Mann oder Frau oder was?

Es gab mal eine Zeit, da war die Welt noch in Ordnung. Männer hatten das Sagen und Frauen das Nachsehen. Während die grossen Männer in der grossen weiten Welt Geschäfte trieben und ihre Macht genossen, pflegten die Frauen zu Hause, was es zu pflegen gab, haushalteten, waren brav und unauffällig, fragten nett um Erlaubnis, wenn sie was wollten (was ihnen nicht zustand eigentlich, aber sie konnten es ja versuchen), und liessen den guten Mann Chef sein. Plötzlich begehrten einige auf. Sie fanden, das sei so nicht rechtens, sie wären auch Menschen und hätten auch das Recht, als solche mit Freiheiten und Möglichkeiten zu leben. Frauenbewegungen kämpften dafür, ungern gesehen von den Männern (und patriarchats-treuen Frauen), die auch gleich auf dem Platz standen und die kämpfenden Frauen verunglimpften. Mannsweiber seien sie. Hässlich. Primitive Phantasien, was man mit ihnen machen könnte oder müsste, um sie wieder zur Vernunft zu bringen, kursierten.

Nun denn, sie wurden nicht zur Vernunft gebracht, sondern setzten sich für ihre Rechte ein, von welchen sie auch einige umsetzten. In drei Wellen überfluteten sie die Welt mit ihren Forderungen, in drei Wellen kämpften sie immer wieder neu um Rechte wie den Zugang zu Bildung, das Wahlrecht, das Recht am eigenen Körper, Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und vieles mehr. Sie kämpften erfolgreich, aber sicher noch nicht zu Ende.

Irgendwie war die Welt immer noch in Ordnung. Es gab Frauen und Männer und ein paar, die aus der Reihe tanzten – aber mein Gott, Spinner gibt es ja immer. Doch dann kamen die daher und befanden, dass sie nicht mehr die Spinner sein wollten, dass sie eine Berechtigung hätten, so zu sein, wie sie waren und damit als vollwertige Menschen anerkannt werden wollten. Mein Gott, wenn jeder will, wie er grad lustig ist, wo kämen wir da hin? Wie konnten die es wagen, an einem so sakrosankten Weltbild zu rütteln, das doch jedem einigermassen vernünftigen Mensch einleuchten müsste?

Müsste es wirklich? Simone de Beauvoir schrieb in ihrem Buch „Das andere Geschlecht“ den berühmt gewordenen Satz:

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht.“

Sie meint damit, dass man zwar mit einem biologischen Geschlecht auf die Welt kommt, danach aber durch die Sozialisation mit Erwartungen und Zuschreibungen bedacht wird, welche aus einem das machen, was in der Gesellschaft als Frau bezeichnet wird. Damit einher gehen Rollenbilder, Verhaltensweisen und Möglichkeiten. Eigenschaften werden als weiblich definiert, andere als männlich, es ist gefordert, dass die jeweiligen Kinder die passenden an den Tag legen. Tun sie das nicht, stören sie das System und das wird ungern gesehen und teilweise auch mit harten Mitteln bestraft.

Erich Fromm schrieb in seinem Klassiker „Die Kunst des Liebens“, ein Mensch sei nur dann in sich ganz, wenn er sowohl die männliche wie die weibliche Polarität in sich lebe. Jeder Mensch, so Fromm, trägt also alles in sich selber und kann dem auch Ausdruck geben. Ganz sind wir erst, wenn wir nicht alles auf einer Seite suchen, sondern uns auf der ganzen Bandbreite der Möglichkeiten ausleben. So gesehen wäre jeder Mensch eine Ansammlung von Eigenschaften, die sich zwischen diesen Polen bewegen. Damit ergäbe sich kein duales Menschenbild, sondern ein pluralistisches. Und dem sollten wir, wie ich finde, Rechnung tragen.

