Myron Bolitar ermittelt

CobenEigentlich will Myron Bolitar seinen Urlaub geniessen, doch als er erfährt, dass seine Freundin und Geschäftspartnerin Esperanza verdächtigt wird, einen gemeinsamen Klienten umgebracht zu haben, lässt er alles stehen und liegen und fliegt heim. Wenn er gehofft hatte, Esperanza würde es ihm danken, sieht er sich eines Besseren belehrt: Sie lehnt seine Hilfe kategorisch ab, was ihn natürlich nicht davon abhält, auf eigene Faust zu ermitteln.

Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn nicht nur zu einem weiteren Fall, den er auch gleich lösen will, er wird auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als wäre das nicht schon genug, ist er plötzlich verdächtig.

Böses Spiel ist bereits der sechste Fall von Myron Bolitar, doch auch wenn man die vorhergehenden Fälle nicht kennt, fehlen einem keine wichtigen Informationen, um sich zurechtzufinden. Es gelingt Coben allerdings nicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen, die er mit den vorhergehenden Fällen geweckt hatte. Bestach er da noch durch einen leichten, humorvollen Schreibstil, wirkt vieles diesmal schlicht nur aufgesetzt und gewollt. Die Passage

Der Sonnenschein war so kraftvoll und wohltuend, wie es sonst allenfalls eine schwedische Masseurin war, die zur Entspannung ein Glas Cognac servierte

ist nur ein Beispiel, es wimmelt von schlechten Metaphern und plumpen Witzen.

Leider sind auch die Figuren diesmal eher blass, die Geschichte ist zwar gut, vermag aber nicht so zu fesseln, wie man es von Coben sonst gewohnt ist. Was das Buch rausreisst, sind die Stellen, wo der altbekannte Schreibstil durchscheint, wo witzige Dialoge und überraschende Kniffs die Geschichte antreiben.

Fazit:
Leichte Urlaubslektüre, aber nicht Harlan Cobens grösster Wurf.

Zum Autor
Harlan Coben wurde 1962 in New Jersey geboren. Nachdem er zunächst Politikwissenschaft studiert hatte, arbeitete er später in der Tourismusbranche, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Thriller wurden bisher in über 40 Sprachen übersetzt und erobern regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten. Harlan Coben, der als erster Autor mit den drei bedeutendsten amerikanischen Krimipreisen ausgezeichnet wurde – dem Edgar Award, dem Shamus Award und dem Anthony Award – gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Thrillerautoren seiner Generation. Er lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in New Jersey.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (18. September 2017)
Übersetzung: Friedo Leschke, Gunnar Kwisinski
ISBN-Nr.: 978-3442484621
Preis: EUR  9.99 / CHF 14.90

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Ich wollte mal wieder was lesen.. so unbeschwert… konnte ich seit vielen Monaten nicht mehr. Patterson war immer eine gute Wahl, es fehlte mir zudem der eine dazwischen, Nummer 11 (es sind wohl mittlerweile einige neue erschienen, ich habe das nicht mehr verfolgt), 12 hatte ich als Ersten der Reihe gelesen, er war super, die anderen mehr oder weniger auch… 11 lag Monate hier rum… und ja… lest selber:

Smith sah ihn verwirrt an – dann wusste er Bescheid. Er liess das Röhrchen mit dem Koks fallen und schob die Hand unter das Jackett. Zu spät.

Patterson11Lindsay Boxer ist endlich schwanger, die Freude darüber gross. Wer nun denkt, das lässt die engagierte Polizistin kürzer treten, der hat sich geirrt. Gleich zwei Fälle gilt es im vorliegenden 11. Band der Reihe um den Women’s Murder Club zu lösen: Im einen Fall geht es um den Mord am Millionär Chaz Smith. Wie sich herausstellt, sind mit der Tatwaffe auch vier der schlimmsten Verbrecher San Franciscos getötet worden. Dass besagte Tatwaffe für diesen neuen Mord aus dem Beweismitteltresor des Police Departments gestohlen worden war, weitet den Kreis der Verdächtigen auch auf Lindsays engsten Vertrauten aus.

Als wäre das nicht schon genug, muss sie sich auch noch mit zwei Totenköpfen auseinandersetzen, welche im Garten eines Schauspielers gefunden worden sind.

James Patterson bleibt seinem Stil treu, (zu?) routiniert entwickelt er seine Story Kurzkapiteln. Das Buch ist durchaus spannend, allerdings das wohl schwächste der Reihe.

Fazit
Ein kurzweiliger, souverän geschriebener Thriller, der aber hinter Pattersons anderen Büchern zurücksteht. Trotzdem empfehlenswert.

