Wenn die Fremden dir die Heimat nehmen

Heute las ich auf Facebook einen Artikel, der im Tagesanzeiger erschienen ist. Der Autor Maurus Federspiel (wer auch immer das ist, ich kenne ihn nicht) hat geschrieben. Viel geschrieben. Über „sein“ Quartier in Zürich. Seins ist es, da er da aufwuchs. Nun erkennt er es nicht wieder, nein, schlimmer, er fühlt sich fremd. Weil so viele Fremde da seien. Er hört Sprachen, die er nicht versteht. Und fühlt sich fremd. Schliesslich ist man in der Sprache zu hause. Gerade als Autor. Was auch immer er geschrieben haben mag. Es wäre auch irrelevant, würde nicht da stehen, er sei Autor. Aber darum geht es nicht.

Da haben wir also diesen armen Mann, der mal ein Zuhause hatte, das ihm nun genommen wurde. Durch Einwanderer und fremde Sprachen. Er ist also quasi ein Heimatloser. Und wäre es nicht so furchtbar traurig, wäre es schon fast witzig, da er es ist, weil andere ihre Heimat verlassen mussten und nun in seiner sitzen. Das Leid der Anderen sieht er dabei nicht so wirklich, nur so seines durch ihr Dasein.

Wir haben also einen völlig empathiefreien Jammerautoren, der von einer Zeitung eine Plattform kriegte, über das grosse Leid in Zürich zu schreiben. Es geht uns so unendlich schlecht hier, weil Menschen anderer Herkunft unsere Quartiere besiedeln. Das war früher besser. Ganz sicher. Ok, wenigstens waren es damals Italiener, die mochte man damals auch nicht und beschimpfte sie als Tschingge, aber so im Rückblick waren die quasi welche von uns. Und überhaupt, damals fühlten wir uns noch zu Hause, wir haben mit Giovanni im Sandkasten gespielt. Über die Tschinggen schimpften nur die Eltern – auch nicht alle, die von Maurus vielleicht schon – wir wissen es nicht.

So oder so: Ganz vieles, das auf ganz viel Platz so steht im Artikel, entbehrt jeglicher Wahrheit. Es ist rein emotionales Geschreibe. Emotionen finde ich toll, aber nie da, wo es um Fragen der Ethik geht. Dass eine Zeitung einem so unfundierten, hochemotionalen, durch die Emotionen unprofessionellen Schreiber eine Plattform gibt, finde ich höchst bedenklich. Das hier ist Meinungsmache in Reinkultur.

Nun kann man sagen: Meinungsäusserungsfreiheit. Das ist so. Ich achte die hoch. Medien haben aber den Auftrag, sachlich und informativ zu berichten, damit sich die Leser Meinungen bilden können. Das ist Stimmungsmache. Ich erwarte einen ebenso gelagerten Artikel aus der gegensätzlichen Sicht. Bitte. Sofort. Und dann bitte eine sachliche Analyse. Damit hätte dann der Leser der Zeitung die Chance, emotionale Argumente abzuwägen, und wenn möglich noch die Sachlichkeit dazu zu kriegen. Und vielleicht könnte er sich dann eine Meinung bilden. Und das wäre so wichtig in einer Demokratie.

Nur: Das Können muss erst ausgebildet sein… und daran krankt aktuell die Welt. Schulen sind wie Mastfarmen für Mastgänse, sie füllen die Schüler mit Wissen auf, das diese nie mehr brauchen können. Wer sich das Wissen nicht merkt, fällt heute schon durch die Maschen, wer es sich merkt, konkurriert fortan mit Wikipedia. Die Fähigkeit, selber zu denken, selber Argumente zu kreieren, richtig von falsch zu unterscheiden, das wird aktuell nicht gelehrt. Und das wäre die einzige Möglichkeit des Menschen, gegen Maschinen bestehen zu können. Ansonsten bilden wir viele weitere Maurüsschen aus. Die sind dann Autoren und schreiben Müll. Und Zeitungen drucken sie, Leser lesen sie und nicken. Und im Meer ertrinken jeden Tag still und stumm ein paar Flüchtlinge, die es zum Glück nicht geschafft haben, das Leben von Maurus in seinem Kreis zu beeinträchtigen….

Hier noch der Link zum Artikel: HIER

Und ja, ich war böse. Ich kenne Maurus nicht. Ich würde das aber mit ihm am Tisch ausdiskutieren, wenn er sich meldet.