Nun ist aber die Gesellschaft dahin gegangen und hat gefordert, dass eine Hälfte Mensch nur noch den einen Pol beackere, die andere den anderen. Und die Gesellschaft hat auch noch bestimmt, welcher Pol höher zu bewerten und damit zu stellen sei: Der männliche. Zurück blieben halbe Wesen, die sich gegenüberstanden und in obere und untere eingeteilt waren. Ein gelingendes Leben ist so schon schwierig, ein gelingendes Miteinander als Freie unmöglich. Unterdrückung musste sein, sonst wäre das Konstrukt auseinander gebrochen. Und so leben wir in einer Gesellschaft, die diese über Jahrzehnte eingerichtet und behauptet hat, die so tief in unseren Köpfen verankert ist, dass wir sie oft gar nicht mehr wahrnehmen, weil sie wie natürlich gegeben abläuft.

Frauen wollten sich das nicht gefallen lassen, sie gingen auf die Barrikaden, fingen zu kämpfen an. Sie kämpften für Zugang zu Schule und Studium, das Recht, arbeiten zu gehen, zu wählen und über ihren Körper selber entscheiden zu dürfen. Sie setzten sich ein für gerechtere Arbeitsbedingungen und gleichberechtigte Möglichkeiten und Bezahlungen. Sie erreichten viel, aber es ist auch noch viel zu tun. Während in einigen Köpfen noch die Wahnvorstellung herumgeistert, das sei ein Kampf von Frauen gegen Männer, ist vielen klar, dass es ein gemeinsamer Kampf gegen ein ungerechtes System sein soll, das beide in Rollenmuster presst, welche ihnen nicht wirklich entsprechen.

Leider klingen viele Mittel, mit denen man Ungleichheiten beseitigen will, in der Tat mehr nach einem Kampf als nach einer gemeinsamen Strategie. Die Einführung einer Quote zum Beispiel vermittelt vielen, dass hier (männliche) Köpfe rollen müssen, um neuen Platz zu schaffen, oder aber dass Männer fortan weniger Chancen haben als Frauen, die bevorzugt behandelt würden. Die Zahlen in Firmen sprechen nach wie vor eine deutlich andere Sprache. Und doch bleibt die Frage, ob die Quote die richtige Massnahme ist, zumal sie einfach eine neue Grenze eröffnet, über die sich dann streiten lässt. Denken wir zurück an den Anfang, haben wir ja nun mindestens drei Geschlechter, die es zu berücksichtigen gilt. Dazu kommt, wie es mit Menschen mit Behinderung oder solchen mit Migrationshintergrund ist? Was ist mit Hautfarbe und sexueller Orientierung? Vielleicht wären auch Veganer und Fleischfresser noch zu berücksichtigen? Was sind also aussagekräftige Argumente für die Besetzung einer Stelle und wie wollen wir fortan unsere Firmen (und andere Formen der in irgendeiner Form gemeinschaftlichen Teilhabe) zusammenstellen?

In meinen Augen gibt es nur eine Lösung: Es gilt, endlich zu dem Bewusstsein zu kommen, dass das Verbindende von allen das Menschsein ist. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Mensch Anteile von allem hat, dass er aus verschiedenen Eigenschaften zusammengesetzt ist, die sich auf einer Bandbreite zwischen zwei Polen bewegen, die aktuell gesellschaftlich konnotiert sind, eigentlich aber nur als gegensätzlich und ohne Bewertung festzustellen sind, würde all das irrelevant. Das gilt auch für Hautfarben, von denen es unzählige Schattierungen und Farbausprägungen gibt, sowie weiteren Kriterien. So kämen wir zu einem Menschenbild, das alle umfasst, zu einer Gesellschaft, in welcher jeder frei mit Goethe denken könnte:

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“

Das einzige Problem, das ich nun noch sehe, ist das der eigenen Identifikation. Was bin ich denn nun? Frau? Mann? Beides? Nichts von alledem? Reicht „Ich“?

