Als deine Seele
meine traf,
lag der See still;
und drin spiegelte
Unendlichkeit.
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Als deine Seele
meine traf,
lag der See still;
und drin spiegelte
Unendlichkeit.
©Sandra Matteotti
Wenn du dich das nächste Mal anstrengst, um jemandem zu gefallen, lass es sein. Wenn er nicht merkt, wie toll du bist, ist er die Anstrengung nicht wert. Und wenn er es merkt, hast du sie nicht nötig.
©Sandra Matteotti
Nie stört sich das Gänseblümchen daran, dass es keine Margerite ist. Wieso vergleichen wir Menschen uns?
ich mag keine
halben sachen
mag die dinge
richtig machen
denn zwei halbe
sind kein ganzes
sind 3/4
nur des tanzes
den man durch
das leben geht
und sich selbst
im wege steht
macht man nur so
halbe sachen
ich mag nur die
ganzen sachen
so mit haut und haar
und einem wachen
verstand noch
obendrein der
niemals doch
das herz besiegt
wenn wange sich
an wange schmiegt
©Sandra Matteotti
Ich lebte über viele Jahre mit diesem so schon alten Vater, bei dem man immer denken musste, dass er bald mal sterben würde. Klingelte das Telefon zu Zeiten, die ungewohnt waren, malte ich mir die Hiobsbotschaft aus. Aber er war fit. Und munter. So viele Jahre. Sah auch so aus, übertraf im Aussehen gar alle die, welche 20 Jahre weniger auf dem Buckel hatten.
Und dann war es soweit. Er starb so wirklich. Nicht ganz unterwartet, aus heiterem Himmel war neun Monate vorher die Krebsdiagnose gekommen, der Abstieg war kontinuierlich. Anfangs noch Hoffnung und Lebensmut bei ihm (ich wusste es schon da aufgrund der Diagnose, die ich schon mal genauso erlebt hatte), wurde beides immer weniger, die Energie in der Stimme weniger. Ich hätte gerne mit ihm darüber gesprochen, was nun kommt, hätte gerne gewusst, was er fühlt. Ich kannte ihn zu gut. Ich wusste, er will es nicht. Ich habe ihm ab und an Angebote gemacht, dass er sprechen kann. Er zeigte mir, dass er nicht will. Ich liess ihm diesen Willen. Denn: Es ging um ihn. Ich plauderte also im leichten Ton, liess den Humor sprechen. Streute hier und da eine ernste Frage ein, so dass er mir sagen musste, was er sich wünscht. Das war mir wichtig. Es war sein Weg. Ich habe ihn nur begleitet. Wenn auch sehr betroffen.
Mein Vater ist gestorben. Es ist nun über einen Monat her. Und ich sitze hier und schaue zurück. Was ist passiert? Es gibt ein Davor und ein Danach. Aber das gab es schon vorher. Ein Davor und Danach bei der Krebsdiagnose. Nachher war nie mehr wie vorher. Er war noch da, aber nicht mehr als Mensch, wie man ihn kannte, sondern als einer, für den man plötzlich da war. Vorher war er es. So als Vater für das Papakind – egal, wie alt es war. Klar habe ich seine Sorgen immer angehört, war seine erste Ansprechperson, wir hatten einen speziellen Draht. Und doch… nach der Diagnose wurde es zur Einbahnstrasse.
Der zweite Schnitt war der Tod. Es kam gar nichts mehr zurück. Dachte ich früher, ich würde diesen Tod nicht überleben, wurde ich eines Besseren belehrt: Ich habe überlebt. Anfangs mehr schlecht als recht. Es brach auch bei mir alles zusammen. Körperlich, psychisch, medizinisch. Aber ja, ich sitze hier und schreibe. Mein Leben ging weiter. Weil es musste. Wohl auch, weil es sollte.