38 Comments

Schreibe einen Kommentar

  1. Nein, ich finde nicht, dass Du zu scharf warst. Im Gegenteil. Ich wäre schärfer gewesen. Ich hätte ihm mit Konstantin Weckers „Willi“ entgegengeschleudert: „Halt’s Maul, Faschist!“ – Dass der Autor sich offensichtlich hinter einem Pseudonym verbirgt, zeigt ja auch schon, dass er kein ruhiges Gewissen hat und zu seiner „Meinung“ nicht stehen möchte – vermutlich auch nicht kann. Und dass der Tagesspiegel so etwas eben unter Pseudonym druckt, zeigt, dass man sich dort auch lieber dahinter verstecken will. Aber man sollte nicht vergessen, dass es keine Pressefreiheit gibt, solange die Presse ein Geschäft ist und Geld verdienen muss: Skandal bringt Geld, also macht man „Skandal“ – nicht so dreist, wie die deutsche BLÖD-Zeitung und ihre Parnter für die, die sich für gebildet halten, der STÜRMer… äh: Spiegel.
    (Es ist fast rührend zu lesen, wie Du meinst, dem Tagesspiegel seine Aufgabe erklären zu müssen oder zu können. DIE wissen das GANZ GENAU. Dass sie es nicht tun, zeigt, wie sehr und weit sie bereit sind, nicht nur journalistische Grenzen zu übertreten – alles im Dienst des Skandals, des populistischen Meinungsfangs und also des schnöden Mammons.)
    Dem Autor könnte man noch entgegenhalten: Sein Nachname klingt ja vielleicht schweizerdeutsch: Seit wann leben seine Vorfahren an dem Ort, den er als seine Heimat bezeichnet? Waren die da „schon immer“ ansässig oder kamen sie vielleicht auch irgendwann als Fremde? Möglicherweise aus so niedrigen Motiven wie der Hoffnung auf ein besseres Leben? Und wenn wir mal annehmen, dass „die Schweiz“ seine Heimat ist (und Alice Weidel diese nicht „heim ins Toitsche Rrrrreich“ holen möchte, zu dem sie bis 1191 gehörte …): Wann haben seine Vorfahren dort die Kelten vertrieben und warum? Und wann diese die noch älteren Völker? Und diese die Neanderthaler? Gebt Zürich den Neanderthalern zurück, jawoll!! Und treibt diese Einwanderer („Maurus“ ist doch ein aus Afrika stammender römischer Soldatenheiliger…?) zurück nach Afrika!

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe den Artikel ganz gelesen und finde viele Fragen berechtigt! Man muss die Migration von sovielen Menschen differenziert sehen dürfen, gerade in einer Demokratie! Es wird Generationen brauchen bis diese Menschen, wenn überhaupt, Demokratie verstehen und leben wollen!
    Selbst Frauen, die sich von diesen religiösen Strukturen des Islam und ihren Familien gelöst haben, warnen davor!
    Es muss möglich sein, seine Meinung und sein subjektives Gefühl frei zu äußern! Dieser Mann hat NOCH das Recht darüber zu schreiben!

    Natürlich liebe Sandra hast Du ebenso das Recht, über diesen Artikel wütend zu sein!

    Ich wünsche mir, dass wir hoffentlich noch lange eine offene Diskussionskultur haben können, ohne diffamiert und abgestempelt zu werden!

    Lg Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

    • Die Diskussion ist wichtig. Ja. Unbedingt. Und wir können und glücklich schätzen, führen wir sie. Wir müssen aber auch differenzieren. Wo sind es reine Emotionen, wo sachliche Argumente. Da wird aktuell unglaublich viel vermischt. Und das „ich fühle mich nicht mehr zu Hause“ drückt schlicht nur auf die Tränendrüse. So ist kein sachliches Gespräch möglich. Und DAS prangere ich an.

      Gefällt 1 Person

      • Es ist aber sein Gefühl, dass kann kein Anderer oder Andere bestimmen! Und da liegt doch der Hund schon wieder begraben, denn da wird schon wieder bestimmt, was richtig und falsch ist! Am besten ist also man hält die Klappe und denkt sich seinen Teil im stillen Kämmerlein! Genau daran zerbröselt still und leise die Demokratie und die Meinungsfreiheit!

        Gefällt 2 Personen

        • Alle die, welche Flüchtlingsheime anzündeten, hatten aber ähnliche Gefühle. Im Zweiten Weltkrieg gab es so die Gefühle, dass die Juden an allem Übel schuld seien, nur Intrigen schürten. Drum musste (MUSSTE!!) man sie eliminieren. Ist Demokratie Gefühlssache? So wirklich? Ich denke nicht. Und ja, ich bin ein emotionaler Mensch, ich bin Gefühlsmensch, aber wenn man in eine sachliche Diskussion Gefühlswelten verstrickt, die dann auch noch auf falschen Tatsachen aufbauen, dann fehlt schlicht die Basis für eine sinnvolle Diskussion.