Zum Autor:
James Patterson, geboren 1947, war Kreativdirektor bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Seine Thriller um den Kriminalpsychologen Alex Cross machten ihn zu einem der erfolgreichsten Bestsellerautoren der Welt. Auch die Romane seiner packenden Thrillerserie um Detective Lindsay Boxer und den „Women´s Murder Club“ erreichen regelmäßig die Spitzenplätze der internationalen Bestsellerlisten. James Patterson lebt mit seiner Familie in Palm Beach und Westchester, N.Y.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (14. September 2015)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN: 978-3734100628
Preis: EUR: 8.99 ; CHF 13.90

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Alles eine Frage der Gerechtigkeit?

Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. Nietzsche

georgezeugeDiese Zitat steht am Anfang des neusten Inspector-Lynley-Romans von Elizabeth George. Es regt zum Nachdenken an, es geht tief und hat viel Wahres. Es wäre schön, wäre der Roman so weiter gegangen. Nun wäre es wohl vermessen, eine Krimi-Autorin mit einem so grossen Philosophen messen zu wollen, drum lassen wir das.

Jugendliche werden ermordet. Die Polizei lässt es versanden, bis plötzlich nach drei Toten mit Migrationshintergrund ein Weisser Opfer wurde. Neben der Erkenntnis, dass es sich wohl um einen Serienmörder handelt, muss sich die Polizei auch mit dem Vorwurf des Rassismus auseinandersetzen.

Das altbewährte Team Lynley und Harver ist gefordert. Nur: Harver wurde erst kürzlich degradiert. Und sie versinkt zu Hause im Chaos. Und Elizabeth George wird nicht müde, beides zu betonen, ohne allerdings aufzuklären, was genau Sache ist. Liest man die Reihe kontinuierlich, weiss man das und ärgert sich über die ständigen Hinweise, liest man das Buch als alleinstehenden Krimi, ärgert man sich über die mit der Zeit nervenden Hinweise ohne Aufklärung. So oder so eine unglückliche Angelegenheit. Auch sonst wäre das Buch leicht um die Hälfte zu kürzen gewesen. Bei allem Verständnis für den Wunsch, auf kulturelle Unterschiede hinweisen zu wollen, waren viele Teile der Geschichte nicht förderlich, sie zogen sie nur in die Länge – dies vor allem am Anfang. Man muss sich wirklich sehr durchbeissen, bis der Fall endlich Fahrt aufnimmt.

Bei aller Kritik gelang es George, die Charaktere gut zu zeichnen, die Idee hinter allem ist gut und wenn das Buch mal zum Punkt kommt, packt es und reisst mit. Die vielen privaten Einschübe fungieren Spannungssteigerung – ab und an ein wenig zu viel des Guten für die „Fall-Versessenen“, interessant für die „Figuren-Anhänger“.

Fazit:
Ein Krimi mit einer guten Idee, plastischen Figuren, einem guten Plot und vielen Längen, die Geduld erfordern.

Die Autorin
Eine Amerikanerin in London – zumindest zeitweise lebt Elizabeth George in der britischen Hauptstadt. Dort recherchiert die preisgekrönte Krimiautorin detailversessen an den Orten des Geschehens. Ihre größtenteils verfilmten Geschichten sind eher Gesellschaftsromane als „nur“ spannende Storys – von denen George allerdings eine Menge versteht. Denn Handwerk und Kunst des Schreibens hat sie lange Jahre als Lehrerin für Englische Sprache und Literatur sowie später in Unikursen für Kreatives Schreiben unterrichtet. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Ermittlerduo Inspector Lynley und Sergeant Havers. Geboren wurde Elizabeth George 1949 in Warren im US-Bundesstaat Ohio. Nach vielen Jahren in Kalifornien lebt sie heute im Nordwesten der Vereinigten Staaten bei Seattle.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 800 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. November 2016)
Übersetzung: Ingrid Krane-Müschen
ISBN-Nr: 978-3442485246515
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Entführte Kinder, Psychopathen und Liebeschaos

Blut fliesst über die Planken, doch in seinem Kopf sieht Fred nur die blendend weissen Segel. Sein Blick schwenkt über das Deck. Die Stimme in seinem Kopf brüllt laut: Lauf. Verschwinde. Du hast das nicht gewollt.

patterson6Was eine vergnügliche Fahrt mit dem Katamaran durch die San Francisco Bay hätte werden sollen, endet in einem blutigen Massaker, als ein Passagier plötzlich eine Pistole zückt und um sich schiesst. Neben einer Mutter und ihrem kleinen Sohn trifft er auch Claire, Lindsay Boxers beste Freundin, welche zwar überlebt, aber in einem kritischen Zustand ist. Als sich kurz darauf der Täter bei Lindsay zu Hause stellt, scheint der Fall gelöst zu sein – doch dann geht es darum, ob er überhaupt zurechnungsfähig war bei der Tat. Ein spannender Gerichtskampf mit Yuki als Anklägerin der Staatsanwaltschaft steht bevor.

