Es gibt Tage, da könnte ich die ganze Welt umarmen. Ich bin dankbar für das Leben, das ich lebe, für die Möglichkeiten, die ich hatte und habe. Ich sehe mich als Glückspilz und es sprudelt förmlich aus mir raus. In dieser Zeit geht alles leichter von der Hand, mein Umfeld ist zufrieden, wir lachen, lieben uns, der Tag nimmt seinen Lauf mit all den schönen kleinen Dingen am Wegesrand. Schön wäre, wenn nun wie im Märchen der Abspann käme: Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute in Friede, Freude und essen Eierkuchen, strahlen mit der Sonne um die Wette und halten sich an den Händen, Ringelreihen tanzend. Doch das Leben ist kein Märchen.
Plötzlich dreht der Wind. Wo vorher Sonne schien, ziehen Wolken auf, ab und an ein wahrer Platzregen, Wirbelsturm. Alles düster, alles fies. Die Mundwinkel verziehen sich von fünf vor zwölf (was es wohl auch war) zu fünf vor halb sieben, drei Tage Regenwetter sind ein Dreck dagegen. Und irgendwie klappt nichts mehr. Was vorher noch einfach so flutschte, geht nicht mehr, die zufriedenen Umfeldmenschen werden anstrengend, motzig, am Wegesrand fällt mir nichts mehr auf, da ich mit anderem beschäftigt bin und dass das Leben kein Märchen und schon gar kein Zuckerschlecken ist, scheint offensichtlich.
Der Auslöser für solche Dinge? Keine Ahnung. Ein Wort, eine Nachricht, ein Blick, etwas, das nicht ging, eine enttäuschte Erwartung, unfaires Verhalten anderer. Der ganz normale alltägliche Wahnsinn halt, der mich aus meiner eigenen Welt reisst und mich mit den Tücken des Lebens konfrontiert. Was dagegen hilft? Auch keine Ahnung. Erst grummle ich vor mich hin. Schimpfe auf die Welt, die Menschen, mich selber. Dann igle ich mich ein, wurstle vor mich hin. Dann setzt sich langsam Ruhe. Und irgendwann geht die Sonne wieder an. Und es geht aufwärts. Das kann Stunden dauern, Tage, selten länger. Aber es nervt. Ab und an. Und dann wünschte ich mir ein sonniges Gemüt tagein, tagaus, immer lächelnd, immer nett. Wünschte mir, mir nicht alles ständig so zu Herzen zu nehmen, nicht immer mich selber und das Leben zu hinterfragen, sondern locker flockig durch die Welt zu gehen. Dann frage ich mich, wieso ich bin, wie ich bin. Und höre von rundrum, ich denke zu viel. Tue ich das? Kann man das abstellen? Wo?
Will ich das? Eigentlich nicht. Ich mag mein Denken, mag meine Logik, meinen Verstand und meine Kreativität. Sind die Schwankungen der Preis dafür? Ab und an denke ich es. Ein weiser Mann sagte mir mal, alles hätte seinen Preis. Er hatte wohl recht. Die Frage sei, so der Mann weiter, ob man bereit sei, den Preis zu zahlen. Das zeige, wie viel einem etwas wert sei. Bin ich bereit? Habe ich eine Wahl? Wohl kaum. Ich habe nur die Wahl, wie ich damit umgehen will. Und da bleiben zwei Möglichkeiten:
- Mich annehmen, wie ich bin
- Mit mir hadern und schimpfen und anders sein wollen
Beide sind möglich, nur wird die zweite Möglichkeit das Problem nicht lösen, sondern noch eines dazu bringen. Möglichkeit eins sollte nicht absolut stehen. Ich denke, man kann an solchen Schwankungen arbeiten. Allerdings sehe ich, dass eben genau die Grummelphasen auch sehr viel an Energie, kreativer Energie freisetzen. Und genau die möchte ich nicht missen. So bleibt wohl nur: Annehmen, durchstehen, rausnehmen, was fliesst und dran glauben, dass es wieder hoch geht.
Dankbar bin ich für ein Umfeld, das mich nicht so schwierig empfindet, wie ich das ab und an tue. Dankbar bin ich für die, welche mich mögen, lieben, da sind und mir immer das Gefühl geben, ich sei gut, wie ich bin. Vor allem dann, wenn ich ins Hadern verfalle. Und so bleibt am Schluss die Erkenntnis, dass alles immer zwei Seiten hat. Und diese Seiten immer wieder selber zwei Seiten. Und so blättern sich die Seiten auf zu einem ganzen Leben, das bunt und farbig ist und lebendig. Und eigentlich ist das gut so und genau so, wie ich es haben möchte. Ich bin ein Glückskind!



