Sie so – er so

Sabine beim Abendessen plötzlich: „Wir brauchen mehr Achtsamkeit in unserer Welt!“

Klaus: „Wie meinst du das nun?“

Sabine: „Du isst hier, was ich heute gekocht habe, und ich wette, du könntest nicht sagen, was da alles drin war. DU hast es schlicht nicht wahrgenommen.“

Klaus: „Was weiss ich, was du verwurschtelt hast, ich esse doch aber mit Appetit, also schmeckt es?! Aber jetzt wo du es sagst: Was ist das Rosa-Grüne hier?“

Sabine: „Siehst du, das meine ich. Du schmeckst nicht mal mehr, man muss dir sagen, was du isst. Ist doch klar: Broccoli mit Lebensmittelfarbe.“

Klaus: „Wieso tut man Lebensmittelfarbe an Broccoli?“

Sabine: „Das ist Kunst am Essen.“

Klaus: „Aha… Kunst liegt ja auch immer im Auge des Betrachters….“

Nachbemerkung: Klaus hat das Rosa-Grüne nun in den Haaren, der Teller liegt in Scherben am Boden neben Klaus.

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2017_38-17_3_dreiFür die abc.etüden, Woche 38.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herbert von HTR Knife http://htr-knife.de und lauten: Achtsamkeit, verwurschteln, rosa-grün.

Der Ursprungspost: HIER

 

Minimalismus – Gesprächskultur

Ich habe kürzlich zum Thema Minimalismus geschrieben (HIER) und gesagt, dass ich das Thema sporadisch weiterverfolgen möchte. Heute habe ich mir Gedanken zu unserer Gesprächskultur gemacht.

Wenn man Gespräche genauer anschaut, merkt man oft, dass es mehr Menschen gibt in ihnen, die reden, als solche, die zuhören. Sagt einer etwas, spielen sich oft folgende Szenarien ab:

  • er wird mitten im Satz unterbrochen
  • Das Gegenüber feilt innerlich schon an der Antwort, bevor der Sprechende überhaupt zum Punkt kam
  • Das Gegenüber wartet ungeduldig ab, dass er Sprechende fertig ist, um dann nicht darauf einzugehen, sondern ein eigenes Thema zu bringen

Es gäbe wohl noch viele weitere Varianten, aber ich denke, mein Punkt wurde verstanden. Statt dem anderen seinen Raum zu lassen, drängen wir uns an ihm vorbei und stellen uns in den Mittelpunkt. Wir haben etwas zu sagen (glauben wir zumindest) und wollen damit gehört werden. Zum Zuhören fehlt da die Zeit, der Wille und die Geduld. Und schlussendlich auch der Respekt.

Nun könnte man sagen: Böse Nicht-Zuhörer, arme Sprechende. Das wäre wohl zu einfach. Eine Teilschuld liegt sicher auch bei den Sprechenden selber. Wie oft sprechen wir, nur damit gesprochen ist? Wir zerreden Banalitäten, die eigentlich keiner Erwähnung wert wären, breiten das sowieso Offensichtliche in allen Breiten und Tiefen aus, obwohl es schon jeder kennt. Wieso? Weil wir es können. Weil wir da was wissen. Und das wollen wir zeigen. Und ja, wir wollen sprechen, denn: Wer nicht spricht, der wird nicht wahrgenommen und wer nicht wahrgenommen wird, der existiert in einer Weise gar nicht. Er wird übersehen, überhört, er ist inexistent.

Wie viel Platz hätten wir für wichtige Themen, wenn die ganzen Offensitlichkeiten wegfielen? Ich sage nicht, dass wir fortan nur noch bierernst durchs Leben gehen müssen und uns nur noch mit den grossen Problemen der Menschheit beschäftigen dürfen, im Gegenteil. Humor und Witz machen das Leben erst lebenswert. Gerade, wenn es schwer ist.