          Gefällt mir

          • Okay, da ist sie wieder, die Nazikeule! Kann man Probleme überhaupt noch ansprechen ohne sofort als Nazi ab gestempelt zu werden! Du sprichst von unsachlicher Argumentation, empfand ich jetzt nicht so! Ups, jetzt bin ich zum Nazi geworden!

            Diese Entwicklung empfinde ich, als sehr gefährlich, weil wir damit sofort Mundtot gemacht werden sollen!

            Es war mir trotzdem ein Vergnügen mit Dir zu diskutieren!

            Hab einen schönen Abend!

            LG Babsi

            Gefällt mir

          • Ich habe nie nie nie dich als Nazi abgestempelt. Da hast du mich komplett falsch verstanden, was mir nun sehr leid tut. Ich fand seine Argumentation befremdlich. Nicht deine.

            Aber ja… du willst hier enden und fühlst dich mundtot gemacht. Das tut mir leid, ich respektiere es. Auch dir einen guten Abend
            Sandra

            Gefällt mir

          • Ich kann zu meiner Verteidigung vielleicht nur vorbringen, dass ich halt über Jahre in dem Feld geforscht habe, meine Dissertation im Bereich Völkermordleugnung und der moralischen und rechtlichen Folgen geschrieben habe.

            Ich habe dich nie in einem solchen Umfeld gesehen, sehen den Artikel aber halt in der Nähe.

            Gefällt mir

          • Klar Sandra, nein ich glaube auch nicht dass Du mich als Nazi abstempelst, nur weil ich in Teilen den Verfasser des Artikels verstehen kann! Wir dürfen nur auch nicht ausser Acht lassen, dass der Antisemitismus auch unter dem Migrantenanteil weit verbreitet ist! Wir leben in schwierigen Zeiten und sie werden noch schwieriger werden!

            Mir ist nur ein offener Meinungsaustausch sehr wichtig!
            Viele trauen sich schon garnicht mehr sich zu äußern und darin sehe ich eben auch eine große Gefahr!

            Also, lass uns in Zukunft immer schön weiter diskutieren liebe Sandra!

            Liebe Grüße Babsi

            Gefällt 1 Person

          • Ich bin mit jedem Wort mit dir. Es ist so vieles heikel geworden, das auch frei sei müsste.

            Sei lieb gegrüsst
            Sandra

            Gefällt mir

  3. Man sollte immer (wie Sandra das ja auch im Text angedeutet hat) daran erinnern: WARUM fliehen diese Leute eigentlich? Wer von uns wäre freiwillig bereit, „einfach so“ in ein total fremdes Land zu gehen, sein Leben und vielleicht sogar das seiner Kinder dabei zu riskieren und nicht zu wissen, wann und ob er sein Lieben daheim je wiedersehen wird? Niemand flüchtet „einfach so“ aus Spass oder weil er meint, den Europäern die „Segnungen“ des einzig wahren Glaubens bringen zu müssen – etwas, was die Europäer übrigens jahrhundertelang weltweit getan haben! Aber diese Migration ist eben auch gewollt: Sie ist gewollt durch Kriege, die für „unseren“ Reichtum (also den unserer obersten 0,1%) geführt werden, sie ist gewollt durch wirtschaftliche Ausbeutung und Korruption vor Ort (an der gerade die Schweiz, also wieder „unsere“ 0,1%, „gut“ verdienen) – und sie ist gewollt von den „Arbeitgebern“ (also wieder diesen 0,1%), die hier billige Arbeitskräfte haben wollen. Wenn also jemand wie „Maurus“ gegen irgendjemanden seinen Zorn richten sollte, dann NICHT gegen die Einwanderer, die im Zweifelsfalle genauso „arme Schweine“ sind wie er selbst – und deren Schicksal ER sich nicht zumuten würde – falls doch: Da, wo die herkommen, ist ja jetzt Platz: Warum geht er nicht selbst einfach da hin und baut sich eine neue Heimat auf? Will er nicht? Na sowas …
    Nein, er soll seinen Zorn gegen die richten, die eben bspw. gerade frohlockten, weil die UN in ihrem „Migrationspakt“ ihre Vorstellungen 1:1 aufgenommen hat = die „Unternehmerverbände“ …
    Es hiess nicht umsonst 1848 NICHT: „Proletarier aller Länder, schlagt die Proletarier aller anderen Länder!“, sondern: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“ – Und wer meint, dass er ja selbst kein „Prolet“ ist und also nicht gemeint sein kann: Doch: Jeder, der keine „Produktionsmittel“ besitzt und also von der ARbeit seiner Angestellten und den Mieten seiner Mieter und Pächter lebt, also jeder, der irgendwie gezwungen ist, seine Arbeitskraft an solche Leute zu verkaufen, ist per definitionem ein Proletarier. Und er hat eben mit den „Proletariern aller Länder“ mehr gemeinsam als mit den Ausbeutern seiner „Heimat“ – auch wenn diese dieselbe Sprache sprechen wie er und sich als „Sozialpartner“ verstellen …

