#abcdeslesens – Josef von Eichendorff (10.3.1788 – 26.11.1857)

Schon als Kind schrieb Josef Eichendorff, doch wählte er beruflich einen rationaleren Weg: Auf ein Jurastudium folgte Kriegsdienst, danach der Staatsdienst. Immer aber war die Liebe zu Kunst und Kultur präsent. Als er 1844 frühzeitig in den Ruhestand trat, nahm das Schreiben endlich den Hauptplatz in seinem Leben ein.

Josef von Eichendorff war einer der herausragenden Vertreter der deutschen Romantik, liest man seine Gedichte, eröffnet sich in ihnen das ganze Spektrum der Epoche: Leidenschaft, das eigene Erleben und Empfinden, die Gefühlswelten, vor allem auch da, wo es gequälte sind. Abgrenzen wollten sie sich von der so rationalen Aufklärung eines Immanuel Kant, aufbrechen wollten sie das Strenge der Antike und der Klassik. Die Romantiker sehen die Welt am Kranken, durch einen Bruch sei sie gespalten. Mit ihrer Kunst wollen diese nun heilen, als Sehnsuchtssymbol wird dafür immer wieder die blaue Blume zitiert:

Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,
ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh’.

Ich wand’re mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt’ und Au’n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schau’n.

Ich wand’re schon seit lange
Hab’ lang’ gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab’ ich
Die blaue Blum’ geschaut.

In Eichendorffs Lyrik begegnen uns immer wieder ähnliche Motive, die Natur mit ihren Bäumen und Wäldern werden besungen, schöne Landschaften unter dem sich wölbendem Himmelszelt beschrieben. Wir lesen von der Nacht, von Sehnsüchten, vom Abschied und von der Liebe. Was so einfach daher kommt, ist es aber oft nicht, liegt in allem doch ein tieferer Sinn und mehr Bedeutungsspielraum, als es auf den ersten Blick scheint. Es ist aber wohl gerade die vordergründige Einfachheit und Schönheit der Bilder, die dazu führte, dass Eichendorff einer der meist vertonten und gesungenen Lyriker ist. Dass seine Gedichte schon beim lauten Sprechen wie ein Gesang anmuten, war sicher auch nicht abträglich.

Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blüten-Schimmer
Von ihm nun träumen müsst’.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternenklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Es gibt wohl keinen Lyriker, der nicht auch die Liebe besang. Eichendorff war da keine Ausnahme. Er nutzte die ganze Klaviatur der Gefühle, schrieb über das Glück der Liebe, die einem Wunder gleich das Herz erfüllt:

Frühlingsnacht

Über’n Garten durch die Lüfte
Hört’ ich Wandervögel zieh’n,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt’s schon an zu blüh’n.

Jachzen möchte’ ich, möchte weinen,
Ist mir’s doch, als könnt’s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen’s
Und in Träumen rauscht’s der Hain
Und die Nachtigallen schlagen’s:
Sie ist Deine, sie ist Dein!

Doch wehe dem, der die Liebe verliert. Er leidet, er fällt aus der Welt. Worauf er gehofft, wofür er gelebt, ist verloren. Er möchte fliehen, möchte weg von dem, was ihn an sie erinnert, er steht am Abgrund und möchte nur noch eines: Ruhe. Zum Glück steht die Folge des letzten Wunsches, dem zu sterben, im Konjunktiv, so dass dieser Wunsch wie auch die vorherigen lediglich Wunschträume sind, welche den bitteren Verlust ausdrücken sollen.

Das zerbrochene Ringlein

In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad,
Mein’ Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu’ versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei,
Sie hat die Treu’ gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möchte’s als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus
Und singen meine Weisen
Und gehen von Haus zu Haus.

Ich möchte’s als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör’ ich das Mühlrad gehen:
Ich weiss nicht, was ich will –
Ich möchte’ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still!

Hat man ein so gewaltiges Werk vor sich wie das von Josef von Eichendorff, ist es schwer, sich auf einige wenige Gedanken und Gedichte zu beschränken. Der Not geschuldet könnte zum Abschluss vielleicht noch dieses eine stehen:

Trennung ist wohl Tod zu nennen,
Denn wer weiss, wohin wir gehen,
Tod ist nur ein kurzes Trennen
Auf ein baldig Wiedersehn.

Und vielleicht ist das Ende hier der Schritt zu einem baldigen Wiedersehen mit Eichendorffs Lyrik an einem anderen Ort.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s