5 Inspirationen – Woche 14

Es war eine kurze Woche durch das Osterwochenende. Ich war sehr vertieft in mein neues Projekt und merkte, wie viel Spass es mir macht, mich endlich mal wieder in die Tiefe zu begeben, zu wühlen, zu forschen. Einmal Wissenschaftler, immer Wissenschaftler wohl… die Leidenschaft am Stöbern ist ungebrochen und sie hat diese Woche mit viel Energie befeuert. Es bleibt nicht aus, dass dabei so einiges auf der Strecke blieb – aber ich habe schlussendlich alles noch reingepackt. Auch reingepackt habe ich die erste von zwei Impfungen gegen (für/wegen?) Corona… der Arm schmerzte am ersten Tag doch ziemlich, ein Ponstan später war besser, der zweite Tag war noch spürbar, aber ich bin ja hart im Nehmen. Oder so. Oder aber der Zahnarzttermin gleich am nächsten Tag hat die Aufmerksamkeit schlicht abgezogen.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte den FAZ Bücher-Podcast mit Helga Schubert. Mit 80 Jahren gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis und hat nach nun 60 Jahren des Schreibens noch mehr Mut gefasst, Neues zu versuchen. Was sicher bleibt, so Schubert, ist das Schreiben an sich, sei es doch ihre Art des Ausdrucks. Die Frau hat mich in ihrer Lebensfreude, in ihrer Erzählenergie, in ihrem Mut und Witz, ihrem Umgang auch mit schwierigen Themen sehr beeindruckt.
  • Eine eMail von brainpickings in meiner Inbox hat mich dazu gebracht, wieder einmal meinen Gedichtband von Emily Dickinsen hervorzuholen und darin zu lesen. Sie hat es wohl wie keine andere geschafft, die Natur in klingende Bilder zu verpacken. In fast immer gleichem Rhythmus singt sie ihre kleinen Lieder. Hier das Gedicht:

A Light exists in Spring
Not present on the Year
At any other period —
When March is scarcely here

A Color stands abroad
On Solitary Fields
That Science cannot overtake
But Human Nature feels.

It waits upon the Lawn,
It shows the furthest Tree
Upon the furthest Slope you know
It almost speaks to you.

Then as Horizons step
Or Noons report away
Without the Formula of sound
It passes and we stay —

A quality of loss
Affecting our Content
As Trade had suddenly encroached
Upon a Sacrament.

  • Ich schaute im Fernsehen die Verfilmung von Ferdinand Schirachs «Schuld». Schirach zeigt auf eindrückliche Weise, wie schwer es ab und an ist, Schuld von Unschuld zu trennen, ein Urteil zu fällen. Die Verfilmung wie das Buch kann ich nur ans Herz legen, beide laden – wie bei Ferdinand von Schirach üblich – zum Nachdenken ein.
  •  Es gab Zeiten, da hatte ich einen hohen Anspruch an mein Zeichnen und Malen. Und ich setzte mich selber unter Druck. Als Kind spielte ich Klavier und hörte ständig, ich müsste mehr üben. Und verlor die Freude. Irgendwann kaufte ich mir ein Keyboard, das machte unsinnig Spass, doch es erfüllte keinen Anspruch. Ich verkaufte es und ersetzte es durch ein Klavier. Der Spass war raus und es stand bis zum Wiederverkauf rum. Kürzlich setzte ich mich hin und fing an, Mandalas zu zeichnen. Grund? Mir war grad danach. Dann setzte ich mich an mein Keyboard (ich hatte mir in Erinnerung an die frühere Freude eines angeschafft, ohne Anspruch auf irgendwas). Und ich sass da und spielte und freute mich. Wohl länger als gezwungen je geschafft. Und ich merkte: Es gibt im Leben sicher Dinge, die man muss. Wo es aber keinen Grund für einen Zwang gibt, bringt ein solcher gar nichts ausser den Verlust an jeglicher Lust und Freude. Ich geniesse es, einen Ausgleich zu haben beim Zeichnen und beim Klimpern (Musik möchte ich das gar nicht nennen). Ein freudvoller Ausgleich tut gut – und was ich lange vernachlässigte: Er raubt keine Zeit, er bringt neue Energie. Nicht alles muss einem Anspruch genügen.
  • Und irgendwie in Anlehnung daran, hier mein fünfter Punkt: Ich lass mal fünfe grad sein. Es könnten auch mal vier Punkte sein, wieso müssen es fünf sein? Zwar habe ich damit nun einen fünften und sogar einen, den ich für ganz wichtig erachte… aber die Botschaft dahinter liegt mir am Herzen: Wie oft setzen wir uns selber unter Druck? Wie oft wollen wir etwas/jemandem genügen? Wie oft gehen wir sogar über unsere Grenzen, um dies zu tun? Wozu?

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

2 Kommentare zu „5 Inspirationen – Woche 14

  1. Von Schirach, nun jà. Emily Dickinson indes … ja, ganz wunderbar:

    It sifts from Leaden Sieves –
    It powders all the Wood.
    It fills with Alabaster Wool
    The Wrinkels of the Road –

    Von Koppenfels übersetzt folgendermaßen (Sie werden sofort spürten, wieviel Klang dabei verloren geht):

    Es rieselt aus Sieben von Blei –
    Es pudert den ganzen Wald.
    Es füllt mit Alabasterwolle
    Die Falten der Straße an –

    Die beiden letzten Verse sind in von Koppenfelsens Übertragung geradezu ungelenk zu nennen. Deswegen wollte ich’s eben selbst versuchen, hab auch schon einen Entwurf, aber der braucht nocht etwas Zeit. Vielleicht nehme ich sie mir am Abend. Ich muß mich grad für die Videoserie um ein eigenes Gedicht kümmern.
    Wenn meine Version fertig ist, stelle ich sie hier drunter ein – Ihr Einverständnis vorausgesetzt, selbstverständlich.
    (Eines der Probleme besteht darin, daß sich von Koppelfels nicht um die Silbigkeit bemüht hat – 6 | 6 | 8 | 6 – oder an ihr gescheitert ist. Indes ist problematisch bereits, daß „sifts from sieves“ mit quasi demselben Wort spielt, also „Es siebt aus Sieben“. Von Koppenfels versucht, dies mit der gegenläufigen Alliteration von „rieseln“ auf „Sieben“ zu analogisieren, nur daß sich schon darüber streiten läßt, ob etwas aus einem Sieb „rieseln“ k a n n. Gesiebtes Mehl zum Beispiel s c h n e i t ja eher hinab. Und in der Tat haben wir es hier mit einem Schneegedicht zu tun.

    Aber später mehr. Jetzt erst einmal danke für die Erinnerung an Dickinson und dafür, daß Sie mich bewogen, schnell meine Dieterich’sche Ausgabe aus dem Regal zu nehmen und wieder ein bißchen in ihr zu lesen.

    ANH

    Gefällt 1 Person

    1. Herzlichen Dank für das Gedicht und die Gedanken auch zur Übersetzung. Lyrik zu übersetzen ist in der Tat etwas vom Schwierigsten: Worauf legt man das Hauptaugenmerk? Ich würde mich freuen, wenn ich die eigene Übersetzung lesen dürfte irgendwann.

      Herzliche Grüsse
      Sandra

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