Dies ist aber nicht der einzige Fall, der Lindsay beschäftigt. Kinder und Nannys wohlhabender Eltern verschwinden, ohne dass eine Lösegeldforderung kommt. Werden Lindsay und ihre Freundinnen die Täter entlarven, bevor noch ein Kind verschwindet? Und: Leben die bislang entführten Kinder noch? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Als wäre das nicht genug, kommt es in Cindys Haus zu unschönen Vorfällen – ein toter Hund, eine zerstörte Wohnung und ein ermordeter Nachbar sind zu verbuchen. Dass Lindsay Boxer neben all dem sich auch noch von ihrer grossen Liebe trennt, lässt die gute Frau noch mehr leiden und so pendelt der Leser fortan zwischen Liebesschmerz, Entführerjagd, Gerichtsplädoyers und mehr hin und her.

Ab und an ist man lesend versucht, zu sagen, dass ab und an weniger mehr gewesen wäre. Durch die Vielzahl der erzählstränge büsst jeder einzelne an Tiefe ein. Die Figuren bleiben blass, die Schauplätze ebenso. Man kann sich in nichts einfühlen und auch nicht wirklich mitraten, da kaum Anhaltspunkte vorhanden sind und die Auflösungen schlussendlich etwas gar gesucht – oder zu offensichtlich. Wieder kommt die leise Frage auf, ob das wirklich Patterson war, der hier schrieb, oder ob dieser nur jeden zweiten Fall seiner Reihe schreibt, was auf den nächsten hoffen liesse.

Fazit:
Der sechste Fall des Women’s Murder Club schwächelt wieder ein wenig. Zwar gelingt es Patterson, den Leser zu packen, aber weniger verschiedene Fälle und mehr Tiefe wären wünschenswert gewesen. Trotzdem empfehlenswert.

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch, Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (8. März 2010)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442372287
Preis: EUR 8.95 / CHF 12.90
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Foto: Sarah Koska

Claudia Rossbacher, geboren in Wien, zog es nach ihrem Tourismusmanagementstudium in die Modemetropolen der Welt, wo sie als Model im Scheinwerferlicht stand. Danach war sie Texterin, später Kreativdirektorin in internationalen Werbeagenturen. Seit 2006 arbeitet sie als freie Autorin in Wien, seit 2015 auch in der Steiermark und schreibt vorwiegend Kriminalromane und Kurzkrimis. Ihr erster Steirerkrimi „Steirerblut“ wurde von Wolfgang Murnberger als ORF-Landkrimi verfilmt. Weitere Verfilmungen ihrer Bestseller-Serie mit LKA-Ermittlerin Sandra Mohr sind in den nächsten Staffeln im TV zu sehen. Der vierte Band »Steirerkreuz« wurde mit dem österreichischen Publikumspreis »Buchliebling 2014« ausgezeichnet.

Wer mehr über Claudia Rossbacher erfahren will, dem sei die Homepage empfohlen: http://www.claudia-rossbacher.com

Claudia Rossbacher hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten:

Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Ich bin eine viel und weit gereiste gebürtige Wienerin, die nach Lehr- und Wanderjahren als Model, Werbetexterin und Kreativdirektorin nunmehr als Schriftstellerin angekommen ist. Die meiste Zeit lebe ich mit meinem Mann Hannes Rossbacher, einem begnadeten Maler, in einer idyllisch gelegenen Waldhütte auf 1.000 Metern Seehöhe in meiner steirischen Wahlheimat.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Auslöser war der Wunsch nach beruflicher Veränderung (die Begeisterung für die Werbung war mir mit den Jahren abhanden gekommen) sowie die Idee für einen Karibik-Thriller. Die Printausgabe meines Debütromans „Hillarys Blut“ ist inzwischen vergriffen, das e-Book zehn Jahre nach dessen Entstehung in einer überarbeiteten Fassung im Gmeiner Verlag erschienen.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt, zu schreiben?

Das Handwerk muss man, egal wie und wo, lernen. Möge das sprachlich-kreative Talent noch so außergewöhnlich sein. Umgekehrt nützt das Handwerk ohne die Begabung nur bedingt. Verfügt man über beides, sollte man ständig damit arbeiten, um besser zu werden. Wie Sportler müssen auch Schriftsteller regelmäßig trainieren und sich quälen, wollen sie konstant gute Leistungen erzielen. Selbstverständlich kann man auch nur aus Spaß schreiben. Mein Anspruch war es aber immer, in angemessener Zeit von meinen Büchern leben zu können. Das habe ich mit Disziplin, Zielstrebigkeit, Fleiß und dem nötigen Quäntchen Glück geschafft. Wäre mir das nicht gelungen, hätte ich mich längst einer anderen Profession zugewandt. Ausruhen darf ich mich aber nicht auf meinem Erfolg. Im Gegenteil: Ich arbeite weiterhin hart daran.