    Gefällt 2 Personen

  4. Emotionen sind wichtig und ich finde, dass sie auch in einen Zeitungsartikel einfliessen dürfen können müssten (war das jetzt Deutsch?). Item. Was einfach ganz, ganz wichtig ist, wenn man aufgrund von Emotionen politische Forderungen stellt: Dass man ZUERST die gefühlte Wahrheit mit den realen Zahlen vergleicht. Denn es kann passieren – kann, muss nicht! – dass man da aufgrund bekannter psychologischer Fakten eine leichte Wahrnehmungsverzerrung drin hat.
    Deshalb, bitte: Immer überprüfen, ob das, was ich fühle, tatsächlich mit den Zahlen übereinstimmt.

    Gefällt 1 Person

  5. Wir haben in Deutschland ja auch gerade das Thema: Herr Özil war ein toller Spieler in der Nationalelf, solange er Tore schoss. Danach wurde er langsam zum „blöden Türken“, der an dem Versagen der Nationalmannschaft schuld war. Ein Kommentar in meiner Lokalzeitung beschrieb den „Wahn“ der Deutschen, die Flüchtlinge oder Gastarbeiter auf Teufel heraus zu integrieren treffend mit einer neuen Wortschöpfung „Vereindeutschung“. Und das heisst: volle Aufgabe meiner Wurzeln und mir vorgelebter Traditionen.

    Aber das nur vorweg: das eigentliche Problem, was Du ansprichst, ist ja die Bereitstellung von Plattformen, wo unreflektierte oder bewußt zielgerichtete Artikel gestreut werden, der Leser sie für bare Münze nimmt und darauf seine Stellung zu den bewegenden Themen aufbaut.

    Hierzu ein etwas älterer aber sehenswerter Diskussionsbeitrag von Loriot:

    https://int.search.myway.com/search/video.jhtml?enc=0&n=7848b736&p2=%5EBYC%5Exdm012%5ES25389%5Ede&pg=video&pn=1&ptb=675A979C-82C3-4887-A2C5-0F98C54BEB05&qs=&searchfor=Loriot+Marianne+koch&si=&ss=sub&st=tab&tpr=sbt&trs=wtt

    Gefällt 1 Person

  6. Gute Zeiten
    Leider spricht der Autor „Maurus Federspiel“ in den Ergebnissen und vernachlässigt die Gründe. Die Migration von Menschen hat niemals im Laufe der Geschichte aufgehört, solange Kriege existieren, wenn die Migration nicht aufhört. Sprachlos: Großmächte und Kapitalismus wollen Demokratie und Wohlstand für die Völker der Dritten Welt nicht. Konflikte werden weiter bestehen und Staaten der Akteure sollten die Steuer zahlen. Ein Zustrom von Einwanderern.

    Ich entschuldige mich, weil die sprachlichen Fehler, wollte nur zu beteiligen, weil ich Ausländer bin. und meine Dankbarkeit für seine Meinung und Beschreibung.

    Gefällt 1 Person

  7. So etwas wie „Heimat“ oder gar das Recht darauf gibt es nicht. Muss es auch nicht. Weder für Menschen, die immobil an einem bestimmten Ort hockenbleiben noch für Menschen, die gezwungen oder freiwillig beliebig viele Ortswechsel vor- und/oder billigend in Kauf nehmen. Wichtiger wäre das Recht darauf, irgendwo (!) ungestört und friedlich und nach den eigenen, andere möglichst wenig beeinträchtigenden Maßstäben und Werten leben zu dürfen. Gibt es auch nicht. Sollte es aber geben. Die eigene Freiheit hört da auf, wo die Freiheit anderer anfängt.

    Und warum nicht „nebeneinander“ leben? Muss es ein sozialer Mix sein, den viele Menschen gar nicht wollen, egal wie lange sie und/oder ihre Vorfahren schon an einem Ort gelebt haben? Was ist falsch an einem Nebeneinander der Kulturen, solange die Grundlagen des regional geltenden Rechtssystems nicht verletzt werden? Das ist keine rhetorische Frage, es ist eine, die mich (als studierte, wenn auch nicht promovierte Soziologin und als Mensch mit dem vermaledeiten „Migrationshintergrund“) verunsichert. Vielleicht kannst du, liebe Sandra, sie aufgrund deiner Studien fundiert beantworten? (Klar, so einfach kann man das nicht sagen, wäre vielleicht ein weiteres Dissertationsthema.)