Aber: Das Wetter sieht jeder selber und was in den Zeitungen steht, kann jeder, den es interessiert, nachlesen. Dass es im Sommer heiss ist und bei Regen nass, liegt in der Natur der Sache. All das erzählen wir uns aber gegenseitig. Um ja nicht still zu sein. Stille scheint bedrohlich, denn man könnte in ihr merken, dass man sich nichts zu sagen hat. Nichts zu sagen hat man sich nicht, wenn man sich nichts sagt, sondern dann, wenn man die Stille nicht erträgt und sie mit Unsäglichkeiten vollstopft.

Manchmal ist weniger mehr. Auch beim Sprechen.

Zur Wahl in Deutschland

Ich wage es nun mal: Ich sah grad Frau Merkel unter Kindern. So menschlich, so echt. Ich mag sie. Geb ich zu. Könnte ich wählen…. Ja, ihre Partei wäre nicht meine. Aber sie als Mensch schon.

Seien wir mal ehrlich: Wenn ich zählen müsste, was über Angela Merkel geschrieben wird, zieht man mehrheitlich über ihre Handgeste her. Das Zweite sind die Haare, dann kommen die Kleider. Was macht sie konkret falsch? Ja, die Lage ist heikel. Sie ist aber nie überstürzt. Und nein, sie schweigt sich nicht aus, sie schiesst nur nicht rein. Und dann steht sie hin und gibt ihre Haltung preis. Das tut sie klar, das tut sie menschlich. Sie ist damit ihrer Partei oft nicht ganz genehm. Aber sie ist human.

Ich bin kein politischer Mensch. Und ich kann in Deutschland nicht wählen. Aber könnte ich, wäre es für mich klar. Wenn ich die leeren Worthülsen eines Herrn Schulz höre, verspricht das keine wirkliche Alternative zu sein.

Und für alle Rundumnörgler: Wie war das noch? Ein so grosses Land wie USA hat nur die zwei Figuren zur Auswahl? Die Wahl war alles andere als positiv. Ich sage nicht, dass Schulz so schlimm wäre wie Trump (schlimmer geht immer), aber so uninspiriert, so unfundiert… das geht ja wirklich echt nicht.

Ich habe das nun einmal getan, ich tue es nie mehr. Aber es kam grad so über mich.

 

Gespräche bei Wein

„Ach du meine kleine Knutschkugel, ich liebe dich ja so!“

„Wieso nennst du mich eigentlich immer Knutschkugel? Bin ich so fett?“

„Nein, mein Schmetterling, du bist die Schönste im ganzen Land.“

„Also war ich früher hässlich? Ich meine, ein Schmetterling entsteht durch die Verwandlung aus einer Raupe?!?“

„Nein, mein…. ich weiss nun auch nicht mehr, was sagen, ich fühle mich hier grad wie vor dem Richter, dem ich mich verantworten müsste für ein Verbrechen, von dem ich nicht mal weiss, dass ich es begangen habe.“

„Du verstehst mal wieder gar nichts.“

„Das kannst du nun so nicht sagen! Ich habe alles immer nur gut gemeint und nun sitze ich quasi auf dem Beichtstuhl und hoffe auf Vergebung meiner nie begangenen Sünden.“

„Richter, Pfarrer, wieso nicht gleich Gott?“

„Gott ist tot! Sagte schon Nietzsche.“

„Stimmt. Wir verstehen uns ja doch!“

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2017_37-17_zwei

Für die abc.etüden, Woche 37.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche vom Etüdenerfinder und Maler Iz (bei Twitter als @odradet https://twitter.com/odradet) und lauten: Knutschkugel, Verwandlung, Beichtstuhl.

Der Ursprungspost: HIER

 

Szenen einer Ehe

Sie so: „Du musst einfach lernen, deine Fehler einzugestehen.“

Er so: „Wir müssen beide lernen, dass wir Fehler haben. Auch du hast deine.“

Sie so: „Da hast du recht. Wobei: Wenn ich so nachdenke… eigentlich fällt mir grad keiner ein, ich finde mich ziemlich gut. Eigentlich bin ich fast perfekt.“

Kategorien – oder: In eigener Sache

Kürzlich wurden Schweizer Blogs gesucht und jemand hat meinen in die Liste eintragen lassen. Es gab verschiedene Kategorien und sie hatte eine für mich gewählt: Leben. Sie meinte, ich könne die Kategorie auch wechseln, wenn ich möchte.

