Minimalismus

Ich habe in letzter Zeit viel über Minimalismus gelesen. Dabei geht es um einen Lebensstil, bei dem man sich von Unnötigem und Ballast befreit und sich auf das Wesentliche beschränkt. Ich habe solche Anwandlungen oft. Dann gehe ich durch die Wohnung und miste aus. Ganze Abfallsäcke und Autos landen in der Entsorgung. Und doch ist meine Wohnung alles andere als leer. Da ginge wohl mehr. Nur: Wie? Und was?

Ich ging also los und googelte mich kreuz und quer durchs Netz, stiess auf Blogs, Artikel, Buchtipps. Wie ich so bin, wollte ich die Bücher gleich bestellen, konnte mich aber gerade noch zurückhalten: Ein Buch darüber, wie man Dinge loswerden kann? Einige davon gab es nicht mal als eBook, sprich: Es wäre mindestens etwas mehr im Haus nachher – oder ist der letzte Tipp im Buch, das Buch gleich wieder zu entsorgen? Leider kann ich dazu wenig sagen – ich habe das Buch nicht gelesen. Dafür anderes.

Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Wir haben alles und das meist im Überfluss. Nie war es zudem so einfach, neue Dinge zu kaufen, sind sie doch nur noch einen Klick im Internet entfernt. Man muss nicht mal mehr die gute Stube verlassen, um sie mit Möbeln, Büchern, Dekoartikeln auszustatten. Essen kriegt man frei Haus, meist bestellt man ein wenig mehr, um die Liefergebühren zu senken – ein Teil davon wird oft schlecht und landet im Abfall. Das Bewusstsein, was wir wirklich brauchen, ist so langsam und schleichend davon gezogen, zurück bleibt oft der Wunsch zu haben. Und damit meist nicht mehr Zufriedenheit.

Es bleibt auch nicht beim Haben-Wollen, oft folgt dem ein Zeigen-Wollen. Früher zeigte man guten Freunden die Wohnung oder am Stammtisch Fotos in der Art „mein Haus, mein Auto, mein Boot“, heute stellt man die Bilder online und lässt sich auf der ganzen Welt bewundern. Und: Man bewundert die anderen und findet immer ganz viel, was man auch noch haben sollte.

Doch damit soll nun Schluss sein. Ich las den Tipp, ich solle durch die Wohnung gehen und alles in die Hand nehmen, mich fragen, ob es mich glücklich macht. Wenn die Antwort nein sei, könne ich es wegwerfen. Nun: Mein Geschirr macht mich nicht glücklich, die Töpfe auch nicht – aber: Ohne wird essen etwas schwer. So war das wohl aber auch nicht gedacht.

Ich möchte mir in nächster Zeit Gedanken zu dem Thema machen. Es auch mehr und mehr in mein Leben integrieren und dieses daran ausrichten. Ich bin gespannt, was passiert, wie sich was verändert, ob ich mich wirklich von Dingen trennen kann. Das Ziel sollte sein, den Blick für das Wesentliche wieder zu finden. Nicht nur in der Wohnung, auch im Leben. Genauer hinzusehen, was wirklich dem Leben dient und was dieses nur belastet.

Sprich: Es kommt mehr Achtsamkeit ins Leben, mehr Bewusstheit. Zwei Begriffe, die leider in der letzten Zeit überstrapaziert wurden und ein wenig abgelutscht sind (finde ich zumindest). Doch: Wie nenn ich das Kind sonst? Ich bleibe wohl bei Minimalismus. Doch: Namen sind Schall und Rauch, schlussendlich geht es darum, herauszufinden, was wirklich zählt im Leben und worauf man gut verzichten könnte. Ich bin kein Asket, ich bin kein Minimalist, aber ich möchte auch nicht unnötigen Ballast rumschleppen. Schon gar nicht, um irgendwem irgendwas zu beweisen. Ich bin gespannt, wo das hinführt. Ich halte euch auf dem Laufenden.