12 Kommentare zu „Mann oder Frau oder was?

      1. Mmmh…Wir haben darüber viel und lange geschrieben. Wie will man es angehen?: kulturhistorisch, anthropologisch-biologisch, mit politisch korrektem Genderismus, Feminismus? Anthropologisch erfordern ‚Rollen‘ keine Unterdrückung (besonders wenn ihre Verteilung auf ‚vernünftigen‘ Gründen beruht). Am Anfang jeder Rollenverteilung ausserhalb der Vernunft stand die Religion, nicht das Geschlecht. [Frauen im Gefechtseinsatz – als Resultat von Aktivismus die grösste Perversion moderner Versuche zur „Quadratur des biologischen Kreises“. (In dem Hollywood Streifen „GI Jane“ rief eine linke Senatorin – auf den Hinweis der unterschiedlichen Physique – „How much muscle do you need to pull a trigger!“).
        So, Ihre beste Frage war, Wollen Wir sein wie wir sein sollen, oder wie wir sein wollen…
        MFG

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  1. Ein Mann, der nur Männliches lebt, ist kein Mann, sondern ein toxischer Mann. Der muss unterdrücken und manipulieren, weil ihm der weibliche Anteil fehlt, der für humane Beziehungen notwendig ist.
    Die Frage, Mann oder Frau, ist nichtssagend. Viel interessanter ist die Frage: männlich oder weiblich? Oder genauer: mehr männlich oder mehr weiblich? Denn nur das eine oder nur das andere ist unnatürlich und toxisch. Konkret können „weibliche“ Männer (mit einem starken weiblichen Anteil in der Psyche) weiblicher sein als „männliche“ Frauen (mit einem starken männlichen Anteil in der Psyche). Und beides ist völlig normal.
    Leider können viele nicht zwischen diesen Ebenen unterscheiden und bringen dann alles durcheinander, was für eine Lösung eher kontraproduktiv ist. Die Frage, ob es zwei oder 37 Geschlechter gibt, ist völlig sinnlos. Es gibt zwei und einiges dazwischen, weil die Natur auch von Variation lebt. Das ändert nichts an der Dualität, die im gesamten Universum vorherrscht, bis in die Elementarteilchen hinein.
    Anscheinend waren die alten Chinesen schon Jahrhunderte oder mehr viel klüger als wir es heute sind. Das Symbol für die Gegensätze, das Yin-Yang-Symbol, zeigt, dass das Universum dual aufgebaut ist, aber auch, dass es keine „idealen“ Gegensätze gibt. Im hellen Feld ist ein dunkler Punkt und umgekehrt.
    Jeder biologische Mann hat Weibliches in seiner Psyche – mehr oder weniger. Ziel des Feminismus kann es nicht sein, gegen die toxischen Männer zu kämpfen (das macht sie noch toxischer!), sondern die Männer dazu zu bringen, ihre weibliche Seite auch zu leben. Umgekehrt gilt das für Frauen genauso. Insofern haben Feministinnen recht, weil sie ihre männliche Seite kultivieren – nur schiessen sie nur zu oft übers Ziel hinaus!
    Das Yin-Yang-Symbol zeigt noch etwas, nämlich die Einheit von Einheit (Kreis) und Zweiheit oder Dualität. Insofern geht es auch um das Menschsein, und gleichzeitig um das Mann- und Frausein. Nur eben nicht in der toxischen Form!

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  2. Allerdings gibt es da in freier Wildbahn ein gewaltiges Problem:
    Kennzeichen der Männlichkeit ist es, charakterlich stark zu sein, die Dinge anzugehen, zu organisieren usw. Aber es gibt eine toxische Männlichkeit, die übergriffig, eigensinnig, aggressiv, gewalttätig usw. ist. Und viele Frauen können, oder wollen) das nicht unterscheiden. Die begegnen dann oft diesen toxischen Männern, und halten ihre Aggressivität für männliche Stärke. Die sind dann von diesen narzisstischen Männern leicht zu manipulieren und zu konditionieren und kommen aus diesen „Beziehungen“ kaum mehr heraus.
    Es entwickelt sich ein Katz- und Maus-Spiel von Nähe und Distanz. Er zieht sie an sich heran und stößt sie sofort mit wüsten Beschimpfungen und Niedermachen von sich weg. Weil er Nähe gar nicht ertragen kann. Und sie sehnt sich in der brutalen Phase umso mehr nach der schönen Seite. Leider macht genau das immens abhängig bis hörig.
    Hat vordergründig nichts mit dem Thema zu tun, aber es leben ja nicht nur die Männer das Patriarchat, sondern die Abhängigkeit der Frauen gehört da auch dazu. Die ist natürlich über Jahrhunderte und mehr konditioniert, liegt aber auch in einer falsch verstandenen Weiblichkeit, die mitunter das Scheusal mit einem Mann verwechselt…
    Insofern ist ein Mann erst Mensch, wenn er Männliches und Weibliches bewusst in sich hat, und ist eine Frau erst Mensch, wenn sie Weibliches und Männliches in sich trägt. Erst dann werden Beziehungen auf Augenhöhe möglich. Dann wird wahrscheinlich auch Sex und Gender nicht mehr so kindisch verwechselt.