    Und ja, ich habe manchmal Angst, dass Wertsysteme, die mir fremd sind, dort, wohin ich eingewandert (!) bin, eine größere Verbreitung finden, als mir lieb ist. Konkret: Ich möchte nie (wieder) gezwungen werden, mich so zu kleiden, wie ich nicht möchte. Das war mit ein Grund für meine Migration vor etlichen Jahrzehnten, denn Kleidung ist, wie Sprache, ein individuell unterschiedlich gewichteter Bestandteil sozialer Identität.

    Als Frau habe ich außerdem Angst vor einem Erstarken des (ohnehin noch/wieder?) zu starken Patriarchats. Die Hautfarbe und die religiösen Überzeugungen der betroffenen Herren-Männchen spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle.

    Last not least: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch“ macht mir geradezu körperlich Bauchschmerzen. Auch das war ein Satz, vor dem ich geflohen bin. Er stand in allen Tageszeitungen über dem Zeitungstitel. Und er stand BESTIMMT NICHT für Meinungsfreiheit, sondern rechtfertigte Psychoterror und Folter.

    Zur Kenntnis: DIES IST PERSÖNLICHE MEINUNG. Keine sachliche Information. Als Journalistin ist es mir wichtig, das zu betonen.

    Gefällt 1 Person

  8. Ich finde deinen Artikel sehr gut und gebe dir Recht! Es ist so wichtig dass eine Gesellschaft, wie ich sie mir wünsche, integrativ wirkt, mit den Situationen die auf sie einwirken offen umgeht. Einer der wichtigsten Pfeiler ist sicher, diese Fähigkeit auch zur Gesellschaft zu bringen, eben über Ausbildung, Aufklärung und Dialog.
    Wenn ich den ursprünglichen Artikel lese, werde ich irgendwie hellhörig: Es ist ein bekanntes Muster für mich erkennbar. Sprachlich geschickt formuliert und an eine Repräsentantin der Institution gerichtet werden direkt Ängste angesprochen und geschürt, wird in bekannter Manier viel geschrieben aber nichts beigetragen was irgendwie hilfreich wäre. Mit einem Marker die wichtigsten Punkte rausgestrichen wird schnell klar wohin es zielt:
    – Zuwanderung
    – der Schweizer wird selber fremd
    – vor allem das dunkle Afrika wird betont
    – die Schweiz ist eh schon überfüllt, zu viele nicht-schweizer, oder neu -Doppelbürger
    – herablassende Politiker
    – unser Geld wird genommen (Geld welches zu einem gewichtigen Teil von nicht-schweizern erarbeitet wird, wird aber nicht erwähnt)
    – unseren Frauen gehts an den Kragen, oh – den Kinder auch noch
    – fremde Gesetze und Richter
    – unsere heile Natur verkraftet dies nicht mehr
    – die Städte als Moloch
    – die technokratischen Planer und Baulobbies
    – Liebe beginnt bei den anderen
    – die angestammte Schweizer Kultur (welche denn?)
    – der Teufel in der Gestalt der Automation, Grosskonzerne grad auch
    – die Linke
    … mein Kommentar würde zu lang! Selber beschreibt sich der Autor als Visionär – aber wo bitte sind die Vorschläge? Nirgends – dies wird ja der Repräsentantin überlassen 🙂 Durchaus gewollt – das letzte Kopfnicken der Anhänger wird sicher lautstark folgen, ich kann mir den prallen Saal schon vorstellen…
    Du hingegen bringst es auf den Punkt. Nur gute Bildung hilft gegen solche populistische Scharfmache! Und im Unterschied zum Autor bringst du auch Konkrete Vorschläge.

    Gefällt 1 Person

  9. Sehr geehrte Frau Wittwer!
    Via Facebook bin ich auf den offenen Brief von Maurus Federspiel gestossen, und ich denke, dass man den nicht einfach so stehen lassen kann. Daher habe ich mir erlaubt, einen ebenso offenen Brief als Entgegnung zu schreiben, sofern das aus dem fernen Wien gestattet ist.