Ich habe mir Gedanken gemacht. In welche Kategorie passt mein Blog? In welche gehört er?

Angefangen hat alles irgendwann im Oktober 2010. Ich hatte vorher einen Blog auf blogger.de, zog mit dem dann zu WordPress um. Ich schrieb hauptsächlich meine Gedanken zum Leben und Gedichte. Irgendwann veränderte ich den Inhalt, es sollte ein Bücherblog werden. Ich hatte immer gerne gelesen, nun wollte ich auch darüber schreiben. Es pendelte sich ein Miteinander zwischen Bücherbesprechungen und eigenen Gedanken/Gedichten/Geschichten ein. Mal überwog das eine, mal das andere.

Man könnte also sagen: Die Kategorie „Leben“ passt perfekt. Als reiner Bücherblog möchte ich Denkzeiten nicht bezeichnen. Es gab Zeiten, da strebte ich das an, weil ich dachte, dem Ganzen eine klare Richtung geben zu müssen. Doch dann merkte ich, dass dies mir nicht entspricht. Ich bin nicht nur Büchermensch, so sehr ich Bücher – immer mal wieder unterschiedliche Genres – auch liebe. Mich bewegt mehr im Leben und das möchte ich auch transportieren. Also sprengte ich das Korsett wieder auf, ging neue Wege und der Blog veränderte sich immer mal wieder ein wenig. Es fiel nichts wirklich weg, aber es kamen immer mal neue Impulse dazu.

Vor ein paar Jahren entdeckte ich meine Liebe zur Kunst. Zwar hatte sie mich schon immer interessiert – vor allem die Malerei -, aber ich hatte mich nur am Rande intensiver damit auseinandergesetzt. Das änderte ich damals und zwar theoretisch durch entsprechende Sachbücher wie auch praktisch durch eigene Gehversuche beim Zeichnen und Malen. Leider kam mir mein innerer Kritiker immer wieder in die Quere und irgendwann hörte ich auf. Bis vor einiger Zeit.

Das Leben geht wohl mitunter verworrene Wege. Hinter mir liegt eine sehr anstrengende Zeit und auch der vor mir liegende Weg wird wohl seine Tücken haben. Inmitten dieser kräftezerrenden Phase merkte ich plötzlich, was mir im Leben fehlt. Ich blätterte durch frühere Skizzenbücher und wusste: Da will ich wieder hin. Und das habe ich getan. Und für mich einen Ort gefunden, an dem ich mich endlich gut fühle.

Wie ich es immer mache, habe ich auch das bei Denkzeiten integriert. Doch nun möchte ich es ändern. Für mich stimmt es nicht, das Malen und Zeichnen „nur“ als eine Kategorie unter vielen hier bei Denkzeiten zu geben. Ich werde drum meinen kreativen Seiten ein eigenes Zuhause geben:

IMG_3431
www.kritzelzeiten.com

Da finden sich neu meine Skizzen, Bilder, Artikel zu Kunst, Kreativität, Zeichnen und mehr. Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere auch da ab und an mal reinschaut.

Denkzeiten bleibt aber bestehen mit der ursprünglichen Mischung von eigenen Gedanken, Gedichten, Büchern.

Freitagsfüller – Klappe, die elfte

 

Der Freitagfüller geht in die 11. Woche für mich. Eine schöne Aktion, die mich immer ein wenig nachdenken lässt, die aber auch zeigt, wie schnell die Zeit vergeht. Und los geht es:

