Alles nur Spass, er will nur spielen

Facebook, Twitter und Konsorten sind ab und an mein Tummelplatz. Ich klicke mich durch Beiträge, stelle selber welche ein. Manchmal kommt es zu wilden Diskussionen, oft einfach zu einem schönen Austausch. Es sind schon Freundschaften entstanden durch diese Medien, teilweise ganz wunderbare, die ich nie mehr missen möchte. Eigentlich also eine gute Sache. Und hier hört man das Aber förmlich schreien: „Ich bin hier, es gibt mich, die andere Seite“.

Was mir immer wieder auffällt, sind Menschen, die nichts anderes zu tun zu haben scheinen, als irgendwelche abschätzigen, abwertenden, spitzigen Kommentare zu platzieren. Egal ob man ein Bild von einem Hund, von einem Essen oder von einem Hobby ins Netz stellt: Immer kommt ein Schlag vor den Bug. Darauf angesprochen ist das natürlich immer nur Humor – den man nur nicht versteht.

Humor ist ein weites Feld und nicht jeder teilt denselben. Das ist nichts Neues und auch kein grosses Problem. Wenn Humor immer nur aus negativen Parolen besteht, kann es zu einem werden. Was ich mich aber immer wieder frage, ist: Wieso muss man zwingend zu allem etwas Negatives sagen? Und kann man alles Negative immer mit Humor abtun oder steckt da nicht oft eine ganz grosse Portion Zynismus dahinter? Was treibt Menschen an, die glauben, anderen ihre zynischen Bemerkungen fortlaufend um die Ohren hauen zu müssen?

Was geht in einem Menschen also vor, der bewusst ständig die Gefühle anderer Menschen missachtet, um seinen Spass zu haben? Macht das wirklich Freude? Oder ist dieser Mensch selber so frustriert, dass er diesen Frust irgendwie loswerden muss – und da eignet sich am besten ein trotz allem zum grossen Teil anonymes Medium, wo man sich so richtig auskotzen kann und keine Konsequenzen trägt? Dem Chef kann man das Arschloch nicht ins Gesicht schreien, der Ehefrau die dumme Kuh auch nicht. Und wenn weder Chef noch Frau da ist, man frustriert allein zu Hause sitzt, gibt es erst recht nichts anderes, als irgend so ein dahergelaufener FB-Buddy, dem man mal schnell die Freude am eigenen Tun nimmt. Einfach so aus Spass. Muss der doch verstehen. Ist ja nur unglaublich lustig.

Diese Menschen gibt es nicht erst seit Facebook, die gab es schon früher. Früher war auch nicht alles besser, im Gegenteil. Und doch haben Medien wie Facebook die Hemmschwelle runtergesetzt, wie mir scheint. Das liegt wohl zum grossen Teil daran, dass man dem anderen nicht mehr in die Augen schauen muss. Dadurch melden sich das eigene schlechte Gewissen und das Schamgefühl ob der eigenen Verwerflichkeit nicht so sehr (wenn ein solches überhaupt noch spürbar ist).

Vielleicht hilft es in Zukunft, sich hinter dem Miesepeter dessen Herrchen vorzustellen, der laut ruft: Keine Bange, er beisst nicht, er will nur spielen. Und wenn man sich dann noch den wild hechelnden Zyniker vors innere Auge führt, dann hat man plötzlich auch Spass. Und lacht herzhaft mit ihm. Das ist zynisch? Hat was. Aber der andere wird es verstehen, es ist ja genau seine Art von Humor.

5 Comments

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  1. Wichtige Worte – ich bin leider der anderen Seite, dem ABER auch schon begegnet. Letztens habe ich das bei einer Freudin gesehen – ein Kommentar weit drunter…schade…aber es gibt sie immer wieder, diese Menschen – Neider…vorwiegend…denke ich.

    Liebe Grüße und bleib wie du bist und mach genauso weiter. Bini

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  2. Das Unpersönliche, Anonyme (mehr oder weniger) ist sicher ein Grund, weshalb die Hemmschwelle runter ging. Ich denke auch, es ist fast zu einfach, einen Abschätzigen Kommentar abzusetzen. Früher musste man ja noch zu Papier und Feder greifen.
    Viel ist wohl Neid, Narzismus und Egoismus, der auch durchdrückt. Leider gibt es zu viele Menschen, die nicht weiter als zu ihrer Nase blicken können.
    Mir gefallen deine Artikel immer sehr – hoffe dass du dich nie davon beeinflussen lässt und weiter deine Feder arbeiten lässt.

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  3. Ich bin ja nicht in den genannten Medien unterwegs, aber kann verstehen, daß man bei bestimmten Beiträgen (schau mal, mein neuer Salzstreuer!) sich gemüssigt fühlen kann, zu kommentieren: „Was soll das?“
    Aber ein „Bashing“ setze ich trotz dem Ärger über manchem Gelesenen/Gesehenen, nie ab. Wenn ich kritisiere, dann in gewählteren Worten…und wenn das nicht möglich ist, dann „halte ich meinen Rand“ und schweige.
    Ich mag eigentlich agressiven Ton nicht und es kann passieren, daß ich mich aus einem Gespräch auf einem Blog einfach zurückziehe, wenn es zu heftig wird. Vielleicht wäre es besser, dies mit einem „Tschüss, das ist mir zu krass“ zu tun.

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