Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist (Rezension)

Alles eine Frage der Gerechtigkeit?

Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. Nietzsche

georgezeugeDiese Zitat steht am Anfang des neusten Inspector-Lynley-Romans von Elizabeth George. Es regt zum Nachdenken an, es geht tief und hat viel Wahres. Es wäre schön, wäre der Roman so weiter gegangen. Nun wäre es wohl vermessen, eine Krimi-Autorin mit einem so grossen Philosophen messen zu wollen, drum lassen wir das.

Jugendliche werden ermordet. Die Polizei lässt es versanden, bis plötzlich nach drei Toten mit Migrationshintergrund ein Weisser Opfer wurde. Neben der Erkenntnis, dass es sich wohl um einen Serienmörder handelt, muss sich die Polizei auch mit dem Vorwurf des Rassismus auseinandersetzen.

Das altbewährte Team Lynley und Harver ist gefordert. Nur: Harver wurde erst kürzlich degradiert. Und sie versinkt zu Hause im Chaos. Und Elizabeth George wird nicht müde, beides zu betonen, ohne allerdings aufzuklären, was genau Sache ist. Liest man die Reihe kontinuierlich, weiss man das und ärgert sich über die ständigen Hinweise, liest man das Buch als alleinstehenden Krimi, ärgert man sich über die mit der Zeit nervenden Hinweise ohne Aufklärung. So oder so eine unglückliche Angelegenheit. Auch sonst wäre das Buch leicht um die Hälfte zu kürzen gewesen. Bei allem Verständnis für den Wunsch, auf kulturelle Unterschiede hinweisen zu wollen, waren viele Teile der Geschichte nicht förderlich, sie zogen sie nur in die Länge – dies vor allem am Anfang. Man muss sich wirklich sehr durchbeissen, bis der Fall endlich Fahrt aufnimmt.

Bei aller Kritik gelang es George, die Charaktere gut zu zeichnen, die Idee hinter allem ist gut und wenn das Buch mal zum Punkt kommt, packt es und reisst mit. Die vielen privaten Einschübe fungieren Spannungssteigerung – ab und an ein wenig zu viel des Guten für die „Fall-Versessenen“, interessant für die „Figuren-Anhänger“.

Fazit:
Ein Krimi mit einer guten Idee, plastischen Figuren, einem guten Plot und vielen Längen, die Geduld erfordern.

Die Autorin
Eine Amerikanerin in London – zumindest zeitweise lebt Elizabeth George in der britischen Hauptstadt. Dort recherchiert die preisgekrönte Krimiautorin detailversessen an den Orten des Geschehens. Ihre größtenteils verfilmten Geschichten sind eher Gesellschaftsromane als „nur“ spannende Storys – von denen George allerdings eine Menge versteht. Denn Handwerk und Kunst des Schreibens hat sie lange Jahre als Lehrerin für Englische Sprache und Literatur sowie später in Unikursen für Kreatives Schreiben unterrichtet. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Ermittlerduo Inspector Lynley und Sergeant Havers. Geboren wurde Elizabeth George 1949 in Warren im US-Bundesstaat Ohio. Nach vielen Jahren in Kalifornien lebt sie heute im Nordwesten der Vereinigten Staaten bei Seattle.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 800 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. November 2016)
Übersetzung: Ingrid Krane-Müschen
ISBN-Nr: 978-3442485246515
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

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