  1. Ist denn der Sommer wirklich schon vorbei? Nach tagelangem ungemütlichem Regen scheint heute zwar die Sonne, aber es war empfindlich kalt heute Morgen und mein Mantel definitiv nicht dick genug. So heisst es wohl bald: Winterkleider aus dem Keller holen und Schrank umrüsten.
  2. Ich habe ein Rezept für mehr Gelassenheit im Alltag gefunden, und ich setze das nun erfolgreich immer um. – Das wäre ab und an ein Wunschtraum von mir, an dem ich aber noch arbeite. Ich habe mit den Jahren durchaus gelernt, gelassener zu werden, und gerade auch die schwierigen Zeiten der letzten Wochen und Monate hat da nochmals ordentlich mitgeholfen. Es gibt aber immer noch ein paar Situationen und Menschen, die mich in nullkommanichts zur Weissglut treiben können.
  3. Am liebsten mag ich gerade, dass ich wieder intensiv auf meinem kreativen, bildnerischen Weg bin. Der gibt mir sehr viel und ist wohl auch mit eine Hilfe auf dem Weg zur Gelassenheit – auch wenn manchmal Selbstzweifel alles wieder kaputt machen.
  4. Ich liebe Herbstdekoration. Ich habe davon auch sehr viel im Keller – Kürbisse, Tannzapfen, alles in orange, rot und braun. Nur: Dieses Jahr ist mir irgendwie nicht danach. Mir gefällt die immer schlichter werdende Einrichtung und auch Dekoration aktuell sehr gut und ich möchte das eigentlich behalten. Mal sehen, ob ich doch noch irgendwann in die Dekokiste greife.
  5. Socken an den Füßen – dass wieder Socken an die Füsse müssen, ist schon ein Weilchen klar, aktuell sind es zwei Paar. Und die Füsse sind einigermassen warm…
  6. „Dur und Moll in kunterbunt und schwarzweiss“ könnte der Titel eines Buches über meines Lebens lauten. Wenn ich eines gelernt habe im Leben ist es: Alles hat zwei Seiten und man kann nie wirklich abschätzen, welche sich als nächstes zeigt. Ich finde das ja anstrengend, aber es scheint nicht zu ändern und da hilft nur eines: Gelassenheit. Wobei wir wieder bei Punkt 2 wären. 😉

 

Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens einigermassen übernehmen:

  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein, Käse und Brot (siehe 3), morgen habe ich geplant, neben allen Wochenenderledigungen wie putzen, einkaufen und dergleichen mit dem Hund spazieren zu gehen, viel zu zeichnen und zu lettern, etwas zu lesen und dann den Tag ausklingen zu lassen. Am Sonntag möchte ich wieder viel zeichnen, lettern, lesen, meinen Sonntagsfilm schauen und hoffentlich viel Ruhe haben.

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Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

 

„Mein Mann hilft im Haushalt“

Kürzlich hörte ich von einer Frau – und es klang lobend und freudig:

Mein Mann hilft im Haushalt.

Sie sagte das als Antwort auf das Jammern ihrer Freundin, welche beklagte, dass sie alles alleine machen muss. Im ersten Moment dachte ich „toll“ und gratulierte der guten Lobenden innerlich. Schliesslich muss man sich den Mann passend aussuchen und man weiss meist, was man kriegt. Doch dann überlegte ich weiter. Und war nicht mehr so begeistert.

Man kommt als Paar zusammen und gründet einen gemeinsamen Haushalt, irgendwo ein gemeinsames Leben. Natürlich sind da Rollen zu verteilen. Dies sollte im besten Fall gemeinsam passieren, so dass jede der beiden Parteien zufrieden ist. Wenn nun aber ein Haushalt gemeinsam ist, hilft dann einer dem anderen, wenn es darum geht, diesen in Schuss zu halten? Oder aber ist es eine gemeinsame Aufgabe, die man im Miteinander löst?

Nun gibt es verschiedene Beziehungsmodelle:

Beide arbeiten gleich viel. Spontan könnte man hier sagen, dass beide gleich viel im Haushalt machen müssten. Nehmen wir an, einer arbeitet 100%, der andere 60%. Müsste nun die Haushaltslast entsprechend angepasst werden? Was, wenn der mit 60% gleich viel verdient, wie der mit 100%? Und: Wohnt dann der, welcher 100% arbeitet, weniger im Haushalt als der andere? (Nicht nur zeitlich, auch gefühlsmässig). Nehmen wir an, eine Hausfrau mit drei (gemeinsamen oder auch durch Heirat mit aufgenommenen) Kindern lebt mit einem zu 100% arbeitenden Mann zusammen. Wer gehört in den Haushalt? Spannend wird es in dem Modell bei den Ferien des so arbeitenden Mannes. Kann er nun übernehmen? Wenn nicht: Wann sind ihre Ferien? (Die Frage kann man auch mit umgekehrten Geschlechtsrollen stellen).