Wo ich das Schreiben gelernt habe? In der Schule, beim exzessiven Hören von Hörspielen, Bücherlesen und Geschichten erfinden, später beim Texten von Werbekampagnen. Bis auf einige wenige Kreativ-Workshops als Werberin und ein Drehbuchseminar basiert bei mir alles auf Learning by Doing.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich recherchiere erst einmal am Handlungsschauplatz, lasse mich dort inspirieren und suche nach einer reizvollen und tragfähigen Idee. Viel mehr als einen Klappentext habe ich nicht, wenn ich zu schreiben beginne. Ich lasse mich dann von den Figuren und der Handlung vorantreiben. Das hat den Vorteil, dass ich selbst oft überrascht werde. Dasselbe geschieht dann auch bei den Lesern. Vielleicht gelingt es mir deshalb, sie bei der Stange zu halten, weil meine Geschichten eben nicht konstruiert sind. Der große Nachteil an dieser Methode ist, dass ich in der Schreibphase immer wieder nachdenken und nachjustieren muss. Oftmals bekomme ich Panik, weil ich nicht sicher bin, ob sich am Ende alles ausgeht.

Wann und wo schreiben Sie?

Zuhause an meinem Schreibtisch. Ich brauche Ruhe und Zeit. Unterwegs kann ich nicht schreiben. Es sei denn, ich halte mich länger an einem Ort auf, der mir beides bietet.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Mittlerweile kann ich ganz gut abschalten. In der Natur, mit Freunden, beim Tennis spielen. Bloß nicht zu lange, sonst muss ich wieder von vorn anfangen, um in die Geschichte hineinzufinden. Zwischen zwei Romanen bereitet mir das Abschalten überhaupt keine Probleme.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Ich ringe ausschließlich um den Plot und kämpfe mit meinen Texten. Ansonsten liebe ich meinen Beruf, der mir so viel Abwechslung, außergewöhnliche Begegnungen und besondere Glücksmomente beschert. Ich schreibe, um meine Leser gut zu unterhalten, freue mich, dass es inzwischen so viele sind, die meine Bücher mögen. Einerseits genieße ich die Aufmerksamkeit und das Rampenlicht, andererseits mein stilles Kämmerlein, in dem ich vor mich hinschreiben kann, ohne dass mir jemand dreinredet. Was mich stört? Destruktive negative Kritiken. Obwohl ich die immer schneller verdaue, auch wenn sie schmerzen, zumal die positiven Meinungen stets überwiegen.

Wieso haben Sie sich für das Genre Krimi entschieden?

Auch als Leserin hatte ich schon immer ein Faible für spannende und gruselige Geschichten. Außerdem konnte aus der Idee zu meinem ersten Roman gar nichts anderes als ein Thriller werden.

Sie schreiben (unter anderem) Steirerkrimis. Wieso die Steiermark? Wäre das FBI in USA nicht knackiger? Oder wenigstens eine Grossstadt, zumal Sie ja früher oft in den verschiedenen Weltmetropolen gewesen sind?

Das dachte ich anfangs auch. Und habe mit einem Karibik-Thriller begonnen. Mein zweiter Thriller „Drehschluss“ ist auf Mallorca und in Berlin angesiedelt. Leider haben beide Bücher kaum jemanden interessiert, obwohl ich sie immer noch gelungen finde. Mit den Steirerkrimis habe ich dafür auf Anhieb ins Schwarze getroffen. Dabei wusste ich erst noch gar nicht, wo genau mein Opfer durch den Wald läuft, um seinem Mörder zu entkommen. Dann habe ich mich an meine Ferienlager in der Steiermark erinnert, dem waldreichsten Bundesland Österreichs. Zudem ist mein Mann gebürtiger Steirer, der aber die meiste Zeit seines Lebens in Wien verbracht hat. Inzwischen bin ich nicht nur Wahlsteirerin, sondern habe auch den verlorenen Sohn heimgeführt. Heute leben wir in der Nähe des Ferienlagers meiner Kindheit am Reinischkogel.

  1. Wie viele Steirerkrimis gibt es von Ihnen schon? Und wie viele sollen noch folgen?

Am 8.2.2017 erscheint mit „Steirerpakt“ der siebte Fall für mein ungleiches Ermittlerduo Sandra Mohr und Sascha Bergmann vom LKA Steiermark. Am achten schreibe ich bereits. Wie viele Bände es noch geben wird, weiß ich selbst nicht. So lange mir noch etwas Brauchbares einfällt und dermaßen viele begeisterte Leser auf Fortsetzungen warten, wäre es aber wahnwitzig, diese Serie zu beenden.

Österreich ist im Vergleich zu Deutschland eher klein (mit einem Zehntel der Einwohner). Empfinden Sie das als Nachteil (gerade durch die Ausrichtung der Landkrimis) oder sehen sie das sogar als Chance?