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  3. Sandra: „Es gab mal eine Zeit, da war die Welt noch in Ordnung. Männer hatten das Sagen und Frauen das Nachsehen.“

    So pauschal ist die Aussage natürlich nicht zutreffend.

    Auch „damals“ gab es Glück und Unglück. Die Ehe
    hatte ihre Vorzüge, hat aber auch ihre Nachteile.

    Mit dem Treuegelöbnis hat man die Prostitution
    gleich mit eingekauft.

    Die Ehe war zwar einerseits Schutz für alle
    Beteiligten – aber gleichzeitig auch Enge.

    Je nach Harmonie und geistiger Reife der
    Erwachsenen ging es über viele Jahre gut.

    Oder nicht.

    Die Männer hatten nicht nur das Sagen sondern damit auch die Haupt-Verantwortung übernommen, nämlich von Außen her für das Wohl der Familie zu sorgen.

    Die Aufgabe der Frau galt dem Häuslichen und dem Wohl der Kinder im Innern.

    Konflikt tritt auf, wenn die
    Balance nicht mehr stimmt.

    Es hat immer auch Frauen gegeben, die nicht in das Raster paßten, sie haben selbstbewußt ihr eigenes Ding gemacht.

    Das ging aber vorwiegend nur im städtischen Bereich –
    Im ländlichen war der allgemeine Druck der Moral zu stark.

    Daß „die grossen Männer in der grossen weiten Welt Geschäfte trieben und ihre Macht genossen“ ist eine Mär, sie hatten (und haben) ihre eigenen Probleme.

    Heute weht ein anderer Wind…, die tradierten Konstrukte gehen zu Bruch.

    Das ist gut für die Einen, schmerzhaft für die Anderen.
    Jeder muß sich nun völlig neu sortieren.
    Alternative Strukturen gibt es nicht.

    Es ist nur idiotisch, wenn ein Geschlecht gegen das andere kämpft.

    Schon das Gegeneinander-Kämpfen an sich ist dumm
    (Sport und Spiel mal ausgenommen), weil die Energien
    so sinnlos verpuffen und… Verletzungen bleiben zurück.

    Wir müssen die Strukturen passend umgestalten und
    das Konglomerat MORAL auf den Seziertisch legen.

    In Sachen Bildung muß es Gleichberechtigung in dem Sinne geben, daß wirklich JEDER Bürger des jeweiligen Landes per Gesetz die Möglichkeit* hat, auch die höchsten Abschlüsse zu machen.

    *) Möglichkeit heißt hier: Die Voraussetzungen und das entsprechende Engagement müssen natürlich gegeben sein. Denn:

    Gleichberechtigung
    ist nicht identisch
    mit Gleichheit.

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    1. Wäre dieser Satz nicht (wie ich glaube offensichtlich) ironisch gemeint gewesen, wäre die Reaktion darauf durchaus verständlich. Deinen Gedanken ab dem frischen Wind stimme ich uneingeschränkt zu. Ich sehe ebenfalls das nicht nur Unnütze, sondern gar Destruktive in einem Kampf der Geschlechter oder gar der innerhalb derselben wegen anderer Ansätze für den eigentlich gemeinsamen Wunsch auf Veränderung.

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  4. Sandra: „Deinen Gedanken ab dem frischen Wind stimme ich uneingeschränkt zu.“

    Damit ist das Gespräch hier zu schon ende. 😲

    🌷

    Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht.“

    Simone weist mit diesem Statement wohl klagend auf ihre Konditionierung.

