dient der Individualität und Eingebundenheit. Wir sind heute alle ach so wichtig mit ach so vielen Terminen. Sind wir glücklicher? Eher gestresster wohl, aber einen Gang zurück schalten trauen wir uns nicht, denn: Was würden die anderen denken, hätten wir plötzlich Zeit? Sie wären wichtig, indem sie ihre knappe Zeit (und damit mangelnde Möglichkeit für gemeinsame Zeit) mitteilen, während wir nur immer nicken. Wir kämen uns minderwertig, zumindest minderwichtig vor.

4 Gedanken zu “Ein gemeinsamer Termin

  1. Das Wichtig-sein-wollen und Wichtig-sein-müssen trägt manchmal merkwürdige Früchte: Ein Bekannter, der etwa 6 km weg wohnt, meinte einst, daß er alles sähe! Nichts entgehe ihm. So sah er, daß ich mit einem Kumpel abends manchmal walke. Zu meinem Erstaunen kennt er scheinbar fast alles an Leuten und Strassen in der 45 km entfernten Stadt. Gleichzeitig aber betreibt er regelmässig Meditation. Wie passt das zusammen?
    Gut ist , nichts vorgeben zu müssen. Es gibt welche, die lassen nicht durchscheinen, wer sie sind. So unterhielt ich mich einst mit einem scheinbaren Laienmusiker, um erst Wochen später zu erfahren, daß er ein anz berühmter Jazzgitarrist war und ist.

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