Erst einmal freue ich mich über die soliden Verkaufszahlen im eigenen Land, die keineswegs selbstverständlich sind. Und etliche Exemplare gehen ja auch über bundesdeutsche Ladentische und Online-Plattformen weg. Natürlich hätte ich nichts dagegen, zehnmal so viele Bücher wie jetzt zu verkaufen. Eine Umsatzsteigerung in Deutschland könnte demnächst drin sein, wenn der TV-Film „Steirerblut“ am 11. März 2017 erstmals zur Primetime in der ARD ausgestrahlt wird. Für Nachschub wird auch gesorgt: Der zweite Film „Steirerkind“ wird gerade für ARD und ORF nach meinem gleichnamigen Roman gedreht, ein dritter „Steirerkreuz“ soll folgen. Wir werden ja sehen … Auf alle Fälle sind österreichische Krimiautoren in Deutschland im Kommen, so sie nicht schon dort sind wie etwa Wolf Haas, Marc Elsberg, Andreas Gruber, Ursula Poznanski und Bernhard Aichner.

Was ist das für ein Gefühl, wenn Ihre Bücher verfilmt werden? Stolz, weil die Krimis offensichtlich ankommen? Auch etwas Angst, weil man doch einen Teil der Kontrolle über die eigenen Geschichten aufgibt?

Ein wenig stolz bin ich schon, weil die Bücher nicht ganz so schlecht sein können, wie manche Kritiker behaupten. Mir ist aber auch klar, wie viel Glück dabei war, als von hunderttausenden Büchern ausgerechnet meine zur Verfilmung auserkoren wurden. Dass ich mit dem Verkauf der Filmrechte die Kontrolle größtenteils abgebe, war mir von Anfang an klar. Auch hatte ich keine Lust, meinen Roman selbst zu zerfleddern, um ein Drehbuch daraus zu machen, bei dem viel zu viele Leute mitreden. Außerdem: Was habe ich als Romanautorin schon zu verlieren? Schlimmstenfalls finden die Leute meine Bücher besser als die Filme.

Haben sie Mitspracherechte am Set?

Ich könnte in der Drehbuchphase Bedenken anmelden. Am Set ist es dafür zu spät.

Die nächste Criminale steht vor der Tür, Sie sind in der Wettbewerbs-Jury. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Ich bin nicht nur in der Jury für den besten Debütroman, sondern auch in der SOKO, dem lokalen Organisationsteam, und fungiere zudem als Herausgeberin der Criminale-Anthologie „SOKO Graz – Steiermark“, die im April im Gmeiner Verlag erscheint. Für die Juryarbeit habe ich mich gemeldet, um diese Erfahrung einmal gemacht zu haben. Außerdem interessiert es mich, welche neuen Autoren nachkommen, und ob sie vielleicht außergewöhnliche Herangehensweisen an das Genre haben. Immerhin zwei von rund 90 Autor/innen konnten mich mit ihren Büchern begeistern, darunter auch der/die Preisträger/in.

Selfpublishing und E-Books haben den Buchmarkt in Aufregung versetzt. Man hört kritische Stimmen gegen Verlage wie auch abschätzige gegen Selfpublisher. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Es gibt viel zu viele schlechte Verlage und schlechte Autoren. Ich für meinen Teil fühle mich beim Gmeiner Verlag sehr gut aufgehoben, was Autoren über ihre Verlage ja eher selten behaupten, meistens zu recht. Wäre es anders, würde ich mich nach einem renommierten Verlag umsehen, dessen Bücher in den Buchhandlungen gut repräsentiert sind und der mich als Autorin wertschätzt und unterstützt, bevor ich meine Bücher um 99 Cent übers Internet verschleudere. Wäre ich Anfängerin und würde keinen Verlag für mein Werk finden, wäre ich vermutlich auch unter den abertausenden Selfpublishern, um mein Glück zu versuchen, in der Hoffnung, dass sich Qualität irgendwann durchsetzt.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Es muss mich von Anfang in die Handlung hineinziehen, mich unterhalten und am besten nicht mehr loslassen. Egal, ob es sich um Belletristik oder Sachbuch handelt. Komplizierte Satzkonstrukte und gekünstelte Sprache mag ich überhaupt nicht, auch kein ausuferndes Geschwafel, dass nicht der Handlung oder der Figurenentwicklung dient.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

  • das Handwerk beherrschen beobachten,

  • zuhören und dazulernen

  • akribisch anTexten feilen

  • seine Leserschaft kennen und wertschätzen

  • sich für alle Anforderungen des Berufs rüsten, Schreiben im stillen Kämmerlein reicht schon lange nicht mehr. Um als Schriftsteller erfolgreich zu sein, braucht es ein umfassendes Gesamtpaket.

Herzlichen Dank für diese Antworten!