    Sehr geehrter Herr Maurus Federspiel!
    Sie fragen sich, wie die Schweiz in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren aussehen soll? Nun, wenn es dann noch genügend wackere Schweizer wie Sie gibt, dann ist das leicht vorauszusehen: Die deutsche, italienische und französische Schweiz haben nach blutigen Kämpfen ihre Unabhängigkeit erklärt, und jetzt sind einzelne Kantone dabei, ihre Unabhängigkeit von diesen zu erkämpfen. Die damaligen Migranten sind längst zu Schweizern geworden und kämpfen verbissen mit.
    Sie beklagen, dass Sie auf den Strassen heute mehrheitlich ausländische Sprachen hören, von denen Sie viele nicht einmal erkennen. Das ist tatsächlich, gelinde gesagt, irritierend. Denn das ist doch bloss eine Sache der Bildung, und dem könnten Sie leicht abhelfen. Sprachen zu lernen hat noch nie jemandem geschadet.
    Sie bedauern, dass jetzt so viele Zuwanderer auf so viele zugewanderte und einheimische Schweizer treffen. Aber wozu die Aufregung, das war in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte, soweit wir sie überblicken können, immer so. Die das nicht mitgemacht haben, sind die Aborigines in Australien oder Südamerika, und denen fehlt etwas im Vergleich zum Rest der Welt: nämlich unsere Kultur. „Kultur existiert nur im Plural, als Dialog zwischen Kulturen.“ So Diego Fusaro. Inzucht, auch kulturelle, führt nicht zum Aufschwung, sondern zum Niedergang.
    Sie haben Recht, viele Gemeinden stöhnen bereits unter der Last der Aufwendungen (nicht nur) für Soziales, aber denen, die das zugutekommt, stöhnen schon viel weniger. Das nennt man Solidarität, und mit den Migranten hat das genau nichts zu tun.
    Die Handschlagverweigerung gegenüber einer Lehrerin zeigt doch nur, dass der Verweigerer genauso denkt wie Sie, denn sie ist nichts anderes als die Handschlagverweigerung gegenüber Migranten. Da scheint auf beiden Seiten etwas schief zu laufen. Von den ach so vielen jetzt schon verschleierten Frauen werden viele ihren Schleier irgendwann abnehmen. Da einfach quantitativ zu extrapolieren, ist schlicht falsch.
    Dem Schutz der Natur ist durch Ausgrenzen der Migranten in keiner Weise geholfen. Da sind aktive Naturschützer und eine aktive Politik gefragt. Die Baulobby ist sicher ein Problem, aber sicher keines der Migranten. Da ist eher anzunehmen, dass auch viele der jetzigen Migranten in Zukunft am Naturschutz mitarbeiten werden.
    Richtig, Integration ist eine Bringleistung – der Migranten und der Einheimischen. Und – wieder richtig – sie hat Liebe zur Voraussetzung. Aber nicht die narzisstische Liebe zum eigenen Wohl auf Kosten anderer, sondern Liebe an und für sich. Altmodisch nennt man das Nächstenliebe. Sie, Herr Mauro, können da getrost in der Bibel im Gleichnis vom barmherzigen Samariter nachlesen. Da kommen die, die Liebe immer nur bei den anderen vermissen, gar nicht so gut weg. Und – wieder richtig – Institutionen können das nicht leisten. Das können nur Menschen wie Sie und ich, sofern wir bei uns selber anfangen.
    Dass auch Migranten zusammenhalten und ihre Liebesbereitschaft zuerst unter sich ausüben, ist nicht verwerflich, sondern selbstverständlich. Das schliesst eine Verflechtung mit der Schweizerischen Kultur ja nicht aus, sofern sie nicht zu sehr auf Schweizer Ablehnung stösst. Das ist die andere Seite, die von der einen nicht zu trennen ist.
    Fussball und Grosskonzerne funktionieren ganz ähnlich, da haben sie schon wieder recht. Beim Fussball diskutieren manche noch, die Grosskonzerne sind uns aber selbstverständlich willkommen. Auch wenn für diese die Grenzen der Nationalstaaten längst bedeutungslos sind.
    Ihr Hinweis auf die „unheilige Allianz zwischen Linken und Wirtschaftsblock“ zeigt doch nur, dass das nichts mit Politik zu tun hat, sondern primär mit dem Sosein auch des Schweizer Menschen. Wenn es um den Wohlstand geht, brauchen wir keine Grenzen, wenn es darum geht, ihn gegen andere zu verteidigen, da brauche wir den Nationalstaat. Da wird die Grenze zur Membran, die den Wohlstand reinlässt und sozial benachteiligte Menschen abweist. Aber jetzt haben wir unversehens das Thema gewechselt. Diese „gesichtslosen, globalisierten und materiell übersättigten Menschen“, die auch Sie eher für einen Albtraum halten, sind ja nicht die Migranten, Flüchtlinge und Asylwerber, sondern doch eher die Einheimischen. Die leben tatsächlich nebeneinander und nicht miteinander, auch ganz ohne Ausländer. Und niemand hielte sie davon ab, miteinander zu leben – am allerwenigsten die Migranten. Jetzt werfen Sie, Herr Mauro, den Migranten vor, nebeneinander zu leben, wo das doch die Einheimischen schon so perfekt vorzeigen?
    Die ganze Hilflosigkeit von Menschen wie Sie, Herr Mauro, zeigt doch, dass sie wie selbstverständlich zum Chinesen essen gehen, sich vom Syrer die Haare schneiden lassen und beim Pflegepersonal im Spital auch nicht so wählerisch sind, aber dann aufschreien, wenn die sich als Chinesen, Syrer oder Bosnierin zu gebärden wagen und nicht als eingefärbte Schweizer. Jetzt frage ich Sie, Herr Mauro, heißt für Sie Integration, dass man seine eigene Kultur verleugnen muss? Was dabei herauskäme, wären keine angepassten Schweizer, sondern Psychopathen. Dass hier das Geld als fast einziges noch verbindendes Element herrscht, mag stimmen, ist aber auch ein innerschweizer oder innereuropäisches Problem, für das die Migranten am allerwenigsten können.
    Womit Sie letztlich auch noch Recht haben ist, dass die Geschichte nie linear verläuft und daher lineare Extrapolationen auch nur falsch sein können. Dass es darum geht, nicht zu lamentieren (wie in ihrem offenen Brief), sondern zu reagieren. Eine bloss abwehrende und ausgrenzende Reaktion wird die Probleme nur vergrössern, so dass diese Reaktion genau das provoziert, was Sie befürchten. Wir müssen keine äußeren Grenzen verteidigen, sondern unsere inneren Grenzen öffnen. Dann werden wir auf der einen Seite Missstände und Unrecht besser bekämpfen können, es wird aber auf der anderen Seite auch das, was zusammenpasst und kreativ Neues schafft, zusammenwachsen können.
    Mit freundlichen Grüssen, Robert Harsieber