    Wir werden als Mensch geboren, das heißt mit der wohl größten möglichen Bewußtheit und der größten Ausdehnung an Handlungsfreiheit – im Vergleich zu allen uns bekannten Wesen, mit denen wir hier auf der Erde leben.

    Die Zweigeschlechtlichkeit teilen wir mit
    vielen Tier- und einigen Pflanzen-Arten.

    Und ja, an die Geschlechtlichkeit sind – unabhängig von der biologischen Funktion
    der Geschlechter – bestimmte Wesenszüge (in unterschiedlicher Ausmaß) gebunden.

    So hat mancher Mann mehr weibliche Anteile als manche
    Frau und…. manche Frau mehr Eier als mancher Mann.

    Wir alle haben unsere Konditionierung individuell zugeschnitten
    verpaßt bekommen. Ob sie uns nun schmeckt oder nicht. Warnung:

    „In der Wahl seiner Eltern kann man nicht
    vorsichtig genug sein.“ ― Paul Watzlawick

    Wir können uns bis zum Tod über sie beklagen – oder das Beste draus machen.

    🌷

    Was wäre die Alternative?

    • Perfekt funktionierende/konditionierende Eltern?
    • Was hieße in diesem Zusammenhang „perfekt“?
    • Jedem und Jeder die gleiche Konditionierung?
    • Wollen wir Klone?
    • Also nur noch gebildete Könige und Königinnen?

    Hier auf der Erde genießen wir ein buntes Mischprogramm. Für Jeden ist etwas dabei.

    Qua Geburt…
    bringen wir die unterschiedlichsten Fähigkeiten,
    Neigungen, Ideen und Energien mit. Und das
    unabhängig von Bildung und Status der Eltern.

    Gleichheit ist von vornherein ausgeschlossen;
    sie ist wohl (Gott sei Dank!) nicht vorgesehen.

    Frau Beauvoir wird mit ihrem herrlich bunten Leben letztlich zufrieden sein, denke ich.

    🌷

    „Das Glück besteht darin, zu leben wie alle
    Welt und doch… wie kein anderer zu sein.“

    ― Simone de Beauvoir

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  5. Eine sehr differenzierte Betrachtungsweise, die ich unterstützen kann. Die Unfähigkeit der Umsetzung von Fromms Gedanke, des männlichen und weiblichen Prinzips, manfestiert sich für mich darin, dass wir, sofern wir das eine oder andere favorisieren, genau betreiben, was mannigfaltig betrieben wird: Quoten, Polarisierungen und die ewigen -ismen: Feminismus, Rassismus etc. Ich teile Deine Ansicht, dass es darum geht, Mensch zu sein, d.h. in einer geeigneten Umgebung wirken und bewirken zu können, gewürdigt und respektiert zu werden.
    Sich für eine Sache einzusetzen ist wohl unverbindlicher, als sich für Menschen einzusetzen. Für mich wäre es mir gegenüber absolut respektlos, wenn ich irgendwo Quotenmann wäre, weil die Sache so geregelt oder erkämpft wurde, dass es halt einfach den Mann als Mann braucht. Als Mensch gewählt zu werden, der aus sich heraus eine bestimmte und gewünscht graduelle Form (z.B. – nach Fromm – eher das weibliche Prinzip) verkörpert, wäre mir da angenehmer, weil ich mich als Mensch als Ganzes, in meinem So-sein respektiert fühle.
    Es wäre ein interessantes Wagnis, sein Ich-sein als ontogenetisches Weltganzes zu betrachten und danach zu handeln: Ich bin die ganze Welt, insofern ich menschlich bin.

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    1. Danke für diesen Kommentar. Das Weltsein als Menschsein finde ich ein schönes Bild, zeichnet sich doch in ihm die Verbindung von allem mit allem ab. Thich Nhat Hanh nannte das auch Interbeing – die Verbundenheit von allem mit allem. Er zeigte das auch am Bild des Atems: Wir atmen die Welt ein und atmen uns in die Welt.

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