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Foto: http://www.sarahkoska.com

Elke Pistor ist in Gemünd in der Eifel aufgewachsen, wurde von dieser geprägt und ist der Region bis heute eng verbunden. Nach dem Abitur in Schleiden folgten das Studium der Pädagogik und Psychologie in Köln. Nach kurzem Stopp am Niederrhein lebt sie heute in Köln, arbeitet als Autorin und Seminartrainerin und leitet Schreibworkshops.

Elke Pistor hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten:

Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Wer sind Sie und wenn ja, wie viele? Mensch, Frau, Tochter, Töchter-Mutter, überzeugte Europäerin, vollintegrierte Rheinland-Eiflerin, Katzenfrau (manchmal auch mit wirrem Haar), ehrenamtlich Engagierte, Teamplayerin, Sportmufflerin, Fahrradfahrerin, Vielleserin, mehr und mehr Hörbuch-Hörerin. Zum Tage gezwungener Nachtmensch.

Mein erlernter Beruf ist die Erwachsenenbildung, meine Berufung das Schreiben.

Meine Biografie würde ich gar nicht schreiben, weil ich auch eine Nabelschau-Ablehnerin bin.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Bis ich 40 wurde, habe ich außer einem Gedicht an einen Jugendschwarm (der mir letztens erklärte, er hätte es noch) und ein paar Beiträgen zur Schülerzeitung nichts Wirkliches geschrieben. Im Nachhinein hätte mir der Einser im Deutsch Leistungskurs und mein deutlicher Hang zur Buchbranche (Schüler- und Studentenjobs) zu denken geben können. Aber es war zu Zeiten meines Abiturs nicht üblich, dass die Lehrer sich mit den Schülern über ihre mögliche Berufsausrichtung unterhielten. Wer weiß, vielleicht wäre ich dann heute Journalistin oder Deutschlehrerin. Oder Polizistin – das stand nämlich auch auf der Auswahlliste.
Geworden ist es dann nach bestandener Aufnahmeprüfung erst eine Schauspielausbildung und im Anschluss ein Pädagogik und Betriebspsychologie Studium. Beides kommt mir heute als Autorin sehr zu Gute.
Beim Schreiben bin ich dann schließlich über die Schauspielausbildung (ich war nett, aber nicht gut), Gesang („Sie haben eine brecht’sche Stimme“) und Malunterricht (die Bilder sind sogar vorzeigbar, aber mir fehlt die Geduld) gelandet. Es hat einfach 40 Jahre gedauert, bis ich das gefunden habe, was ich wirklich gut kann. Und das Spannende daran ist, dass ich immer weiter lernen und mich verbessern kann.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt, zu schreiben?

So hat es bei mir mit dem Schreiben angefangen: Ein Kurs über kreatives Schreiben an der VHS Köln. Danach und weil ich auch von Haus aus ein Weiterbildungsjunkie bin, habe ich jede Menge Kurse, Seminare und Workshops bei verschiedenen Anbietern belegt, um das Handwerk zu lernen. Mittlerweile bin ich für mich zu der Erkenntnis gelangt, dass man das Handwerk unbedingt können muss, auch um Regeln brechen zu können. Talent ohne Handwerk bringt ebenso Mittelmaß hervor wie Handwerk ohne Talent.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich arbeite wie die Drehbuchautoren: Pitch, Exposé, Treatment, Storybord. Mittlerweile habe ich mir eine eigene Matrix zusammengestellt, die auf den Schreibprozessen von Snyder, Hamann und R.B. Tobias beruht. Dazu gehört natürlich auch Recherche, entweder virtuell oder auch im echten Leben. Ich versuche vor allem bei meiner Hauptfigur möglichst viel selbst auszuprobieren und zu erleben.

Wann und wo schreiben Sie?

Zu Bürozeiten an vier Tagen in der Woche. Mein Schreibtisch unterm Dach, im Sommer manchmal in der Weinlaube in meinem Garten.

Allerdings geht von dieser Zeit mehr und mehr Zeit ab, da man sich als Autor heute um sehr vieles rund um die Promotion des Buches selbst kümmern muss. Lesungsakquise zu machen und Vermarktungskonzepte zu erstellen und umzusetzen, frisst viel Zeit.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Den Feierabend im Schreiben „zwingt“ mir meine Arbeit als Dozentin einer Medienschule und meine Familie auf. Diese vielfältigen Anforderungen lassen keinen Platz für das Denken über das Schreiben außerhalb der Schreibzeit. Wobei das nicht nur Nachteile hat, sondern auch den Vorteil, dass ich wirklich Abstand vom Text bekomme und am nächsten Tag bei der Bearbeitung deutlich mehr sehe.
In den Schulferien ist für mich Schreiben unmöglich, da bei uns das Haus dann immer voll ist. Aber es macht mir Spaß, abends sechs oder acht junge Leute um den Tisch sitzen zu haben.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Das Leseverhalten der Menschen wandelt sich und damit auch die Buchszene. Der Umgang mit Medien ist ein ganz anderer als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Dem muss die Buchbranche Rechnung tragen, wenn sie auf Dauer überleben will. Und das versucht sie auch. Pauschale Lösungsansätze gibt es dazu aber leider nicht. Eine Folge ist bereits heute die Konzentration auf die Bestseller und wie man als Verlag am ehesten einen Bestseller lanciert. Vor allem neue Autoren werden von den Verlagen mehr und mehr als Gesamtpaket gesehen, bei dem alles stimmen muss: Auftreten, Optik, Alter, Publikumsaffinität, gerne auch Exzentrik oder Exotik. Dort wird dann der Werbe-Etat kumuliert eingesetzt, alle anderen gehen leer aus. Bei gestandenen AutorInnen kann man das Phänomen beobachten, dass erst, wenn sie es durch viel Eigeninitiative zu nennenswerten Buchumsätzen geschafft haben, auch Geld für Marketing in sie investiert wird. Was umso unverständlicher ist, wenn vorher fünfstellige Beträge aufgewandt wurden, um sich die Rechte an den Manuskripten zu sichern.