Man merkt wohl, worauf ich hinaus will: Es ist nicht ganz so einfach, schon gar nicht mathematisch. Es mag wohl hinkommen, dass der, welcher mehr zu Hause ist oder seine Arbeit freier einteilen kann, mehr Möglichkeiten hat, Dinge im Haushalt zu erledigen. Das macht diesen aber nicht zu dessen Haushalt, es bleibt ein gemeinsamer. Ergo ist es keine Hilfe, sondern ein Beitrag, wenn der andere was tut.
Reine Wortklauberei? Ich finde nicht. In diesen Worten steckt eine Hierarchie. Der eine muss und der andere macht nur aus gutem Willen mit, muss dafür schon gelobt werden. Es ist nicht selbstverständlich, dass beide dafür sorgen, dass das gemeinsame Heim schön ist, einer will es schön haben, der andere macht. Und ja, nehmen wir das Rollenmodell Hausfrau-100%Arbeiter: Wer nun einwenden will, dass gewisse Männer ach so arm und viel arbeitend sind (vice versa für Frauen im umgekehrten Falle), dem sei gesagt: Sie könnten das in dem von ihnen gewählten Modell auch nicht tun, wenn sie nicht Frauen hätten, die ganz viel abnehmen – zum Beispiel: Drei Kinder zu unterschiedlichen Hobbies fahren, Elterngespräche wahrnehmen, Sorgen abhören und Hausaufgaben überwachen. Essen kochen, Dinge einkaufen, die der Mann nicht essen dürfte wegen seiner Diät und ihn trösten, wenn die Waage nicht will, wie er. Für alle anderen Modelle kann man das anpassen oder das Wort „Hilfe“ per se in die Tonne treten. Und das kann man es auch in diesem Fall.

Letztendlich sind Menschen in Beziehungen Partner. Und als solche schauen sie gemeinsam, dass die Beziehung läuft und das gemeinsame Leben funktioniert. Es hilft nicht einer dem anderen, sondern man ist füreinander da. Gegenseitig. Und macht, was gemacht werden muss. Gemeinsam. Jeder, was er kann, nicht nur, was er gerne möchte – oder grad gut als Hilfe verkaufen kann.

Die Ungelesenen

Im Artikel „Gute Bücher, schlechte Bücher“ (Hier) kündigte ich an, dass ich fortan auch Bücher vorstellen will, die ich nicht lesen konnte. Die Gründe dafür können mannigfaltig sein, sie sind aber meist eine durchaus persönliche Einschätzung und nicht zwangsläufig ein Qualitätsurteil für das Buch.

Ich werde diese Bücher nicht mehr einzeln behandeln, sondern ab und an eine Zusammenfassung meiner Ungelesenen präsentieren. Mich würde natürlich interessieren, was andere zu diesen Büchern zu sagen haben. Es ist, wie ich finde, immer spannend, wie unterschiedliche Menschen Bücher unterschiedlich lesen. Hier die erste Präsentation meiner Ungelesenen:

Ingrid Noll: Halali

Klappentext
NollHalaliKarin und Holda sind Kolleginnen und teilen sich das Büro. Vor allem aber verbringen die beiden ihre Freizeit miteinander und teilen ihre Geheimnisse bei der Suche nach dem richtigen Mann. Gerade ist Bonn Hauptstadt geworden, und im Innenministerium gibt es viel zu tun, nicht nur im Vorzimmer, sondern auch in der Dunkelkammer. Ihr Alltag wird immer spannender – und immer gefährlicher: Schon bald haben sie es nicht nur mit toten Briefkästen, sondern auch mit toten Agenten zu tun. Manchmal hilft nur noch Gegenspionage, um die eigene Haut zu retten.