8 Comments

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  1. Meine minimalistische „Lösung“ ist, dem, was sich so in unseren Wohnungen befindet (wir haben zwei), einfach keine Aufmerksamkeit zu schenken, wenn ich es aktuell nicht brauche. Es darf für sich sein, existiert aber nicht für mich. Ich ignoriere es. Warum meine Zeit verschwenden, um es anzusehen, damit ich es ausmisten kann? Oder gar lieben? Zuviel der Ehre!
    Dass wir zwei Wohnungen haben, bedeutet: eine zuviel? Nö. Mal ist die eine gerade recht, mal die andere. Ich nutze sie nach Gusto. Manchmal lasse ich auch Leute drin wohnen. Mir fehlt nix, und: Eine dritte Wohnung brauche ich nicht 🙂

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  2. Liebe Sandra,

    wenn Du von Minimalismus sprichst/schreibst, assoziiere ich damit sofort Erich Fromms «Haben oder Sein».
    Schlußendlich geht es ja darum in unserer konsumgesteuerten Welt nicht der Skalve des „Habens“ zu sein. Und wie Du korrekt beobachtest, kommt inzwischen noch eine dritte Komponente dazu, dieses „sich zeigen wollen“ im Netz, dieses „Glänzen“ vor anderen.
    Zeitenweise habe ich Phasen, da verteufle ich mein „Haben-Wollen“ und ich ärgere mich darüber, dass ich mich mitreißen lasse. Mit Sicherheit wäre Vieles anders, wenn wir nicht in einem derartigen Luxus und Überfluß schwelgen würden,
    Oder laß‘ uns an Mahatma Gandhi denken. Er hatte in vollkommener Askese gelebt.

    Ich bewundere Dich, dass Du dieses Thema tatsächlich angehen möchtest! – Habe es persönlich noch nie geschafft, dieses Thema tatsächlich in die Tat umzusetzen. Dennoch bin ich sehr intensiv daran, Bewußtheit und Achtsamkeit zu leben… Bin gespannt, was Du uns berichten wirst,

    ich habe mir Erich Fromm wieder hervorgeholt und möchte die nächste Zeit wieder darin lesen.

    Hab‘ eine gute Nacht mit einem schönen Traum, Bisous bT!NA

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    • Liebe Bettina
      Ich denke, es wird bei mir eher der Versuch werden, bewusster mit Dingen umzugehen, Askese wird es nicht werden und bei vielen Dingen ergibt Wegwerfen keinen Sinn, auch wenn ich sie nicht brauche. Sie sind nun mal da und mein Leben wäre ohne kein anderes.

      Liebe Grüsse zu dir ❤️

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  3. ein sehr spannendes Thema. Ich liebe Ausmisten und doch sammelt sich ganz schnell wieder was an. Mein Schlüsselerlebnis vor einigen Jahren : ein Lehrbuch für den Sprachunterricht, den ich nie wirklich besucht habe, weil diese Art des Lernens nichts für mich ist. Dieses ungenutzte Buch hat so vieles bei mir blockiert. Erst als ich es verkaufte, wurde mir bewusst, wie befreiend das war…

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  4. Ich habe vor kurzem ein recht nettes Buch dazu gelesen. Es heißt Ich habe Zeit, was hast du? von Bianca Schäb. Sie hat etwas naiv aber voller Bereitschaft eine sehr interessante Tour mit dem Goggomobil quer durch Deutschland gemacht und interessante Menschen interviewed. Da gibt’s recht viel zum Thema Minimalismus und Achtsamkeit.

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  5. Das ist ein Thema, das mich auch gerade umtreibt (durch eine Veranstaltung beim Open Ohr zur Konsumverweigerung, bei der auch Nico Paech als Kommentator dabei war; und erst vor kurzem habe ich ein Feature im Radio dazu gehört) – und das, obwohl (oder gerade weil) ich gerade nicht gerne ausmiste und es mir schwerfällt, mich von Dingen zu trennen. Ich hänge mehr an den Erinnerungen, die ich damit verbinde, als am materiellen Wert. Aber ich vermute, dass das An-der-Vergangenheit-Hängen auch etwas ist, was blockieren kann. Ich muss nicht immer alles kaufen und alles haben – da gibt es sicher Leute, die konsumanfälliger sind als ich (außer vielleicht bei Büchern, die will ich nicht nur lesen, sondern dummerweise auch haben). Das Wegwerfen ist schon schwieriger – wer weiß, vielleicht könnte man es einmal wieder brauchen? und müsste ich es dann nicht wieder neu kaufen? Aber ich habe mir auch gerade vorgenommen, an dem Thema für mich dranzubleiben – mal schauen, ob da was in Bewegung kommt.

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