Wenn ich mit dem Hund spazieren gehe, geht mein erster Blick vor der Tür zum Himmel. Und immer mal wieder auf dem Weg schaue ich hoch. Und denke, da sitzt er nun und schaut runter. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. ich würde es mir auch nicht wünschen. Könnte ich wünschen, sollte es dann fertig sein. So das Nichts nach dem Sein. Das wäre mein Ideal und daran glaube ich auch. Und hole mir da meinen Trost. Und doch schaue ich zum Himmel. Und finde auch darin was Tröstliches. Es ist so meine Illusion, die ich ganz bewusst pflege. Als vor kurzem mein Hund starb, der die letzten Jahre bei meinen Eltern lebte und immer SEIN Hund war, war mein erster Gedanke: „Nun sind sie zusammen.“
Dies trotz meines wirklich tiefen Glaubens, dass es ein „Nun“ nicht mehr gibt nach dem Tod. Wir alle haben unsere Illusionen. Sie geben uns Kraft. Sie bringen was Tröstliches ins Leben. Sie müssen nicht immer wohl durchdacht sein. Es reicht, wenn sie Kraft geben. Und so dieses kleine „SO ist es gut, so darf es sein.“
Nachdenken tue ich dann über andere Dinge, Quantenphysik, den Satz vom Grund, den kategorischen Imperativ und ab und an über Off Side im Fussball. Ich kann sie alle erklären, aber: Ab und an mag ich meine kleinen Illusionen – im Wissen, dass sie welche sind.
Diese Frage las ich heute.[1] Und ich machte mir Gedanken.
Ich heisse Matteotti. Ich bin aber wohl – nach den Rechten Kriterien (das ist mit Bedacht so geschrieben, da „Rechten“ nicht nur Adjektiv ist) – das, was man so als Urschweizer bezeichnen würde. Den Namen habe ich mal angeheiratet und nicht abgeschieden. Die Mutter kommt familiär zurückgehend aus einem Berner Oberländer Kaff (sie würden sich wehren, da durchaus touristisch bekannt), mein Vater aus einem ebensolchen (aber durchwegs unbekannten, 5 Höfe, ein Restaurant, mehr ist da nicht). Zurückverfolgen kann man beide Zweige bis tief ins Mittelalter und wohl weiter, würde man sich die Mühe machen.
Ich bin dankbar, in einem Land wie der Schweiz leben zu dürfen. Wir haben ganz grosses Glück im internationalen Vergleich. Als Künstlergeist finde ich es ab und an etwas eng hier. Und dann und wann motze ich auch sonst. Und doch: Ich habe viel Grund zur Dankbarkeit. Obwohl ich heisse, wie man nicht heissen sollte, will man so ein echter Schweizer sein… in gewisser Menschen Augen.
Und ja, ich kenne Menschen, keine Schweizer, welche die Welt überall da verteidigen, wo ich sie anklage. Die dankbar sind, hier leben zu dürfen, die viel mehr von allem Guten hier sehen als so mancher, der hier einfach mal geboren wurde.
Wer ist so wirklich Schweizer? So tief drin? Wer sind wir überhaupt? So tief drin? Worauf gründet unser Zugehörigkeitsgefühl?
Aber ja, das ginge zu weit… so für die Alltagspolitik. Und so landläufig. Das Leben ist halt doch komplizierter.
________
[1] Einer fragte es, weil er sich herausgefordert fühlte von Aussagen, die andere tätigten. HIER der Text, der mich anstiess
https://www.facebook.com/notes/andreas-m%C3%B6sli/wann-ist-ein-schweizer-echt/1808330692561925/
Wenn wir uns damals anders entschieden hätten, wäre alles ganz anders gekommen. Nur: Wäre es dann besser? Oder nur anders?
Bei dir
mit dir
in dir
durch dich
für mich
halt mich
fest an
deiner Seite
Bei mir
mit mir
in mir
durch mich
für dich
halt ich
dich für
immer fest.
©Sandra Matteotti
Es war einmal ein Drachenei,
doch mit dem Ei war’s schnell vorbei,
mit einem Rums und einem Knall,
zerbrach die Hülle, Feuerschwall
trat heraus und dann ein Drache.
Doch da war diese eine Sache
mit dem strengen Elternpaar,
das sich zwar freute, ist ja klar,
doch befand bei solch Geschehen,
sei das Feuer ein Vergehen.
Ein wenig Anstand und auch Sitte,
so die einstimmige Bitte,
wären wichtig, täten Not,
und keine Flamme in tiefrot.
Das Drachenkind zog eine Schnute,
ärgerlich war ihm zumute,
dass die zwei altbackenen Greise,
begrüssten es auf solche Weise.
Es ist denn auch bei kleinen Drachen
oft gar wenig Grund zu lachen,
wenn die Eltern schlicht nur motzen,
– so beginnen sie zu trotzen.