All das macht es AutorInnen bereits heute sehr schwer, vom Schreiben zu leben, ohne noch auf die Problematik der Buchpiraterie einzugehen.

Ich lasse mir trotz allem aber nicht die Freude am Schreiben verderben. Es ist mein Beruf und ich liebe es. Auch wenn ich vieles heute realistischer sehe als vor zehn Jahren, als ich anfing.

 Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben und wie entsteht aus einer Idee eine Geschichte?

Unterschiedlich. Mal kommt eine Anfrage des Verlages für ein bestimmtes Thema oder eine Kurzgeschichte. Mal ist es ein Thema, das mich selbst interessiert. Zur Geschichte wird es dann, indem ich mit einer ganz bestimmten Fragestellung daran gehe – und mit dem oben beschriebenen Handwerk.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel von Ihnen steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Als Autorin kann ich nur das schreiben, was ich auch denken kann. Insofern stimmt es natürlich. Allerdings würde ich eher von einer Prägung sprechen. Denn auch wenn der erste Schritt, die erste Idee, der erste Umgang mit einem Thema von meinem Selbst geprägt ist, so mache ich doch den zweiten Schritt über den Tellerrand hinaus. Ich habe es mir sogar zur Recherchepflicht gemacht, möglichst viel von anderen zu dem Thema direkt zu erfahren. Wobei man natürlich dann wieder argumentieren könnte, dass meine Wahrnehmung des Anderen ja auch subjektiv und damit wieder von meiner Biografie geprägt ist.

Dass ich eine Figur sehr nach meinem Vorbild aufbaue, geschieht eher selten. Ich finde es spannender, mich für eine Figur in deren Denkweisen hinein zu versetzen.

Einzige Ausnahme: In fast allen meinen Büchern hat irgendwer eine Katze …

 Oft wird unterschieden zwischen grosser Literatur und Unterhaltungsliteratur. Gerade Krimis/Thriller hängt oft der Ruf nach, sie seien trivial. Was halten Sie von solchen Kategorien und wieso haben Sie sich für dieses Genre entschieden?

Mittlerweile schreibe ich auch in anderen Genres und ich muss sagen, es gefällt mir gut. Krimi schreibe ich, weil ich ihn gerne lese und weil ich Spaß am Rätseln habe. Der logische Aufbau eines Kriminalromans muss stimmen. Das ist jedes Mal wieder eine Herausforderung und ich mag Herausforderungen.

Aber ich lese auch anders, je nach Stimmung. Ich mag gute Historienromane, auch wenn ich sie nicht selbst schreiben wollte. Ich kann mich an Gesellschaftsromanen wunderbar abarbeiten und in Liebesromanen schwelgen. Es interessiert mich ehrlich gesagt dann auch nicht, ob dieses Buch als große Literatur, ein anderes hingegen als „Schund“ abgetan wird. Wichtig ist für mich als Leserin in dem Augenblick, dass das Buch mir das gibt, was ich gerade brauche. Wenn es politischer Input ist – fein: Sprachschönheit – wunderbar. Ablenkung nach einer anstrengenden Zeit – warum nicht? Auf hohem oder niedrigem intellektuellen Niveau? – Jeder das, was er schafft. Bücher sind auch Mittel zum Zweck. Welcher, das muss jeder für sich entscheiden und die Freiheit, das zu können, ist sehr wertvoll.

 Ich las kürzlich, Liebesromane müsste es auf Rezept geben, denn sie seien Heilung für die Herzen der Leser. Was sind so gesehen Kriminalromane und Thriller?

Die Frage müsste doch eher lauten: Wovon muss man geheilt werden? Eigene schlechte Erfahrungen? Dem Alltagsgrau der Wirklichkeit? Dann ging es doch schon sehr in Richtung Eskapismus und das finde ich auch für viele gute Liebesromane nicht gerechtfertigt. Vielleicht ist es eher wie mit einer kurzen Pause in einem Cafe zu vergleichen. Der eine nimmt sich ein Stück süße Torte, der andere eher das belegte Salamibrot.

