Handschlag muss sein

Kürzlich kursierte die Geschichte eines Mannes, der einer Frau den Handschlag verweigerte, in den Medien. Der Aufschrei war gross, man nutzte die Geschichte, um gegen Glaubensrichtungen zu schimpfen und berief sich auf Sitte und Anstand. Nur so grundsätzlich:

Nicht jeder Mensch mag Berührungen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nun haben wir in unseren Breitengraden die Konvention, dass ein Handschlag eine adäquate Begrüssung ist, die man dem Anstand schuldet. Es gab eine Bewegung, da mussten es drei Küsschen sein. Damit noch schlimmer für Berührungsablehnende.

Nehmen wir an, wir treffen einen Menschen, der uns freundlich anlächelt und uns grüsst. Ohne Handschlag. War er unfreundlich? Unhöflich? Wäre ein grummlig blickender Mensch ohne Worte aber mit Handschlag besser? Nehmen wir noch den Gruss dazu, lassen den grimmigen Blick, würde er die Konvention erfüllen. Besser? Wieso legen wir so viel Wert auf Äusserlichkeiten, die innere Haltung dabei ist aber weniger wichtig, wenn die Form eingehalten wird? Wäre es andersrum nicht sinnvoller?

Wer nun Gründe für den ausbleibenden Handschlag fordert, einige per se ausschliesst, andere anerkennt: Wohin nimmt er das Recht zu richten? Eine Krankheit ist gut, Glaube nicht?

4 Gedanken zu “Handschlag muss sein

  1. Für die höfliche Begrüßung Fremder, wäre eine berührungslose Geste sicher „praktischer“, wie sein Urzeiten in vielen Zivilationen (z.B. der „Wai“ in Thailand und anderen buddhistischen Ländern , oder Verbeugung in China und Japan.
    Aber der Handschlag ist nun mal Teil unserer Kultur. Unhöflich finde ich, eine schon dargebotene Hand abzulehnen – ohne kurze Erklärung der Gründe.
    Macht dies Sinn?

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    • Ich verstehe dich und ja, ich würde mich auch unwohl fühlen, streckte ich jemandem die Hand hin und der würde sie zurückweisen oder schlicht ignorieren. Nur: Was wäre, wenn der eine Zwangsstörung hätte (wie Monk)? Müsste er – für mein Wohlgefühl – über diese hinweggehen (wenn er es denn könnte)? Muss er mir sein Krankheitsbild darlegen? Was, wenn ich jemand wäre, der von psychischen Krankheiten wenig halte, sie mit „Hab dich nicht so!“ abtäte (solche Menschen gibt es – und sie tragen viel dazu bei, dass sich psychisch kranke Menschen zurückziehen, schämen, gar schuldig fühlen).

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      • „…Was wäre, wenn der eine Zwangsstörung hätte (wie Monk)?“
        Ich setze voraus, dass in diesen (eher seltenen) Fällen, der/die kultivierte und gebildete Gentleman/Dame die Situation souverän meistert. Von anderen als solchen Menschen, lohnt es sich nicht über Formen zu sprechen. 🙂

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  2. „Unsere Kultur“ ist doch sehr relativ. Hier im Welschen (also bereits ein paar Kilometer westlich von „unsere Kultur“) gelte ich bereits als unhöflich, wenn ich meinem Gegenüber die Hand hinstrecke, um die blöde Küsserei abzuwehren.

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