Diese Alten sollen niemals denken,
sie alleine könnten lenken,
denn auch Kinder wollen Macht,
woraus erfolgt, dass es mal kracht.
Doch ist der Streit dann erst verflogen,
und glätten sich die wilden Wogen,
herrscht auch wieder Sonnenschein,
so war es immer, denn so soll es sein.
©Sandra Matteotti
_____________
Für die abc.etüden, Woche 26.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 26.18 kommt von Frau Flumsel (wortgeflumselkritzelkram)
Sie lautet: Drachenei, altbacken, knallen
Der Ursprungspost: HIER
Immer wieder schön finde ich Diskussionen, wo es drum geht, dass man die Intoleranz anderer anklagt.
Menschen mit mehr Kilos als der BMI erlaubt, finden, dass sie diskriminiert werden, dass sie verspottet werden. Um ihre Sicht zu unterstützen, schiessen sie gegen Menschen, die schlank oder gar dünn sind. Bei sich machen sie geltend, dass sie sich so wohl fühlen oder aber an einer Krankheit leiden. Das gestehen sie den Dünnen nicht zu.
Menschen, die keinen Alkohol trinken. Sie regen sich auf, dass sie sich erklären müssen oder gar als Alkoholiker abgestempelt werden. Wenn Menschen ihnen Alkohol bringen als Gastgeschenk, sehen sie das als Fettnäpfchen. Verteidigt man als Weintrinker den Weinkonsum, kriegt man Studien um die Ohren geworfen, wie viele Alkoholiker es gäbe, was Alkohol alles anrichtet und überhaupt.
Wenn Väter nach einer Scheidung klagen, dass sie ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Weil Männer per se diskriminiert werden bei Trennungen. Man darf nicht sagen, dass es auch andersrum geht, dass Väter sich nicht kümmern, nur immer drohen, sich aufspielen, Steine in den Weg werfen, sie nicht bereit sind, zu zahlen dafür, dass jemand zum Kind schaut, weil das ja immer nur der Frau, nie dem Kind zu Gute kommt. Besser, sie zahlte, man hätte aber alle Rechte.
Liebe Leute. Wenn ihr Toleranz wollt, lebt sie. Dicke sind Menschen wie Dünne. Alle haben Gefühle. Keiner kann riechen, ob ihr trinkt oder nicht. Egal, welche Religion oder welchen Hintergrund ihr habt. Es sind weder Männer noch Frauen schlecht.
Schlimm sind die, welche denken, dass andere ahnen müssten, was sie sich aufs Tapet geschrieben haben. Und die, die dann die verurteilen, die es nicht rochen. Schlecht sind die, welche für sich Dinge einfordern, die sie anderen nicht zugestehen. Schlecht sind all die, welche mit ungleichen Massstäben messen. Dafür muss man aber erst mal hinsehen. Was ist mein Massstab? Woran messe ich andere? Bin ich fair?
„Erkenne dich selbst“
Wurde bei vielen Philosophen als Maxime genannt. Es ist wohl immer angebracht, zuerst bei sich zu schauen, bevor man auf andere zeigt und gegen sie schiesst.
fragen
immer
fragen
doch die antwort
seh ich nicht
dunkel
immer
dunkel
und was mir fehlt
das ist das licht
suchen
immer suchen
aber finden
kann ich nicht
hoffen
immer
hoffen
aber glauben
trau ich nicht
leben
weiter
leben
denn was andres
bleibt schlicht nicht
©Sandra Matteotti
Wenn jeder nur denkt und keiner je spricht,
verwundert es kaum, versteht man sich nicht.
©Sandra Matteotti
Ein Mensch, der dich nur so lange als Mensch schätzt, wie du ihm zu Diensten bist, ist kein Verlust, wenn er geht. Nicht du hast ihn verloren, er war nicht wert, zu bleiben.
©Sandra Matteotti
Manche Menschen fragen dich nur, wie es dir geht, um dir dann ohne Luft zu holen ihr ganzes Leben zu erzählen.
©Sandra Matteotti
mir fehlt ganz schlicht
der eine…
mit dem man einfach
reden kann
der erste
wenn was auf
der Seele brennt
der eine
mit dem man
Schönes teilt
Der mit dem
man gerne
Wein geniesst
der welcher
versteht wie man
so selber denkt
wenn ich es
selber nicht
versteh’
©Sandra Matteotti