Die Ungelesenen

Im Artikel „Gute Bücher, schlechte Bücher“ (Hier) kündigte ich an, dass ich fortan auch Bücher vorstellen will, die ich nicht lesen konnte. Die Gründe dafür können mannigfaltig sein, sie sind aber meist eine durchaus persönliche Einschätzung und nicht zwangsläufig ein Qualitätsurteil für das Buch.

Ich werde diese Bücher nicht mehr einzeln behandeln, sondern ab und an eine Zusammenfassung meiner Ungelesenen präsentieren. Mich würde natürlich interessieren, was andere zu diesen Büchern zu sagen haben. Es ist, wie ich finde, immer spannend, wie unterschiedliche Menschen Bücher unterschiedlich lesen. Hier die erste Präsentation meiner Ungelesenen:

Ingrid Noll: Halali

Klappentext
NollHalaliKarin und Holda sind Kolleginnen und teilen sich das Büro. Vor allem aber verbringen die beiden ihre Freizeit miteinander und teilen ihre Geheimnisse bei der Suche nach dem richtigen Mann. Gerade ist Bonn Hauptstadt geworden, und im Innenministerium gibt es viel zu tun, nicht nur im Vorzimmer, sondern auch in der Dunkelkammer. Ihr Alltag wird immer spannender – und immer gefährlicher: Schon bald haben sie es nicht nur mit toten Briefkästen, sondern auch mit toten Agenten zu tun. Manchmal hilft nur noch Gegenspionage, um die eigene Haut zu retten.

Halali ist eine originelle Mischung aus Kriminalkomödie und Agentenroman. Die große Politik trifft auf die Sehnsucht nach dem kleinen Glück.

Beurteilung
Da ich Ingrid Noll immer liebte, freute ich mich sehr auf das Buch – und war sehr enttäuscht. Das Problem, das ich beim Lesen hatte, war, dass die Geschichte nicht losging. Der Text wirkte wie ein Geplauder aus dem Nähkästchen, er war eine Ansammlung von Rückblicken und Bewertungen von Heute und Gestern, alles sehr wirr, in die Länge gezogen, ohne Tempo, Witz oder Charme. Wenn ich nun den Klappentext lese, wirkt allerdings auch schon der eher wirr. Man hätte es vielleicht wissen können, aber eben: Meine Erwartungen an die Autorin, die mir schon so viele tolle Lesestunden geschenkt hat, liessen mich blind zum Buch greifen. Ich habe nach – ich gebe es zu – kläglichen 20 Seiten aufgegeben.

Fazit:
Ein vom Einstieg in die Geschichte her wenig überzeugendes Buch, das in einem seichten Plauderstil dahinplätschert. Schade!

Zur Autorin
Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache Großmutter. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden. ›Die Häupter meiner Lieben‹ wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet und, wie andere ihrer Romane, auch erfolgreich verfilmt. 2005 erhielt sie zudem den ›Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren‹ für das Gesamtwerk.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (26. Juli 2017)
ISBN: 978-3257069969
Preis: EUR 22 / CHF 33.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Karin Schneuwly: Glück besteht aus Buchstaben

Klappentext
SchneuwlyWir lesen aus Interesse, aus Vergnügen, aus Wissbegier. Die Gebanntheit, das Staunen, das innerliche Zittern, das wir als Kinder erlebten, daran erinnern wir uns vage. Karin Schneuwly erzählt in ihrem Leseverführer von diesem Gefühl und erweckt es zu neuem Leben. Als Kind eroberte sie sich die Welt der Literatur gegen alle Widerstände ihrer Familie und der Umwelt und las manisch jedes Buch, das sie in die Finger bekam. Anhand ihrer Lektüren von „Heidi“ bis zu „Krieg und Frieden“ lässt Schneuwly diese Verzauberung neu entstehen, die Neugier und die Jagdlust, die einen nie wieder loslassen. Eine wunderbar erzählte Buch- und Büchergeschichte, die selbst das Glücksgefühl hervorruft, das nur Lesen bewirkt.

Beurteilung
Schon die ersten zwei Sätze liessen mich stutzen:

Mein Vater hat keine Bücher gelesen. Deshalb kann ich heute nicht genau sagen, wer er war.

Zeigt sich das Wesen von Menschen nur in ihrer Lektüre? Eine merkwürdige Ansicht, vor allem in Bezug auf den eigenen Vater. Auch die Mutter wird über ihr Leseverhalten definiert, die Grossmutter allerdings nicht, da sind Bücher kein Thema, die scheint dann doch auf einem anderen Weg wahrgenommen zu werden. Nach seitenlangen Beschreibungen von dörflicher Landidylle mit Hühnern, Klos und Kartoffelkellern, gestorbenen Grossvätern und deren Krankheiten sowie weitere merkwürdigen Taxierungen verschiedener Verwandter habe ich das Buch abgebrochen. Diese Buchstaben haben mir leider kein Glück verschafft.