    Mal sehen, ob ein Nicht-Schweizer da überhaupt zu Wort kommt…

    Gefällt 1 Person

    • GROSSARTIG!!

      Danke dir! Ich hoffe, dass ein Nicht-Schweizer zu Wort kommt, denn: Es geht nicht um Nationen, es geht um Werte, um Menschlichkeit. Es geht darum, wie unsere Welt sein soll.

      Gefällt mir

    • Den guten Samariter als Beispiel anzuführen, wie man sich zu verhalten hat, eignet sich nicht besonders gut. Anstatt den hilflosen Menschen bei sich aufzunehmen, wälzte er die Verantwortung gegen Entgelt auf einen Wirt ab.

      Gefällt mir

      • Auch Samariter können ja dazulernen… man möge das Beispiel im Kontext lesen und es nicht als Argument dagegen rausgreifen. Das wäre schade. Denn dann würden Menschen, die eigentlich auf der gleichen Seite stünden, sich gegenseitig bekämpfen, und denen, die tun, was beide verurteilen, freie Bahn gewähren. Das ist, was ich so oft erlebe…

        Gefällt mir

  10. Der Samariter war genauso auf der Durchreise wie die anderen. Musste also auch irgendwann irgendwo ankommen. Nur hat er sich nicht davon abhalten lassen, eine menschliche Lösung zu finden. Ihm jetzt vorzuwerfen, er hätte nicht bei dem Verletzten übernachtet, ist ein bisschen von oben herab.

    Gefällt 1 Person

    • Es ist immer einfach, beim anderen das rauszupicken, was grad in die eigene Argumentation passt… Daran krankt in meinen Augen die heutige Gesprächskultur… Man ist nicht mehr auf Konsens aus, sondern sucht das Haar in der Suppe und versucht dann, das zu einem herrlichen Zopf zu flechten – vergisst dabei, dass ein Zopf immer aus mehreren Strängen besteht.

      Gefällt 1 Person

    • Aus heutiger kirchlicher Sicht hätte er ihn aufnehmen sollen. Überheblich ist es vielmehr zu erwarten, dass der andere dann die eigenen Erkenntnisse vorbehaltlos übernimmt und Pfötchen gibt oder halt die Hand gibt.

      Gefällt mir

  11. der Text von Maurus Federspiel stellt zuallererst eine Frage an Frau Bundesrätin Sommeruga, welche ich für absolut berechtigt und wichtig halte.
    Er spricht Probleme bei der Integration an und fragt wie diese gelöst werden können. Wenn er dadurch gleich zu einem empathielosen Jammerauthoren wird dem der Tod von Menschen wenig bedeutet, wie soll man dann noch eine Freie Meinung äußern dürfen?