Der erste Gedanke zur Aussage „ich hasse kostenlos“ war, dass ich das immer gegenteilig erlebe. Wie oft werde ich gefragt, ob ich nicht schnell für jemanden etwas schreiben könnte, etwas durchlesen könnte, etwas korrigieren könnte. Dabei wird natürlich angenommen, ich mache das mal schnell nebenbei, für lau, es läge mir ja quasi. In diesem Zusammenhang hasst niemand kostenlos, im Gegenteil, es wird sogar so erwartet…
Dann las ich weiter und sah, dass es im Blog darum ging, dass das, was einfach kostenlos dargeboten wird, nichts wert sein soll, weil eben nicht gewollt, nicht gezielt und exklusiv. Die Aussage “Ich hasse kostenlos” und die damit verknüpfte Assoziation von Geld und Wert kann ich so nicht stehen lassen. Ist alles nur wertvoll, das Geld kostet oder einbringt? Ist es nicht gerade diese Mentalität, welche vielen Menschen zu schaffen macht bei ihrem Selbstwert sowie bei ihrem Status in der Gesellschaft? Ist ein Verwaltungsrat oder CEO eines Grosskonzerns mit Jahresgehalt von Millionen dementsprechend mehr wert als die Putzfrau des Spitals? Die Krankenschwester leistet weniger für die Gesellschaft, die Menschen an sich als der Bankdirektor?
Und um den Bogen zu schlagen: Ist Kunst, die kostet wertvoller (nicht nur als Geldanlage) als Kunst, die nicht kostet, die im Hinterhof entsteht? Hat nur der Künstler, der profitabel künstlert Kunststatus, der andere ist Hobbyist? Was ist Kunst? Vermarktbare und verwertbare Produktion?
Ich denke, die heutige Gesellschaft driftet sehr in diese Richtung. Sag mir was du verdienst und ich sage dir, was du wert bist – ob du überhaupt wert bist, dass ich mit dir spreche. Fehlt das Geld, fehlt oft das Umfeld bald damit. Billig wird mit Ramsch gleichgesetzt, einfach auch, weil das natürlich von grossen Ladenketten so vorgemacht und in den Köpfen festgesetzt wird. Alles, was nichts taugt (vor allem für den Profit des Unternehmens, weil es zu viel teuren Lagerplatz füllt ohne in warmer Semmel-Manier wegzugehen) wird verramscht. Bücher dabei oft mit Stempel drauf: Mängelexemplar. Abgestempelt. Als Müll gebrandmarkt. Was mal mit Eifer geschrieben wurde, dümpelt auf dem Ramschtisch.
Wie kam man dazu, nun plötzlich die Renner so anzubieten, wie man früher den Ramsch verhökerte? Das hat wohl viele Gründe: Massenproduktion ist günstiger als Einzelanfertigung. Je grösser die Auflage, desto geringer die Kosten pro Exemplar. Des Weiteren gaukelt eine grosse Masse eines Buches mit knalligem Plakat drüber vor, das Buch sei ein Renner, drum hätte man so viele davon, dass es auch ja reiche. Und keiner will der sein, der gerade das Buch nicht gelesen hätte, wenn es denn dann in aller Munde wäre. Spiegelbestseller. Buch des Jahres. Neuerscheinung des Millionenverkäufers. Das muss man gelesen haben. Noch hat es Stapel. Also auf sie mit Gebrüll. Mit Wert hat das wohl wenig zu tun. Aber auch nicht mit Unwert. Es ist eine Zeiterscheinung. Und nicht die positivste in meinen Augen.
Was ist Wert? Was verdient das Prädikat wertvoll? Wem geben wir wieviel Wert und nach welchen Kriterien? Keine einfache Frage. Vor allem nicht allgemein beantwortet. Grundsätzlich würde ich mal auf die Schnelle sagen: Wert für hat ein Mensch oder eine Sache dann, wenn sie mir gut tut. Das ist nicht im Sinne von “Ich kann davon profitieren” gemeint, sondern eher im Sinne von “ein gutes Gefühl vermitteln”. Genauso möchte ich mir selber Wert sein, mich mit solchen Dingen zu umgeben. Und vor allem auch, mich anderen gegenüber so zu verhalten, dass sie eben auch ein gutes Gefühl haben. SO würde wohl vieles in dieser Welt an Wert gewinnen. Und dann könnte sogar ein Buch, das irgendwo gratis abgegeben wird, sehr wertvoll sein, während auch die Platinvergoldete Ausgabe eines für mich unlesbaren Buches noch keinen Wert (für mich) hätte.