 Sie schreiben (unter anderem) Eifel Krimis. Wieso die Eifel? Wäre FBI in USA nicht knackiger? Oder wenigstens Berlin oder Frankfurt?

Die Eifel IST knackig … mehr muss ich doch wohl nicht dazu sagen.

 111-katzen-lesezeichen-4Mit „111 Katzen, die man kennen muss“ haben Sie neue Wege beschritten. Was hat Sie dazu bewogen? Oder war das gar nicht Ihre Idee, sondern die Ihres Katers Kai-Günther?

Kai-Günther gab es noch nicht, als die Idee entstand. Er kam erst später dazu. Aber die Frage, warum ich die 111 Katzen gemacht habe, ist einfach zu beantworten: Ich LIEBE Katzen und es gab noch keinen Band in der 111 Reihe dazu. In der Tat hat mir die Arbeit an dem Buch unglaublich viel Spaß gemacht.

 Selfpublishing und E-Books haben den Buchmarkt in Aufregung versetzt. Man hört kritische Stimmen gegen Verlage wie auch abschätzige gegen Selfpublisher. Wie ist deine Meinung dazu?

Wie ich eingangs schon erwähnte – der Markt wandelt sich. Immer mehr Aufgaben werden von den Verlagen auf die Autoren übertragen. Da kann auch der Schritt vom Verlags- zum Selfpublisherautor nur noch ein sehr kleiner sein. Aber egal ob mit oder ohne Verlag: Auf Dauer wird sich nur Professionalität durchsetzen können. Zur Professionalität gehört für mich neben einer guten Schreibe vor allem ein gutes Lektorat und Korrektorat, ein gutes Cover, eine gute Vermarktung und Marktkenntnis. Im Selfpublisherbereich ist heute vieles noch Wildwest, aber ich bin davon überzeugt, dass Qualität sich auch hier durchsetzen wird.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Eine ansprechende Sprache, die mich entweder fasziniert oder die sich der sehr guten Geschichte unaufdringlich unterordnet. Das Thema muss mich interessieren.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

Schreiben, schreiben, schreiben, durchhalten, diszipliniert sein.

Herzlichen Dank für diese tollen Antworten. Ich weiss nun, wo ich unbedingt mal hin muss.

Vier Frauen und noch mehr Todesfälle

Plötzlich verengte sich ihr Gesichtsfeld zu einem Tunnel aus weissem Licht.
„Bitte, helfen Sie mir. Ich glaube, ich…“
„Ja“, sagte die Gestalt in der dunklen Ecke, „du stirbst, Jessie. Es ist eine Wonne, dir zuzusehen, wie du hinübergehst.“

patterson5In einem Krankenhaus sterben immer wieder Menschen, die zwar über die Notaufnahme reinkamen, sich dann aber eigentlich erholt hatten. Die Staranwältin Maureen O’Mara nimmt sich dem Fall an und verklagt das Krankenhaus für die Hinterbliebenen der Opfer in Millionenhöhe. Ausgerechnet in dieses Krankenhaus wird Yuki Castellanos Mutter nach einem Schwächeanfall eingeliefert. Als auch sie eines Morgens plötzlich tot ist, nimmt sich Lindsay Boxer dem Fall an – anfänglich noch auf eigene Faust, da sie offiziell an einem Fall ermittelt, bei dem junge Frauen ermordet, vergewaltigt und puppenhaft drapiert werden. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt: Wann schlägt der Frauenmörder wieder zu und wann der Todesengel im Krankenhaus?

Patterson ist im fünften Fall seiner Reihe um den Women’s Murder Club wieder voll auf seiner Höhe, nachdem er im vierten Fall etwas schwächelte. Gleich zwei Fälle müssen gelöst werden, in beiden eilt die Zeit, weil neue Tote zu befürchten sind – und in beiden findet sich kein Anhaltspunkt, der weiterhelfen könnte. Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis Lindsay Boxer die Täter findet?

Ein Pageturner von der ersten bis zur letzten Seite, einmal angefangen, will man ihn nicht mehr aus der Hand legen. Es empfiehlt sich – wie immer bei Patterson – den nächsten Band schon zur Hand zu haben, um gleich neu eintauchen zu können. Dies umso mehr, als auch zwischen Lindsay Boxer und Joe Molinari offene Fragen sind, auf die man gerne eine Antwort hätte.

Fazit:
Der fünfte Fall des Women’s Murder Club ist ein Pageturner auf höchstem Niveau. Zwei spannende Fälle, in beiden ein Wettlauf mit der Zeit, eine noch nebenherlaufende Liebesgeschichte – absolute Leseempfehlung.

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch, Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (9, Juni 2008)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442370375
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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