Brad Warner: Zen – Wrapped in Karma, Dipped in Chocolate

 

Wenn man an Zen denkt, stellt man sich ehrfürchtige Mönche vor, die gelassen lächelnd in ruhender Stille sitzen und die Welt an sich vorbei ziehen lassen. Man stellt sich erleuchtete Zenmeister vor, die über dem Leben stehen, denen das Leben nichts anhaben können und die für alles eine wohlklingende Antwort haben, welche sie ihren Schülern gütig und in kryptische Sprache verpackt präsentieren. Weltliche Dinge wie Sex, Drogen, Scheidung scheinen mit Zen unvereinbar, zumindest sieht man sie nicht als Thema desselben.

 

Brad Warner räumt auf mit diesen Mythen. Kaum ein Zen-Meister lebt Gegensätze so ausgeprägt und offensichtlich wie er: Punkrock, Monsterfilme und Buddhismus existieren friedlich nebeneinander. Warner schlägt damit die Brücke zwischen anrüchiger Gegenwartskultur und ehrwürdiger Tradition. In seinem dritten Buch Zen – wrapped in Karma Dipped in Chocolate schreibt er in gewohnt flapsiger Sprache, die von Kakophonie und Kraftausdrücken nur so strotzt von der Zeit seines Lebens, welche die wohl schwierigste war. Er beschreibt, wie sein gewohntes Leben aufhörte zu existieren, wie er nach und nach von allem Abschied nehmen musste, was sein Leben ausmachte und wie seine Welt aus den Fugen brach: 2007 starb erst seine Mutter, kurz darauf seine Grossmutter. Der Job, der ihn nach Japan gebracht hatte und auch zurück in Amerika sein Auskommen sicherte, löste sich nach und nach auf, bis Warner ganz ohne Job dastand. Warners Frau eröffnete ihm, dass er ihr nicht Manns genug sei und trennt sich von ihm und Menschen, die er seine Freunde nannte, enttäuschen ihn. Gründe genug, daran zu verzweifeln, Brad Warner ging einen andern Weg, den in die Meditation. Er zeigt auf, wie schwer es ist, sich auf die Meditation einzulassen, wenn der Kopf voll ist mit der ganzen weltlichen Misere, er wirft die Frage auf, ob Meditation überhaupt eine angemessene Reaktion auf all das Elend ist oder nur eine spirituelle Realitätsflucht. 

Zen hilft ihm, den unnötigen Ballast loszuwerden und sich emotional zu entrümpeln. Zurück bleibt ein realistischer Rahmen, in welchem die Welt gesehen werden kann. Neben all dem räumt Warner auf mit den selbsternannten V.I.P.s der Zenmeister, lässt deren glänzende Fassaden bröckeln und zeigt, dass Zen zu lehren und zu praktizieren eine in höchstem Grade menschliche Angelegenheit ist, welche von Menschen vollbracht wird, die selber im Leben stehen und damit umgehen müssen. Warner präsentiert also keine schnelle Allheilmethode zum Glücklichsein, sondern er zeichnet Zen als einen Weg, dem Leiden zu entgehen, indem man dieses Leiden an der Wurzel ausreisst. „Nur der Weg dahin sieht absolut nicht so aus, wie du dir vorstellst, dass er aussehen sollte“, sagt Brad Warner dazu. Warners Buch macht deutlich, dass die Philosophie des Zen nicht von der Praxis zu trennen ist, Zen ist Zazen, ist Meditation. Durch sie erkennen wir, dass wir alle Antworten ständig in uns tragen: „Die Antwort darauf, was das Leben ist, ist das Leben selbst.“

 

Fazit:

Zen wird in diesem Buch ins alltägliche Leben geholt, teilweise in einer etwas rüpelhaften Sprache, aber immer authentisch. Kurzweilige Lektüre mit einigen Anregungen zum Nachdenken.

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