Halali ist eine originelle Mischung aus Kriminalkomödie und Agentenroman. Die große Politik trifft auf die Sehnsucht nach dem kleinen Glück.

Beurteilung
Da ich Ingrid Noll immer liebte, freute ich mich sehr auf das Buch – und war sehr enttäuscht. Das Problem, das ich beim Lesen hatte, war, dass die Geschichte nicht losging. Der Text wirkte wie ein Geplauder aus dem Nähkästchen, er war eine Ansammlung von Rückblicken und Bewertungen von Heute und Gestern, alles sehr wirr, in die Länge gezogen, ohne Tempo, Witz oder Charme. Wenn ich nun den Klappentext lese, wirkt allerdings auch schon der eher wirr. Man hätte es vielleicht wissen können, aber eben: Meine Erwartungen an die Autorin, die mir schon so viele tolle Lesestunden geschenkt hat, liessen mich blind zum Buch greifen. Ich habe nach – ich gebe es zu – kläglichen 20 Seiten aufgegeben.

Fazit:
Ein vom Einstieg in die Geschichte her wenig überzeugendes Buch, das in einem seichten Plauderstil dahinplätschert. Schade!

Zur Autorin
Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache Großmutter. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden. ›Die Häupter meiner Lieben‹ wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet und, wie andere ihrer Romane, auch erfolgreich verfilmt. 2005 erhielt sie zudem den ›Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren‹ für das Gesamtwerk.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (26. Juli 2017)
ISBN: 978-3257069969
Preis: EUR 22 / CHF 33.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Karin Schneuwly: Glück besteht aus Buchstaben

Klappentext
SchneuwlyWir lesen aus Interesse, aus Vergnügen, aus Wissbegier. Die Gebanntheit, das Staunen, das innerliche Zittern, das wir als Kinder erlebten, daran erinnern wir uns vage. Karin Schneuwly erzählt in ihrem Leseverführer von diesem Gefühl und erweckt es zu neuem Leben. Als Kind eroberte sie sich die Welt der Literatur gegen alle Widerstände ihrer Familie und der Umwelt und las manisch jedes Buch, das sie in die Finger bekam. Anhand ihrer Lektüren von „Heidi“ bis zu „Krieg und Frieden“ lässt Schneuwly diese Verzauberung neu entstehen, die Neugier und die Jagdlust, die einen nie wieder loslassen. Eine wunderbar erzählte Buch- und Büchergeschichte, die selbst das Glücksgefühl hervorruft, das nur Lesen bewirkt.

Beurteilung
Schon die ersten zwei Sätze liessen mich stutzen:

Mein Vater hat keine Bücher gelesen. Deshalb kann ich heute nicht genau sagen, wer er war.

Zeigt sich das Wesen von Menschen nur in ihrer Lektüre? Eine merkwürdige Ansicht, vor allem in Bezug auf den eigenen Vater. Auch die Mutter wird über ihr Leseverhalten definiert, die Grossmutter allerdings nicht, da sind Bücher kein Thema, die scheint dann doch auf einem anderen Weg wahrgenommen zu werden. Nach seitenlangen Beschreibungen von dörflicher Landidylle mit Hühnern, Klos und Kartoffelkellern, gestorbenen Grossvätern und deren Krankheiten sowie weitere merkwürdigen Taxierungen verschiedener Verwandter habe ich das Buch abgebrochen. Diese Buchstaben haben mir leider kein Glück verschafft.

Fazit:
Ein für mich wenig überzeugendes Buch, da die vorgebrachten Bewertungen nicht nachvollziehbar und die Beschreibungen schlicht langweilig waren.

