Wer ist ein richtiger Schweizer?

Diese Frage las ich heute.[1] Und ich machte mir Gedanken.

Ich heisse Matteotti. Ich bin aber wohl – nach den Rechten Kriterien (das ist mit Bedacht so geschrieben, da „Rechten“ nicht nur Adjektiv ist) – das, was man so als Urschweizer bezeichnen würde. Den Namen habe ich mal angeheiratet und nicht abgeschieden. Die Mutter kommt familiär zurückgehend aus einem Berner Oberländer Kaff (sie würden sich wehren, da durchaus touristisch bekannt), mein Vater aus einem ebensolchen (aber durchwegs unbekannten, 5 Höfe, ein Restaurant, mehr ist da nicht). Zurückverfolgen kann man beide Zweige bis tief ins Mittelalter und wohl weiter, würde man sich die Mühe machen.

Ich bin dankbar, in einem Land wie der Schweiz leben zu dürfen. Wir haben ganz grosses Glück im internationalen Vergleich. Als Künstlergeist finde ich es ab und an etwas eng hier. Und dann und wann motze ich auch sonst. Und doch: Ich habe viel Grund zur Dankbarkeit. Obwohl ich heisse, wie man nicht heissen sollte, will man so ein echter Schweizer sein… in gewisser Menschen Augen.

Und ja, ich kenne Menschen, keine Schweizer, welche die Welt überall da verteidigen, wo ich sie anklage. Die dankbar sind, hier leben zu dürfen, die viel mehr von allem Guten hier sehen als so mancher, der hier einfach mal geboren wurde.

Wer ist so wirklich Schweizer? So tief drin? Wer sind wir überhaupt? So tief drin? Worauf gründet unser Zugehörigkeitsgefühl?

Aber ja, das ginge zu weit… so für die Alltagspolitik. Und so landläufig. Das Leben ist halt doch komplizierter.

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[1] Einer fragte es, weil er sich herausgefordert fühlte von Aussagen, die andere tätigten. HIER der Text, der mich anstiess

Posted by Andreas Mösli on Tuesday, June 26, 2018

3 Comments

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  1. Tja, was sind wir: Mein/e Großmutter/vater mütterlicherseits kamen aus der Ukraine, meine Mutter und auch ich sind in Deutschland geboren. Väterlicherseits kamen alle aus dem Raum Bremen.
    Bei meiner Frau gibt es zwei „Herkunftsländer“: Ostfriesland und Böhmen.
    Aber in keinem Falle wurden ukrainische oder böhmische Traditionen gelebt – auch nicht ansatzweise (außer bei der Speisezubereitung, da gab es noch Rückkopplungen).

    Was hat mich also zum Deutschen gemacht (obwohl ich mich für manch einen bajuwarischen Maulhelden schon mal schäme)?
    Es ist einfach das Umfeld, in dem wir aufwachsen. Ich bin fest davon überzeugt: wäre in Dänemark geboren, dann würde ich mich als Däne fühlen, oder in Frankreich als Franzose, in China wohl nicht ganz als Chinese (weil man dann doch optisch nicht in den Kreis passt – auch so ein Kriterium, denke ich). Dann wohl die Muttersprache und das, was einem als „Leitkultur“ angeboten wird. Und zuletzt der Zeitraum: wo habe ich mich am längsten aufgehalten und wohl gefühlt.

    Was gibt es sonst noch für Kriterien?

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  2. Ich bin Mensch, der Rest…….? Mir vollkommen schnuppe, aber nicht egal. Die Zugehörigkeiten zu Gruppen, Nationen, Staaten, die Abtrennung von Anderen, das ist es was unsere Welt unschön macht.

    Teile und werde beherrscht.

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