    Heute wurde ich im Internet auf eine Schlagzeile aufmerksam.
    Alice Weidel: AfD-Politikerin blamiert sich mit Wanderfoto auf Twitter
    Sie schreibt darin: Ist der Weg auch noch so steinig, werden wir diesen zusammen meistern.
    Holen wir uns unser Land zurück!
    Die Blamage besteht also darin, dass das Foto nicht Deutschland zeigt, sondern die Schweiz. Sie wollte doch nur eine Botschaft mit dem Bild und Text vermitteln, was ja wunderbar funktioniert hat.
    Das ist überhaupt keine Blamage, denn ihr war mit Sicherheit klar dass das Foto die Schweiz zeigt. Ich verstehe nicht wie Zeitungen so etwas drucken können. Dieser Vorfall zeigt, dass hier Meinung gemacht wird, und zwar von deutschen Zeitungen! (Ich bin kein AfD-Fan, im Übrigen. Bitte nicht falsch verstehen.)
    Es ist schlicht weg einfach nicht die Wahrheit was da von den Zeitungen berichtet wird. Mir kommt es so vor als ob lediglich die öffentliche Meinung beeinflusst werden soll.

    Neulich habe ich folgende Unterhaltung mitangehört:
    Am Tag nach dem Fußballspiel von Frankreich-Kroatien sagt ein arabisch aussehender Mann zu einem deutschen Mann:
    Das war nicht Frankreich gegen Kroatien. Das war Afrika gegen Kroatien!
    Daraufhin antwortet der deutsche: Als deutscher darf ich dazu nichts sagen.

    Ich denke wir dürfen uns nicht allzu schnell negativ über dieses oder jenes auslassen oder gar beleidigen. Denn dies stoppt unter anderem die doch so wichtige Diskussion. Wir sollten zuerst mal versuchen zu verstehen was derjenige überhaupt mitteilen möchte.

    Sonst werden Kritiker in die rechte Ecke gedrängt und es entsteht das was zur Zeit in Italien passiert. Siehe diesen Zeitungsartikel:
    https://www.zeit.de/politik/2018-07/fluechtlinge-italien-matteo-salvini-mittelmeer-rom-rimini-hass-hetze-verrohung

    Fand ich auch interessant:
    https://www.achgut.com/artikel/warum_wollen_alle_ins_land_der_rassisten

    Gefällt mir

  12. Fragen sind natürlich immer berechtigt, aber Fragen, die bereits eine Antwort suggerieren, und damit die andere Meinung ausschließen und bloß manipulieren wollen, weniger.
    Er spricht Probleme an, unterschlägt aber, dass Integration das Problem beider Seiten ist. Freie Meinung ist Grundrecht, aber missbraucht für Ideologien nicht mehr. Dann ist es auch nicht Meinung, sondern Manipulation.
    Die Blamage der AfD-Politikerin ist nicht, dass sie sich die Schweiz zurückholen will – das wäre nur Satire, und weist unfreiwillig darauf hin, dass Grenzen nicht so wichtig sind – sondern weil sie die Steine auf ihrem Weg dazu verwendet, sie vorher auf die ach so Fremden zu werfen. Und Schweizer sind natürlich auch Fremde. Das ist nur unfreiwillige, sich selbst entlarvende Komik. Ernst zu nehmen ist aber der Vorwurf der Manipulation in einem Bericht über eine Partei, die nur von Manipulation lebt!
    Der unselige Sager von „Afrika gegen Kroatien“ ist purer Rassismus, und eines halbwegs menschlichen Gehirns nicht würdig!
    Welche „wichtige Diskussion“ wird denn da gestoppt? Wo ist das überhaupt eine Diskussion?
    Der Zeit-Artikel über rechte Un-Kultur in Italien ist tatsächlich ein gutes Beispiel. Genau diese Zustände provoziert die AfD (LePen, Wilders, Strache und wie sie alle heissen, die nur von dieser Hetze leben), um sie dann „kritisieren“ zu können.
    Der andere Artikel „Warum wollen alle ins Land der Rassisten?“ Ist relativ einfach zu beantworten: Erstens hat es sich noch nicht herumgesprochen, und zweitens sind nicht alle Deutschen Rassisten, auch wenn das der AfD besser gefallen würde. Aber sie arbeiten daran.
    Und jetzt liegt es nur an den menschlich gebliebenen Deutschen, Schweizern, Österreichern, Europäern, sich ihre Länder und Europa nicht von rechten Hirnen kaputt machen zu lassen.
    Und – ja, man darf und muss darüber diskutieren – und das tun wir ja unter anderem hier…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s