Fazit:
Ein für mich wenig überzeugendes Buch, da die vorgebrachten Bewertungen nicht nachvollziehbar und die Beschreibungen schlicht langweilig waren.

Zur Autorin
Karin Schneuwly, geboren 1970, studierte Germanistik, Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie arbeitete für Verlage und war Ko-Programmleiterin im Literaturhaus Zürich. Seit 2010 ist sie Texterin, Lektorin und Korrektorin. Glück besteht aus Buchstaben ist ihr erstes Buch.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Nagel & Kimche Verlag (21. August 2017)
ISBN: 978-3312010417
Preis: EUR 18 / CHF 27.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Meine beste Freundin: Geschichten – Gedichte – Briefe

Klappentext
FreundinDie beste Freundin ist ein besonderer Mensch. Bei ihr findet man Freiraum, Vertrauen, Respekt, Nähe, Verständnis, Zuwendung, Akzeptanz, Seelenverwandtschaft und Liebe. Mit ihr kann man sich über alles austauschen: über die eigenen Gedanken und Gefühle, über Berufliches, über Poesie, Literatur, Philosophie. Sie ist die engste Vertraute und Beraterin in allen Lebensfragen.

Zahlreiche literarische Texte wie Briefwechsel, Tagebucheintragungen, biographische Schriften oder Gedichte geben durch die Jahrhunderte hindurch intime Einblicke in die besondere Beziehung zur besten Freundin. Und zeigen: einzigartig und unersetzlich war sie schon immer. Man diskutiert damals wie heute persönliche wie gesellschaftliche Perspektiven, politische Fragen, die Rolle der Frau, spricht über Sehnsüchte, Liebe, Begehren und die Möglichkeiten zu Veränderungen im eigenen Leben.
Mit Briefen von Rosa Luxemburg an Clara Zetkin, Paula Modersohn-Becker an Clara Rilke-Westhoff, Vita Sackville-West an Virginia Woolf, Erika Mann an Lotte Walter-Lindt, Texten von Doris Lessing, Jane Austen, Elena Ferrante und Erinnerungen von Lillian Hellman über Dorothy Parker, Nadeschda Mandelstam über Anna Achmatowa u. v. m.

Beurteilung
Vielleicht scheiterte ich auch hier an zu hohen Erwartungen. Freundschaften sind etwas Wunderbares und ich wollte mehr über beste Freundinnen erfahren. Gefunden habe ich aber eine – wie mir schien – wahllose Zusammenstellung von (mehrheitlich) Briefen. In der Einnleitung erfuhr man kurz über die Hintergründe zur Freundschaft und zum Brief, dann stand dieser für sich da. Alle Briefe, die ich gelesen habe, haben wenig über die Freundschaft von Schreibender und Empfängerin ausgesagt. Zwar fanden sich teilweise interessante Gedanken oder auch persönliche Einsichten der Schreibenden, alles in allem war es aber zu wenig, um mich zu fesseln. Vielleicht sollte man das Buch nicht in einem Zug lesen wollen, sondern eher zwischendurch sich einen Brief vornehmen, nur: Mir erschloss sich der Sinn nicht ganz, wieso ich das tun sollte.

Fazit:
Der Ansatz, an das Thema Freundschaft heranzugehen, hat mich schlicht nicht überzeugt.

Die Herausgeberinnen
Klaudia Ruschkowski, Autorin, Kuratorin, Dramaturgin und Übersetzerin, lebt in Volterra, Italien und Berlin. Sie konzipiert Kunst- und Literaturprojekte und ist als Hörspielautorin tätig. Sie übersetzt aus dem Italienischen und Englischen, zuletzt Etel Adnan, Giuseppe Zigaina, Vincenzo Latronico.
Anna Schloss studierte Slavistik, Kulturanthropologie und Buchwissenschaft in Mainz. Sie lebt und arbeitet als Verlagslektorin in Wiesbaden. Auswahl und Mitherausgabe diverser Lyrik- und Prosa-Anthologien, u. a. von Anton Tschechow, Christian Morgenstern, Guy de Maupassant, Liebesgedichte großer Männer.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg; Auflage: 1 (18. August 2017)
ISBN: 978-3737410588
Preis: EUR 18 / CHF 26.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Ich merke, dass es mir nicht ganz leicht fällt, Bücher zu beschreiben, die ich nicht mochte. Zwar ist es meine ehrliche Meinung und zu der stehe ich auch, aber erstens befasse ich mich ungern länger als nötig mit Dingen, die ich nicht mag, zweitens liegt es mir schlicht besser, positive Dinge zu sagen.

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