Zur Autorin
Karin Schneuwly, geboren 1970, studierte Germanistik, Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie arbeitete für Verlage und war Ko-Programmleiterin im Literaturhaus Zürich. Seit 2010 ist sie Texterin, Lektorin und Korrektorin. Glück besteht aus Buchstaben ist ihr erstes Buch.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Nagel & Kimche Verlag (21. August 2017)
ISBN: 978-3312010417
Preis: EUR 18 / CHF 27.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Meine beste Freundin: Geschichten – Gedichte – Briefe

Klappentext
FreundinDie beste Freundin ist ein besonderer Mensch. Bei ihr findet man Freiraum, Vertrauen, Respekt, Nähe, Verständnis, Zuwendung, Akzeptanz, Seelenverwandtschaft und Liebe. Mit ihr kann man sich über alles austauschen: über die eigenen Gedanken und Gefühle, über Berufliches, über Poesie, Literatur, Philosophie. Sie ist die engste Vertraute und Beraterin in allen Lebensfragen.

Zahlreiche literarische Texte wie Briefwechsel, Tagebucheintragungen, biographische Schriften oder Gedichte geben durch die Jahrhunderte hindurch intime Einblicke in die besondere Beziehung zur besten Freundin. Und zeigen: einzigartig und unersetzlich war sie schon immer. Man diskutiert damals wie heute persönliche wie gesellschaftliche Perspektiven, politische Fragen, die Rolle der Frau, spricht über Sehnsüchte, Liebe, Begehren und die Möglichkeiten zu Veränderungen im eigenen Leben.
Mit Briefen von Rosa Luxemburg an Clara Zetkin, Paula Modersohn-Becker an Clara Rilke-Westhoff, Vita Sackville-West an Virginia Woolf, Erika Mann an Lotte Walter-Lindt, Texten von Doris Lessing, Jane Austen, Elena Ferrante und Erinnerungen von Lillian Hellman über Dorothy Parker, Nadeschda Mandelstam über Anna Achmatowa u. v. m.

Beurteilung
Vielleicht scheiterte ich auch hier an zu hohen Erwartungen. Freundschaften sind etwas Wunderbares und ich wollte mehr über beste Freundinnen erfahren. Gefunden habe ich aber eine – wie mir schien – wahllose Zusammenstellung von (mehrheitlich) Briefen. In der Einnleitung erfuhr man kurz über die Hintergründe zur Freundschaft und zum Brief, dann stand dieser für sich da. Alle Briefe, die ich gelesen habe, haben wenig über die Freundschaft von Schreibender und Empfängerin ausgesagt. Zwar fanden sich teilweise interessante Gedanken oder auch persönliche Einsichten der Schreibenden, alles in allem war es aber zu wenig, um mich zu fesseln. Vielleicht sollte man das Buch nicht in einem Zug lesen wollen, sondern eher zwischendurch sich einen Brief vornehmen, nur: Mir erschloss sich der Sinn nicht ganz, wieso ich das tun sollte.

Fazit:
Der Ansatz, an das Thema Freundschaft heranzugehen, hat mich schlicht nicht überzeugt.

Die Herausgeberinnen
Klaudia Ruschkowski, Autorin, Kuratorin, Dramaturgin und Übersetzerin, lebt in Volterra, Italien und Berlin. Sie konzipiert Kunst- und Literaturprojekte und ist als Hörspielautorin tätig. Sie übersetzt aus dem Italienischen und Englischen, zuletzt Etel Adnan, Giuseppe Zigaina, Vincenzo Latronico.
Anna Schloss studierte Slavistik, Kulturanthropologie und Buchwissenschaft in Mainz. Sie lebt und arbeitet als Verlagslektorin in Wiesbaden. Auswahl und Mitherausgabe diverser Lyrik- und Prosa-Anthologien, u. a. von Anton Tschechow, Christian Morgenstern, Guy de Maupassant, Liebesgedichte großer Männer.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg; Auflage: 1 (18. August 2017)
ISBN: 978-3737410588
Preis: EUR 18 / CHF 26.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Ich merke, dass es mir nicht ganz leicht fällt, Bücher zu beschreiben, die ich nicht mochte. Zwar ist es meine ehrliche Meinung und zu der stehe ich auch, aber erstens befasse ich mich ungern länger als nötig mit Dingen, die ich nicht mag, zweitens liegt es mir schlicht besser, positive Dinge zu sagen.